Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

n dem im ersten Stockwerk liegenden Schlafsaal rer Fremden 
inen Rausch ausschlafen. Dabei geriet er in ein won der 
oahler dee Wirts bewohntes Zimmer und ahm nun die Ge— 
Tdenteit vahr, sich Linen Briefofsner, ein Portemonngie, mit 
Ha, eine Taschentoilettengocnitur, ein Paar, Schnürstiefel sos 
wie vbersanedene Kleidungsfiücke anzueignen. Das Urteil lautet 
if eonale Gefängnis — Wegen 1bweren Diebe 
ahrs ist das Diemtmädchen Bersha St, angeklagt. Im 
Zaͤuse ihrer Herschaft hatte der Geschäftsführer P. ein Kon— 
sor, das die Angeklagte zu reinigen hatte. Seit Juni 1913 
kam Pr. aus seinem verschlossenen Schreibtisch fortgesetzt Geld 
weg, ohne daßz es gelingen wollte, den Täter zu fassen. 
Run Lichnete Pr. Geld und als ihm wieder Geld wegkam. 
wutrden zwei Einmarhstücke, die gezeichnet waren, bei der An—⸗ 
zetlagten gefunden. Diese gesteht zu, die 2 Waus dem Schre ib⸗ 
lisch. den sie mit einem falschen Schlüssel geöffnet habe, gestohlen 
zun hahen. Sie leugnet aber, weder vörher noch nachher — 
Im 25. Juli famen wieder? Meaus dem Schreibtische fort — 
Herd deftohlen zu haben. Das Urteil lautet wegen eines Dieb— 
stahis auf 3 Monate Gefängnis. 
Verhaftet wurden ein Arbeiter aus Scharbentz. der 
eitens der hiefigen Staatsauwaltschaft wegen Unterschlagung 
fedbrieflich verfolgt wird, und, ein hiesiger Klempner und ein 
PMaurer aus Gustrow, die sich des Sausfriedensbtuchs. des 
wwiderstandes gegen die Staatsgewalt ‚der Sachbeschädigung 
ind der Beleidigung schuldig gemacht haben. 
o- Körperoetletzung. Sonntag, gegen 2 Uhr nachmittags. 
zerieten 2 Hafenarbeiter in der Hafenstrake in Streit, in dessen 
Verlauf der eine dem anderen mit einem Revolobder einen Schuß 
n den Hals beibrachte. 
() Die Schlutuper Toteulade, gegründet 1797, hielt 
Sonntag ihre ordentliche Generalversammlung ab. Der Lade 
gehören zurzeit 132 Mitglieder mit einem iährlichen Beitrag 
von 3,90 Muund 60 Mitglieder mit einenn Beitrag von 1,95 M 
an. Im Laufe des letzien Jahres sind 7 Mitglieder gestorben, 
für die ein Sterbegeld von 875 Mugezahlt wurde. Das Ver— 
mögen der Kasse beträgt 17625,20 M, im letzten Jahre 
wurde ein Ueberschuß von 408,86 Meerzickt. Aus dem Vor— 
stande schieden die Herren Räuchereibesitzer Klaus Bade und 
Fischerme ster Hans Willwater, neugewählt wurden die Herren 
Räuchereibesitzer Hans Voß und Fischermeister Hans Detlev. 
Die Kassenverhältnisse der Lade siad äußerst günstig. daher ist 
allen Schlutupern der Beitritt dringend zu empfehlen. 
b. Staditheater. Aus der Theaterkanzlei schreibt man uns: 
Als erste Mittwoch-Vorstellung zu ileinen Preisen zelangt diese 
Woche „Vreçciosa“ mit der Musik von Weber zur Aufführung. 
Die Tänze sind von der Ballettmeisterin M. de Koocsi ein— 
tudiert worden. Am Freitag. dem 10. Okt., geht zur Verdi— 
Feier, aus, Anlaß seines 160iährigen Geburlstages. „Der 
Troubadeur“ neueinstudiert in Szene. Die neue Altistin, Frl. 
Gertrud Meißner, wird sich dem Publikum als Azucena zum 
ersten Male in einer größeren Vartie vorstellen. Um Jaliens 
gröhßzten Komponisten noch ganz besonders zu ehren, wird im 
Laufe dieser Spielzeit das grandiose Werke, Falstaff“, das in 
Lübeck noch rie gehört worden ist, zur Auffuͤhrung gelangen 
b. Verein der Musilfreunde. In dem zweiten volkstüm—⸗ 
lichen Konzert am Mitftwoch, dem 8. Okt., im Kolosseum wird 
der Fidten⸗Solist des Orchesters, Herr Scharff, die große 
Fantasie von Demessermann spielen. Als wesentlichste Be— 
tandleile des Programms sind zu bemerlen: die Quvertüre zu 
Piendelssohns .Hebriden“, das Vorspiel zut Oper „Loteley“ 
bon Bruch. die finsonische Dichtung Finlandia“ von Sibelius, die 
Peer⸗Gynt⸗Suite Nr. 1 von Grieg (vier Sätze), die Ouvertüre 
un Mignon“ von Thomas und eine Fantasie aus Nerdis Oper 
Rigoletto“. 
b. Konzert. Heute. Dienstag, abends 794 Uhr, sindet im 
Logensaal Et. Annenstrake 2) das bereits angelündigte Kon— 
gert von Margarete Hoffmann und Hildegard Stoll statt, 
worauf wir an dieser Stelle nochmals hinweisen möchten. Irl. 
Sildegard Stoll, die von der Kritik als eine Pianistin, von 
großer technischer Fertigkeit und glänzender Virtuosität bezeschaet 
wird, spielt zur Einleitung die Es-Dur-Sonate op. 2von 
Zeelhopen. Nußerdem verzeichnet das Programm an Klapier— 
werkenn , Vapillons“ von R. Schumann und die F-Möll— 
Fantasie von Chopin. Die Auswahl der Gesänge ist eine sehr 
pornehme. Namen wie Schubert. Brahms. Molf und Reger 
zieren das Rrogramm. 
b. Enkngelischer Bund. Der am 12. Okt. d. J. bevor⸗ 
tehende Familien Abend des Evangelischen Bundes im Logen⸗ 
on wird, wic die früheren Familien⸗-Abende, Musikyocträge, 
zeklamationen und Ausprachen in mannigfaltiger Abwechselung 
ringen. Im Hinbilid auf die Feier des 18. Okt. und die große 
Zeit vor 100 Jahren werden sowohl die erste Ansucache, ge—⸗ 
zalten von Snverintendent Machsmuth-Lüneburg, als auch die 
Deklamationen von Schülern auf einen warmen patriot'schen 
Ton geftimmt sein. Im weiteren Verlaufe des Abends wird 
vann Amtsrichter Dr. Gebhard die Eindrücke schildern, die er 
zuf der kürzlich gehaltenen, glänzend verlaufenen Generalper- 
ammlung des ECoangelischen Bundes in Görlitz empfangen hat, 
pelchet er als Abgeordneter des Lübeder Hauptveteins hei⸗ 
wohnte. Endlich wird Vitar Knak die Zuhörer auf em be— 
sonderes Vrbeitsgebiet des Evangel. Bundes führen, indem 
er die Erfolge und den gegenwärtigen Stand der Los-von-Rom— 
Bewegung in Oesterreich auf Grund eigener Erfahrungen schi, 
dert. Die Ausgestaltung des mufsikalischen Teiles der Feier 
haben dret tüchtige hiesige Musiker gütigst übernommen. Der 
in den mnlitalischen Kreisen unserer Stadt wohlbekannte Herr 
Inlius Köhn wird sowohl allein einige Klaviervorfräge zu 
Gehör bringen. als auch zusamnen mit den Herren Telegraphen— 
Afsistent Richard Wagner (Geige) und Telegraphen-Assistent 
Aih. Matschle (Violoncello) ein Handusches und ein Mozactiches 
Trio spielen. Wie alliährlich bei der Lutherfeier an den Kirch— 
türen, so werden auck bei diesem Familien⸗-Abend an den Saogi— 
türen ausführliche Progtamme zu haben sein; doch ist der Ein— 
tritt frei und nicht an den Kauf eines Programms gebunden. 
b. Der Gewerlverein unternimmt am Mittwoch, dem 8. Oft., 
nachm. 4 Uhr eine Besichtigung des neuen Kühlhauses an der 
Schwartauer NAllee. Die Teilnehmer an der Besichtigung ver— 
ammeln sich auf dem Hofe des Merfes Die Teilnahme der 
Damen ist erwünscht. 
h. Vei der Deutschen Militärdienste und Lebenz-Veriiche⸗ 
rungs⸗Anstall a. G. in Sarnover waren im Monat, Septemher 
1913 zu erledigen: 1207 Anfräge über 32623 580 MVer, ce- 
rungs⸗Kapifal. Von Errichfkung der Anstalt (1878) ai5 Ende 
September d. J. gingen ein 406 838 Anträge über 783062555 
Mark Versicherungs-Kapital. Die Auszahlungen an Versiche- 
rungssumme, Prämienrücagewähr usw. im Jahre 912 netrugen 
ca. 14 000 000 M; die Gesamtauszahlungen seit Vestehen der 
Anstalt ergeben rund 158 900 000 M. Der Snmootheleunbe⸗ 
sttand betruo am Jabresschluk rund 129 000 000 m 
Hanseltãdte. 
Hamburg, 7. Okt. Kleine Rachrichten) Auf dem 
Haubthahnhof wurde der russische Possthenmte Poposeldor 
angehalten, der aus Skusst entflohen ist und 280.000 
Rubel omtlicher Gelter mitgenommen hat. Seine Spur föhrte 
nach Hemburg und die Hamburger Volizei wmirde telcgrap'isch 
perständigt. Bei seiner Aufunft auf dem Hauptbahnhof konnte, 
da eine genaue Ver'onalbeschreikung gegeben war, sofort seine 
Festnahme erfolgen. Der ganze unterschlagene Beirga 
mar noch in seinem Besik. M. hatte die Apbsicht, nach Amerika 
u sGeren. Auf seine Ergreisung, war eine Belohnung von 
259 Nubel ausesetzt. — Ter Nseudo-Obera'sistent 
Jabn, der einen ilchhindler in der EGertrudenitrabe um 
20 Niprelfte, meil er diesezn die Lieferung der Misch im 
St. Georger Krarfenanse verfprach, ist jehn von dem Ge— 
ädigten nach einer Totfonraphie als der megen gleider 
Zrint eleien sichon vort itrgitef, uühere Biessührer Adelt Tole 
erlaunt worden. Es nucde ein Hasthefabl gegen ihn erlesien. 
— Todes stturz. it eigem am Arrikatai sinenden Tompiet 
tützte der ‚Schiisejunge Tretze ia den Shtiraum uad Glitt 
sid pere innere Rerlerungenn, daß er bereits quf dem Wene 
ah dem Kraufenenusz iferh 
Bremen, 7. Ott. Für die Jahrhundertfeier 
»er Uölkerschlacht bei Leipzig, die hier in Bremen 
ehr würdig begangen werden soll durch Vorstellungen im Stadt- 
heater sür Volesschüler ant 8., 11. und 15. Okt., Schulfeiern 
iit Teilnahme der Eltern für alle Schulen der Stadt und des 
andgebiets und Verieilung von patriotischen Schriften an Volks— 
chüler am Sonnabend, 18. Okt. und am Abend diefes Tages 
racketzüge in allen Teilen der Stadt, die sich zum Schluß auf 
em Stadtwerder vereinigen zur Abbrennung eines Freudenfeuers, 
m folgenden Sonntage Einläuten des Tages durch alle Kirchen— 
locken, Festgottes dienste in allen Kirchen, mittags 12 Uhr die 
zaunptseier auf dem Domshofe mit Gesang und Rede, zu der 
ich Senat und Bürgerschaft in gemeimschaftlichem Zuge vom 
Rathause begeben. und abends Illumination der Stadt., sordert 
er Senat auf Antrag des Komitees von der 
Rürgerschaft 60000 Mark, und zwar u. a. fuür: 
Theatervorstellungen, Beschaffung von Textbüchern usw. 
600 M, Berteilung von Büchern an die Kinder der J. und 
I. Klasse der Volksschulen des Staatsgebietes 44300 M, Schul⸗ 
eiern in Turnhallen und Sälen, Schmuck der Räume in städti⸗ 
chen Volksschulen 13 000 M, in ländlichen Volksschulen 2000 M, 
Laisschmücdung der Festräume in den höheren Schulen, Seminaren 
ind im Technikum usw. 1700 M, Fahnen für die Schulen 2000 M, 
race'n für 10-12 000 Teilnehmer 5400 M, Musit 1000 M, 
zolzstoß zum Freudenfeuer nebst Einfriedigung 400 M, Flammen⸗ 
ecken iür Beleuchtung der Wege 200 Me, für die Ausschnückung 
»es Domhofes einschließlich Tribünenbau 5000 M, elektrische 
Zeleuchtung von Rathaus, Gerichtshaus, Polizeihaus, Theater 
sw. 10 000 M. Kerzenbeleuchtung für die int Innern der Stadt 
elegenen Staatsgebäude 1372 M. Die Schulen und eine Reihe 
nderer Staatsgebäude werden durch die vorhandenen Ein⸗ 
ichtungen erleuchtet. Für Hilfeleistung beim Anbringen der 
leltruchen Beleuchtungskörper, sür Wachen in unbewohnten 
däumen und sonstige nicht vorherzusehende Arbeiten usw. 628 M. 
der Verbrauch an elektrischem Strom und Gas ist in diesem 
Anschloge nicht enthalten und wird von den einzelnen Behörden 
u tragen sein. Druchsachen usw. 500 M, Verschiedenes und 
Anporhergesehenes 10900 M. 
Großherzoatum Oldenburg und Fürstentum Lübed. 
AZEutin 7. Okt. Innungaswesen. Die freie Stell⸗ 
nacher⸗ und Böticherinnung in Ahrensbök hat bei der Regierung 
zie Umwundlung in eine Zwangsinnung für das Stellmacher—⸗ 
ind Böttchergewerbe im ganzen Fürstentum Pbed mit 
»em Sitz in Ahrensbök beantragt. — Der Vorstund der 
iefigen Ortskrankenkasse beschloß, gegen den Be— 
chluß des Oberversicherungsamts in Oldenburg, der die Qu— 
ane ols besondere Krankenkasse ablehnte. Beschwerde zu 
rheben. 
K. Ahrensbök, 7. Oktt. Ein folgenschwerer Un— 
lücksfall ereignete sich hier. Ein Radfahrer, wie es heißt, 
in Lübecker Malermeister, fuhr gegen ein Einspännecfuhcoerk, 
das aus einer Nebenstraße kam. Die Deichsel drang dem Un— 
lücktichen in den Leib. Beide hiesigen Aerzte bemühten sich 
inm ihn und legten einen Notverband an. Mit dem Kranlen— 
ragen mußte er ins Lübecker Krankenhaus transportiert wecdern. 
man hört, ist der Nerundlückte schon seinen Verleßzungen 
leden 
Großherzogtũümer Mecllenbura. 
Schwerin, 7. Olt. Der Pestalozzi⸗Verein 
zielt seine diesiährige Jahresversammlung gelegentlich der Ta— 
zung des Landeslehrervereins ab. Der Verein zählte 1440 
rdentliche, a2 außerordentliche Mitgli-der und 21 Wohltäter, 
der Ueberschutß im letzten Geschäftsjahr betrug ca. 17000 M. 
iervon führte die Vereinsbuchhandsung etwas mehr wie 10000 
Mark Reingewinn an die Hauptkafse ab. Unterstüßungen wur— 
en an 2904 Lehrerwitwen und 135 Waisen mit ca. 14000 M 
ewährt. Die nächstiährige Versammlung fiedet in Lübz statt. 
88Grevesmühlen, 7. Oftt. Beider Jahrhundert— 
eier, die am 18. und 19. Okt. vom Magistrat und Bürger⸗ 
russchuß veranstaltet wird, soll eine Festausfürung des Stüdes 
Freiwillige vor!“, von Dr. Schneidech, stattfinden. Für beide 
Tage ist ein halbstündiges Geläute der Kirchenglocken vorge— 
ehen. — Verkaufthat Kaufmann Kuühl einen Bauplatz 
don 37 Quadratruten. Mühlenstraße, an Senator Dieterich. — 
Fin Fußballwettspiel fand Sonntag auf dem Svport- 
»latz beim Tannenberg ey dem hiesigen Fußballverein 
bon 1908 und dem Lübeder Ballspielklub von 1803 statt, 
rus dem der letztere Verein als Sieger mit 321 Toren 
ervorging. 
8s8 Grevesmühlen, 7. Okt. Angestellt wird zum 
. Dez. als Krankenkassen-Berechner beim hiesigen rilterschaft- 
ichen Polizeiamt der Ratsprotokollist Albrecht, Stavenhagen. 
die Stelle ist mit einem Gehalt von 1800 Mudotiert. 
— Rehna, 7. Okt. Das Festkomitee für die 
Jahrhundertfeier des Gedenttages der Völ— 
erschlacht bei Leipzig hat Sonntag unter Leitung des 
Zürgermeisters Monich das Programm der Feltreihenfolae fest⸗ 
eleagt. 
Luftfahrt. 
Franzöfische Kritik der deutschen Fagieet Die Par ær 
Z3portzeitung Aero brinat einen Ariikel über die Leistungen 
»er deutschen Flugtechnik in der Türkei, der von unge— 
euerlichen Anschuldigungen gegen die deutschen Flugzeug— 
onstrukteure und Flieger wimmelt. Es wird unter anderem 
elggt. daß die Türkei gezwungen sei., durch die in Deutsch— 
ud gekauften Flugzeuge einen deutschen Fliegeroffi— 
ier zu dulden, der bisher ein unverhältnismößig bohes Ge— 
alt eingestrichen habe, während er noch nicht ein einziges Mal 
ich zum Fliegen hat bereit finden lassen. Außerdem wird 
sleichsalls über die in Deutschland bezogenen Flugzeuge her— 
jezogen. So soll der der Türkei gelieferte Parsevalbal— 
on vollkommen wertlos sein und in Berlin lediglich zur Licht— 
ekame gebdient haben. Dieses „Spielzeug“ sei von der Türkei 
nit einer halben Million bezahlt worden und bereits bei seinem 
rsten Fluge abgestürzt und völlig -ertrümmert worden sein, 
der Vermittler des Geschäfts sei der deutsche WMilitär⸗-Attaché 
nKonstantinopel gewesen, wie überhaupt die deusche Botschaft 
Konstantinopel nichts anderes sei, als eine Händelsagen— 
ur zum Absat minderwertiger deutscher Er— 
2227in der Turtee 4 
— 
Dersammlung der Bürgerschaft 
ain Montag. dem 6. Oktobet. 
DTer Wortführer Herr Rechtsanwalt Dr. Görtz erösffnete 
iie Sizung um 6 Uhr 25 Min. und teilte der Bürgerschaft zu— 
ächit mit, daß der Senat die Wiedereinführung einer Ants- 
racht beschlossen habe und gab sodann die Feitiolae der 
zundertiahtfeier der Volkerschladet bei Leirzig bekannt. Weiter 
eilte Redner mit, dah eine Reihe von VBürgerschaftsmitgliedern 
ean Munssch geänsßert hätten, daß bei der Veratung der Senats- 
orsrge, beir. bauliche Arbeiten an der Puppenbrücke, Herr 
Oberbaudireltor a. T. Tr.-Ing. Rehder zugegen sein möge, 
im eventuell zu seinem Gutachten über diese Arbeiten datitere 
krfitsrungen geben zuU kännen. Der Senat habe fich hiermit 
iveristanden erftäert. Da aber Herr Dr. Ing. Rebder heute 
rreist sei, müsse die Senatsportgae eintmeitlen zurückoesteltt 
perden. 
B.eM. Böbs: Er finde es unrecht, daß einfach gesggt 
nerde, die Vorlage sei von der Zagesorbnung abaesetzt. 
Peniosens die KRammimminitttieder bäeften verber denan 
interrichtet werden sellen. Sie härten sieß für die heautidge 
Zziznng vorbereitet und otles leral mitebracht Ind miüeen 
ann eriahren, daß alles umsnnst geprien sei. Et bitte, 
Ae solches miet ß ien mochte. 
Wortführer Tr. Görtz: Ihm sei der Bescheid des an e 
rsit am 5. Oktober zugegangen. Ter Senat andererteret 
och auch nicht mehr tun, als die Wünsche der Bürger 
üchichtigen. 
Ständiger Senatskommissar Sengator Tr. Fehling teilte 
odann mit, daß der Senat seine Vorlage, betr. Verbesserang der 
r5ährverbindung nach dent Priwall zurückziehe und der Bürger— 
chaft deninächst eine andere zugehen lassen werde. Des weiteren 
serichtete Herr Senator Dr. Fehling, daß Zimmermeister Tor— 
uhl von seinem in der Senatsvorlage vom 4. Mai 1910, betr. 
ie Bebauung des Ansiedelungsgebietes in Kücknitz, vorbebaltenen 
tücktrittsrechte bezüglich der Grundstülde Nr. 3, 5. 7 und 9 
Hebrauch gemacht habe. In ihrer Sitzung vom 15. Sept 
abe die Bürgerschaft den Senat um Auskunft darüber ersfucht, 
»b er geneigt sei, 1. in Anbetracht der schwierigen Lage vieler 
»iesiger Hausbesitzer bei Beschaffung zweiter Hypotheken Maß— 
iahmen zur Hebung des Realkredits zu trefsfen; 2. in der Er— 
enntnis, daß eine der Ursachen des mangelnden Vertrauens zu 
»em fundierten Grundbesitz in der gesetzlich zulässigen Ver— 
»fändung der Mieten liegt, für eine Aufhebung dieser Bestim— 
nung im Bundesrate einzutreten: 3. das von der Bürgerschaft 
im 16. Sept. 1912 und vom Bürgerausschuß am 13. Nov. 
912 gestellte Ersuchen, betr. Errichtung eines öffentlichen Tax⸗ 
imtes für Grundstücke, möglichst bald in die Wege zu leiten. 
Ddie gewünschte Auskunft habe der Senat wie folgt zu erteilen 
eschlossen: 1. zu Punkt 1 und 2: Mit Rüdsicht auf die schwie— 
ige Lage vieler hiesiger Hausbesitzer bei Beschaffung zweiter 
zypotheken und im Anschluß an die in der Oeffentlichkeit 
emachten Vorschläge zur Hebung des Realkredits habe der 
zenat eine Kommission eingesetzt mit dem Auftrage, zu prüfen 
b und inwieweit es sich empfehle, durch kommunale Maß— 
ahmen die Beschaffung zweiter Hypotheken zu erleichtern. Nach— 
„em die Kommission berichtet habe, werde der Senat von 
dem Ergebnis der kommissarischen Beratung der Bürgerschaft 
Nitteilung machen und gegebenenfalls mit bestimmten Vorschlä⸗— 
sen an die Bürgerschaft herantreten. Eine Aenderung 
»er Bestimmungen des bürgerlichen Gesetzbuches, soweit 
ie die Abtretung des Mietzinses zulassen, halte der 
zenat in hohem Grade erwägenswert. Er sei bereit, die 
ruf eine Aenderung dieser Vorschrift gerichteten Bestrebungen 
m Bundesrat zu unterstützen. Zu Punkt 3: Der Vorschlag, 
in sogenanntes Taxamt einzurichten, sei beim Senate grund⸗ 
ätzlichen Bedenken nicht begegnet. Der Erlaß eines bürgerlichen 
negulativs wie insbesondere Bestimmungen über die Zuständig— 
eit einer solchen Schätzungskommission könne aber nur im An— 
chluß an die Revision des Gesetzes betr. die Anlegung von 
Mündelgeldern erfolgen. Seine Rückäußerung auf die in dieser 
Angelegenheit gefaßten Beschlüsse der Bürgerschaft und des 
Bürgerausschusses werde der Senat demnächst erteilen. (Leb 
safte Zustimmung.) 
Sierauf murde in die Tagesordnung eingetreten. 
4. 
Finführung der Schulpflicht für Schwach⸗ 
befähigte. 
(Zweite Lefung. 
Schwachbefähigte Kinder, welche wegen unzulänglicher 
Zzildungsfähigkeit an dem Unterricht in der öffentlichen Volls— 
chule nicht mit Erfolg teilnehmen können, insbesondere solche, 
fe nach zweijährigem Schulbesuch das Ziel der Unterklasse nicht 
rreicht baben oder voraussichtlich nicht erreichen werden, können 
uuf Anordnung der Oberschulbehörde einer Hilfsschule zugeführt 
verden. DTiäese Vorschrift findet keine Anwendung auf Kinder, 
eren gesetzliche Vertreter der Oberschulbehörde den Nachweis 
ühren, daß für ihre Ausbisdung auf andere Weise ausreichend 
Zordge getragen wird. Die Aufnahme eines Kindes darf, nur 
rfolgen, nachdem durch ein Gutachten des Physikus oder des 
„chularztes festgestellt ift, daß das Kind zur Aufnahme in die 
dilfsschnle sich eignet. Welcher Hilfsschule die Kinder zuzufühcen 
ind, bestimmt die Oberschulbehörde. Diese Bestimmungen treten 
um 1. April 1814 in Kraft. Ihr Geltungsgebiet beschränkt sich 
iuf die Stadt Lübec und deren Vorstädte, mit Ausnahme des 
urch das Gesetz vom 13. Nov. 1912 eingemeindeten Gebietes. 
B.-Ni. Dr. Schromer ersuchte in längeren Ausfihrungen, 
in dener er das in den bisherigen Beratungen der Senatspor⸗ 
age erwogene Für und Wider zusammenfaßte, um unver⸗ 
inderte Annahme der Senatsvorlage. 
Stellvertreiender Wortführer Kaufmann Jenne wies dem— 
egenüber darauf hin, daß nach der Verfassung nur der Be— 
chluß der ersten Lesung des Senatsantrages Gegenstand der 
Zeretung und Abstimmung sein könne. Ueber den Senats— 
intrag könne nur wieder beraten und beschlossen werden, wenn 
in Bürgerschaftsmitglied ihn ols den seinigen aufnebhmne und 
vieder einbringe. 
B.Po. Dre Schromer erklärte sodann, daß er den Antrau 
des Senates als den seinigen wieder aufnehme. 
B.⸗Pi. Erster Staatsanwalt Dr. Benda legte dierguf kurz 
den Standpunktt der Kommission des Bürgerausschusses und 
eine Stellung zur Senatsvorlage dar, den ja auch die Bürger⸗— 
haft in erster Lesung eingenommen habe. Der Senat beab— 
chtige die Einführung der Hilfsschulpflicht und denigentäß die 
xrrichtung einer provisorischen zweiten Hilfsschule. Der Büczger— 
usschuß und seine Kommission seien der Ansicht, daß die Ein⸗ 
shrung der Silfsschulpflicht zwar wünschenswert sei, aber nicht 
Inderliche Eile babe, sondern man sich noch ein paar Jahre auch 
hne rrovisorische zweite Hilfsschule werde helfen, dönnen. 
araus ergebe sich die Aenderung der Senatsvorlage dahin, daß 
hwachbefähigte Kinder auf Anordnung der Oberschulbehörde 
in der Hilfsschule überwiesen werden können. Die gegenwärkige 
inanzlage des Staates mache es der Vürgerfchaft zur Pircht. 
u fparen, wo es möglich sei. Hier stehe nichts im, Wege, daß 
an sich noch ein paat Jahre weiter helfe wie bieher und 
zann uuter Ersparuüng einer provisorischen Hilfsschuie gleich 
twas Gründliches und Gutes schaffe. 
Senator Kulentamop: Er habe bei den verschiedenen 
Zerafungen der Bürgerschaft dargetan, daß sofort wigtinne 
sohiife deschaffen werden könne, und müsse dabei auch bleiben. 
8RBees bhiernach heihße, daß die schwachbefähiaten Kinder eirer 
ifeschüle zugeführt werden können oder misften. sei ziemlich 
seichgüllia. denn diese Bestimmungen ständen auf dem Papict. 
plange nicht die erforderlichen Unkterrichtsräume zur, Vetfraura 
bären. Ini alfen Gülerabferfigungsgebäude können dieße Räume 
eñt aut veschaffen werden. Auch einioge Klassen der Realichitle 
ürden dort denmächst untergebracht werden. 
Boam gauplirhier Schulmerich; Herr Dr. Schlomer 
ahbe quf einen Artitel inn Generalanzeiger hingewiesen. gher 
nidet detagf, inmiemeit er sich mit, dessen Inhalt identifiiere, 
onst mühté er ilenn in einig⸗n Nunkten scharf widerihrechen, da 
er Arlifel leilweiie eine Sprache führe. die in der Bürger— 
chaft guf dat schärfste zurückgewiesen merden müßte. Er ma, 
ei seiner Bihauß'sung bleiben. daß bier die Gründĩätze, uoch 
en pie Saser der Hilfoschule übermiesen werden iolllek, 
nhedinof sarisere sein müßten als in auderen Drten, moöorou 
iheerfläre doß Lubeg eine erbeblich höhere Jobl non schrgch- 
inen indern aufsmeise als olle onderen Setdte Teuch— 
ande, wie Medner an einer Neihe non Zahlen naszunisen ver— 
uchte! Er habe nitts dangoen, wenn das im Lause der Hecit 
eihbehe. obher sæᷣmere Bedenken. preun, man, das »ofνα, ie. 
deruer batee er es nicht inr zuedmßrig, daß ealieliessen 
ind Sileeiultlaiien in ein und demfelben Eehintte untt. 
esracckt Bneet S—éAdaiun beihe ihnt ein Brgerscbaitsmit- 
it piιιιt pah bi et dar, Sa uler i re 
urdaeben rerde. ennas der Fall sein öeilten m vdie 
riinneleea zweiten Stule erst rest uürrrinsist,
	        
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