Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

mats Homerule erhalten würden, solange sie festblieben. 
der, Parade nahmen 14 Bataillone, Freiwillige pon Ulster teil. 
iee des üblichen Ehrensaiuts brachten sie prei Hurrarufe 
suf das Vereinigte Koͤnigreich aus, wahrend gleichzeitig eine 
zroßze Ünonjad- Flagge entfalliet würde. Die Freiwilligen und 
die Zuschauer sangen hierauf die Nationalhymne. Die Parade 
wuürde don dem ingktiven General Sir George Richardson be⸗ 
fehligt. Uls Batasilonstommandeure fungierten inaktive Offi— 
ziere der Armee und Milizoffiziere. 
Türkei. 
Der jungtürkische Kongreß setzte Sonntag die Becatung 
des Parieiprogramms fort. Ein Artikel, durch den nach dein 
Frieden die Kriegssteuern unter der Form einer 
Flotrtensteuer konsolidiert werden sollen, wurde einer Kom— 
mission überwiesen. 
China 
V. China gab Japan Genngtunng. General Shanghuen 
hesuchte Sonntag morgen, um 8 Uhr, 45 Min. in Nanking 
das japanische Konsulat, in Begleitung einer aus 80 
Berittenen bestehenden Leibwache und entschuldigte, sich 
vegen des Vorfalls in Nanking. Am Nachmittag ist ein Regi⸗ 
ment, seiner Truppen vor dem ijapanischen Konsulat vorbei— 
marschiert und hat vor den Konsul präsentiert. 
Japan. 
PC. Krise im Ministerium. Ueber die Art, wie der 
Konflikt mit China beizulegen sei, ob auf friedlichent, 
ob auf kriegerischene Wege. darüber, herrscht cuch innerhalh 
des Miniteriums keine Einigkeit. Der Kriegsminister tritt 
dafür ein Chinga mit bewaffneter Macht zum Rachgeben zu 
zwingen, während der Minister, des Aeußern eine Friedens— 
politik bevorzugt. Der Gegensatz zwischen beiden Ministern 
hat sich infolgedessen so verschärft, daß wohl bald einer von 
hdeiden seinen Plaß räumen miß 
* 
Cagesbericht. 
Lübeck, 29. Sept. 
Der Viehbefstand der Staaten Hamburg, Bremen und 
küubech im Vergleich zu dem des Reichs und anderer 
Länder Dentschlands. 
Von Reinhold Werther. 
Das erste Vierteljahrsheft der Statistik des Deutschen 
Reiches für 1913 bringt eine vorlaufige Zusammenstellung dec 
Ergebnisse der Viehzählung vomn 2. Dezember 1212. Natürlich 
gehmen Hamburg, Bremen und Sübeck sowie Berlin vermöge 
ihres städtischen Charakters eine ganz audere Stelle cin, wie 
die Bezirke. in denen Aecker, Wiesen und Weideflächen in großer 
Zahl vorhanden find. Nach der Zählung von 1912 waren 
in Hamburg 20851, Pferde (do7 0507), in Bremen 
12653 (1907;3 70239) in Lubecd 4317 G41907: 4132). Der 
Pferdebestand hat fich also in Hamburg um 1.7 06, in Bremen 
um 7,5 0 und in KLübeck um 435 90 vermehri, Im Reiche 
betrus die, Vermehrung 39 60. Nuf ein Suadrattilomefer 
amen in Hamburg 51 Pferde, in Bremen 30 in Lübed 14 
in. Berlin 734, im Reiche 8. in der pferdereichsten Provdinz 
Ostpreußen 13 und in Sachsen-Meiningen und Schwarzburg 
Rudolstadt. wo die wenigsten Pferde vorkommen. 4. Die Ver— 
mehrung ist fast in allen Kändern zu verzeichnen, nur einige 
wenige haben eine kleine Abnahme. Das ist um so wunder— 
barer als doch die Autos diel Pferde überflüssig machen, 
Eine erfreuͤliche Zunahme zeigen auch die Mausltiere 
und die Esel, die dazu bestimmt sind, die Hundefuhrwerke 
erdrängen, Maultiere gab, es, in Hamburg 18012 18 
1907: 3), in Bremen 8 (1907: 2), in Lubed gar reine. 
Fsel wurden gezählt in Hamburg 18 (1907: 35). in Bremen 
44.60807: 18), in Lübeeck 10 (19073 18). Auch in Berlin 
hahen sich die Esel verringert. Sie scheinen die Grofsstadt 
suft nicht vertragen zu können. Aber sonst zeigen sie überall 
starke Vermehrung; im, Reiche sind die, Maultiere von 842 
im Jahre 1807 auf 1747 im Jahre 1912 und die Esel in 
demselben —3 von 10349 auf 11115 gestiegen. Der 
Rindoiehbestantd zeigt in HSamburge und Bremen, wie 
im ganzen Reiche einen Ruckgang, in Lüheck dagegen eine 
Steigerung. Es wurden gezählt in Hamburg 12 468 Stüd 
Rindpieh (1907;: 15 124), in Bremen 17223 11907: 18 199), 
in Lübeck 106060 (1907:. 9615). Läbeck hat also einen 
Zuwachs von 10,3 o0, Hamburg einen Rückgang von 17,6 00 
und, Bremen einen solchenpon 5,.4 60. Im Reiche hetrug der 
Rückgang 2,3.00. Dieser Rückgang ist um so auffälliger, als 
doch der Fleischkonsum immer größer wird und die Landwict- 
schaft eifrig bemüht ist, so viel Fleisch zu erzeugen, daß Deutsch⸗ 
land darin ungbhängig vom Auslande wird. Auch die übrigen 
Schlachttiere (Schafe, Schweine, Ziegen) zeigen einen bedenk 
ichen Rückgang. Auf ein, Quadratkilomeier kamen in Ham— 
hurg 30 Stück Rindvieh, in Bremen 69, in Lübecd 35 in 
Berlin 190, in Schleswig-Holstein. das das meiste Rindviek 
besitzt, 57, in Mecklenburg⸗Strelitz, wo am wenigsten Rindviel 
vporkommt, 19. Und dabei führt Medlenburg-Strelitz einen 
Dchsenkopf im Wappen. Die Verminderung der Schafe gehi 
a schon seit Jahren mit Riesenschritten voran Die Bedinqunge 
Lübeck, 29. Sept. 
Konzert 
im Saale der Loge zum Füllhorn 
von Franz und Gertrud Vermehren Wioline und 
Klavier), unter Mitwirkung von Helene Hellmrich-Brata— 
nitsch (Gesang) und Rudolf Hellmrich EGKlavierbegleitung). 
Mit einem Zusammenspiel von Violine und Klavier er— 
öffneten Franz und Gertrud Vermehren die diesiährige 
Konzertsaison. Wir wollen zwar bereitwillig zugestehen, daß 
die beiden Konzertierenden sich in tüchtiger Weise zusammen 
eingespielt und eine anerlennenswerte Technik auf ihren Instru— 
menten erlangt haben. Andererseits hatten wir, was Klang— 
wirkung und künst'erisches Verständnis anbelangt, viel zu ent— 
behren. Schade um die wertvollen Kompositionen, die man 
ausgewählt hatte: Eine sehr schöne Sonate von Adolf Sand— 
berger in D-Moll Op. 10, die Robert Schumannschen Geist 
in Romantik und Leidenschaft atmet, ferner eine Sonate, 
ebenfalls in D-Moll, von Neinhold L. Hermann, die viel des 
Interessanten bot, namen'lich in dem Scherzo a 'a burla und 
mit großer Fertigkeit vorgetragen wurde. Den Schluß biidete 
das Randeau brillant Op. 70 in H-Moll von Franz Schubert, 
dessen schönen Klängen wir jedoch kaum mehr wegen des be— 
ständigen Fortissino, des harten Anschlages der Klavier— 
spielerin und des auch nicht gerade weich und schmiegsam zu 
nennenden Tones des Geigers zu folgen vermochten. Frau 
Helene Hellmrich-Bratanistsch unterbrach die insteumen- 
talen Vorträge durch Gesangseinlagen. Doch auch hier sollte 
unser Ohr keine Ruhe finden. Fur die große, weittecagende 
Stimme der Sängerin war der Saal zu klein. Namentlich das 
schöne, mit echter Leidenschaft vorgetragene Lied von R. Fredn 
„Im Herbst“ litt sehr unter diesen beschränkten Raumver— 
hältnissen. Frau Hellmrich ist sicher eine hoch beachtenswerte 
Künstlerin, doch gehorcht die Stimme im Piano nicht in dem 
Mahe, wie die Künstlerin es wohl wünschen möchte. Darunter 
litt namentlich die letzte Abteilung der zarteren Lieder: Ebel 
„Wiegenlied“, Ebel „Liebesprobe“, Reger „Flieder“ und R. 
Straub „Zueignung“. Hubsch wurde das „Gebet“ von Franz 
Vermehren wiedergegeben, eine schlichte, innig empfundene 
Komposition, die eine warme Empfidung auszulö'en verstond. 
Die Lieder von Arnold Ebel, der sich besonders die Dich— 
tungen von Fr. Hebbel zum Vertonen erkoren hat, sind sehr 
talentvoll erfunden und von eigenem Reiz. Herr Rudolf 
Sellmrich begleitete am Klavier mit viel Fertigkeit und 
SGewandtheit, wenn er auch, um einheitlich mit der Sängerin 
qu bleiben, stärker auftragen mußte, als es sonst seine Ge— 
wohnheit ist M. Stiehl. 
ür die Schafzucht werden eben immer ungünstiger. Hamburg 
atte noch 2376 Schafe (1907: 3068), Bremen 357 (1907: 410 
ind Lübeck 1442 (1907;: 1570). Der Rückgang beträgt alsö 
n Hamburg, 22,6 90, in Bremen 12,9 00, in Lübeck 8,2 66 
ind im Reiche 24,9 90. Die Verminderung ist im ganzen 
eutschen Reiche eingetreten, nur ausgerechnet Berlin hat eine 
Lermehrung der Schafe um 31,2 00 zu verzeichnen. Auf das 
ꝛadratkilometer kamen in Hamhburg 6 Schafe, in Breemen 1. 
a Lübeck 5, in Berlin 52, in Mecklenburg-Strelitz 32 und in 
euß ältere Linie und Schaumburg⸗Lippe 2. 
Auch die Schweine haben keine Vermehrung, sondern 
ine Verminderung erfahren. Hamburg hatte 1912 27610 
-chweine (1907: 30 381), Bremen 24690 (1907: 25655). 
Lübeck 12597 (1907: 15 178). Der Rücdgang betrögt also 
n Hamburg, 8,.1 00, in Bremen 3,8 00 und in Lübeck 1,7 00, 
m Reiche aher gur 1,2 00. Auf ein Quadratkiloneter kommen 
nn Hamburg 67 Schweine, in Bremen 99. in Lübecka2, in Berlin 
127, in Schaumburg-Lippe, dem schweinereichsten Lande, 166, in 
Württemberg und Bayern, wo es die wenigsten Schweine gibt, 
iur 24. Wo möögen denn da alle die vielen Weißwürste 
erkommen die in München verzehrt werden? 
Die Zitßgen, die Kühe des kleinen Mannes, erfreuen sich 
ruch keiner Vermehrung, trotzdem seit einigen Jahren Ziegen⸗ 
achtvereine überall wie Pilze aus der Erde schießen. Sie, die 
seborenen Bergbewohner, können ebenso wie die Esel die Groß— 
tadtluft nicht vertragen. Hamburg zählte 6601 1907;: 7027), 
zremen 3728 (1907: 4480), Lu beck 1746 (1907: 1759). Die 
BZerringerung beträgt also in Hamburg 6,2 00, in Bremen 
6,8 00 und in Lübeck O,7 o0, im Reiche 4,2 60. Auf das 
ꝛuadratkilometer kamen in Hamburg 16in Bremen 18, in 
übed 6, in Berlin 9, in dem ziegenreichsten Lande Lippe— 
Ddetmold 32 und in Ostpreußen, wo man diese Tiere am wenigsten 
zu schätzen scheint, eine. 
Nan kommt, das liebe Federviey, vdas im 
ßegensatz zu den eben behandelten Tieren einen recht erfreu— 
ichen Zuwachs zu verzeichnen hat und das sich auch in der 
hroßstadt recht wohl zu fühlen scheint. Samburg zählte 1912 
.87 052 Stück Federvieh, (1907: 165 239), Bremen 176 651 (1907: 
48 023) und Lübeck 71956 (1907: 61335). Die Zunahme 
zeträgt, also in Hamburg 13,3 90, in Bremen 19,3 0 und in 
ünbeck 17,3 00, im Reiche aber nur 7T . Im ganzen deut⸗ 
chen Reiche ist diese Vermehrung zu verzeichnen, mit Ausnahme 
»on Bayern. das eine Verminderung von 2,5 00 aufzuweisen 
zat. Auf das Quadratkilometer kommen in Hamburg. 452 Stück 
Federvieh, in Bremen 690, in Lübeck 239, in Berlin 982, im 
teiche 1582, in Oldenburg, das am meisten Geflügel aufzuweisen 
at. 241 in MecklenburgStrelitz, wo man die Huhner und Enten 
uücht besonders zu schätzen scheint, nur 77. 
.Zen Schluß bilden die Bienenstöche, die im Reiche 
ine Vermehrung um 1 600 und in Lübeck um 1,4 00, in 
zamburg einen Rückgang von 9,5 00 und in Bremen einen 
olchen von. 0. o erfahren haben. 1912 wurden in Samburg 
ezählt 1435 Bienenstöcke 1907: 1586), in Bremen 1003 (1807 
215), in Sübed 1810 11907; 1785). Auf das Quadratkilometer 
amen in Hamburg 3 Bienenstöcke, in Bremen 4, in Kübed 6, 
n Berlin 2, in Braunschweig, wo man der Bienenzucht die ge— 
cingste Bedeutung beimißt, 2, in Baden und Würitembers, 
vo sie am meisten in Blüte sieht. 9 
xX In der Oberschulbehörde hat Herr Senator Kuren⸗— 
kamp den Vorsitz wieder übernommen. 
D„Die sür den hautgm Sonitag beabsichtigte Landung 
des Luft'ch ffes „Haufa“ karnn nicht stattfindeu“, so lautete ein 
fEtrablatt, welches gestern bald nach 12 Uhr mittags zur 
Lerbreitung gelaängte. An den Fenstern der Straßenbahnwagen 
vpurden die Plakate, welche die Landung des Luftschiffes an— 
eigten, entfernt und durch obige Extrablätter ersetzt, damit 
»em Publikum der unnbtige Weg zum Landungsplatz an der 
zfraelsdorfer Allee erspart bleibe. Allgemeine Verwunderung 
jerrschte ob dieser Bekanntmachung und den Ausruf: „Bei 
iesem schönen Wetter!“ konnte man immer wieder hören. 
Ind doch hatte der Entschluß der Fahrtleitung seine volle Be— 
echtigung. Wer die am Horizont in rasender Fahrt dahin— 
agenden winzigen Wölkchen zu beobachten verstand, konnte der 
etroffenen Maßnahme nur zustimmen. In der für das Luft— 
chiff in der Hauptsache in Frage kommenden Höhenlage herrschte 
iämlich eine Windstärke 16, wie durch mehrfache Pilotenaufstiege 
ind Beobachtung derselben durch den Teodoliten festgestellt 
vurde und da wäre es unverantwortlich gewesen, wenn 
»er Führer sich trotzdem zum Antritt der Fahrt entschlossen 
jätte. Die Beobachtungen wurden während des ganzen gestri⸗ 
sen Vormittags angestellt und als der Wind in der Höhenlage 
her zunahm als abflaute, entschloß sich Herr Diplomingenieur 
dörr schweren Herzens, der sportlichen Leitung des Lübecer 
zereins für Luftfahrt mitzuteilen, daß es leider unmöglich 
ei, das Luftschiff aus der Halle zu bringen. Auch eine Hin— 
chiebung der Abfahrtszeit kam nicht in Frage, weil vor Sonnen— 
untergang an ein Abflauen des Höhenwindes nicht zu denken 
var und tatsächlich trat auch eine Beruhigung der Luft erst 
jegen Abend ein. Uebrigens konnte das Luftschiff auch am 
Sonnabend aus dem gleichen Grunde keine Fahrten unter⸗ 
iehmen. Lobend anerkannt wurde die schnelle Benachrichtigung 
des Publikums von der Absetzung der Fahrt und diejenigen, 
velche sich aus Anlaß des erwarteten Eintreffens des Luft⸗ 
chiffes — und es waren wohl Tausende — das Mittagsschläfchen 
geschenkt hatten, wurden durch den herrlichen Spaziergang an 
»em schönen Herbstsonntagnachmittag entschädigt. Der Besuch 
»es Luftschiffes ist nunmehr für den kommenden Sonntag vor⸗ 
nittags zu erwarten, denn am Nachmittage hat es vertrags—⸗ 
gemäh eine Fahrt nach Itzehoe auszuführen. Eine endgültige 
Bestimmung kann aber erst in den nächsten Tagen aetroffen 
verden. 
.A Schöffengericht. Sitzung vom 26. Sept. Wegen 
Unferschlagung und Sehlexrei hat sich der Ärbeiten 
Ernst Hö. zu verantworten. In der Nacht jum 14. Sept. wurde 
iuf dem im, hies. Hafen liegenden Dampfer „Nixe“ zum Nach 
eil des Restaurateurs des Dampfers ein größerer Diebstahl 
iusgeführt Täter solt ein Arbeiter No. sein, der noch gesucht 
vird. Im, Besitz des Angeklagten wurden von den gestohienen 
Zachen gefunden: ein Fuͤllfederhalter und ein Taschenmesser. 
Ferner hatte der Angeklagte einen zu den gestohlenen Sachen 
ehörigen, Gehroas in einer Hede in der Ziegelstraße versteckt. 
den, Rock win der Angeklagte vom Diebe erbalften und zu⸗ 
ächst verstect haben. In den Taschen des Rodes fand'ct 
üllfederhalter und Messer. Diese Sachen Behieit er für sich. 
Nas Urteil lautet auf eine Gefamtstrafe von 5 Wochen Ge— 
ängnis in erschwerender Beruüdfichtigung seiner Vorbestrafung 
degen Bettelns und, Diebstahls. Des Diebstahls wirb 
uch der Kellner Wilhelm Ho, schuldig befunden, und zwar 
oll er in der Nacht zum 6. Sept. in dem Restaurant gur 
auberfloͤte“ hierselbst aus der Garderobe dem Humorusten 
ig. einen 10,òM-Schein und eine 1000, M Schein-Blüte weq⸗ 
genemmen haben. Er erhält dafür 1 Monat Gefängnis. 
203 Beim Diebstahl getötet. Im Laufe dieses Jahres 
purde fortgesetzt von der Leitung der Ueberlandzentrale auf 
übeckischem und Reinfelder Gebiet Kupferdraht geftohien. Am 
Zonngabend morgen wurde nun die Leiche eines Mannes unweit 
ßroß⸗Wesenberg unterhalb der genannten Leitung gefunden. 
da neben der Leiche eine Drahtschere lag, b konnte mit 
Zestimmthett angenommen werden, daß der Berstorbene bei 
»ent Versuch, Leitungsdraht zu stehlen, den unter Strom ge— 
etzten Draht berührt hat und durch den dabei erlittenen 
lektrischen Schlag sein Leben eingebüßzt hat. Die angestellten 
krmittelungen ergaben, daß der Verftorbene, ein in Raßßbed 
vohnender Arbeiter, bereits seit längerer Zeit in jeder Woche 
in einen hiesigen Produktenhändler Kuvferdraht verkauft hat, 
ver der Ueberlandzentrale gestohlsen wurde. Trotz letzterer 
ortgesetzt auf diese Kupferdrahtdiebstähle aufmerhsam gemacht 
vurde, leugnete er immer, von diesem Draht jemals gekauff 
u haben. Er wurde festgenommen 
v7. RMAleiniener. Am Sonntag nachtgittaßg gegen 3 ub 
ourde die Feuerwehr nach dem Grundstück Kahlhorsistrake e 
erufen, woselbst beim Ueberkochen von Teer ein kleiner Branp 
ntstanden war, der aber bereits bei Ankunft der Feuerwein 
durch Hgusbewohner gelöscht war. Der entstandene Schaden ist 
ehr gering. 
0- Diebstahl. Am Sonnabend sind aus einet Mädchen⸗ 
ammer eines an der Schwartauer Allee belegenen Haufes ein 
oldener Ring mit rotem Stein (umgearbeiteler Trauringy mu 
der Inschrift ‚Sophie Wegner“, ein Damen-Dubicering mit 
Wappen und dem HMonogramm „M. D.“ und 27 Muin bor 
estohlen worden. 
Neueste Nachrichten und Telegramme 
der .. A.e und vl .c 
Besuch des französischen Ministerbräsidenten Barthou beim 
König von Spanien. 
W. San Sebagstian. 29. Sept. Der König emoöofing 
estern nachmittag den französischen Ministerpräidenten in ein 
bündiger Audienz., Barthou wurde mit großen Ehren 
mopfangen und sofort in das Gemach des Königs geführt, wo 
hn dieser auf das sympathischste und herzlichste begrüßte. Der 
zönig und der Ministerpräsident besprachen die Üödorftehende 
teise des Präsidenten Poincars. die Unter— 
altung verbreitete sich auch über die großen Fragen bezüglich 
Narokkos und üher die allgemeine Lage Europas. Bärthou 
rklärte in einer Unterredung mit Journalisten, er sei gerührt 
»on der Treue und tätigen Freundschaft des Königs für Franf— 
eich und von seinem Wunsche, zwischen den beiden Laändern 
ie engsten Beziehungen herzustellen. 
Bei dem gestrigen Bankett zu Ehren des sfranzögi— 
hen Mainisterpräsidenten Barthou hat, der Mi— 
ister des Aeußern eine Rede gehalten, in welcher er die Gefühie 
er Freundschaft für Frankreich ausdrüdte. Barthou erwiderte 
git ciner lebhaften Anerkennung der Ausführungen des Mi— 
isters des Aeußern und erinnerse an die Schwierigkeiten, welche 
wischen Spanien, und Frankreich in Nordafrika sich erhoden 
ätten, und die so geregelt seien, wie sich das zwilchen zwei 
ändern, gezieme, die sich ihrer Kraft, ihres Rechts und ihrer 
Pürde bewuß! seien. 
fin nahes Einverständnis zwischen Frankreich und Spamen? 
Bei der Einweihung der französischen Schule in San 
Zebastian erwiderte Ministerpräsident Bart hou guf eine Rede 
es Alcalden, der von der nahen Verbindung Spaniens mit 
rranlreich in Anknüpfung an die Reisen des Präsidenten 
Loincaré und des Ministerpräsidenten Barthougesprochen 
zatte, mit zum Ausdruck der Genugtuung, daß der Alcalde Ge— 
»anken und Hoffnungen ausgesprochen habe, die allen Fran— 
osen teuer seien, und denen er sich als Vertreter der fram 
ösischen Regterung mit Stolz anschließe. Er glaube, ein nahes 
kinverständnis Spaniens mit Frankreich sei leicht herbeizuführen 
ind werde die segensreichsten Folgen haben, aber es müsse be— 
eits bei, den kleinen Spaniern und Franzosen auf der Schul⸗— 
ank beginnen, um sich im Leben fortzusetzen. Barthau rühmte 
ie Literatur und die Künste Spaniens, sowie den Herovismus, 
nit welchem die Spanier stets den Byden ihres Vaterlandes 
erteidigten und ihre Würde und ihren Stolz“nEr fügte hinzu. 
er Präsident der französischen Republik werde mit dem Ansehen. 
as ihm sein Amt und seine persönlichen Gaben erworben haben, 
iuf dem spanischen Boden die Gefühle Frankreichs dür, Sponien 
estätigen. Ihm, dem Minister, stehe es nicht zu, einer Ver— 
inigung zwischen Frankreich und Spanien einen bestimmten 
stamen zu geben, er wisse nur, daß Frankreich alles mögliche tun 
verde, um dieses Einverständnis immer herzlicher, waãrmer und 
nger zu gestalten. Die Rede wurde mit großem, sich immer 
viederholendem Beifall aufgenommen. Im weiteren Togeslaufe 
iahm Barthou an einem Bankett teil, dem der spanische Mi— 
ister des Aentern, Munoz, der französische und die andecen 
zotschafter in Madrid beiwohnten. 
Die Reden von San Sebastian umd die Pariser Presse. 
W. Varis, 29. Sept. Von den Blättern wird den in San 
zebastian gehaltenen Reden große Bedeutung beigemessen. Ter 
Matin nennt den gestrigen Tag einen historischen und meint, 
aß die Worte des Ministerpräsidenten Barthou eine groß— 
irtige Einleitung der Reise des Präsidenten der Republik, Poin— 
aré, nach Maoadrid bildeten. 
Bewu nrich gende Gerichte aus Maroklo. 
PC. Tanger, 29. Sept. Einensehrschweren Kampf 
ollen die Spanier nach hier eingetroffenen Mitteilungen von 
kingeborenen mit einer Harka der aufständischen 
MNarokkaner bei Larasöh gehabt haben. Die Verluste auf 
»eiden Seiten sollen sehr groß sein. Besondere Besorgnis er—⸗ 
egt es hier, daß von spanischer Seite nichts über einen Sieg 
ꝛerlautet, sondern über den Ausgang des Kampfes völliges 
Ztillschweigen herrscht. Während des Kampfes soll ein Ver— 
ehen eines fspanischen Kriegsschiffes unter den 
igenen Truppen großen Schaden angerichtet 
»aben. Zahlreiche Granaten eines spanischen Kreuzers, der 
purch sein Feuer die spanischen Bewegungen unteritützen sollte, 
ielen infolge einer falsch berechneten Schußkurve in die eigenen 
Keihen und töteten und vermundeten zahlreiche spanische 
Sbdofen 
Vom Balkan. 
Zum türlisch⸗bulgar shHeun Frliedensvertrag. 
W. Konstantinopel, 29. Sept. Der türkisch-bulgarische 
Friedensvertragsentwurf hat Abänderungen erfahren und 
ählt der endgültige Text nunmehr 17 Artikel. Die Frist für die 
Räumung der Bulgarien verbleibenden Gebiete, die ursprünglich 
auf zwei Monate berechnet war, ist auf zwei Wochen herab⸗ 
gesetzt worden. Durch die Vereinbarung betr. die Mustis ver— 
oflichtet sich die bulgarische Regierung, abgesehen von den 
hereits gemeldeten Bestimmungen, gemäh den vom bulgarischen 
ßesetze über den öffentlichen Unterricht vorgesehenen Verhält— 
lissen der Elementar- und Mittelschulen für die Muselmanen, 
uherdem eine muselmanische Schule zur Heranbildung der 
Muftis zu erhalten. Das Protokoll betreffend die Vakufs, 
velches die muselmanischen Gemeinden nicht hervorhebt, be— 
timmt, dah die Vakufs weiterhin den Berechtigten unterstehen 
verden. Dies bedeutet, daß die dem türkischen Evkafmini-— 
terium unterstehen werden. Falls Bulgarien die von P.ibat— 
personen verwalteten Vakufs liquidieren sollte, wird es die 
in den Vakufs interessierten Personen entschädigen müssen. 
Die privaten Güter der türkischen Krone bleiben ihr Eigentum. 
die Vereinbarung bezüglich der Muftis und die Regelung der 
Gakuffrage wird als ein Erfolg der Türkei angesehen. Man 
agt, es zeige sich darin ein Entgegenkommen Bulgariens gegen⸗ 
iber den Muselmanen. — In unterrichteten Kreisen der Pforte 
erlautet, daß die Bestimmungen des türkisch-bulgarischen Ver— 
rages über die Staatsangehörigkeit der muselmanischen Ge— 
neinden, Schulen und Vakufs ein Minimum der Vorschläge 
zarstellen, die Griechenland gemacht werden. 
Der Aufftand in Albanien von der provisorischen Regierung 
organisiert. 
W. Belgrad, 29. Sept. Die Regierung richtet an ihre 
Bertreter im Auslande ein Zirkular. in welchem sie erklärt, 
»aß die in einem Teil der ausländischen Presse aufgestellten 
Behauptungen über die Art der Vorgänge an der serbifch- 
iTbanesischen Grenze vollständig falsch sind. Man versuche es 
o hinzustellen, als ob es lich nur um lokale Zwischenfälle 
vandle. die einesteils durch Anwesenheit derbücher Truppen
	        
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