Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Lagesbericht. 
Lübeck 30. September. 
* Jubiläum. Am 1. Okt. begeht der Bureauvorsteher an 
der Kanzlei der Handelskammer, Friß HAmmann, sein 255 
zähriges Dienstjubiläum. Der Jubilar hat es verstanden, sich 
durch Fleiß und treue Pflichterfüllung emporzuarbeiten und eine 
geachtete Stellung zu erringen. Sein ruhiges und zuborkom-⸗ 
mendes Wesen im Dienste und im Verkehr mit dem Publikum 
hat ihn besonders beliebt gemacht, lo dah es ihm an diesenm 
Tage an Aufmerksamkeiten nicht fehlen dürfte. Möge er noch 
viele Jahre in ungetrübter Gesundheit seines Dienstes walten. 
*Bezirlseisenbahmrat Altona. Aus der Sitzung vom 
13. September ist über Fahrplanangelegenbheiten zu 
erwähnen, daß von der Eisenbahndirektion in Altona vom 
1. Maien. J. ab ein Schnellzug geplant wird, ab Kiel 6 Uhr 
nachmittags Uber Neumunster, Segeberg, Sagenow, 
Berlin an 10 Uhr 50 Min.: ab Berlin 8 Uhr 20 Min. 
über dieselbe Strecke zurüch, Kiel an 1 Uhr 28 Min. — Von 
der Einlegung eines neuen dritten Schnellzugpaares 
Kiel —Lübek — Berlin und zurück ist abgesehen 
worden. 
7*Ecundstüdwechsel. Herr Kommerzienrat Uhl, Berlin, 
vertaufte seinen Villenbauplatz im Stadtteil Travemude 
in der Kaiseraliee Nr. 50 (ehemaliger Besitz des Herrn Senators 
Strach, wie wir hören für 100 000 Mean den Befsitzer des 
Hotels Reichshof, Hamburg, Kirchenallee, Herrn Emil Langer. 
7* Der Fahrplan der Lübecker Straßenbahn, der vom 
1. Oktober seine Gültigkeit erhält, weist ganz bedeutende Ver— 
besserungen gegenüber dem am 1. Mai in Kraft getretenen 
Fahrplan auf. Auf den Linien 1. 2,68, 89. 10 und 11 wird 
der 10-Minuten-Verkehr fast durchgängig um eine halbe Stunde 
verlängert, wodurch natürlich alle in diese Zeit fallenden Spät— 
wagen fortfallen. Auf der Linie 1, Roedstraße — Ratzeburger 
Allee endete der 10-Minuten⸗-Verkehr ab Roedstraße bereits 
10,45 Uhr, während er jetzt bis 11,25 Uhr ausgedehnt wird. 
Ein. Spätwagen, fährt, ab Roedhstraße dann nach 
42,335 Uhr. Ab Ratzeburger Allee endete der 
10.Minuten-Verkehr bereits 11.00 Uhr, ab 1.Ottober 
erst 11,46 Uhr. Ein Spältwagen verkehrt noch um 1 Uhr nachts. 
Der erste Frühwagen 6,00 Uhr fällt in den Wintermonaten 
fort. Auf der Linie 2, Israelsdorfer Allee —Kronsforder Allee, 
endete der 10.Minuten-Verkehr am Kirchhof abends 10,40 Uhr, 
ab 1. Oktober wird er erst 11,10 Uhr eingestellt. Spätwagen 
jahren 11,30 Uhr. 12,056 Uhr. Ab Krankenhaus endete der 
10-Minuten-Verkehr bisher 11,01 Uhr, ab 1. Oktober erst 
11,31 Uhr. Spätwagen fahren 11,51 Uhr und 12,36 Uhr. 
Auf Linie 8, Markt—Moislinger Allee, fährt der 
lezte Spätwagen 11,49 Uhr ab Moislinger Allee 
nach dem Markt 11,49 Uhr, während bisher der letzte 
Spätwagen bereits 10,59 Uhr fuhr, dieler bleibt ebenfalls be— 
stehen. Auf der Linie 9 Markt —Moislinger Baum ist ab 
Markt ein neuer Spätwagen 12,01 Uhr, ab Moislinger Baum 
ein neuer Spätwagen 11,80 Uhr eingelegt. Linie 10 Kohlmarkt — 
Vorwerker Friedhof weist erhebliche Veränderungen auf, und 
zwar richtet sich der 205Minuten-Verkehr nach den Schluß— 
zeiten des Vorwerker Friedhofes. Im Oktober fahren die 
Wagen ab Kohlmarkt alle 20 Minuten bis 8,15 
Uhr, im November bis 4,35 Uhr, im Dezember und Januar bis 
3335 Uhr, im Februar bis 4,335 Uhr, im März bis 6,88 Uhr 
und im April bis 7,335 Uhr. Von 5,55 Uhr ab fahren die 
Wagen ab Kohlmarkt alle 20 Minuten; von 8,15 bis 5,55 
Uhr im Oktober vom Kohlmarkt nach Krempelsdorf. Dieser 
Verkehr wird vollständig neu eingerichtet, und zwar von 5,55 
bis 8,15 Uhr alle 20 Minuten, im November von 4,55 Uhr 
im Dezember und Jamiar von 3,55 Uhr, im Februar von 4,85 
Uhr, im März von 6,55 Uhr und im April pon 7,55 Uhr, 
während im Sommer der 20-Minuten⸗Verkehr nach dem Vor— 
werker Friedhof bis 8,35 Uhr ausgedehnt war. Ab Vorwerker 
Friedhof verkehren die Wagen nach Markt im Obk— 
tober bis 6, 15, im November bis 5,15 Uhr, 
im Dezember und Januar bis 4,15, im Februar bis 5,15, im 
März bis 7,15, im April bis 8,15 Uhr alle 20 Winuten, 
dagegen von Krempelsdorf nach Kohlmarkt bis 8,40 Uhr abends, 
im Oktober von 6,20 Uhr, im November von 5,20 Ahr, im 
Dezember und Jamar von 4,20 Uhr, im Februar von 5,20 
Uhr, im März von 7,20 Uhr und im April von 8,20 Uhr. 
Diese Durchführung der Linie 10 von nachmittags ab nach 
Krempelsdorf resp. von Krempelsdorf nach Kohlmarkt wird den 
Bewohnern Krempelsdorfs sehr wilskommen sein. Linie 11 
Kohlmarkt —Hansastraße. Die Zahl der Spätwagen ist auf dieser 
Linie ab Kohlmarkt um einen vermehrt. Statt 5 verkehren 
6 Spätwagen ab 10,30. und zwar 10,50, 11,20. 11,40, 12,15 
und 12,46 Uhr, die letzteren drei fahren nur bis 
zum Bahnhof. Ab sansastraße ist ebenfalls ein Spät⸗ 
wagen neu eingelegt, und zwar verkehren Spätwmagen 10,40, 
11,10, 11,30. ab Bahnhof 12,10, 12,36 und 1 Uhr nachts. 
Auf der Linie 12 Lubeck —Schwartau. Der letzte Spätwagen 
ab Markt Lübeck fährt statt 11,20 erst 11,30 Uhr; ab Markt 
Schwartau ist der Spätwagen 11,56 ab 1. Oktober auf 12 Uhr 
verlegt. Auf der Linie 13 Marli—Geibelplatz finden keine 
Veränderungen statt. Auf der Linie 3 Marli—Krempelsdorf 
treten keine Veränderungen ein. Auf der Linie 4 Schwartauer 
Allee —Kronsforder Allee ist ein neuer Spätwagen ab Kranken—⸗ 
haus 1 Uhr nachts eingelegt, der nach dem Depot Finkenstraße 
fährt; sonst treten auf dieser Linie keine Veränderungen ein. 
Linie 5 Kohlmarkt — Bahnhof fährt, wie bisher. nur nach Be— 
darf. Die Linie 6 Iraelsdorfer Allee—Bahnhof wird vom 
1. Okltober mit Linie 7 Bahnhof —Israelsdorf vereinigt. wo⸗ 
durch auf der Linie 7 ab Bahnhof nach Israelsdorf statt des 
20⸗Minuten⸗Betriebes der 10-Minuten⸗Betrieb wahrend des 
nanzen Tages ausgedehnt wird, der im Sommer erst um 12,37 
einsetzte, und zwar bis abends 6,57. Von da ab bis abends 
9,37 findet 20-Minuten-Verkehr statt. Der Spätwagen, der 
bisher 10.47 ab Bahnhof fuhr, fährt bereits 10,07, der letzte 
10,30, und zwar bis Kücknitz durch. Ab Forsthalle verschieben 
sich die Abfahrtszeiten um 3 Minuten. Die Frühwagen ab 
Forsthalle fahren statt 635 und 7.,05 erst 6,38 und 7,08, ab 
7. 18 bis abends 7,28 wird ein 10.Mimuten-Verkehr eingerichtet, 
von da ab bis abends 10,08 ein 20-Minuten⸗Betrieb. Spät—⸗ 
wagen verkehren, und zwar Durchgangswagen von Küdnitz nach 
dem Bahnhof 11,02 und 12,22 statt 11,15 und 12,24. Auf 
der Strede Forsthalle —Bahnhof war von morgens 
725 Uhr bis 1.060 Uhr mittags nur 20-Minuten⸗ 
Betrieb. Die Verbesserung ist also für die Israelsdorfer 
Bevölkerung und die Anwohner der Israelsdorfer Allee ganz 
wesentlich. Auf der Linie 14, Forsthalle — Kücknitz, fahren die 
Frühwagen ab Forsthalle 5,15, 5,45, 7,05 und 7,25 Uhr, 
während bisher 5,15, 5,4a5 und 6,855 Uhr Frühwagen ver—⸗ 
dehrten. Der regelmähige 40-Mimuten-Verkehr setzt statt 7,45 
Ahr ab Forsthalle erst 8,224 Uhr ein bis 8,24 Uhr statt bis 
J,05 Uhr. Ab Küdnitz fällt der Frühwagen 7,10 Uhr aus, 
agegen setzt der Frühverkehr statt 8,10 Uhr schon 7,28 Uhr 
in und zwar geht dieser Wagen 7,25 Uhr nach dem Bahnhof 
urch. Die Abfahrtszeiten dieser Linie sind ganz wesentlich 
exrändert, da statt 8,10 Uhr bereits der erste regelmähßige 
Wagen bis Forsthalle 8,04 Uhr geht und von da ab alle 
10 Minuten bis abends 8,44 Uhr, statt bis 9,20 Uhr. Ein 
ieuer Durchgangswagen ist ab Kücknitz 10,50 Uhr eingelegt 
iach dem Bahnhof. Der letzte Durchgangswagen verkehrt 
vie bisher 12,10 Uhr. 
D. Aus dem Reichsgericht. Wegen Betrugs hat das 
dandgericht Lübeck am 5. Mai d. J. den Geschäftsführer 
Max Hardt zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt. Gegen 
»as Urteil hatte der Angeklagte Revision eingelegt, die in— 
oessen gestern vori Reichsgericht als unbegründet verworfen 
wurde. 
sk. Der erwiichte Kollektenschwindler. Urteil des Reichs⸗ 
jerichts vom 23. Sept. 1913. (Nachdr. verb.) Als ein gemein—⸗ 
efährlicher Gauner entpuppte fich der Kaufmann HSermann 
rriedrich, den das Landgericht Leipzig wegen Betrugs im Ruck⸗ 
all und wegen gewinnfüchtiger Urkundenfälschung am 12. März 
». J. zu ein Jahr sechs Monaten Zuchthaus und 750 MuGeld— 
trafe verurteilt hat, zusätzlich zu einer Strafe von anderthalb 
Jahren Zuchthaus und 500 MeGeldstrafe, die über Friedrich lurz 
uvor vom Vandgericht Karlsruhe wegen der gleichen Delikte 
erhängt worden war. Außerdem ist gegen Friedrich noch beim 
randgericht Franifurt a. M. ein Verfahren ebenfalls wegen teils 
ersuchten. teils vorendeten Betrugs und Urkundenfälschung 
mngängig. Friedrichs hatte sich eine durchaus eigene Schwindel⸗ 
nethode zurechtgelegt, die ihm auch reichen Erfolg 
rachte — an erschwindelten Geldern wie an Stra— 
'en, die sozusagen das Einzige waren, was er wurklich 
hrlich verdiente. In allen deutschen Großstädten, die er auf 
einen Rundfahrten berührte, verschaffte er sich zunächst aus dem 
Idrebbuch die Namen wohlhabender Leute, bei denen man etwas 
Sinn für Wohltätigkeit voraussetzen konnte, suchte sie sodann 
ersönlich auf und stellte sich als „Vertreter des Vaterländischen 
irauenvereins“ vor, dessen „Schatzmeister“ ein „Herr v. d. 
dlanitz“ sei. Zahlreiche Damen überredete er, dem Verein, dessen 
dle Bestrebungen er in den schönsten Farben schilderte, beizu— 
reten, und kassierte sogleich den ziemlich hohen Mitgliedsbeitrag, 
ür welchen er eine Quittung ausstellte, die sich zum großen Aerger 
»er Betrogenen später als gefälscht erwies. So trieb der dreiste 
ßaunoer sein einträgliches Geschäft im vorigen Jahre am 23. Mai 
n Leipzig, am 24. Mai in Dresden, am 10. Juni in Lübech 
im 14. Juni in Bremen, im Juli in Chemnitz, später dann noch 
n Karlsruhe, Breslau, Kassel und Frankfurt a. M. Vor dem 
deipziger Landgericht kamen hiervon nur fünf Fälle, bei denen 
ine einheitliche, fortgesetzte Handlung angenommen wurde, zur 
lburte:ung. In seiner Revision beim Reichsgericht, die am 
3. Sept. d. J. vor dem 4. Strafsenat zur Verhandlung kam, 
nachte Friedrich geltend, daß seine Karlsruher Verurteilung auch 
ie in Leipzig verhandelten Fälle mit umfasse, und daß daher 
»as Leipziger Urteil auf einer Rechtsverkennung beruhe. Das 
keichsgericht hat aber, da es die Bedenken der Revision nicht 
u teilen vermochte, das Rechtsmittel im Anschluß an den An— 
rag des Reichsanwalts als unbegründet verworfen. 
rẽ! Zwei Sonderzüge mit Marmerelruten werden morgen, 
Nittwoch, den 1. Oktober, von Lübeck aus in Kiel eintreffen 
ind zwar der erste um 3 Uhr 39 Min mit 585 Mann, der 
weite um 5 Uhr 16 Min. mit 910 Mann. Ferner treffen in 
diel noch 4 weitere Sonderzüge ein aus Berlin, Magdeburg 
ind Hamburg. Im ganzen werden am 1. Oktober 5174 
Narinerekruten nach Kiel befördert. 
Eun Zentralverband der Reisebureaus ist Sonntag in 
xrankfurt a. M. gegründet worden. Zum zweiten Vorsitzenden 
vurde Herr Franz Vollert, Inhaber von Vollerts Reisebureau 
lierselbst, ernannt. 2 
o- Verhaftet wurde ein hiesiger Arbeiter, der sich der 
Anterschlagung zum Nachteil eines Bäckermeisters schuldig ge— 
nacht hat. 
0· Mißhandlung. In verflossener Nacht gegen 1124 Ahr 
vurde in der Schmiedestraße ein Hausdiener von einem Arbeiter 
nit einem Stocke derartig verletzt, daß er in das Allgemeine 
drankenhaus geschofft werden mußte. 
0 Verloren oder gestohlen. In den Geschäftsräumen einer 
hiefigen Bank ist am 25. d. M., gegen 124 Uhr nachmittags, 
inem hiesigen Kaufmanne eine gelbe Brieftasche mit einem 
Hundertmarkschein, einem Reisepaß und mehreren Briefen ab— 
andengekommen 
Neueste Nachrichten und Telegramme 
der l. A. uud l- Z.. 
Die Kaisermanöver 1914. 
DT. Magdeburg, 30. Sept. Das Kaisermansver 
1914 wird in besonders großem Umfange stattfinden. Es 
ollen daran das 7. 8., 11. und 18. Armeekorps teilnehmen; 
rußerdem dürften das 2. und 3. bayerische Armeekorps heran— 
aezogen werden. Als Mansvergelände wird voraussichtlich 
Thüringen gewählt werden. Die Kasserparade wird über das 
7. und 8. Armeekorps abgehalten werden. 
Neue Kämpfe in Marokko. 
W. Madrid, 29. Sept. Nach einer amtlichen Meldung aus 
darache hat General Sylvestre die strategisch wichtige Stel— 
ung von Karkia besetzt. Der Feind hat hartnäckigen 
Widerstand geleistet, er mußte aber schließlich vor den 
iberlegenen spanischen Streitkräften unter Zurücklassung der Ge— 
allenen fliehen; seine Verluste sollen beträchtlich sein. Die 
S„pamier haben 25 Gefangene gemacht. Auf spanischer Seite 
st ein Unteroffizier gefallen, fünf Soldaten sind verwundet 
vorden. — Im spanischen Lager wütet eine epidemische 
drankheit, an welcher mehrere Soldaten gestorben sind. 
In der Umgegend von Tanger ist gestern Geschützfeuer ge— 
hört worden, das von einer Truppenabteilung herrührte, die 
zwischen Arsila und der Mündung des Tahaddert operiert. 
Vom Balkan. 
W. Saloniki, 30. Sept. Nach hierher gelangten Nachrichten 
räumten die Serben Struga und Ochrida und zogen 
ich gegen Monastir zurück, um sich mit den serbischen Hilfs— 
tcuppen und der Monastirer Garnison zu vereinigen. 
Der griechifch⸗tür lische Konflikt. 
P0. Paris, 30. Sept. Interessante Mitteilungen über 
die Haltung Griechenlands der Türkei gegenüber machte der 
riechische Gesandte in London, Genwadios, 
inem Redakteur des Excelsior gegenüber. Nach seinen Aeuße— 
ungen ist Griechenland fest entschlossen, in der Inselfrage nicht 
achzugeben und hat die Entscheidung in die Hände der Groß—⸗ 
nächte gelegt, um definitive Klarheit über die Situation zu 
chaffen. Wenn Griechenlond den Forderungen ven Zibcten 
iachgeben wollte, so hieße dies die Friedensverhandlungen auf 
iner gänzlich neuen Basis von vorn zu beginnen. Das wird 
hriechenland auf keinen Fall tun. Mit der Regelung dieser 
Frage werden die Hauptschwierigkeiten für eine Verständigung 
wischen beiden Staaten aus der Welt geschafft sein, denn über 
die anderen Angelegenheiten ist eine Verständigung leicht eu 
erzielen. — Der Excelsior hält trotz aller offiziellen Dementis 
die Nachricht von einem Schutz⸗ und Trutzbündnis zwischen 
ger Türkei'und Bulgarien aufrecht. 
Die bulgarischen Verluste in den zwei Balkankriegen. 
POC. Sofia, 30. Sept. Nach einer Statistik, die das 
Ministerium des Neußern über die Zahl der Toren 
und Verwundeten in den beiden Balkankriegen veröffent— 
licht, verlor Bulgarien im Kriege mit der Türkei durch den Tod 
313 Offiziere und 29 711 Soldaten, während 915 Offiztere und 
52550 Soldaten verwundet wurden. Die Zahl der Vermißten 
beträgt 2 Offiziere, 3139 Soldaten. Der Krieg mit Serbdien 
ind Griechenland kostete Bulgarien 266 Offiziere und 14 602 
Mann an Toten, an Verwundeten 816 Offiziere und 15 305 
Mann, während 69 Offiziere und 4860 Soldaten vermißt wer— 
»en. Der Gesamtverlust an Toten und Vermißken beträgt 
also 52760 Mann. Von den Verwundeten dürften 10 000 fün 
Lebenszeit Krüppel bleiben. 
Ser bisch⸗albanische Grenzkämpfe. 
PC. Belgrad, 29. Sept. Die serbischen Truppen gehen 
iuf der ganzen Linie siegreich vor. Sie haben drei 
Abanesische Kanonen in dem Gefechte bei Kitschewo erobert. 
ditschewvo wurde von den Albanesen geräumt. Ein Waffen-— 
tillstand, den die albanesischen Führer verlangten, wurde 
richt bewilligi. Oberst Damijan Popowitsch hat das 
Iberkommando über die gegen die Albanesen kämpfenden jer— 
ischen Truppen erhalten. Die Hauptmacht der Albamesen steht 
zei Gora Pischkopeja verschanzt, wo sie den Angriff der ser— 
hischen Armee erwartet. Im Ochrida-Gebiet haben die Alba— 
zesen gleichfalls eine schwere Niederlage erlitten. Von 3900 
Nann sind über die Hälfte gefallen. Die Albanesen ver— 
ben überall die größten Greueltaten. Serbische Bauern, 
ie in den Kämpfen gegen die Aufständischen verwundet wurden 
ind den Albanesen in die Hände fielen, wurden von ihnen 
n grählichster Weise verstümmelt und auf Scheiterhaufen ver— 
rannt 
W. Grisolles, 30. Sept. Nach dem gestern abend aus— 
jegebenen Bulletin war das Befinden des deutschen 
Nilitärattachés v. Winterfeldt während des Tages 
veniger gut. Die Schwäche war größer. Puls 116, Tem— 
deratur 37,7, Atmung 24. Die Erscheinungen in der Brust 
sind etwas schwächer, aber die Zusammenziehungen des Herzens 
matt. 
POC. Varis, 830. Sept. Die Propaganda für das spanisch— 
ranzösiiche Bündnis wird gegenwärtig mit allen Kräften be— 
rieben. Tie eijgens zu diesem Zweck gegründete Zeitung 
Espagne“ veröffentlicht heute früh einen Artikel des spani— 
chen Kriegsministers Generalleutnant de Luque, der zu gleicher 
zeit im „Matin“ erscheint. Der spanische Kriegsminister beschäf⸗ 
igt sich mit dem Gedanken eines spanisch-französischen Bünd 
nisses, ohne des näheren darauf einzugehen, erklärt aber die 
nilitärische und kolonifatorische Zusammenarbeit Spaniens und 
Frankreichs- in Maroklo für eine absolute Notwendigkeit. 
* F 
Wieder eine Feuersbrunsi. FP 
W. Aschaffeuburg, 30. Sept. Seit gestern 4 Uhr nachmit⸗ 
'ags steht ein großer Teil des Städtchens Oberndorf 
a. M. in Flammen; bisher sind 16 Gebäude ein— 
geäschert worden. 
Trümmer von „L 1“ gefunden? 
W. Ymniden, 30. Sept. Der in Ymuiden eingelaufene 
jolländische Fischdampfer „Catherina“ hat bei Helgoland einige 
sisenteile und Drähte aufgefischt, die wahrscheinlich von 
dem untergegangeneen Marinelufttreuzer „L 1“ her 
rühren. 
W. Berlin, 30. Sept. Zu der Amerikafahrt deut— 
scher Lehrer hat der Deutsch-Amerikanische Lehrerbund eine 
kinladung an die offiziellen Standesorganisationen der deut⸗ 
schen Lehrerschaft gerichtet. 
W. Berlin, 30. Sept. Aus der gestrigen Verhandlung 
des Prozesses Weingartner gegen den Grafen 
duelsen-Häseler ist die Auslassung des Vertreters des 
etzteren bemerkenswert, daß Graf Huelsen einem Wunsche Wein— 
zartners, wieder in Berlin dirigieren zu dürfen, gern entgegen— 
zekommen wäre. 
W. Essen, 30. Sept. Beim Schauturnen des Bocholter 
Turnvereins sind durch Einbruch einer Pyramide 
nehrere Turner aus beträchtlicher Höhe abgestürzt und 
schwer verletzt worden. 
W. Göttingen. 30. Sept. Der frühere Lakai des 
daisers und spätere Schutzmann in Hannoversch-Münden, 
Heorg Romahn, der am 9. April vom hiesigen Schwur— 
gericht auf Grund Indizienbeweisses zum Tode 
verurteilt worden war, weil er seine Frau 
ant 7. Januar in HGanmoversch-Münden absicht- 
lich in die Weser gestoßen hat, um sich ihrer zu ent— 
edigen, ist, nachdem der Kaiser das Todesurteil am 20. Sept. 
zestätigte, heute morgen im Hofe des hierigen Gerichtsgefäng— 
nisses durch den Scharfrichter Gröbler-Magdeburg durch das 
Fallbeil hingerichtet worden. 
W. Reims, 30. Sept. Bei einem Wettbewerb quf dem 
riesigen Flugplatz sind in den letzten drei Tagen folgende Höhen 
exreicht worden: Gilbert 5795 m. Parmelin 4532 m. Bei Flügen 
nit einem Passagier: Gilbert 4348 m, Brindejonc 3108 m. Bei 
Flügen mit zwei Passagieren: Gilbert 3638, Terome 2298m. 
W. Darmstadt, 20. Sept. Das Schwurge richt ver— 
zandelte heute gegen den Geweinde⸗und Kirchenrech— 
rer Philipp Adam, der im Niedermodauer Prozeß zu 512 
zahren Zuchtbaus verurteilt worden war, nochmals wegen 
ßerbrechens der Amtsunterschlagung und Fäl— 
chung öffentlicher Urkunden. Die .Unterschlagungen 
Tdams belaufen sich auf 16000 M, die er durch gefälschte 
Quittungen zu verdecken suchte. Das Urteil lautete auf ins—⸗ 
Jesamt 6 Jahre 9 Monate Zuchthaus. 
— m 
W. Mordversuch gus Eifersucht. Montag nach- 
nittag drang der Sattler Hermann Ockert in die Küche einer 
Konditorei in der Oranienburgerstraße in B.er lin und feuerte 
uuf die 32jährige Köchin Hedwig Martin, die das zwischen den 
heiden bestehende Verhältnis lösen wollte, zwei Revolverschüsse 
ab und ne zu entfliehen. Den ihn verfolgenden Konditorei⸗ 
esitzer ver er durch einen Schuß am Auge und erschoß 
ich dann selbst. Das Mädchen ist lebensgefährlich verletzt
	        
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