Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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ausgabe A 
Tagesbericht. 
Labeck, 5. Oktober. 
Erntedankfest. 
Es ist wieder Herbst geworden. Der Wald hat sein schones. 
buntes Serbstgewand angelegt. Die Felder aber sehen õode 
wus. Sie liegen da, kahl und leer. Sie haben in aller Stille 
ihre Arbeit getan, haben in wunderbarster Weise die Stoffe 
der Erde umgearbeitet zur Nahrung fur Mensch und Tier und 
wollen im Winter nun neue Kräfte sammeln zu neuer, unent⸗ 
behrlicher Arbeit, die kein anderer zu leisten vermag. als nur 
fie allein. Ueber die abgeernteten Felder aber klingen heute 
die Glocken des Erntedankfestes hin, die dem Menschen zu⸗ 
rufen möchten: Seid dem allmächtigen Schöpfer dankbar da⸗ 
für, daß er solche Wachstum-kräfte hineinlegte in euren Boden 
und durch Sonnenschein und Regen zum Leben erwecte, daß 
das Land seine Früchte hervorbrachte und ihr zu essen und zu 
deben habt! 
Gewiß! Das Erntedankfest ist eine Feier, deren Bedeutung 
vor allem dem Landmann zum Bewußtsein kommt, weil dessen 
PLeben sich dreht um Säen und Ernten. In der Bestellung 
des Bodens, im Säen und Ernten steckt seine Arbeit, und 
mancher Schweißtropfen fällt bei diesem schweren Tagewerk wohl 
auf den Boden, den er bestellt. Aber was zwischen Saat und 
Ernte liegt, jener wunderbare, geheimnisvolle Vorgang, den 
wir Wachstum nennen, der ist nicht scin Werk. Da ist er völlig 
abhängig von höheren Mächten. von der Fruchtbarkeit des 
Bodens und von der Witterung. Und wo, wie bei uns. 
diese Fruchtharkeit des Bodens eine gute ist, wenn, wie in 
diesem Jahre die Witterung dem Wachstum und der Ernte 
dũnstiger ist, als in anderen Jahren. dann hat der Landmann 
eben Grund und Ursache. Gott dankbar dafür zu dein, daß er 
nuf seine Arbeit seinen Segen legte und seine Mühe mit Erfolg 
belohnte. 
Aber auch der, dessen Lebensarbeit nicht an die Acerscholle 
debunden ist, sollte sich getrieben fühlen, auf den Klang der 
Erntedankfestglocken zu hören und sich die Frage zu stelien: 
„Habe nicht auch ich Grund, meinem Herrgott zu danken?“ 
Wenn er dir ein Jahr lang zu leben gab, dir und den Deinen, 
wenn er dir die Gesundheit und Arbeitskraft erhielt oder 
wiedergab, wemn er deine Arbeit mit Erfolg belohnte, viel— 
leicht dich gar tüchtig vorwärts kommen ließ in deinem Beruf 
oder Erwerb, ist das nicht Grund zur Dankbarkeit? Gewiß, 
die Lebensverhältnisse sind teuer und mancher denkt wohl mit 
Sorge an den kommenden Winter mit feinem flauen Ge— 
schäftsgang und seiner drohenden Arbeitslosigkeit. Aber haben 
nicht gerade alle, die sich frei wissen von der drückenden Sorge 
ums tägliche Brot, doppelten Grund zum Danken, und die 
andern, dollten nicht auch sie dankbaren Herzens prechen: Bis 
hierher hat der Herr geholfen? 
Und dann, wissen wir's nicht mehr, daß noch vor kurzem 
dunkle Kriegswolken über uns hingen, daß wir vor kurzem 
noch in der bangen Sorge saßen, ein furchtbarer Krieg 
könnte unser Volk aufs schrecklichste heimsuchen und die entsetz⸗ 
lichsten Opfer an Menschenleben fordern und Seuchen iund 
Hungersnot Aber unser Land bringen? Wollen wir da nicht 
von Herzen Gott dankbar sein, daß wir verschont geblieben sind 
von solchen⸗drohenden Unheil und wiederum ein Jahr in 
Frieden säen und ernten durften und der Ausblick auf ruhigere 
und friedlichere Zeiten sich vor uns auftut? Ein einziger 
Blick nach den Ländern des Balkans, über die das letzte 
Jahr solch entsetzliches Elend gebracht hat, sollte uns alle 
aus tiefstem Herzen Gott danken lafsen, daß der drohende furcht⸗ 
bare Zusammenstoß der Großmächte, der über uns und ganz 
Europa namenloses Elend gebracht hätte, noch einmal gnädig 
abgewandt ist. Das wollen wir doch nicht vergessen, heute, 
wo wir zurüdblicken auf unsere Arbeit im letzten Jahre. 
Pastor Denker. 
Sonntagsruhe im Detailhandel. 
Der Vorstand des Lübeckischen Detaillisten-Ver— 
eins schreibt uns: 
Seit einer Reihe von Jahren erhalten Senat und Bürger⸗ 
ichaft mit großer Regelmäßigkeit alljährlich von hiesigen Hand⸗ 
lungsgehilfen⸗Verbänden Anträge auf Erweiterung der Sonn— 
tagsruhe. Auch auf der Tagesordnung der morgigen Bürger⸗ 
schaftssitzung steht wieder eine solche Eingabe, die darauf ab— 
ziell. die sonntägliche Ladenverkaufszeit auf die Stunden von 
7—293 Uhr vormittags Getzt 759 und 1151 Uhr) zu be— 
schränken. Zur Begründung wird zunächst die Förderung der 
Volksgesundheit geltend gemacht, ferner darauf hingewiesen, 
daß zahlreiche kleine Ladeninhaber diese Beschränkung selbst 
wünschen, und endlich erklärt, daß alle nach der rein wirtschaft⸗ 
lichen Seite der Frage hin „vorgebrachten Bedenken einer 
— — Minderheit der selbständigen Kaufleute 
einer ernsten Untersuchung nicht standzuhalten vermögen 
und auf haltlosen Theorien aufgebaut sind“. Die vorgeschlagene 
Beschränkura der Verkaufszeit werde „keine andere Folge haben, 
als daß sich der Geschäftsverkehr auf eine kürzere Zeit zu— 
ammendrängt und Prinzipale und Angestellte eine wesentlich 
erweiterte Ruhezeit genießen können“. 
Wenn man's so hört, möcht's leidlich scheinen, und man 
wundert sich nur, daß es immer noch Prinzipale gibt. die 
Sonntaos in den Mittagsstunden von 1121 Uhr lieber hinter 
dem Ladentisch stehen als spazieren gehen wollen. Sind es 
wirklich nur „haltlose Theorien“, welche diese Prinzipale zu 
ihrem Widerstande veranlassen? 
Wãre es nur unsere städtische Bevölkerung, die Sonn⸗ 
iags die Mittagsstunden von 1121 Uhr zu Einkäufen benutzt. 
so wäre es vielleicht möglich das Publikum daran zu ge— 
wöhnen, seine Besorgungen in den Morgenstunden oder an den 
Wochentagen zu erledigen. Immerhin ist auch das nicht so 
einfach, wie es zunächst wohl scheinen mag. Beispielsweise pflegt 
die Arbeiterbevollerung gerade die sonntäglichen Mittags, 
stunden mit Vorliebe zu ihren Besorgungen zu verwenden, 
offenbar weil sie erst dann die rechte Muße dazu hat. Jedem 
falls wäre der Antrag des Deutschnationalen Handlungsge— 
hilfenverbandes in der vorliegenden Form schon deshalb unan- 
nehmbar, weil er von den sogen. „Bedürfnisgewerben“ sur 
wen Gärtnern eine Ausnahme zugestehen will, während es 
doch keinem Zweifel unterliegen kann. daß 1. B. für ße 
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Sonntag, den 5. Oktober 1913. 
Morgen⸗Blatt Nr. 504. 
Rackereien und Konditoreien die Verhältnurge ebenso wie s. 
die Gärtnereien liegen. Sodann können auch die Zigarren⸗ 
jeschäfte nicht ohne schwere Schädigung auf die Mittags- 
tunden verzichten, weil zahlreiche Raucher dann ihren Sonntags⸗ 
jedarf in den Wirtschaften kaufen würden. Man sieht: das 
Problem ist nicht im Handumdrehen zu lösen. 
Was aber die Hauphsache ist: Lübedk hat auch seinen 
rsremdenverkehr und seine erfreulicherweise nicht ganz un⸗ 
edeutende Landkundschaft. Wer Sonntags nach der 
rirchzeit in den Mittagsstunden durch unsere Hauptverkehrs⸗ 
traßen geht, wird sehen, daß an den Sonntagen hier aus 
der weiteren und näheren Umgegend zahlreiche Landleute und 
Irbeiter zusammenströmen und ihre Einkäufe besorgen. Es 
pürde gewiß interessantes Material zur Beurteilung der Sach— 
age bieten, wenn unsere Eisenbahn⸗ und unsere Straßen- 
ahnverwaltung einmal eine Statistik darüber aufmachten, wie⸗ 
iel Fahrkarten aus den umliegenden Ortschaften Sonntags 
bormittags nach Lübeck gelöst werden. Daß diese Fremden 
keine Neigung haben, künftig Sonntags morgens etwa schon 
jegen 5 Uhr aufzustehen und mit den ersten Frühzügen hierher 
u eilen, nur um noch vor 93 Uhr ihre Besorgungen zu 
rledigen, bedarf wohl keines Beweises. Stattdessen würde 
rübecks bisherige Landkundschaft sich zweifellos daran ge— 
vöhnen. ihre Einkäufe an ihrem Wohnorte oder in den be— 
achbarten kleineren Städten GRatzeburg, Mölln, Oldesloe, Sege— 
erg. Eutin, Plön, Schönberg, Grevesmühlen usw.) zu machen, 
»o die Verkaufsstunden in eine ihren Bedürfnissen entsprechende 
zeit fallen. Und die Geschäfte der umliegenden Ortschaften 
verden klug genug sein, sich immer mehr auf die neugewonnene 
dundschaft einzurichten und werden daher für Lübedc eine recht 
ühlbare Konkurren? bilden. Was nützt den lübeckischen Laden— 
zeschäften dann die an sich gewiß unbestreitbare Anziehungs— 
raft der größeren Leistungsfähigkeit, wenn man der Laud— 
undschaft gerade in den Stunden, auf die dieselbe doch vor— 
ugsweife angewiesen ist, hier die Ladentür zuschließt?! 
Daß zahlreiche kleine Geschästsinhaber den Antrag der 
»andlungsgehilfenverbände unterstützen. beweist wenig. Natür— 
ich gibt es viele Geschäfte in den Vorstadtstraßen, auch viel— 
eicht manche Luxusspezialgeschäfte in der inneren Stadt, die 
in der Beibehaltung der bisherigen Sonntags-Verkaufszeit, 
iamentlich der zwei Mittagsstunden, kein Interesse haben. 
Wenn die Inbhaber dieser Geschäfte die beantragte Erweiterung 
er Sonntagsruhe befürworten, so haben sie sich wohl kaum 
zenügend klar gemacht, daß zahlreiche andere Ladeninhaber 
ventuell die Kosten dieser Maßnahme zu tragen hätten, haben 
ruch kaum daran gedacht, daß zum Beispiel die Geschäfte in 
zer Holstenstraße zum größten Teil geradezu auf die Bedürf— 
unsse der Landbevölkerung besonders eingerichtet sind, und daß 
nanche Geschäfte nachweislich in den beiden Mittagsstunden 
»es Sonntags einen größeren Umsatz erzielen, als an irgend 
inem Wochentage. Solche Verhältnisse, die auf alteingewurzelten 
ßewohnheiten beruhen, muß doch Rechnung getragen werden; 
s geht doch nicht an, daß eine Mehrheit (gesetzt, es wäre 
ine!) solcher Ladeninhaber, die gegebenenfalls nichts zu riskieren 
»aben, über die vitalsten Interessen einer starken Minderheit 
hrer Berufsgenossen hinweggeht! 
Mit Recht hat bereits vor zwei Jahren die Handelskammer 
vergl. ihren Jahresbericht für 1911) darauf hingewiesen, dah 
iese Anträge auf Erweiterung der Sonntagsruhe in starkem 
Widerspruch stehen zu den großen Opfern, die Lübeck im Laufe 
»er letzten Jahre für die Verbesserung seiner Verkehrs— 
erbindungen gebracht hat. Wir haben die Straßenbahn 
ach Moisling. Schwartau und Küdcnitz verlängert, wir be— 
ommen neue Bahnverbindungen nach Segeberg und nach Neu— 
adt. wir haben neuerdings auch einen Auto-Omnibusverkehr 
der hoffentlich weiter ausgebaut wird), und das alles doch 
u dem Zwece, um die nähere und weitere Umgebung wirt—⸗ 
chaftlich immer mehr an Lübeck zu fesseln. Sollen wir uns 
elbst um die Früchte dieser gesunden Verkehrspolitik bringen? 
Es hilft nichts: so lange die Landbeoölkerung, sei es aus 
Notwendickeit, sei es aus Gewohnheit, ihre Besorgungen in 
Lübeck hauptsächlich an den Sonntagen erledigt, kann ein 
mmerhin recht beachtlicher Teil der hiesigen Detailgeschäfte 
iuf die Mittagsstunden von 11 bis 1 Uhr nicht verzichten, — 
um mindesten so lange nicht, als nicht auch die umliegenden 
ändlichen Ortschaften und kleinen Städte das Gleiche tun. Dem 
vird sich bei ruhiger Ueberlegung auch unsere Handlungs— 
gehitfenschaft nicht verschließen können. Zu ihrem bloßzen Ver— 
gnügen halten die Prinzipale: Sonntags während der Mittags— 
tunden ihre Läden doch gewiß nicht offen! 
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auch wirtschaftlich aus bas engste mit dem Fürstentum bereits 
verbunden ist, so hoffe ich, daß das Bataillon in Zukunft ein 
weiteres Band sein wird, das den Freistaat Lübech. und das 
Fürslentum noch enger verbindet. Ihnen, hochverehrte Herren 
Offiziere, kann ich es nachempfinden, wenn die Verlegung des 
3. Bataillons nach Eutin nicht nur freudige Gefühle ausgelöst 
hat. Es ist ja begreiflich, daß Sie es schmerzlich empfunden 
jaben, wenn Sie das Ihnen neu geschenkte Bataillon sofort aus⸗ 
värts in Pflege geben müssen, wo Sie ihm Ihre liebevolle Für— 
orge nicht in dem Maße zuteil werden lassen können, wie Sie 
ꝛs gern täten. Ich bin aber überzeugt, daß das Kind hier 
inter der Pflege eines guten Pensionsvaters wohl gedeihen und 
bei seiner Anwesenheit im Vaterhause Ihnen zeigen wird, daß 
s Tüchtiges leisten kann und Sie Freude an ihm erleben 
verden. Meine Herren! Von der Verlegung einer Garnison 
nach Eutin hat man in erster Linie eine Hebung der wirtschaft- 
ichen Entwiclung erwartet. Möoge die Hoffnung nicht betrogen 
haben. Aber außer dieser materiellen Erwägung lag etwas 
Ideales unserem Wunsche zugrunde. Das ist unsere Liebe 
um Heer, die so tief im deutschen Volke wurzelt. Mögen die 
Parteien die militärischen Einrichtungen noch so sehr angreifen 
ind in den Staub ziehen, eins vermögen sie nicht: die ererbte 
iefgründige Zuneigung zum Heere und zu ihren Führern zu 
rschirttern. Sehen Sie die liebe Jugend an, wie ihre Augen 
zlitzen, wenn sie Soldaten sehen; denken Sie an das Interesse, 
das alle Stände den militärischen Schauspielen entgegenbriugen. 
krinnern Sie sich, wie die alten Soldaten aufleben, wenn sie 
ruf ihre Militärzeit zu reden kommen. Volk und Heer ist nicht 
u trennen. Wir können es vielen von Ihnen, meine Herren 
Offiziere, nachempfinden, daß Sie die Versetzung nach hier zu— 
rächst schmerzlich werden empfunden haben, galt es doch sür 
Sie, aus Ihnen lieb gewordenen Garnisonen zu scheiden, Freunde 
und Bekannte zu verlassen, die Ihnen nahe standen, von größeren 
Verhältnissen in kleinere überzutreten. Wir begreifen dies in 
wllem Maße und werden uns daher besonders bemühen, Ibnen 
»en Aufenthalt, soweit es in unseren Kräften steht, so ange— 
iehm wie möglich zu machen. Daß wir Sie gern bei uns aus— 
iehmen, werden Sie an den festlich geschmückten Straßen, aus 
»em Jubel der Kinder, aus der freudig bewegten Menge und 
nicht zum mindesten aus den freudestrahlenden Augen der jungen 
Damen gesehen haben. Wir werden alle unsere Kräfte ein 
etzen, um ein harmonisches Zusammenleben von Militär und 
Bürgerschaft herbeizuführen, und sollte es im Anfange bis— 
veilen kleine Unstimmigkeiten geben, so werden wir sie leicht 
eseitigen und uns damit trösten, daß derartiges in der ersten 
zeit auch in der besten Ehe vorkommen soll. Wie sollte eine 
derartige Harmonie nicht leicht herzustellen sein, da beide, der 
Nähr⸗ und Wehrstand, ein und dasselbe große Ziel vor Augen 
zaben, zu wirken und zu arbeiten für das Wohl unseres ge— 
iebten Vaterlandes. So rufe ich Ihnen nochmals ein herzliches 
Willkommen entgegen und gebe der Hoffnung Ausdruch, daß es 
»em Bataillon hier gefallen und daß zwischen ihm und der 
Bürgerschaft die herzlichste Zuneigung herrschen möge. Meine 
herren vom Zivil. ich darf Sie bitten, die Gläser zu erheben 
und in diesem Gefühl mit mir einzustunmen in den Ruf: Unser 
Bataillon hurra! hurra! hurra! 
Die mit sichtlicher Spannung erwartete Antwortrede des 
derrn Oberst v. Koppelow, gleichsam die erste militärische 
Kundgebung an unsere Bürgerschaft, lautete wie folgt: 
Meine sebr verehrten Herren! Dem hohen Magistrate und 
dem Gemeinderate der Haupt- und Residenzstadt Eutin spreche 
ch meinen wärmsten und tiefgefühltesten Dank aus sür die so 
Weraus gütige Einladung zu dem heutigen schönen Feste vnf 
die warmen Worte der Begrüßung, welche Sie mir und den 
Bataillon gespendet haben. Meine Herren! Unter allen Städten 
m Reiche, weiche durch Allerhöchste Entschließung Sr. Majestäl 
inseres Allergnädigsten Kaisers bei der jetzigen Heeresver⸗ 
nehrung eine Garnison erhalten haben, steht unzweifelhaft Eutin 
ils schönste und begehrenswerteste an erster Stelle. Weltbekannt 
purch seine hohen und landschaftlichen Reize, aufgeblüht durch 
»ie Arbeitsamkeit und den regen Gemeinsinn seiner Bewohner, 
neschätzt und beliebt infolge seiner Gastlichkeit ist es für das 
Kegiment Lübeck eine hohe Freude, daß diese „Perle des Holsten⸗ 
'andes“ dem III / 162 als nunmehrige Heimat zugewiesen worden 
st und das Regiment durch das Band der Zusammengehörig⸗ 
eit nicht nur mie der freien und Hansestadt Lübeck, sondern 
ruch mit dem Fürstentum Lübeck in engste Beziehungen tritt. 
Meine Herren! Das Bataillon ist am 1. Oktober hier for—⸗ 
niert, und ich habe als Regimentskommandeur am 6. Oktober 
Sr. Majestät zu melden. daß die Aufstellung des Bataillons 
dollendet ist. Wenn mir diese Meldung möglich wird, und 
ie ist mir bereits heute bei meiner Ankunft durch den Ba— 
aillonskommandeur erstattet. so ist dies nur dadurch möglich 
jewesen, daß die ganzen Maßnahmen und großzen Vorbe— 
eitungen. welche zur Unterbringung der Truppe mit ihren 
zroßen Beständen an Bekleidung und Waffen nötig waren, bis 
ns kleinste durchdacht und mit großem Verständnis bearbeitet 
vurden. Meine Herren! Man bann eine Arbeit verrichten. es 
vommt aber sicher darauf an, wie man diese leistet. Sie 
aben es verstanden, diese Aufgabe in hervorragender Weise 
uu vollbringen. Sie waren bei der Arbeit mit Ihrem ganzen 
Herzen beteiligt, immer darauf bedacht, die Mannschaft so 
interzubringen. daß sie nicht nur untergebracht, sondern eine 
hdeimat gefunden hat, in welcher sich ieder wohlfühlen muß 
die Bestätigung ist mir nicht nur darch die Kompagniechefs 
jeworden, sondern ich habe fie auch durch die Mannschaften 
ersönkich erfahren. Hierfür Ihnen meinen wärmsten Dank aus⸗ 
uprechen, ist mir nicht mur Pflicht, sondern Herzensbedurfnis. 
Deine Herren! Ein erspriekßliches Leben in einer Garnison ist 
rur dann denkbar, wenn die Beziehungen zwischen Bůrgerschaft 
ind Militär gute sind. Ich und die Herren des Bataillons 
verden es sich stets angelegen sein lassen, die mit dem heutigen 
Tage in so herzlicher Weise angebahnten Beziehungen zwischen 
»em Magistrate, der Bürgerschaft und dem Regiment Lübed 
u pflegen. zu fördern und auf das innigste zu gestalten. Ich 
rThebe mein Glas und bitte alle Anwesenden, mit mir einzu 
timmen in den Ruf: Die Haupt⸗- und Residenzstadt Eutin 
der hohe Magistrat. der Gemeinderat und die Bürgerschaff 
hoch, hoch hoch! 
Im weiteren Verlauf der Tafel nahm dann auch Herr Majo 
Freiherr v. Forst ner, der Bataillonskommandeur. das Wort, 
um nachsttehendes ühbren 
zum Empfang des III. Bataillons des Regiments 
Lubeck (III. hanseatisches Ur. 162) in Eutin. 
Eutin, 4. Oktober. 
Im Anschluß an den Bericht über den Empfang des 3. 
Bataillons des NRegiments Lübeck geben wir in Nachstehendem die 
keden des Herrn Bürgermeisters Mahlstedt, des Regiments— 
ommandeurs, Herrn Oberst v. Koppelow-Lübed, und 
»es Bataillonskonrmandeurs Freiherrn v. Forstner wieder. 
Ddie Reihe der Ansprachen eröffnete Herr Regiermaspräsident 
dx. Meyer mit einem dreifachen Hurra auf Se. Majestät den 
Zaiser und Se. Königl. Hoheit den Großherzog. 
RKurz darauf folgte dann die Ansprache des Herrn Buͤrger⸗ 
meisters Mahlstedt, die etwa folgenden Wortlaut hatte: 
Meine geehrten Herren! Im Namen der Stadt Eutin heiße 
ch Sie, meine Herren. die unserer Einladung Folge geleistet 
zaben. auf das herzlichste willkommen. Mit besonderer Freude 
»egrüße ich Sie, verehrter Herr Major v. Forstner, und das 
esamte Offizierkorss des 3. Bataillons Regiment Lübeck, das 
futin als Standort erhalten hat und zur Bürgerschaft in enge 
herbindung getreten ist. Schon lange war es der Wunsch der 
tiner Bürgerschaft, eine Garnison nach hier zu bekommen. 
Ziel Mühe hat es gekostet, daß Eutin aus der großen Zahl der 
Zewerber die Palme davontrug. Dank allen denen, die für 
Erreichung dieses Zieles gestrebt, in erster Linie aber tief— 
zefühlten. ehrerbietigsten Dank unserem gnädigsten Landesherrn, 
»essen Bemühungen die Wage zu unseren Gunsten gesenkt haben. 
Wohl kann ich begreifen, daß sich Lübecks über die Verlegung 
»es 3. Batgillons nach Eutin einer gewissen Verstimmung be— 
mächtigt hat, da es mit Recht erwarten konnte, das Bataillon 
u erhalten. Da Lubed durch die geschichtliche Entwidlung un
	        
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