Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

„DV——— 
Ausgabe A. 
Aus den Nachbargebieten. 
Sansestãdte. 
Hamburg. 23. Sept. Feier des 18. Oktobers in 
der Schule. Aus Anlaß der Wiederkehr des Jahrestages der 
Schlacht bei Leipzig wird der Unterricht in sämtlichen Schulen 
»es hamburgischen Staatsgebietes ausfallen. Die Schüler und 
Schülerinnen sollen in geeigneter Weise auf die Bedeutung 
»es Tages hingewiesen werden. Demgemäß werden für die 
Oberklassen der Staatsschulen am 18. Oktober gemeinsame 
reiern veranstaltet werden, deren Ausgestaltung jeder Schule 
weriassen bleibt. 
Samburg, 23. Seyt. Zur Erhöhung der Sena— 
torenhonorare ist noch mitzuteilen, daß die dem jedes- 
naligen Burgermeister und dem jedesmaligen zweiten Bürger⸗ 
neister zu gewährenden Zulagen auf resp. 10 000 Meund 5000 M 
'estgesetzt werden sollen. 
Ankauf der Kaisergakrerie. Dem Vernehmen nach 
jat der am vorigen Mittwoch gewählte Ausschuß der Bürger- 
chaft bei einer Stimmenthaltung einstimmig beschlossen, der 
Bürgerschaft die Ablehnung des Senatsantrages betr. Ankauf 
»es Kontorhauses Kaisergalerie zu empfehlen. 
Die Rettungsme daille wurde dem Hafenpolizisten 
Zenf, der während seines Aufenthaltes in Geesthacht zwei 
Bersonen vom Tode des Ertrinkens gerettet hat, vom Senat 
erliehen. 
GKleine Nachrichten) Verhaftete Diebin. In 
inem Lokal auf St. Pauli stahl ein junges Mäsdchen 
ꝛinem hiesigen Kaufmann. der es zu einer Tour eingeladen 
zatte, aus der Tasche mehrere Hundertmarkscheine. 
Der Diebstahl wurde bald darauf entdedt und die Täterin, die 
chon wegen gleicher Straftaten verurteilt worden ist, fest⸗ 
genommen. 
Schleswig⸗Holstein. 
Neustadt, 23. Sept. Wieder angefunden hat 
ich der seit dem 5. Sept. verloren geglaubte Musikerlehrling. 
— Verkauft wurde das Hotel Seeburg Gesitzer Geides) 
für 70 000 Mean Obergärtner Bibow aus Mecklenburg-Strelitz 
Aum 15. Okt. G. behält die Auguste-Viktoria-Warte. 
Großherzogtum Oldenburg und Fürstentum Lubed. 
X. Eutin, 23. Sept. Versetztt wird zum 1. Ott. Lehrer 
Frabbert von der Schule in Klenzau nach Ravensbusch, Tottewitz 
»on Ravensbusch nach Renfefeld. 
K. Ahrensböl, 23. Sept. Ein ausführliches Sta⸗ 
unt für die Stadtgemeinde Ahrensbök, betr. Anlage von Straßen, 
Straßenteilen und Plätzen in der Stadtgemeinde auf Grund des 
Irtsstrahengesetzes, soll auf Empfehlung der Regierung einge—⸗ 
übrt werden. 
Lauenbura. 
c. Ratzeburg, 23. Sept. Eine öffentliche Be— 
lobigung ist dem Hufnerssohn Heinrich Nupnau und dem 
Arbeiter Friedrich Majora zu Grinau, die dortselbst bei einem 
im Jum d. J. ausgebrochenen Feuer den 73 Jahre alten 
Arbeiter Sedamsky aus dem brennenden Hause herausholten, 
vom Regierungspräsidenten erteilt worden. 
B. Mölln, 23. Sept. Ueberlandzentrale. Die 
Versorgung unseres Kreises mit elektrischer Energie nähert 
tich ihrem Ziele. In den letzten Tagen ist der große Haupt⸗ 
vandlet nach dem dafür bestimmten Gebäude am Elbe⸗-Trave—⸗ 
Kanal geschafft und dort aufgestellt worden. — Die Voll— 
tanaltsationsarbeiten wurden Montag früh in der 
Bahnhofstrahe begonnen, nachdem in der letzten Woche ein 
aroßer Teil der Rohrmaterialien eingetroffen ist. Mit der 
Legung des Hauptrohres in 3,70 m Tiefe wird die Herstellung 
der Hausanschlüsse verbunden. 
Großherꝛogtümer Medlenbutg. 
Schwerin, 23. Sept. Drahtlose Zeitsignal— 
tation in Schwerin. Wie die Medlenb. Nachrichten ver⸗ 
ehmen, beabsichtigt Uhrmacher A. H. Schröder, Erbens 
— — 
die Seele verdis im Spiegel seines Brief⸗ 
wechsels. 
Aus den unveröffentlichten Briefen Verdis teilt Alessandro 
duzio, der Mitherausgeber der großen Briefsammlung des 
Meisters, deren Erscheinen gegenwärtig in Mailand vorbereitet 
vird, im Corriere della Sera einige Auszüge mit, die sich zu 
einem scharf umrissenen Bilde vom Wesen Verdis, des großen 
freien Menschen, zusammenfügen. Zum ersten Male empfängt 
hier die Welt einen tiefen Einblid in die schweren Widerstände 
und in die harten zehrenden Entbehrungen, die das Schichal 
diesem körperlich zarten und schwachen Menschen auferlegte, ehe 
er sich endlich zur Unabhängigkeit durchrang: und rein und 
zroß enthüllt sich ein Charakter, dem Leiden, Enttäuschungen, 
Widerwärtigkeiten und Aergernisse nur zu Stufen werden, die 
hn zu immer schönerer und reicherer Entfaltung eines seelischen 
Adels emporführen. Spott, Hohn, Verkennung und Feindschaft 
»egegneten ihm auf seinem Wege; zu schmerzlichen Enttäu— 
chungen gesellen sich Sorge und Not, aber nie vermag die 
aheliegende Gefahr einer Verbitterung diesem Menschen etwas 
anzuhaben. Fremd bleibt ihm der Hochmut; und selbst später, 
als sein Name bereits berühmt ist, ist sein ausgeglichenes hinst- 
erisches Selbstbewußtsein das gleiche wie immer und kann sich 
nur dann zu zornigen Worten entflammen, wenn die Kunst 
elbst und ihre Würde angetastet zu werden drohen. 
Der empörte Zorn des Schaffenden läßt ihn seinem 
Verleger Riccordi bittere Vorwürfe machen, weil Riccordi 
nehr auf hohe Einnahmen als auf eine kuünstlerisch würdige 
Darstellung der Werke sah. „Du darfst nicht ausschließlich an 
Bewinne und Profite denken. Du weißt: wenn die Kunst 
verhöhnt wird, werde ich es mir zur Pflicht machen, sie zu 
rächsen, denn was wäre ich, wenn ich das nicht täte⸗ .Ich 
habe dir schon einmal gesagt, wem ich Händler hätte werden 
vollen, dann hätte mich niemand davon abhalten können, nach 
der „Traviata“ jedes Jahr eine Oper zu schyeiben und mit 
ein Vermögen zu machten, das dreisach so groß wäre, wie das, 
vas ich mein eigen nenne.“ Und er fordert von Riccordi, dah 
r lieber Werke von der Buͤhne zursickziehe, als eine verstüm— 
nelte Darstellima zuzulassen. „Ich verlange nur, Herr meiner 
eigenen Kleidung zu sein umd will niemand schädigen. Und 
J 8 3 o 8* D 6 
Dienstag, den 23. September 19185. 
—538 
Abend⸗Blatt Nr. 482. 
miolger, ur genauen elle joner BRorraalhren eine 
tation für drahtlose Zeitübermittlhung einzu— 
ichten. Nach Fertigstellung der Anlage wird dieser Station 
*glich zweimal mit einer Genauigkeit von 1 Zwanzigstel 
SZekunde von Norddeich aus die genaue Zeit übermittelt. Da 
»as Haus des Geschäftsinhabers im Gegensatz zu den Neben⸗— 
äusern verhältnismäßig klein ist, sind zur Anbringung einer 
Intenne manche Schwierigkeiten zu überwinden, jedoch sollen 
iese theoretisch als überwunden gelten, so daß voraussichtlich 
n nächster Zeit auch Schwerin neben einigen anderen Groß— 
ädten sich dieser Errungenschaft der modernen Technik er⸗ 
reuen kann. 
7* Rostock, 23. Sept. Der Umbau der Naviga— 
tlonsschule, für den 105 000 Muägefordert wurden, ist von 
der Bürgervertretung ebenfalls, wie im Vorjahre der Neubau, 
ür den gar 3560 000 Muverlangt wurden, abgelehnt, und 
war mit der Begründung der schlechten Finanzlage der Stadt. 
Gnoien, 23. Sept. Mit dem Tode gesühnt. Sonn⸗ 
ag morgen fanden Schnitter, die Pilze suchten, im Finkenthaler 
zebölz eine stark in Verwesung übergegangene männliche 
Leiche. Tie Annahme, daß es sich um den feit dem 11. Sept. 
jach Unterschlagung von 150 000 Muverschwundenen Kaufmann 
Vachenhusen handle, fand bald ihre Bestätigung. Bei 
»er Leiche wurden ein Revolver und die Uhr gefunden, doch 
ein bares Geld. Eine Gerichtskommission gab die Leiche zur 
zestattung frei. 
Lawage, 23. Sept. Seinen Verletzungen erlegen 
st der Vertreter der Brennaborwerke Müller-Körner, der, wie 
jemeldet, nicht weit von hier mit dem Kraftwagen schwer ver⸗ 
inglückte. Er starb während seiner Ueberführung nach Berlin. 
— Schönberg, 23. Sept. Landtag. Die Kommis— 
ion, die im letzten Landtage des Fürstentums gewählt wurde, 
m den meclenburgischen Verfassungsentwurf zu prüfen, ist zu 
olgendem Resultat gekommen: Das Fürstentum Ratzeburg er— 
reute sich bisher danf der bestehenden Verfassung einer ziem⸗ 
chen Selbständigkeit. Es war in der Lage, auf seine An— 
elegenheiten einen weitgehenden Einfluß auszuüben und seine 
timme bei den großherzoglichen Behörden zum Gehör zu 
ringen. Nun sollen an Stelle des eigenen Landtages drei 
Bbgeordnete treten, deren Stimmen nach Lage der Sache 
ur wenig ins Gewicht fallen werden. Die eigene Verwaltung 
oAl aufhören, und damit fällt auch die Kontrolle über die 
00 000 M, die jährlich ins Herzogtum fließen, gänzlich fort. 
zerade dies wird hier besonders schwer empfunden, weil die 
iinsicht herrscht, daß das Fürstentum unverhältnismäßig viel 
u den Gesamtausgaben des Großherzogtums beisteuere. Die 
dommission ist daher ei n st im mig der Ansicht, daß die völlige 
zerschmelzung des Fürstentums mit dem Herzogtum ganz uner— 
hünscht ist, und lehnt die Ausdehnung der neuen Verfassung auf 
»as Fürstentum ab. Sie ist bereit, den siebenten Teil zu den 
tosten des Landesregiments und der Hofhaltung beizutragen 
nter der Voraussetzung, daß das Fürstentum dann auch den 
ebenten Teil der vom Landesherrn in Aussicht gestellten 12 
Niltionen erhält und außerdem eine entsprechende Dotation für 
ie Stodt Schönberg. Sollte es aber trotzdem zu einer Auf- 
ebung der Verfassung des Fürstentums und zu einem engeren 
inschluß an das Herzogtum kommen, so müssen vorher die In⸗ 
eressen des Fürstentums in ausgiebiger Weise festgestellt und 
erũchsichtigt werden. — In der letzten Versammlung des 
Ultertumsvereins berichtete der Vorsitzende Rat Rin—⸗ 
eling über die diesjährige Tagung des Heimatbundes. Be— 
Inderen Gefallen haben die quswärtigen Teilnehmer an un— 
erer Altertumssammlung gefunden. So schrieb Professor Beltz 
nder Zeitschrift „Mecklenburg“: „Wir hatten das Gefühl, 
aß hier mit der Rettung alten Volkstums, soweit es in seinen 
zeräten sich ausspricht, eine rettende Tat in letzter Stunde 
nit einem Erfolg geleistet ist, wie ihn kein zweites öffentliches 
Museum im Lande erreicht haf.“ Auch in dieser Versammlung 
tonnte wieder eine lange Reihe von Gegenständen, besonders land⸗ 
wirtschaftliche Geräte aller Art, namhaft gemacht werden, die 
»em Museum teils durch Ankauf, teils als Geschenk zugeführt sind. 
88 Grevessmüuhlen, 23. Sept. „Diaspora⸗Not 
ind Diaspora⸗-Serrlichkeit“, so lautete das Thema, 
iber das Pastor Weidauer aus Galizien am Montag abend 
m Gemeindehaus sprach. Der Redner, der seit 16 Jahren 
m Dienst unserer deutschen Glaubensgenossen steht, entwarf 
inschauliche Bilder aus der evangelischen Glaubens- und 
diebesarbeit im Karpathenlande — Im evangelischen 
Urbeiterverein erstatteten Bericht über die Fahnenweihe 
in Gadebusch Seiler B. Neu und über die Verbandsvorstands⸗ 
itzung in Güstrow Oberpostassistent Niemann. Beschlossen 
vurde, daß der Verein sich an der Hundertjahrfeier beteiligen 
volle. Nächsten Sonnabend soll ein Lichtbildervortrag durch 
Arbeitersekretär Timm, Schwerin, stattfinden. Zwei neue 
Mitglieder wurden aufgenommen. 
HYermischtes. 
Eine nette Predigt. In der Oberösterreichischen Volks 
eitung, einem in Ried erscheinenden klerikalen Wochenblatt. 
indet sich folgende Erklärung (GEr. 36 vom 8. Sept. 1913): 
Ich, gefertigter Matthias Spannlang, Kooperator in Atzbach. 
zabe in meiner sonntäglichen Predigt vom 10. August 1913 Mit 
eilungen, welche mir von einer gewissen Katharina Falmseder 
jemacht wurden, behandelt und bei dieser Gelegenheit das 
⸗qus des Herrn Matthias Racher in Oberapping, ein Sodom 
und Gomorrha genannt, von der Tochter desselben, Zulie 
kacher, behauptet, daß sie von Jugend auf verdorben sei, sid; 
ieben einer schwerkranken Person im Bette unzüchtigerweise ge— 
vht hätte und daß sie nur zum Scheine und umvollständig 
eichte. Ich stehe nun nicht an, diese in der Predigt ge— 
nachten Aeußerungen, die jeder Grundhältigkeit entbehren, mit 
»em Ausdruck des Bedauerns zurückzunehmen. Matthias Spann 
ano Und damit ist es dann natürlich abgetan. 
PC. Ein königliches Theater durch Feuer zer— 
tört. Tas Königliche Theater von Wolverh ampton ist 
Freitag früh durch eine Feuersbrunst zerstört worden. Es 
rannte trotz der angestrengten Bemühungen der Feuerwehr Lis 
uf die Mauern nieder. 
KHarry Thaw in Toncord. Obwohl Harry Thaw 
son Rechts wegen Gefangener ist und als solcher den amerikanischen 
zundesbehörden untersteht, läßt er es sich in Wirklichkeit in 
»er Hauptstadt des Staates New Hampshire, Toncord, ganz 
vohl sein. Er bewohnt die Thronräurme im Adlerhotel, die vor 
han der Präsident der Vereinigten Staaten innegehabt hat 
Am Freitag machte ihm der Bürgermeister in dem Sotel, wo 
er von Polizisten bewacht wird, einen Besuch. „Herr Thaw,“ 
o sagte der erste Beamte der Stadt zu ihm, „ich habe sehr 
diel von Ihnen gehört. Die Bürger von Toncord versammeln 
ich alle Abende vor Ihrem Fenster, um Sie zu begrüßzen. 
Ze*gen Sie sich doch auf dem Balkon, um die Begrüßung zu er 
*dern!“ Thaw antwortete, daß er das gern tun würde, aber 
eine Anwälte hätten ihm streng verboten, Reden zu halten. 
der Bürgermeister bat um ein Autogramm zum Andenken. 
Gern,“ erwiderte Thaw und schrieb seinen Namen und das 
datum unter eine Ansichtskarte. Hierauf stellten sich die Damen 
er ersten Gesellschaft der Stadt ein und brachten dem „Helden“ 
3lumenst räutze. Thaw revanchierte sich, indem er den Damen 
twas auf dem Klavier vorspielte. Dann schichte er seinen 
Sekretär zur Polizei, um die Zussimmung zu einer Ausfahrt 
u erhalten, die ihm gestattet wurde. Die Behörden und die 
ornehmen DTamen gaben ihm das Geleit bis zu seinem Auto— 
tobisl, und die große Menschenmenge, die beständig das Hotel 
elagett. begrühßte ihm mit Bedeisterung. Er konnte sich dann 
»och nicht entfalten, trotz des Verbotes seiner Anwälte zu ver— 
ichern, er habe Toncord so lieb gewonnen, daß er sich in 
em Städichen ansiedeln werde, sobald er seine Freiheit 
vie dererlangt habe. Die Berichte über Thaw nehmen in den 
mer'kanischen Zeitungen denfelben Raum ein. wie die Berichte 
über Bryans Tournee im Varieté. 
ich füge hinzu: nehmen Sie die Bedingungen an oder ver— 
zrennen Sie die Partitur, ich werde selbst das Feuer anmachen 
ind selbst den Falstaff den Flammen übergeben.“ Immer aber 
vill Verdi persönlich zurüchstehen, will als Mensch im Hinter— 
zrund bleiben, will, daß nur das Werk durch sich allein wirke 
der versage. Denn „ich glaube wie immer, daß die Lersön—⸗ 
ichen Erfolge nur der Persönlichkeit nützen und nicht der Kunst.“ 
ils 1871 für die „Aida“ eine große Reklame inszeniert wird, 
t er außer sich, fühlt sich aufs tiefste gedemütigt und beschämt, 
nd noch 1887 wehrt er sich mit Händen und Füßen gegen die 
umutung, zur „Othello“Aufführung in Rom zu bleiben. 
Künstlerisch gesprochen ist meine Anwesenheit vollkommen über— 
üssig, also was soll ich dort? .. Mich zeigen? Mich be— 
atschen lassen? Es ist bei mir kein Gesühl der Bescheidenheit 
der des Stolzes; es ist nur e'n Gefühl verlönlicher Würde. das 
h nickt abzulegen vermag.“ 
Für den weiten Sinn des großen italienischen Meisters ist 
ie ehrfürchtige Anerkennung, die er der deutschen Musik und 
Bagner freudig zollt, bezeichnend. Als er Wogners Tod ver— 
immt, schreibt er in höchster Erregung in sein Notizbuch: 
Traurig, traurig, traurig! Wagner tot! Als ich die Nachricht 
is, war ich entsetzt. Eine grode Persönlichkeit ist dahin— 
egangen.“ Zum Zorn seiner Landsleute tritt Verdi für die 
Lbagnersche Forderung des verdeckten Orchesters mit Enthusias— 
ius ein, und als Bülow ihm seine Bewunderung ausspricht, 
eut er sich, „nicht aus persönlicher Eitelkeit,.“ sondern weil er 
»ürt, „dahß die wirklich großen Künstler ohne Vorurteile der 
chule, der Nationalitäten und der Zeit urteilen. Wenn die 
tünstler des Nordens und des Südens verschiedene Tendenzen 
aben, sehr verschiedene, dann sollen sie alle den echten Charak⸗ 
er ihrer Nation bewahren, wie das Wagner so treffend for⸗ 
ert. Glüchlich Ihr, die Ihr noch die Kinder Bachs seid! Und 
Air? Auch wir, Kinder Palestrinas,. hatten einst eine groke und 
ine eigene Schule...“ 
Aber Wagners Stellung zu Lisßzt, Meyerbeer und dem 
ayerischen König, Wagners Fähigkeit, für seine Ziele Geld 
ind Vrotektion zu erlangen, hat Verdi nie verstehen können. 
Sein ritterlicher Unabhängigkeitssinn lehnte sich zornig auf 
hon bei dem Gedanken, man könne ihn unterstützen, fördern 
der protegaieren wollen. „Seit sechs Jahren schreibe ich 
maufhörlich, ziehe von Land zu Land und habe niemals ein 
Wort mit einem Journalisten gesprochen, nie einen Freund um 
iinen Dienst gebeten, nie den Reichen den Hof gemacht, um 
krfolg zu haben. Nie, nie: immer werde ich solche Mittel ver— 
chhmähen. Ich tue mein Bestes in meinen Werken und lasse die 
dinge ihren Lauf nehmen, ohne auch nur den leisesten Einfluß 
nuf die Meinung der Oeffentlichkeit zu erringen zu suchen,“ 
chreibt er 1848. Als eine Festaufführung zu Ehren Rossinis 
urch Intrigen Marianis zu Fall gebracht wird, ist Verdi 
mpört: „Wir werden wiederum bewiesen haben, daß wir uns 
ur zusammenfinden, wenn der eigene Vorteil und die eigene 
citelkeit winken, wenn unsere Namen in den Theatern genannt 
ind durch die Straßen und Plätze geschleppt werden, wie Char— 
atane auf den Jahrmärkten; aber wenn unsere Persönlichkeit 
jinter einer Idee und hinter einem großen und schönen Werk 
erschwinden soll, dann läuft alles davon, dann kommt die 
goistische Gleichgültigkeit, die die Geißel und das Unglück 
mseres Vaterlaudes sind.“ Und als 1889, zur 50. Wiederkehr 
des Tages, da sein „Oberto“ zuerst aufgeführt wurde, der 
zedanke an eine Jubiläumsaufführung auftaucht, kämpft er 
vie ein Löwe gegen diesen Plan, dessen Ausführungn„kein 
rfest, sondern ein Skandal wäre.“ „Wenn eine Konzession not— 
vendig ist, dann schlage ich vor, das Jubiläum 50 Jahre nach 
neinem Tode zu feiern. Drei Tage genügen, um Menschen 
ind Dinge zu vergessen. 
Der große Dichter sagt: „ßimmel! Schon zwei Monate 
ot und noch nicht vergessen?“ Als 1881 eine Verdi-Büfte in 
»er Scala aufgestellt wurde, ist er der einzige Gegner des 
bedankens und immer wieder fordert und bittet er, man möge 
as gesammelte Geld für einen wohltätigen Zweck verwenden. 
In seiner Heimatstadt Busseto aber erregt er Staunen und 
ann Zorn, als er mit flammenden Worten gegen den Luxus 
ines Theaterbaues protestiert, der hauptsächlich seinen Werken 
ugute kommen sollte; und als Patriot verlangt er, daß das 
held dazu verwendet werde, die Kargheit der Staatskasse zu 
nildern; „denn dereinst soll man nicht sagen, daß das Vater 
and an Geldnot zugrunde gino.“ K. C.
	        
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