Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Amtsblatt der freien und Hansestadt Lübed 463. Jahrgan Nachrichten sür das Herzogtum Lauenburg, die 
Fahrgang Hq 
heiblatt: Gesetz⸗ und Verordnungsblatt tt atdn d neüm Iuhrrndorcuaneno Fürftentũmer Ratzeburg, Lübechk und das angren⸗ 
ααααιααεσσσασαισσοαασασαιαιασσοσασο iee r I eer zende medlenburgische und holsteinische Gebiet. 
Drud und Verlag: Gebrüder Borchers G. m. b. S. m Läbed. — Geichãftsstelle Adrrnaaes (Königstt. 46). Fernspre cher 9000 u. 9001. 
Dienstag, den 14. Oktober 1913. 
Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund. 
Aue 
— — — — — — 
Erstes Blatt. hierzu 2. Blatt 
und Handelsbeilage. 
so wie 
Gesetze und Verordnungsblatt 
der freien und Hansestadt Lübed, Nr. 44, 
enthaltend: 
Siebenter Nachtrag zur Steinpelordnung, vom 22. Desem ber 
1900. B3Zweiter Nachtrag zu dem Gesetze vom 16. Juni 
1879, die Strafbefugnisse der Polizei- und Verwaltungs- 
hehörden des Staales und der Stadtgemeinde Lubeck, 
sowie das Verfahren vor denselben und die Beschwerden 
n Verwaltungssachen betrefsend. — Nachtrag zu dem Ge⸗ 
werbefteuergeseß vom 14. Januar 1911. — Vierter Nach- 
rag zu der Bekanntmachung vom 25. September 1898, 
betreffend Seequarantäne für ausländische Wiederkäuer 
und Schweine. — Sechster Nachtrag zu dem Gesetze vom 
29. Aprit 1809, die Rechtsverhältnisse der Beamtem 
heireffend. — Siebenter Nachtrag zu dem Gesetz vom 
5. Juli 1889, betreffend den Anbau an Straßen und 
Pläten in den Vorstädten der Stadt Lübeck. — Vierter 
achtrag zur Bauordnung, für die Stadt Lüuhed, deren 
Korstädte, und Vororte, sowie für Travemünde vom 
5. Mai 1903. — Bekanntmachung, betreffend Straßen⸗ 
henennung 
Moraen⸗Blatt Ar. 520. 
— 
vor. Da von den in der Literatur bespcochenen Wegen der 
»er Proklamation eine nicht unerhebliche Zahl von Anhängern 
zatte, befaßte sich der Justizminister in dem Gutachten zunächst 
ait diesem Wege; er wies nach, daß dieser Weg aus recht⸗ 
ichen und politischen Gründen ungangbar sei. Im zweiten 
keil schlug das Gutachten dann einen Weg vor, der nach 
Ansicht des Justizministers rechtlich zulässig ist. Das Gutachten 
var, wie bemerkt sei, nur für den Ministerrat bestimmt und 
and die Billigung des Miniiterrats. 
Nach dem Tode des Prinzregenten Luitpold suchte die 
ztaalsregierung mit dem Landtage über die Königsfrage Füh— 
ung zu nehmen. Zu diesem Zwecke gab sie einigen Mitgliedern 
er Kammer der Reichsräte von dem Gutachten des Justiz- 
ninisteriums Kenntnis. Auch teilte sie einigen Mitgliedern der 
zammer der Abgeordneten, und zwar selbstverständlich Mit— 
liedern aller Parteien, das Gutachten zur Information mit. 
Zei den Besprechungen in den Fraktionen wurde dabei zum 
lusdrudd gebracht, dah das Gutachten an sich nur für den 
Ministerrat bestimmt gewesen sei, jedoch die Billigung des 
Ninisterrats gefunden habe und daß, wenn es zu einer Vor— 
age an den Landtag käme, das Gutachten die Grundlage 
er Vorlage, deren Entwurf übrigens im Justizministerium be— 
eits ausgearbeitet' sei, bilden würde. 
Ddemonstrationen gegen Frankreich für ein spanisch-deutsches 
Bündnis in VBarzelona. 
PC. Paris, 13. Okt. Die Begeisterung des spunischen 
holkes über die fpanisch-französische Entente scheint nach Nach⸗ 
ichten, die allmählich durchzusickern beginnen, nicht so allgewein 
jewesen zu sein, wie sie in der französischen Pressfe geschildert 
surde, im Gegenteit in Barzelona sollen sich am vergangenen 
Donnerstag Unruhen ereignet haben, die einen ausgesprochen 
intifranzösischen Charakter trugen und die einen hedentend 
zröheren Umfang hatten, als anfangs verlautete. In der 
ranzösischen Presse hat nur der Temps eine diskfrete Am 
pielung auf diese Vorkommnisse gemacht. Es bestätigt sich 
etzt, daß alle Telegramme, die darüber berichteten, von der 
zZensur unterdrückt worden sind, und so werden erst heute 
rieflich Einzelheiten darüber bekannt. Die Unruhen trugen 
beder einen nationalistischen noch revolutionären Charakter, lon⸗ 
ern waren einzig und allein politischer Natur. Sie fanden 
anaz spontan, ohne irgendwelche Vorbereitungen vor dem fran— 
öf'schen Konsulat statt. Es wurden Rufe laut: „Nieder mit 
zrankreich“, „Nieder mit Poincaré“, „Hoch Deutschland!“ Ermen 
anz besonders starken Widerhall fand ein Hoch auf den deufs hen 
kaiser. Es wurden spanische und deutsche Fahnen geschwungen, 
nuf denen mit Riesenlettern stand: „Wir wollen kein Bünd 
iis mit Franireich, wir wollen ein spanisch-deutsches Bündnis.“ 
Die Demonstrationen nahmen einen so ernsten Charakter an, 
aß die gesamte Garnison mobilisiert werden mußte und 24 
Stunden lang der Kriegszustand über die Stadt verhängt wer—⸗ 
»en mußte. Als Kavallerie die Straßen von Demoönstranten 
u fäubern suchte, kam es zu blutigen Zusammenstößen. Zahl⸗ 
eiche Personen wurden verhaftet und erst am Freitag abend war 
die Ruhe in der Stadt wieder völlig hergestellt. 
Staatssekretär Dr. Solf in Togo. 
W. Lome, 13. Okt. Staatssekretär Dr. Solf hat vorn 
. Oktober ab unter Führung des Gouverneurs Herzog Adolf' 
rriedrich zu Medlenburg das Schutzgebiet Togo bereist. Am 
. Oktober kam der Staatsfekretär in Anscho an und fuhr im 
lutomobil durch den Bezirk des Tokpli. Am 6. Okt. war er! 
n Muatiae, am 7. in Atakpame, wo er die bei Kamina ge⸗ 
egene großartige Funkenstation besuchte. Anschließend folgte 
ine Automobilfahrt durch den Bezirk Sokode. Der Staats⸗ 
ekretãt hat von dem dortigen Gebiet die günstigsten Eindrücke 
ind die Ueberzeugung von der Notwendigkeit der Erbanung 
iner Nordbahn gewonnen. Am 9. Okt. erfolgte die Rudfahrt 
ach Lome. Am 10. und 11. Okt. fuhr Dr. Solf durch den! 
Zezirk Misahöhe bis zum Volta, wobei er die Kabaokultucen der 
kingeborenen besichtigte. Am 12. Okt. nach Lome zurück⸗ 
jekehrl, hielt er an die dortigen Eingeborenen eine Ansorache 
ind hatte soedann eine Konferenz mit der Kaufmannschaft, die 
hin abends »ein Fest gab. Heute, Montag, hat der Staats— 
ekretär auf der „Lucie Woermann“ die Heimreise angetteten. 
Der mexikanische Staaitsstreich. 
WV. Nemnorl, 13. Okt. Nach einem Telegramm aus 
Mexiko erklärte Minister Aldape, daß die verhafteten Abge— 
rdneten ihre Freiheit nicht erhalten können, sondern vor Ge— 
icht gestellt werden sollen; kein einziger sei freigelaffen worden. 
ZDie Auflsung des Kongresses bedeute nicht, daß leine Neu— 
⸗ahlen stattfinden sollen. Wie es in dem Telegramm weiter 
)eibt, würder die Straken fortgefetzt von Truppen durchzogen: 
doch habe sich die durch den Staatsstreich hervorgerufene Er— 
zegung bald gelegt 
Deutsches Reich. 
Die Parteien des Abgeordnetenhaufes. Von den 443 
Nandaten des preufischen Abgeordietenhauses sind 148 im 
zesihe der Konservativen, 100 in dem des Zentrums, 72 
em der Nationalliberalen, 53 in dem der Freilonservativen, 
O in dem der Fortschrittkchen Volkspartei, 12 in dem der 
zolen. 10 in dem der Sozialdemokraten. Außerdem gehören 
em Abgeordnetenhause noch an 2 Dänen, 1 Christlichsozialer, 
Teutschsozialer und 1 Fraktionsloser. Es ist zu erwarten, 
‚aß der christlichsoziale und der deutschsoziale Abgeordnete 
n nähere Bezieltingen zur konsercaltven Partei treten werden. 
„Briefe eines Rekruten an seine Mutter.“ Der Deutsche 
Wehrverein hat sich mit einer neuen Schrift unter dem vor⸗ 
ehenden Titel auf ein bisher in seinen Flugschriften noch 
icht beschrittenes Gebiet begeben. Auf der Grundlage des 
rsten Teils des 82 der Satzungen, das vaterländische Bewubt⸗ 
in zu siärken, ist diese Schrift entstanden. Sie bildet für 
ien Rekruten ein ganz vorzügliches Buch, ihm Lust und Liebe 
u seinem Soldatenberuf zu geben und ist recht geeignet, auf⸗ 
lärend bei denjenigen zu wirken, die durch die sozialdemo— 
ratische Verhetzung irregeleitet sind. Die von Wilhelm Schultz- 
Adendorf verfahte Schrift enthält manch gute Lehren, manche 
Varnungen. Aber nicht nur für den Rekruten ist sie von 
Vert, sondern auch für den ausbildenden Unteroffizier und Ge— 
reiten. Sie zeigt, wie ein Unteroffizier oder Gefreiter, der 
as junge Rekrutenmaterial zur Ausbildung in die Hand be— 
ommt, seine Leute nicht nur zu tüchtigen Soldaten heran⸗— 
ilden, sondern auch zu vaterlandstreuen und monarchisch ge⸗ 
innten Männern erziehen kann, die in ihrem Charakter gestählt, 
1nder Lage sind, allen sozialdemokratischen Verhetzungen ihr 
Ihr zu verschliehen. Die Armee wird es dankbar begrüben, 
in so prächtiges Hilfsmittel für ihre große Aufgabe, die Er— 
iehung des jungen Mannes zum tüchtigen Soldaten und Vater— 
indsfreund, zu erhalten. Möge das Buch die Verbreitung fin— 
en, die es verdient. 
Was geht mich der Deutsche Kaiser an? Im Ober— 
ayrischen Schulangeiger teilt ein Lehrer mit: „Gelegentlich 
es Aufrufes zur Kaiserjubiläumsspende für die deutsche Kolo— 
iolmission gebrauchte ein Pfarrer in einer äußerst gut katho— 
ischen Gegend Oberbayerns auf der Kanzel folgende Redewen⸗ 
ung: „Manche werden sich denken: Was geht mich der 
Aeutssche Kaifer an? Das Geld bekommen doch wahr— 
heinlich wieder die protestantischen Missionare. 
lber, andächtige Zuhßrer, man kann ohne Bedenken beisteuern; 
enn die Beiträge werden diesmal nicht an das Bezirksamt. 
ondern direkt an den Herrn Erzbifchof gesandt.“ Es 
t nur schade, daß der Name dieser Stütze von Thron. 
zaterland und Staatsqurorinit wicht beigesetzt ist. Das wurde 
edenfalls aus guten Gründen unterlassen. Denn es wäre so 
ange geschnüffelt und inquiriert worden, bis man den Ein— 
ender ensdeckt hätfte Tann aber: Weh' ihm! 
iô —I ”àR — — — üü⏑—— 
Umfang der heutigen Mun Seiten. 
—Z AöAB—— ————————⏑————⏑&⏑&⏑ ———————— 
lichtamtlicher Seil. 
Die Bevölkerung von Nord-Epirus. 
Der von der PVreß-Centrale zu den Arbeiten der 
ulbanischen Grenzkommission entsandte Sonder— 
zerichterstatter meldet: 
Ich habe in der letzten Woche den ganzen Bezirk von 
Coritza durchstreift, um die Gelegenheit wahrzunehmen, den 
Charakter dieses Albanien zugesprochenen Gebietes kennen zu 
ernen. Die Bevölkerung umfaßt nach den amtlichen, mir 
ugänglich gemachten Zahlen insgesamt 79 704 Seelen, die 
ich folgendermaßen zusammensetzt: 
4 358 sind griechische Christen, 30 872 sind Muselmanen, 
650 sind Wallachen, davon sind 1000 Christen. 
Ein großer Teil der muselmanischen Bevölkerung ist unter 
dem Zwang der türkischen Herrschaft zum Islam übergetreten. 
Nur ein geringer Teil sind Abkömmlinge der türkischen Be— 
amten oder Einwanderer. 
Die Verteilung der Bevölkerung ist so, daß die kleinen 
dörfer meist rein christlich oder rein mohammedanisch sind. In 
größeren Ortschaften ist dagegen eine gemischte Bevölkerung 
vorhanden. die in getrennten Quartieren lebt. Das griechische 
Schulwesen untersteht dem Metropoliten Germanos und dem 
Heneralinspekteur Dinis in Coritza. An 120 Schulen unter⸗ 
ichten 120 Schullehrer und Lehrerinnen 10 000 Schüler. In 
Foritza befindet sich eine höhere Lehranstalt in Form eines 
ßymnasiums mit sechs Kiassen. In einer von amerikanischen 
Missionaren in Coritza errichteten Primärschule werden 150 
Schüler umterrichtet, in einem Halbgymnasium sowie einer vier— 
lassigen Primärschule 50 Schüler. In einigen Orten schicken 
die besser situierten islsamischen Kreise ihre Kinder in die 
griechischen Schulen. In den Schulen ist die Schrift'prache 
aur griechisch, die Familiensprache dagegen vielfach albanisch, 
da das Schriftliche noch nicht fixiert ist. In Valona und 
Durazzo erscheinen zwar Zeitungen in albanischer Sorache, die 
sich jedoch eines von einem italienischen Gelehrten aufgestellten 
Alphabetes bedienen, das allerdings zur Wiedergabe aller 
albanischen Zeichen unzureichend ist und nur vom geringsten 
Teil der Bevölkerung verstanden wird. Die Sprache im 
vandelsverkehr und amtlichen Verkehr sowie die Gerichtssprache 
st griechisch, was ich aus den Dokumenten der verschiedensten 
cpochen zweier Jahrhunderte, die ich in den Archiven durch- 
eb lättert habe, ersehen konnte. Außerdem besteht in Coritza 
der Wunsch der gesamten Bevölkerung, wieder mit Griechen— 
and vereint zu werden. Auch in verschiedenen Nachbarorten, 
ie rein muselmanische Bevölkerung haben, erklärte mir der 
Irtsvorstand, daß die Bevölkerung unter dem griechischen 
Regime bleiben wolle. Sie fei sogar bereit, mit den Griechen 
zegen die Albanesen zu kämpfen. Der Teil der muselmamschen 
Bevölkerung, der zu näherer Vereinigung mit Albanien hin⸗ 
neige, bestehe zum größten Teile qus restgiösen Fanatikern, 
die die Macht in den Händen behalten wollen. Ein bedeuten⸗ 
der Bei erklärte mir, diese Vereinigung mit Griechenland stellt 
uns zu dem christlichen Glauben. Diese Erklärung ist charakte⸗ 
tistisch für die ganze albanssche Frage, die nichte auderes ais 
ein Kampf des Issams mit dem Christentum auf dem west 
den Valkangebiet ist. Die Abneigung der hier lebenden 
Lhristen gegen ein miselmanisches Regime zu begründen, dürfte 
inndotiag sein. da die Bedrückung, die sie Jahrhundere hindurch 
Nahren haben. bekannt ist. Die fur den West-Europäern 
hwer verständliche Todesentschlossenheit der griechishen Ebiroten, 
vuf immer mit Griechenland vereint zu bleiben, wird dadurch 
rklärlich, daß unter türkischem Regime niemand seines Leben 
icher war, daß die Ortschaften niedergebrannt wurden uun 
eie Brandruinen die christlichen Quartiere bildeten. Wie ich 
us den Grabsteininschriften auf dem christlichen Friedhof in 
Coritza selbst ersehen konnte, wurden in Coriha waͤhrend des 
ürkishhen Regimes jährlich 60 Christen ermordet wahrem, 
n der neunmonatigen griechischen Herrschaft kein Mord zu ver— 
eichnen me 
— — — 
Neueste Nachrichten und Telegramme 
der 21 A.« und ual Z.ẽ. 
Die bayerische Königsfrage. 
W. Wüünchen, 18. Okt. Die Bayerische Staats⸗ 
eitung veröffentlicht in ihrer heutigen Nummer nachste hende 
rklärung zu dem von der Presse besprochenen Gutachten in 
er Köniasfrage, das sie zugleich im Wortlaut bekannt gibt: 
In mehreren Zeitungen wurden in den letzten Tagen Auszuge 
us einem Gutachten über die Beendigung der 
egentschaft veröffentlicht. Die Staatsregierung sieht sich 
iit Rücksicht h ierauf veranlart, das Gutachten hiermit im Wort⸗ 
jut zur öffentlichen Kenntnis zu bringen. Schon zu Lebzeiten 
es Prinzregenten Luitvold war, insbesondere im Jahre 1897. 
mder Kammer der Abgeordneten angeregt worden, daß die 
iegentschaft endigen und Prinzregent Luitpold König werden 
»tle. Die Frage wurde zwar dadurch erlegt, daß der damalige 
zorsitzende des Ministerrats im Landtage als allerhöchste 
Lillensmeinung Seiner Königlichen Hoheit des Prinzregenten 
uitpold den Wunsch kundgab, es möge an den bestehenden 
zerhältnissen nichts geändert werden. Allein der Gedanke, daß 
zayern wieder einen regierungsfähigen König erhalte, blieb 
weiten Bevölkerungsschichten wach und war auch später 
iederholt Gegenstand der Erörterung. Ueber die Art und 
Veise, wie dies geschehen könnte, sind verschiedene Antichten 
eäuhert worden. Von einer Seite wurde insbesondere vor— 
eschlagen, die Vormünder des Könias Otto sollten auf die 
trone verzichten. Von der anderen Seite wurde die Meinunq 
ertreten, nach bayerischem Rechte sei die Regierungsfähigkeit die 
zoraussetzung der Thronfolgefähigkeit. Der Regent könne also 
ei einer lange dauernden Regentichaft den König für dauernd 
egierungsunfähig erklären und sich selbst ohne Mitwirkunq des 
andtages zum König proklamieren. Als nach men'schlicher 
doraussetzung mit dem nahen Tode des Prinzregenten ge— 
echnet werden mußte, erachtete es die Staatsregierung als 
hre Aufgabe, zu prüfen, ob nicht gelegentlich des Wecsels 
uder Regentichaft die Frage der Beendigung der Regent⸗ 
chaft und Hersteilung eines normalen Zustandes gelöst werden 
oltte. Der Ministerraf ersuchte daher den Jasti,minister, über 
iese Frage ein GFutachten auszuarbeiten. Der Justizminister 
egte sodann das unten abgedrucdtte Gutachten dem Ministerrat 
Krife im chinesischen Kabinett. 
A. FC. Peting. 13. Okt. Der Präsident nes Kabinetts- 
fiunghsilin, halt sich als Anhänger der abspluten Veras o 
ichkeit des Kabinetts vor dem Parlament bekannt, wobei e sich 
n Gegensatz zum Prhiegeen Juanschitai stellte. Es ist daher 
»as Gerücht von dem bevorstehenden Rüdtritt des jetigen 
dremierministers entstanden. An seine Stelle soll Sun Thn 
han, Dex letzte Min'sterpräsident des Königreichs Ehina, treten. 
das Auftanchen dieses Namens heweist, daß Juanschikai nach 
einer definitiven Wahl lich recht sicher fühlt da er sonn nich 
tuf. diese bei den südlichen Republikanern wenig beliebte Per— 
oͤnlichkeit zurückgreifen würde
	        
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