Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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3 J 
E 2 A 1 
Ausgabe A. 
Wettbewerb um 
cubeck, 11. Oltober 1918. 
Aus Anlaßz der Jahrhundertfeier der Befreiung Deutich⸗ 
Jande von französischer Fremdherrschaft im Jahre 18138 am 
h. Maärgz 1913 und in Erinnerung an den gm gleichen Tage 
bor 25 Jahren erfolgten Heimgang Kaiser Wilhelms J. hatte 
Serr Senga Tor Bosseb] unfer, dem 24. Februar d, J. dem 
Senate ein Schreiben übersandt. in dem er seiner Vaterstadt 
das großortige Geschenk eines 
Lof Kaiser⸗Wilhelm-Voltshauses 
anbot. 
Der Senat gab von dielem Angebot der Bürgerschaft in 
ver geheimen Sißung vom 7, März in einem Dekret Kenntnis, 
ne dem gausgeführf war, daß Herr Sengator Posiehl ein 
solches Kaiser⸗Wibeim-Boikshaus, das der Erinnerung ga den 
rffen Kaiser des neuen Deutschen Reichs Zeweiht, Räume 
ür die öffentliche Bücher- und Lesehalle, für Volkshorträge 
mnd porlesungen, endlich für Aussiellungen vornehmlich auf 
vent Gebiese der Kunst und des Kunstgewerbes enthalten 
solie, auf seine Kosten zu errichten gedenke. Senat und 
Bürgerschaft halten das Anerbieten, das von der edlen vater⸗ 
sändischen Gesinnung des Echenkers und von seiner Liebe zur 
hateifladt wiederum veredses Zeugnis ablegten, mit dem let 
aflesien Dant angenommen und die Bürgerschaft hatte in be⸗ 
wvnderer Festsitzung ihren Dank dem Schenkgeber persönlich aus⸗ 
gesprochen und aus dem Kreise der Bürger Lübecks wurden dem 
ochherzigen Spender zahlreiche Huldigungen zus Anlaß des 
seszuges zur Jahrhundertfeier, von den Gewerken Lübecks, und 
mehrere Tage später von der Sängerschaft Lübecks und an—⸗ 
deren dargebracht. Der Kaifer hatte dem Sengt in besog⸗ 
derem Telegramm seinen Dank ausgesprochen und die Gesell⸗ 
schafi zur Bef. gemeinnütz. Tätigkeit ließ ihre Goldene Ehren- 
dentmünze überreichen. F 
Ais vorzugsweise geeigneten, Bauplatz hatte Senator 
Possehi die Fläche an der Solstentorstraße bezeichnet, quf 
der jeßt der Zossschuppen steht. Voraussetzung seines Angebots 
war, daß der Bauplatz pvom Staate unentgeltlich zur Verfügung 
geftellt werde, dah der Senat die Verwaltung des Hauses uͤber⸗ 
nehme unt daß die Kosten der Instandhalfung und des Be— 
triebes aus oͤffentlichen Mitteln bestritten werden. Das Ge⸗ 
väãude sollte tunlichst in äußere harmonische Beziehung zu einein 
denlmal für weiland Kgiser Wilhelm J. gebracht werden. 
Die noch aus dem Jahre 1807 bestehende Kommission ur 
die Errichtung eines Kaiser-Wilhelm-Denkmals Hatte sich ein⸗ 
stimmig für die Wahl des Platzes vor dem Kaiser-Wilhelm⸗ 
Volkshaus ausgesprochen und befürwortet, daß die Summe 
von 150 000 Mänaus öffentlichen Mitteln hierfür zur Ver—⸗ 
tüqung gestellt werde. Mit der Ausführung des Denkmalz 
war der Bildhauer Professor Louis Tugillon beauftragt. Auch 
diesem Antrage stimmten Senat und Bürgerschaft zu— 
In vorläufigen Grundzügen hatte Herr Senator Possehl 
ein VRauprogramm entwidest. auch lag bereits ein vorlänfiger 
Entwurf von einem namhaften, deutschen Architekturkünstler vor, 
Da indes von allen Seiten, auch von dem Schenker. Wert dacauif 
gelegt wurde, daß für den Bau das bestmögliche Proselt er⸗ 
seicht werde, wurde im Apriled. J. zur Erlangung von Ptänen 
r den Bau eines Kaiser⸗Wilhelm⸗Volfshauses in Lühed ein 
r auswärtige Architekten auf vier der gnerkannt hervor—⸗ 
ragendsten Architekten Deutschlands beschränkter. für Lübeder 
und in Lübeck geborener, auswärtiger Architekten unbeschränkter 
Wettbewerb ausgeschrieben. 
In der Ausschreibung waren die Grundlagen für die durch den 
Wetbewerb zu gewinnenden Plaäne gegeben. AlsAusarbeitungern 
wurden ein Kageplan im MaßstabI: 1000. die erforderlichen 
Grundrisse der Gebaude im Maßstab 1: 200. ein Quex- und ein 
Langsschnitt, sowie zwei Ansichten der Straßenfronten im gleichen 
Maßstab ein Schaubild von der Holstentorstratze aus. ein 
Frisäuterungsbericht und ein Kostennberschlag gefordert. Die 
Bauossen sossten 620 000 Mefür die gesamte Gebäudeanlage. 
ohne die Lũnstlische Fundierung und ohne die innere Einrichtung, 
nicht ũberschreiten. 
Als Einlieferungstermin war der J. Sept. vorgesehen. Als 
Preise waren für jeden der vier zunächst aufgeforderten Bewerher 
ein Honorar von 3200 Mevorgesehen und die gleiche Summe dem 
Enswurf der übrigen Bewerber, welcher pon den gesamten Ent⸗ 
würfen von dem Preisgericht in erster Linie als für die Aus— 
führung geeignet bezeichnet wird. 
Auf diese Ausschreibung waren 23 Entwürfe eingegangen. 
Die Niederschrift über die 
— Verhandlung des Preisgerichts, 
hetreffend Wetthewerb um, das. Kaiser-Wilhelm-Vollshaus in 
Lübed vom 7. Oktober 1913 besagt: 
Die Preisrichter versammelten sich am Dienstag, dem 
F. Oltober 18918. vormittags 9 AUhr, am Holstentore. Es 
waren sämtliche Mitglieder des Preisgerichts erschienen: 
Senasor VPossehl. g 
Ministerialdireltor Hindeldeyn. J 
Geheimer Baurat Hoffmann. 
Lrofessor Bruno Schmitz, —— 
3Zaudirektor Baltzer. 
Zaurat Mühlenpfordt. 
— Museumsdirektor Dr. Schaefer. 
„An Stelle des erkrankten Preisrichters Professor Dr. 
Lichtwarg ist auf deffen Vorschlag Herr Professor Schmißz 
in das Preisgericht eingetreten. 
Es wurde das Terrain um das Holstentor, soweit es für 
die Anlage des Fuee und insbesondere für die Errichtung 
des Kaiser-Wilhelm-Volkshauses in Frage kommt, eingehen 
Tagesbericht. 
Lübed, 12. Oktober. 
Kaiser⸗Wilhelm⸗Volkshaus. 
Die Enltscheidung der Jury verdient und findet all—⸗ 
gemeinen Beifall. denn das Projelt von Erich Blunmd ent— 
häsft tatsächlich gerade das, was man bei dem ersten von Peter 
Behrens angefertigten Entwurß vermißt hat, so sehr man desfen 
Trefflichkeit auch anerkennen mochte. Es war für Erich Blunck, 
der ein Sohn unserer Stadt ift, vielleicht etwas leichter, fich 
der bodenständigen lübeckischen Architektur anzupafsen, als dies 
einem Fremden moglich ist, aber er hat dabei seine Aufgabe 
in so künstlerischer Weise gelöst, daß auch die ihm den Preis 
zuerkennen werden, die soust so gerne von den neuen Aufgaben 
einer neuen Zeit reden und anle Traͤdition uber ven SBSaufen 
werfen wollen. 
Eine traditionslose Kunst aber gibt es nicht. und vollends in 
einer Stadt, der Kunß werke, deren Ewigkeitswert nienan be— 
streiten wollen wird, ihr Gepräge geben, kann man sich von 
aller und jeder Tradition nicht losreißen. Der Fremde, der 
nach Lübeck kommt, den schon von weiten, die ehrwürdigen Kirch⸗ 
sürme gegrüßt haben, wird ergriffen, wenn er vor dem mãchtigen 
Holtentore, steht. In der Nachbarschaft dieses trotzigen Tent- 
mals hanseatischen Geistes darf nur ein Bauwerk stehen, das 
den Eindruch. den das Stadtbild hervorruft, nicht verandert, 
londern das ihn noch vertieft. Em sosches Bauwerk venspucht 
8⏑0 
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53558— * * —77 
—4.— S 
Sonntag, den 12. Oktober 19153. 
Morgen⸗Blatt Nr. 517. 
das Kaiser⸗Wilhelm-Holks haus zu Lübech. 
zesichtigt. Die in dem dem Wettbewerbe zugrunde liegenden 
dageplan enthaltenen Straßenzüge und, Gebaͤudefronten waren, 
vweil es erforderlich war. durch Pfähle kenntlich gemaqt. 
Im Anschluß an die Besichtigung des Bauterrains be— 
naben sich die Preisrichter in die, Turnhalle des Johanneums, 
oo die eingegangenen Wettbewerbsen twürfe ausgesteilt waren. 
die Verhandiung wurde hiet um 10.45 Uhr eröffnet. 
Auf Antrag des Herrn Senator Possehl, dem alle übrigen 
Preisrichter zustimmten. übernahm Herr Ministerialdirektor 
Sinceldeyn den Vorsitz, Herr Baurat Muͤhlenpfordt die 
Führung des Protokolls. 
Durch, einen Rundgang durch die Ausstellung oee 
ich die Versammlung zunächst einen allgemeinen Ueberblick 
iüber die eingereichten Entwürfe. 7 
Danach wurden die Wettbewerbsunterlagen gemeinsam be— 
prochen. 
Boudireltar Baltzer teilte mit, daß ein Entwurf 
nit dem Namen des Verfassers eingegangen sei, da dieser 
ie nachtraͤglich erlafsene Aufforderung, die Entwürfe unte, 
Kennwort“ einzureichen, zu spät erhalten habe, weil er auf 
iner Reise begriffen. Der Entwurf ist nach dem Eingange 
m Bauamt unter Verdeckung des Namens mit Kennwort 
ʒersehen. Die Versammlung erklärte sich mit diesem Vor— 
ehen einverstanden. 
Nach den Unterlagen des Wettbewerbs soll demjenigen 
Entwurfe, welcher unter, den nicht honorierten Entwürfen vom 
Freisgericht als der beste bezeichnet wird,. ein Preis zustehen. 
Es ist deshalb notwendig, nach Schluß der Prüfung die 
honorierten Entwürfe festzustellen. Es wurde deshalh bve⸗ 
chlossen, die Herren Behrens, Fischer, Littmann und Billing 
um telegraphische Mitteilung ihres Kennworts zu ersuchen. 
Herr Baudirektor Baltzer keilte mit, daß saͤmtliche 28 
Entwürfe rechtzeitig eingegangen seien und überreichte das 
chriftlich niedergelegte Ergebnis der im Bauamt vorgenom— 
nenen Vorprüfung, die sich auf die allgemeine Erfüllung 
des Bauprogramms und die Baukosten erstredtt hat. 
Bei dieser Vorprüfung hat sich ergeben, daß der Entwurf 
Nr. 13 Gennwort „Excehsior“) willkürliche Ahweichungen von 
dem Programm in bezug auf, Zahl und Größe der ge— 
orderten Räume in solchem Umfange zeigt, daß die ver— 
anschlagte Bausumme statt auf Me620 060 auf, M 1626 000 
ich beläuft. Das Preisgericht beschloß deshalh einstimmig, 
n die sachliche Prüfung dieses Entwurfs nicht einzutreten. 
Bei dem ersten gemeinsamen Rundgang wurden einstimmig 
5 Entwürfe wegen ihrer Schwächen in praktischer und künst⸗ 
erischer Richtung ausgeschlossen. Diese Entwürfe sind: 
2. Kennwort: 0 Hauptenwurf. 
83. .. 0 Variante, 
4. „VBausumme“, 
8. Drei Plätze“, 
—14. * Sepiember“. 
Bei dem zweiten gemeinsamen Rundgang wurden die 
Fntwürfe 
Mittel⸗Korridors angeordnet, sind. Vie Zage der Eingäng⸗ 
um großen Saal und die Führung der nge quf den 
Ahioen und geschüßt gelegenen Vorplatz, welche für die Ent⸗ 
ecrung des Hauses von großer Bedeutung erscheint, ist ein 
esonderer Borzug des Entwurfs. Die Nebenräume des Sadles 
ind nur von gußen zugänglich, was nicht zu empfehlen ist. Die 
Añordnung und Gestaltung der Ausstellungsräums ist nicht ge 
ost. Tie depiante Lünftige Erweiterung gibt eine sehr ungünstigs 
Losung durch die Verbindung des späteren Flügels mit dem 
hesslibůl. Das Reiterstandbild steht nach der Auffassung des 
Preisgerichts nicht günstig. 
ie Gesfamthaltung, des geplanten interessanten Ziegelbaues 
bjetet vielen Reiʒ Allerdings ist durch zu viele Einzelmotive 
——— Fw s Baues und seine ruhige Wirkung beein⸗ 
rächtiqgt. 
Kennwort: „August 19180. 
Die vorgeschlagene Platzgestaltung wird im Grundgedanken 
vom Preisgericht als eine glückliche agnerkannt. Das Preisgericht 
hait dedoch den geplanten engen Anschluß der Gebäude auf der 
ordseite an das Holstentor nicht für rigtig Sier, ist durch 
inen Zwishentaum, in dem der Raumbestand zu erhalten ist. 
er freie Blide auf die Marienkirche von der Westseite des 
Platzes aus freizuhalten. 
Die vorgeschiagene Stellung, des Denkmals ist nach der Auf⸗ 
'assung des Preisgerichts die allein gewiesene. J 
Vor allem ist in diesem Entwurf der absolute Maßstah, der 
an diesem Piatze erforderlich ist. in ganz vorzüglicher Weise ge⸗ 
sroffen. Seine ganze Gesialtung ist in bezug auf die Gesanit- 
angrdnung. die Sestaltung der Räume, „und, Zugänge, die Be— 
wältigaung des Verkehrs der großen Menschenmassen und die 
jare Trennung der Hauptraumgruppen und deren geschidte 
Ibndns untereinander eine gute Lösung der schwierigen 
ufgabe. 
Die Architektur knüpft, bei allet Wahrung ihrer Selbständig⸗ 
'eit, an gute lübeckische Ueberlieferung an. Sie ist n 
urch ihre Unterordnung unter das Holstentor dessen Wirkung 
u deaeen und damit den ganzen Platz zu großer Bedeutung 
u erheben. 
Neben diesen großen Vorzügen sind allerdings auch Mangel 
u nennen, die vor allem darin bestehen, daß der Verkehr 
rus den Ausgängen nach einer Stelle geführt wird,. wo er 
auf der Straße nicht erwünscht ist. Tas ist zu ändern durch 
ine andere Lösung der Zugänge nach der Seite des varge⸗ 
o»genen Flůgels. die im Rahmen des, Entwurfs, möglich ist. 
Die große, Bogenöffnung der kleineren Vorhalle ist im 
Maßstah mit Rücksiht auf die Form des Holltentores zu groß 
zegriffen. Eine Aenderung erscheint erwünscht. * 
Eine Einschränkung der Höhe des Daches des vorgezogenen 
Flügels wird zu erwägen sein 
Nach Abwägung der drei vorstehend eingehend besprochenen 
Entwürfe gelangte das Preisgericht einstimmig zu der Ueber⸗ 
eugung, daß der Entwurf „August 1913* den beiden anderen, 
omwohl in praktischer als auch in künstlerischer Beziehung. 
resentlich üherlegen ist und eine wohlgeeignete Grundlage für 
ie weitere Förderung des Bauvorhabens bietet. 
Sierzu würde wesentlich beitragen, wenn mit, Rückssicht aut 
zie Schwierigkeit der vorliegenden Aufgabe alsbald ein Modell 
es abgeänderten Entwurfes. des Reiterstandbildes und der 
anzen Platzanlage hergestellt würde. 
Nach Oeffnung des Briefumschlages angen sich als Ver⸗ 
asser des Entwurfs mit denm Kennwort „August 1913“ Herr 
kegierungsrat Erich Blunck in Berlin. 
Das Preisgericht isi der Ansicht, daß eine Umbauung des 
zanzen Platzes angestrebt, jedoch das Holstentor in seiner 
reion Stellung erhalten werden, muß und nicht unmittelbar an 
pas Bauwerk Gebäude angeschlossen werden dürfen, sondern 
ugleich ein Durchblick auf den Hafen erhalten werden sollte. 
Um eine cinheitliche Umbauung des hervorragenden Platzes. 
der künftig der Mittelpunkt der, ganzen Stadt sein mird, zu 
ichern,empfiehlt das Preisgericht, daß am westlichen und noͤrd⸗ 
ichen Abschluß des Platzes und an seiner Südostecke nehen dem 
dolstentor, sowie auf dem Baublock zwischen Stadtgraben und 
em in Aussicht genommenen künftigen Verwaltungsgebäude 
uicht hohe Bauten mit geschlossenen Fronten entstehen, sondern 
daß eine aufgelöste Bauweise mit mäßiger Söhenentwicdelung 
jewählt wird. 
Das Preisgericht glaubt bei dieser Gelegenheit eine An— 
tegung dahin geben zu dürfen, den jetzigen Uebelstand, daß 
as Holstentor versunken ist und, in diesein Zustande für die 
ßzlatzgestaltung erhebliche Schwierigkeiten bereitet, dadurch zu 
eseitigen. dak das Tor in seiner Gesamtheit gehoben wird 
ind., zwar nicht durch eine mechanische Hebung, dondern durch 
ↄorfichtiges Abtragen und genaues Wiederaufbauen, an der— 
elben Stelle. Hiermit würde zugleich die Möglichkeit seiner 
fünftigen würdigen Verwendung geboten sein und dadurch eine 
iichere Bürgschaft für die dauernde Erhaltung dieses hervor⸗ 
cagenden Baudenkmals gegeben werden. 
Lübed, den 8. Oktober 1913 
1, Kennwort: „Frühlingsahnung“, 
Kaiser“ 
— 
Sedan“. 
Parzival“. 
dorhof“, 
wal“, 
Jrojekt 2“, 
rojekt 4*. 
W. —RXRäXL 
22 urm“, 
23. F krave“ 
instimmig, der Entwurf 16 (Projekt 3) gegen eine Stimme, 
»er Entwurf 18, (Projekt 5) gegen 2 Stimmen ausgeschieden. 
Danach blieben in engerer Wahl die Entwürfe mit dem 
Kennwort: 
.„August 1913 (Mr. 12), 
„Arbeit ist der raffinierteste Genuß (Nr. 19)“, 
„Volksbildung (Nr. 21)“, 
die im einzelnen wie folgt beurteilt wurden. 
Kennwort: „Arbeit ist der raffinierteste Genuß“ 
Der Lageplan ist gut gelöst, der an der Westseite des Ge— 
äudes vorgezogene Flügel schließt den Platz in guter Weise ab. 
das Reiterdenkmal steht an der richtigen Stelle. 
In den Grundrissen ist die gute Anordnung der Vorräume 
um großen Saal, der allerdings in seiner Höhenentwicklung zu 
raßz gestaltet ist, zu loben, ebenso die guie Raumbildung im 
allgemeinen. Zu beanstanden ist die Gardercbenanlage des 
zroßen Saales, welche dem J erwartenden Verkehr nicht ge⸗ 
vachsen sein wird, ferner die Anlage der Nebenräume der Bühne, 
pelche nux von außen zugänglich sind. Die Möglichkeit der 
ünftigen Exweiterung ist im Entwurf angemessen berüchichtigt. 
Die Architektur zeigt eine ernste Fassung und eine dem Zwed 
des Gebäudes entsprechende Haltung. Dem Preisgericht scheint 
gilerdings die Bogenhalle des vorgezogenen Flügels mit der 
Form des Hauptbaues nicht genügend zusammengearbeitet zu 
sein. 
Kennwort: „Volksbildung“. 
„LOer Lageplan zeigt den gleichen Grundgedanken der Lösung, 
welche das Preisgericht als die richtige erkannt hat. Die Ge— 
laltung des Innern ist für den Baufeil der den großen Saal 
enthält, klar gelöst, die Abteilung, welche die kleineren Säle 
enthält, weniger gutt, da diese zu beiden Seiten eines dunsn 
⏑ ⏑⏑ — 
rach den Zeichnungen Erich Bluncks das Kaiser-Wilhelm-Volks⸗ 
jaus zu werden. Außerdem hat der Künstler, wie schon bemerkt, 
daber für das Kaiser-Wilhehn⸗ Tenkmal einen außerordentlich 
virkungsvollen Hintergrund geschaffen, wie man sich ihn kaum 
jesser wünschen kann. 
Auf die Lösung der Raumfrage, d. h. auf die Raumver—⸗ 
eilung, wollen wir heute noch nicht eingehen, wir sahen die 
vẽͤntwürfe zunächst auf ihre dekorative Erscheinung hin an. 
zIm ganzen sind zwei Bestrebungen bemerkbar, die einen haben 
ich bemüht, sich in Einklang mit dem zu setzen, was man 
übeclische Architektrr nennen kann, die andern haben die Auf—- 
abe so aufgefaßt, dab sie einen Monumentalbau schaffen woli— 
en, der seinen Zwed in bester Weise entsprechen joll und sich 
abei einer Formensprache bedient, wie sie jetzt häufig ange— 
vendet wird, die man gerne als modern bezeichnet. Wirklich 
riginell ist in dieser Gruppe eigentlich nur Peter Behrens, 
er einen ausgesprochenen, und zwar seinen eigenen Stil hat, einen 
Stil, an den sich auch einige andere, bewußt oder unbewußt, 
mgelehnt haben. 
Eigentümlicherweise haben sich die hier ansässigen Archi— 
elten, deren Konkurrenzprojekte durchaus gediegen sind, der 
modernen Richtung“ angeschlofssen, sich also nicht darum ge— 
ümmert, daß der Bau in Lübeck errichtet werden soll. Man 
ann sich daher das, was sie und einige andere der Konkur— 
enten entworfen haben, ganz gut in einer beliebigen anderen 
Stadt ausgeführt denken, eine zwingende Notwendigkeit, daß 
»as Holstentor daneben stehen soll, ergibt sich aus den Zeich⸗ 
rungen nicht. Wir wollen am guten Alten in Treuen balten 
7. Posfehl, 
celdeyn, 
dwig Hoffmann, 
no Schmitz, 
e 
— 
ind uns dock des guken Neuen dabei freuen, und das ver—⸗ 
pricht uns von den eingereichten Projekten das des Regierungs⸗ 
ats Erich Blund am besten. Die Auswahl war unter 22 Ent—⸗ 
vürfen zu treffen, es haben sich die ersten deutschen Bau— 
neister an der Konkurrenz beteiligt und was da geschaffen 
wurde, ist von bleibendem Wert, wenn auch nur ein Werk 
sur Ausführung kommen kann. 
Die Ausstellung verdient daher das eingehendste Studium 
ind wir wollen uns auch noch ausführlicher mit den einzelnen 
Irojelten beschäftinen, heute aber unserer Freude Ausdruck 
zerleihen, daß wir jetzt die Gewähr haben, einen Monumental- 
»au zu bekommen, der den Intensionen des hochherzigen Stif— 
ers entspricht und unserer Stadt zur Ehre und zur Zierde 
jereichen wird. Daß diese Freude noch dadurch erhöht wird, 
zalf der Bauherr wie Baumeister Söhne unserer Stadt sind, 
daß der Bau also ein durch und durch lübeckisches Kunstwerk 
werden wird, soll zuletzt nicht verschwiegen bleiben. 
— — — — 
8 Ein Lübeder Bildhauer mit der Goldenen Medaille füe 
Zunft und Wissenschaft apsgezeidenet. Der König von Preußen 
jat, dem Reichsanzeiger zufolge, anläblich der dies?ährigen 
ßroßen Berliner Kunstausstellung die goldene Medaille für 
Zunst und Wissenschaft unserem Lübecker Landsmann Bildhauer 
dermann Pagels verliehen. Ferner wurde verliehen die 
zroßke goldene Medaille für Kunst dem Maler Pr. Hans von 
Bartels-München, Bildhauer Prof. Wilhelm Haverkamp-Berlin, 
Maler Prof. Julius Jacob-Berlin. Architekt Stadtbaurat Prof
	        
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