Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Ausgabe 4 
Die erste preußische Eisenbahn. 
Am 22. September sind Dreivierteliahrhundert 
verflossen, seit die erste preußische Eisenbahn. und zwar die 
Pots damer Strede, zunächst nur zwischen Berlin und Zehlen⸗ 
borf. eröffnet wurde. Am 29. Oktober wurde dann die ganze 
Linie Berlin —Potsdam feierlich dem Verlehr übergeben. und 
sie war mit ihren 26 kmeLänge die größte bis dahin auf 
deutschem Boden erbaute Bahn. Lange Kämpfe hatte es ge⸗ 
kostet, hartnäckige Widerstände waren zu uberwinden gewesen, 
zebor dieses, das allergrößte Aufsehen erregende Ereignis sich 
wirklich und wahrhaftig vollziehen konnte. Obwohl man be⸗ 
reits in England Bahnunternehmungen in größerem Stil 
bollendet und die hohe Bedeutung der neuen Erfindung für 
den Verkehr erkannt hatte, obwohl schon 1838 die erste 
Dampfbahn zwischen Nurnberg und Fürth den Boden des 
Deutschen Reiches befahren, konnte man sich in Preußen nur 
schwer zu dem „neuen Teufelszeug“ entschließen. Man war 
doch bisher mit den vorhandenen Beförderungsmitteln so gut 
rusgekommen! Viele, viele Eingaben, Gesuche und Deputa⸗ 
kionen gingen von den wenigen Industriellen aus, die den 
Wert der Eisenbahn für den Handel erkannt hatten. Als 
ines Tages der geniale Oberbürgermeister Franz Ziegler an 
der Spitze einer solchen Deputation bei dem Oberpräsidenten 
»on Brandenburg erschien, um die Genehmigung des Eisenbahn⸗ 
orojektes Berlin ⸗¶Potsdam durchzusetzen. schüttete ihm nach der 
ꝛffiziellen Audienz der Oberpräsident mit folgenden vertraulichen 
Worten sein Herz aqus: „Nun legen Sie einmal den Ober— 
hürgermeister beiseite, so wie ich den Oberpräsidenten ablege, 
ind dann sagen Sie mir als Mann zu Mann: glauben Sie 
virklich und wahrhaftig, daß diese Eisenbahnen dem Verkehr 
rützlich sein können?“ Diese Anschauungen des preußischen 
Beamtentums gingen von den allerhöchsten Stellen agus. Als 
»em Generalpostmeister von Nagler, dem ersten Verkehrs⸗— 
heamten des preußischen Staates, der Entwurf zum Bau der 
Potsdamer Bahn vorgelegt wurde, da meinte er entrüstet: 
„Dummes Zeug! Ich lasse täglich diverse sechssitzige Posten 
nach Potsdam gehen und es sitzt niemand drinnen, nun 
wollen die Leute gar eine Eisenbahn dahin bauen; wenn Sie 
ihr Geld absolut los werden wollen, so werfen Sie es daoch 
sieber gleich zum Fenster hinaus, ehe Sie es zu solchen 
unsinnigen Unternehmungen hergeben!“ König Friedrich 
Wilhelm III. aber soll gebrummt haben: „Kann mir keine 
zroße Glüchseligkeit dabei vorstellen, ob man ein paar 
Stunden früher in Potsdam äankommt oder nicht.“ — 
Trotzdem wurde das große Werk durchgesetzt, und es war ein 
Freudenfest für die Berliner, als sie zum erstenmal mit 
»em Dampfwagen fahren konnten. Freilich, zufrieden war man 
nit der neumodischen Einrichtung nicht seht. Den einen ging 
es zu schnell, den andern zu langsam. Es wurden ernsthafte 
Bedenken laut, daß man sich durch das Fahren mit diesen 
raschen, von einer geheimnisvollen Macht bewegten Gefährten 
schwere Schädigungen an Geist und Körper zuziehen flönne, 
und wohl bedächtige vorsichtige Bürger schüttelten aͤblehnend 
den Kopf und gelobten, nie mit der Dampfbahn zu fahren. 
Sogar der Seele Seiigkeit fsollte empfindlich unter solchem 
Tun leiden. Der Pfarrer Goßner hielt nach dem Bericht 
Hermanmn Markgraffs im „Sammler“ eine flammende Pre— 
digt gegen diese „Erfindung des Teufels“; er malte der Ge— 
neinde in grellen Farben den Vorwitz und die Vermessenheit 
aus, die in solchen Gewinnen lägen und flehte all seine Schäf⸗ 
iein inständigst an, „fich ja von dem höllischen Drachen, dem 
Dampfwagen, um ihrer Seligkeit willen fernzuhalten“. Andere 
wieder waren höchlichst darüber enttäuscht, wie langsam es ging; 
gar nicht so sehr viel schneller als in der „Journaliere“. So 
wandte fich bald nach der Eröffnung der Eisenbahn itgend ein 
boshafter Spaßvogel mit der ironischen Bitte an die Be— 
hörden man möge doch dafür Sorge tragen, daß die Fahr⸗ 
gäste nicht zu sehr durch das Betteln helästigt würhen bhe— 
Sie versteht nichts davon. 
Von Else Grüttel. 
Kürzlich, in einer eleganten Gartengesfellschaft, unlerhielt 
kich der Hauswirt angeregt mit einer schönen Frau— 
„Flirt“, sagten die anderen und lächelten. 
Die Frau des Hauses kam daher und aing auf die bei— 
den zu. 
„Sehen Sie. meine Gnädige“, bemerkte der Haushere, in 
ziesem Augenblick zu seinem gespannt lauschenden Gegenüber 
jewendet, „was mich bei den franzssischen Impressionisten so 
ußerordentlich fesselt, das ist ...“ 
„Ach, seid ihr wieder bei euren geliebten Bildern“ warf 
ya seine Gattin mit schlecht verhehlter Interesselosigkeit ein. 
Die andere wollte fie ins Gespräch ziehen: „Findest du 
nicht auch, Hella, doß im Oberlichtsaal der Ausstellung weit 
schönere Sachen hängen als im ersten Stod?“ 
Aber die Hausfrau reagierte nicht. „Liebste, du tannst 
anmöglich veriaugen, daß ich mir die Bilder schon angelehen 
haben soll. Erstens kehlte mir tatsächlich die Zeit dazu, und 
überdies ... fich bei der Hitze freiwillig in. einen Oberlicht⸗ 
aal sperren... liegt mir nicht, du“, und achselzudend begab 
jie sich zu einer Gruppe unter dem blühenden Lindenbaum. 
Die andere sdaute ihr nach, lange. Und es lag wohl so 
etwas wie Verwunderung über ihrem Gesicht, wähcend ihr 
einfiel, daß sie die Freundin gestern im Modehaus, vorgestern 
in der Teestube und etliche Male auf der Promenade getroffen 
hatte —, denn der Mann neben ihr sagte ganz unvermẽtielt, 
wie entschuldigend: „Sie versteht nichts davon.“ 
Nun schwieg die schöne Frau vollends. Sie hegriff nicht: 
venn es eines Mannes größte Liebhaberei ist, lich in seinen 
venigen Mußestunden mit Kunst zu beschäftigen, dann sagt 
eine Frau bLaltlächelnd: „es liegt mir nicht“, und der Mann 
elber gibt zu, daß sie nichts davon versteht... Ist das klug, 
ist das erfreulich, ja, gibt es so etwas überhaupt? 
Eine Frau sollte für die Liebhabereien ihres Mannes, 
mmer so viel Zeit haben, daß sie imstande ist, ich mit ihm 
ruf der Grundege einiger Keuntnisse über das betreffende 
Thema zu unterhalten. Und nicht nur nebenbei und oberfläch- 
ich, sondern mit sichtlichem Interesse. Jedem anfänglich noch 
o fern liegenden Ding ist eine anregende Seite abzugewinnen. 
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Montaaq,. den 22. September 1913. 
Abend⸗Blatt Kr. 480. 
onders daß nicht die Invaliden mit Stelzfüßen yinter dem 
zuge herliefen, um eine milde Gabe zu forden; das fei nicht 
hicklich — Als dann aber die ganze Strede bis Potsdam 
ertig geworden war, hob fich der Verkehr in erstaunlicher 
Beise, und bald wichen Spott und Furcht, Haß und Wer— 
htung der uneingeschränkten Bewunderung dieser Macht, die 
ine neue Aera der Kultur einleitete. Wie sehr damals noch 
lles vom britischen Vorbils abhing, beweist die Tatsache, daß 
ie sechs Lokomotiven, die Schienen und Schienenstühle für 
iese erste preußische Bahn aus England bezogen wurden; fur 
ie Wagen selbst (2 Staatswagen, 5 Wagen erster Klasse, 
zweiter Klafse, 28 z. T. offene Wagen dritter Klasse, sowie 
zepäd⸗ und Viehwagen) waren die Federn, Pfannen, Achsfen 
id Rader gleichfalls aus England eingeführt; die Wagen selblt 
zaren dann in Berlin angefertigt. Die eine Million Taler, 
ie die Herstellung dieser eingleisigen Bahn kostete, war durch 
lusgabe von 5000 Aktien zu je 200 Taler aufgebracht worden; 
ie weitschauenden Leute, die diese zunächst so bedenklich schei⸗ 
ende Kapitalsanlage nicht verschmäht hatten. konnten mit 
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mitteldeutschen Bünde, folgende Bestimmung als 8 4 einzu⸗ 
schalten: „Nach Ständen oder Berufen geschlossene Bünde, selbst 
venn sie landschaftlich geeint sind, dürfen in den Deutschen 
Sängerbund nicht aufgenommen werden“, fand mit 109 gegen 
Stimmen die erforderliche Mehrheit. Damit ist eine seit 
langen Jahren schwebende Frage endgültig erledigt. 
Im weiteren Verlaufe der Beratungen wurden mehrere 
vom Gesamtausschuß beantragte Erweiterungen seiner Rechte 
vom Sängertage abgelehnt. Bei 89 brachte Langham-⸗ 
ner⸗Muhlhausen i. Th. die Vermögensverhältnisse des Deut⸗ 
chen Sängerbundes zur Sprache, die durch die Zuschüsse zu 
den Bundesfesten, zur Sängerbundeszeitung und die Kosten des 
diederbuqhes in den letzten Jahren zurückgegangen sind. Bundes⸗ 
vorsitzender List muhte diese Tatsache mik Bedauern zugeben,. 
hetonte aber, daß in den nächsten Jahren große Ausgaben 
nicht bevorständen, das Liederbuch eine rentable Sache sei 
und die Finanzen bald wieder vorwärts kommen würden. 
Von besonderem Interesse war dann noch die Erörterung 
über die auf eine Reform der Sängerbundesfeste abzielenden 
Anträge des Gesamtausschusses. Hiergegen lagen zahlreiche 
Anträge der norddeutschenBünde vor, welche gegen die Be— 
schränkung der Rechte des Festausschusses der Feststadt zugunsten 
des Gesamtausschusses gerichtet waren. Die Anträge der Nord— 
deutschen, für welche außer ihnen nur die Sachsen geschlossen 
eintraten, wurden dann mit 161 gegen 42 Stimmen abgelehnt. 
Abends gaben die Bundesliedertafeln von Koburg »u Ehren 
des Sängertages ein Konzert mit nachfolgen dem Kommers. 
17. Deutscher bängertag in Koburg. 
(Eigenbericht der Lübecischen Anzeigen.) 
Koburg, 21. Sept. 
Zum dritten Male trat der Deutsche Sängertag am 
zonnabend in der freundlichen Relidenz, die als Wiege des Deut⸗ 
chen Sängerbundes eine besondere Bedeutung beansprucht, zu⸗ 
uimmen. Reschsstagsabgeordneter Rechtsanwalt List-Reutlingen 
onnte bei der Eröffnungssitzung 87 Abgeordnete aus 54 
zünden, die 203 Stimmen vertraten, begrüßen. Nach Ver— 
esung eines an den Herzog Karl Eduard gerichteten Huldi⸗ 
ungstelegramms sprach der Vorsitzende der Stadt Koburg das 
Nitgefühl zu dem großen Unglück des Hauseinsturzes aus 
nd teilte mit, daß der Gesamtausschuß zu der Sammlung für 
ie Hinterbliebenen der Verunglückten 300 Meubewil igt habe. 
zodann machte der Bundesvorsitzende Mitteilung von dem 
zlane, einen Gedenkstein zur Erinnerung an die Gründung des 
deutschen Sängerbundes in Koburg zu errichten. Der Sänger— 
ag erklärte sein Einverständnis mit dem Plane. 
Nachdem Bürgermeister Dr. Roth-Leiptzig eine Einladung 
ur Einweihung des Völkerschlacht-Denkmals überbracht hatte, 
nurde zum Vorsitzenden des Sängertages der bayerische Land- 
agsabgeordnete Hammerschmidt-Neustadt a. Hardt ge⸗ 
ählt. Den ersten Gegenstand der Beratungen bildete das 
riederbuch des Deutschen Sängerbundes, wozu Ritter von 
5Ich meidel⸗-Graz einen Antrag des Steirischen Sängerbundes 
nterbreitete, abgesehen von ganz besonderen Gelegenheiten in 
zukunft tunlichst nur noch 1) urheberrechtlich freigewordene 
berke, 2) noch nicht veröffentlichte Bearbeitungen deutscher 
zolkslieder und 3) noch nicht veröffentlichte Kompositionen für 
Männerchöre aufzunehmen. Der Antrag wurde v»hme Pebatte 
instimmig angenommen. 
Sodann trat der Sängertag in die Beratungen über die 
om Gesamtausschuß vorgelegten neuen Satzungen ein. An 
rster Stelle handelte es sich um die vielumstrittene Frage, wie 
er Begriff der „landschaftlichen Geschlossenheit“ der dem 
Ddeutschen Sängerbunde angehörenden Einzelbünde aufzufassen 
ei. Hierzu lag der Antrag des Leipziger Gausängerbundes vor: 
„Der Sängertag wolle bestätigen, daß der in 83 der 
Zundessatzung gebrauchte Ausdruck „landschaftlich geschlossen“ 
c auszulegen sei, daß als landschaftlich geschlossen zur solche 
lufnahme in den Deutschen Sängerbund nachsuchende Bünde 
elten können, innerhalb deren Landgebietes noch kein anderer 
em Deutschen Sängerbund angehörender Bund seßhaft ist“. 
stach eingehender Besprechung gelangte der Leipziger Antrag 
ait 114 gegen 89 Stimmen zur Annahme. Ein von 
Rodemald-sornoner bhegründeter Antrao der nord- und 
Norddeutscher Weinbau. 
Der erste deutsche Weinbaukongretz, dessen Tagung in 
Mainz kürzlich beendet wurde, hat einen imponierenden Ueber— 
zAlick über die Bedeutung der Rebenkultur im heutigen Leben ge⸗— 
oten. Aber es v doch im wefentlichen nur die gesegneten 
zaue von Süddeusschland, die heute noch für den Weinbau in 
zetracht kommen. Höher im Norden entsprossenen Gewächsen, dein 
zrüneberger, dem Meißener oder Naumburger Wein, treten 
oir bereits mit recht gemischten Empfindungen gegenüber und 
assen uns schwerlich von seiner Güte überzeugen.“ Im Miittel⸗ 
lIter war das anders. Ta blühte die Rebenzucht in ganz Not d⸗ 
eutschland, ein stolzes Zeugnis für die hohe Schätzung, tdae 
es Bacchus Gabe bei den Deutschen genoß, und für die hian— 
ebende Sorgfalt, mit der sie dem ungünstigen Boden die 
zegnungen der Traube abrangen. — An der Mosel und am 
chein ist der Weinbau uralt und breitete sich schon im 6. und 
christlichen Jahrhundert über die Donauländer, das Schwarz⸗ 
naldoebiet, Baden, Württemberg, Bayern, bis hinauf nach 
zessen aus. Seit dem 10. Jahrhundert aber beginnt dann die 
Kebe sich auch nach Osten und Norden hin jene Gegenden za 
robern, deren Boden und Klima der Zucht des Weinstockes 
viderstrebten. Schon aus karolingischer Zeit sind uns die ersten 
erstreuten Ansätze dafür bekannt. 1773 n. Chr. gab es be 
Hõsxter in Westfalen Weinberge, ebenso im heutigen Anhali 
und im Regierungsbezirk Magdeburg. 
Zu Beginn des zweiten christlichen Jahrtausends faßt die 
kebe dann festen Fuß im Sauer⸗- und Münsterlande, am 
Wesergebirge, in Ober- und Niedersachsen, sowie in Schlesten. 
zringt in die Altmark ein, nach Brandenburg, Pommern und 
Nedlenburg bis in das Ordensland Preußen und nach Kurland. 
In diesen nördlichsten Gebieten Deuishhlands war es besonders 
er Hochmeister des deutschen Ritterordens Winrich von Kniprode. 
over aus Italien und Süddeutschland erfahrene Winzer kommen 
ieß, um überall Weinberge anzulegen. So trank man dem 
n Memel, Tilsit und Königsberg eigenes Gewächs. Weit und 
hreit berühmt war der Wein von Thorn, das Vinum Torunense, 
on dem die Chroniken so Wunderbares berichten. Als der Herzog 
sudolf von Schwaben 1363 in der Marienburg als Gast weilte 
da reichte ihen der Mundschonk einen aroken goldenen Vecher 
—ü⏑⏑— 
Ts hat, glaube ich, eine lange Epoche in meinem Leben 
gegeben. wo mir für Mondscheinnächte der Sinn abging. Es 
bedurfte eines „Dichters“, damit ich erwachte. 
Das geschah vor etwa acht Jahren während der Nach- 
aijon des Berliner Lustspielhauses bei der Premiere irgend einer 
albernen Posse. Ich habe inzwischen alle Einzelheiten des 
Abends vergessen. Ich weiß mir, daß James Burg (oder 
hieß er Jacques?) ein selbstverfaßtes Lied über den Mond 
sang, den er „den Schalk“ nannte. 
Ja, der Schalk lächelt still, er kennt's, 
So ein Liebesidyll im Lenz. 
Er sieht's als ein Schauspiel an, 
Das man gratis genießen kann. 
So sang James Burg (oder war es Jacques?). und „ent⸗ 
chied den Erfolg des Abhends“ wie in den Berichten zä 
esen war. 
Tiefer veranlagten Menschen hat Lenau die Wunder der 
Mondnacht erschlossen, oder Goethe, den der Vorwelt silberne 
ßestalten qus dem feuchten Busch grüßten; mich hat James 
zurg auf den Schalk aufmerksam gemacht. 
Seiner gedachte ich in Dankbarkeit, als ich die Schön⸗ 
eiten jener Nacht von Soekaboemi trank. als ich zufällig 
zeuge jenes Liebesidylls war zwischen einem schlanken. sehnigen 
MNalayen mit flammend schwarzen Augen und einem Mädel. 
essen schwebender Gang lockte und dessen weike Zäbhne auf⸗- 
zlitzten. 
James Burg, du Sänger des Liebesidylls im Lenz. du 
wirst mich verstehen. du Dichter mit dem goldenen Herazen 
der echt Berliner Possenpoesie! 
Wir wandern weiter. Wir lassen die weiten Pflanzungen 
der Kokospalmen allmählich hinter uns und ziehen durch ein 
ichlafendes Dorf. Es wird ganz still ringsum. Links die. auf 
Bfählen gebauten Bambushütten mit den großen, weiten 
Strohdächern, und rechts, so weit der Blick reicht, ein Stoppel⸗ 
eld von Zuckerrohr. Die letzten der hohen Rohre find ab⸗ 
eichnitten worden, die gelben, reifen, welken Blätter wurden 
nit dem Buschmesser niedergemetzelt, in kleine Häufchen ge⸗ 
chichtet und schließlich verbrannt. Der Boden ist von schwarzen 
zeden übersät. von Brandwunden. die die graue Aschen⸗ 
chicht sprenkeln. Erst an der nächsten Wegesbiegung sehen 
wrer wmieder Bäume aber hier auf der kablen Fläche kann sick 
ind die Frau versleht sich auf diese Kunst besser als ber Mann. 
Bernachlässigt sie sie über Anproben, Fünfuhrtees und Haus—⸗ 
tandsgeschwätz, so ist das freilich ihre Sache. Aber eine äuherst 
efährliche. 
Es bedarf nur einer kurzen Reihe von Jahren, und aus 
enem verlegen⸗entschuldigenden „Sie versteht nichts davon“ 
st ein resigniertes, die Grenze der Geringschätzung bedenklich 
treifendes „Sie versteht nichts“ geworden. 
Da wäre es doch wohl weiser, sich hin und wieder freiwitlig 
n einen — Oberlichtisaal zu sperren.... 
Briefe aus dem Paradies der Erde. 
Von Robert Saudel. 
(I.) 
MDorfmusikanten. 
In kiefer Nacht, d. h. um 9 Uhr abends, zogen wir bei 
nollmondlicht über eine Landstraße vom Gebirgsstädtchen Soeka⸗ 
oemi nach einem Dorf im Tal. Wenige Minuten nach 6 Uhr., 
senn die Sonne verschwunden ist, herrscht in der Neumondwoche 
ntenschwarze Nacht. Dann wird es still ringsum, die Tiere 
es Waldes schlafen und nur ein leises Surren färbt eine 
wige Lautlosigkeit. Um so wundersamer wirkt der Zauber 
iner mondbeschienenen Tropennacht. Es kingt und ruft 
on den Baumwipfeln, unsichtbare Schnäbel pochen an Stämme 
ind wetzen die Aeste, lockende, girrende. zwitschernde Töne 
lingen auf und verstummen und finden Antwort, duünne, 
ngreistare Nebelschleier werfen die violett getönten Silber⸗ 
rahlen des Mondes zurück und spinnen uns in Träume, 
urch die wir halb wachend in schmerzloser Müdigkeit hindurch- 
uschweben glauben. In einer solchen Nacht streiften wir in 
ver Umgebung von Soekaboemi umher. 
Unsere Schritte knirschten über die sandige Straße. 
Irgend etwas huschte aufgeschreckt vor uns zur Seite 
wiuschen das Grün der Bäume, das jetzt gelb qussah. Wahr⸗ 
zaftig, ein Pärchen. Ein malayisches Liebespärchen. Hand in 
hdand und beide so frei gekleidet. so tropisch und noch ohne 
ede europäische sündhafte Scham 
ey Siehe quch Nr 4402
	        
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