Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

3.4 
— 
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⸗ 
w 
Ausgabe — 
Lübecker Seeamt. 
(Machdrudk verboten.) * Lübecd,, 10. Okt. 
Das Seeamt beschäftigte sich in seiner am 9. d. M. in 
Timmendorfer Strand abgehaltenen Sitzung mit den Beschädigun— 
gen der Anlegebrücke zu Timmendorfer Strand durch den Lübecker 
Dampfer Condor“. — Als der Dampfer, Condor“ am 2. Juli 
d. J. morgens gegen 8 Uhr, unter Führung des Kapitäns Peter⸗ 
sen, von Scharbeutz klommend, bei nördlichem Winde sich Tim— 
mendorfer Strand näherte, ließ der Kapitän in einiger Entfer⸗ 
nung von der Anlegebrücke die Maschine stoppen. Dann legte 
er das Ruder Badbord, um das Schiff an dem an der Nord- 
seite des Brückenkopfes befindlichen Anlegesteg anlegen zu lassen. 
Unweit der Ankegebrücke gab der Kapitän das Kommando 
„Rückwärts!“. Das Schiff, das eine rechtsgehende Schraube hat, 
beim Rückwärtsgange also nach Steuerbord ausschlägt, ging 
aber nicht nach rechts, sondern fuhr in einem Winkel von 10 bis 
15 Grad gegen den nördlichen Anlegesteg, der an die Seite 
geschohen wurde, so daß die Plattform des Anlegestegs schräge 
auf dem Wasser lag. Auf diem Steg stand eine Dame, die 
auf die Ankunft des Tampfers wartete. Sie wurde von dem 
Tecksmann des „Condor“ in Sicherheit gebracht. Der Aufent⸗ 
halt dieser Dame auf dem Anlegesteg entsprach übrigens nicht 
den bestehenden Vorschriften. Die auf die anlommenden Dampfer 
wartenden Passagiere sollen sich bis zum Anlegen der DTampfer 
auf dem Brückenkopf aufhalten und die Anlegestege erst nach 
dem Anlegen der Dampfer und nachdem sich die ankommenden 
Passagiere von den Anlegestegen entfernt haben, betreten. DTer 
Maschinist Jens behauptet, es sei nach dem Rückwärts-Kom⸗ 
mando und nachdem die Maschine einige Rückwärtsumdrehungen 
jemacht gehabt habe, das Kommando, Volle Kraft vorwärts!“ 
gekommen, das er ebenso wie die übrigen Kommandos sofort 
ausgeführt habe. Bald darauf sei dann der Zusammenstoß 
erfolgt. Kapitän Petersen hestreitet, das Kommando, Volle 
Kraft vorwärts!“ gegeben zu haben. Er habe das Rückwärts— 
Kommando noch mal wiederholt, weil das erste anscheinend 
nicht sofort befolgt sei; vielleicht habe Jens dies Kommando, 
das, wie die übrigen Maschinenkommandos beim Fehlen eines 
Maschinentelegraphen, mit dem Sprachrohr gegeben sei, miß— 
verständlich als Vorwärtskommando aufgefaßt. Maschinist Jens 
bezeugt dagegen, bestimmt gehört zu haben, daß das Kom— 
mando „volle Kraft vorwärts!“ gegeben sei. Nach dem Unfall 
wurde da, wo der Steven des „Condor“ gegen den Steg 
gestoßen war, ein 4 bis 5 Zentimeter tiefer Eindruck in dem 
wagerechten Querstück gefunden. Die Pfähle des Stegs, die 
4 Meter tief in den Meeresboden eingerammt waren, waren 
ceberhalb des Bodens abgebrochen. Von den vernonmenen 
Sachverständigen, Baumeister Busemann aus Lübeck und Inge— 
meur Schütte aus Eutin, wurden Bedenken gegen die Stärke 
und die Konstruktion des Anlegestegs nicht geltend genacht, 
insbesondere auch nicht dagegen, daß die Räume zwischen den 
an den Pfählen befindlichen senkrechten Reibeleisten nicht durch 
wagerechte Leisten ausgefüllt waren. Am 12. Juli d. J. nach 
mittaas. mußte „Condor“, weil der nördliche Anlegesteg noch 
nicht wieder hergestellt war, trotz des herrschenden nördlichen 
Windes an dem südlichen Anlegesteg festmachen. Dies war 
mit großen Schwierigkeiten verknüpft. Der Steuerbordbug des 
Schiffes wurde gegen einen einige Meter von dem Anlegesteg 
stehenden Dückdalben gelegt und es wurde eine Leine nach 
einem der Pfähle des Stegs ausgebracht, um an dieser das 
Schiff an den Steg heranzuziehen. Während das Schiff nun 
jtill mit dem Steuerbordbug am Dückdalben lag, wurde das 
Heck etwas vom Winde von der Brücke abgedrängt. Jnfolge 
des dadurch durch den Bug des Schiffes entstandenen ge— 
ringen Druckes wurde der Dückdalben dann zur Seite ge— 
schoben. Vom RBrückenmärter Prahl wurde bezeugaf. dakß de 
Iã 
Buntes Allerlei. 
C. K. Eine eintraͤgliche Industrie. Einen interessfanten 
isfernmähigen Einblick in den Umfang und die in einzelnen 
Föllen schlechthin märchenhaften Reingewinne der erst vor we⸗ 
nigen Jahren auf der kanadischen Prinz- EduardeInsel erstandenen 
Pelzindustrie gewährt eine Statistik des Star von Montreal. Da— 
nach erreichten die nach der diesjährigen Septemberauslieferung 
von den verschiedenen Gesellschaften zur Züchtung von Füchsen 
und Pelztieren ausgezahlten Daͤvidenden weit über 600 Mill. M. 
Die Magir-Gesellschaft mit einem Kapital von 7600 000 Mizahlte 
eine Dividende von 172 90, die Eureka⸗Gesellschaft 170 o00, die 
Riverside Farming⸗Gesellschaft 295 0, die Banbury⸗Gesellschaft 
320 00, den Vogel aber hat die Peerleß⸗Gesellschaft abgeschossen, 
die eine Zividende on 900 o ausschüutten konnte. Die Statistik 
verrät, daß das Gesamt-Kapital aller' den Vorschriften des 
—A— 
zucht ⸗ Gesellschaften auf der Prinz⸗Eduard-Insel zurzeit bereits 
über 33 Millionen erreicht hat; hierzu treten noch einige 
Gesellschaften, die der Gesetzgebung von Neuschottland und 
Masachusetts unterstehen und die mit nicht ganz 8 Mill. M 
Kapital arbeiten. Der Wert der jungen Fuchse erreicht in diesem 
Jahre über 14543 000 M, der Schätzungswert aller in sãmt⸗ 
lichen Farmen zurzeit vorhandenen Pelsztiere 39 880 000 MN. 
Rechnet man den Wert der Schuppen und Anlagen hinzu, so 
versürnt diese junge Industrie hereits über Aktiva im Wert⸗ 
von weit über 40 Millionen. 
C. K. Präsident Wilson auf der Galerie. Die amerikanischen 
Vorkämpfer eines „republikanischen Hofzeremonielis“, die den 
VPräsidenten der Verainiglen Slaaten zum Mittelpunkt einer 
umstaͤndlichen, auf steife Wurde bedachten Etikette machen wollen, 
wünen eine neue bittere Enttäuschung verzeichnen: in seiner 
Zufriedenheit über die DTurchbringung des neuen Tarifgesetzes 
Jönnte sich Präfidert Wilson eine gemütliche Abendunterhal- 
kung, indem er, von seinem Freunde und Arzte Grayson be—⸗ 
gleitet. sorglos zu Fuß zu dem neuen kleinen Vaudeville— 
Theater von Keith pilgerte, sich fur 50 Cent einen Galerieplatz 
ersiand und sich von der hohen Warte dieses Plaͤbes herar 
berzlich über die Vorstellung ammierte, wahrend sich unen 
im Parkett auf den teuren Plaätzen das anfpruchsvollere Publi⸗ 
hum drängte. Man stelle fich vor: das Oberhaupt ver Ver⸗ 
einigten Staaten auf dem billigsten Theaterplab! Die Snebe 
schütteln die Köpfe. Nur wenine Leute erkannten Prãalident 
* V J e J 
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Freitag, den 10. Oktober 1913. 
n 
14 
Abend⸗Blatt Nr. 514. 
Prähle des Dückdalben schon vorher abgebrochen seien, und 
er durch den Dampfer Bornholm“, als dieser am selben 
Nachmitlag vor „Condor“ an der Brücke angelegt habe. — 
der Spruch des Seeamtes lautete: 
Ter Dampfer Condor“ ist am 2. Juli 1913 mit solcher 
zewalt gegen den nördlichen Anlegesteg der Anlegebrũcke in 
kimmendorfer Strand gestoßen, daß die Pfähle des Anlegesteges 
ben oberhalb des Meeresbodens abgebrochen sind. Der Un⸗ 
all ist vor allem dadurch verursacht, daß ein Maschinenkom⸗ 
nando falsch verstanden, möglicherweise auch falsch abgegeben 
st. — Gegen die Anlage der Brücke sind Erinnerungen nicht 
A erheben. — Der Unfall am 12. Juli 1913, durch den ein Düd- 
dalben an der Südseite derselben Anlegebrücke abgebrochen 
ist. ist durch den Dampfer Condor“ nicht verursacht“ 
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Aus den Nachbargebieten. 
Schleswig⸗ Holftein. 
Plön, 10. Okt. Erkannte Leiche. Durch die bei 
der in Kopenhagen vom Zuge überfahrenen und getöteten Person 
vorgesundenen Gegenstände als Taschentuch, Schlühsel, Uhrkette 
ind Portemonnaie, die die Polizeibehörde in Kopenhagen dem 
hiesi jen Polizeiamt übersondt hat, konnte die Persönlichkeit des 
Setöteten mit dem in Plön mehrere Jahre beschäftigt gewesenen 
Barbiergehilfen Hidde zweifelsfrei festgestellt werden. 
Großherzoatum Oldenbura und Fürstentum Lübed. 
—g Eutin, 10. Okt. Der Gemeinderat bevilligte 
30 Mezu den Unkosten der Gartenbauausstellung und 30 Msür 
Prämien. Gegen den Beschluß des Oberversicherungsamtes 
Oldenburg, der die Ausgestal'ung einer Ortskrankenkasse ab⸗ 
lehnte, soll Beschwerde erhoben werden. 
Lauenburg. 
d. Sandesneben, 10. Olt. Eine Jungaviehschau 
nelt der Rindviehzuchtverein sür rotbuntes Rindvieh hierselbst 
1b. Es waren von den Mitgliedern 93 Stück Herdbuchtiere 
iusgestellt. Auf Starken, unter 1 Jahr alt, erhielten J. Preise 
»on je 20 MuüHufner Peemöller, Schönberg und Hufner Peters, 
üerselbst; II. Preise von je 16 M Veertelhufner Goden, Schiphorst 
and DTwmänenpächter Jansen, Steinhorst; III. Preise von je 
O MuViertelhufner Goden. Schighor und Hufner Peters hier— 
elbst; IvVWPreise von je 5MeHufner Wessel und Hufner Doren⸗ 
»orf, Siebenbäumen und Hufner Geerds, Klinkrade; Anerken 
ungen Tomänenpächter Jansen, Steinhorst, derselbe. Auf Star— 
en, unter 2 Jahre alt, erhielten J. Preise von je 20 MHufner 
ßeerds, Klinkrade, Drittelhufner H. Stamer, Schönberg und 
zufner Torendorf, Siebenbäumen; II. Preise von je 135 MuHuf— 
er Geerds, Klinkraäde, Hufner Dorendorf, Siebenbäumen und 
zufner Geerds, Klinkrade; III. Preise von je 19 M.Hufner 
ßeters, Sandesneben, Tomänenpächter Jansen, Steinhorft und 
zufner Goden, Schiphorst; IV. Preise von je ß M Hufner Goden, 
Schipborst, Tomänenpächter Jansen, Steinhorst, Vierteltufner 
ẽ. Rundshagen, Schiphorst und Tomänenpächter Jansen, Stein— 
zorft; Anerkennungen Hufner Torendorf, Siebenbäumen und 
womãnenpächter Jansen, Steinhorst. Auf Starken, sichtbar tra— 
jende, erhielten J. Preise von je 20 M DTomänenpächter Jansen, 
zteinhorst, derselbe und Hufner Peters, Sandesneben; II. 
zreise von je 165 M Domänenpächter Jansen, Steinhorst,“ der—⸗ 
esbe: DVII. Preis von 10 M Domänenpächter Jansen, Steinhorst; 
V. Preise von je 5 MeHufner Peters, Sandesneben, Hufner 
ßeerds, Klinkrade und Domänenpächter Jansen, Steinhorst; An— 
rkennungen Hufner Geerds, Klinkrade und Tomänendächter 
Jansen, Steinhorst. Auf, Stiere, unter 1 Jahr alt, erhielten 
l. Preis von 20 M Domänenpächter Jansen, Steinhorst; II. 
Breis von 18 M Domänenpächter Jansen, Steinhorst; III. Preise 
nn ie 10 M DPomänenpächtoer Janson Steinborte dertarbaa 
IV. Preise von je 5 MDrittelhufner H. Stamer, Schönberg und 
ßufner Peters, Sandesneben; Anerkennungen Tomänenpächter 
Jansen, Steinhorst, derselbe. Auf Stiere, unter 2 Jahre alt. 
erhielten J. Preis von 20 M Tomänenpächter Jansen, Steinhorst; 
I. Preis von 15 MAmtsvorsteher Rundshagen, Schiphocst; 
II. Preis von 10 Mevufner DTorendorf, Siebenbäumen; Aner- 
ennungen Tomänenpächter Jansen. Steinhorst und Hufner Peters, 
Sandesneben. 
Großherzogtũmer Medlenburegggg. 
DTr. Wismar, 10. Okt. Zwei deutsche Sex 
keute im russischen Hafen ertrunken. Der hier⸗ 
eibit beheimatete Dampfer „Rostock“ geriet unweit des rußfli⸗ 
chen Hafens Narwar auf Grund. Als der Kapitän und ein 
Mann der Besatzung das Schiff verließen, um mittels eines 
zefonderen Bootes an Land zu fahren, kenterte dieles und 
beide ertranken. 
Butzow, 10. Okt. An Blut vergiftung gestorben 
ist Trau Marie Krause hierselbst. Sie hatte sich Donnerstag 
b. W. am Finger eine kleine Schnittwunde beigebracht, die sie 
infanas nicht beachtet hatte. Später stellten sich Schmerzen ein 
ind der hinzugezogene Arzt stellte Blutvergiftung fest. Trotz⸗ 
»em om Sonntag in Rostock noch eine Operation vorgenommen 
vurde, war menschliche Hilfe vergebens; die erst im 26. 
Zebensjahre stehende Frau ist zwei Stunden später ihren Leiden 
erlegen. 
Güstrow, 10. Okt. Durch Selbstmord seinen 
Richtern entzogen hat sich der Revierförster Louis Die— 
rich aus Farpen. Er war zu der vor dem Großh. Schwur⸗ 
zericht gegen ihn wegen Amtsunterschlagung und Ur— 
undenf Uschung anstehenden Verhandlung nicht erschienen. 
Jent wird gemeldet, daß Dietrich sich erschossen hat. — 
Fine mutige Tat vollbrachte auf dem Inselfee Frl. Grete 
Egçgers. Schülerin des Lyzeums. Frl. E. benutzte mit ihrem 
Bruder, dem Ingenieur E., und einer Freundin ein Boot zum 
Segeln. In der Nähe von Schöninsel schlug infolge des 
tatken Windes und wegen eines Schadens am Boot dieses um, 
'o daß die drei Insassen ins Wasser fielen. Nachdem alle drei 
»ine Ze*tlang versucht sotten. dacs Nonot in seine richtige Lage 
urückzubringen, auch durch Rufe Hilfe zu erlangen suchten, faßte 
yrl. Grete E. den Entschluß, sich des Mantels zu entledigen 
ind die etwa fünfzig Meter entfernte Insel durch Schwimmen 
A erreichen. nachdem sie vorher bereits mehrere Male Bruder 
ind Freundin vom Untersinken gerettet und zum ruhigen Fest— 
alten an dem kieloben schwimmenden Boot ermahnt hatte. 
Auf der Insel gelang es ihr, Hilfe zu finden, so daß auch dit 
eiden in großer Gefahr schwebenden Verunglüdtten gerettet werden 
onnten. — 
— 88 Grevesmühlen, 10. Ott.Verpachtet hat Graf 
on Bernstorff gquf Wedendorf von Johannis 1914 an auf 
eine längere Zeitdauer mehrere Güter, die bisher durch In— 
pektoren verwaltet wurden. So sind u. a. verpachtet Gr. 
ßundorf an den Gutspächter Winter, Reppenhagen, Kasendori 
an den bisherigen dortigen Inspektor Peters, Hanshagen an 
den bisherigen Inspektor Penzlin daselbst. Für letzteres Gut. 
das etwa 32 Last groß ist, soll eine Pacht von rund 15000 M 
zezahlt werden. Auch Kl. Hundorf, Rambeel und Blieschendorf 
ollen verpachtet werden. — Auf einer Kuhauktion in 
Jeese, guf welcher 60 Ausschußkühe von den Gütern der Bernstorsff- 
chen Grafschaft zur Versteigerung gelangten, wurden Preise 
oon rund 200 bis 500 Mugezahlt. Ein zum Verkauf gestellter 
zweijähriger Bulle erzielte einen Preis von 488 M. Die ver— 
kauften Kühe kamen zum größten Teil nach Schwerin (etwa 
30) und Kröpelin (etwa 20). 
Wihen, der sich auf seinem Galerieplatz in der ersten Reihe sehr 
vohll zu fühlen schien und später erklärte, daß er diesen Platz 
zewählt habe, weil er von ihm aus eine bessere Aussicht 
auf die Bühne habe, als vom Parkett. Denn das Theater 
hestet. nur aus Parkett und einer Galerie. Wenige Minuten 
or Schluß der Vorstellung verschwand Wilson mit seinem 
Freunde und wanderte durch eine Seitenpforte des Theaters 
gemächlich nach Hause, während sich am Hauptportal die 
Vollemenge dränate. die dem Präsidenten Opotionen darbringen 
vo ie 
aAâa9s aàt Sg Afa eàeuÍ ,eA·erh bobofolsts ) Mfshh aMKFWoæ ähbcauaq-hbs afanch ιιιιιιιι 
figur des Werkes aber, die die nackte Gestalt der Wahrheit 
darstellt, erregte heftigen Anstoß, und es kam zu einem er— 
bitterten Kampf zwischen Prüderie und Kunst. Dem Künstler, 
der selbst nach Amerika fuhr, erklärte man. an eine Aus— 
führung sei nicht zu denken. Da die Miittel durch private 
Sammlungen aufgebracht waren und viele der Stifter, vor 
allem der Großbrauer Adolphus Busch, sich dagegen erklärten, 
wurde das Preisgericht noch einmal zusammenberufen; doch 
gab es wieder einstimmig Wandschneider den Preis, und so 
wird denn das Werk im nächsten Sommer im Reservoir-Park 
von St. Louis aufgestellt werden. Ueber einen Stufenbau 
zeigt es vor einer dreigeteilten feirngliedrigen Steinwand d'e 
sitzende Gestalt der Wahrheit, deren weitausgreifende Arme vor 
den Seitenfeldern zwei große Fadeln halten. Rundmedaillons 
und Inschriften bilden den weiteren Schmuck. Die imposante 
Architektur wird in Missouri-Granit ausgeführt, die doppelt 
ebensgroße Frauenfigur in Bronze gegossen. 
m. Die Opfer der Stuchen im Kriege. Welch verheerende 
Wirkung die Seuchen im Kriege anrichten, geht aus den 
Zahlen hervor, die Obergeneralarzt Dr. Landgraf (Berl. Klin. 
Wochenschr. H. 40) wiedergibt. Demnach verlor im Jahre 
817 Lord Hashings von 10000 Kombattanten 7000 durch 
Cholera. Im Krimkrieg waren Fledtyphus und Cholera von 
zeradezu verhängnisvoller Bedeutung. 1866 verloren die 
Preußen durch Cholera nahezu ebenso viel Mann wie im 
Kampf. Im deutsch-französischen Kriege der Jahre 1870 und 
871 starben am Typhus 8789 Deutsche, an der Ruhr 2380, 
in Poden 287. Die Franzosen verloren in diesem Kriege 
allein durch Pocken 25077 Mann. Im Kriege zwischen der 
Türkei und Rußland 1877/78 erlagen mehr als die ursprüngliche 
Kopfzahl des russischen Heeres dem Typhus, so daß die 
AUrmee zweimal ergänzt werden mußte. Große Vechcerungen 
ichtete der Unterleibstyphus im Burenfeldzug der Engländer, 
m russisch-japanischen Feldzuge und in den Kämpfen der 
deutschen Schutztruppe in Südwestafrifka an. Die moderne 
Kriegsführung rechmnet es daher zu ihren hervorragendsten 
AMAufgaben, die Seuchengefahren zu vermindern. Peinlichste 
keinlichkeit, Freigabe eines Tages in der Woche, Besorgung 
zuten Trinkwassers, Einrichtung von einwandfreien Kranken⸗ 
aracken sind Forderungen, welche sich immer mehr in der 
Triegsführumg durchsetzen und in der Zukunft wesentlich dazu 
eitragen werden. das grauenvolle Angesicht des Krieges zu 
nildern 
ngeo. Die Hocdhgeit im englischen Königshause. Zu der auf 
hen 15. Okt. angesetzten Vermählung des Prinzen Arthur von 
Fonnaught mit der Herzogin Alexandra von Fife werden in Lon— 
»on, wie die N. G. C. berichtet, gegenwärtig die Vorbereitun⸗ 
zen getroffen. Tie Hochzeit wird nur im Familienkreise statt⸗ 
inden und nur die mit. dem englischen Königshause verwandten 
zöfe haben Einladungen zu ihr erhalten. Den deutschen 
daiser Wilhelm II. wird dessen Bruder, Prinz Heinrich von 
breußen, begleitet von seiner Gemahlin, vertreten. Trotz dieses 
ntimen Charakters wird die Zahl der bei den Hochzeitsfeier⸗ 
ichkeiten anwesenden fürstlichen Personen sehr groß sein. Die 
Trauuns wird in der Königlichen Kapelle des St. James⸗ 
Bolastes vollzogen, in die sich der Prinz und die Prinzessin 
inter Vorantritt der Geistlichkeit in feierlichem Zuge begeben. 
Den Bräutigam geleiten sein Vater, der Herzog von Con— 
naught, und sein Schwager, der Kronprinz von Schweden, 
ie Braut der König Georg V. und ihre Mutter, die Herzogin 
»on Fife, des Königs Schwester, zum Altar. Fünf Braut— 
ungfern, Prinzessin Mary von England, Prinzessin Maud von 
riße, die Prinzessinnen Victorla, Helena und May von Ted, 
chreiten hinter der Braut, ihre Schleppe tragend, einher. 
dach der Trauung wird das neuvermählte junge Paar im St. 
James-Palast die Glückwünsche der Hochzeitsgäste annehmen, und 
vann wird die Feier, mit dem üblichen Hochzeitsfrühitinz 
eendet sein. 
O.K. Ueber das Denkmal dreier hervorragender Deutsch⸗ 
smerikaner, Karl Schurz, Preetorius und Daenzer, das in St. 
2ouis errichtet werden soll und dem deutschen Bildhauer 
PWilhelm Wandschneider zur Ausführung übertragen wurde, 
verden in der Kunstchronik interessante Einzelheiten berichtet. 
fss war ein internationaler Wettbewerb ausgeschrieben 
vorden, und Wandschneider, der lich als einziger reichsdeutscher 
zZildhauer beteiliat hatte, erhielt den ersten Preis. Die Haupt—
	        
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