Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Hat man doch an dem türkischen Beispiel soeben ge— 
ehen. wie Frankreich von den Balkanstaaten gehuldigt wird, 
sobald es sich anschickt, seinen Geldschrank für die Befriedigung 
ananzieller Wünsche zu öffnen. Der türkische Unterhändler 
Ddschavid Bey ist dabei soweit gegangen, daß der deutsche 
Botschafter auf der Hohen Pforte Beschwerde führen mußte. 
Dschavid Beys Entschuldigungsbefuch in der deutschen Botschaft 
hat vielleicht die alluu hitzigen Franzosenfreunde am Goldenen 
Horn etwas abgekühlt. Ob jedoch Frankveich deswegen auf— 
jören wird, in der Türkei Trumpf zu sein, bleibt abzuwarten. 
Ddie Engländer haben der auffälligen Kundgebung Dschavid 
Beys anscheinend nur geringe Beachtung geschenkt. Dies er⸗ 
tlärt sich wenigstens teilweife durch den Umstand, daß in Groß- 
hritannien die Streiksorgen, die Manöver und die revolutios 
näre Bewegung der irischen Homerule-Gegner im Mittelpunkt 
ver allgemeinen Aufmerksamkeit standen. 
Dem sogzial demokratischen Parteitage schlossen sich inner⸗ 
»alb der sozialdemokratischen Vartei die üblichen 
Bersammlungen und Zeitungserörterungen an, die das Ergebnis 
»er Jenaer Verhandlungen einer kritischen Prüfung zu unter— 
iehen haben. Dabei stellte sich heraus, daß in nicht wenigen 
Bersammlungen und Preßorganen die Zustimmung zu den 
Parteitagsbeschlüssen über die Vafsenstreikfrage und die Steuer⸗ 
»olitik der Reichstagsfraktion stark mit Vorbehalten versehen 
vird. Unter solchen Umständen lann es nicht Wunder nehmen, 
wenn die Parteileitung im Vorwärts die Losung ausgab, die 
Frörterung der Massenstreikfrage einzustellen. Allgemein wird 
iber die parteiamtliche Weisung schwerlich befolgt werden; 
»enn die radikale Bremer Bürgerzeitung, die der „Willens⸗ 
tundgebung“ des Parteitages zur Massenstreikfrage möglichst 
zute Seiten abgewann, ruft um so energischer nach der 
theoretischen Klärung“ des Massenstreikproblbems und läßt 
zleichzeitig einen kräftigen Seitenhieb auf die Partei- und 
iHewerlschafts-Bureaukratie“, als die Hauptgegnerin des Massen- 
treils, niedersausen. Der Zank um den Massenstreik dürfte 
also fortdauern. 
Mit wachsender Lebhaftigleit wendet sich die öffentliche Er— 
zrterung der braunschweigischen Frage zu. Die amt— 
iche Vresse freilich hat an dieser Erörterung bisher nicht teil— 
nenommen. obwohl ihr reichlich Gelegenheit dazu geboten war. 
Um so redseliger waren gewisse Korrespondenzen, die eine 
merkbare Uebereinstimmung in dem Bestreben an den Tag 
legten, dem jungen Cumberländer den Einzug in Braunschweig 
zu erleichtern bezw. eine Verzichtleistung des Prinzen Ernst 
August auf seine hamnoverschen Ansprüche zu belämpfen. Bei 
der Begründung dieses Standpunktes wurde zu so grotesken 
Sinnlosigkeiten gegriffen, daß schon letztere den verlorenen 
Posten verrieten, auf dem jene Nährväter welfischer Hals- 
tarrigkeit sich befinden. Das welfenfreundliche Treiben. das 
her preußischen Regierung und dem Bundestat die Kapitulation 
vor dem Welfentum. die Verleugnung der bisher befolgten 
Politik sowie die Bloßstellung der Politik Wishelms J. und 
Bismardis zumutet, dürfte fortgesetzt werden, bis die Em—⸗ 
scheidung gefallen ist. bnt 
Deutsches Reich. 
Dem Hanfabund ist auf sein an das Reichzamt des 
Innern gerichtetes Schreiben betr. die Lage der deutschen 
Zigarettenindustrie nunmehr seitens des Staatssekretärs Dr. 
Delbrück die Antwort zugegangen, daß im Reichsamt des 
Innern die Angelegenheit seit langem mit Aufmerksamkeit ver⸗ 
folgt werde, und daß bereits vor mehreren Monaten mit den 
beteiligten Ressorts wegen Einleitung einer im Reichsamt des 
Innern abzuhaltenden Enquete über die Frage in Verbindung 
getreten worden sei. Der Zeitpunkt der Verhandlungen, die 
im kontradiktorischen Verfahren stattfinden sollen, stehe zurzeit 
noch nicht fest. — Aus dieser Antwort ist zu entnehmen, 
daß das Reichsamt des Innern. entsprechend den Wünschen 
des Hansabundes, eine Enquete über die Beziehungen des 
englisch-amerikanischen Tabaktrustes zur dent- 
schen Zigarrettenindustrie in die Wege zu leiten be— 
chlossen hat. Es ist nur zu hoffen, daß der Zeitpunkt für 
den Beginn dieser Enquete nicht über den Spätherbst hinaus- 
reschvoben werden möücchte 
J. 
— * 
heueste Ne⸗ichten vnd Telegramme 
er 7nud Z. 
Bejuch des Kaisers in (Gerolitein. 
W. Trier, 27. Sept. Der Kaiser kommt am 15. Obkt. 
von Schloß Lieser im Kraftwagen über Taun nach Gerol⸗- 
tein. In Taun besichtigt der Kaiser den zum Regierungs⸗ 
ubiläum gestifteten Naturschutzzark. Vormittags 11 Uhr trifft 
»er Kaiser in Gerolstein ein, worauf dort die Einweihung der 
ieuen protestantischen Erlöserkircche erfolgt. Die Kreislehrer⸗ 
gesangvereine von Taun und Prüm wagen dabei Lieder vor. 
Nach der Einweihungsfeier frühstückt der Kaiser bei dem in 
Gerolstein wohnenden Freiherrn v. Mirbach und besichtigt den 
Naturschutzyark in Gerolhstein und den Kaiser-Wilhelmfelsen da⸗ 
etbit. Gegen 2 Uhr erfolgt die Weiterfahrt nach Bonn. 
Tauken djahrfeier in Kassel. 6 
W. Kassel, 27. Sept. Dem heutigen Festakt im Rat—⸗ 
hause wohnte Prinz Muaust Wilhelmals Vertreter 
»es Kaisers bei. 
— Unter den vom Oberbürgermeister beim heutigen Festa 
ikt bekannt gegebenen Stiftungen und Geschenken be— 
indet sich auch eine Stiftung von 2800 000 Mä zur Errichtung 
»es projektierten Bortsschwimem bades durch Geb. Kom⸗ 
nerzienrat Henschel. 
— Zur Tausendjahrfeier der Residenzstadt Kasset hat der 
Vorstand des deutschen und des preußischen 
Städtetagers folgendes Telegramm nach Kassel gesandt: 
Namens des deutschen und preußischen Städtetages sende ich der 
Kesidenzstadt Kafsel aufrichtige Glüchwünsche zur Tausendjahr⸗ 
eier. Die deutschen Städte blicken mit Stolz auf die Stadt 
agsisiel Köeren »oichnaionnoto Fntmidelieana mährond ν ahr- 
ausends den Ausblich quf weitere Jahrtausende machtvollen 
ßhedeihens, deutscher städrischer Kuftirr eröffnet. Wermuth. 
Generalverlannnlung des Evangelischen Bundes. 
M. Eßrlitz. 27. Sept. Gestern abend hat in der Peters⸗ 
irche ein Eröffnungsgottesdienst stattgefunden, wo— 
ei Prosessor SoffmamnBreslau die Festpredigt hielt. Hieran 
chloh sich eine Begrüßunasversammlung im großen 
zaale der Stadihalle. Oberbürgermeister Snany hielt die Be— 
rüßungsrede:; er hieß die Teilnehmer herzlich willkommen und 
rückte die Ueberzeugung aus, daß Görlitz treu am evan⸗ 
elischen Glauben festhalte. Darauf wurden verschiedene Be— 
rüßungsansprachen gehalten und schriftliche Begrüßungen von 
dirchenbehörden usw. mitgeteilt. Die Antwort auf die Be— 
zegrühung übernahm namens des Zentralporstandes des 
vangelischen Bundes an Stelle des infolge eines Trauerfalses 
n feiner Familie verhinderten Superintendenten Wächtler 
dalle der geschäflsführende Vorsitzende Direktor Everling-Ber⸗ 
in. Seine humorvollen warmen Ausführungen fanden reichen 
zeifall. Verschönt wurde die Feier durch eindrucksvolle Chor— 
esänge und allgemeine Lieder. Direktor Everling teilte mit, 
aß die Generalversammlung im Jahre 1914 in Närnberg 
attfindet. An den Kaiser ist folgendes Huldigungs- 
elegramm gesandt worden: Euerer Majestät bringt die in 
örlitz tagende 26. Generalversammlung des Evangelischen Bun⸗ 
s zur Wahrung der deutsch-protestantischen Interessen im 
ahre des Regierungsjubiläums Euerer Majestät und im Jahre 
er großen valerländischen Erinnerungen den Ausdruck ehr⸗ 
urchtsvollster Huldigungen und das Gelöbnis unwandelbarer 
reue dar. — Zu der Frage der theologischen Fa— 
ultäten an den Universitäten faßte die Versamm— 
ung folgende Resolution: Der Evangelische Bund vermag einer 
zochschule, an der die Theologie als Lehrfach ausgeschlossen 
st, den Charakter einer Universität und allumfassenden Stätte 
der Wissenschaft nicht zuzuerkennen, er sieht im Gegenteil in 
ꝛiner solchen Anstalt eine große Gefahr für unsere Kultur, 
hie einseitig bkönomisch zu werden droht und in den ichweren 
Tuseinandersetzungen zwischen Glauben und Wissen der natiir⸗ 
ichen Vermittelung entbehren würde. Andererseits aber liege, 
oenn das von Frankfurt gegebene Beifpiel und die für Ham— 
urg vorliegenden Präne weitere Nachahmung finden sollten, 
die Gefahr der Errichtung gefonderter Anstalten sür die Aus— 
ildung evangelischer junger Theologen nahe, denen dann die 
zeilsame, vom Standpunkte des Vrotestantismus unerläßliche 
tete Berührung mit anderen Zweigen der Wissenschaft und 
nit deren Jüngern fehlen würde, und die so dem gesunden 
geistigen Leben entfremdet würden. 
Titenic⸗·sonferen; 
Berlin. 27. Sept. Die internationale Konfe— 
enz aus Anlaß der Titanic-Katastrophe ist nun 
ndgültig auf den 12. Nov. d. J. in London festgesetzt. Vier— 
ehn Staaten werden an ihr teilnehmen. Die Vertreter der 
eutschen Regierung haben bereits ihr Progtamm aufgestellt. 
dach den deutschen Vorschlägen mußten u. a. Vassagierdampfer, 
ie einschließlich ihrer Besatzung 75 Personen und mehr an 
zord haben, mit einer funkentelegraphischen Einrichtung von 
nindestens hundert Seemeilen Reichweite ausgerüstet sein. Alle 
Passagierdampfer sollen als Dampfer gelten, die überwiegend 
ur Beförderung von mindestens 25 Personen eingerichtet sind. 
Der gleichen Verpflichtung sollen auch alle Frachtdampfer unter⸗ 
erworfen werden, die mehr als 60 Personen an Bord hahen, 
musgenommen für die Nord- und Ostseefahrten sowie das Mitte!- 
ländische und Schwarze Meer. 
Goethe-Denkmal für Chikago. 
W. München, 27. Sept. In der Königlichen Erzgießerei 
'and eine Besichtigung des vom Schwabenverein in Chikago 
n Auftrag gegebenen Goethedenkmals statt, wozu der Prinz⸗ 
egent. Prinz Alfons, Staatsminister von Knilling, 
on Breuning, hervorragende Vertreter von Kunst und 
Bissenschaft erschienen sind. Das Denkmal, ein Werk des Pro— 
esjors Han-München, ist mit dem Soclel etwa 9 m hoch und stellt 
ine gewaltige, harmonisch schöne Jünglingsfigur, die nur 
rit einem leichten Ueberwurf bekleidet ist. dar. Der rechte Fuß 
zützt sich auf einen Felsbloch. Auf dem Knie hat sich ein Adler 
iedergelassen, der mit stolzer Ruhe in die Ferne schaut. Vor 
er Statue wurde ein Lorbeerkranz mit den deutschen, bayerischen 
ind amerilanischen Farben niedergelegt. Der Prinzregent, auf 
en das Kunstsiüch ersichtlich einen tiefen Eindruck machte, zog 
en Präsidenten des Denkmalfomitees, Harrn Rubens. in ein 
angeres Gelvpräch 
* 
Berlin, 26. Sept. In der Zeit vom 23. bis zum 26. Oilt. 
hird in Berlin die gemeinsame Tagung der deutschen 
ind englischen Abteilung der von Sir Ernest Cassel errichteten 
dönig Eduard VII. Britisch-deutschen Stiftung 
tattfinden. Der Kaiser wird sämtliche Mitglieder der Ah⸗ 
eilung empfangen und zur Frühstückstafel einladen. 
W. Dresden, 27. Sept. Unter zahlreicher Beteiligung 
and heute die FEinweihung der neuen, mit einem Kosten⸗ 
ufwande von 1264 000 Meerbauten Weißeritztalsperre 
ei Malter statt. Anwesend waren der König, der Kron⸗ 
rinz und Prinz Friedrich Christian von Sachsen, 
owie die Staatsminister Graf Vitzthum von Echtädt und vnn 
zendewẽtz. 
W. Grisolles, 27. Sept. Die lbeichte Besserung im 
zefinden des Oberstleutnants v. Winterfeldt hält 
ruch heute an. Die Nacht war ruhig. Die Temperatur betrug 
eute früh 36,8, der Puls 96, der Atem 22. Die Verlekung der 
dunge heilt langsam ab 
W. London, 27. Sept. (Meldung des Reuterfschen Bureaus.) 
Dder König bder Griechen hatte heute nachmittag eine 
zusammenkunft mit Sir Edward Grey im Auswärtigen 
Imt. Die Lage auf dem Balkan soll zur Besprechung ge⸗ 
ommen sein. 
WM. Belgrad, 27. Sept. Der Krieasminister hat die 
kinberufung der Wehrpflichtigendesersten Auf⸗ 
zjebots, das 12 Regimenter umfaßt, angeordnet. Wegen 
»er grohen Ttuppentransporte ist der Perfonenverkehr auf 
on EEisenhahnen eindoeisfollt morde 
W. Rio de Janeiro, 27. Sept. Telegramme aus Belbem 
m Staate Para geben beharrlich auftretende Gerüchte von der 
krwordung des Gouverneurs des Staates Amq— 
ronas, Pedrosa, wieder. Einzelheiten fehlen. 
* 
Prozeiz Branb umd Geiw fsen. 
W. Berlin. 27. Sept. Am 23. Okt. wird vor der 11. 
Straflammer des Königlichen Landgerichts die Hauptvechänd— 
ung gegen Brand und Genolsen beginnen. Es ist dies 
»ie Bezeichnung, unter der die sogennante Kruppaffäre die 
Berichtsbehörde beschäftigt. Die im Februar d. J. zueest 
jegen Brand und zwei andere Angestellte der Firma Krupp 
angestellte Untersuchung hat zeitweise einen großen Umfang an— 
genommen und sich im ganzen gegen 11 Personen gerichtet, 
von denen 10 als Leiter oder Angestellte der Firma Krupp 
ingehören oder angehört haben. Die Staatsanwaltfchaft hat 
iber nach Abschluß der gerichtlichen Voruntersuchung die 5ffent⸗ 
iche Anklage nur gegen drei der Angeschuldigten aufrecht er— 
zalten und auch von diesen hat das Gericht noch einen außer 
Verfolugng gesetzt, se daß sich in der mündlichen Verhandlung 
leben dem bereits aus der Verhandlung des Königl. Kommon— 
anturgerichts hierselbst gegen Kilian und Genossen vekannten 
Berliner Vertretetr der Firma Krupp, Maximilian Brand noch 
einer der Leiter der Essener Fabrik zu verantworten haben wird. 
Gewaltige Feuersbrunsi. 
W. Bagen, 27. Sept. In der Ortschaft Meinerz 
zagen-Vollimetal ist heute morgen in der Krugmann— 
chen Bremnerer Feuer ausgebrochen, das das Anwesen rasch 
inäscherte. Trotz energischer Löscharbeiten ist das Feuer auf 
»ie benachbarten Häuser übergesprungen. Zwanzig An— 
vesen brennen. In den in den letzten Tagen eingebrachten 
reldfrüchten findet das Feuer reiche Nahrung. Die Bewohner 
saben nur das nackte Leben gerettet. Zahlreiche Feuerwehren 
rus der Nachbarschaft sind zu Hilfe geeilt. 
— Das Großfeuer, das seit heute mittag wütet. 
at 24 Wohnhäusßer, darunter zwei Wirtschaften, eine 
Bzuchdruckerei, eine Brennerei und das Geschäftslokal des Kon— 
umpereins eingeäschert. 33 Familien mit 200 Berso— 
ren sand obdochlos und refteten kaum das nafte Leben. 
W. Zweibrücken 27. Sept. Das Pfälzische Schwurgerich 
derurteilte nach dreitägiger Verhandlung den Mörder Em! 
Klingel wegen Mordes des Händlers Linder dem Antrege 
des Staatsanwalts gemäß zum Tode und lebenslänglichen 
Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Der Fabrikarbeiter Lud 
vig Schlagmann und der Lackierer Otto Müller, beide aus 
Kaiferslautern, wurden wegen Beihilfe zu je einem Zahr Ge— 
äãnganis verurteilt. 
W. Lorient, 27. Sept. Ein Semkkasten, in dem 
ehn Arbeiter beschäftigt waren, stürzte infolge ciner Ex— 
plosion kompröomierter Luft im Hafen um und 
ank. Sieben Arbeiter wurden schwer verletzt. 
cin achter kam tot an die Oberfläche. Man mußte den 
ieben Meter tiefliegenden Senkkasten zertrümmern, um die 
Leichen der letzten beiden Verunglückten zu bergen. 
W. Poliama, 27. Sept. Bisher sind acht Personen an 
COhoibera erfrankt. drei sind gestorben. 
W. Kaiserliche Marine. Eingetroffen: „Sertha“ an 
26. Sept. in Halifax, „Hyäne“ am 26. Sept. in Helgoland. — 
In See gegangen: „Hyäne“ am 25. Sept. vyn Wil— 
helmshaven. 
Bunte Chronik. 
DT. Ein falsches Mordgerücht. In einem Hauste 
»er Gabelsbergerstraße in Berlin wurde Freitag mittag 
ie 42 Jahre alte Prostituierte Auguste Rollect tot aufge— 
unden. Die Frau unterhielt mit einem Händler ein Ver 
ältnis, seitdem sie von ihrem Manne getrennt lebte, und war 
erzkrank. Im Anfang hielt sich das Gerücht aufrecht, die 
rranu lei erdrosselt worden, und die Polizei hat auch, um 
ich für alle Fälle zu decken, eine Belohnung von 1000 M 
rusgesetzt für Mitteilungen, die ein eventuelles Verbrechen auf 
lären könnten. Sie seshit algubt nicht an einen Mord 
DT. Ein Reisender auf Straßenbahnunfälle 
Wegen mehrfacher Schwindeleien wurde in Damzig der stellen— 
ose Seemann Karl Schmidt verhaftet. Er hatte in verschiedener 
Städten versucht, von Straßenbahngeselsschaften auf Grund eines 
mngeblich erlittenen Unfalls Entschädigungen zu erhalten. An— 
zrei Orten ist ihm dies auch geglückt. In Danzig wurde er 
zer einem ähnlichen Schwindelmanöver festgenommen. 
PO. Das Schicksal des Perlenhalsbandes. Das 
herühmte Perlenkollier, dessen Diebstahl und mysteriöse Ent— 
dechung seit Wochen die Polizei von London und Paris in Auf 
egung erhalten hat, soll an einen Brüsseler Juwelenhändler zum 
Nraise poan 2 Marsf Marf höorkrufft morden foin 
Gerichtszeitung. 
t nt —— 
Verletzung von Kindern auf dem Felde. Viele Mütter, die 
vurch Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen, sind gezwungen, 
hre kleinen Kinder an die Arbeitsstätte mitzunehmen. Hier 
ind sie kaum in der Lage, auf die Kinder zu achten, und 
iefe kommen manchmal zu Schaden. Einen solchen Fall hatte 
ürzlich das Reichsgericht zu entscheiden. Es handelte sich um 
nen dreijährigen Jungen, der bein Mähen eines Roggrn⸗ 
sckers durch die von dem Bauer geführte Mähmaschine erfaßt 
ind schwer verletzt wurde. Der Junge und sein Vater klagten 
uuf Ersatz des Schadens. Das Oberlandgericht sprach ihnese 
iur die Hälfte des Schadens zu, weil die Mutter durch ihre 
Inachtsamkeit den Unfall mit verschuldet habe. Das Rieichs-— 
rericht hat aber enfschieden, daß weder der Knabe noch lein 
hater das Verschuunden der Mutter zu vertreten brauchen und 
s ihnen deshalb nicht entgegengehalten werden kann. Der 
zauer ist desbolbh zum Ersatze des gonzen Schadens ver— 
rfeis⸗ 
— D——————— 
ιια — .
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.