Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Ausgabe 4. 
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donntag, den 28. September 1913. 
ast. 
Morgen⸗Blatt Ur. 491. 
— n 
Tagesbericht. 
Luübeck, 28. September. 
Altersheim für Lübechker Handwerker. 
V Die vom Gewerkverein angestrebte Gründung eines 
Altersheims für lübechische Handwerker ist. wie schon kurz mit— 
geteilt, einen guten Schritt vorwärts gelommen. Der Verein 
hat im April d. J. ausgehend von der Erwägung, daß es für 
alte Handwerker mit ihren Frauen hier kein Heim gibt, wie das 
Gaedertzstist für Kaufleute, und es als eine große Härte emp⸗ 
funden wird, wenn ein in Ehren grau gewordenes Handwerker⸗ 
ehepaar bei der Aufnahme in das Heiligen⸗Geist-⸗Hospital sich 
trennen muß, eine Kommission mit der Prüfung der Frage be— 
auftragt, ob es dem Gewerkverein möglich sein kann, ein Alters- 
heim für Handwerker zu schaffen. Tie Kommission hat in der 
außerordentlichen Generalversanummlung des Vereins am Freitag 
ihren Bericht erstattet. In diesen wird ausgeführt, daß die 
Kommission im Einverständnis mit der Gewerbekammer eine 
Rundfrage bei sämtlichen Handwerks⸗- und Gewerbekammern 
Deutschlands darüber veranstaltet hat. ob schon Altersheime 
oder sonstige, der eigenen Kraft der Handwerker entspringende 
Wohltätigkeitsinstitute bestehen. Den Antworten zufolge gibt 
es verschiedentlich Krankenkafssen und sonstige Wohltätigkeitsein- 
richtungen für Handwerker. Altersheime. wie ein solches hier 
geplant wird, bestehen dagegen noch nirgends. Die Berliner, 
Geraer und andere Handelskammern haben gleiche Einrichtungen 
wie die Lübecher ins Auge gefaßt und zu diesem Zweck Beiträge 
gesammelt. Die Kommission hat dann mit den Vorständen der 
Innungen und zahlreichen Handwerkern Fühlang genommen und 
überall die freudigste Zustimmung und Opferwilligkeit für das 
Altersheim gefunden. Eine ganze Anzahl Handwerker hat sich 
ofort erboten, die für die Herstellung eines Altersheims er⸗ 
forderlichen Arbeiten ihres Gewerbes kostenlos auszuführen. Auch 
die Obermeisterversammlung hat dem Projekt jegliche tatkräftige 
Mitarbeit und Unterstirtzung zugesaat. Es erscheint der Kom- 
mission nun erstrebenswert, den Staat um Ueberlassung von 
Grund und Boden, womöglich mit Gebäude, anzugehen. Es 
ist hierbei an das Gutshaus von Krimpelsdorf, das Haus 
„Ruhleben“, einige Pavillons der alten Irrenanstalt usw. ge— 
dacht. Andererseits hat Herr Maurermeister Wandke eine Szze 
für den Neubau, eines Handwerkeraltersheims ausgearbeitet. 
Bei der Projektierung wurde von der Annahme ausgegangen, 
daß ein zu groß angelegtes Heim, das den Eindruck des Ka— 
fernen⸗ oder Anstaltsmäßigen macht, vermieden werden muß. Es 
st auch zu berüchsichtigen, daß das Zusammenleben vieler Fa— 
nilien unter einem Dache erfahrungsgemäß stets auf die Dauer 
Schattenseiten zeigt. die nur durch eine mehr oder minder streng 
durchgeführte Hausordnung, die dann aber wieder von manchem 
als drüdend empfunden wird, gemindert werden können. In 
diesem Projekt sind daher 8 Familienwohnungen vorgesehen. 
Jede Wohmung soll ein Schlafzimmer sowie eine Wohnküche ent⸗ 
halten. In der Wohnküche wird eine abgeschlossene Kochherd⸗ 
anlage sowie ein Besen⸗ und Speiseschrank eingebaut. Bei ge⸗ 
chidter Anordnung läßt sich ein durchaus wohnlicher Eindrudk 
dieser Räume ohne weiteres erreichen. Ein geräumiger Flur, 
der gleichzeitig als Treppenhaus dient, trennt in einem Geschoß 
e 2 und 2 Wohnungen. Im Dachboden läßt sich eine Wasch⸗ 
lkũche, Bodenkammern sowie ein größerer Raum für die Auf-— 
stellung von Schränken ohne weiteres anlegen. DTamit dürfte 
den Ansprüchen, die die künftigen Insassen an dieses Heim 
stellen können, vollauf Genuge geleistet sein. Die Herstellungs⸗ 
kosten dieses Gebäudes beziffern sich auf 16830 M, Siel⸗-, Gas⸗, 
Wasseranschlüsse, Einfriedigung auf 3170 M, zus. 20 000 M. Es 
dürfte Fch empfehlen. nachdem die erforderlichen Mittel sicher⸗ 
gestellt oder vorhanden sind, mit dem Bau von zwei Haͤusfern, 
die Raum für 16 Insassen bieten, zu beginnen. An Baukosten 
würden 2 mal 20000 M, also 40 000 M, erforderlich sein. 
Hinzu kommen Kosten für den Bau eines Pförtnerhauses, die 
mit 5000 Miin Anrechnung zu bringen sind. Ferner müssen 
für die Instandhaltung der Gebaäude, sowie für die Besoldung 
des Pförtners laufende Mittel vorhanden sein. Für diese beiden 
Posten dürfte ein jährlicher Betrag von 1000 Muausreichend be⸗ 
messen sein. Es ergibt diese Summe mit 404 lapitalisiert ein 
Kapital von 25000 M. Der Gesamtgeldbedarf stellt sich dem⸗ 
nach: Baukosten für zwei Wohngebäude 40 000 M, ein Pfört⸗ 
nerwohnhaus 5000 M, Barkapitak für laufende Unkosten 25 000 
Mark, Rius. 70 000 M. 
Dieser Betrag müßte durch freiwillige Spenden usw. auf⸗ 
gebracht werden. Die Aufnahme einer zu verzinsenden Hypothek 
st nicht angängig, da Einnahmen, mit denen die Verzinfung be—⸗ 
tritten werden könnte, nicht vorhanden sind. 
Herr Maurermeister Stender hat sogar mehrere Projiekte für 
den Neubem eines Altersheims ausgearbeitet, die je 11 Woh⸗ 
rungen von je 2 Stuben und Küche vorfsehen. Er ist dabei von 
der Ansicht ausgegangen, daß es nicht angebracht ist. daß Hand⸗ 
verker sich mit einer Wohnkuche und Schlafstube behelfen sollen. 
Die Aussührung eines der Stenderschen Projelte wird 24 000 bis 
25 000 Meerfordern. 
An diese Ausführungen schloß sich eine längere Aussprache, 
n der u. a. ausgeführt wurde, daß der Handwerker für andere 
Invaliden⸗, Alters- und Krankenversicherungsbeiträge sowie die 
Kosten der Berufsgenossenschaft bezahlen muß, aber für sich selbst 
ür solche Verficherungen meist nichts zurüdlegt, und auch nichts 
zurücklegen kann. Würde der Staat für das Altersheim ein 
vassendes Gebäude zur Verfügung stellen, könnte sogar daran 
zedacht werden, den Insassen neben freier Wohnung auch noch 
ine kleine finanzielle Unterfstützung zu geben, denn es dürfe 
rwartet werden, daß im Hinblich darauf, daß die Hand⸗ 
verker süur andere Stände von großer Bedeutung sind, auch 
diese die Schaffung eines Altersheims für Handwerker unter⸗ 
tützen werden. 
Seitens des Vorstandes wurde sodann vorgeschlagen, aus 
dem reichlich 10000 Mubetragenden Vermögen des Vereins 
4000 Mefür die Gründung eines Altersheims zu bewilligen. 
Aus der Versammlung wurde dazu beantragt, die Hälfte des 
Vermögens, nämlich 5000 Mizu bewilligen. Dem wurde vom 
Vorstande widersprochen und darauf hingewiesen, daß der Ver⸗ 
ein ja auch noch die Gründung einer Ferienkolonie für Hand- 
verkerlinder ins Auge gefaßt hat, die Gründung einer Sterbe⸗ 
lasse für Handwerker demnächst in die Wege geleitet werden 
oll und event. auch die Tuberkulose-⸗Fürsorge nicht unbeträcht⸗ 
siche Mittel erfordern werde. Bisher sind auch die Zinsen eines 
vesentlichen Teils des Vermögens zur Unterstützung von Hand⸗ 
verkerwitmen verwandt worden. Da diese Unterstützungen, weil 
ie alliährlich viel Segen und Freaude gestiftet haben, nicht fort— 
— sollen, wird ohnehin der Vereinsbeitrag erhöht worden 
nüssen. 
Tie Versammlung beschloß jedoch einst immig die Bewil—⸗ 
igung von 5000 Mefür die Gründung des Altersheims und er— 
lärte sich des weiteren bereit, auch einer Beitragserhöhung zu⸗ 
timmen zu wollen. 
Dorf und Stiftung Westerau. 
Der Verein für lübeckische Geschichte und 
Ultertumskunde unternahm seinen diesjährigen Ausflug 
m 25. d. M. nach Westerau. Mit dem Zuge 12 Uhr 
O Min. fsuhren die Lübecker Vereinsmitglieder und Gäste nach 
zdeinfeld. Von dort ging es zu Fuß oder zu Wagen, zu⸗— 
immen mit einigen auswärtigen Mitgliedern und Gästen, die 
ch in Reinfeld angeschlossen hatten, über Lockfeld und Gr. 
zarnitz an das Ziel des Ausfluges, Westerau, dessen-Herren⸗ 
aus und dessen vor einigen Jahren von der Stiftung er— 
rutes Beamten-Erholungsheim schon von weitem mit ihrem 
loggenschmucke grühten. Von der Vorsteherschaft der Westerauer 
ztifrung waren die Herren Senator Dr. Neumann, 
tdonful Dimpker und Kaufmann Herm. G. Stolterfoht 
richienen. von denen Herr Senator Dr. Neumann die Gäjte, 
ie sich zu dem freundlichst gebotenen Kaffeetrunk im Saale 
es alten Herrenhauses versammelt hatten, begrüßte. 
Der Vorsitzende des Vereins, Herr Staatsarchivar Archi v⸗— 
at Dr. Kretzschmar, dankte der Vorsteherschaft für die 
‚astliche Aufnahme und gab einen kurzen, interessanten Ueber⸗ 
lick über die Geschichte des Dorfes und der Stiftung. 
dach einer Schilderung der äußeren Geschichte der Stiftung,. 
ie dem Ratsherrn und Gewandschneider Gerd von Lenten 
f 3w. 1494 u. 1500) und dem Bürgermeister Andreas Ge— 
erdes (f 1477) ihre Entstehung verdankt, ging der Vortragende 
uf die Besiedelung des Dorfes ein, in welchem wir ein Ko— 
mnistendorf etwa vom Jahre 1200 vor uns haben. Die Ko— 
nisten sind mitten in den Wald, an dem Wege, der von 
zornitz nach Süden auf die Straße von Oldesloe nach Ratze— 
urg führt, angesetzt worden, und an der Hand der ausge— 
ingten Karten ließ sich vortrefflich nachweisen, wie nach und 
ach der Wald durch Rodung zur Ackerflur urbar gemacht 
rden war. Ueberall nur auf das Haupftsächlichste eingehend, 
hloß der Vortragende mit einigen Mitteilungen über die Ver— 
altung der Stiftung und über das noch heute übliche Rosen⸗ 
est. das den Landgerichts- und anderen Visitationsreisen der 
zorsteherschaft seine Entstehung verdankt. Zum Schlusse be— 
ierkte er. daß im nächsten Jahre eine eingehende Geschichte 
er Stiftung und des Dorfes aus der Feder des Herrn Dr. 
zoll in Lübeck in den Veröffentlichungen zur Geschichte Lübeds 
tscheinen wird. 
Daran schloß sich ein Besuch des Beamtenerholungs— 
»eims, dessen geschmackvolle und wohnliche Einrichtung all⸗ 
eitige Anerkennung fand. so daß man nur wünschen kanmn, daß 
ie von der Vorsteherschaft der Stiftung hier in bester Absicht 
ebotene Gelegenheit von den interessierten Kreisen noch mehr 
ls es bisher schon geschehen, benutzt werde. Die Lage des 
auses am Waldesrande mit der prächtigen Aussicht weithin 
ber das Land lud zum Bleiben verlockkend ein. Die Kürze 
es herbstlichen Tages drängte aber zur Heimkehr nach einem 
urzen Spaziergang durch den schönen Laubwald bei dem sich 
och kaum die ersten Spuren herbstlicher Färbung eingestellt 
atten. Auf dem Heimwege entfaltete die Abenddämmerung 
lle Reize der herrlichen holsteinischen Landschaft. Nach kurzer 
rahrt von Reinfeld trennte man sich in Lübeck mit dem Wunsche, 
aß öfter durch solche Ausflüge Gelegenheit gegeben werde, 
eschichtlich interessante Punkte in der Umgebung Lübeds mi 
esuchen. 
Dem Vernehmen nach wird bei der Eröffnung der dies— 
ãährigen Wintersitzungen des Vereins am 15. Okt. Herr Ge⸗— 
eimrat Professor Dr. Schröder, der bekannte Göttinger Ger⸗ 
nanist. über die Lübecker Familiennamen sprechen. ein Thema, 
»as viel Interesse erregen wird. 
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Gebrüder Borchers Kursbuch ist soeben, rechtzeitig vor 
kinführung der Winterfahrpläne, in neuer Anflage erfschienen. 
ks ist für jedermann dringend erforderlich, sich schleunigst mit 
»em neuen Verlehrsratgeber „Gebrüder Borchers“ Kursbuch“ zu 
»ersehen. Einen besonderen Vorzug hat das Kursbuch noch 
adurch, daß in dem kleinen Büchlein das Verzeichnis der von 
dübeck abgeheuden Postzüge, der ankommenden 
Bosten und der VPaketbestellungen, endlich ein Eisenbahn⸗— 
ahrgeldtarif von Lübeck nach allen Stationen enthalten 
st. Der Preis mit Eisenbahnkarte beträgt wie bisher 25 Pfg. 
zahlreiche Verkaufsstellen, die Geschäftsstelle der Lübeckischen 
Anzeigen und die Austrägerinnen der Lübeckischen Anzeigen 
seben das Buch ab. 
Erhöhte Anforderungen an den Nachwuchs unferer 
shandelsmarine. Es ist zu erwarten, daß die Verhandlungen 
uf der geplanten internationalen Titanic-Konferenz in London 
ber die Erhöhung der Sicherheit des überseeischen Passagier- 
erlehrs zu schärferen Anforderungen hinsichtlich der Zahl und 
lusbildung von seefahrtskundigen und bootserfahrenen. Mann⸗ 
chaften führen werden. Die seemännische Schulung und Et— 
ahrung der Besatzungen unserer großen Dampfer ist bekanntlich 
richt sehr groß. Um diesen Uebelständen nach Möglichkeit 
ibzuhelfen, ist det deutsche Schulschiffverein seit 1900 bemuüht, 
ie ihm hierfür zur Verfügung stehenden zwei Schiffe reichen aber 
ür die gestergerlen Aufgaben nicht aus. Demnächst wird darum 
in drittes Schulschiff eingestellt werden, das im Oktto— 
er in Geestemünde ablaufen und mit Genehmigung des Groß—⸗ 
erzogs von Oidenburg, den Namen „Großherzog Friedrich 
lugust“ tragen soll. Eine wesentliche Neuerung, die bei diesem 
-chiffe in Kraft tritt, besteht in einem eingebauten Motor, der 
ie Möglichkeit der Aufrechterhaltung des Betriebs auch während 
er Wintermonate gewährt. Auf diese Weise wird der Schul—⸗ 
hiffverein in die Lage versetzt, im ganzen jährlich 450 bis 
50 Schiffssungen als gut ausgebildete Leichtmatrosen den 
ampfschiffree dereien zuzu führen 
Die Arbeiten an der inneren Wuühlenbrücke sind auf oer 
Nordseite der Brüde vollendet: nach längerer Umleitung ist 
die durchgehende Verkehrsstraße in diesen Tagen wieder nack 
»er Nordseite verlegt. Eine größere Breite ist nicht erzielt. 
»agegen hat die Brücke einen bedeutend verstärkten Unterbau 
rhalten. Jetzt dürfte die Südseite in Angriff genommen werden. 
Ddie Arbeiten waren anscheinend recht aufhaltsam, da sie länger 
zZeit in Anspruch nahmen. 
Schwedischer Pursch. Unter der Spitzmarke „Die Deut—⸗ 
schen mögen unseren Punsch“ teilt Aftonbladet in Stockholm 
nit, dah der Dampfer „Svithiod“ auf seiner letzten Reise von 
Stockholm nach Lübeck 1247 Liter schwedischen Punsch mit sich 
ührte. 
SDAnlãßlich der heutigen Landung des Zeppelinlufte 
chiffes „Hansa“ welche bekanntlich infolge besonderen Ent— 
segenkommens der „Delag“ aus Anlaß des fünfiährigen 
ztiftungstages des Lübecker Vereins für Luftfahrt erfolgt, wird 
ine feierliche Begrüßung des Führers der „Hansa“, des Herrn 
diplomingenieurs Dörr, seitens des Vorstandes des Lübecker 
zereins für Luftfahrt erfolgen. Herrn Dörr, welcher heute 
Sonntag) zum dritten Male mit dem Luftschiff vier landen 
vird, wird hierbet ein silberner Erinnerungsbecher mit alt⸗ 
übscher Münze überreicht werden. — Es sei noch darauf 
rufmerksam gemacht, daß das Luftschiff auf seiner Fahrt von 
zamburg nach Lübeck die Stadt nicht überfliegen wird. 
die hochinteressante Landung wird bald nach 3 Uhr erfolgen. 
a die Regimentskapelle aber schon von 2 Uhr ab konzertiert, 
o dürfte es empfehlenswert sein, schon früher den Landungs— 
latz aufzusuchen, zumal das Luftschiff vor der Landung über 
emselben einige Schiteifen fahren wird. Die Passagiere wollen 
ich sogleich nach erfolgter Landung des Luftschiffes zu demselben 
egeben. 
N. Ter Kongretß für Armenpflege in Stuttgart. Freitag 
raten d'e Kongreßvertreter für Armenpflege in die Erörterung 
ier Vorschläge und Richtlinien für ein Reichsarmengesetz ein. Der 
hJorsitzende, Justizrat Uhland-Kolmar, machte folgenden Vor— 
hsaq: Ter Erlaß eines Reichsarmengefetzes erscheint notwendig. 
der Ausschuß wird sich mit der endgültigen Fassung der Richt— 
inien im Sinne der heutigen Beratungen befassen. Der Vor— 
itzende wird ersucht, die Beschlüsse der Versammlung an zustän 
iger Stelle zur Kenntnis zu bringen. Bei der Generalaussprache 
mpfahl Landgerichtsdirektor Aschroth⸗Berlin eine Be— 
hränkung des Stoffgebietes, fsowie Schaffung von Sonder⸗ 
esetzen und statt einenm Reichsarmengesetz den Weg der Verstän— 
igung zwischen den Bundesstaaten. Falls man ein Reichs- 
ermengesetz schaffen wokle, gehöre auch die Schaffung einer Auf—- 
ichtsbehörde dazu. Von verschiedenen Seiten wurden noch 
veitere Einwendungen gegen ein Reichsarmengesetz vorgebracht. 
vorauf Bürgermeister Horländer antwortete, es sei ein 
zrroßes Werk, das hier geschaffen würde. Er hoffe, daß die 
zolitischen Parteien für eine reichsgesetzliche Regelung eintreten. 
damit war die Generalaussprache erledigt, und es wurde in d 
Sonderberatung eingetreten. Hierzu hatten sich 20 Redner und 
zie 6 Berichterstatter gemeldet. Nach Schluß der Ausspra 60 
vurden die von dem Referenten aufgestellten Richtlinien von 
»er Versammlung im wesentlichen anerlannt. Dem Vorschlag⸗ 
Ublands stimmte man zat, worauf der Kongreß geschlossen wurde. 
SDKraftomnibusverbindung Lübech — Sandesneben. Wie 
vir zuverlässig erfahren, ist es den Bemühungen der Lübeder 
zandelskammer und der beteiligten Landgemeinden nach Samm⸗ 
ung eines ausreichenden Garantiefonds gelungen, mit Wir—⸗ 
ung vom 1. Ott. ab die Einrichtung eines zunächst Zmonatlichen 
Brobebetriebes für einen Kraftomnihusverkehr zwischen Sandes⸗ 
ieben und Lübeck (über Steinhorst, Siebenbäumen, Bahnhof 
Fastorf. Dorf Kastorf, Krummesser Steindamm, Kronsfordel 
‚u fichern. Der für 18 Personen eingerichtete Kraftomnibus, 
in nach Art der bekannten Büssingschen Harzautos besonders 
zequem und komfortabel eingerichtete Wagen wird von 
SZandesneben zweimal täglich abfahren, nämlich um 7,10 
Ihr vorm. und 2,30 Uhr nachm. (mit Ankunft in Lübed 8,50 
Uhr vorm. und 4,10 Uhr nachm.), und von Lübed aus gleich- 
alls zweimal täglich verkehren, nämlich um 11 Uhr vorm. 
ind 8 Uhr abends (mit Ankunft in Sandesneben 12,40 Uhr 
nittags und 9,40 Uhr abends). Diele Fahrzeiten liegen nicht 
nuur für den Besuch der Stadt Lübech sondern auch für die 
Zahnaufschlüsse in Bahnhof Kastorf außerordentlich günstig und 
zequem. Der Fahrpreis für die rund 32 kKm lange Gesamtstrede 
vird nur 1,50 Mubetragen. Eine rege Benutzung dieser von 
er Landbevölkerung lebhaft begrüßten Verbindung wird mit 
zicherheit erwartet werden dürfen. 
Doe Wetteraussichten. Die erste Herbstwoche brachte, 
zjachdem der Sommer mit anhaltenden und sehr ergiebigen 
sNegenfällen geschlossen hatte, einen ganz bedeutenden Rückgang 
»er Temperaturen in allen Teilen Europas. In Deutschland 
ank die Wärme beträchtlich unter die normalen Werte. Mitt⸗ 
voch früh wurde ganz Nord- und Mitteleuropa von einem sehr 
nusgedehnten Maximum beherrscht. Die Depression war von 
»er Ostgrenze Deutschlands unter starker Verflachung bis zum 
-„chwarzen Meere gewandert: auf deim At'antischen Ozean da— 
egen war ein neues tiefes Minimum erschienen, dessen niedrigster 
Zruck unter 745 mm noch westlich von Irland lag. Angesichts 
ijeser Druckverteilung heiterte sich in der westlichen Hälfte 
Zeutschlands der Himmel fast völlig auf und die Winde nahmen 
— 
tark erkalteten Innern des Hochdrudgebietes erfolgte, so 
ahmen während der Nacht die Temperaturen überall noch weit 
ärker ab als vorher. Donnerstag morgen hatte sich die atlan⸗ 
ische Depression südwestlich von Island bis unter 735 mm 
ertieft, wwogegen das Hochdruckgebiet über Skandinavien und den 
ufsischen Ostseeprovinzen 772 mn Höhe überschritten hatte. Die 
rwärmung in Westeuropa nahm bei südöstlichen Winden noch 
veiter zu; in Deutschland trat mehr und mehr Aufheiterung 
in, ohne daß die Temperaturen hier gestiegen wären. Das 
zanze Hochgebiet bhegann nor dem Andrang des tiefen Island⸗ 
virbels südostwärts zurückzuweichen. Infolgedessen steht hei— 
eres, trockenes und wärmeres Wetter nun für 
eine Weile bevor. 
Die Wasserwãrme in den städtischen Badeanstalten betrug 
am 27. Sept. im Krähenteich 18 Grad Cels., auf dem Falken—⸗ 
hamm 15 Grad Cels.
	        
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