Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Broßmächte hahchn gerade in bezug auf das albanische Broblem 
neben diplomatischer Vorsicht Tatkraft und Konsequenz be— 
viesen, Es sel hur an die vösung der Stutarifrage und an 
ie Blocade der montenegrinischen Kuüste exinnert. Demnach 
esteht zum mindesten die Möglichkeit, daß die Großmächte 
Serbien Jegenüber eine ähnliche Politik der Einmischung be⸗ 
fonen wie“ sie Vontenegro fühlbar geworden ist. Deshalb 
darfe“es einstweilen noch als zweifelhaft gelten. ob Serbien 
sin der Tat darauf angelegt hat, Eingriffe der Großmächte 
herbetzusühren. Daß österreichische oder bulgarische Machen⸗ 
Hhaften Linter, der angeblich in Albanien herrschenden Anarchie 
tegen. ist selbstverständlich ganz unglaubhaft. Herrscht in 
Abanen tatsächlich Anarchie, hat sich insbesondere der Gegen⸗ 
satz wischen Essad, Poscha und der rrovisorischen Regierung 
fritijch zugespitzt. so spricht die Vermutung vielmehr dafür, 
daß dieser, krisenhafte Zustand von der Seite herbeigeführt 
ist, die sich gegen Albanien mit Angriffsabsichten trãot. — 
pt. 
China 
PC. Der javanifch⸗chinesische Konflikt. Die chinesische Re— 
zierung hat nunmehr dem Vertreter Japans ihre offiziele Ent⸗ 
schuldigung für hie Tötung von, Japanern aussprechen lassen. 
aber Javan ist damit nicht zufrieden. Der Sondergesandte des 
Präsidenten JZuanichitdi, Lischenko, hat dem japanischen Koniul 
n Manling persönlich die Entschuldigung seiner Regierung über— 
racht. Tie Lendung japanlscher Truppen wird sedoch in 
Nanfing, Hanlau, und, Tientfin fortgesetzt, da die japanische 
Regierung darauns besteht. daß auch die beiden chinesischen 
Gesnerglee und der Gouverneur der Ostprovinz Jich persönlich 
entschusdigen. In den chinesischen GHewässern befinden lich be— 
reits siebrehn japanische Kriegsschiffe 
Tagesbericht. 
QCübed. 23. Septemher. 
Gaeorag Eduard Tegtineyer ̃. Im 77. Lebensiahre 
entschlief in letzter Nacht der Inhaber des angesehenen Handels— 
hauses Tegtmeyer K Co. Serr Georg Eduard Tegtmeyer. 
Nach seiner Ausbildung als Kaufmann und Aufenthalten in 
Paris und Petersburg wurde er von seinem Vater in die 
Firma aufgenommen. Neben der Verwaltung dieses Speditions— 
und Assekurenzgeschäfts, zu dem in den letzten Jahren auch 
noch Versicherungen traten, hat Eduard Tegtmeyer mehr als 
10 Jahre dem Gemeinwesen Lübecks seine Kraft gewidmet. 
Von 1871 bis 1909 gehörte er der Bürgerschaft an und 
var in ihr während mehrerer Wahlperioden Mitglied des 
Bürgerausschusses. Auch als bürgerlicher Deputierter war er 
oielfach in Anspruch genommen; so war er u. a. Mitglied 
des Finanzdepartements, der Vorsteherschaft der Irrenanstalt, 
des Heiligen-Geist-Hospitals, serner Vorsteher einer ganzen An— 
zahl milder Stiftungen, z. B. Haasen-Hof, Glandorps Hof usw. 
Auch dem Vorstande der St.Jakobi-Gemeinde gehörte er viele 
Jahre hindurch an. Der hiesige Zweigverein der Deutschen 
Besellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger zählte ihn zu seinen 
Gründern und langjährigem Mitg'iede des Vorstandes und oft hat 
Tegtmeyer Lübeck auf den Jahresversammlungen vertreten. Aber 
auch im geschäftlichen Leben hat der Entschlafene mit an erster 
Stelle gestanden. Er gehorte u. a. dem Aufsichtsrat der 
Deutschen Lebensversicherungsgesellschaft und der Aktiengesell— 
schaft vorm. Carl Thiel & Söhne, sowie der Direktion der 
Lübeck-Büchener-Eisenbahngesellschaft bis zu seinem Lebenscende 
an, in früheren Jahren auch dem Aufsichtsrat der Privatbank 
sowie dem Vorstande der ehemaligen Casino-Gesellschaft, deren 
Liquidation er mit vieler Umsicht und Geschicklichkeit durchgesührt 
hat. Mit großer Gewissenhaftigkeit verwaltete er ferner lange 
Jahre das Amt eines Handelsrichters. Im Kreise der Ge— 
sellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit war er früher 
Mitglied der Vorsteherschaft, der Seemannskasse, der ehemaligen 
Turnanstalt und noch jetzt der Vorsteherschaft der Volksküche. 
Ein stilles, selbstloses Wirken im Interesse der Gemeinsamkeit 
unseres Staatswesens hat seinen Abschluß gefunden. Seine 
zahlreiche Familie und viele Freunde und Bekannte betrauern 
den Hochbetaaten aufs herzilichite. 
Die Superiutendenturvrükung bestand in Schwerin Frli. 
Frna Voß aus Lübed 
Die Zeit der Kartoffelernte ist ietzt penen Die 
Zahl derienigen, die das unentbehrliche, viel begehrte und ve— 
unde Nahrungsmitel, die Kartoffel, selber zum Anbau ßringen, 
ist ganz außerordentlich groß. Jeder, der ein Stöck Land im 
Garten oder auf dem Felde sein eigen nennt. dat in den 
meisten Fällen auch Kartoffeln angepflanzt, denn der Anbau er— 
veist fich großtenteils als recht lohnend. Auf den ausgedehnken 
Gutsdistrikten tritt jetzt die Kartoffelerntemashine in Tätig- 
keit, die heute in höchster Vollendung ihre Arbeit verricht; 
Wenn man draußen an den Feldern vorüberwanderte, fanm 
man aber auch übergll den kleinen Bauer mit feinen Hilfs— 
krörten persönlich bei der Arbeit erblicken. Namentlich der leßte 
schöne Sonnsag wurde eifrig benutzt, die Ernte einzubringen, 
hahen doch Männer, Frauen und Kinder an diesem Tage die 
meiste Zeit. Denn das Sammeln geht nicht fo rasch von statten 
viele Fdin und Fräftig helfende Hände find erforderlich Sie 
Vle, sind eifrig beschäftigt. die Kartoffein auszugraben, in 
Körbe zu sammeln und dann, in Säde eingefüllt, nach Hause 
uu befördern. Namenklich in der hochliegenden Fegend von 
Wesloe bis an die Marliporstadi findet sich umfangreiches Kar— 
ofselland da bekanntlich die Kartoffel gauf hochgeiegenem, 
andhaltigem Baden am besten gedeiht Das Karioffalfrau 
pird teils auf den Dunghaufen gebracht. seils auch auf dem 
Felde an Ort und, Stelle verbrannt Hier und vort itt e— 
Sitte, zur Frende der Jugend an dem Feuer einige der ge— 
ernteten Kartoffeln zu rösten. die dann vbesonders trefflich 
nunden sollen. Wenn auch die Arbeit des Sammeins etwas 
mũhfam ist, so wird sie doch auch reichlich gelohnt. Wenn der 
lalte Winter lommt und es bisweilen an Arbeif tehlt, dann 
weiß es jeder wohl au schätzen, wenn sein Vedarf an Kartoffeln 
wohlgeborgen imn Heller liegt. Und darum Zehi man frisch 
und munter ans Wersf. die Erde fruchtbringend zu erhalien, 
bis inn Monat Mai aufs neue der Kartoffelbau beginnt. Wohi 
dem, der die Früchte seiner eigenen Arbeit geniehen tann 
In diesem Jahre ist übrigens die Ernte fast überall eine be. 
sonders gute, da auch das Ernfewelter als recht günftig bezeichacs 
werden Jann. Sowohl was die Qualifät als auch hie Quan 
tität anbetrifft, koarn man mif dem Ergebnis wohl Jufrieden 
sein. Auch die Preise der Händler durften sich vaher in diesem 
Jahre dem auten Ausfall der Ernte enfönrechend niedrig ge 
italten. 
* Vom Thealter. Frl. Tilly Janfsen hat Montag abendb 
im Hamburger Siabdttheater, dem fie jetßt als Mitalied an⸗ 
gehört, die Vartie der Olympia in Hoffmanns Erzählungen“ 
gesungen. Der Sba. Corr. schreibt darüber folgendes; Die 
relativ beste Leistung war noch die des Frl— Jansen als 
Dlynivia, wenn fie auch nicht im entferntesten die Erinnerung 
an ihre Vorgängerinnen auslöschen konnte; immerhin brachte 
fie die Koloraturen sauber, sah niedlich aus und wußte sich 
mich darstelleriich qut mit ihrer Rolle abzufinden“ 
Weräãan derliches Wetter steht uns auch sür die nächste 
Zeit bevor, nachdem ein tiefes Minimum von den britischen 
Inseln regnerisches Wetter gebracht hatte, während flache Teil 
minima Gewitter hervorgerufen hatten. Da von Nordwesten 
her ein neues Tiefgebiet herannaht, so darfte die Witterung 
undcot zwar verhälinismäßig warm, aber andauernd peraãnder⸗ 
sich nd zu Regensallen geneiagf hloihen 
* „Cines“⸗Hamsatheater. Die Kinder des Waisenhauses 
varen am Sonntag Gäste der Direktion. Die vorzüglichen 
Darbietungen boten den Kindern eine schöne Unterhaltung. 
*Aus dem Winterfahrplan. Auf der Strecke Lübed — 
Rostock⸗Bützow und Anschlüsse verlätzt der Warnemünde — 
2dübeck — Hamburger Nacht D-Zug die Station Rostock erst 3 Uhr 
»Min. Die Abfahrts- und Ankunftszeiten dieses Zuges bei 
BZützow, Lübeck und Hamburg sind die gleichen geblieben. Der 
Abendnersonenzug von Rostocdd nach Lübeck und im An—⸗ 
chluß von Kleinen nach Ludwigslust, Abfahrt Rostoch 9 Uhr, 
verd beschleunigt werden; er kommt um 12 Uhr 25 Min. nachts 
n Zübeck, 11 Uhr 19 Min. in Schwerin und 12 Uhr 12 Min. 
n Ludwigslust an. Entgegengesetzt trifft der Hamburg — Lübeck— 
WParnemünder Nacht-D-Zgug erst um 3 Uhr 7 Min. in Rostod 
in. Die Abfahrtszeit des Abend- bezw. Nacht-Personenzuges 
samburg —Warnemünde von Rostoch ist auff 12 Uhr 48 Min. 
ind diejenige der Hamburg—Lübecker und Berliner 
RZüge auf 3 Uhr 11 Min. bezw. 3 Uhr 2 Min. festgesetz! 
vorden. Die Fahrzeiten der fahrplanmäßigen Fährschiffe von 
Warnemünde nach Giedser bezw. der anfchließenden P-Züge nach 
und von Kopenhagen ändern sich nicht. * 
*Eine Vnslage von drahtloser Telegraphie (Funkenstation) 
ioll auf Pelzerhaken, wie man hört, von der Marine in 
allernächster Zeit eingerichtet werden. 
3wangsverlãnfe. Im amtsgerichtlichen Termin am 
9. Sept. 1913 wurden folgende Grundstücke aufgeboten: 1. 
Blücherstraße Nr. 36, den Erben des Gastwirts Karl Friedrich 
WVilhelm Gurke zu Lübeck gehörig, beschwert mit 15 500 M. 
das Meistgebot von 13450 Muwurde abgegeben von dem 
ßrivatmann Karl Heinrich Friedrich Jürgens zu Lübeck. Ueber 
»en Zuschlag soll am 27. Sept. 1913 entschieden werden; 2. 
zerderplatz Nr. 6, dem verstorbenen Maurermeister Christian 
zinrich Stender zu Lübeck gehörig, beschwert nmit 31000 M. 
das Meistgebot von 27 500 Muwurde von einem Hypoihelen— 
läubiger abgegeben. Auf Antrag wurde der Zuschlag sofort 
rteilt; 3. Feldstraße Nr. 7, dem Maurer Johann Friedrich 
döhn zu Lübeck gehörig, beschwert mit 9700 M. Das Meist— 
sebot von 5400 Muwurde abgegeben von dem Tischler Wil— 
jelm Ferdinand Lenz zu Lübeck. Ueber den Juschlag soll am 
. Okt. 1913 entschieden werden; 4. Weinbergstraße Nr. 7, dem 
Schänkwirt Heinrich Christian Diedrich Grabner zu ZIchönböcken 
jehörig, beschwert mit 28000 M. Das Meistgebot von 17570 
Mark wurde abgegeben von dem Gärtner Adolf Christian 
Bollert zu Lübeck. Auf Antrag wurde der Zuschlag sofort er— 
eilt. — Bezüglich des Grundstücss Moltkestrahe Nr. 42, dem 
Zimmermeister Franz Aibrecht August Adolf Schreiter zu Lübed 
ehörig, wurde der Termin aufgehoben, weil der betreibende 
Hläubiger den Neriteigeruvasanfrag zurüfgenommen boft⸗ 
Keueste Nachrichten und Telegramme 
der „L. A. und . X., 
Katser Wilhelm als Vermittler im Dreibund. 
PC. Mailand. 22. Sept. Die Reise Kaiser Wilhelnis nach 
Zesterreich und sein Besuch beim Erzherzog-Thronfolger Franz 
Ferdinand soll nach einer Mitteilung des Corriere della Sera 
ine endgültige Verständigung Oesterreichs und Italiens zustande 
»ringen. Der Dreibund brauche vollkommenes Einverständnis 
einer Mitglieder und dürfe keinerlei Mißverständnisse zwischen 
hnen aufkommen lassen. Kaifer Wilhelm soll dabei, wie das 
Slatt erllärt, nicht zum ersten Male die Rolle des Friedens— 
tifters spielen. (Diese Mitteilung ist wohl mit einiger Vorsich 
rufzunehmen. Gerade jetzt sind die Beziehungen zwischen Rom 
und Wien der gemeinlamen Balkaninteressen wegen diel besser 
als in den letzten Jahren. Die Red. d. L. A.) 
Englische Kaufleute für eine Beteiligung an der 
Panama⸗Ausstellung. 
PC. London, 23. Sept. Einer Meldung des Standard 
zufolge ist man auch in Londoner Geschäftskreisen allmählich zu 
der Ueberzeugung gekommen, daß Großbritannien bei einem 
Verzicht auf die Panama⸗-Ausstellung eine wertvolle Gelegen⸗ 
heit zur Erweiterung der enalischen Handelsbeziehungen vor⸗ 
übhergehen läßt 
HVom Balkan. 
Die Friedenskonferenz. 
W. Konstantinopei, 23. Sept. Die gestrige Sitzung 
er Friedenskbonferenz dauerte 335 Stunden. Nach 
iner amtlichen Mitteilung hat die Konferenz folgende Artikel 
eraten und angenommen: Grenzbestimmung, Räumung des 
esetzten Gebieis, Demobilisierung, Amnestie, Staatsangehörig— 
eit. Menschenrechte und Gemeinderechte, Aufenthalt von Privat⸗ 
»ersonen, Eigentumsrecht, diplomatische Beziehungen. Post, Teie—⸗ 
zraphen, Eisenbahnen und erworbene Rechte. 
Dreitägiger Kampf zwischen Serben und Albaniern. 
Belagrad, 23. Sept. Private Telegramme aus Dibre und 
Monastir melden von heftigen Grenzkämpfen zwischen Albaniern 
ind serbischem Militär. Die Kämpfe fanden bei Pischkoveia 
sinter dem Schwarzen Drin, etwa zwanzig Kilometer von Dibre 
ntfernt, statt. Die an Zahl den Serben erheblich über— 
egenen und gut bewaffnefen Albanier wurden angeblich von 
Issa Boljetinaz an Verein mit bulgarischen Offizieren gefuhrt. 
dach dreitägigem erbitterten Kampfe, in dem auf serbischer 
Zeite ein Hauptmann und eine ziemliche Anzahl Soldaten fielen, 
jelang es den serbischen Grenztruppen, die Albanier zurück— 
uschlagen und Pischkopeja, einen der wichtigsten strategischen 
Vunkte der dortigen Gegend. ꝛu behoupten. 
HOT. Trier, 23. Sept. Die Stadtverordneten hatten be— 
chlossen quf, der Reuen Mofelbrude, die in Gegenwan des 
asers qm 4. Oktober eingeweiht werden soll anlahuch ves 
Zhiahrigen Regierungos ubitäauns ein Reirerstandbird 
Wilhels ITu errichten. Das Denimal, das von Pro- 
essox. Keller-⸗München emworfen wurde if mamnehre veom 
Kaiser abgelehnt worden. da er es ablehnt. zu feinen 
Nebgeiten, vffentlich in einem Denkial dargeftelit zu werden 
Sien, 23. Sept. der Blaättermeldung vom bevorstehen 
—AA depe et nn — 
endor auf Grund von ifferenzen m 3 
her zoo· Thronfo sger een weiß die Neue Freie — 
zu melden: Der C Generalstabes hatte auch die Ab⸗ 
icht. einen Befuch bel dem italienischen Generalftabschef in Rom 
wWzacstatten. um vpersönlich quf die Herstellung befferer Be— 
ie hungen Init Itallen hinzuwirken, die er nach den Umwälzungen 
ruf der Balk-aehedbinsel für unerläßlich erachtet. Er siseß se⸗ 
doch gerade S dieser Frage auf den en chiedenen Wider⸗ 
tand anderer Faktoren und mußte seine Absicht schließlich fallen 
assen. Die sich häufenden Meinungsverschiedenheiten — 
hm und kompetenten Kreissen und die bestimmte Art seines 
Auftretens gben die Stellung des Freiherrn Konrad von 
hötzendorff so erschüttert, daß er, des Kampfes müde mun 
vie Konsequenzen Zu ziehen entschlossen ilt. 
PC. Rom, 23. Sept. Der Besuch König Konstan- 
tins beim italienischen Königspaare, dessen Termin 
bereits bestimmt war, ist verschoben worden. Man will warten, 
bis die Frage der Grenaettirna Albhaniene und W F 
der Inseln des Aegdischen Meeres, die Anlaß zu einer gewisser 
Verstemmung zwischen Italien und Griechenland gegeben haben 
in einem beide Teile befriedigenden Sinne gelöst sind. Alle 
Wabrscheinlichkeit nach wird König Konfstantin erst im Lauß 
des nächsten Frühjahrs nach Rom kommen. 
W. Baris, 23. Sept. Präsident Poincars gal 
gestern zu Ehren des russischen Ministers des Aeußern, 
Ssasonow, ein Diner, an welchem Ministerpräsident Barthon 
und der Minister des Aeußern, Pichon, teilnahmen. 
FC. Paris, 23. Sept. Der Arzt, der den verunglückten 
Dberstleutnant von Winterfeldt vom ersten Tage an be— 
handelte, Oberstabsarzt der Reserve Voivenelsaus 
Toulouse, hat gestern seine Uebung beendet. Auf Be⸗ 
ehl des Kriegsministers Etienne ist er aber auf unbestimmte 
Zeit weiter abkommandiert worden, um die Behand 
ung des Verunglüchten zu leiten. Der Zustand v. Winter— 
feldts ist uwerändert ernst. 
W. Paris, 23. Sept. Nach einer auf amtlichen Angaber 
zeruhenden Zeitungsmeldung übertrafen die Ergebnisse der— 
Gestellung der Zwanzigjährigen alle Erwartungen. 
Man glaubt, das Gesamtkontingent der Jahresklasse, welche 
in einigen Wochen unter die Fahnen berufen wird betrage 
mindestens 185 000 Mann. 
W. Washington, 23. Sept. Auf die Vorstellungen des 
Staatsdepartements werden die Fuührer im Kongreß unverzüg⸗ 
rich die Bill zur Annahme gelangen lassen, durch welche die 
LTarifbill ergänzt wird, indem gewährleistet wird, daß 
leine Zuschlags- oder Maximalzölle während vier Monate nach 
dem Inkrafttreten der Bill von fremden Einfuhrwaren erhoben 
wird. Inzwischen will das Staatsdepartement sich bemühen, 
iber neue Verträge zu verhandeln. 
W. Newyork, 23. Sept. Die deutsche Studien⸗ 
lommission für die Olympischen Spiele tritt 
eute die Rückreise nach Deutschland an. Die Kommission 
vohnte gestern einem Bankett des Newyorker Athleticklubs 
vei, auf welchem Diem erklärte: Nachdem er die amerika— 
iischen Methoden studiert habe, verstehe er, warum die 
Imerikaner so vorzüglich sind. Er hoffe, mit Hilfe Kränzleins, 
»er die Kommission begleitet, eine hervorragende deutsche Mann⸗ 
ichaft für die Olympischen Spiele 1916 herauszubringen. 
W. Newyork, 23. Sept. Aus Laredo in Texas wird 
gemeldet: In Mexiko sprengten die Aufständischer 
einen Zug der Nationalbahn südlich von Saltillo in die 
Luft. Vierzig Mann Bundestruppen und zehn Passagiere 
wurden getötet. 
W. Rio de Janeiro, 23. Sept. In Manaos ist der 
Handel infolge der Kautschukkrise ins Stocken geraten. 
* F ⸗ 
Luftfahrt. 
London. 23. Sept. Der Weltrekord mit Vassa— 
gieren ist durch den Flieger Louis Noel durch inen Flug 
mit 7 Pasiagieren auf dem Hendomflugplatz gebrochen worden. 
Noel blieb 17 Min. 32 Sek. in der Luft. 
Köln, 22. Sept. Flugingenieur Dahm ist heutt 
morgen 93 Uhr mit seinem Wasserflugzeug auf dem Rhein auf— 
gestiegen. Er flog in nördlicher Richtung den Rhein entlang. 
M. Emden. 23. Sept. Der Flieger Dahm öit heule 
vormittag 8 Uhr mit seinem Wasserflugzeug zum Weitecflug 
nach Kiel oufgestiegen. 
Schweres Eisenbahnnunglück. 
W. Newyork, 23. Sept. Auf der Long Islandbahn stießen 
gestern bei Collegepoint in der Nähe von Newyork zwei 
elektrishe Züge zusammen. Vier Passagiere wurden getötet 
und fünfzig verletzt. 
W. Berlin, 23. Sept. Der als oberschlesischer Eisen— 
industrieller belannt gewordene Geh. Kommerzienratvon 
Caro ist gestern auf seinem Fideikommiß Wicendorf bei 
—8 nach längerer Krankheit einem Herzschlag'ee er— 
egen. 
Cuxhaven, 23. Sept. Das deutsche Segelschiff Queen 
Victoria 9“, das von hier nach Bremen gesegelt war, 
ist dort nicht angekommen. Jetzt wurde das Boot und die 
Leiche eines Mannes der Besatzung gefunden. Das Schiff ist in 
der Nordsee untergegangen. 
W. Bremen, 23. Sept. Aus bisher unaufgeklärter Ur⸗ 
sache entstand gestern abend in einem WMoöonftage- 
—NX der —— Feuer. 
ls die Wehr auf der Brandstelle eintraf. sand fie den 
Schuppen in hellen Flammen, so daß an eine Bettung 
niicht zu denken war. Bis 11 Uhr abends gelang es, das Feuer 
ruf seinen Herd zu beschränken. Die Hbhe des Schadens i 
ioch nicht bekannt. 
W. Halle (Saale), 23. Sept. Untersuchungen von Pro— 
essor Valentiner, dem Vorsteher des phmiikalischen Instituts der 
voslarer Bergakademie, ergaben, daß bestimmt große Men— 
dgen Radium in den Harzgewässern vorkommen. 
W. Bad Nauheim, 23. Sept. Am Montag ist hier die 
2jährige Fürstin Anna zu YUsenburg-Büdingen in— 
olge Herzschwäche gestorben. Der Gemahl der Verstorbenen 
st der Onkel der kürzlich in Heidelberg gestorbenen Prinzessin 
Zopbẽa von Sachsen⸗Weimar. 
DT. Frankfurt a. M. 23. Sept. Eine aufregende 
Szene spielte sich gestern abend in der Alten Mainzergasse 
ab. Der 2jährige Bäckeergeselle Bastian, der wegen verschin— 
dener Roheitsvergehen vorbestraft ist, beabsichtigte mit der bei 
demselben Meister bediensteten Katharine Schaub ein Ver— 
hältnis einzugehen. Das Mädchen lehnte es ab. Darauf 
feuerte Bastian auf das Mädchen einigeRevolverschüfsesab. 
Er verbarrikadierte sich im Hause und feuerte nach 
allen Richtungen. Es mußte die Feuerwehr herbeigeholt wer— 
den. die das Haustor, das Bastian versperrt hatte, mit Aexten 
einschuug. Im Hause selbst herrschte völlige Dunkelheit und 
Jeuerwehr und Polizei drangen mit Magnesiumfackeln durch 
as erbrochene Tor. Im Hausflur stieß man auf das schwoer— 
erletzte Mädchen und im Hof fanden die Polizisten Bastian iot 
nuf, während das Mädchen kurz ne/5 der Einlieferung ins 
Krankenhaus starb. 
PC. Mathseille, 23. Sept. Die Polizei entdeckte gestern 
m italienischen Restaurant Contesso in den Kellerräumlichtenttn 
ine 3 eingerichtete Falschmünzerwerkstäthe. 
— beschlagnahmte insgesamt für 38 000 FIrs. saliche 
eld. 
PC. Madrid, 23. Sept. Eine Anzahl unzufriedener Ein— 
vohner ũberfiel, wie aus Ciudad Real gemeldet wird, den 
Stasdtr?chter, als er nachts sein Haus betreten woil!e, 
und derletzte ihn durch Stodhlägesso schwer, daß éer 
bald darauf, starb. Die Verbrecher entkamen unerkannt: 
die Polizei stellt eifrige Rachforschungen nach ihnen an. 
PCO. Newyork, 23. Sept. Großhe Unruhe herrscht üben 
des Schiksal des Dampfers „Huronic“, der über— 
ällig ist. Er war auf dem Weg von Port Arthur am 
Iberen See nach dem Ontario-See begriffen und geriet am 
dergangenen Somabend in einen Sturm. Seitdem hat man 
nichts wieder von ihm gehört, obwohl er Apparate sür draht— 
lose Telegraphie an Bord hatte. Es befanden lich etwa 200 
sRassoiere qu ä
	        
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