Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

— die Landrundschaft m der Ssladt wensger ermntausen wird 
wenn vermehrte Sonntagsruhe eintritt, wird zwar hãufig be⸗ 
hauptet, aber selten stichhaltig bewiesen. Tatsache ist jedenfalls, 
daß der Landmann an Werktagen, wo er selber Geld einnimmt, 
neor Geld in der Stadt läht, als am Sonntag. Wenn er im 
SZonntagsslaat zur Stadt kommt, vergnügt er sich wohl an städti- 
chen Veranstaltungen, aber Warenpakete schleppt er an diesen 
Tagen ganz sicher nicht aufs Land, dazu ist an Markttagen 
bessere Gelegenheit, wenn Kiepen und Korbe leer. die Geldtasche 
aber voll ist Hat der Bauer Geld, so hat es die ganze Welt!“ 
Tas Entstehen dieses Sprichwortes beweist schon, wann der 
dandmann seine Einkäufe in der Stadt besorgt. 
Wir hoffen daher, daß Senat und Bürgerschaft sich nicht 
auf den Standpunkt des Lübeckischen Detaillisten-Vereins stellen 
werden, der im übrigen bislang nicht von dessen Gesamtheit, 
sondern nur vom Vorstande vertreten wurde. Wir erwarten viel⸗ 
mehr, daß das Vorbild der freien und Hansestadt Hamburg 
die gesetzgebenden Körperschaften veranlassen werde, in der ört⸗ 
lichen Sozialpolitik es nicht nur den Hamburgern nachzutun. Bei 
gerechter Würdigung der vorstehenden Ausführungen wird es 
ein Leichtes sein, Hamburg darin zu übertreffen, daß eine Sonn⸗ 
tagsarbeit im Handelsgewerbe nur von 7—210 Uhr zugelassen 
wird ohne Ausnahmen für andere Geschäftszweige, als wirkliche 
Bedürfnisgewerbe. 
oee CMO, 
Fahrplanwünsche. Der Niederschrift über die 59. Sitzung 
bes Bezirks-Eisenbahnrats zu Altona am 13. Sept. ist noch 
folgendes über Anträge für die Gestaltung des Personenzugfahr⸗ 
plans vom 1. Mai 1914 zu entnehmen: Durch den Tunnel 
bei Flieden würden für die Verbindung nach Frankfurt 
(Main) durchschnittlich 13 Minuten gewonnen werden. Diese 
Zeit könne aber nicht immer für eine Beschleunigung der Züge 
rusgenutzt werden, weil auf die Lage anderer Züge Rüclsicht ge⸗ 
lommen und die Fahrzeit einzelner Züge auch notwendig ver—⸗ 
ängert werden müsse, um die jetzt zu oft vorkommenden Ver— 
spätungen zu verhüten. Die Abkürzung der Strecke durch den 
Tunnel betrage nur 6,81 Km. Es sei schon hieraus ersichtlich, 
ah die großen Erwartungen, die an die Inbetriebnahme des 
Tunnels geknüpft würden, nicht in Erfüllung gehen könnten. 
Die Frankfurt —Berliner Züge würden im übrigen den Ham— 
hurger Zügen gegenüber bei Abkürzung der Fahrzeit nicht bevor⸗ 
zugt. Kommerzienrat Gätcke ist von dem geringen in Aus— 
sicht stehenden Zeitgewinn sehr enttäuscht. Er bittet in Erwägung 
zu ziehen ebenso wie zwischen Berlin und Frankfurt auch 
wischen Hamburg und Frankfurt leichtere Züge mit nur 1. und 
2. Wagenklafse zu befördern. Eine Beschleunigung der Reise— 
verbindungen mit der Schweiz sei dringend notwendig und werde 
auch den Verkehr weiter heben. Die starke Besetzung der Ham⸗ 
öurg—Frankfurter Züge werde auch bald die weitere 
Teilung des Verkehrs unabweislich fordern. 
Die Nutzbarmachung der Hamburger Schwimmhallen für 
Lübed. Die von uns am 8. d. M. gebrachte Notiz über diesen 
Hegenstand bringt das Hamburger Fremdenblatt unverkürzt in 
seiner gestrigen Ausgabe unter „Tagesbericht“ an erster Stelle, 
ein Beweis dafür, daß man auch auswärts den Stillstand der 
Zübecker Schwimmhalle bedauert und ihm Begchtung schenkt. 
Beim Postscheckamt in Hamburg waren Ende September 
3950 Kontoinhaber vorhanden. Auf den Postscheckkonten sind 
in diesem Monat gebucht worden: 123 355 000 MeGutschriften, 
darunter 724 680 Einzahlungen mit Zahlkarte über 76 227 000 
Mark und 54449 Uebertragungen über 47 107 000 M. Die 
Lastschriften betrugen 122379 000 M, darunter befanden sich 
10959 Kassenschecks über 13 754 000 M, 5011 im Reichsbank- 
giro- und Abrechnungswege beglichene Auszahlungen über 
265 376 000 M, 61 234 Zahlungsanweisungen über 32 479 000 M 
und 52 689 Uebertragungen über 50 769 000 M. Der Gesamt-— 
umsatz im Monat September betrug hiernach 245 734 000 M, 
davon wurden bargeldlos abgewickelt 123 282000 Moder 
bO v. B. Das Gesamtguthaben der Kontoinhaber des Postscheck⸗ 
unts machte am Monatsschluß 11 Millionen Mark aus. 
Der Verkehr Lübecks anuf dem Elbe⸗Trave⸗Kanal 1913. 
1912 1913 
Traal Ladung Traol. Ladung. 
t 
Im Mon⸗ 24566 10793 48 483 20898 
5799 4936 43 860 19 943 
* 36 049 90 150 50562 
55 4 118800 63 838 
51 220 7 3862 
*56383 131 
Jul. g 103 455 
August 3 84276 
Seoenptember 635 89 540 
Zusammen b. Ende Septembet 35 229 05 o8 
mithin mehr im Jahre 1913 238 565 114 290 
Das Publilum hat die Wahl. Unser Lübecker Stadt⸗ 
theater wird, wie schon mitgeteilt, im Laufe dieses 
Winters im Zentralhotel in Segeberg einen Zyklus von sechs 
Vorstellungen, darunter 8 mußfikalische, veranstalten. Da nun 
aus Segeberg verschiedentlich Anfragen erfolgt sind, was für 
Stücke gegeben würden, hat, wie das Segeberger Tage 
latt mitteilt, die Direktion eine Aufstellung gemacht, aus 
ser es das Publikum zu wählen bittet. Es linb fol-— 
gende Werle: Schaufspiel: „Rosmersholm“ von Ibsen, 
Kabale und Liebe“ von Echiller, „Kammermusik“, Lustspiel 
zon Ilgenstein, „Die deutschen Kleinstädter“, Lustspiel von 
Kotzebue „Der Biberpeiz“ von Gerhart Hauptmann. Open 
—9 Ouerette: „Barbier von Sevilla“ von Rossini, Das 
achllager in Granada“ von Kreutzer, „Die Fledermaus“ von 
StrautzServa Padrona“ von Pergoiefi und . Dottor unb 
Deta von Dittersdorf (beide an einem Abend Hoheit 
nzt Walzer“, Operettenneuheit von Leo Ascher. 
.Eine kriegsmätzige Ballonverfolgung durch Automobile 
wird am Sonntag, 12. Olt, in Neubrandenburg von 
Großherzoglich Mecklenburgischen Automobiltiub and dem u. 
becker Verein fur Lufffahrt veranstaltet. 
Baus verkauf. Durch Vermittelung des Maklers Her⸗ 
mann Köhn wurde das Haus Bulowstrabe Nr. 13, Wwe. —3— 
behonenn an Frau E. Möller verkauft. 
Belichtigung des Ki F 
heutigen Morgenblatt ehe ier Ae 
eitens des Gewerlkvereins ist durch einen Drudfehler eine sach⸗ 
iche Unrichtigkeit vermerkt. Der Gefrierprozeh des in den 
——— ade nimmt nicht, wie angegeben, mur 
twa Minuten, sondern etwa vo 
pruch. was hiermit richtiggestellt sei iie 2d Sinmden du Au⸗ 
9- Mem gehört die Sap gentlich sF 
nittelungen in —* Iee eHehegentn — ? 
sehlhergestellte Zandiashe hun denet die si Wesielbetae 
einem der Vollsfestlage, dieses Jahtes in der Braten Arad 
d 3. 8— will. Die unbekannie Eigen 
7 rjucht. si imi 2 
unan it i, im Bureau der Kriminalpolizeiau 
vnnrrarmeorry. in vct—εα, ren o n⏑ Ayr 
tbends ist vom Flur eines an der Becergrube belegenen Harises 
in Fahrrad, Marke „Naumanns Germania“, mit schwarzem Ge⸗ 
fell'ebensolchen Felgen, Freilauf, Rücktrittbremse, gerader Lenk⸗ 
stange und der vom Polizeiamt gelieferten Erkennungsnummer 
808 cbhandengekommen und vermutlich gestohlen worden. 
B. Nusse, 9. Okt. Todesfall. Der 81 Jahre alte 
sItenteiler Krützmann, hierselbst, wurde Sonnabend wegen eines 
zerze und Blasenleidens dem Möllner Krankenhause zuge— 
hrt. Sein Zustand war aber schon so bedenklich, daß eine 
Dperation nicht mehr ausgeführt werden konnte. Dienstag 
norgen ist der schwer Leidende als erster im Möllner Kranken⸗ 
sause verstorber 
Schleswin⸗ Solstein. 
Kiel, 9. Okt. Die Regierung in Sdéleswig hat dem 
hiesigen Volksschullehrer Rathmann, der seit fünf Jahren 
Theater- und Musikrezensent der sosialdemokratischen 
schlesw.-holst. Volkszeitung war, die weitere Ausübung dieser 
dätigkeit untersagt. 
Neumünster, 9. Oft. Veterinärbakteriologi— 
sches Institut. Hier wird bekannt, daß die Landwirtschafts— 
kammer der Provinz Schleswig-Holstein nicht das viologische, 
sondern das veterinärbakteriologische Institut von Kiel nach Neu— 
nünster oder Preetz zu verlegen beabsichtigt, weil die jetzt in 
Kiel zur Verfügung stehenden Räume nicht mehr ausreichen. 
Man will in eingeweihten Kreisen wissen, daß Neumünster bei 
der Wahl des Ortes den Vorzug erhält. — Eine bedeutende 
Steigerung des Güterverkehrs ist eingetreten. Die 
iesige Station befördert täglich 60 Züge zur Fortschaffung der 
Hüter. Wenn man bedenkt, daß außerdem 120 Züge zur 
Personenbeförderung von hier abgelassen werden, so erhellt hier— 
rus, wie eußerordentlich stark auf dem hiesigen Eisenbahn⸗ 
'notenpunkt die Schienen in Anspruch genommen werden. 
Flensburg, 8. Okt. Der Scharlach tritt an meh— 
eren Stellen der Stadt auf: es sollen über 100 Fälle zur An— 
eige gebracht sein. 
Reuefte Nachrichten und Telegramme 
der „L. A.ee und A Z.-ä 
Die Welfenfrage. 
W. Berlin, 9. Okt. Zu der gestern von Wolffs Telegr. 
Bureau veröffentlichen Erklärung zur Welfenfrage 
sagt das Berl. Tagebl.: Vorerst wird abzuwarten sein, 
vie der dem Bundesrate zugehende Antrag über die braun— 
chweigische Thronfolge aussehen wird. Daß die Begründung noch 
„iel Neues und Unbekanntes bringen wird, ist allerdings unwahr— 
cheinlich — Die Tägl. Rundschau äußert: Es ist leider 
anzunehmen, daß der Bundesrat, wenn Preußen sich zu dem 
Antrag auf Aufhebung der Behinderung des Prinzen für die 
Thronbesteigung in Braunschweig entschließt, diesem Antrag zu— 
limmt, sicher ist aber auch, daß dieser Beschluß im Reichss und 
m Landtage wie in der Oeffentlichkeit scharfem Widerspruch be— 
zegnen wird. Auch die neue Ercärung des Prinzen kann den 
taatsrechtlichen Verzicht nicht ersetzen, dessen Notwendigkeit gerade 
zie welfische Agitation im letzten Monate erwiesen hat: — Die 
LRreuzzeitung meint: Es fragt sich, ob die jetzige Ver— 
zffentlichung den zwischen dem Fürsten des welfischen Hauses 
und der welfischen Agitation notwendigen Trennungssstrich zieht, 
nach den bisherigen Erfahrungen haben wir eine gewisse Zuver— 
icht darauf nicht. — Die Post hält die Mitteilungen für 
inzulänglich — Die Rationalzeitung stellt fest, daß auch 
iese Erklärung den Verzicht auf die Königskrone von Hannover 
ticht klipp und klar ausspricht. — In der Vossischen Zeitung 
zeipt es: Die Frage ist nicht die, ob der Prinz verspricht, nichts 
jegen den preußischen Besitzstand zu tun, sondern die, ob er 
»en Ansprüchen auf den hannoverschen Thron für sich und seine 
Erben ein- für allemal entsagt. 
Home Rule wird Gesetz werden. 
W. London, 89. Okt. Churchill hat gestern in Dundee 
ine Rede gehalten, in welcher er sich gegen die Aufreizungen 
der Opposition zu Streit und Krieg in Ulster und gegen den 
ßorschlag des Boykotts der Territorialarmee wandte und er— 
lärte, Home Rule würde Gesetz werden. Es würde 
in Unglückstag sein, wenn sich die Regierung selbst so schwach 
eigen sollte, um der Gewalt irgend einer Gruppe des Volkes 
eige nachzugeben. Im weiteren Verlaufe sagte Churchill, dah 
ede Annäherung an eine Versöhnung von seiten der Männer 
on Ulster von den irischen Landsleuten und der liberalen 
zartei wettgemacht, und mehr als wettgemacht werden würde. 
stur eine Partei allein könne Home Rule durchführen, aber 
s würde mehr als eine Partei notwendig sein, um sie zu 
inem dauernden Erfolg zu gestalten. Der Friede sei besser 
ils ein Triumph, vorausgesetzt, daß es ein Friede in Ehren 
ei. Die Home RuleBill sei nicht unabänderlich. Der Minister 
uhr fort: Innerhalb der nächsten zwei Jahre, also bevor 
»ome Rule voll wirksam sein dann und bevor irgend ein Gesetz 
vom irischen Parlament angenommen werden kann, müssen all— 
emeine Wahlen stattfinden. Sollte das Ergebnis eine Ver⸗ 
chiebung der Macht sein, dann würden die Untonisten die Maß⸗ 
iahme widerrufen können, und das ist unsere Antwort auf ihre 
Beschwerden, wenn die Annahme von Home Rule von der Ma⸗ 
oritãt zunichte gemacht würde, welche die gesetzlose Kühnheit 
zätte, das Raufbold-Veto (bulleys voto) einzulegen, das will- 
ürlicher ist, als das Veto der Krone, das 300 Jahre lang 
ibgeschafft ist. Dann wurde die konstitutionelle, parlamentarische 
Bewegung zur Abstellung von Mißständen überall im Reich 
und in der ganzen zivilisierten Welt in schlechten Ruf gebracht 
uind verhöhnt lein. Gegen eine solche Gefahr und gegen solch 
gellose Ansprüche ist die Regierung bereit, alle notwendigen, 
zeeigneten Maßnahmen zu ergreifen. Aber erfreulicherwelse sind 
wuch Anzeichen einer Wendung zum Besseren vorhanden. Ich habe 
üngst in einem Teil von Ulster die Neigung gesehen, die 
Stellungnahme einzuschränken durch Beanspruchung einer beson⸗ 
»eren Berüchichtigung von Nordost-Irland. Dieser Anspruch ist 
ehr verschieden von dem, Home Rule zu hemmen und im 
danzen übrigen Irland den Weg zu versperren. Dies ist ein 
Anspruch, der, wenn er aufrichtig derfolgt wird, nicht ignoriert 
werden konmn 
M. Paris, 9. Olt. Nach einer Meldung aus Madridb ist 
»as englissche Panzerschiff „Inflexible“ von Gibraltar nach 
Cartagena abgegangen, um an der zu Ehren des Prasi— 
denten Poincars dort stattfindenden Flottenschaun 
eilzunehmen. Die franzbsischen Panzerschiffe „Diderot“, Vol— 
caire“, „Mirabeau“ und „Danton“ trafen gestern vor catta 
dena ein. n 
W. Paris, 9. Okt. Das in dem Tufllerlen⸗Garten aufge 
tellte Dentmal des verstorbenen Minj sterpräsidenter 
Mardeck-Kousfeausijft gestern abend pon einem 303:* 
Manne mat Trnse Therschntte fworden. Em Schutzmann 
berhaftete den Mann, der sich weigerte, seinen Namen zu nennen, 
Bemerkenswert ist, daß seinerzeit ein eigner Wachtposten bei 
dem Denkmal aufgestellt war, weil Camelots du Rou das 
Denkmal, das sie als eine Beleidigung für den wahren Pa—⸗ 
rioten bezeichneten, verstümmelten. 
W. Madrid, 9. Okt. Nach der Rückkehr von Toledo speisten 
der König und die Königin und Präsident Poin— 
cars abends im intimen Kreise, sodann begaben sie sich ins 
Königl. Theater, wo zu Ehren des Präsidenten ein Fest⸗ 
konzert stattfand. 
— Der Kösnig unterzeichnete eine Verfügung, welche die 
Einbringung einer Gesetzesvorlage über die Fortsetzung 
der Kriegsschiffbauten in den Kammern genehmigt. 
W. Belgrad, 9. Okt. Die Skupschtina ist gestern 
wieder zusammengetreten. Der Abgeordnete Iwanowitsch brachte 
einen Gesetzentwurf ein, der die unentgeltliche Ueber— 
lassung von Grundstücken an Familien gefalle— 
ner Soldaten betrifft. 
W. Washington, 9. Okt. Das Schatzzamt ordnete an, 
daß die Bestimmung der Tarifbill, betr. die Sprozentige Zoll- 
dergünstigung, aufgehoben wird, bis das Justizamt 
die Entscheidung gefällt hat. 
W. Wasßhington, 9. Okt. Vanderlip, der Präsident det 
National Citybank Newyork, sagte vor dem Bankunter« 
uchungsausschuß aus, seine ehhene Bank würde 50 
Nirtltonen Tollars Depositen verlieren, wenn die 
Heldumlaufsbill Gesetz würde, dennoch glaube er, die Maßregel 
sei ein Schritt auf dem richtigen Wege, da die Zinssätze nicht 
mehr so bedeutend schwanken würden und Newyork ein 
nternationales Bankzentrum werden würde. Van— 
zerlip verwarf nachdrücklich einige Grundsätze der Bill 
ind erklärte, daß die unter ihm von der Re— 
ierung garantierten Schatznoten ihren Weg zu der 
Reserbe von Nichtmitgliederbanken finden würden (nämlich 
Staatsbanken und Trustgesellschaften, die nicht gezwungen sind, 
ich an der Zeichnung des Grundkapitals der Distriktsreserve— 
zanken zu beteiligen). Die Bill würde nicht die gewünschte 
Elastizität schaffen, er glaube, es würde kein genügender An— 
reiz gegeben sein für die Aufgabe des gegenwärtig durch Bonds 
gesicherten Geldumlaufs. Vanderlip empfahl die Schafsung von 
nur einer Bank an Stelle der 12 Distriktsreservebanken. Diest 
würde, wenn man an ihrer Errichtung festhielte, bewirken, 
daß das Gesetz den beabsichtigten Zweck verfehle, da vielt 
Nationalbanken ihre Konzessionen aufgeben und Staatsbanker 
werden würden. 
W. Boftén, 9. Okt. Die von der Vereinigung der 
amerikanischen Banken und Bankiers eingesetzt 
Kommission zur Regelung des Geldumlaufs erstattet 
in der Jahresversammlung der Vereinigung Bericht, in welchen 
ie sich unter Verwerfung der geplanten Errichtung von verschie 
obenen Bezirksbanken zugunsten des früheren Planes det 
Schaffung einer Central-Reserve-Associatior 
ausspricht. die den leitenden Gesichtspunkt des früheren Aldrich 
chen Entwurfes bildete und damit begründet, daß der frühere 
Plan eine freiwillige und nicht zwangsweise Beteiligung der 
Banken an der Central-Reserve-Association vorsah, und daß 
auf diese Weise die investierten Summen unter der Kontrolle 
der Einlagen leistenden Banken standen. 
* e 
Hamburg, 9. Okt. In der Bürgerschaft wurde gestern 
lange die Errichtung einer Unipersität beraten und die 
Entscheidung vertagt. 
W. Stettin, 9. Okt. Gegen den Arbeiter Brandenburg, der 
am 5. Juni vor der Zichorienfabrik Weiß in Frauendorf den 
ttreikenden Arbeiter Kuehn durch Messerstiche sE 
schwer verwun dete, daß er einige Minuten später starb, 
ist gestern unter grozßem Andrange des Publikums vor dem 
Schwurgericht verhandelt worden. Der Angeklagte erklärte, er 
jabe sich durch Kuehn bedroht gefühlt und nur in Notweh 
zehandelt, als er auf den Angreifer losstach. Der Staats—⸗ 
anwalt drückte die Meinung aus, daß Brandenburg, der za 
ꝛiner Schar Arbeitswilligen gehörte, die sich dem Streik nich 
anschließen wollten, sich in Notwehr befand, diese aber über⸗ 
ichtitt. Tie Geschworenen verneinten alle Schuldfragen. der An⸗ 
reklagte wurde freigesprochen. 
W. Düusseldorf, 9. Okt. Hier ist ein Rentner wegen 
Steuerhinterziehung zu 22432 MuStrafe, dem acht 
fachen Betrag der hinterzogenen Steuer, verurteilt worden. 
W. Paris, 9. Okt. Vor dem Disziplinarrat der Post⸗ 
und Telegraphendirektion erscheinen heute 14 Teleponistin— 
nen und zwei Aufseherinnen, die beschuldigt wer— 
den, im Dienste eines Getreideagenten gestanden und diesen bei 
den Telephonverbindungen zum Schaden seines Konkurrenter 
—I 
Bunte Chronik. 
DVD. Unter dem Verdacht des Mädchenhandels 
perhaftet. Unter dem Verdacht des Mädchenhandels wurde 
in Saarbrüden ein Mam verhaftet, der auf der Straßze 
ein Mädchen an sich geloctt, es zum Essen eingeladen und ihm 
eine betäubende Flüssigkeit di den Wein geschüttet hatte. Mit 
dem gefügig gewordenen Mädchen wollte er auf dem Bahn⸗ 
hof in einen Zug steigen. Hier war er jedoch von einem 
Manne beobachtet worden, der die Polizei auf ihn aufmerksam 
machte. Darauf erfolgte die Nerbaftung durch die Kriminal—⸗ 
polizei. 
P0. Großer Juwelenraub. Einbrecher statteten 
Mittwoch morgen einem Brüsseler Juwelier einen Besuch ab 
und raubten für etwa 100 000 MJuwelen und Goldwaren 
Von den Täatern fehlt jede Spur. 
70. Prinzefsin Sophie von Sachsen-Weimar 
als Urheberin kines Automobilunfalles. Am 
42. August diefes Jahres wurde, wie der Temps such aus 
Melun berichten läht, die 12 Jahre alte Madeleine Brujard 
von einem Automobil in der Rähe von Les Cartrettes, einer 
tleinen rOtschaft Fiem von Melun entfernt, überfahren und 
getdtet. Gestern nun perhandelte die Strafkammer gegen den 
24 Jahre alten — des Autos, Walter Walmer, wegen 
fahrlässiger Tötung. Im Verlaufe der Verhandlung wurden 
Ruch die Aussagen der Personen, die sich in dem AÄutomobil 
befanden, verlesen. Samtliche Aussagen sind in Frankurt (Main) 
zu Profokoll gegeben worden, es ging aus ihnen hervor, daß 
zur Zeit des Unglücks die, Prinzessin Sophie von Sagchlen— 
Weimar, die am 73. Sept. d. J. im Heidelberger Schlob aus 
dem Leben schied, Lenterin des Autos war, Zu shrer Seite 
datte seinerzeit der nsedgie Chauffeur Platß genommen, wäh— 
rend hinter ihr ihre Mutter und Baron Hans von Bleichröder 
Platz genommen hatten. Die Verhandlung endete schließlich 
mit einem Freispruch des angeklagten Chauffeurs, ebenso wurde 
auch Baron v. Bleichröder, gegen den ein Ziviiverfabren eig⸗ 
4AMettet worden war. fretdgesyrochen
	        
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