Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Romanones, der Minister des Auswärtigen, Lopez Uunoz, und 
Miinister Pichon, der spanische Maxineminister Gimeno, der 
spanische Botschafter in Paris, de Villa Urrutia, der franzö— 
sische Botschafter in Madrid, Geoffray, und der Kommandant 
des „Invincible“. 
Im Verlaufe des Frühstückhs brachte Präsident 
Poincaré einen Trintspruch aus, in dem er erklärte, er freue 
sich, daß er, den Ruhm Spaniens habe vorbeiziehen sehen 
köunen, alle lebendigen Kräfte, eine Gegenwart voller Hoffnung. 
„Wir haben die schöne spanische Armee bewundern und die 
lapfere Marine begrüßen können.“ Er sei durch die Aufmerk⸗ 
saien des Kömigs, von England ehr, gerührt worden, 
er es ermöglicht habe, daß französische Ofssiziere und Mann— 
schaften mit den englischen und spanischen Kameraden im 
Mittelländischen Meere fraternisieren, wo zwei Zivilisationen sich 
noch, mehr —88 könnten und wo die friedläche 
Unien Frankreichs und Spaniensungeheure Vor—⸗ 
teile haben werde. Poincars trank auf das Wohl des Königs, 
der spanischen Armee und Marine, auf, die edelmütige Nation, 
die dem ersten Beamten Frankreichs eine unvergeßliche Gast— 
freundschaft geboten habe. 
König Alfons erwiderte auf den Toast des Bräsi— 
denten Voincars: „Herr Präsident! Ihre berten Worte 
haben den Weg zu nieinem Herzen gefunden. Ich danke Ihnen 
dafür als Offizier und als Chef, der bewgffneten Macht 
Spaniens zu Lande und zu Wasser, von der Sie in so 
hmeichelhaften und warmen Ausdrücken geredet haben. Das 
Werk nicht der Eroberung. sondern der Zivilisation und des 
Friedens, dem die spanischen Soldaten und Seeleute, ebenso 
wie ihre Waffenbrüder ihre Kraft jenseits der Meerenge auf 
jenem afrikanischen Boden weihen, den sie so oft mit zhrem 
edlen Blute getränkt haben, wird dazu dienen, dessen bin ich 
sicher, an jedem Tage die Bande, die uns verbinden und, unsere 
uberall benachbarten Volker einigen, enger zu ziehen und das 
bereits herzliche Einverständnis immer intimer 
und fruchtbaärer zu machen. Wir können unsere gemein⸗ 
ame Wiege und unserc dauernden Interessen, an welche die uns 
heute umgebenden Fluten des Mittelländischen Meeres uns stets 
erxinnern, nicht vergessen. Ich bin Seiner großbritannischen 
Maiestät, dem König Georg V., sehr dankhar dafür, daß er 
seinen Panzerkreuzer Invincible“ nach Cartagena gesandt hat, 
wo ich vor sechs Jahren den Besuch König Eduards VII., glor— 
reichen Angedenkens, empfangen habe. Ich erhebe noch einmal 
mein Glas Ihnen zu Ehren, Herr Präsident. Ich trinke auf die 
französische Armee und Marine, auf die sehr stolz zu sein Sie 
ein autes Recht haben. Ich trinke auf die —— und 
befreundete große Nation.“ 
Der König und Präsident Poincaré richteten gemein— 
jam folgendes Telegramm mit ihrer Unterschrift an den 
König von England: „Wir vereinigen uns, um Ew. 
Maiestät dafür zu danken, daß Sie das Panzerschiff, Invincible“ 
in die Gewässer von Cartagena entsandt haben. Wir freuten 
uns sehr. dieses schöne Panzerschiff miteinander besuchen zu 
können. Wir bitten Ew. Majestät, von neuem die Versicherung 
unserer herzlichen Freundschaft entgegenzunehmen.“ 
Nach dem Frühstüd verabschiedete sich König Alfons 
herzlich von Poincarés und begab sich auf die „Espana“ zurüd 
Darauf fuhr das französische Geschwader nach Frankreich ab. 
Der König von Spanien hat den französischen Admiralen Bous 
de Lapeyrère, La Caze und Nicol das Großkreuz des Ordens 
des Verdienstes zur See verliehen 
Betrokunegen zur Reise Poincaross nach Madrid. 
Gegenüber der von einem Teile der öffentlichen Meinung 
ausgesprochenen Besorgnis, daß Spanien durch eine 
Entente mit Frankreich gezwungen sein könnte, seine 
Rüstungen zu vermehren, führt der Madrider Liberal 
aus, das Ententen, selbst Bündnisse keineswegs notwendiger— 
weise ein offen'ives oder defensives Vorgehen nach sich ziehen 
mühten. Dafür bilde die Neutralität Frankreichs im russisch⸗ 
jopanischen Kriege ein Beispiel. — Der Pariser Intransigeant 
schreibt u. a.: „Wie man er'itht, hat sich in unseren Be— 
ziehungen zu Spanien absolut nichts geändert. 
Mian hatte von einer Wiedereinsührung Spaniens in das euro— 
päsche Konzert gesprochen und wolite dieses Wiedereintreten 
durch esne Militärkonvention und durch eine Handelsver⸗ 
ständ'gung unterstreichen. Weder das eine noch das andere 
scheint geglüctt zu sein, und aus dem allem ist nur eine al lge—⸗ 
meine Mißstimmung geboren worden. Diese Mißstim— 
mung zeigt sich selbst in den offiziellen Toalten, die trotz 
ihrer großen Kordialität auch nicht die geringste Handhabe 
bieten. Der Wortlaut der Toaste wie der des Communiqués 
erlauben keine doppelte Auslegu:g. Es geht aus ihnen lediglich 
hervor, daß ssch nichts Neues durch die Reise Poin— 
carés ereignet hat. Wenn man nicht zwedlos ein wenig 
undorsichtig das Gegenteil propheeit hätte, häte Frankreich in 
ungetrübter Genugtuung den herzlichen Empfang lonstatieren 
tönnen, den man seinem Vertreter in Spanien bereitet hat.“ 
„Aber ich hab' ihn nicht. Und will ihn nicht haben! Wie 
soll ich neben einem Manne hinleben, den ich nicht mehr achten 
kann?“ 
Da erhob sich auch Frau von Henning. 
„Tu bist wohl noch zu aufgeregt. Wir wollen lieber 
einitweilen nicht mehr darüber reden. Nur das noch — 
oorhin kam dies Telegramm hier.“ 
Und sie reichte es der Tochter hin, die nun las: 
„Hatte wichtige Unterredung mit Heinz. Bitte nichts unter— 
nekbmen, mein Kommen abwarten. Treffe heute abend noch 
dort ein. Astrid.“ 
Gerda blickte eine Weile stumm auf das Papier. Nuch 
sie las da allerlei zwischen den Zeilen. Doch nun reichte sie 
ober Mutter die Depesche zurück. 
„Es ändert nichts an meinem Entschluß.“ 
4 * — J 
Astrid kam wirklich noch mit dem letzten Zuge. Sie be—⸗ 
richtete in Anwesenheit der Mutter und Ediths — Gerda selber 
wollte es so — xon ihrer Aussprache mit Heinz. 
Als sie zu Ende war, fragte Frau von Henning mit ernstem 
Nachdruck Gerda, die neben ihnen saß. die Hände fest inein— 
inder verschränkt: 
„Nun, Gerda, was sagst du hierzu?“ 
„Es mag schon alles so sein, wie er sagt — an den Tat⸗ 
sachen ändert es nichts.“ 
„Das weiß ich doch nicht! Freilich, was geschehen ift, 
laͤht sich nicht ändern; aber wieder gutmachen lähßt es sich. 
Und dein Mann — das muß ich anerkennen — hietet dir dazu 
beretwilligst die Hand, trotz deiner Flucht. Mehr kann man 
eigentlich billigerweise nicht von ihm verlangen.“ 
Und auch Astrid stimmte der Mutter bei. 
„Wirklich, Gerda! Es tut ihm aufrichtig leib. Es war 
bin ja deutlich anzumerken. Glaub mir's, Heinz ist kein 
schiechter Mensch. Nur eben sehr impulsiv, im Guten wie im 
Bösen — eben eine echte Künstlernatur. Aber es läßt sich 
schon ganz gut auskommen mit ihm. Wenn man ihn nur richtig 
zimmt. 
*. So redeten sie ihr zu, nur Edith schwieg. Da stand Gerda 
endl'ch auf, mit einem gequälten Ausdruck. 
s(Fortsetzung folgk.) 
zur Lage auf dem Balkan. 
Nachdem es den serbischen Truppen gelungen war, die Al— 
zanesen aus dem Gebiet bei Diakowitza zu vertreiben, befetzten 
iiee die strategisch wichtigen Punkte an der Wasserscheide zwischen 
dem Trinfluß und der Adria. Vier bulgarische Banden 
internahmen im Istipgeblet einen unerwarteten Angriff auf 
die dortigen Stellungen der Serben und vertrieben den über— 
raschten Feind. 
Die Belgrader Regierung hat angeordnet, daß die Truppen 
ticht weiter nach Albbanien vorzudringen haben. 
Tie Truppen haben infolgedessen hr Vordringen eingestellt. 
In einer Konferenz der serbischen Regierungspartei hielt 
Ministerpräsident Pafitsch eine zweistündige Rede, in 
er er die auswärtige Lage in ausführlicher Weise dar— 
leate. Ministerpräsident Pasitsch gab der Ansicht Ausdruck, daß 
der Konflikt zwischen Griechenland und der Tür— 
kei nach dem gegenwesrtigen Stand der Verhandlungen ver— 
mutlich in frie dlicher Weise geregelt werden würde. 
Serbien werde das gröfßte Gewicht darauf legen, enge Beziehungen 
mit seinen Verbündeten zu pflegen, um das Verhältnis zu seinen 
Nachbarn, insbesondere Oesterreick-Ungarn, günstiger zu ge⸗ 
talten. 
Das Burarester offiziöse Blatt Politika sagt: In der 
iusländischen Presse sind phantastische Nachrichten über die 
ßaltung Rumäniens gegenüber den neuen Ereignissen 
uf der Ballanhalbinsel veröffentlicht worden. Die rumänische 
degierung, welche ihre Ruhe bewahrt, glaubt nicht an neue 
derwiclungen. Diese Versicherung ist vom Ministerprälidenten 
Maiorescu gegeben. Auch der König hat sich in dem in 
Sinaia abgehaltenen Kronrate in gleichem Sinne ausgesprochen. 
Die französische Regierung hat ihren Geilandten 
n Cettinje angewiesen, der montenegrinischen Regierung 
u erklären, daß Frankreich gegen eine Anleihe Monte— 
negros in Höhe von 6 Miillionen nichts einzuwenden habe. 
Ils Kompensation für die Räumung von Skutari sind Monte— 
iegro von den Mächten wirtschaftliche Vorteile sowie die Ge— 
vährung einer Anleihe zugesagt worden. Die französische Re— 
gierung ist der Ansicht, daß jetzt kein Grund mehr vorllegt, diese 
Angelegenheit noch weiter hinauszuschieben. Die itAlienische 
Regierung, die von dieser Ansicht Frankreichs in Kenntnis 
gesetzt worden ist, soll gleichfalls den französischen Standpunkt 
derfreten. 
* 
Deutsches Reich. 
nge. Zur Welfenfrage. Von zuständiger Stelle in 
vümunden wird darauf hingewiesen, daß der Herog von 
Fumberland seit drei Monaten niemand von der Welfenpartei 
mpfangen hat. Bekanntlich hat der Herzog im Juni den 
Vorstand der Welfenpartei empfangen, um mit den Herren die 
Sachlage zu besprechen. Die Besprechung ist geheim geführt 
vorden, aber unmittelbar darauf, am 23. Juni, hat der 
Parteiführer Freiherr von Schele-Schelenburg die Erklärung 
neröffentlicht, die Partei sei sich voll der Verpflichtung bewußt, 
velche eine Thronbesteigung des Prinzen Ernst August in 
Braunschweig ihr auferlegen würde, und sie würde durchaus 
den Erwartungen des Hersogs in dieser Richtung ent'peechen 
Sieraus ist der Schluß erlaubt, daß der Herzog von Cumber— 
and den Vorstand auf die veränderte Situation hingewiesei. 
und die Partei ersucht hat, sich Zu ückhaltung aufzuezr'legen. 
das Verhalten derij nicen Fügels der Welfenrarte, zu dessen 
Bortsührer sich Herr Colshorn aufgeworfen hat, steht alse 
chwerlich mit den Absihten des Hertogs von Cumberland in 
rinklang. Der Berliner Korrespondent der Könischen Zeitung 
»eiß ferner auf Frund eingesogener Informationen zu be— 
ichten, dah die Anspielung, die Deutsche Volkszeitung, das 
Irgan der Welfenpartei, erhalte von dem Herzog von Cumber 
and eine Jahresunterstützung von 20000 bis 25 000 M, 
inrichtig ist. Der Herzog von Tumberland hat seit der 
ieunziger Jahren, dem Zeitpunkt der Zinsauszahlung 
des Welfenfonds, keinerlei materielle Unterstützung an 
die Welfenpresse gewährt. — Auch der Reichstag 
vird sich mit der Welfenfrage beschäftigen. Di 
Rationalliberalen haben ja bereits angekündigt, 
»aß sie für die Erörterung der Frage im Parlament sorgen 
wollen. Wahrscheinlich ist also von dieser Seite eine Inter- 
»ellation zu erwarten. Aber auch die anderen bürger— 
ichen Varteien haben ein lebhaftes Interesse datan, daß dieser 
velsische Streitpunkt endlich aus dem politischen Leben ver— 
chwindet. Daß die Sozialdemokratie natürlich verfuchen wird, 
mit dem Thema politische Geschäfte zu machen. liegt auf der 
Theater. Vunst und Mifsenschaft. 
Läbed, 11. Okt. 
Stadttheater. 
Zum 100jähr. Geburtstage des Meisters 
„Der Troubadour“. 
Grobe Oper in vier Akten von G. Verdi. 
Die gestrige Verdi-Feier hatte mebr den Charakter des 
Zwangsweisen, als daß man den berühmten italicnischen Meister, 
»er sich mit Richard Wagner in den Weltruhm teilt, gebührend 
jeehrt hätte. In dieser Frühoper zeigt sich Verdi noch in roher 
ünstlerischer Kraft, doch schon von eminentem musikalischem 
ind dramatischen Talent. Die Fülle der, wie eine Kette anein— 
mdergereihten Melodien einige hochbedeutende Szenen, wie 
. B. das Miserere mit den Klagetönen der Leonore und die 
domanze des Troubadour, werden dem , Troubadour“, mit 
em nie zu entwirrenden Texte, immer wirksam sein. Die 
ßröße des Meisters liegt aber auf anderem Gebiete, auls 
velchem er in der Musikgeschichte fast vereinzelt dasteht. Sein 
hn noch in spätem Alter wunderbar erfassendes Anpassungs⸗ 
dermögen an Wagnersche reformatorische Ideen, mit absoluter 
Wahrung seines eigensten Talentes, stempeln ihn zu einem 
der bewunderungswürdigsten unter den neueren Musikern. In 
iesem Sinne hätte man den Grohen feiern und einen 
Berdi⸗Zyklus mit historischer Entwidelung des Meisters ver⸗ 
instalten müssen. Ehrt man Wagner in seinem „Ring“, so 
ihnt man erst die ganze Größe Verdis in seiner Lebendigkeit, 
en Regungen der Zeit zu folgen. Der „Falstaff“ ist uns 
dersprochen worden. Möchten diese Zeilen der Direktion eine 
Anregung sein, denselben historisch vorzubereiten! 
Die gestrige Aufführung des „Troubadour“ hatte in ihren 
kinzelheiten manches Gute zu verzeichnen, doch blieb die Einheit 
nur mangelhaft gewahrt. Warum dirigierte denn nicht einer 
oon den beiden ersten Kapellmeistern? Unter Herrn Dr. 
Kopfschs Leitung ging alles noch ziemlich unsicher iund wurde 
nicht bessir durch die Unruhe am Pult. Frl. Helene 
Dffenbera als Leonore zeigte sich gesanglich von 
hrer besten Seite; Triller und Passagen waren fauber 
ind die Kantilene warm. Etwas weniger Theatralik im 
Spiel (namentlich im vierten Akt vor dem Gefänansmöchten 
dand. Ene eigentümliche Rolle werden bei diesen parlamen 
arischen Kämpfen die fünf welfischen Reichsragße 
baeordneten spielen, die bisher sorgfältig vermieden 
jaben, im Reichstag ins welfische Horn zu stoßen, und die in 
Segenteil immer von Lonalität überflossen, während sie tal 
jächlich draußen im Lande eine ganz andere Sprache führten 
Sie werden jetzt endlich einmal Farbe bekennen müssen. Daß 
die ganze welfische Idee nicht von der Masse des hannoverschen 
Volkes getragen wird, beweist der Umstand, daß bei insgesam— 
580 000 in der Provinz Hannover abgegebenen Stimmen be 
den letzten Reichstagswahlen nur 94 000 auf die Herren Welfen 
entfielen. Von den 19 hannoverschen Kreisen sind auch nu 
ünf welfisch vertreten. Davon ist jeder einzige nur in de' 
5tichwahl durch andere Hilfe gewonnen worden. 
DT. Die Königsfrage in Bayern. Die liberale Landtags— 
raktion hat zu der vom Ministerium Hertling verlangten Er— 
döhung der Zivilliste des Königs einen ablehnenden Beschluh 
jefaht. In diesem Beschlusse wird gesagt: Die Liberalen lehnen 
die Erhöhung der Zivilliste des Königs ab, sind aber geneigt, die 
Zivilliste des Regenten zu erhöhen. Die liberale Landtags- 
fraktion steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß die 
Regentschaft der Weiterentwickelung und Ausgestaltung des 
bayerischen Verfassungslebens hinderlich sei. In liberalen 
Kreisen herrscht die Ansicht vor, daß es an der Zeit sei, die 
Regentschafts- bezw. die Königsfrage zu lösen, man sträubt sich 
iedoch gegen die Form der einfachen Proklamation. Das 
Ministerium Hertling befindet sich in einer üblen Lage, und 
es ist interessant zu sehen, welche Mittel es noch anwender 
wird, um das Zentrum in der Regentschaftsfrage gefügig an 
machen. 
LA. Die Vorschriften über die Ausländer an den baye 
eischen Universitäten sind durch das Kultsusministerium jetzt in 
manchen Punkten gemildert worden. Die Kontingentierung der 
Ausländer ist nur noch bei den medizinischen Fakultäten fest 
Jehalten. Die Semestergebühr für Ausländer beträgt 50 M 
für Oesterreicher, Schweizer und Luxemburger jedoch nur 30 M 
DT. Geheimer Regierunrgsrat Schütte. Professor Dr. 
Schütte von der Danziger Technischen Hochschule, der bekannte 
Erfinder des Luftschiffes Schütte-Lanz, ist zum Geheimen 
kegierungsrat ernannt worden. 
DT. Reichstagsersatzwahl im 4. sächsischen Wahlkreis. Bei 
ver gestrigen Reichstagsersatzwahl im Reichstagswahlkreise 
Dresden-Neustadt erhielt der Kandidat der Sozialdemo— 
ratie, Buch, 13732 Stimmen, der für die Nationalliberalen 
und Konservative gemeinsam aufgestellte Kandidat Dr. Hart— 
nann erhielt 6740 Stimmen, dem Kandidaten der Fortschritt— 
ichen Volkspartei, Rechtsanwalt Kloeppel, fielen 5587 Stim— 
men zu. Buck (Soz.) gilt als gewählt, obgleich die Resultate 
von einigen kleinen Bezirken, die aber an dem Endresultat 
nichts ändern können, noch ausstehen. Die Reichstagsersatz- 
vahl war erforderlich geworden infolge des Ablebens des 
zisherigen so ia' demokratischen Abgeordneten Kaden. 
DT. Der Reichstag beim Leipziger Weihefcst. Die Mit— 
lieder des Deutschen Reichsstages haben gegenrüber der Leip 
cer Weihefeier am 18. Okt. nur eine verhältnismäßig geringe 
Telahme belundet. Wie wir hören, sind die zur Verfügung 
arsteliten 100 Einladungskarten gerade eben sämtlich in An— 
pruch genommen worden. Eine Auslo'ung brauchte nicht statt⸗ 
russuden. Von den 28 auf die sozialdemokratische Fraktion 
entfallenden Zutrittskarten ist nur eine einzige begehrt worden. 
DT. Der Metternichprozeh vor dem Ehrengerichtshof. Der 
khrengerichtshof für deutsche Rechtsanwälte in Leipz'g am 
keichsgericht, der sich aus vier Reichsgerichtsmitgliedern und 
rei Reichsanwälten (beim Reichsgericht) zusammenseht. wird 
seute über dass Verhalten der Verteidigung dea4 
Hrafen Wolif-Metternich im ersten Metternichprozeß, 
der Rechtsanwälte Dr. Jaffe und Dr. Alsberg, 
u entscheiden haven. Beide Rechtsanwälte wurden semerzeit 
»om Ehrengericht der Berliner Anwaltskammer wegen Ver— 
etzung der anwaltlichen Standessitten zu einem Verweise und 
00 MeGeldstrafe bezw. zu einem Verweise verurteilt. Beide 
Anwälte legten Berufung ein und heute wird unter Vorsitz des 
seichsgerichtspräsidenten Frhrn. v. Seckendorff das Eyren— 
jericht in Leipzig zu entscheiden haben. 
DT. Gerichtliche Nachklänge zum Landtagswahlkampf in 
Schleswig⸗Holstein. Die Straffkammer in Flensburg ver— 
irteilte den Redaklteur Thomsen vom dänischen Blatte Heymdal 
n Apenrade, dem Organ des dänischen Reichstagsabgeordneten 
zansen, zu zwet Monaten Gefängnis. Thomsen hatte dy 
wir anempfehlen. Sehr erfreut waren wir, in Frl. Gertrud 
Meißner GAzucena, eine Altistin von schönen Mitteln und 
»ornehmer Stimmbildung zu hören. Zu diesen Vorzügen 
gjesellt sich ein lebhaßfrzes, durchdachtes Spiel. Der Grundeyon, 
tuf den die alte Zigeunermutter abgestimmt war, betonte den 
Wahnfinn. Er wurde bis zum Schluß sicher sestgehaiten. 
Rilly Kollwitz, der sich mit seinem Manrico, einer aus— 
esprochenen Heldentenorpartie, ganz gut aus der Affäre zog, 
ollte doch zurzeit noch vorsichtiger mit diesen Expecimenten 
ein und seine offensichtliche Anlage zur Lyrik schonen. Die 
„Stretta“ mußte natürlich wiederholt werden. Sie 4elang auch 
weimal; ob ohne Anstrengung, wagen wir nicht zu entscheiden. 
Der sehr jugendliche Max Spilcker, als Graf Luna, vecechtigt 
zu hubschen Hoffnungen. Gesanglich bis auf einen etwas 
niasalen Ton gut geschult, machte er in Erscheinung und Dar—⸗ 
tellung eine ganz annehmbare Figur. Warum aber verwandte 
nan zur Verdi⸗-⸗Feier nicht Harry de Garmo? Weshalb 
»er „Ferrando“ (Erik Schubert) seine „gräßliche“ Er— 
ählung von Zigeunerraub und Flammentod über die Gebühr 
ausdehnen mußte, blieb uns unbegreiflich. Stimmlich war 
nanches Gute zu verzeichnen. Lore Botz blieb der Inez 
noch vieles schuldig. Trotz mancher Mängel in der Ausfüh— 
ung. nahm der große Italiener das Publikum dennoch in 
einen Bann. Der hinreißenden Musik und dem Teinpeument 
des Meisters ist es wohl hauptsächlich zuzuschreiben, die das 
Publikum am Schiusse zu begeisterten Kundgebungen zwangen. 
M. Stiehl. 
CK. Verdi ũber deutsche Musik. Giuseppe Verdi, dessen 
100. Geburtstag in diesen Tagen die ganze Welt feierlich be— 
jeht, hat die beste Kraft seiner Kunst aus dem Heimatboden 
eines Vaterlandes gezogen und fühlte sich durchaus als ein 
iational⸗italienischer Komponist. Trotzdem war er ein großer 
VBerehrer deutscher Musik und brachte allen Ereignissen in unserm 
Zonzert. und Thealcerwesen das regste Interesse entgegen. Dem 
belannten Musikhistoriler A. von Winterfeld gegenüher hat er 
sich einmal in bedeutsamer Weise über sein Verhältnis zur 
deutschen Tonlunst ausgesprochen. „Die Musik riuß durch 
aus national sein“, sagte er zu ihm. „Ich schätze und bewundere 
Die deutsche Musik sehr und habe ihr viel zu derdanken; Im.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.