Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Dierstag, ce. Gntober 1913. 
13.284 
Cagesbericht. — 
Lübeck, 7. Oktober. 
us der Bürgerschaft. 
In ihrer gestrigen Sitzung nahm die Bürgerschaft eine 
Keihe von Mitteilungen, ihres Wortführers Herrn Dr. Görtz 
magegen. deren erfte fich auf die Einführung der Amtstracht 
es Senates bezog, mitß dem vinweise, daß die Amtsträcht 
nir dei feierlichen Gelegenheiten zuerst, vorgussichtlich bei den 
n diesem Wonat statifindenden Gedenkfeiern angelegt werde. 
kine weitere Mitteilung bezog sich auf die Feier des Erinne— 
rungstages an die Völferschlacht, dei Leipzig. dessen Pro⸗ 
rannn vbereits veröffentlicht ist, Endlich teilte der Wortführer 
der Bürgerschaft mit, daß er auf Anregung mehrerer Mitalieder 
den Eenat ersucht, habe, zu, dem Antrage betreffend, bauliche 
ALenderungen der Puppenbrücke Herrn Oberbaudixelktor Dr. Ing. 
Rehder als Begutachter zupigiehen. Herr Oberbaudirektyr 
kehder sei aber verreist und so habe er im Einverständnis mit 
dem, ständigen Kommissat des Senates die Beratung von der 
heutigen Taͤgesordnung abgesetzt. — Nach Erwählung der Kom— 
mission fur die Vorberatung des Antrages betreffend den Aus— 
hau des Töpferweges (gewählt die Herren A. Pape, Dräger, 
K. Heinsohn. Schöß. P. Pape) und mehreren Rügäußerungen 
und Milteilungen des ständigen Senatskommissars Heren 
Senator Dr. Fehling, darunter die Inaussichtstellung 
einer neuen Vorlage betreffend die Priwallfähre, und einer 
sim wesentlichen zustimmenden Autwort, auf das Ersuchen be— 
treffend Prüfung der Frage auf Beschaffung zweiter Hypotheken 
und Einfuͤhrung eines Taxamtes, wurde in die Beratung der vor⸗ 
elegten 12 Senagatsanträge eingetreten. Gleich die ersten 
e auf Schulsachen gerichteten Anträge, nämlich die Ein— 
UÜhrung der Schulpflicht für Schwachbefähigte und Errichtung 
einer zweiten Hilfsschule sowie der Antrag auf Einrichtung, einer 
realgumnasialen Studienanstalt an der Ernestinenschule setzten 
nit lebhaften Debatten ein. Bei dem erstgenannten Antrage 
vurde die Absicht des Senates auf Einfuͤhrung des Schul⸗ 
zwanges und die definitive Errichtung einer zweiten Hilfs-— 
chule erneut hekämpft. Vom Senatstisch wurde mit Nachdrud 
der Senatsantrag verfochten. Bei der Abstimmung fand der 
Abänderungsantrag des Bürgerausschusses, keinen Schulzwang 
einzuführen. in zweiter. Lesung die Mehrheit. Recht 
nteressant gestaltete sich die Besprechung des An— 
rages über die Einführung einer Studienanstalt für 
MNaͤdchen an Seelle des VGehrerinnen⸗Seminars an der 
tnestinenschu!“ s fehlte dieser Debatte nicht an po— 
itischem Einse. und Stellungnahmen zur Frauenfrage im 
allgemeinen. Aile Redner waren sich im wesentlichen einig, daß 
»as Wirken der Frau nicht so sehr auf wissenschaftlichem gis 
ruf, hauswirtschaftlichem Gebiet zu suchen sein müsse; man be— 
rachtete den gegenwärtigen Andrang der Frau zum Universi⸗ 
ätsstudium von mehreren Seiten zwar nur als einen vorüber— 
gehenden, glaubte aber dennoch dem Senatsantrage aus prakti— 
schen Gründen nicht widerraten zu sollen, und so erfolgte denn 
ruch die Annahme des Antrages nach der Vorlage des Senates 
nit der Aenderung, daß für auswärtige Schülerinnen 280 M 
tatt 240 MeSchulgeld eingeführt werde, mit einfacher Mehrheit. 
Eine zweite Lesung wird folgen müssen. — Der Nachtrag zum 
Hewerbesteuergesetz handelte von der Aufhebung der durch 
Zeichsgerichtsentscheidung für ungültig erklärten Filialsteuer. Der 
Senatsantrag wurde zwar genehmigt, aber ein Ersuchen an— 
zenommen, die Filialen auswärtiger Firmen etwa, in Form 
iiner Kommunalsteuer oder sonst zur Steuer heranzuziehen. Ein 
Rachtrag zur Stempelordnung, ein Antrag guf Erhöhung der 
dosten der Strafpollstreckung, ein Antrag betreffend die Be— 
auung des Hibyschen Geländes an der Schönbödener Straße 
ind der Antrag saduf Erlaß von Nachträgen zur Bauordnung 
Iw. wurden nach kurzer Debatte mit der erforderlichen Zwei— 
rittelmehrheit endaültig genehmigt. Längere Ausführungen, 
je zum Teil des Humors nicht entbehrten, schlossen sich an die 
Zeratung des Anfrages auf Erhöhung der Hundesteuer von 
15 auf 25 M, und Einführung einer Extrabesteuerung des 
zweiten und dritten Hundes. Im Bürgerausschuß war einer 
Erhöhung der Steuer von 15 auf 20 Mudas Wort geredet, 
doch lehnte die Bürgerschaft alle Anträge auf Erhöhung des 
eigentlichen Steuersatzes ab, ließ den bisherigen Satz von 16 M 
zestehen und setzte eine Extrasteuer von je 10 Mufür zweite 
uind dritte Hunde fest. In der Gesamtabstimmung fand der 
zanze Gesetzentwurf mit den beschlossenen Abänderungen, die 
erforderliche Zweidrittelmehrheit. — Der Wortführer teilte dann 
zoch mit, daß die nächste Sitzung womöglich nur der Beratung 
der Einkommensteuer gewidmet sein folle. — Nach 11 Uhr konnte 
nach, fünfstündiger Beratung die Sitzunqg vor noch gutbesetztem 
Hhause geschlossen werden * 
Sonntagsruhe im Detailhandel. 
Die Ortsgruppe Lübeck des Deutschnationalen Handlungs— 
gehilfsen⸗ Verbandes schreibt uns: 
In längeren Ausführungen befaßt sich der Vorstand des 
dũubecker Detaillisten-Vereinns mit der Frage der, Erweiterung 
der Sonntagsruhe am hiesigen Plaße. Wie nicht anders zu 
rwarten war, glaubt der Vorstond des Vereins die 2 Stunden 
Berkaufszeit von 1121 AUhr an den Sonntagen nicht ent— 
Lehren zu können. Die Begründung, die die unterzeichnete 
Irtsgruppe ihrer entsprechenden Eingabe an den Senat bei— 
zegeben hat, wird mit wenigen Worten abgetan. Um so länger 
ind die Ausführungen über die Gründe, die den Vorstand 
des Detaillisten, Vereins veranlassen, sich gegen eine Wer— 
ürzung der Verkaufszeit auszusprechen. 
So FLanz zart wagt man den Fremdenverkehr als einen 
olchen Hrund hinzustellen. Großes Vertrauen scheint man zu 
iesem Argument äaber selber nicht zu haben, sintemal es wohi 
ruch noch nie allzuviel Fremde gegeben hat, die ihren Auf— 
enthalt hier an Sonniagen zu großen Einkaͤufen bennßt haben. 
Die, Praxis lehrt uns auch beffer als alle theorelschen Be⸗ 
urchtungen, daß der Fremdenverkehr gern auf die Verkaufszeit 
an Sountagen verzichtet. Städte mit einem wertaus größe— 
den Fremdenverkehr, als da sind Dresden, Leipzig, 
Frankfurt a. M. München, Rürnberg, Stuttgart u. an er 
reuen sich seit geraumer Zeit schon völliger Sonntagsruhe, 
ind on hat noch nirgends gehött, daß seit Emführung des 
zänzlichen Ladenschlusses an den Sonntagen der Fremdenver— 
ehr auch nur um einen Deut darunter gelitten hatte Andere 
Ftemdenverkehrszentren wie Heidelberg, Freiburg i. B. Kassel, 
Breslau usw. komnnen bequem mit einer zweistündigen Verkaufs— 
z aus. Hamburg hat. sich neuerdings bderanlaßt gesehen, die 
Verkaufsstunden auf, die Zeit vor dem Gotlesdienst zu be— 
chränken. Also mit dem Fremdenverkehr ist es vichts. 
Nun kommt aber deer Schlager des Detgilliften-Vereins: 
die, Landkundschaft. Ja die Landlundschaft Uederail, wo,nein— 
nal Bestrebungen zur Beschränkung der Sonntagsverkaufszeit 
m Gange waren, da ist von den Gegnern auch stets prompt die 
andlkundschaft ins Feld, geführt worden. Wenn man', den 
Artikel des Detaillisten Vereins liest, dann nuß man vbeinahe 
vermuten. daß alle Verkehrsverbindungen nach Lübed nur an 
Sonntagen benutzt werden. Wir haben scheinbar die Straßen— 
bahnen nach den Vororten mur gebant, damit deren Bewoöhner 
an den Sonntagen in Lübed einkaufen können. dazu scheint 
die Autolinie nach Sandesneben nur zu dienen, und den zu 
erhauenden Bahnen nach Segeberg und Neustadt scheint die⸗ 
elbe Bestimmung zugewiesen zu werden. — Wie sfieht aber 
dagegen die Praxis wieder aus? Nur Linige wenige Beispiele 
von vielen Städten, wie Hadersleben, Schleswia, Rordbaun'en, 
Stettin. Memei u a. kommen mit zweisiündiger Verfamszeit 
aus; lensurg. Insterburg, Norden gar mit 1bis 2 Stun— 
den. und Königsbergei. Pri, Offenbah u. a. haben völlige 
eohntag ne Wir “— nicht, daßz der. Vorstand des 
aitlisten⸗Vereins behaupten will, alle diese Orle hätien 
weniger Landtrunssichaftea 6B 
utzze Am Lubeds etailhandel sehr schlecht stehen, 
venn „eine Verkürzung der erkaufszeit, an den Sonutagen 
ür ihn von, so schwerwiegender Bedeutung wäre. Wuͤrden 
rirklich die Befürchtungen. die der Vorstaud des Detaillisten⸗ 
zereins wegen der Landkundschaft hegt, eintreten, so wäre 
em Wirtschaftsleben Lübeds bamit, an und für sich auch 
och „icht einmal ein so großer, Schaben, zugefügt. Neben 
en Detaillisten, haben wir in Lübeck guch noch eine, ganz 
insehnliche Zahl von Grossisten, deren Äbnehmer die Deiail— 
isten der engeren und weiteren Umgegend Lübeds sind. 
1375 Inbaber offener Verkaufsstellen aller Branchen in 
übeck sprachen sich 1911 für die Wfrturpe der Sonntags⸗ 
cheitszeit auff die Stunden von 7, bis 95 Uhr aus, als die 
iterzeichnete Ortsgruppe eine entsprechende Umfrage — 
altese. Ein weiterer Teil von Geschäftsinhabern unterschrieb 
e Umfrage nicht, nicht weil sie nicht damit einverstanden 
aren, sondern nur, weil die Umfrage vom Deutschnationalen 
and ungsgehilfen Verband dusging,“ Wo bleibt denn nun 
och „die beachtliche Minderheit“ Gerade ein sehr großer Teil 
er Geschästsleute in der Hoölstenstraße hat. die Umfrage unter⸗ 
hrieben, ferner Geschäftsleute aus der Burgstraße, Mühlen⸗ 
raße, Breiten Straße und Sandstraße, deren Geschäfte von 
rotzer Bedeutung sind und die viele Landleute zu ihren 
ändigen Kunden zählen. 
Ueberhaupt der Detaillisten⸗ Verein als solcher. Ihm ge— 
zrten 1811 ungefähr 210 Mitglieder an; hiervon hatten 
nige noch kein offenes Ladengeschäft. Viel gröhßer wird die 
ditgliederzahl, auch heute noch nicht sein. Und neben mehreren 
orstandsmitgliedern hat die Hälfte der Mitglieder, die im 
ahresbericht von 1911 aufgeführt waren, dainals die Um— 
rage unterschrieben, obwohl dieselben vorher mit der Um— 
age felbste und ihrem Fweck gengus hekangt gemacht waren, 
llso selbst in den eigenen Kreisen des Detaillisten-Vereins teilt 
nan die Befürchtungen des Vorstandes nicht. 
Von der Bürgerschaft erhoffen nun mit der weitaus über— 
iegenden Mehrzahl der Ladeninhaber die Angestellten, 208 
adlich der Frage der Verkürzung der Sonntagsarbeitszeit au 
ier in Lübeck nähergetreten wird. Möge uns nicht wieder 
ine Enttäuschung bereitet werden. 
Saatenstand im lübeckischen Staate Anfang des Monats 
Atober 1913. Nach den Meldungen der ehrenamtlichen Bericht⸗ 
rnatter der 16 Saatenstandsberichtsbezirke hat das Statistische 
simt für Anfang Oktober solgende Saatenstandsnoten berechnet 
Kr. 2 bedeutet gut, Nr. 3 mittel, Nr. 4 gering): für Kartoffeln 
ir. 1,7 (Anfang Oktober 1912 Nr. 2,7), für Klee 2,5 (2,2), für 
zewässerungswiesen 2,8 (2,2), für andere Wiesen 2,5 (2,1). Die 
bintersaatbestellung ist, begünstigt durch das anhaltend schöne 
nd beständige Wetter, nahezu beendet. Auch die Kartoffel- 
ente geht schnell von statten; sie fällt reichlich und gut aus; unter 
en durchweg großen Knollen finden sich nur wenig kranke. Der 
uinge Klee steht teilweise ausgezeichnet, teilweise weniger gut, 
uf seinen und der Wiesen Stand scheint das trockene und des 
Jachts kühle Wetter etwas ungünstig eingewirkt zu haben. Die 
zorausschätzung des Ernteertrages von Kartoffeln 
roeab auf 1ha bestellter Fläche 15 283k8 (1912 bei der end- 
rũltigen Ermittelung 13 051k8). 
58* Setr Hoflapellmeister Edmund von Strauß, seit Jahren 
»an Verbande des Kgl. Opernhauses in Berlin angehörend, 
ordem von 1895-1898 erster Kapellmeister am alten Lübecker 
tadttheater unter Direktor Friedrich Erdmann-Jesnitzer, ist 
etzt auch Leiter des Blüthner-Orchesters im Blüthnerpaal gu 
zerlin. 
S Der Reichsverband der deutschen Gemeinde- und Schlocht⸗ 
oftierärzte hat sich nun auch auf die Hansestädte ausgedehnt. 
der 2. Präsident, Herr Dr. Bundle, Berlin, hielt am 28. Sept. 
uSHamburg einen sehr beifällig aufgenommenen Vorkeag und 
ründete für Hamburg, Bremen, Lübeck und die Umgegend 
iefer Städte eine Hansagruppe. Der Reichsverband stellt 
ie Vereinigung aller deutschen Tierärzte dar, welche auf dem 
zebiete der animalischen Nahrungsmittelkunde und -kontrolle 
mtlich tätig sind. Er bezweckt die Förderung des wisienschaft— 
chen Ausbaues dieser Gebiete sowie der Berufs⸗- und Stan des⸗ 
iteressen seiner Mitglieder durch Bearbeitung wissenschaftlicher 
nd technischer Fragen, durch gemeinsame Arbeit in allen wich— 
igen Angelegenheiren des Spezialberufs im allgemeinen und 
ur Herbeiführung standesgemäßer wirtschaftlicher und sozialer 
Zerhältnisse im besonderen, sowie durch Schaffung von Wonl— 
ahrtseinrichtungen. 
EGründung einer Bank für zweite Sypotheken in Char⸗ 
ottenburg. Der Magistrat der Stadt Charlottenburg 
at beschlossen, der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage 
u unterbreiten, die eine Bürgschaftsübernahme für die Pfand— 
riefe eines Hypothekenbankvereins für zweite Hypo⸗ 
heken bildet. Die Stadtgemeinde Charlottenburg soll sich 
ach der Magistratsvorlage bereit erklären, bis zu einer Höhe 
on zwanzig Millionen Mart die Garantie für Schuld⸗ 
erschreibungen eines zu gründenden Hypothekenbanlvereins zu 
bernehmen. 
X Das Salzsteueramt in Siems ist am 1. d. Mäaufgehoben. 
S. amtl. Teil.) 
n In die Standesregister des Standesaimtsbeirks LübcchJ 
»urden vbom 28. Sept. bis 4. Okt. 1913 eingetragen: 35 Ge— 
urten (12 Knaben und 23 Mädchen), 37 Auigebote, 28 Ehe⸗ 
bließungen und 20 Sterbefälle. darunter 6 Kinder unter 
1 Jahren. 
x 67 ärztliche Mesdungen über anzeigepflichtige Krank— 
eiten wurden dem Medizinalamt im Monat September d. J. 
rstattet, hiervon waren 24 Fälle Diphtherie (4 gestorben), 
Masern, 31 Scharlach (1 gestorben). 3 Typhus und 1 Gra— 
ulose. (S. amtl. Teil.) 
SReitjaad. Am Sonnabend, dem 4. Oktober, stellte 
zerr Amtmann Hörcher-Wahrsow de Jagdvereinigung seine 
topreln zum großen Teil zur Verfügung. Die Jagd begann 
1. 1 Kilometer südlich Herrnburg und zog sich von dort durch 
en Wald und die angrenzenden Koppeln auf den Südeingang 
on Wahrsow zu. Von Anfang an hatten die Piköre ein sehr 
»bhaftes Tempo vorgelegt und in rascher Fahrt gings über die 
uf den Waldschneisen stehenden Hindernisse, durch die Knicks 
nd über verschiedene andere Sprünge. Bald lang auseinander 
ezogen, bald dicht geschlossen, folgte das Feld dem Master. 
im Dorie Wabrsow wusde nach ca. 5 Kilometer ein Kaĩt ron 
nigen Minuten eingelegt. Beim ersten Hindernis nach dem 
zalt ereignete sich ein ziemlich böse aussehender Sturz, der 
ber weiter keine Folgen hatte. In dem tiefen Boden war 
as Tempo merklich abgeflaut. Nach Ueberwindung eines 
zteilhanges gings über einen Doppelsprung auf den Guts-— 
of und wieder hinaus, wo ein Koppelrick beinahe dem einen 
nkör zum Verhänanis wurde. In großem Bogen zog sich das 
— 
Feld über einige Gräben wiedet bis unmiitelbar an den Guts 
of, wo es Herrn Leutnant Wegner gelang, den Fuchsschwar 
in sich zu reißen. Herr General v. Morgen konnte beim 
9 Brüche verteilen. 
Schöne Herbsttage ersetzen uns den verregneten Monqy 
zuli. In der Frühe des Tages ist es zwar in letzter Zek 
hon sehr nebelig, aber gegen die 10. Morgenstunde verschwinde 
iieser und die Sonne beleuchtet mit ihren goldenen Strahlen 
inser schönes Stadtbild und die herrliche Umgebung. Abende 
nalt sie beim Untergang in satten Farben den westlichen Hori— 
ont, während nachts ein dunkelblauer, reich gestirnter Himmek 
ber uns steht. Solche Tage und Nächte sind uns stet- 
ern willkommen. Noch spuͤren wir nichts von dem Nahen 
es Winters, der uns schon im Voriahre Ende Septembe⸗ 
nd Anfang Oktober geheizte Zimmer bescherte und uns 3 
ninterlicher Kleidung zwang. Der diesjährige Nachsommer i 
jerrlich. — Die verflossene Woche war in ganz Mitteleuropa 
rocken und warm. In Mitteldeutschland erreichte das Ther— 
iometer stellenweise 22 Grad. An der Ostsee trat bei süd— 
vestlicher Luftströmung am Freitag, Sonnabend und Sonnta« 
ine stärkere Erwärmung ein, die Bewölkung und Schwüle 
ur Folge hatte und an den Abenden des Sonnabends und 
zonntags Regen brachte. Im Rheingebiet waren schon Don— 
erstag nachmittag starke Regenfälle eingetreten; deren Ursachen, 
ie Ausläufer des Tiefs über der Biskayasee, dürften weitere 
Inbeständigkeit der Witterung bewirken. 
Wllly⸗Bu m:stir⸗Stiftung des Lehrer⸗-Gesangverins 
Zurch eine nachträglich unter den befördernden Mitgliedern des 
ehrer⸗Gesangvereins veranstaltete Sammlung konnten de 
ztiftung als Jubiläumsgabe 371,80 Miäzugesührt werden. Die 
m 21. Sept. 1910 zu Ehren Prof. Willy Burmesters, sein 
chrenmitgliedes, ins Leben gerufene Stiftung hat den Zwed. 
in Kapital zu sammeln, dessen Zinsen ausschließlich den vom 
jerein veranstalteten Volkskonzerten zugute kommen sollen. 
edoch soll der Zinsenertrag erst dann zur Verwendung ge— 
angen, wenn die Stiftung eine Höhe von 3000 Miäerreida 
at. Die im September 1912 582 Mubetragende Stiftung in 
iit dem Ablauf des Geschäftsiahres 1912,13 auf 2217,19 M 
ngewachsen. Der Verein hat ihr mit dem 1. Okt. einen 
zetrag von 100 Miä zugeführt, so daß die Stiftung jetzt ru:d 
300 Meubeträgt. 
Die erste staaulche Prüfunug von Krankenpflegerinnsi 
and am 27. Sept. im hiesigen Allgemeinen Krankenhau'- 
hren Abschluß. Die Prüflinge — drei Schwestern vom Roten 
dreuz: Elsbeth Lippisch, Alwine Schrader und Emma 
Bankoke, und zwei Pflegeschülerinnen — erwiesen sich auf 
llen Gebieten als gut unterrichtet und bestanden sämtlich das 
xamen vor der Prüfungskommission, bestehend aus den 
zerren Aerzten Medizinalrat Dr. Rie del, Dr. Sennings 
ind. Dr. Vorpahl mit „gut““ Die Einrichtung der staat— 
chen Krankenpflegeschule bedeutet für den Vaterländischen 
jrauen-⸗Verein einen bemerkenswerten Fortschritt, weil derselbe 
»adurch die Möglichkeit erlangt hat, seine Schwestern hier 
im Ort ausbilden zu lassen. 
Aufruf. Wohl aller Orten rüstet man sich, die Jahr⸗ 
undertseier der Leipziger Völkerschlacht am 18. Okt. 1913 fest⸗ 
ch zu begehen. In Jena sollen am 18. Okt. abends 6 Uhr 
eunerauf den Bergen angezündet werden zur Erinnerung 
a de große Zeit vor hundert Jahren. Turch ganz Deutsde 
and müßten zur gleichen Stunde die Feuer lodern, um Kunde 
u geben von der einmütigen Begeisterung, mit der das deutsche 
zoit der Helden jener grohen Zeit gedenkt. Aus dem Herzen 
vuischlands heraus, aus Jena ertönt deshalb der Ruf: Laöt 
ie Flammen allüberall zur gleichen Stunde zum Himmiel 
hlagen! Gebt den Ruf weiter von Ort zu Ort, von Land zu 
and und zündet die Feuer am 18. Oktober, abends 6 Uhr! — 
zür Lübeck sollte ein solches Freudenfeuer auf dem Bis. 
wdardturm auf dem Pariner Borg angezündet werden. 
Bezitksmeifterschafisspiel Lübecker Turnerschaft 15 
2. F.⸗K. „Allemannia“ J 4:0. Das ganze Spiel sand unter 
»er Ueberlegenheit der Turnerschaft; aber trotzdem gelang es 
»en Turnern nicht, ihrer Ueberlegenheit zahlenmäßig Ausdrud 
u geben, obgleich die gegnerische Mannschaft zeitweise mit 
ur 10 Mann spielte. Erst in der letzten halben Stunde eröffuete 
er Rechtsaußen der Turner die Reihe der Tore, und in 
urzen Abständen folgten noch zwei weitere. Durch einen Eif— 
jeter hatte die L. T. den vierten und letzten Etfolg. Mit 
iesem Spiele schiok die Herbstserie der ersten Klasse. Die 
vielstärke der hiesigen Vereine ist folgende: Lübecker Turner- 
haft gew. 2, verl. —, Torverhältnis 9:0, Punkte 4, Lüb. Ball—⸗ 
viel-Klub gew. 1, verl. 1, Torverhältnis 5: 9, Punkte 2. 
2. FeK. Allemannia gew. —, verl. 2, Torverhältnis 4:9. 
zunkte — Weiitere Spiele vom Sonntag: Allemannia II— 
übecker Turnerschaft II 2:0. Die überlegene Mannschaft ver— 
or das Spiel durch die Zaghaftigkeit ihrer Stürmer. Lübeder 
zollspiel⸗Klub DT- Viktoria I9: Oo. Lübeder Turnerschaft I— 
dJiktoria II 9: 1. Lübecker Turnerschaft IV— Gut Heil 11 7:1. 
. Straflammer III. Sitzung vom 4. Olt. Wegen 
ibitahls und Sehlererfind anpgetlagi: I. der Schlosser 
ehilse Friedrich Bo,aus Hartum, ander wegen ganderer Siraf— 
aten schon fünfmal, sehr erheblich wegen Viebsftahls beftraft. 
der Gärtnereiarbeiter Friß Sp. noch unbestraft, 3. der Pro— 
uktenhändler Karl Ei. von hier, bereits bestraft. Der Kohlen— 
ändler Dührkop halte beim allen Zonschüppen an der Bahn—- 
ofstraßze einen zweirädrigen Handwagen stehen. der nach sach— 
erständigem Gutachten mindestens 30 Mäwert war. diesen 
Bagen Lignete sich Bö. am“ 11 August an und verkaufte ihn 
ir 2 Man, Sp. Dieser verkaufte den Wasßen an demfelben 
ae Fur 3,550 Mean Ei. Beide hätten sich sagen müffen.— 
aß die Sache nicht reell fein konnte, dazu kauften sie doch gar 
u billig. Das Urteil, lauket gegen Bo. guf! 6 Momngte gegen 
7P. auf 1 Woche und gegen Ei. auf 2 Wochen Gesängnis 
Begen Zebstahlperbrechens hat der Arbeiter Her— 
nann So. sich zu verantworfen. Er ist einmal wegen Dichssadis 
estraft und dann begnadigt. Danu hat er wieder gestohlen, 
t verurteilt und hat die Strafe verbüßt. Jeßt soil er im 
lugust auf einem Tanzvergnügen im Konzgerthans Fünfhanfen 
inem unbekannten Mädchen ein Armband und am'4. Seyt. 
on einem auf der Straße stehenden Fahrrade dinen Regen⸗ 
od weggenommen haben. Den Diebstahl des Armbondes leug⸗ 
et er. Er wird auch nur wegen des zweiten Diebstahls ver. 
rteilt, und zwar zu 3 Wonaten Gefängnis. Wegen Rüͤd⸗ 
alundiebstahls hat sich der Arbeiter Kobert Braus Puͤtt 
us, der wegen Diebstahls dreimal vorbeltraft ist. zu verant⸗ 
worten. Am Z31. August verweilte der Angeklagte in einer 
derberae in der Devenan Er war angetinnten' und woilte
	        
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