Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

holen zu durfen, verbietet ja sein hohes Alter das Erscheinen 
wenn es nicht schon die Erinnerungen täten. Aber der hoch— 
herzige und zielstrebige Erbe feines Thrones, Erzherzog 
Franz Ferdinand, gedenkt mit einem großen Stabe von 
über 50 Personen, insbesondere auch dem Kriegsminister von 
Krobatin und dem Generalstabschef Go nrad v. Höuen⸗ 
dorf sich zu der Feier aufzumachen. 
Mehr die Zufälligkeit eines gemeinsamen Hasses als eigene 
Liebe hatten zu der „Völlkerschlacht“ auch Nationen herbei⸗ 
geführt, die im gewöhnlichen Laufe der Dinge dem deutschen 
Gemüt mindestens ebenso fremd sind, wie das gallisch-fränkische 
Mischvolk, dessen Kriegern wir so oft auf dem Schlachtfelde 
gegenũübergestanden haben. Das gilt weniger von den immerhin 
noch stammvperwandten Schweden, die 1813 zu einem will⸗ 
kommneren Besuche auf deutscher Walstatt erschienen waren. 
als öfters vorher; vielmehr ist es hauptsächlich von den Rufsen 
gemeint. Die Bedrohlichkeit der französischen Uebermacht hatte 
bereits bei Eyplau und Friedland die Sieger von Zorn⸗ 
dorsf mit den Besiegten zusammenkämpfen lassen. Im Soch— 
winter von 1812/13 war nach längerem Widerstreben des preußi⸗ 
schen Hofes das Bündnis von Karisch zustande gekommen, 
und man darf anerkennen, daß es bis zur vollständigen Nie— 
derringung Napoleons ehrlich gehalten wurde, erst die über⸗ 
grohen Landforderungen Rußlands auf dem Wiener Kongreß 
gaben den Bedenken des schon 1807 arg getäuschten Königs eine 
nachträaliche Berechtigung. 
Obwohl wiederholt von einem Erscheinen des Zaren 
bei der Leipziger Feier die Rede war, darf man wohl stark 
an diesen Gerüchten zweifeln. Mit der Entsendung eines Groß— 
fürssen würden wir, die gute Absicht dankbar anerkennend, 
vpollauf zufrieden sein. Freilich ist die Zahl der Großfürsten, 
die rieber deutsche Freundschaften pflegen helfen als fram 
zösische, nicht alla groß. Diesem Einfluh war es wohl auch 
zuzuschreiben, daß man bisher während der nun schon acht 
Erinnerungsmonate einer großen Zeit so wenig von einer 
seelischen Anteilnahme Rußlands, selbst seiner amtlichen Kreise, 
gehört hat. Mit dem rein nationalen Romanvw⸗Jubi 
läum übertäubte man dort der Zeit nach näherliegende Er—⸗ 
innerungen. Und selbst beim Gedächtnis von Moskaus 
Brande hat man die nationalen Instinkte so geschicht ge⸗ 
dämpft, daß bei Rußlands überempfindlichem Bundesgenossen 
keine Verstimmung aufkommen konnte. 
Zur Enthüllungsfeier sollten nach feither unwidersprochen 
gebliebenen Zeitungsnachrichten außer den deutschen Fürsten 
und Vertretern der Reichsbehörden offiziell auch die Mät— 
glieder des Deutschen Reichstages eingeladen werden 
Ob Bedenken wegen des Platzes oder ob Etikettenfragen einer 
Einlädung des Deutschen Reichstages noch entgegenstehen: jeden⸗ 
ialls befindet sich die Angelegenheit heute, drei Wochen vor 
der Enthüllungsfeier, noch immer im Zustand der Exwägungen. 
Der Aufftand in Albanien. 
Serbische Truppen verließen Donnerstag abend 7 Uhr in 
kilmärschen ihre Garnisonen an der Südspitze des Ochridasees 
ind begaben sich nach Ochrida, dessen Bevölkerung von einer 
Ranik ergriffen ist. Die Einwohner fürchten, daß die Albanesen 
cie Stadt besetzen werden. Sie sandten daher dem Komman—⸗ 
danten von Goritza eine dringende Depesche, in der sie so— 
kortige Entsendung griechischer Truppen erbaten. Diese gingen 
cfort ab und besetzten am Freitag morgen Starowa. J 
Die serbische Gesandtschaft in Petersburg hat 
durch die Nowoje Wremjia, dann auch durch beeinflußte Mit⸗ 
cilungen in anderen Blättern einen grimmigen Feldzug 
gegen Oesterreich und Bulgarien eröffnet. Sie be— 
auptet. daß die albanesischen Banden mit öster— 
rerhischen Waffen versehen seien und von bulgarischen 
Offizieren geführt würden. Demgegenüber stellt der 
vbgarische Minister des Aeußern, Ghenadiew, in einem Inter⸗ 
view lategorisch in Abrede, daß sich unter den albanesischen 
Aufständischen bulgarische Offiziere befänden und Bulgarien an 
der Vorbereitung und Durchführung der albanesischen Be— 
wegung irgend einen Anteil hätte. 
Das serbische Pressebureau erklärt, ermächtigt zu sein, die 
Peeldung der Agence Bulgare über eine angebliche Auswande⸗ 
rung von Hunderten von Personen nach Bulgarien, quf das 
entschiedenste zu dementieren. Desgleichen entbehren die Nach- 
richten, daß der Kriegsminister dem König sein Entlassungsgesuch 
er kriegen, der Riemer, wenn er sieht, wie uns de Lait' das 
Haus einlaufen werden! Und de Hauptroll' in mein'm neien 
Stich is Ihnen a so zu sag'n auf den Laib geschrieben. Der 
Lattinger hatte se schon halb studiert gehabt — a Gemainheit 
ist's von den Wienern! Na, aber schadt nix, macht nix 
Sie stell'n mer den Erbprinzen Botho mindestens ebensogut auf 
de Biehne. Was sag' ich? Besser noch viel rassiger, echter! 
Der Lattinger — ganz unter uns gelagt — er war schon a 
bisjel sehr abgedackelt. Wissen Se, wenn man so an die zehn 
Jahr' seine Faxen macht — im Grund immer dieselbe sade Ge— 
schichte — ohne unferm bewährten Hauspoeten zu vahe zu 
treten — also, ganz im Vertrauen, ich gönn' ihn schon den 
Wienern. den Lattinger! Aber Sie — frisch, unverbraucht, 
Sie machen einen ganz anderen Kerk aus dem Erbprinzen. 
Aiso skhmusen Se mer nich lang 'erum — mach'n mer das 
Geschäft! Ueber de Gasch' werd'n mer uns schon einig werd'n. 
Se wissen's ja schon eh: der Larun, das is a Mann, der 
mit sich reden laßt. Leben und leben lassen — immer sein 
altbewährter Grundsatz, bei dem alle beiden Teile gut fahr'n.“ 
Aber Keßler schüttelte lachend den Kopf. 
„Nee, nee, lieber Freund — so weit sind wir noch lange 
nicht. Ich hab' Sie zwar ruhig ausreden lassen, aber wo 
denken Sie hin — ich und in Ihrem Ausstattungszirkes? 
Wie klönnen Sie mir so etwas im Ernst zumuten!“ 
Ausstattungszirkus? No, sind Se so gut! Bei mir wird 
schon a gute Komedie gespielt. Daß man freilich der Dar— 
fteillung a bissel nachhelft, mit feschen Kostihmen und feschen 
Waibern — na, Malheur! Also tun Se sich nix an, mein 
Lieber. Und seh'n Se, ich denke, es müßt' Ihnen auch ange— 
nehmer sein, Se hab'n wieder a festes Ankaschemang, als daß 
Se so 'erumvpagabundieren in der Welt. Namentlich, wenn man 
a junger Ehmann is, wie Sie, und obenein noch a so a bild⸗ 
schöne Frau hat. Sie — ich hab' nämlich die Ehr' gehabt, 
die Frau Gemahlin auch zu sehn, in Frankfurt. Der Fallingert 
hat se mer gezaigt. Grad' in der Nebenlosch' hat se gesessen. 
Mein Komplement, Herr Keßler — a Beautte, q gamz a exquisite 
Beaute, de Frau Gemahlin!“ 
Seinz Keßler runzelte die Stirn. 
„Lassen wir das. Wir reden doch hier vom Geschäft, 
lieber Larun.“ 
(Fortsetzung folat.) 
interbreitet habe, jeder Begründung. — Weiter veröffent— 
icht das Pressebureau folgendes Communiqus: Wie wir 
ereits gemeldet haben, hat die Regierung die Mobilisierung 
»es ersten Aufgebotes der Morawadivision angeordnet. Die 
Meldungen über die Mobilisierung anderer Divisionen fsind 
richt zutreffend.“ — Durch einen Freitag veröffentlichten Ukas 
vird die Einberufungsorder für eine Uebungsperiode bestätigt 
Die Reservisten leisten die Uebung nicht außerhalb der alter. 
ßrenzen ab. Zur Verteidigung der Gebiete gegen die Albanesen 
verden die bereits entsandten altiven Truppen verwendet. 
Ddie von der Agence Bulgare verbreiteten Nachrichten über 
igebliche Angriffe serbischer Abteilungen auf bulgarische Posten 
in der serbisch-bulgarischen Grenze sind falsch im Gegenteil 
atten die Bulgaren Störungen an der alten und 
in der neuen Grenze versucht. Die Regierung hat die 
Tatsachen bereits der wussischen Gesandtschaft in Belarad zur 
Kenntnis gebracht. 
In offiziellen Kreisen Roms gibt man zwar die Tatsache 
riegerischer Vorbereitungen zu, erklärt jedoch, daß eine mili— 
ärische Intervention Italiens mit Oesterreich oder 
iner anderen Großmacht nur als letztes Hilfsmittel in An— 
vendung kommen könnte. Es ist nämlich eine. Abteilung 
Adiner Alpenjäger, die zur Eskorte der Grenzkommifsion für 
Nord⸗Albanien beftimmt ist, in Brindisi eingetroffen und geht 
heute nach Skutari weiter. 
utb 
Ein neuer griechisch⸗türkischer Krieg? 
Der Pariser Temps läßt sich von seinem Spezialkorrespon⸗ 
oenten aus Athen melden, daß die griechische Regierung be— 
chlossen habe, die Türkei aufzufordern, Klarheit in die Situa 
ion hineinzubringen und die Verhandlungen abzuschließen, wi 
drigenfalls ernste Verwicklungen bevorstehen könnten. Dem hat 
wie aus bestunterrichteter diplomatischer Quelle verlautet, die 
Türkei auch entsprochen, indem der Ministerrat in Konstanti— 
iopel am Freitag beschloß, nicht weiter aquf die exorbi— 
ranten griechischen Forderungen einzugehen und 
die Verhandlungenabzubrechen. Die Türkei verlangt 
aunmehr die Herausgabe der Inseln Chios und 
Muythelene. Die fürkische Regierung hat sofort gegenüber 
bon Chios an der kleinasiatischen Küste große Truppenmassen 
gesammelt. Man befürchtet das Schlimmste. Auch sollen 
mie aus diplomatischen Kreisen in Konstantinopel gemeldet wird 
beträchtliche türkische Streitkräfte bis Gümüldschina in das neue 
griechische Gebiet vorgedrungen sein und Melnik und Melrokop 
bedrohen. Eine direkte Bestätigung steht allerdings noch aus. 
* 
Deutsches Reich. 
W. Veteranenfürsorge in Elsaßz⸗Lorhringen. In der Straß— 
zurger Korrespondenz war in einem Artikel über Veteranen— 
ürsorge mitgeteilt worden, daß alljährlich an rund 12000 
Empfänger, Kriegsteilnehmer und Kriegsinvaliden, Beihilfen aus 
steichsmitteln nach Elsaß Lothringen fließen und zwar fast 
russchließlich für ehemalige französische Soldaten elsaß-lothrin— 
lischer Staatsangehörigkeit im Gesamtbetrage von rund 
800 000 M. Anknüpfend an die im Schwäbischen Merkur 
rschienene Veröffentlichung, die die wohlwollende Fürsorge 
des Deutschen Reiches für die alten französischen Krieger aner—⸗ 
annte, bemerkte die Wetterlésche Nouvelliste unterm 24. Sept.: 
Seinerzeit bei der Festsetzung der fünf Milliarden Kriegs⸗ 
intschädigung war ausbedungen, daß für die Elsässer, die voch 
mter den französischen Fahnen gekämpft haben, ein Spezial—⸗ 
onds zurückbehalten werde. — Diese Ausführungen, schreib 
ie amtliche Straßburger Korrespondenz, widersprechen der 
Tatsachen. Es ist unrichtig, daß ein besonderer Fonds auf Grund 
»er im Friedensvertrag übernommenen Verpflichtung für die 
Elsässer, soweit sie im Kriege unter den französischen Fahnen 
jestanden haben, bereitzuhalten war. In der Zusatzkondention 
»om 11. Dez. 1871 hat das Deutsche Reich lediglich die 
Militärpensionen übernommen, die vor dem 19. Juli 1870 
Angehörigen der abgetretenen Gebiete oder deren Witwen und 
Waisen aus der französischen Staatskasse gesetzlich zukamen. Mit 
ven in Frage stehenden Zuwendungen haben diese Militär— 
vensionen nichts zu tun. Erstere sind vielmehr eine auf dem 
reien Fnschsuß desz Doutshen Riches heruthando Vuforifsikbung 
Theater, Kunst und Wissenschaft. 
Das neue Königliche Schaufvielhaus in Dresden, das, wie 
schon berichtet, nach den Plänen der bekannten Architekten 
Lossow und Kühne (der Erbauer des Leipziger Hauptbahn—⸗ 
vofes) erbaut und am 13. Sept. d. J. eingeweiht wurde, dürfte 
den höchsten Ansprüchen genügen. Das Bühnenhaus besitzt 
ine gewaltige Höhe, Breite und Tiefe und isit 
nit den allerneuesten Einrichtungen der Bühnen 
echnik versehen. Die Kleiderablagen, Treppen und Gängt 
ind geräumiger als in jedem aderen Theater; was an Ver— 
esserungen der Beleuchtung, Lüftung, Heizung nur vorhanden 
st, wurde für Zuschauerraum und Bühne nutzbar gemacht — 
»loh auf die Kassenbeamten haben die Architekten keine Rück 
icht genommen, sondern ihnen einen Raum gegeben, der kleine! 
md dunkler ist als der im früheren Hause. Aber im allge 
neinen ist überall das Bestreben erkennbar, Räume von 
msehnlicher Wirkung zu schaffen und die neue Raumkunst zu 
Ehren zu bringen. Vier Portale führen aus dem Laubengange 
n das Kassenvestibül, von dem aus die Treppen nach den 
kKängen emporsteigen, während die Vesucher des Parketts aus 
hrer Garderobe auf einer breiten Mitteltreppe zu ihren Plätzen 
jgelangen. Der Zuschauerraum, der 1300 Personen faßt, steht 
nsofern in einem Mißverhältnis zu den Riesenmassen des 
Febäudes, als er durch die weit über das Parkett vorgezogenen 
Länge zunächst etwas kurz erscheint. Doch ist dies in der Ab— 
icht angeordnet worden, einen intimen Zuschauerraum zu 
chaffen, auf den die Hoftheaterleitung ganz besonderen Wer! 
egt. Im Zuschauerraum selbst ist aller Prunk vermieden 
WVeiß, grau und gold sind die vorherrschenden Farben, von 
»enen sich die goldbraunen Bezüge des Gestühls mit kräftiger 
duhe abheben werden. Die Bühne ist 14m breit, 10 m 
och und hat einen Flächenraum von 32: 25,5 4m. Vorplätze 
ür Statisten und Aufstellung von Zügen sind vorgesehen, die 
nkleideräume des Versonals sind geräumig und luftig, auch 
st ein grohes Konversationszimmer vorhanden. Im Bühnen— 
hause befinden sich ferner die Räume für den Intendanten und 
die Regie. Unter der Bühne zieht sich eine riesige unterirdische 
Zalle hin, in die sich der Bühnenboden ganz oder teilweise zum 
3wede der Verwandlungen herabsenkt. Hoffentlich macht man 
bei diesen allerneuesten Versenkungskünsten bessere Erfahrungen 
als im Opernhaus, wo seit der Einführung der neuen Maschi— 
nerien die Verwandlungen viel länger dauern als früher. Eine 
KRrahehühme ist im Dachgschynu untergebracht. wo sich auch die 
Es int also weiter unwahr, daß es französisches Geld sei, da. 
oie Veteranen beziehen. Diese Behauptung kann nichts an— 
deres bezwechen, als eine bewußte Irreführung der elsaß 
lothringischen Bevölkerung. 
a * 
Ausland. 
Italien. 
W. Auflösnng der Deputiertenkammer. Der Ministerrai 
ist Freitag nachmittag zusammengetreten, um über die Auf— 
lösung der Deputiertenkammer zu beraten sowie über die Ein— 
berufung der Wahler, über den Zeitpunkt der Wahlen und 
über das Exposé, das die Gründe der Auflösung darlegt und 
zleichzeitig mit dem Auflöfungsdekret veröffentlicht werden soll. 
Nach der Tribuna findet der erste Wahlgang am 26. Okt. statt, 
die Stichwahlen sollen am 2. Novp. stattfinden. 
Vortugal. 
W. Zum Meor daufschlag auf den Ministerpräsidenten. Die 
Zeitung O Mundo in Lissabon veröffentlicht aus dem Ge— 
jständnis der Verhafteten folgende Einzelheiten: Die 
fünf Syndilalisten seien dazu ausersehen worden, nachts in 
Lintra in den Park des Ministerpräfidenten Alfonso Costa 
rinzu dringen und eine Bombe gegen das Haus zu werfen. So— 
»ald der Minister am Fenster erscheinen würde, sollten ihn 
Revolverschüsse töten. Dies sollte das Zeichen zum Aus— 
bruch der Revolte sein. Nach Aussagen der anderen Ver— 
hafteten sollte der Kriegsminister Pereira Bastos in der gleichen 
Weiße ermordet werden. Radikale Republikaner und 
Monarchisten sollen zusammen in der Verschwörung ein. 
Türkei. 
I. Das türkisch⸗bulgarische Uebereinlommen betr. die 
Muftis besteht aus einer Sonderkonoention von neu: 
Artikeln, die auf der Grundlage der Konvention oom Jahr— 
909 die Art der Wahl der Muftis und des Obermuftis regelt, 
»er seine Investitur von dem Scheich ül Islam erxhalten wird. 
Die neue Verfügung bestimmt, daß in jedem Distrikte eine 
muselmanische Gemeinde gebildet werden soll, die von der 
oulgarischen Regierung als moralische Person anerkannt mird 
und die Vakufgüter auf ihren Namen wird eintragen und auch 
anderes Eigentum wird besitzen können. Die bulgarischen Ge— 
neinden in der Türkei werden alle Rechte anderer nicht musel— 
manischen Gemeinden genießen. Die türkischen Delegierten be— 
sarrten auf einer endgültigen Lösung der Frage der Vakufs. 
Die Kapitalisierung dürfte eine Summe non anderthalb 
Yillionen Pfund ergeben. 
PCO. Die franzsii ich⸗türlische Finanzkonvention. Fine S 
zialkommission hervorragender Politiker unter dem Vorsitz des 
Ministers des Innern, Talaat Bei, ist gestern zusammen 
zetreten, um die franzöfisch-tärkische Finanzkon 
vention zu studieren. Der Kommission hat sich auch O⸗sman 
Risami Pascha angeschlossen, welcher als Sachverständiger in 
finanztechnischen Fragen gilt. Die Arbeiten sollen außero-dent 
lich schnell vonstatten gehen, damit die Konvention sobald al⸗ 
möglich dem Sultan zur Unterschrift vorgelegt werden kann 
Dschavid Bei, der als der eigentliche Urheber dieser Konnentiuf 
zilt, wird den Verhandlungen beiwohnen, um gegebenenfall— 
ded d dienliche Aufklärungen die Arbeiten der Kommistion 
u erleichtern 
Heer und Flotte. 
DT. 22 Mill. Mefür Flugwefen. Wie die Braunschw 
Landesztg. melder, fordert der neue Reichsetat für den Aus 
hau des deutschen Fuugwesens für Heer und Marine 22 Mill. M 
21 Unterseeboste in der Front. Die Werft in Danzie 
tellte das 21. Unerseeboot fertig, das am 8. Febr. hd. J 
zu Wasser gelassen worden ist. „U 21“ tritt als drittes neues 
Unterseebbot in diesem Jahre zur Inspektion des Torpedo— 
wvesens. 
PC. Beim Abrchlußz der englischen Manöver hielt Könrs 
ßeorg eine aufsehenerregende Ansprache an den General— 
itab. Der König sagte: Bei den diesmäligen Manövern hab⸗ 
England die größte Truppenzahl, die es je im Felde hatte, 
gesehen. Aus den Uebungen gehe hervor, daß der Geist der 
Armee ein guter sei und ihre Organisation vorzüglich. Beton—⸗ 
ders bemerkenswert sei das Zusammenarbeiten der verschiedenen 
Truppengattungen gewesen. Am meisten aber freue er sich 
über das Anmachsen der Luftschiffahrt und der Flieger, die 
außerordentlich gute Dienste geleistet haben. Er Foffe, daß 
diefse Waffe weiter entwickelt werde. 
— — — — — —— — — — —— — 
Magazine und Abstellräume befinden. Der Bau erforderte 
2760 000 M. 
u * —e 
Anlähßlich der Erösfnung des Neuen Kgl. Schau'pielhauses 
wurden die Erbauer Prof. Lossow mit dem Rittterkreuz 
1. Klasse des Albrechtsordens sowie Architekt Kühne durch 
Lerleihmng des Titels Kgl. Professor ausgezeichnet. Ferner 
erhielten die Mitglieder der Generaldirektion Geh. Hofrat 
Or. Zeiß und Dr. Adolph das Offizierkreuz sowie der technische 
Dberinspektor Linnebach das Nitterkreua 2. Klasse des ge 
iannten Ordens. 
Der töncnde Notenauporat. Eine neue Erfindung für den 
Zchulgesangsunterricht von Ernst Gehlhar in Leipzig wurde 
Montag nachmittag in der Aula der 8. Bezirksschule an der 
Scharnhorststrahe vom Erfinder und Fabrikanten einer Ver— 
ammlung Leipziger Schulgesangspädagogen vorgejührt, die 
Zchuldirektor Engel geladen hatte. Der mit großem Scharfsinn 
jebaute Apparat besteht aus einer schwarzen Holztafel mil 
veihen Notenlinien und einer kleinen Orgelklaviatur von zwei 
Dktaven. Jede auf dieser gegriffene Note erscheint mit ihrem 
Ertönen in der gewöhnlichen Notenschrift auf den Linien, so dah 
zie Verbindung des Gehörs- mit dem Gesichts-Bilde eine Er— 
lärung der Intervalle, der Tonleitern mit ihren Ganz⸗- und 
Halbtönen, der Akkorde und enharmonischen Verwechselungen 
ungemein erleichtert. Das Erscheinen des Notenbildes kann dem 
Ertönen auch nach Belieben vorhergehen oder nachfolgen. In 
der Hand eines geschickten Pädagogen kann der Apparat ohne 
Zweifel viel Gutes leisten. 
Ein mnsilhistorischer Fund von ungewöhnlichem Interesse 
st jüngst auf dem schwedischen Rittergute Salshult in der 
Landschaft Schonen gemacht worden, das seit über 200 Jahren 
m Besitze der Familie Stalhammar sich befindet. Es handelt 
ich um alte schwedische Kriegsmärsche aus der Zeit 
im das Jahr 1700. Emige dieser Märsche waren teils wohl 
ʒelannt aus den Aufzeichnungen eines in Sibirien in Ge— 
angenschaft geratenen Militärmusikus, aber erst das Familien— 
archiv von Salshult hat die vollständigen Märsche an den 
Tag gefördert. Es sind das die Märsche, unter deren Tönen 
die alten Karoliner auch deutsche Lande durch;ogen. Direktor 
hedberg vom Dramatischen Theater zu Stochholm veranlaßte 
dah die historischen Märsche mit Erlaubnis des Besitzers 
zelegentlich der Freilichtsviele im Stochholmer Stadion ausde 
ührt wmurden.
	        
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