Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Zur Lage am Balkan. 
Man schreibt uns: Der kriegerische Zusammenstotz von 
Ulbaniern und Serben hat auf dem Balkan eine neue 
Krifis hervorgerufen. Daß letztere ihren lokalen Charakter 
berlieren und die Großmächte in Mitleidenschaft ziehen werde, 
st gegenwärtig nicht zu befürchten. Wenn Pariser Blätter 
don Unstimmigkeiten berichten, die wegen der albanischen Krisis 
inter den Großmächten hervorgetreten seien, so entspricht diese 
Darstellung schon deshalb nicht den Tatsachen. weil die Groß⸗ 
mächte sich mit der neuesten Ballankrisis eingehend noch gar 
nicht beschäftigt haben. Mit dem Uebergreifen auf serbisches 
Gebiet haben die Albanier trotz der dabei bisher erzielten 
Erfolge einen politischen Febler begangen. Denn so wenig 
die Großmächte zustimmen würden. wenn Serbien albanisches 
Bebiet sich aneignete, so wenig können sie darein willigen, 
daß Albanien den Serben Gebiete abnimmt, die der Londoner 
Vertrag Serbien zugesprochen hexrt. Der Londoner Vertrag 
ist vielmehr für die Großmächte nach wie vor maßgebend. 
Ein ungenannter österreichischerStaatsmann sa. D. 
der sich im Oktoberheft der Deutschen Repue (EEStuttgart, 
Deutsche Verlagsanstalt)h über den Bukarester Friedens— 
schluß äußert, hat den Eindruck als trüge das Ergebnis der 
Bukarester Abmachungen in den Augen der Beteiligten mehr 
den Charakter eines Waffenstilklftandes, als den eines ehr⸗ 
iichen Friedens. Eine Milderung der vorhandenen Gegensätze 
väre zu erhoffen, wenn die Balkanstaaten ihre Aufmerksam⸗ 
leit mehr der Hebung des öffentlichen Wohlstandes und deec 
kulturellen Güter als der territorialen Expansien zuwendeten. 
Die Voraussetzungen hierfür zu schaffen, sei die nächste und 
wichtiaste Aufgaabe. das gemeinsame Interesse der Völker des 
Balkans. wie nicht minder auch der Großmächte. Diese 
würden dabei zugleich die Rücwirkungen der neuen Ordnung 
der Dinge auf die Handels- und Verkehrsverhält- 
nisfe zu erwägen haben. Der europäische Export nach dem 
Südosten des Weltteils müsse damit rechnen, daß an Stelle 
des bisherigen türkischen Zollgebietes mit seinen mäßigen ein⸗ 
heitlichen Finanzzöllen eine Mehrheit von Staaten tritt, welche 
mehr oder weniger schutzzöllnerische Tendenzen verfolgen. Solle 
auch nicht verkannt werden, daß in Mazedonien, Thrazien, 
Epirus usw. sich die Chancen eines wirtschaftlichen Auf— 
chwunges und des Steigens der Konsumkraft eröffneten, so 
nüsse doch dem auswärtigen Handel Zeit gelassen werden, sich 
dem neuen Regime anzupassen; es wäre unzulässig, wenn 
ihm der Zutritt zu den altgewohnten Märkten durch übermähßige 
Schutzzölle oder durch engherzige Maßregeln der Verkehrspolitik, 
jei es eisenbahntariflicher, sei es schiffahrtspolitischer Art, er⸗ 
schwert würde. Die genannten Provinzen seien aber nicht nur 
als Handelsgebiete, sondern auch als Transitländer von 
Wichtigkeit für Europa. Es verstehe sich von selbst, daß, in⸗ 
ofern Teilstrecken der in Betrieb befindlichen Bahnen unter 
eine neue Territorialhoheit gekommen, dieser Wechsel an sich 
eine einseitige Aenderung der mit der Pforte abgeschlossenen 
Verträge nicht zur Folge haben könne. Des weiteren wäre 
in Betracht zu ziehen, ob das Interesse des internationalen 
Transits, dessen Entwicklung auch den Durchzugsländern zu— 
tatten käme. durch befsondere tarifarische Vereinbarungen ge— 
ördert werden solle 
E 
Die Albanische Korrepondenz erfährt von maßgebender Seite 
rus Valona: Bei der albanischen Bewegung handelt es sich 
'ast ausschließlich um Kämpfe, die die an Serbien abgetretenen 
Mkanier infolge der serbischen Unterdrüchung in den abgetrete- 
ien Gebieten führen, also um rein innere Wirren in 
Serbien, die mit dem albanischen Staate und dessen leitenden 
Männern in gar keinem Zusammenhang stehen. — Große Er— 
oitterung herrscht in Belgrad darüber, daß die Albanier 
weiter vorgehen und bereits vor Ochrida stehen, dessen 
kFinnahme bevorsteht, da dort mir eine geringe Besatzung 
oorhanden ist. Tiakowitza konnten die Albanier noch nicht 
nehmen, da die Angriffe von den Serben zurüchgeschlagen wur—⸗ 
den. Die Albanier rücken in zwe? Kolonnen vor. Eine Ko— 
onne sammelte sich in Elbassan und dringt gegen Ochrida vor; 
die andere, die bereits Tibra eingenommen hat, rückt gegen 
Resna vor. Die Albanier nahmen nach erbittertem Kampfe 
mit schwachen serbischen Truppen Galitschnik und Maw— 
rowo ein. Die Lage ist sehr ernst. Am Dienstag haben starke 
Abteilungen der Albanier Diakowa angegriffen; sie wurden 
iber zurücgewiesen und hatten gegen 400 Tote, 600 Verwundete 
ind 62 Gefangene Die Aschanier hereiften von zwei Seiten den 
er Kebßlers verwunderten Büick gespürt. Ohne jede Befangenhert 
trat er auf den Hausherrn zu und nickte dann wieder zu dem 
ßobelin hin. 
„Twch echt — hab's erst für Tapete gehalten — aber nu seh 
ch: wirklich Gobelin, sogar französ'scher Sehr scheen. sehr 
ediegen!“ 
Und den Kopf wiegend ließ er jetzt seinen Blich über den 
zanzen, vornehm ausgestatteten Raum gleiten. 
„Und was steht sonst noch zu Diensten. Herr Larun?“ 
Mit leiser Ironie und ein wenig herablafsend fragte es 
zeinz Keßler. 
Larun wandte nun sein Gesicht dem Hausherrn zu, ein 
piump geschnittenes Gesicht, aber mit einem Paar hochintelli— 
genten schwarzen Augen, halb voll Gutherzigkeit, halb voll 
VBerschlagenheit. Und dazu die hochgewölbten, beständig be— 
veqlichen Nasenflügel in dem gelblichen Antlitz. überragt von 
inem blauschwarzen Zaarschopf. Der Mann sah so einem 
Ausander ähnlich. Er kokettierte auch gern mit seiner ungari— 
chen Abkunft. Larun Moritz schrieb er sich mit Vorliebe. Böse 
Zungen freilich behaupteten, sein Stammbaum fsühre in das 
tiesste Galizien hinein. 
(Fortsetzung folgt.) 
Theater, Kunst und Wissenschaft. 
Zur Kolner Parfefal“.Auffitrunag. Die Ausstattung der 
Kölner „Parsifal“Aufführung wird Prof. Leffler und Hans 
Bildermann übertragen worden. —Für den, Parsifal“ lehnt 
mnan in Elberfeld besondere Aufwendungen cb. Die dor— 
igen Stadtverordneten haben die von der Theater-Verwaltung 
zesforderten 25000 Müfür die Ausstattung des Waanerschen 
„Parsifal“ nicht bewilligt. 
„Die Deutsche Bühne“, das amtliche Blatt des Deutschen 
Bühnenvereins, bringt in dem eben erschienenen Augustheft eine 
nteressante Betrachtung von Oskar Lange „Vornehme 
Kampfesweise“, die das Verhältuis der Genossenschaft zum 
Deutschen Bühnenverein berührt. „Aus den VRniängen des 
deutschen Hoftheaterwesens“ betitel‘ sich ein lesenswerter Aufsat 
»on Albert Beneke, während Werner von Blumenthal einige 
iachgemäße Bemerkungen über „Moderne Regie“ veröffenrlicht. 
DTer Syndikus des Deutschen Bühnenvereins“ ist mit einem 
Vormarschauf Monastix vor. Das Serbische Presse— 
pureau erklärt die Meldung der Albanischen Korrespondenz. daß 
ehn Albanier aus Lijuma von den Serben zu Gefangenen ge— 
nacht und vor den Generak Ziwkowitsch geführt worden feien, 
üvr unrichtig. Der General befinde sich noch in Belgrad, en 
önne also nicht die Gefangenen empfangen und ihnen gegen- 
ber dẽe ihm zugeschriebenen Aeußerungen getan haben. — 
kẽin Erlaß des Königs ermächtigt den Kriegsminister, die Reserve 
Iffiziere und Mannschaften des zweiten Aufgebots in Abteilungen 
zach Bedarf zur Waffenibung einzuberufen. 
F 
Deutsches Reich. 
Kaiferbesuch in Donaueschingen. In der ersten Hälfte des 
Monats Oktober wird der Kaiser zum Besuch des Fürsten zu 
Fürstenberg in Donaueschingen eintre ffen, und dann zur Ein— 
weihung des Völkerschlachtdenkmals nach Leipzig weiter reisen. 
Wehrbeitrag der Bundes fürften. Unter dieser Ueberschrift 
vird der Frankfurter Zeitung aus Mecklenburg geschrieben, 
nan werde die Zuversicht, daß die Bundesfürsten, sobald der 
Wehrbeitrag zur Erhebung gelange, ihren Beitrag so entrichten 
vürden, wie wenn sie den Bestimmungen des Wehrbeitrags— 
jesetzes unterworfen wären, nicht unbegrenzt teilen dürfen, 
enn eine Erklärung der medlenburgischen Regierung zeige 
ereits sehr deutlich das Bestreben, den Schweriner Landes⸗ 
errn nach Möglichkeit von der Pflicht der Steuerzahlung zu 
efreien. Demgegenüber sind die Mecklenburger Nachrichten zu 
er Erklärung ermächtigt, daß diese offenbar kendenziös gegen 
ie Großherzogliche Regierung gerichteten Mitteilungen des 
-„chweriner Gewährsmannes der Frankfurter Zeitung frei 
rfunden sind und jeglicher Grundlage ent— 
ehren. „Dies ergab sich“, so gibt das Blatt die Anschauung 
n den Schweriner Regierungskreisen wieder, „für uns übrigens 
hon ohne weiteres aus der Bestimmung des 8 35 Absatz 2 
»es Gesetzes über den Wehrbeitrag, nach der sür die Veran—⸗ 
rgung des von den Fürsten zu entrichtenden Wehrbeitrages 
esondere Behörden zu bestimmen sind, und aus der uns wie 
llgemein bekannten Tatsache, daß eine solche Bestimmung 
urch den Bundesrat noch nicht stattgefunden hat. Es konnte 
hon hiernach zurzeit für die Großherzogliche Regierung noch 
eine Veranlassung vorliegen, sich mit der Bemessung des von 
Zzr. Königl. Hoheit dem Großherzog zu entrichtenden Wehr— 
eitrages zu befassen. — Die Frage, in welcher Weise „die 
Zundesfürsten ihr Versprechen einlösen werden, wird die Be— 
ntwortung durch die Tat“ nach ausdrüclicher gesetzlicher Be— 
timmung frühestens im Jahre 18914 finden Fönnen. Was die 
nder Zuschrift der Frankfurter Zeitung weiter erörterte Be⸗ 
andlung des DomanialbKapital-Fonds betrifft, so ist es 
urchaus unzutreffend, daß Se. Königl. Hoheit der Großherzog 
ereits Erträgnisse dieses Fonds sür Zwece seiner Haushaltung 
erbraucht hat und daß gegen dieses Verfahren von liberalert 
zeite protestiert worden ist mit der Begründung, der Doma 
ial⸗Kapital⸗Fonds sei kein Privatvermögen, sonst nüsse von 
hm auch die Vermögenssteuer bezahlt werden. Daß unser 
andesherr sich der von sämtlichen Bundesfürsten übernom— 
nenen Pflicht zur Entrichtung des Wehrbeitrages auch nur zu 
inem geringsten Teile zu entziehen bestrebt sein könnte, gilt 
brigens für jeden, der mit den hiesigen Verhältnissen vertraut 
ist, von vornherein für ausgeschlossen.“ 
Spaltung bei den badischen Nationasliberalen. Die Rastakter 
Nationalliberalen haben auf die Entschliehung des engeren Aus 
chusses der Nationalliberalen Partei, die Kandidatur Nieder 
ühl, die entgegen dem Blockabkommen aufgestellt worden ist, 
4s nationalliberale Kandidatur anerkannt und beschlossen, diese 
dandidatur trotzdem aufrecht zu erhalten. Damit haben sie 
den Bruch mit der Parteileitung öffentlich vollzogen. 
Die Bildung des neuen Reichskriegsschates. Unter dem 
kinfsuß des günstigen Geldbestandes der Reichsbank hat die 
ienn zu schaffende Goldreserve inzwischen eine Höhe von 45 
Milionen Mark erreicht. Der Betrag würde noch höher sein, 
benn nicht die Herstellung der neuen Reichskassenscheine geraume 
zeit in Anspruch nähme. Die Goldreserve wird bekanntlich im 
lustausch gegen die neuen Kassenscheine aus den Beständen der 
leichsbonk gebildet. Nach einem Beschlusse des Bundesrats 
ommen dabei nur Zwamzigmarkstüche zur Verwendung, die in 
esonderen Tresoren der Reichsbank niedergelegt werden. Es 
st begreiflich, daß der sehr günstige Goldstand der Reichsbank 
ruf den die gegenwärtig anhaltende starke Ausfuhr deutscher 
Rrodukte in das Nussand und auch die Aufhebung der Beschrän— 
lufsatz „Die bösen guten Sitten“ und Friedrich Weber-Robine 
nit dem für Praktiker sehr empfehlenswerten Aufsatz Hebe— 
ind Senkvorrichtungen auf der Bühne“ vertreten. Hieran 
chließt sich wie immer „der praktische Teil“, der die Theater—⸗ 
nteressenten über Uraufführungen, Annahmen von Neuheiten, 
ber neue Theater und Direktionen, über Theaterbau und 
dechnik, über Personalien und Engagements weitgehendst orien⸗ 
iert. „Die Deutsche Bühne“ kostet jährlich 12 M, halbiährlich 
3M. Probenummern versendet der Verlag Oesterheld & Co. 
iuf Wunsch gratis und franko. 
Vom Tüusseldorfer Schaufpielhaus. Der Aufsichtsrat des 
schauspielhauses ist an die Stadtverwaltung herangetreten um 
Zewilligung eines Zuschusses von 50 000 Mefür die Spiel⸗ 
eit 1913/14. Zur Begründung weift der Ausschtsrat darauf 
»in, daß die Finanzschwierigkeiten bei dem Unternehmen noch 
ortbestehen und daß das Schauspielhaus in Zukunft nicht ohne 
zilfe der Stadtverwaltung auskonrmen wird. Zuschũüsse in 
nindestens gleicher Höhe werden von befreundeten Unternehmen 
eleistet. Die Stadtverwaltung empfiehlt der Siadt- 
erordnetenversammlung die Bewilligung dieses Zuschusses 
nter der Vorausletzung, dah das Schauspielhaus von der 
Direktion Tumont-Lindenaun meitergeführt wird. 
Wie man Burgtheaterdirektor wird. Davon plaudert 
derrann Bahr in feiner lebenswürdigen Art in einem 
Aufsatz, der demnächst in der Schaubuhne und später auch 
n einem Buch erscheinen wird als „Erinnerungen, an Burd- 
ard“. Wir find in der Lage, daraus bi⸗ interessanteste Anekdote 
ritzu teilen, wie Burckhard aus Versehen Theaterdirektor wurde. 
der damalige Unterrichtsminister, der den jungen begabten 
Beamten shaͤtzte lizs einen Baron kommen, der Banldirektor 
Id Intendant zugleich war, und wollte ihn diesem für die 
zank empfehlen. Der aber bezog den Wink auf das Burg⸗ 
heater und der Kanzleidirektor besorgte damn das weitere. 
Dieser“, so erzählt Bahr, wußzte Burchhard bei Freunden zu 
reffen, die wöchenrich einmal kegelten. Einst kam ex dahin 
ehr spät, man schalt ihn, und, er entschuldigte sich mit seinen 
Iraen im Burgtheater, „Welchen Sorgen?“ fragte jemand, 
Wir Vchen einen Direftor und, finden keinen, der dazu paßt, 
rwiderte er. Da sagte Burchard, die Kugel in der Hand 
iegend und die Knie gebeugt, um 43— „Ernennen S 
alt einen, dann paßt er. Es wird doch kein Mensch so un— 
atriotisch sein, daran zu ziweifeln, sonst läßt man ihn ver— 
aften.“ Der Kanzleidirektor age „Glauben Sie? Burch 
ard sagte: „In Oesterreich macht man das doch immer so. 
dann fuͤhren fie zu kegeln fort und Iprachen nicht mehr da⸗ 
son. Als sie foregingen, fragte der Kanzleidirektor: „Also 
ung für die Ausgabe kleiner Reichsbanknoten von wesentlichem 
Einfsuhß ist. ausgenutzt wird, um die Goldreserve so schnell 
als möqalich auf ihre gesetzlich festgelegte Höhe von 120 Mill. 
Mark zu bringen. Die Reichsbauk verfügt gegenwärtig immer 
noch trotz ihrer Abgaben an die Goldreserve über einen Gold- 
estand von mehr als 1,1 Milliarden Mark. Mit der Bil— 
»ung der Silberreserve in der gleichen Höhe von 120 Mill. 
Mark ist noch nicht begonnen, weil hierzu noch eine Reihe von 
Vorbereitungen getroffen werden müssen. Einmal hat noch 
die Auswahl der Zweiganstalten der Reichsbank stattzufinden, 
— denen ein Teil der Silberreserve aufbewahrt werden soll. 
Diese Zweiganstalten müssen mit ausreichenden Tresoren aus— 
gestattet sein. Der Reichskanzler hat auch noch anzuordnen, 
in welchen Munzgattungen die Silberreserve ausgeprägt wer— 
den soll. Sobald diese Vorbereitungen getroffen sind, wird 
nit der Prägung der Silbermünzen begonnen. Sie kann in 
»em laufenden Jahre ohnehin nur eine beschränkte sein, weil 
azu nur O Millionen Mark durch den Etat zur Verfügung ge— 
tellt nd. Für die nächsten Jahre werden bekanntlich die Ge— 
renne aus den Silberprägungen des Reiches zur Schaffung der 
Silberreserve verwendet werden. 
Die Verschiebung der Bevöllerung zwischen Stadt und 
dand. Das kaiserliche Statistische Amt hat die Ergehnisse der 
etzten Volkszählung verwertet, um einen Vergleich zwischen der 
kinwo hnerzahl aller Gemeinden von mindestens 2000 Ein- 
vohnern an den Zähltagen der letzten beiden Volkszählungen 
u ziehen. Hierdurch besteht die Möglichkeit, die Verschiebung 
er Beuölkerung zwischen Stadt und Land innerhalb der ein. 
elnen Bundesstaaten und deren Provinzen festzustellen. Die 
inwohnerzahl der Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern, 
„ie ttädtische Bevölkerung, ist in den fünf Jahren seit der vor— 
etzten Volkszählung um 0,51 v. S. gewachsen. Es enftfallen 
negenwärtig guf die städtische Bevölkerung 60,82 und auf 
ie laͤndliche Bevöllerung 38,98 v. H. der Gesamthevölkzrung. 
ie städtische Bepölkerung hat mithin seit der vorletzten Volfs 
ählung viermal so stark zugenommen, als die ländliche. Dieses 
VBachstum ist im wesentuichen durch den starken Zuzug zu er— 
lären, den die städtischen Gemeinden aus den ländlichen er— 
ahren haben. In Preußen beträgt die Gesamtzunahme der 
Bevölkerung 1 v. HB. die Zunghme der städtischen Be— 
ölkerung T,,2 v. S; aber immerhin macht die ländliche Be— 
»ölkerung noch 55 v. H. der Gesamtheit aus. Innerhalb der 
inzelnen Provinzen ist die Verschiebung sehr verschieden. Die 
jeringste Zunahme haben die überwiegend agrarischen Pro— 
inzen, und unter desen wieder Ostpreußen und Pommern 
nit 9,3 bezw. 0,4 y. H. Die höchste Zunahme hat Westfalen 
ehabt mit 2,8 v. S. Lehrreich ist gauch ein Vergleich zwischen 
iesen drei Propinzen in bezug auf die Verluste der kleinen 
ßemeinden an Bevöherung: von fämtlichen pommerschen Ge— 
neinden haben 35 v. H. von sämtlichen westpreußischen 25 
). H von den westfälischen aber nur 3. y. H. eine Abnahme 
»er Bevöllerung aufzuweisen. Zwischen diesen äubersten Grenzen 
er Zunahme von 6,3 v. H. in Ostpreußen und 2.5 v. H. in 
Vestfalen haben eine Zunahme unter 1 v. H. Vonimern- 
Bestpreußen. Sachsen; daruher Vosen, Schlesien, Schleswig⸗ 
dolstein, Hannoper, HessenMassau und Rheinprovinz. VBe— 
ücksichtigt hierbei ist nicht die Provinz Brandenburg, weil hie 
ser Regierungsbezirk Potsdam, in dem die Bexliner Vororte 
iegen, ganz besondere Verhältnisse aufweist. Die Bevölke— 
eungszunahme stellt sich hier auf 4 v. H. gegen o,5 v. H. 
in Regierungsbezirk Frankfurt a. O. Unter den Vororten 
Berlins sind Gemeinden vorhanden, die eine Zunahme von 20 
ind mehr p. H. erreicht hahen. Unter den übrigen arößeren 
Zundesstaaten schwankt die Zunahme der Beyölkerung zwischen 
8 in Braunschweig und 1,8 in Oldenburg. Die Abwanderung 
»om Lande in die Städte ist am stärksten in Elsaß-Lothringen. 
nämlich 2,v. H. am geringsten in beiden Mecklenburg mit 0.5 
2. H. Diese Jepiem. beweisen, daß ein Stillstand in der Ab— 
—— nach den Städten auch in der letzten Zeit nicht ein— 
getreten ist. 
Ausland. 
Desterreich⸗ Un garn. 
Der Rüciritt des Generalstabschefs v. Sötzendorf. Die 
Ueberreichung des Rüdlrittsgesuches Konrad von Hößendorfs 
wird jetzt auch von der halbamtlichen Allgemeinen Zeitung 
aus Budapest bestätigt. Als Hauptgrund wird eine Ange— 
legenheit angegeben, die vor Monaten großes Aufsehen er— 
regte. Damit ist jedenfalls der Verrat des Obersten Redl ge— 
meint. Mit den letzten Manöpervorgängen soll der Rügtritt 
nichts zu iun haben. Dies sei längst vorher bestimmt gewesen. 
Schweiz. 
Imterna tionale Arbeiterschutzlonferenʒ. In der Schluß⸗ 
itzung. der Internationglen Arbeiterschutzkonferenz prach der 
ranzoͤsische Delegierte Millerand namens der Konferenz dem 
chweizerischen Bundesrat den Dank für die Fastfreundschaft 
ind für die Einberufung der Konferenz aus. Er gedachte der 
Nänner. die die erste Konvention geschaffen, des Bundesrats 
Rrucher, Monte-Martinis, Neumanns und Waddingtons, die 
alle gestorben, find, deren Wert aber bleibe und wachse. Die 
Konferenz habe den Interessen der Humanität gedient, uhne 
5 
„duten Sie Vust?“ VBarauf Burckhard, der ihn mißversrand: 
Ja, gehen wir noch in ein Café!“ Darauf der Kanzleidirektor: 
„Das können wir auch, aber ich meinte, ob Sie Lust hätten, 
Burgtheaterdirektor zu werden.“ Da lachte Burchard laut 
ruf, mit jenem trompetenden „Ha“, das er gern, wenn er 
etwas ganz absurd fand, schallend in die Luft warf. Er wußte 
nicht, was der Burgtheaterdirektor können muß, aber er 
weifelte nicht, daß er es können würde, er zweifelte ja nie, 
»aß, wer irgend etwas kann, alles kann; es komme nicht 
arauf an was einer gelernt, sondern ob er Verstand hat. 
zo gingen, sie zusammen ins Casé und machten es ab. Des 
Aerhofmeisters und des Intendanten war der Kanzleidirektor 
icher, nur einer Schauspielerin nicht, auf die man bei Hofe 
zörte. Burckhhard kannte sie nicht und erkundigte 'ich bei dem 
danzleidirektor noch ihr. Dieser sagte: „Sie iht gern Mohn— 
beugeln, besonders die von Demel, darin besteht ihre Baupt— 
ätigkeit.“ Sie beschlossen also noch in der Racht zunr Hofzucker— 
zäger Demel zu gehen, läuteten dort an und erreichten es, 
daß sogleich frische Mohnbeugeln zubereitet und in gller Frühe 
an die Sgauspielerin geschickt wurden, mit einer Visitenkarte 
»es Ministerialvizesekxretärs Doktor Max Eugen Burdhard, 
er, als unbetannter, Verehrer der gefeierten Künstlerin einen 
hrfurchtsvollen Grub entbot. Am Nachmittag fuhr der ön⸗ 
endant bei ihr vor und begann, sie behutsam zu sondieren. 
Man müsse ja gun endlich Ernst inachen, das Burgtheater, der 
ilte Stolz der Wiener, könne nicht länger der Führung durch 
zinen kunstfinnigen und kunstbegeisterten, bewährten und er— 
fahrenen Theatermann entraten und dergleichen mehr, bis er 
uletzt auf Burdhard kam, in dem er noch am 88 eben 
enen erfahrenen und bewährten Theatermann gefunden zu 
aben glaubte, vorgusgesetzt natürlich, daß nicht etwa die ge— 
eierte Künstlerin einer andern Meinung darüber wäre. „Ich 
enne den Herrn persönlich noch nicht“, sagte die Schauspielerin, 
„aber ich weiß nur Gutes von ihnr.“ Und so war Burähard 
Pireitor des Burgtheaters geworden.“ dt. 
DT. Der Naghsolger für Erich Schmidt an der Beriner 
Aniversität. Dr. Julius Petersen, Ordinarius der deutschen 
Literatur an der Universität in Basel, wurde als Nachfolger 
Erich Schmidts nach Berlin berufen. 
PC. Vom Deutschen Naturforschertag. Der Naturforscher⸗ 
ag in Wien bestimmte gestern endgültig als Ort der nächften 
Tagung Hannover und nahm die Wahlen in den Vorstand 
ind die wissenschaftlichen Ausschüsse vor. Zum stellvertreteaden 
Vorsitzenden wurde Prof. Hem pel⸗Dresden gewählt. In 
»er medizinischen Hauptgruppe waren die wichtigsten Referate 
»es gestrigen Tages der, Strahlenbehandlung gewidmet. Hier 
eferierte Prof. Paul Wich mann⸗-Hamburg uber Karzinom 
ind Radium. Er erklärte, das Radium und das Meso⸗ 
horium feien in der Tiefenwirkung Röntgenstrahlen weit— 
rus überlegen.
	        
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