Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

4 —— — in 
Ausgabe 
* J. 
Tagesherich.. J 
gubeck, 2. Oktober. 
Zum Räügtritt des Gesandten Dr. Kmomann. Die 1 
dels anmer in Hamburg hat dem bisherigen han⸗ 
eatischen Gesandten Dr. Klügmann folgendes Schreiben 
gesandt: 
Anläßlich des Scheidens Euerer Exzellenz aus dem Staats⸗ 
dienste ist es der Hamburger Handelskammer ein Bedurfnis, 
dankbar der Verdienste zu gedenken. die Euere Exzellenz sich 
wahrend Ihrer langiährigen Amtsführung um die wirtschait⸗ 
lichen Interessen Hamburgs erworben haben. Sowohl in der 
inen Rleinarbeit die die Behandlung der zahlreich auftauchen. 
den Tagesfragen erfordert, als auch im mannhaften Eintreten 
or gröberen Kreifen und in der Oeffentlichkeit haben Euere 
Exzellenz es stets verstanden, die Eigenart des vielgestaltigen 
anburgischen Wirtschaftslebens und seine Bedürfnisse klarzu⸗ 
legen und nachdrücklich zu betonen. Dafür gebuhrt Euere 
Exzellenz der aufrichtigste und herzlichste Dank von Hamburas 
Fandel. Schiffahrt und Industrie und die Handelskammer weikß 
fich eins mit den übrigen wirtschaftlichen Vertretungen der 
Hansestädte, wenn sie Euere Exzellenz bittet, den Ausdru 
dieser Empfindung hierdurch entgegennehmen zu wollen. Mit 
dem Wunsche, daß es Euerer Exzellenz vergönnt sein möge, sich 
noch lange Jahre nach der Last der Arbeit würdiger Muße zu 
erfreuen, zeichnen wir mit vorzüglicher Hochachtung 
Euerer Exzellenz ergebenste 
Die Handelskammer. , 
Edm. Bohlen, Präses. Dr. E. Schwencke, Syndilus. 
Der neuernannte hanseatische Gesandte Dr. Sicvelina 
m Berlin hat am . Ottoder die Geschäfte übernommen. Die 
Kanglei der Gefandtschaft ist nach der Wohnung des Ge— 
sanblen, Kurfutstendannn i00 Gerun W. 18, Fernsprechanschluß 
Steinplatz 10362) verlegt. 
Der Burgerausschutz hat außer den schon an anderer 
Stelle genannten Senatsvorlagen des weiteren die Senatæ 
anträge beir. Verkauf von Areal an der Straße Bei der — 
ihle an vden Kaufmann Wexander C. König und, Errichtung 
zines Anboues an die Hauptfeuerwache der Bärgerschaft 
zur Mitgenehmigung empfohlen, sowie der Senatsvorlage betr. 
Zewilligung von 1100 Mfur die Aufstellung der jetzt in 
Schlutus befindlichen Schulbaracke in Israelsdorf seine Mit⸗ 
genehmigung erteilt. 
De nenerwählte Hilfsgeistliche an St. Petri, Herr 
Pastor Lindner aus Eberswalde, hat sein Amt angetreten. 
HZom Vorstand der Gemeinde ist ihm die Verwaltung des zwei— 
ten Seelsorgebezirkes übertragen. In kirchlichen Angelegenheiten 
ist Herr Pastor Lindner täglich von 1251 Uhr im Gemeinde— 
hause, Große Petersgrube 2, zu sprechen 
SDas Warenhaus von Rudolvyh Karstadt ist gestern (Mitt⸗ 
voch dan debeutender Erwenerung, falt quf den doppelten 
Antfang, dem Verkehr übergeben, worden. Bekanntlich wurden 
die Innenräume mit ihren Kagerbeständen im Mai d. J. Ver⸗ 
mutsuch durch Brandstiftung, ein Raub der Flammen. Der 
bedeutende Erweiterungsbau auf den Grundstüden neben dem 
biserigen Seschäftshause in der Johennisstraße und Alten 
Schrangen sollte ursprünglich schon im Monat Juli in Betrieb 
genommen werden, als im Mai durch Feuersgewalt diese Plane 
vereitelt wurden. Nun, nach viermonatlicher Bauzeit, ist nicht 
nur, das Pbisherige Gebsude wiederhergestellt und der ange⸗ 
gliederte Neubau fertig, sondern auch der für eine spãtere Bau—⸗ 
heriode vorgesehene Erweiterungebau an der Breiten Stratze 
und Alten Schrangen das schon, früher provnorisch für die 
Zwede des Kaufhauses eingerichtete Nöhringsche chrunditüd. 
ebenfalls innerhaib zweier Monate fertiggestellt und gestern 
mit“in Besfried genommen worden, son daß der ietzige 
moderne Neubau als Ganzes mit seiner schmucken 
Zandlieinfafsade an drei Strahenfronten, sich beraus 
itungsvoll präsentiert. Das, Warenhaus darf, jetzt wohl 
mit als eines der schönsten und zwegentsprechendsten in ganz 
Deutschland bezeichnet werden, Die Farbengebung im Innern 
st, Jicht und überaus geschmadvols gehalten;: bei aller Einfach⸗ 
it gerrähren die, Kiefenräume des Kqufhauses mit der end⸗ 
ofen Fuͤsse der aufgespeicherien Warenschäße und ihren, wunder⸗ 
»ollen Beleuchtungskörpern einen ungemein effekivollen An— 
ide Be einem Rundgang bietei sich mmer neue und reizvolle 
bwechfelung dem Beschauer dar, Das ganze Warenhaus mit 
den modernen und höchst elegant en e Räumen dürfte 
— Besucherinnen bilden. 
Es besitzt eine Straßenfront von 110 m Länge und an ihr sind 
6 Sqaufenfter angeordnet. Eine Fläche von 6800 qm dient 
dem Verkauf und 8500 am rommen auf die Betriebsräunte. 
Zwei prächfig ausgestattete Lichthöfe, von denen der neue gauz 
in gelbem Marmor gehaiten ist, führen durch je drei, Stod- 
werte Ind perleihen den Innenräumen reiche Tagesbelichtung. 
Auch der alte Lichthof, hat durch die graue Marmaorbekleiding 
his zum, obersten Sitockwerk ganz erheblich gewonnen, wie über⸗ 
haupt die ganze Innenarchitekfut einheitlicher und harmonischer 
gesiaitet worden ift. An künstlichen Lichtquelsen sind 58000 Glüh— 
lampen und 32 Bogenlampen vorhanden. Fünf Treppenhäuser. 
xwei Fahrstühle für das Publikum und zwei weitere für das 
Personal permitteln den Verkehr zwischen den einzelnen Stod— 
werken. Eine Telephonzentrale vermittelt zwischen fünf Ants⸗ 
stelsen und 56 in, den Verkaufs und Betriebsräumen. verteilten 
Post-⸗ und RNebenstellen. Auch 75 leicht zugängliche und selhst⸗ 
lätig funktionierende Feuermeider sind in dem Hause verteilt, 
durch deren Inkrafttreten zugleich sämtliche vorhandenen Not⸗ 
türen automatisch geöffnet, werden. 500 Angestellte sind er⸗ 
forderlich. um den Betrieb dieses Riesenwarenhauses aufrecht 
zu erhalten. Die Kontorräume sind gleichfalls mit den neuesten 
und mo dernsten Einrichtungen versehen, wie überhaupt sämtliche 
Abteilungen mit allen nur denkbaren Errungenschaften der Neu⸗ 
zeit qusgestattet sind. so daß für die Bequemlichkeit und 
Sicherbeit des Publikums sowie der Angestellten in weit— 
gehendster Weise Sorge getragen ist. Im Rellergeschoß 
sind neben den Expeditionsräumen die Garderohen- und Wasch⸗ 
räume, die Heiz- und Maschinenräume usw. untergebracht. In 
dem wunderschönen Erdgeschoß finden sich die Verkaufs— 
räume für Kurzwaren, Damenwäsche. Schreibe und 
Papierwaren, Herren-Artifel, Kleiderstoffe usp. Im 1. Ober⸗ 
Jeichoß, das für die Damen- und Herren-Konfeltion eingerichtet 
ist, sind namentlich die vornehmen Anproberäume jowire der 
elegante Modell-Salon erwähnenswert. Im 2. Ohergeschoßist 
die umfangreiche Möbelabteilung, die Schuhwarenabteilung usw. 
untergebracht. Hier befindet sich auch der bedeutend er— 
weiterte und hübsch aAusgestattete Erfrischungsraum, dem noch 
ein Lese⸗ und Schreibzimmer angegliedert ist. Viel bewundert 
werden dürfte auch der hier befindliche Teppichsaal, der schon 
allein eine tleine Sehenswürdigkeit darstellte Im 3. Obergeschoß 
findet der Bettauf von Spielwaren, Glas- und Galanferie- Por— 
zellan⸗e und Steingutwaren usw. statt. Als eine Neueinrichtemg 
ist hier die große Lebensmittelhalle zu bezeichnen. Hiar hberrichf, 
wie überall im ganzen Betriebe, die peinlichste Sauberkeit. Fast 
alle Lebensmittel sind unter Glas befindlich, so daß allen An— 
forderungen der Hngiene entsprochen ist, Auch eine Fischnanme 
und Kübhlräume find vorhanden. Im 4. und 5. Vbergeschoß 
endlich sinden sich die weitberzweiaften Kontorräume. zahlreidu 
9 8—2 4 
—** 7 — 52 — *— 9 8* 
—19 9*8 4— —— 40 7 
Ev ß — —8 
— 
—53 
—323 
32 
Ronnerstag, den 2. Oktober 1913. 
Morgen⸗Blatt Ur. 498. 
— 
Maße⸗Riteliers und ausgedehnte Lagerräume. An auen 3* 
eilungen ist die Auswahl in allen Artikeln eine große und 
st in dieser Hinsicht wohl jedewm Geschmack Rechnung ge— 
ragen worden. lo daß das zum Teil neuerbgute und im 
ibrigen vollständig modernisierte Kaufhaus in der Tat eine 
Sehenswürdigkeit ersten Ranges bildet. Bereits gestern war 
denn ouch nach Eröffnung der Geschäftsräume der Besuch ein 
danz enormer und das mit so reichem künstlerischen Geschmack 
usgestattete Warenhaus fand die lebhafteste Bewunderung 
des Publilums. Die Ausführung des ganzen Baues und die 
kimichlung der neuen Räume ist zum großen Teil von Lübecker 
rirmen bewerkltelligt worden. Die hierbei beteiligten Firmen 
ind folgende: Entwurf und Bauleitung: Schöß ERedelstorff, 
dübeck. — Ausführung; Blunck C Sohn, Lübeck. — Entwurf 
ind Leitung der Geschäftseinrichtung: Joh. Kramer d. J. Berlin, 
Ard itekt. — Seesede August Rößler ir. Berlin-Schöne— 
»erg; Ludwig Lüdtke, Berlin; M. Stavenow, Berlin; Wuster— 
arth& Sohn, Berlin; Hermann Hetzel KeC.o. Berlin. — 
Putzsalon von Trund & Co., Berlin. — Teppichsaal. Licht⸗ 
immer. Erfrischunggraum und Lesezimmer: Paul Redelsheimer. 
Berlin. — Maleres der Dechen und Wände: Schöß ERedehsorff, 
übeck. — Beleuchtungs-⸗Entwürfe von Spinn KSohn, Berlin; 
Nax Bernhardt C Co., Berlin; Heinrich Scheier, Berlin. — 
Schaufenster⸗Einrichtung: Gebr. Jonas, Berlin. — Metall- 
Inneneinrichtung: Karl Legel, Berlin. — Heizungsanlagen: 
Rudolvph Olto Meyer, Hamburg (Bertretung Lübeck). — Lübecker 
Tischler: P. Heynert, H. Rosenquist K Sohn, Havemann CWei— 
nann, Klehn & Berg. Ehr. Thiessen. — Lübecker Gloser: M. Lühr, 
ẽ. Starky, Karl, Schröder. — Malerxarbeiten; Heinsohn ir., 
zeinsohn sen., Lübeck; Scheither K Dose, Lübeck; H. Hoffmann, 
dübeck; Hermann Voht, Lübeck; Wilhelm Eder. Lübed; Rudolf 
Duge, Lübeck. — Tilschlerarbeiten: Hermann Kröpelin, Lübech; 
5. Miersen. Lübeck; Wilhelm Möllex. Lübech; Rudolf Bögen— 
hauer, Lübech; Wilhelm Festerling, Lübec; Karl Mühlke sen,, 
Lübed; H. Schütt K Sohn. Luübeck; W. Pamperin, Lübeck. 
— Muͤllverbrennungsanlage: Hans Unger, Berlin. — Feuer— 
ichere Türen und Bronzearbeiten: H. Scherbel,. Berlin; 
R. Blume, Berlin. — Kühlraum-Anlage: A. Haake KG, Co, 
Lelle; L. A. Riedinger. Augsburg. — Kältemaschinen, Kühl— 
aumtüren: Otto Sterkel, Ravensburg, H. Scherbel. — Bogen⸗ 
ampen: Heinrich Scheier, Berlin. — Wandplatten: H. Haen— 
ein. Hamßurg. — Sanitäre Einrichtungen:, Georg Thode 
LSohn, Lübed,. — Feuerhähne: J. Schmitz & Sohn, Höchst 
a. Main. — Prismenverglasungen: Deutsches Luxfer⸗Prisnien⸗ 
yyndikat. — Steinmeßarbeiten: C. Winterhelt, Miitenberg g. M. 
— Dochdecdkerarbeiten: C. Covier C Sohbn, Lübec. — Essen— 
konstruktion: Döbler &K Co. Hamburg. — Deden; W. Torkuhl. 
rübeck. — Treppenstufen: Ferd. Loser K. Söhne, Hamburg. 
—. Treppenbelag und Handläufer: Heinr. Rosenquist KeSohn, 
Lübeck. — Marmorlieferungen: Rheinische Marmorwerke, Düssel⸗ 
dorf; Soc. Auon. de Merbesle-Chategu (Vertretung Hamburg); 
Plettner &.Bruhn, Lübeck. — Zimmerarbeiten: Christian 
Behrens, Lubeckk. — Klempnerarbesten: Johannes Mqghncke, 
Lübeck; Georg Thode & Sohn, Lübeck; J. F. C. Voß, Lübed. 
— Leichtsteinwände: Wilhelm Schlieber, Lübech. — Schlosser— 
arbeiten: Lehne & Co., Lübeck; Wilhelm Mierow, Lübeck; 
Ernst Schmidt, Lübeck; Heinr. Grammersdorf, Lübeck; Heint 
Gercken. Lübeck. — Kunstputzarbeiten: Gebr. Schnitzer, Kiel. 
— Aufzüge: Carl Flohr, Berlin. — Stabfußboden: Varkett- 
ußbodenfabrik Germania, Belgard a. P.; Klehn &.Berg, Lübeck; 
IAto Hetzer. Weimar. — Elektrische Anlagen: Wilhesm Zaake, 
dübech. — Stuckarbeiten: Friedrich Faber, Lübeck; Albert 
Zauermann. Hamburg. — Malerarbeiten: Carl Wriedt, Lübed; 
5. Burwiek, Lübeck; H. Grammersdorf, Lübeck. 
X Der dritte diesiährige Pferdemarkt wird am V. d. M. 
auf dem Brink neben der alten Kaserne an der Fackenburger 
Allee abgehalten. 
Die Ausgabeschalter des Hauptpostamts am Markt sind 
rion gestern ab erst morgens von 8 Uhr an geöffnet. 
DZu der Abschiedsfeier der Relrute fürsorge im Landes— 
riegerverband hatten sich Sonntag eine grohe Anzahl Re— 
ruten und Kameraden des Verbandes auf dem Markte ein— 
jefunden, um mit Musik nach Lück zu marschieren. Bei Lück 
ichtete um 4 Uhr der Vorsitzende des Landeskriegerverbandes, 
zerr Hauptmann d. L. Rechtsanwalt Weyrowitz, in würdiger 
WVeise unter Hinweis auf den zukünftigen Beruf die Ab— 
hiedsansprache an die Rekruten, welche mit einem kräftigen 
daiserhoch schloß. Der Vorsitzende der Kommission, Kamerad 
Dobberstein, hielt einen Rückblick auf die Saison und 
etonte hierbei besonders den bisherigen guten Gehorsam der 
dekruten, wodurch anzunehmen ist, daß aus ihnen tüchtige 
Zoldaten hervorgehen werden. Er legte den jungen Leuten 
ahe, in steter Fühlung mit den alten Kameraden zu bleiben und 
ich nach ihrer Entlassung eine spätere Heimat in den lamerad— 
chaftlichen Vereinen aufzubauen, worauf derselbe zu einem drei— 
achen Hurra auf den Landeskriegerverband aufforderte, in 
as alle Anwesenden ebenfalls kräftig einstimmten. Sodann 
jzab derselbe die Namen von 27 Rekruten bekannt, welche 
inter ca. 65 Schützen auf drei Ehrenscheiben beim Scharf— 
chiehen auf 175 m Treffer geworden sind und verteilte an 
zie drei Haupttreffer, Rekruten Brückner, Gehrhard und Warnich, 
ie Scheiben. Die Rekruten hatten es sich aber nicht nehmen 
assen, dem Landeskriegerverband für die segensreiche Einrich— 
ung einen besonderen Dank zu finden, woniit ein Rekrut aus 
»er Mitte der Versammelten hervortrat und zum größten Er— 
taunen der alten Kameraden mit einer An'prache eine Dank— 
idresse, die fast alle Teilnehmer dieses Jahres unterzeichnet 
jalten, zu überreichen und ein Hoch auf die Kommission auszu— 
ringen. Verschiedene Belustigungen, wobei leider der Tanz 
licht vorgesehen war, hielten die jungen und alten Kameraden 
is gegen 10 Uhr gemütlich beisammen. Zu bemerken ist noch, 
aß in diesem Jahre 244 Rekruten degen 123 des vorigen 
Jahres den Genuß dieser Einrichtung wahrgenommen haben, 
s beiteiligten sich sogar 167 gegen durchschaitrlich 60 in 1912 
in einzelnen Veranstaltungen. 
Männer-Turnverein Löübeck. Die am Dienstag abge— 
altene Rekruten-Abschiedsfeier batte sich eines außergewöhnlich 
juten Besuches seitens der Mitglieder, wie auch der Freunde des 
Zereins zu erfreuen. Zu Beginn der Feier wies der Vorsitzende 
3. Bollmeyer in einer kurzen Ansprache die Rekruten auf ihre 
ünftigen Pflichten hin, sie ermahnend, immer in sreud- und leid— 
rollen Stunden gute Soldaten zu sein und überreichte jedem 
dekruten eine vom Verein gestiftete Pfeife nebst gefülltem 
Tabaksbeutel. Gemeinsame Gesänge, Solovortröge usw. ver— 
hönten die Feier. an der auch ein alter noch immer aktiver 
curner und Mitkämpfer von 1870,71, Herr Schleuß, teilnahm. 
?ange noch währte die Fidelitas, als offiziell die Feier bereits 
hr Ende erreicht hatte., Wohlvorbereitet können die jungen Vater⸗ 
andsverteidiger nun ins Heer eintreten, sind ihnen doch die 
Turnstunden im Verein eine aute Vorschule gewesen, so daß sie 
hren künstigen Tienit mit Leichtigkeit und Lust und Liebe ver— 
ichten können. 
] Schöffengericht. Sitzung vom 30. Sept. Fahr 
ässige Körperverletzung und Gefährdung 
»ine«s GEisenbahnttans vorte Am 18. Muq. nachts 
11243 Uhr fuhr ein Breat, auf dem sich Ausflügler befatden, 
hor dem Restaurant Zur Wartburg“ in der Kronsforder Allee 
sot, weil sich inige Verfonen ihre nachmittags dort abgegebenen 
eberzieher herausholen wollten. Troß warnender Stimmen 
eig man den Wagen doch auf oder doch unmittelbar neben den 
chnenen der halten, weil der Aufenthalt nur ganz 
urze Zeit dauern sollte. Ploͤtzlich wurde der Wagen von einem 
Hto torwagen der elelfrishhen Strahenbahn angefahren. Der 
Zreak wurde sehr erhehlich beschädigt, und von einen Ingfien 
wurden mehrere mehr oder weniger erheblich verletzt. Quetschun⸗ 
Jen und Rippenknidungen waren zu konstatieren, auch blutende 
Verletzungen, hervorgerufen durch Glassplitter des Motorwagens, 
anden sich. Auch ein vor dem Bregk befindliches Pferd war 
iemlich erhehlich verletzt. Der Angeklagte 3. war FGuhrer des 
Notorwagens. Es war nebliges Wetter, so daß man nicht 
peit sehen onnte. Trotzdem war der Angeklagte mit großzer 
deschwindigkeit. und ohne Glodenzeichen zu geben, gefahren. 
Erst im leßten Augenblick als troß Sandstreuer und Bremsen 
richts mehr zu verhüten war, erblickte der Angeklagte den Break. 
Dder Vertreler der Staatsanwaltschaft beantragt, den Ange; 
lagten zu 6 Wochen Gefängnis zu verurteilen. Letzterer bittet 
im Freisprechung, da nicht er, sondern der Führer der Beeat 
zurch fein vorschriftswidriges Halten die Schuld trage. Das 
vericht verurleilt den Angeklagten zu 100 Mepent. 20, Tagen 
hefängnis. SWegen SHehlerei hat sich der Arheiter 
Alfred W. aus Fraustadt zu verantworten. In seinem Besin 
vurden gefunden: ein Fahrrad drei elektrische Taschenlampen 
ind eine Schredsschußpistole. Er sollte, die Sachen gestohlen 
haben, behauptet aber, sie von einem Unbekannten für 10 M 
jekauft zu haben. Daß die, Sachen nicht rechtmätzig, erworben, 
sätte er sich sagen müssen. Da er wegen Diebstahls schon zwei⸗ 
nal bestraft, ist, erhält er jetzt 3 Monate Gefängnis. — 
des Diebstahls hat der Arbeiter Emil Vo—, sich schuldig 
zemacht, indem er auf der Chaussee von Lübech nach Travemünde 
Jemeinschaftlich mit einem Arbeiter Sch. eine große Anzahl 
upferne Schienenverbindungsdrähte der Straßenbahnverwaltung 
cqnahm. In Rüchicht auf seine Vorstrafe wegen Diebstahls 
rhält er 2 Monate Gesängnis. — Des, Diebstahls hat 
ich quch das Dienstmädchen Elisabeth R. schuldig gemacht. Ge— 
ändigermaßen hat es einer Pensionärin seiner Herrschaft 400 WMi 
ares Geld weggenommen und ist damit auf Reisen gegangen. 
ei seiner Verdaftung hatte es noch die Hälfte des Geldes bei 
h. Das Urteil lauktet auf 3 Monate Gefängnis. — Einer 
iebertretung der Safen- und Repierordnung 
oll der Schiffer La. in Travemünde sich dadurch schuldig gemacht 
aben, daß er am 23. Juni, zu Travemünde der Weisung eines 
afenbeamten, eine auf seinem Schiffe gehißte rote Flaga: 
niederzuholen, nicht sofort Folge geleistet habhe. Er sollte des 
alb 30 MGeldstrafe zahlen. La hat Widerspruch ethoben und 
ehauptete, die rote Flagge, die er gehißt habe, um vorbei— 
ahrende Schiffe wegen der an seinem Schiffe ausgeführten Malc 
irbheiten zum vorsichtigeren Fahren zu veranlassen, sosort he. 
ntergeholt zu haben, als er die Aufforderung des Lotser- 
ommandeurs erhalten habe. Er wird freigesprochen. 
S Konlkurse im September. Die Zahl der im Sept men. 
913 eröffneten Konkurse weist, nach einer Zusammenstel ung de. 
finanzzeitschrift „Die Bank“, gegen Vormonat und Vorjahr 
ine Erhöhung auf. Im September 1913 wurden 671 Konkurse, 
m August 1913 651 und im September 1912 630 Konkurse 
zröffnet. Im dritten Quartal 1913 belief sich die Anzahl der 
röffneten Konkurse auf 2201 gegen 2126 z»ur Varallelzeit des 
Voriahres. 
S ,Der Alt-⸗Wanderpogel“ Bund für Jugendwandern, 
x*. V. der älteite der bestehenden Bünde, die das Wandern 
der deuischen Jugend pflegen, veranstaltet zu Anfang Oltober 
ine würdige Jahrhundertfeier am Grabe Theodor Körners in 
Vöbbelin (Mecklenburg). Die Feier, mit der jleichzeitig ein 
Vandervegeltag verbunden ist, findet am Sonntag, 5. Olt. 
tatt und umfaßt solgende Abschnitte: Feldgottesdienst, Nieder 
egen eines Kranzes am Grabe Körners, turnerische Wetttämpfe 
ind Gesangswettstreit. Mit Anbruch der Dunkelheit werder 
ich die Teilnehmer am lodernden Holzstoß zusammentinden 
ind das Gedächtnis an die große Zeit der Befreiung erneuern. 
Yeit einem fröhlichen Kriegsspiel findet am anderen Tage di 
yeier ihr Ende. 
Die Wasserwärme in den städtischen Badeanstalten be 
rug am 1. Otteber im Krähenteich 15 Grad Celf., auf dem 
Falkendamm 15 Grad Cels 
b. Stadttheater. Aus der Theaterkanzlei schreiht mman uns: 
S„onnabend feindet die erste Wiederholung der so sorgsältioe 
ufgenommenen Opernneuheit „Der Kuhreigen“ statt. Die Be— 
etzung der Oper ist die gleiche, nur singt den König Herr 
Logel. Sonntag geht in vollständig neuer Kinstudierung die 
ange nicht gehörte große Oper „Die Hugenotten“ vnon Meyer— 
»eer in Szene. Die Oper ist mit den ersten Opernkräften be— 
etzt. Die Kolvratursängerin Ada Pellny stellt jich dem Publifum 
ls Königin zum ersten Male vor. Der dritte Akt bringt einen 
zigeunertanz, der von der Ballettmeisterin Mude Koocsi sora⸗ 
älrigst einstudiert ist. 
h. Metropol⸗Theater, Breite Straße. Mit großen Kosten 
st es der Direktion dieses erstklassigen Lichtspieltheaters ge— 
ungen, sich den Sensationsfilm „Die letzten Tage von Pompeji“ 
— 
chaffen. Dieses größte Kunstwerk, das die moderne Kinemato— 
raphie seit ihrem Bestehen geschaffen hat, kommt vom Freitag 
b zur Vorführung. Dieses glänzende siebenaktige Drama hat 
berall, wo es bis jetzt vorgeführt wurde, einen geradezu 
ensatienellen Erfolg gehabt, so in Dresden. Köln, Hamburg, 
zannover, und bildet gegenwärtig in Verlin das Tagesgeipräch 
»er Reichshaurtitadt. Mit 7 Bildern, die eine Aufführungszeit 
eon cçca. ? Stunden erfordern, werden uns in wahrhaft glänzen- 
den Aufnahmen die Vorgänge des Unterganges von Pompeiji 
m Jahre 79 n. Chr. geschildert. Geradezu pompös ist der 
etzte Ait wit den grandiosen Gladiatorenspielen und dem Aus— 
ruch des Vesnos. Die Darstellung und die Massen-Inizenie⸗ 
ung ist ein wahres Kunstwerk der Regie, und etwas Imponieren— 
eres und Vockenderes ist sicher im Film noch nicht geboten 
rzorden Die Kritiken in den maßgehenden Zeitungen der ge— 
anntken Städte sird denn auch des Lobes voll aund durfte da— 
jer dieses kinewmatographische Kunstwerk auch hier einen alän—⸗ 
enden Erfolg finden 
d. Die Landungsfahrt des Zeppelinlufischisffes ‚Hansa“ am 
ommenden Sonniag, 5. Okt., dürfte giler Voraussicht nach 
ustande koönemen. Zwar wird sich ein Vesuch des Luftschiffes am 
dachmittage nicht ermöglichen lassen, da frühere Abmachungen 
»egen eines Besuches Itzehoes getroffen sind, so dah die Ab— 
ahrt des Luftschiffes bereits früh um 724 Uhr von Hamburg er— 
olgen muß. Die Landung würde dann etwa um 94 Ahr auf 
— 
a⸗ßkdem ein Passagierwechsel stattgefunden hat, würde die zweite, 
nindestens zweistündige Fahrt nach der Ostsee mit Rückkeht 
ach Sumburg angetreten werden. — Da infolge Verhinderung 
iniger Passagiere, welche für die abgesetzte Fahrt gemeldet 
baren, noch einige Plätze für eine der Fahrten am Sonntag im 
Luftschiff zur Verfügung stehen, werden Anmeldungen zur Mit-— 
ahrt zum ermäkiqgten Preise bis zum Freitag mittag bei Herrn 
Möller, Istaelsdorfer Allee 1342, erbeten. 
h. In der St. Lorenzkirche hält am Freitag dieser Woche. 
ibends 7 Ubr Herr Vastor Mildenstein den ersten Abendgoties— 
dienst des Winserhalhihres 1913/14
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.