Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Tagesbericht. 
Lübeck, 24. Septemnbe 
0 Der österreichische Kriegsberichlerftatter E. Reich? sreiherr 
Binder⸗Krieglstein hielt gestern abend im Marmorsaal des 
Stadttheaters vor einem größeren Auditorium einen Vortrag 
über die Schrecken des Krieges in den letzten Kämpfen in 
Afrika und im Balkankriege. Was diesen Vortrag besonders 
interessant gestaltete, war die Persönlichkeit des Vortragenden, 
der seine fesselnden Schilderungen vom Kriegsschauplatz aus 
igener Anschauung geben konnte und der auch die zahlreich vor— 
zeführten Lichtbilder persönlich an Ort und Stelle der jeweiligen 
riegerischen Ereignisse aufgenommen hat. Aller Gefahren und 
kEntbehrungen ungeachtet, hat Binder-Krieglstein an allen Expe⸗ 
ditionen, Revolutionen und Feldzügen der letzten 17 Jahre als 
Kriegsberichterstatter teilgenommen. Es sind daher seine Bilder 
in der Tat, im Gegensatz zu so vielen phantasievollen, aber 
weitab vom Kriegsschauplatz, nämlich in Paris oder London, 
angefertigten Schlachtenbildern und kinematographischen Dar— 
tellungen kriegerischer Geschehnisse, von groder, oft 
erschütternder Realistik. Wenn seine Bilder auch immer nur aus 
einiger Entfernung aufgenommen sind, da der Verlauf einer 
atsächlichen Schlacht überhaupt im Bilde nicht festgehalten 
werden kann, so sind sie dafür auch bis ins kleinste Detail echt. 
Mit eigener Lebensgefahr und groker Unerschrockenheit, oft 
n unmittelbarer Nähe eines mörderischen Kugelregens, sind 
diese Aufnahmen gemacht, die alle Schrecken und Grausam— 
keiten eines modernen Krkeges in lebenswahren Momenten 
dor Augen führten. Aus den erläuternden Schilderungen 
'onnte man entnehmen, dazß Herr Binder-Krieglstein, ein ehe⸗ 
naliger Offizier, auch ũber eine äußerst scharfe Beobachtungs⸗ 
zjabe und ein reiches, in langjähriger Praxis gewonnenes 
nilitärisches Wissen verfügt. Einleitend wies der Redner dar—⸗ 
auf hin, daß das Schlachtfeld eines modernen Krieges ein ganz 
anderes Aussehen als das eines Kolonialkrieges darbiete und 
daß alle Schlachtenbilder auch nicht annähernd der 
Wirklichkeit entsprächen. In einer kurzen geschichtlichen 
Erläulerung streiste dr Vont agende dann den gleich— 
eitigen Siegeszug und den gleichzeitigen Niedergang 
»er Mandschuren und Osmanen. Der Malissorenaufstand habe 
»en ersten Anstoß zu der Vernichtung des Türkenreiches gegeben 
und auch die Italiener zu ihrem Einfall in Tripolis veranlaßt. 
dieser italienisch-türkische Tripoliskrieg wurde nun von dem Vor— 
tragenden an der Hand von originalen Lichtbildern in sehr ein⸗ 
zehender Weise erörtert. Binder-Krieglstein hat zuerst auf 
talienischer, infolge unwürdiger Behandlung später aber auf 
ꝛrabischer Seite am Kriege teilgenonmmen und wußte mit feinen 
esselnden, oft von Humor durchwürzten Schilderungen über 
»en ganzen Verlauf des Feldzuges das größte Interesse zu er— 
vecken. Er zeichnete manches Bild von dem traurigen Verhalten 
»er Italiener, das in der madernen Kriegsgeschichte ganz ohne 
Beispiel sei, trotzdem die Ausrüstung ihrer Armee eine in jeder 
Beziehung glänzende war. Shlachtenbilder aus den Oasen und 
der Wüste von Tripolis wurden gezeigt und die auf beiden Seiten 
begangenen Grausamkeiten gebrandmarkt. Sehr anerkennend 
prach Herr Binder-Krieglstein sich aus über die ihm zuteil ge— 
vordene Gastfreundschaft von Franzosen, mit denen er dort in 
Berührung gekommen ist. Der Vortragende war es auch, der 
as Lügengewebe der in der Presse verbreiteten Siegesmeldungen 
»er Italiener zerstörte. Nach einer Pause begann der Redner 
mit der Schilderung des Balkankrieges, welchem blutigen Ringen 
er gleichfalls beigewohnt hat. Tie Verheerungen durch Choa 
jera und Typhus in den Armeen, die Fahnenflucht türkischer 
Soldaten und ihre Bestrafung durch den Hungertod, Bilder 
don Kirklilisse und Lüle Burgas zeigte der Redner noch in 
Wort und Bild, um dann infolge der vorgerückten Stunde 
eine Ausführungen zu beenden und die weitere Schil derung 
des Balkankrieges auf einen zweiten Vortragsabend zu ver— 
—RDDD— 
dollen Ausführungen durch reichen Beifall gedankt. Lebhaft 
Klage führte Herr Binder-Krieglstein über das Fehlen jeglicher 
Bedienung im Marmorsaal des Stadttheaters, da weder für 
die durch die Lichtbilder notwendige Verdunkelung des Saales 
eine Hilfskraft vorhanden war, noch das in den Wandelgängen 
zromenierende Publikum seitens des Vortragenden durch Glocken- 
zeichen oder Bedienung auf den Beginn des Vortrags sowte 
das Ende der Pause aufmerfsam gemacht werden konnte. 
Kinder gãr iner nnen⸗Seminar. Frauen⸗Gewerbe⸗Schule. In 
der letzten Woche fand im Kindergärmerinnen-Seminar vie Pru— 
fung statt. Die Prufung für Kindergärmerinnen in der Famine 
haben bestanden: Herene, Rings Anni Off, Gertrud Savemann, 
Henny Wiilenbrok und Anni Schulz. Eliy Markmaärcin erhielt 
ußerdem die Berechtigung zur Leitung eines kieinen Kinder— 
jartens. Die Prüfung, die zur Leitung eines kleinen Kinder— 
artens oder, auch zur Tätigkeit als Gehilfin in einem mehr— 
Miedrigen Kindergarten herechtigt, legtken ab: Anna Gädeke, 
dertha Bruhns und Anni Bödeker. Rachdem auch noch einige 
rinderpflegerinnen vor den Ferien ihre Abschlußprüfung ge— 
nacht haben werden, fangen am 14. Okl. die neuen Kurse fur 
dindergärtnerinnen und Kinderpflegerinnen an. Gleichzeiteg 
verden wir ersucht, darauf hinzuweisen, daß mit dem Kinder, 
zärtnerinnen-Seminar jeßt nicht nur der Kindergarten im 
Schulhause Johamisstr. 64 verbunden ist, sondern auch der 
St. Lorenz-Kindergarten, der bis jetzt Frl. Sievers gehörte, 
nin gber von der Frauen-⸗Gewerbe⸗Schule übernommen wurde. 
Die Leitung wird einer von der Frauen-Gewerbe-Schule ange— 
tellten Kmdergärtnerin übertragen. Die pädagogische Veraet- 
vortung trägt Frl. Rilkmann, die Leiterin des Kindergäri— 
terinnenSeminare der Frauen-Gewerbe-Schulse. Wegen der 
Anmeldungen, die schon jetzt entgegengenommen werden, foll 
emnächst gengaueres vekannt gemacht werden. Der Kindergarten 
ZIchwartauer Allee soll am 14. Okt. eröffnet werden. 
d. Die deutschen Mämergesangreresne und der Sänger⸗ 
tag in Koburg. Folgende kurze Zusammenfieilung der Be⸗ 
chlüsse des Deutschen Sängertages dürfte für alle Männer- 
jesangvereine dvon Intereffe sein Bezüglich der Organisation 
des Deutschen Sangerbundes wurde mit Pehrheit festgestent. 
daß landschaftliche Geschlossenheite sandschaftliche Ausschließlich⸗ 
eit“ bedeutet. Danach ist neu fich bisdenden Verbänden in Be⸗ 
irken, wo schon ein Bund ansäffig ist, die Aufnahme in den 
D. S.B sehr erschwert. Ausnahmen kann die Bundesleitung 
ulafsen, wenn sorche im Interefse des JD. S-B. iegen. Be— 
ufs: oder, Stantes-Verbände (J. B. der Vehrer⸗Turner-, 
Studenten-Gesangpereine) finden im D. S-B. feine Aufsahme. 
Bezüglich der Geschäftoführung wurde auf Anttag der nord— 
deutschen Bünde beschlossen? T. Daß der Bericht des Geiemit- 
ausschusses nach wie vor der Genehmigung des Saängertages 
bedarf: 2. daß lünftig »wei, Revisoren für die Vundenehannsg 
hestellt werden, die nicht dem, Gesamtausschußngehören; 
3. daß Bericht und, Rechnungslequng seitens des Fesamtaus- 
chusses kũnftig alliährlich (tatt bisher alle 5 Jahre) erstattet 
verden: 4. daß dei, Jubiläen von Vumdesvereinen, die 50. 
15, oder 1009 Jahre bestehen, eine Beglüdwünschung durch den 
esamtausschuß erfolgt; 5. daß allen Verbänden, die 59 Jabre 
»em Deutschen Sängerbunde angehßren, beim nächsten Bundes— 
este eine, Etinnerungsmedaille verliehen wird. Berglich des 
timmrechtes erreichten die nord⸗ und mitteldeutshen Bönde 
aß die beahlichtigte Schmälerung der Rechte der Heinezen 
ünde vom, Sängertage abgelehnt wurde, und bezüqglich der 
õnger Bundeszeifung wurde quf ihren Antrag eine Beore⸗ 
huns Eber die beablichtiglke Bezugspreiserhoͤhung zugelassen, 
n der sich alle Redner gegen diese Maßnahme aussprachen. 
Zezüglich der Deutschen Sängerbundezsfeste, war ein 
keil der Reformvorschäge der norddeutschen Bünde schon in 
en Vorlagen des Gesamtausschusses enthalten. Dagegen war 
ie Erweiterung der Rechte des Gesamtausschusses bezüglich der 
zängerbundesfeste bei dem Uebergewicht der süddeutschen Bünde 
icht zu verhindern. — Aus Norddeutschland wohnten u. a. 
»lgende Abgeordnete dem Sängertage bei; C. Dettmann— 
übed, San-Rat Streit-Kiel, Prof. Wiegand-Rostoch. C. 
Vormsbächer-Altona, J. J. Schaffler-Hamburg, Reinh. Bleschee. 
zamburg. 
DT. Der UAUeberichutz des Rüriberger Sängerfestes. Das 
m vorigen Jahre in Nürnberg abgehaltene 8. deutsche Sänger—⸗ 
est hat einen Ueberschuß von etwa 120 000 Mägebracht. 
Schöffengericht. Sitzung vom 23. Sept. Des Be⸗ 
ruges soll das Kontrollmädchen Anna F. sich dadurch schuldig 
emacht haben, daß es am 9. Mai sich von der Frifeurin 
N. einen Hut im Werte von 12 Misd Pfg. lieh unter der 
Ingabe, sie wolle den Hut nur vorübergehend benußen, und 
erschwieg. daß sie sofort abzureisen beabsichtigte. Die F. 
ehauptet den Vorsatz, sofort abzureisen, erst gefaßt g haben 
ls sie den Hut schon besaß. Sie wird nicht wegen Betruges, 
ndern wegen Unterschlagung zu 2. Wochen Gefängnis ver— 
rteilt. — Der HSehleren soll die Ehefrau Sophie P. sich 
adurch schuldig gemacht haben, daß sie von noch nicht straf⸗ 
aründigen Kindern Lubeca-⸗Marken, die von den Kindern ge⸗ 
ohlen waren, für ein billiges Geld ankgufte. Die Angeklagte 
immt nicht in Abrede, Marken angekauft zu haben, sie will 
ber immer, den reeslen Preis bezahlt und von dem unred- 
ichen Erwerb der Marken keine Ahnung gehabt haben. Sie 
ird freigesprochen — Der Anterschlagung hat der 
Irbetter Wilhelm Ba. sich schuldig gemacht durch wiberrecht— 
iche Aneignung eines Jackett⸗Anzugs und eines Paletots, welche 
achen er sich von dem Arbeiter G. geliehen hatte, Der 
Nngeklagte ist schon mehrfach wegen Diebstahls bestraft. Er 
rhält jetzt 3 Wochen Gefängnis. — Des Betruüges ist 
in Registrator Hermann La, angeklagt. Er soll fich don der 
firma J. für 116 MuüKleidungsstüde auf Kredit und unlfer 
er Verpflichtung monatlich 30 M abzubezahlen, durch die 
nwahre Angabe verschafft hahen, er sei Gerichtsbeamter. Nach 
Inzahlung von 18 Misoll er seit November 1811 Teine Zahlung 
beiter geleistet haben. La. leugnet, durch unwahre Angaben 
ich Kredit verschafft zu haben. Er habe wahrheitsgemäß an—⸗ 
egeben. bei der Lübeder Maschinenfabrif in Beschäftigung zu 
tehen. Er wird freigesprochen. — Der Ruhesthrung 
1und Beleidigung haf det Expedient Walter Afich schuldig 
emacht. indem er und eine andere Person in der Nacht zum 
6. Aug. in der Breiten Straße laut sangen und der Ange⸗ 
lagte dem einschreitenden Schußmann eine beleidigende Aeuße⸗ 
ung zurief. Das Urteil lautet auf ß5 Meev. 1 Tag Haäft 
nd guf 15 Meev. 3 Jage Gefängnis. — Des Diebstadis 
at die Verkäuferin Anna Pf. sich schuldig gemacht, indem 
e im August d. J. ihre Stellung im Holsstenhaufe dazu be— 
utzte, sich eine ganze Anzahl Kleinigkeilen im Gesamtwerte 
on 10 Muwiderrechtlich anzueignen. Die Tat fällt um so 
hwerer ins Gewicht, als die Angeklagte eine Aufsichtsstellung 
kleidete. Es wird auf 10 Tage Gefängnis erkannt. — 
er, fahrlässigen Körperverletzung hat sich der 
utscher Julius Hö. schuldig gemacht. Am 7. Aug, fuhr der 
ngeklagte mit einen, von ihm geleiteten Fußrwert zum 
olstentor hinaus. Als er die Puppenbrüce passiert halte, 
og er, statt, wie vorgeschrieben, in weitem Bogen, in kurzem 
zogen in die Moislinger Allee ein. Dabei gchtete er gar 
icht auf sein Fuhrwerk, sondern unterhielt sich mit einer 
eben ihm sitzenden Person. Die Folge war. daß er ein 
7 Jahre altes Mädchen umfuhr, die dann Hautabschürfungen 
in verschiedenen Körperteilen davontrug. Das Urteil lauteit 
ruf 30 Meer. 6 Tage Gefängnisß. — Der Kuhestörung 
uind, bezw. des Wäderstandes haben sich schuldig ge 
nacht: J. der Schneidergeselle Paul Sch. 2der Frsseur— 
ehilfe Heinrich Kl. und 3. der Krämer Conrad Gu. In der 
dacht gum 29. Zuli lärmten die AÄngeklfagten in der Klemens— 
viete umher und kamen gquch der Aufforderung eines Schuß— 
annes, sich ruhig zu verhalten. nicht gleich nach. Als der 
Schutzmann dann die Personalien notierte, schuug Sch, den 
3eamten mit einem Handstock auf die Hanid, daß das Notiz- 
uch zut Erde fiel, auch stieß er ihn it dem Stod vegen 
en Leib. Wegen der Ruhhestörung wird auf je 10 Meev. 
Tagen Haft erkannt. Sch. erhält ferner wegen Widerstandes 
n ideeller Fonkurrenz mit Körperverleßgung 14 Tage Gefängnis 
7 Des Widerstandes hat sich guch der Isolserer Kari 
3. Ichuldig gemacht. B. wurde am 14 Sept. Rusammen mii 
iner anderen Person aus einer Wirtschaft an der Untertrave 
ergusgeworfen. weil sie dort Skandal machten. Als B. sich 
uuch draußen noch nicht beruhigen konme, sfollie er von 
inem Schutzmann zur Wache gebraͤcht werden. Nun aber warf 
r sich nigder und schlug,und stieß mit Händen und Fuhen 
im sich. Er erhält eine Woche Gefängnis. 
o5 Diebstähle. Festgenommen wurde ein Arbeiter aus 
Fackenburg, der drungend verdächtig ist, einem betcunkenen 
Ichneidergesellen Geld aus der Hosentasche gestohlen zu aden 
dem ihn festnehmenden Beamten gab er einen falfchen Namen 
n. — Einem Botoesitzer in Krumded sind aus einem Geichier 
chuppen zwei ziemlich abgenutzte Sielengeschirre mit lteifem 
dammdeckel für leichtes Gefpann, eine gelbe Pferdeleine und 
wer gelbe Wagendeden mit roter Einfafsung, gezeichnet „v. B.“, 
bhandengekommen, und vermuflich gestohlen vorden. Als 
ãter kommt ein Sattler in Frage. Petsonen, die jseit dem 
3. d. M, ähnliche Gegenstände gekauft haben, werden ersucht. 
ies der Kriminalpolizet mitzuteisfen 
Neueste Nachrichten und Telegramme 
der „L- A. und Z.“. 
Die Erledigung der Welfenfrage. 
DT. Berlin 24. Sept. Die Verhandlungen, die zwischen 
greußen und dem Hause Cumberland schweben, werden, wie 
unmehr feitsteht, in den ersten Oktobertagen zum Abschluß 
elangen. Ueber die Art und Form des Abschlusses nehen die 
Insichten auseinander. Die meisten in die Oeffentlichkeit ge— 
angten Nachrichten scheinen nzutreffend zu sein. So ent— 
ehrt die Meldung, daß Prinz Ernst August bereits focmell 
uf Hannover verzichtet habe, der Begründung. Nunmehr hat 
ie Tägliche Rundschau eine aus Kreisen, die den hraunschwei⸗ 
ischen Verhandlungen nahe stehen, stammende Information ge⸗ 
racht, nach der sich Preußen mit dem Briefe begnügen wird, 
en der Prinz seinerzeit an den Reichskanzler geschrieben hai, 
nd daß ein formeller Verzicht auf Hannover von iym nicht 
erlangt werden wird. Diese Nachricht wird in einigen Blättern 
1 durchaus ablehnender Weise kommentiert. Die Berlinet 
MNorgenpost schreibt, daß, trotzdem an der loyalen Gesinnung 
es Prinzen nicht gezweifelt werden kann, die loyale Gesinnung 
nes Einzelnen nicht für staatsrechtliche Maßnahmen genügt, 
ie die Jahrhunderte überdauern sollen. In Deutschland be—⸗ 
ehe immer noch die Tatsache, daß ganze Landstriche unter die 
fürsten nach Maßgabe der Mariagen und sonstiger verwandt⸗ 
haftlicher Beziehungen verteilt werden. Kreuzzeitung und Post 
ezweifeln die Richtigkeit der Nachricht und weisen ebenfalls 
uus staatsrechtlichen Grunden auf die ungenügende Form des 
berzichtes hin. Die Post fordert endlich einmal vor der 
khronbesteigung des Prinzen eine feierliche Abdankung des 
derzogs, eine verbindliche Verzichtleistung des Prinzen und 
eine eindeutige Absage an die Welfen. Es sei Pflicht des 
Zundesrates die Erfüllung dieser drei unerläßlichen Forde— 
ungen dur:chzusetzen. Die Kreuzzeitung schreibt angesichts des 
ßeburtstagsortilels der Deutschen Volks⸗Zeitung in Hannover, 
ß die Verhältnisse sich dann nur erträglich gestalten lönnen, 
venn das Cumberlandische Haus keine Zweifel darüber läßt, 
aßß derartige Kundgebungen nicht in seinem Sinne liegen 
Sie nimmt an, daß eine derartige Abficht auch nicht vorliegt 
da das Glüdwunschteiegramm aus Hannover an den Herzog 
bis jetzt keine Antwort gefunden hat und daß sie, falls sie doch 
erfolgt Jein soilte, ein reiner Höflichkeitsakt ist und jeder 
volitischen Bedeutung entbehrt. 
Troemels Zukunfisplũne. 
PO. Paris, 24. Sept. Die Mitteilungen der Schweizer 
Bresse, denen zufolge der frühere Bürgermeister von Usedom, 
Troemel, in der Schweiz angekommen sei, werden don der 
Pariser Presse dementiert. Troemel befände sich immer noch 
m Wilitärhospital in Oran. Er soll jedoch die Absicht haben, 
sich in Paris amzusiedeln und seine Familie dorthin nach— 
kommen zu lassen. 
Vom Balkan. 
W. Rom, 24. Sept. Die Agenzia Stefani meldet aus 
Letinie: Am Sonnabend ist mit Montenegro ein end— 
Jũltiger Abschluß zustande gekommen über den Vorschuß 
»on 6 Millionen Francs gegen Schatzscheine auf die 
nternationale Dreißig-Millionen-Anleihe, die Montenegro von 
»er Londoner Botschafterkonferenz bewilligt worden war. Die 
Rienthandelsgesellschaft in Mailand ergriff die Initiatioe zu 
ieser Operation, die dazu bestimmt ist, Montenegro in den 
»ringendsten Finanznöten nach der Beendigung des Krieges 
»eizustehen, die Banque de Paris et des Pansbao schloß sich 
hr aan. 
W. Belgrad, 24. Sept. Das Pressebureau neldet: Die 
von der ausländischen Presse veröffentlichten Nachrichten über 
iinen Zwist zwischen Serbien und Griechenland 
ind vollkommen unrichtig. Sie sind durch eine Mitteilung 
an den Bischof von Vodena hervorgerufen, welche besagt, 
daß er vom Tage der Annexionserklärung an die auf nun— 
mehr serbischem Gebiete gelegenen, den kirchlichen und Schul⸗ 
behörden Serbiens unterstellten Schulen nicht mehr besuchen 
dürfe. 
— Die Zeitungsnachricht, daß der König von Serbien sich 
zum Zar der Serben ausrufen lassen werde, wird von 
»em Presseburcau als so lächerlich bezeichnet, daß sie keines 
Dementis bedürfe. 
W. Sofia, 24. Sept. Die Agence Bulgare erklärt die 
rus Belgrad stammenden alarmierenden Nachrichten über die 
Ldage in Bulgarien, wo sich angeblich eine Revolu— 
ion vorbereite und daß sogar das Leben der aus— 
värtigen Vertreter in Gefahr sei, für absurde Erfindun— 
jen. In ganz Bulgarien herrsche fortgesetzt vollkommenste 
Irdnung, keiner der auswärtigen Vertreter sei irgendwie be— 
»roht. Speziell der französfische Gesandte, der nach den oben 
rwähnten Darstellungen, um einem Massaker zu entgehen, ab—⸗ 
zereist und Belgrad passiert haben soll, habe Sofia nicht 
herlassen. 
W. London, 24. Sept. Die Morningpost meldet aus 
Schanghai: General Changsuen stattete gestern morgen 
dem japanischen Konsulat in Nanking einen nsfi— 
iellen Befuch ab und euntschuldigte die bei den letzten 
tämpfen ersolgte Tötung von drei japanischen Bürgern. 
PC. London, 24. Sept. Eine förmliche Schlacht haben 
ich gester Polizei und Ulsterleute nach einer Ver— 
ammlung gegen das Homerule in Roslea in der Grafschaft 
Fermanagh geliefert. Als sich die Teilnehmer der Versamm— 
ung zu einem Demonstrationszuge aufstellten, versuchten Kon— 
tabler die Demonstranten zu zerstreuen. Sie wurden von der 
Menge mit Stöcken. Steinen und Sandsäcken angegriffen. Auch 
Revolverschüsse wurden auf die Schutzleute abgegeben. Die 
Polizisten befanden sich in einer sehr bedrängten Situation 
ind mußten wiederholt von der Waffe Gebrauch machen. Erst 
ie Ankunft von Verstärkungen konnte die Ruhe wiederherstellen. 
Die Fensterscheiben fast sämtlicher Läden der Stadt sind zer— 
rümmert. Auf beiden Seiten gab es zahlreiche Tote und Ver— 
wundete. 
— 
Radium für Krebsbehandlung. 
W. Fulda, 24. Sept. Mehrere wohlhabende Herren 
ichlossen sich zwecs Ankaufs von Radium für Krebs— 
»ehandlung zu einer G. m. b. H. zusammen und brachten 
30 000 Mäauf. Das Radium wird dem Landkrankenhaus Fulda 
ur Versügung gestellt werden. Aus den Extraeinnahmen der 
zehandlung mit Radium wird das Anlagekapital mit 5 Prozent 
erzinst. Der Ueberschuß findet zur Tilgung des Kapitals 
Berwendung. Nachdem das Kapital getilgt ist, geht das Ra— 
dium in den unentgeltlichen Besitz des Landkrankenhauses Fulda 
über. 
Eine dreifache Hochzeit in einer Mamheimer Familie. 
DT. Marnheim, 24. Sept. Die Feier eines seltenen 
Festes konnte gestern die Familie des in Mannheim ansässigen 
zigarrenmachers Vögele begehen. Vögele, der im Alter von 
4 Jahren steht, beging mit seiner 72jährigen Gattin das 
Fest der goldenen Hochzeit. Zu gleicher Zeit keierte eine Tochter 
das Fest der silbernen Hochzeit, während ein Enkel seine „grüne“ 
Zochzeit beging. Aus Anlaß dieses seltenen Festes erhielt das 
Goldenes Jubelpaar vom Rat der Stadt Mannheim wert— 
»olle Geschenke. Auch der Großherzog von Baden sandte eine 
ratulation. 
Graf und Tänzerin bei einrer Automobilfahrt verung!üdt. 
PC. Paris, 24. Sept. Die bekannte amerikanische Tänzerin 
Beronika Maxwell, deren nahe Beziehungen zu einem Mit— 
Wed der aristokratischen Gesellschaft des römischen Hofes, dem 
Hrafen Perigio, seit einigen Wochen in Paris der Welt, in 
ver man sich nicht langweilt, den Stoff zu pikanten Anekdoten 
hietet, ist gestern mit ihrem Freunde bei einem Automobil— 
rusflug das Opfer eines schweren Unfalls geworden. Die Tän— 
zerin, die das Automobil selbst lenkte, verlor, als plötzlich 
in Pneumatik platzte, die Gewalt über das Steuer; der Wagen 
chlug um, und sie, wie ihr gräflicher Freund, wurden in weitem 
Bogen herausgeschleudert. Beide trugen so schwere Verletzungen 
»avon. daß sie nach dem Hospital geschafft werden mußten. 
Garros Mittelmeerflug. 
PC. Paris, 24. Sept. Ueber die wunderbare Leistung des 
ranzösischen Aviatikers Garros bringen die Morgenblätter noch 
paltenlange Einzelheiten. Sein 8005km-Flug über das Miöttel- 
indische Meer wird als das größte fportliche Ereignis auf 
em Gebiete der Flugtechnik gefeiert. Garros ist von Biserta 
urz vor 5 Uhr wieder aufgestiegen und landete 20 Minuten 
päter auf dem Flugplatz von Kassarasadi bei Tunis. Eine un— 
zeheure Menschenmenge, Franzosen, Italiener und Araber, er— 
vartete ihn und brachte ihm begeisterte Ovcctionen dar, als 
r in steilem Gleitflug zur Erde niederschoß. Der Minister⸗ 
räsident Barthou sandte ihm folgendes Telegramm nach Tunis: 
Ich freue mich, Ihnen meine besten Giüchkwünsche zu Ihrem 
ühnen und wundervollen Flug, den Sie soeben vollbracht 
aben, ausdrüden zu können. Ihre Leistung ehrt zugleich 
zhren persönlichen Mut, wie die franzöfische Aviatif“
	        
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