Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Olteser Moden⸗Bericht 
der Lübeckischen Anzeigen erscheint 
allwõchentlich Sonntags. 
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Woden-⸗Bericht 
der Lübeckischen Anzeigen und Lübecker Zeitung. 
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Moderne Blusen. 
Die Form der Bluse, die auf letzte Modernität Anspruch 
nacht, hat mit den Jahren eine gänzliche Umwandlung erfahren; 
nenn jene Bluse, die das Eleganteste, was es in diesem Genre 
ibt, darstellt, meidet ängstlich alles Enganliegende, somit ein 
estes Futter und Fischbeinstäbe, sie meidet die einst so beliebten 
chweren chinierten oder karierten Seidenstoffe, sie meidet den hohen 
Ztehkragen und viele andere Details, wie z. B. die vielen Fältchen 
ind Säumchen, die Zierstiche und Durchbrucharbeiten, die vor 
inigen Jahren von einer eleganten Bluse untrennbar schienen. 
Damit will nicht gesagt sein, daß man all das nicht mehr 
ieht; man sieht es, aber Anspruch auf letzte Modernität kann 
s nicht erheben, es ist vielmehr eine Art persönlicher Liebhaberei, 
ie ich menerset nicht begreife, denn die Bluse in der Form, 
vie die letzte Mode sie uns bringt, ist viel bequemer als die 
hemalige, sie ist ganz leger gehalten, und selbst wenn sie aus 
Seide ist, nur mit einem ganz weichen Futter versehen, das 
eigentlich nur als ein 
Schutz der Seide be⸗ 
rachtet werden kann, 
iber uns in keiner Weise einengt. 
Die lose fallende Bluse verdient 
neiner Anficht nach auch aus dem 
Brunde den Vorzug, als sie viel prak 
ischer, viel haltbarer ist als die fest an⸗ 
iegende; es liegt auf der Hand, daß 
urchsichtige Stoffe, ja selbst gute Seide 
änger halken, wenn sie unter dem Arm, 
uf dem Rücken nicht gespannt werden. 
Man könnte nun vielleicht ein⸗ 
oerfen, diese Art der lose fallenden 
Blusen sei nicht für jede Gestalt ge⸗ 
ignet. Meiner Ansicht nach ist das 
n den meisten Fällen ein Vorurteil; 
holle Formen oder allzu große Schlank⸗ 
zeit präsentieren sich unter ein wenig 
Faltenwurf“ günstiger als unter ganz 
latt gespanntem Stoff. Erweist sich 
ine feste Stütze als dringend notwendig, 
ʒann ist in erster Linie stets ein Büsten⸗ 
alter zu tragen — er ist in sehr vielen 
Fällen bei der Mode der niedrigen 
dorsette kaum entbehrlich — in zweiter 
dinie ein Leibchen, das nach Maß aus 
estem Stoff gearbeitet wird. 
Daß die, Lingeriebluse“ auch mitten 
im Winter getragen wird, befremdet 
heute niemanden mehr, und es scheint, 
zie ganze Frauenwelt hat sich genügend 
ibgehärtet, um diese Mode zu ertragen, 
a sogar, um in Wetter den bloßen 
dals zeigen zu können. Neben der 
Lingeriebluse“ spielt 
um Trotteuranzuge 
ine große Rolle die 
Bluse aus weißer 
Waschseide, in Formen 
gearbeitet, die der 
Hemdbluse“ nahe⸗ 
ommen, nur mit dem 
Interschied, daß ein 
mlegekragen an Stelle 
des Stehkragens tritt, 
vo es sich um einiger⸗ 
naßen jugendliche Er 
scheinungen handelt. 
Ein etwas „ge⸗ 
outzteres Genre“ ver⸗ 
treten z. B. Blusen 
aus weißem oder glattem farbigen, aber dunklen Libertyatlas, 
nit Kragen und Mans chetten aus bunt bedruckter Seide geputzt, 
n jenen Mustern, die man als „genre bulgare?“ bezeichnet, die 
u ganzen Blusen zu verarbeiten keine glückuche Idee war, deren 
euchtend lustige Farben dagegen, nur als kleine Flächen auf⸗ 
retend, also als Aufputz, sehr gut wirken. Eventuell könnte 
man dann aus demselben Stoff wie der Kragen und die Man- 
chetten einen lose gewundenen Gürtel anfertigen und dadurch 
»en Eindruck der Zusammengehörigkeit zwischen Bluse und 
Rock steigern. 
Eine große Neuheit sind auch jene weißen oder bunten, aber 
wohl stets einfarbigen Seidenblusen, die mit ganz schmalen Pelzstreifchen gar⸗ 
niert werden. Es ist das eine sehr reizende, kleidsame Neuheit, die an und für 
ich nicht billig, doch billig hergestellt werden kann, denn — alle alten Pelz⸗ 
estchen koönnen hier zur Verwendung kommen. In der Hauptsache sieht man die 
Zelzstreifchen hinten rings um den Hals laufen und vorn den herzförmigen 
Ausschnitt begrenzen, oder einen westenförmigen Einsatz einfassen, oder endlich 
iemlich große Kragen begrenzen — immer nur in ganz geringer Breite 
mgewendet. Man kann so z. B. sehr leicht und billig ein den letzten 
Anforderungen an Modernität eutsprechendes Kleid zufammenstellen: Ein 
einfacher dunkelblauer Cheviotrock, dazu de fertis — 
duntelbiaue AÄtlasbluse mit ein wenig Pelzgarni un 
man selber — in Farbe und Qualität pe— —* 
2iberty läßt sich bestimmt finden — einen kleinen Rockübe 
ut,i ire Lines Schoßes, der im Taillenschluß 
anfertigt, in Gestalt eines Schoßes, —5 
leicht Lingekräuselt, unten mit einem schma J z ge 
pasfenden Pelzstreifen besetzt wird. W 
Beschreibung zu unseren Abbildungen. 
Nr. 63111. Die dominierende Note in den neuen Pariser Röcken 
ffie Effert. dem man weder Anmut noch un. 
st der vorn aufgera Ein derart geraffter Rock ift 
jezwungene en gera der geraffte 
icht im eigentlichen 68 — i i 
ue n W Anterkante und die Weite im oberen A 
m Gehen ganz wie eine Drapierung und erzielen e yep 
der Sacksiihouette, deren Benennung nicht sehr agstg aa 33 
bie dafür aber desto grazisser aussieht. Wuster 63111 gelut euen 
Rock dar, der ganz nach diesen neuen Linien peprn ist pnd 7 
einem oder zwei Teilen gearbeitet werden kann. Der o 77 * 
wie schon erwähnt, weiter ist als die Anterkante, ift in Falten eg 
die weich und offen gelassen werden können, oder die y 
edersteppt Die Vorderpartien sind aufgerafft und treten übe 
rinander, so daß ein 
sehr eleganter und doch 
urchaus diskreter Einschlitz entsteht. Der 
Kock mißt in Mittelgröße an der Anter⸗ 
ante 1,15 m, ist in runder Länge gehalten 
ind hat die moderne, leicht gehobene Gürtel⸗ 
inie. Für mittelgroße Figuren berechnet man 
35 m Stoff 88 em breit. Muster 63111 ist 
à 7 Größen, von 56 bis 86 em Taillenweite 
nd 84 bis 128 em Hüftenmaß, erhältlich. 
Nr. 63133. Betrachtet man sich die 
eganten Nachmittagskoftüme aus Moiré, 
harmeuse, Wollratin oder Baumwoll- 
rosché, dann wird man fast immer Jacken 
ehen, die ganz im Stile des Modells gehalten 
nd, das wir als Muster 63 133 illustrieren. 
das Muster ist durchaus originell und eigen 
rtig, hat aber doch die hervorragendsten 
Nerkmale aller modernen Jacken, den Westen⸗ 
nsatz, die elegant gehobene Gürtellinie oder 
ie abgeschrägten Vorderpartien im vorderen 
eile und einen kleidsamen Schoßeffelt im 
dücken. Die Jacke kann lose oder glatt in 
en Gürtel gespannt getragen werden und 
lermel in voller Länge oder auch kürzere 
lermel haben, die mit der Jacke selber aus 
nem Stück geschnitten sind Material für 
ittelgroße Figuren für die Jacke mit langen 
lermeln 2,30 m Stoff 88 em breit, 40 em 
bstechenden Stoff 88 em breit für Kragen 
ind Manschetten und 65 em Stoff 70 cm 
reit für Westeneinsatz und Patten. Muster 
3133 ist in 7 Größen, von 81 bis 112 em 
berweite, erhältlich. 
Nr. 63300. Jede Mutter, die über⸗ 
aupt ein Baby ihr eigen nennt, hat 
atürlich das niedlichste und hübscheste 
zaby auf der ganzen Welt, und ebenso 
atürlich wird fie für dieses Baby auch das 
ciedlichste und hübscheste Kleidchen haben 
vollen, das überhaupt nur zu finden 
st. Ein solches Kleidchen, das auch der 
tolzesten und eitelsten 
Mama gefallen wird, und 
in dem sich auch das 
bequemlichkeitliebendste 
Baby sehr wohl fühlen 
dürfte, wird als Muster 
33 300 auf dieser Seite ab⸗ 
zebildet. Die Falken sind 
nn diesem Modell in hüb⸗ 
schen Gruppen arrangiert, 
so daß zwischen ihnen ge⸗ 
nügend Raum bleibt, üm 
das Kleidchen mit hübscher 
dandstickerei oder einigen 
Reihen von Grätenstichen 
u verzieren. Material: 
„75 m Stoff 88 em breit 
ind 80 em Spitze. Muster 
3300 ist nur in einer 
Größe erhältlich. 
Nr. 63355. Eine Hemdbluse muß einfach sein, gag gewiß; wenn 
iber die Einfachheit übertrieben ist, dann verliert ssie an Reiz und Kleid- 
samkeit und wird von geschmackvollen Frauen verschmäht und verworfen 
werden. Dem Modell 63358, das auf dieser Seite gezeigt wird, dürfte 
ein solches Schicksal aber kaum beschieden sein, vielmehr hat dieses 
Muster alle Aussicht, lebhaften und dauernden Beifall zu erringen. 
Denn diese Hemdbluse ist zwar in den Grundlinien durchaus einfach, 
»ie Einfachheit wird aber durch die Schulterfalten gemildert, die überdies 
»er Figur gerade dort eine ehhhe Breite verleihen, wo sie am kleid⸗ 
amsten und notwendigsten ist. Ein hübscher Ausschnitt und ein zurück 
zeschlagener Kragen wie auch ein hoher Stehumlegekragen und ein 
dalsbündchen zum Tragen von selbständigen Kragen ist vorgesehen. 
Die Aermel sind im Herrenhemdstil eingesetzt. Material für mittel 
roße Figuren für die Bluse mit langen Aermeln 230m Stoff 88cm breit. 
Muster 63355 ist in 7 Größen, von 81 bis 112 em Oberweiie, erhältiich. 
Nr. 63500. Ein einfaches Damenkleid, das trotz aller Einfachheit Originalität und 
Stil besitzt wird als Muster 63500 dargesiellt. Die Linien des Kleides sind tadeilos 
ind die Führung der Verschlußkante durchaus neu und originell. Das Kleid bestebt 
rus einer Hemdbluse, die hochgeschlossen sein kann und dann einen Stehumlegekragen 
zat oder die mit einem Halsbündchen zum Tragen von selbständigen Kragen ausgestattet 
vird, wenn man nicht einen leichten Ausschniit mit einem zurückgeschlagenen Kragen 
»oxzieht. Der drei. oder vierteilige Rock wird in normaler Taillenlinie an die Blufe 
zefügt, ist in runder Länge gehalten, wird an der hinteren Oberkante leicht eingereiht 
ind mißt in Mittelgröße an der Unterkante 1555 m. Material für mittelgroße Figuren 
üür das Kleid mit dreiteiligem Rock und kurzen Aermeln 320 m Stoff 100 em breit. 
Muster 63500 ist in 8 Größen, von 81 bis 14 em Oberweite, erhältlich. 
—— 
Nachdruck auch mit Quellenangabe verboten. 
LVm. 
Sensationell billiꝗe Golegenheits Posten 
Stolas u. Collijesrs Taschen-Muffen 
schõne im Fell gewahlte 2-21/, m lange Exemplare Grosse Formen 
282 360 982 
Reqꝗulãr sonst 650 bis 7500 Requlãr sonst bis 330. 
HOLSTENHAOVSLOBECA. 
f*ur sãmtliche diesem Modebericht zu 
Srundse legenden Schnittmuster 
dler Fa. Buttorick. Serlin, haben wlr 
don Alleinverkauf ior Lũbeck und 
Umgegend. 
HOLST 
Aö ENtAS
	        
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