Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

die verwendung der Rüstungsmilliarde. 
Seitdem der laute Streit um die letzte, gewaltige Militär— 
und Deckungsvorlage beendet ist, beginnt sich die allgemeine 
Aufmerksamkeit der Verwendung der Riesensummen zuzuwenden, 
die der Militärverwaltung zur Verfügung gestellt wurden. 
Aeberall im Lande ist ja die Durchführung der Neubewil—⸗ 
ligungen im vollen Gange. Kasernen werden erweitert oder 
neu gebaut, Exerzier- und Schiehplätze angelegt, Waffen und 
Ausrüstungen in Auftrag gegeben, Festungsausbauten in An— 
griff genommen: kurz es wird aller Enden eine fieberhafte 
Tätigkeit entfaltet. Das Geld bleibt dabei im Lande. Die 
Militärverwaltung macht vielfach aus der Not eine Tugend 
und zieht die Privatprodukltion, wo es irgend angeht, zu 
Zilfeleistungen heran, um rechtzeitig alle Bedarfnisse zu be⸗ 
rriedigen. Mit Genugtuung kann man feststellen, daß die Aus— 
gaben für Rüstungszwecke doch nicht so heillos „unproduktiv“ 
ind, wie es von sozialdemokratischer Seite immer behauptet 
pird. Wenn die wohlhabenderen Schichten des deutschen 
Volkes schwere finanzielle Opfer bringen, so ist die Tatsache 
oersöhnlich, daß weite andere Volkskreise Arbeit und Lohn 
und Gewinnmöglichkeit davon haben. 
Am auffälligsten tritt diese Tatsache auf dem Gebiet der 
Bautätigkeit hervor. Die 230 Millionen einmalige Ausgaben 
ür Unterkunftszwecke und die 210 Millionen für Festungs— 
ausbauten bewirken eine Belebung der Bautätigkeit, die gerade 
in gegenwärtiger flauer Zeit besonders erwünscht kommt. Auch 
unsere pferdezüchtende Landwirtschaft profitiert von der Not— 
vendigkeit, daß außer dem laufenden Pferdeersatz insgesamt 
27 000 Reit- und Zugpferde neu für das Heer zu beschaffen 
sind. Von den einmaligen Ausgaben für Preußen, Sachsen 
und Württemberg entfallen allein 31 Millionen Mark auf 
diese Pferdebeschaffung. Und gerade in diesen Wochen sind 
iberall die Remontekommissionen bei der Arbeit, das brauch— 
zare Pferdematerial auszusuchen und anzukaufen. Gibt es 
rgend einen vernunftigen Menschen, der den pferdezüchtenden 
dandwirten — und das sind weitaus in der Mehr⸗ahl mittlere 
und kleinere Vauerngutsbesitzer — die Belebung des Pferde— 
jeschäftes und einen bescheidenen 5— inn daraus mißgönnt? 
Aber nun kommen aus Ostpreußen und Meclenburg eigen⸗ 
artige Nachrichten über die Abwickclung der Pferdeankaufe durch 
die amtlichen Kommissionen. Es wird behauptet, daß in hꝛiden 
ür die VPserdezucht in Deutschland besonders wichtigen Gegenden 
„vielfach Pferde, die die Landwirte zur Befichtigung stellen, 
zurückgewiesen werden, um dann nachher anstandslos dem 
Händler zu einem höheren Preise abgenommen zu werden“. 
Penn diese Behauptungen den Tatsachen entsprechen, und nach 
den genauen Einzelangaben betroffener Landwirte kann kaum 
noch daran gezweifelt werden, so erscheint ein volches BVorgehen 
überaus seltsam. Es ist klar, daß bei solcher Ankaufspraxis 
veder dem pferdezüchtenden Landwirt noch dem pferdekaufenden 
Militärfiskus gedient ist. Dieser würde die Mittel der Allge— 
neinheit nicht so sparsam und sorgsam verwenden, wie es als 
elbstverständliche Pflicht erscheint, und jener würde einen ganz 
zwecklosen und deshalb doppelt empfindlichen Verlust erleiden 
und dann noch die Mühe und Kosten des Pferdeauftriebs gaus 
ußlos auf sich genommen haben. 
Man hört zur entschuldigenden Erklärung, daß die hoch— 
verceigen Pferde für die Maschinengewehre nach kriegs⸗ 
ninisterieller Vorschrift nur in passenden Paaren angekauft 
werden dürften. Da aber der einzelne Landwirt nur in seltenen 
Ausnahmefällen dieser Bedingung entsprechen könnte, o müsse 
die Ankaufkommission eben notgedrungen auf Händlerangebote 
urüchgreifen bei denen die passenden Paare schon zusanmme⸗ 
geitellt seien. Zunächst ist es schwer begreiflich, daß allein die 
Zorge um die Maschinengewehrbespannung solche Ankaufspraris 
echtfertigen soll. Es sind doch auch so viele neue Kavallerie- und 
Urlillerie, und Trainpferde zu beschaffen, daß der pferdezüch— 
teude Landwirt voll berücksichtigt werden könnte. Weiter aber 
ersteht man nicht — wenn man schon einmal die gzanz greich⸗ 
mäßig passenden Pfserdepaare für dringend erforderlich hält —, 
vrarum nicht die Militärbehörde selbst aus der Masse der ge⸗ 
auften Remonten die paarweise Zusammenstellung sür Ma— 
chsnengewehrbespannung vornimmt. Man kann doch unmöglich 
innehmen, daß es an militärischen Sachverständigen dafür fehle 
»der gar, daß aus reiner Bequemlichkeit dem Händier eine 
Urbeit teuer und noch dazu auf Kosten der Landwirte bezahlt 
rird, die ebensogut von der Militärbehörde geleistet werden 
önnke. Nicht nur die geschädigten Landwirte, sondern alle 
Schichten des Volkes haben ein dringliches Interesse an authen— 
isher Aufktärung 
— ⏑ — 
A 
Da zog er seine Rechte zurück, und seine Züge vrurden 
vieder sinster. „Gerda will es ja nicht anders.“ 
„Aber du! — Sieh, Heinz, die letzte Schuld, und die 
chwerste, liegt bei dir. An dir müßle es daher sein, Gerda 
uerst die Hand zu reichen.“ 
Er furchte die Stirn; dann lehnte er ab. 
„Unmöglich — nun, wo sie mir davongelaufen ist, zurück 
nach Haus. Wenn sich erst Dritte in so etwas einmengen — 
die liebe Familie — nein, dann ist's aus!“ 
Und er schüttelte in hefliger Abwehr die Rechte. Aber 
»a nahm Astrid sie noch einmal zwischen ihre Hände. 
„Lieber Heinz — ich meine es gut mit euch beiden. 
Tarum hör' auf mich. Wenn du willst, reise ich sofort Gerda 
nach und rede mit ihr. Sehr ernst, ganz so, wie eben zu dir. 
Sie muß einfach einsehen, daß auch fie teil hat an der Schuld. 
Uud auch vor unserer Familie werde ich das betonen, immer 
wieder. Sie sollen es alle einsehen, und keiner soll euch 
)zwischen reden — nur du und Gerda, ihr beide ganz allein 
rosst die Sache wieder in Ordnung bringen!“ 
Heinz Kehler blidte inrmer noch mit gefalteter Stirn auf 
ie junge Schwägerin. Aber als er ihre Augen so herzlich 
bitten fühlte, da wich seine Härte. 
„Guter, kleiner Kerl, du.“ Und abermals küßte er ihr 
ie Hand. 1 — I 
zn ihrem Antlitz leuchtete es auf. 
„Dau willst also, Heinz — wirklich?“ 
Er bejahte stumm. 
Da jubelte es in ihr auf. Fast hätte sie ihm in ihrer 
Herzens freude einen Kuh gegeben. Doch dann fiel ihr noch 
eiwas ein — ja, die Hauptsache! — und wieder ernst, sagte sie: 
„Ja, Heinz — dann aber noch eins: die Beziehungen mit jener 
Dame —“ 
„Haben selbstverständlich mit dieser Stunde ein Ende.“ 
Dein Wort darauf, Heinz?“ 
„Mein ehrliches Wort.“ 
„Ich danke dir!“ Und sie schüttelte ihm wie einem guten 
Rameraden nun kräftig die Hand. „Also dann fahre ich — 
Neich, sosort, mit dem Mittagszuge. Und nun hab' ich auch 
keine Minute mehr zu verlieren. Adieu, Heinz, und sei sicher, 
ich bringe dir Gerda wieder.“ 
¶Fortlebung folat.l 
zur Lage auf dem Balkan 
wird aus Belgrad gemeldet: Die Regierung hat dem Stuats— 
ate einen Gesetzentwurf betr. die Ermächtigung zur Auf— 
rahme einer Anleihe von 250 Millionen zur Be— 
jutachtung übersandt. Die Jungradikalen Draskowitsch und 
Prodanowitsch interpellierten den Ministerprä— 
identen, ob die Regierung von der Worbereitungdes 
sinfalles der Ulbanesen in Serbien Kenntnis— 
jehabt hätte, wie viel serbische Truppen nach der Demobilitierung 
n den neuen Gegenden verblieben wären und welche Sichetheits⸗ 
naßnahmen die Regierung an der serbisch-albanischen Grenze zu 
reffen gedenke. — General Jowanowitsch befahl, die alba⸗ 
esische Grenze zu überschreiten und bden Feind 
is in das Innere Albaniens zu verfolgen. Demzufolge dringen 
ie serbischen Truppen langsam auf der rechten Uferseile des 
Drin vor. Die Stadt Dibra haben sie bereits hinter sich ge— 
assen. 
Der zweitägige Kampfbei Planik und Junrk 
ndete mit einer völligen vernichtenden Niederlage 
»er albanesischen Banuden. 2000 Albaner bedecten 
ot oder verwundet das Schlachtfeld. Von den bulgarischen 
domitatschi⸗Banden, die unter Führung des bekannten Banden⸗ 
ührers Radem im Monastirgebiet operierten, sind bei den 
etzten Zusammenstößen mit den Serben 200 gefallen, während 
250 in serbische Gefangenschaft gerieten. 
Vom Kriegsschauplatz wird mit aller Bestimmtheit ge— 
neldet, daß in den letzten Kämpfen bei Deber der dort schwer 
erwundete albanesische Kriegsminister Issa Bolietinatz ge⸗ 
sorben ist. Im albanischen Lager herrscht die größte Ver— 
»irrung. Die Führer streiten sich um die Vorherrschaft. Blutige 
dämpfe zwischen den einzelnen Abteilungen sind an der Tages— 
erdnung. — Die Albanische Korrespondenz meldet aus Alessio: 
)er provisorische Gouverneur von Allessio, der angesehene 
Nalissore Gieto Coku, ist von einem ihm unterstellten Gen— 
armen erschossen worden. 
Das Spital in Cettinje hat den Auftrag erhalten, sich 
ur Aufnahme von Verwundeten bereit zu halten. Die Ver— 
uste bei den gemeideten Kämpfen werden nunmehr mit 3 Toten 
uind 20 Verwundeten angegeben. 
Die mit der Regelung der albanischen Grenze veschäftigte 
Kommission hat sich an die englische und deutsche Regierung 
im Entsendung von Topographen gewandt, um die unwirt— 
ichen Gebiete Albaniens die bisher kartographisch noch nicht 
sufgenommen waren, genau zu vermessen und festzulzgen. Die 
»eutsche Regierung hat, wie der Deutsche Telegraph erfährrt, 
Aiesem Verlangen entsprochen und wird in Kürze einen geeigneten 
Herrn zu den Arbeiten der Grenzkommission entsenden. 
Deutsches Neich. 
DT. Der Kaiser wird sich auch in diesem Jahre zu einem 
ängeren Aufenthalt nach Donaueschingen begeben und 
eim Fürsten Max Egon zu Fürstenberg an einigen Jagden 
eilnehmen. Die Abreise des Kaisers erfolgt am 28. Nov. Der 
lufenthalt in Donaueschingen wird bis zum 6. Dez. dauern. 
Un diesem Tage fährt der Kaiser, wie schon berichtet, nach 
dudwigsburg, um als Chef des Dragonerregiments Königin 
Rlga (1. Württembergisches Nr. 25) an dem hundert ährigen 
Jubiläum des Regiments teil:unehmen. 
DT. Freudenfeuer an der Nordsee. Für den Abend des 
18. Okt. sind an der ganzen ostfrie ischen und oldenburgischen 
düste in einer Ausdehnung von Dollart bis nach Wil— 
jelmshaven Freudenfe uer vorgesehen, die in einem 
Abstand von je einem Kilometer von einander abgebrannt 
verden sollen. Diese Freudenfeuer auf den Deichen der deut⸗ 
chen Küste werden zu den sinnreichsten Veranstaltungen ge— 
hören, die zur Jahrhunderifeier der Völkerschlacht bei Leipaig 
getroffen werden. 
DT. Reger als Bergarbeiter in Drutschland. Zu dem an 
und für sich schon großen Völkergemisch im Industriebezirk ist 
jetzt eine neue Rasse hinzugetreten. Eine Zeche in der Nähe 
von Mengede hat eine grohe Anzahl von Negern 
engagiert, die Mittwoch in Mengede eingetroffen sind, um 
ils Bergarbeiter auf der Zeche tätig zu sein. Unter den 
meihen Arbeitern herrscht infolge dieser Moßnahme der Zechen⸗ 
erwaltung grohe Erbitterung. 
¶ 
Ausland. 
Desterreich⸗ Ungarn. 
7C. Ruͤdltitt des Finanzministers. Das heutige Amts⸗ 
latt, Wiener Zeitung, veröffentlicht ein Kaiserl. Handschreiben, 
n welchem dem Finanzminister Ritter won Zaleski 
us Gefundheitsrücsichten ein Urlaub, bis auf weiteres unter 
;nthebung von der Führung der Amtsgeschäfte gewährt wird, 
zleichzeitig wird der Sektionschef im Finanzministerium, August 
treiherr von Engel, mit der Leitung dieses Ministeriums 
etraut. Finansminister von Zaleski ist seit einiger Zeit kränk— 
ich, und auf Anraten der Aerzte hat er sein Urlaubsgesuch ein⸗ 
jereicht. — Wie in politischen Kreisen verlautet, wird Finauz- 
ninister von Zaieski nicht mehr auf seinen Posten zuruck?ehren. 
die definitive Neubesetzung des Postens dürfte aber erst nach 
hlauf der Varlamentskampagne erfolgen. Es ist waherschein⸗ 
ich, daß der Posten des Finanzministers abermals einem pol⸗ 
tischen Abgeordneten zufallen wird. 
DT. Schiffahrts kanal von Budapest nach dem Adriallschen 
Meere. In Budapest arbeitet man gegenwärtig an einem 
Lrojekt, das die ungarische Hauptstadt mit dem Adriatischen 
Neere durch einen Schiffahrtskanal verbinden soll. Nach dem 
Irojekt soll diese Schiffahrtsstraße mit Benutzung, des Paatten⸗ 
ees sowie der Drau und, Sawe als Schleusenkanal gebaut wer⸗ 
en. Der Bau würde in sechs his acht Jabren durchgeführt wer— 
en nnon 
Syanien. 
PC. Die spanischefranzösische Entennte. Der Diario Univer⸗ 
ale, das offizißse Organ des Grafen Romanones, veröffentlicht 
inen längeren Artikel über die Stellung der wonrtischen 
barteien inSpanienñzueiner Ententemit Franuk— 
eich und erklärt u. a., daß die Konservativen, die bisher 
tets gegen eine französisch⸗spanische Bündnispolitik gewesen sind, 
hre Ansicht geändert haben und nunmehr eine Entente leb⸗ 
saft begrüßen würden. 
Serbien. 
WM. Beferung der Beziehnnagen zu Oefterreich. Die Bel⸗ 
rader Tribung b ihre Befriedigung über die Zusamme'⸗ 
unft des Ministerpräsidenten Vasitsch mi dem Grafen Verchtold 
us, die ein aqutes Omen für die aufzunehmenden Verhagdlungen 
iher handelspolitische Fragen bedeute. Das serbische Velk 
punsche ausdrücklich eine aründliche Besserung der gegenseittoen 
Jeziehungen 
mulgarien. 
W. Safen⸗, Kanal⸗ und Eisenbahnbauten. — Sandel⸗ver⸗ 
raga. Die Regierung hat den Bau eines Hafens in Vorto 
agos und schiffbare Kangle in Bulgarisch-Thrazien sowie den 
lnschluß der bulgarischen Eisenbahnen an die rumänische Eisen— 
ahn her die Donau hinweg beschlossen. — Der fürkisch-hul⸗ 
arische Handelsvertrag ist, so wie er vor dem Krieg bestanden 
I Jahr vom 28. September an wieder in Kraft ae⸗ 
eßt worden. 
China 
KF. Riasident Juanschiklai wird heute bei der feierlichen 
Amtseinführung eine Erklärung abgeben, in der er die Chinefen 
ruffor dern wird, um die Festigung der Freundschaft min de 
fremden Nationen bemüht zu sein. Juganschikai wird es fia 
zur Aufgabe machen, alle Verträge und Abkommen, welche von 
den früheren chinesischen Regierungen mit fremden Mächten ge. 
schlofsen worden sind, ebenso alle mit Ausländern ordpungs, 
mãßig, abgeschlossenen Kontrakte genau zu beobachten. Ferner 
hin wird der Präsident alle Rechte und Privilegien, weliche die 
Ausländer bisher in China genoffen habden, bestätigen. 
Veru. 
B. Auswãrtige und innere Angelegenheiten. — Verkehrs 
wesen. Nach dem Bericht des Ministers der Äuswärtigen din— 
gelegenheiten ist die politische Lage als günstig zu bezeichnen 
Die Grenze von Bolivien wird im Laufe dieses Jahres end— 
zürtig bestimmt sein; einem Uebereinkommen gemäß werden 
die Grenzstreitig keiten mit Columbien einem Schiedegericht unter⸗ 
worfen und werden während der Zeit die Truppen aus dem 
ittigen Gebiet zurüdgezwgen: die Grenzstreitigkesten miüß 
Eluador werden aller Waährscheinlichkeit na chvor das Schieds- 
dericht zu Saog kommen. —,Die Wiederanknüpfung der 
diplomatischen Beziehungen mit Chile, welche feit verschiedenen 
ahren unterhrochen war. halt man für nahe bevorstehend. — 
Jer Prafident der Republik hat in öffentlicher Audienz den 
leuen Minister der Vereinigten Staaten. Bonton Me. WMillon 
mopfangen. Sehr herzliche Ansprachen wurden ausgetauscht, gan— 
esonders wurden erwähnt die großen Vorteile, die Peru 
utch Eröffnung des Panama-Kanals haben wird. — Es isi 
der Deputiertenkammer ein Gesetzentwurf unterbreitet worden, 
nach dem jede Gemeinde ein Prozent ihrer Einnahmen zur 
Herstellung von Arbeiterhäusern zu verwenden hat. Die Regie— 
ung liefert die Pläne und übernimmt die Verwaltung. — 
Fer, Kongreß hat ein getz egebigt. das in wirksamer 
Weise Sicherheit und Leben der in den Minen, besonders in 
»en Kohlengruhen arbeitenden Indigner verbürgt. — Der Sengat 
hat. die Todesstrafe in Peru abgeschafft und in lebenslängliche 
Gefängnisstrafe umgewandelt. — Eine Kommission von Inge 
neuren ist beguftragt, Pläne und Voranschläge über den 
Bau eines Deiches für den Hafen Chimbote, welcher an eine 
der größten und geschätztesten Buchten der Küste liegt, einzu— 
eichen. In seiner Nähe befinden sich mächtige Kohlenlager, 
und es ist anzunehmen, daß er als Kohlenstation und auch 
als Handelshafen die größte Bedeutung erlangen wird. — In 
ziner Beratung des Präsidenten mit den Vertretern der Provirz 
Ancachs ist beschlossen, den Bau der Eisenbahn von Chimbote 
ach Recuay fortzusetzen, unter besonderer Berüdsichtigung der 
Interessen, der in dem Bahngebiet sich befindenden Unter— 
iehmungen. — „Die Stationen für drahtlose Telegraphie in 
»en Häfen Chala,. Pisco und Ilo sind fertiggestellt. Für 
NRollendo und Puerto Maldonado sind solche von sehr großer 
traft geplant: das Material ist bestellt 
Cagesbericht. 
Läbeck, 10. Oktober. 
*2 Meisterprüfung. Die Damenschneiderinnen Frau M 
S. D. Hamarlund, Frl. F. D. C. Denker, Frau C. W. S. 
zchau, Frl. A. W. K. H. Middelborn, Frau J. D. E. L. 
brüter, Frl. M. H. J. Arf, Frl. M. H. Voigt und der Damen— 
chneider H. A. F. Shroeder bhaben am 6. Okt., und die 
Zutzmacherinnen Frl. E. F. Kuhn, Frl. H. W. Förster, Frl. 
z5. L. Barg, Frau M. W. Seltmann, Frl. M. L. A. Shhütt, 
Ijrl. E. C. Stockhausen, Frau P. F. A. Koch, Frl. M. A. S. 
Tschacher, Frl. J. H. Szygat, Frl. M. A. C. Schultz, Frl. 
Tch. L. A. Badendiek und Frl. E. Füber haben am 7. Okt. 
oor der hiesigen Meisterprüfungskommission für das Handwerk 
der Dameuschneiderei bezw. Putzmacherei die Meisterprüfung 
bestanden. 
F Ueber Straßenbahnfragen wurden im Verein vber noeralen 
ßolkspartei so viele neue Gesichtspunkte hervorgehoben, daß es 
Algemein interessieren dürfte, hier kurz darüber zu berichten, 
Als Notwendigkeit wurde der Ausbau bis zur Feldstraß 
n der Kronsforder Allee hingestellt, um das Hinter 
and im Interesse des Handels und des Schulbe'uches näher an 
Lübeck heranzuziehen. Die Verbiedung mit Schlutup durch 
eine Strabenbahn wurde längs der Arnimstraßze über 
Wesloe besfürwortet, und zwar bis hinab zur Fähre nach 
ßerrenwyk, um das dortige Industriegelände ?u er—⸗ 
chließen. Wenn auch im ersten Augenblick der Bau dieser Linie 
im etwa 60 06 teurer erschiene als der über Iraelsdorf bis 
um Marktplatz in Schlutup, so erspare man auf der anderen 
Seite die Ueberbrücking der Industriebahn, die am Wege von 
Schlutup nach Wesloe bereits besteht. Man erspart weiter den 
Bau einer Wagenhalle in Israelsdorf, deren Notwendigkeit 
utage treten werde, wenn außer der Bahn nach Kücknitz und 
Travemünde auch die Linie nach Schlutup bei Israelsdorf ab— 
zweigen werde. Im Übrigen werde der Umsatzstempel, die 
Wertzuwachssteuer und die Veräuherungsabgabe für dern 
Brundstückshandel auf dem Wege über Wesloe nach Schlutur 
»em Staat weit mehr Geld einbringen, als die Baulkosten 
jer Linie über Wesloe die der Abzweigung bei Israelsdorf 
iberragen. Tie Ausspielung der einen Linie gegen die andere 
rwirke vielleicht noch, daß die Grundstücksanlieger an der Arnim— 
lraße bis Schlutup für eine Reihe von Jahren die Zinsgarantie 
bernehmen würden. Jedenfalls werde der Betrieb erleichtert 
ind daher verbilligt, wenn auf getrennten Wegen die Handels— 
nd Verwaltungsmetropole erreicht werde. Tie Altstadt Lübechk 
jabe noch den Vorteil, das Lauerholz besser erschlossen zu sehen. 
Mancher würde mit Linie J bis zum Rittbrook oder Wesloe 
ahren und durchs Lauerholz hindurch nach Israelsdorf zur 
Forsthalle wandern. Auch die Erschließung der Staatsländereien 
»ei der neuen Strafanstalt wurde erwähnt mit Rüchsicht auf 
»ie Verlegung des Volksfestplatzes, des Luftschiffsplatzes usw. 
tach Lauerhof, weil die heutigen Plätze hierfür zu llein er⸗ 
cheinen und Karlshof für andere Zwecke wertvoller ist als 
ür Landungszwecke der Luftschiffe. DTiese würden mehr und 
nehr im militärischen Interesse gebraucht und daher wäre der 
Fxerzierplatz an der Arnimstraße der bestgeeignete Platz hier⸗ 
ür. Ein Autoomnibus von Tassow werde lieber direlt nach Lübeck 
geprünscht als nach dem Schlutuper Marktplatz im Ansfchlußz 
in die Straßenbahn wegen der Ersparnis des Umsteigens mit 
»em Handgepäck usw., wie ja auch das Auto von Sandesneben 
is zur inneren Stadt fahre und vielleicht noch einmal ein 
eiches von Reinfeld über Zarpen —Badendorf zur Fackenburgert 
Allee eingestellt würde. Jedenfalls müsse durch den Bau der 
Straßenbahn Wohngelände für Industriearbeiter erschlossen 
verden. Dieses laͤge in reichem Maße an der Arnimstraße über 
Wesloe nach Schlutup. Aus dem gleichen Grunde müsse auch die 
Strahenbahn nach Travemünde nicht neben der Eisenbahn 
zertaufen auf demselben Wege, auf dem auch die Auto⸗ und 
Radfahrer schon vorwärts kommen könnten, jondern die Straßen⸗ 
bahn müsse beim Gasthof zum Hochrad in Kücknitz abzweigen 
bis zum Wege von Dummersdorf nach Ivendorf usw. Der Zeit—⸗ 
punkt fuür die Weiterführung der Straßenbahn nach Travemünde 
ei jedoch noch verfrüht. Für die innere Stadt käme eine Ab— 
weigung der Straßenbahn vom Klingenberg durch die Aegidien— 
traße, Schildstrahe, Weberstrahe, an der Mauer entlang bis zum 
Burgtor in Frage, sobald diese Straßen neugepflastert würden. 
Die Entlastung der Breiten Straße und der Hürxstrabe würde 
dadurch besser erxeicht als etwa durch die Linienführuna vpomn
	        
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