Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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eilungen 1Mk. d. Zeile. Tabellen⸗ u. schwieriger 
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Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund. 
Amtsblatt der freien und Hansestadt Lübed 463. Jahrgang Nachrichten sur das herzogtum Lauenburg, die 
—VDXV e gürstentümer Ratzeburg, Lübed und das angren⸗ 
— E — —— ανι, zende mecklenburgische und holsteinische Gebiet. 
und Verlag: Gebrüder Borchers G. m. b. S, m Lubed. — Geschäftsstelle Adretaus Goniastt. 46). Fernspre cher oooo u. 9001. 
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Auc 
Montag, den 22. September 1913. 
Abend⸗Blatt Ur. 480. 
Erstes Blatt. hierzu 2. Blatt. 
————— —— 
Umfang der hentigen Nmrer 8 Seiten. 
— — — — —— e α(αααααααα 
Aichtamtlicher TelI. 
Das Ergebnis von Jena. 
WVon einem Parlamentarier.) 
Man soll sich hüten, das Ergebnis der roten Parteitags- 
chlacht von Jena zu überschätzen. Gewiß hat sie mit einer 
yffenbaren Niederlage der Putschisten und Worthelden geendet. 
Mehr als durch die Abstimmungen über Massenstreik und 
Steuerbewilligungen ist das durch die überlegen lässige Be— 
jandlung der radikalen Wortführer und Anführerinnen seitens 
»er Revisionisten und der Parteitagsmehrheit bezeugt worden. 
Aber deshalb wird die Sozialdemokratie noch lange nicht 
anders einzuschätzen sein als seither. Selbst wenn die Frank 
und Tavid und Südekum heute schon mit aller Kraft die 
Folgen aus ihrem unbestrittenen Jenenser Sieg ziehen und die 
Partei aus dem Bereich der revolutionären Phraseologie ganz 
in das ruhige Fahrwasser radikalreformerischer Tatpolitik steuern 
wollten, würde sich nur Taktisches ändern. Tie Sozialdemo— 
kratie würde dadurch in höherem Maße als seither zu ge— 
egentlichem Mitgehen mit dem Liberalismus bereit sein, aber 
ie würde im übrigen bleiben, was sie ist: die Todfeindin 
der bürgerlichen Gesellschaft. die einsetige 
Klasflenkampfpartei, ohne Verständnis und 
Arbeitswillen für die Gesamtinteressen des 
Baterlandes. 
Das läßt sich für alle, die es etwa nocdh nicht wissen sollten, 
nühelos aus den Verhandlungen der verflossenen roten Woche 
n Jena erkennen. Gerade weil die Revilionisten diesmal im 
Hegensatz zu früheren Parteitagen so redselig und bekenntnisfroh 
auftraten, konnte man mehr als früher aus ihren Worten und 
Taten ihre Gesinnung erkennen. In der Bekämpfung des be— 
tehenden Staatswesens, in der Ablehnung jeder Militär- und 
Marineforderung, in der Beurteilung der deutschen Kolonial⸗ 
ind Ueberseepolitik, in tödlichem Haß gegen den Kapitalismus, 
der sich in den Köpfen und Herzen der Massen nur zu leicht 
n Haß gegen die Kapitalisten umsetzt, geben die Jungen“ den 
„Alten“ nichts nach. Im Gegenteil, mit ihren Rezepten hoffen 
sie sicherer zum Ziele zu fommen, als mit der allmählich 
unwirksam gewordenen revolutionären Phrasentaktik. Fürst 
Bülow hat ganz recht gehabt, als er in einer seiner berühmten 
großangelegten antisozialdemokratischen Reichstagsreden ablehnte, 
Fanfaren anzustimmen, falls einmal einzelne nüchterne Geister 
des deutschen Sozialismus eine Rückhzugslinie aus der als 
trügerisch erkannten Umsturzpolitik auf den Boden einer posi—⸗ 
fiven Reformarbeit fänden. 
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Aber so entschieden wir es mit dem vierten Kanzler 
mgesichts des revisionistischen Parteitagssieges von Jena auch 
iblehnen, Fanfaren anzustimmen, so können wir uns euf der 
inderen Seite nicht verhehlen, daß der offenbar vorhandene 
ztimmungsumschwung in der Sozialdemokratie auch etliche tak— 
ische Aenderungen mit sich bringen wird, die bei der Bedeu⸗ 
ung der an Wählern und Mandaten reichsten Vartei für die 
esamte innere Politik Deutschlands schwer ins Gewicht fallen 
onnen. Wir haben ja schon bei der Verabschiedung der neuesten 
»teuervorlagen erlebt, welcher Umschwung möglich ist, wenn die 
ozialdemokratische Fraktion statt früherer dester Verneinungs⸗ 
‚olitit zu positiver Mitarbeit aufsteht. Die Ueberraschungen 
zerden noch gröher werden, wenn auch bei der Bewilligung 
adirekter Steuern die altüberkommene Zurückhaltung aufge 
seben wird. Etwas wie eine Anlündigung davon lag 'a bereits 
1dem Zugeständnis Wurms: „Wir sind von Lassalle her 
ꝛ2wohnt, gegen indirekte Steuern zu sein. Damals war das 
ur berechtigt, weil alle indirekten Steuern tatsächlich abgewälzt 
erden konnten auf die weniger Wohlhabenden, namentlich 
suf die Arbeiter. Die großen wirtschaftlichen Umwälzungen 
aben aber seitdem auch auf diesem Gebiete alles verändert, 
ind wir können heute nicht starr an der Form kleben bleiben.“ 
luch die deutsche Sozialreform, ja jeder neue gesetzgeberische 
Bersuch im Reichstag wird anders als seither verlaufen, wenn 
ich die stärkste Fraktion energisch von der Alles-oder⸗nichts— 
Ttaktik abwendet und wie alle anderen Parteien die Politif 
ediglich als die Kunst des Erreichbaren ansieht und handhabt. 
Um dieser jetzt näher als je gerückten Möglichkeit willen 
nüssen wir bei aller kühlen Zurückhaltung die diesjährige rote 
Tagung von Jena besonders im Gedächtnis behalten. Be— 
eutet sie, was die Führer der Revisionisten nach allen seit— 
erigen Deklamationen jetzt, da üe die Macht haben, doch wohl 
igentlich durchsetzen mühten, eine scharfe taktische Wendung der 
dartei zum Vernunftsozialismus, so wird der sozialdemokra— 
ische Parteitag von 1913 ein Marfkstein in der Geschichte nicht 
aur des Sozialismus, sondern der deutschen Gesamtpolitik sein. 
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linke Hand sich zum letzten Male zur Abstimmung erhebt, wird 
die rechte nach der Handtalsche greifen. Unter großer Unruhe 
hegann Ebert sein Referat über die Maifeier. Der Nürn⸗ 
zerger Beschluß, wonach diejenigen Arbeiter éäinsbesondere 
darteiangestellte), die den 1. Mai ohne Lohnverlust feiern, 
»en Tagesverdienst an den Maifonds abzuführen haben, hat 
u vieren Unzuträglichkeiten geführt, da die Betroffenen sich 
veigerten, diesem Ersuchen nachzukommen. Es wurden eine 
anze Anzahl Ausschlußverfahren eingeleitet, nach dem Rezept: 
Wer nicht zahlt, der fliegt. In einem Bezirk. so führte der 
keferent aus, seien 82 Ausschlußverfahren eingeleitet worden, 
indere Bezirke hätten sich dagegen geweigert, den Nürnberger 
tejchtutß zur Ausführung zu bringen. Es haben sich ver— 
chiedene Umstände ergeben, die ein Ausschlußverfahren nicht 
npfehlen: vorhergehende Arbeitslosigkeit. Unterstützung der 
Eltern usp. Kurz, man wußte nicht, wo man anfangen und 
vo man aufhören solle. 
Der Parteivorstand beantragt deshalb: „Dem Beschluß 
des Leipziger Parteitages vom Jahre 1909, der die Regelung 
der Maifeier und die Ansammlung eines Maifeierfonds an⸗ 
Irdnet, fügt der Parteitag in Jena folgende Erklärung hinzu: 
der Parteitag erwartet von den in Bureaus und Redaktionen 
der Partei und Gewerkschaften angestellten Parteigenossen. daß 
ie im Hinblick auf die Opfer, die die Arbeiter im Kampfe 
um die Maifeier bringen, ihren Tagesverdienst am 1. Mai 
an den Maifeierfonds abliefern.“ 
Diese Form soll auch die Billigung der Gewerkschaften 
jefunden haben. Fries⸗-⸗Köln bat, es bei der Ablieferung 
zes Arbeitsverdienstes zu belassen, um der Mißstimmung der 
Arbeiter gegen die Parteibeamten nicht neuen Stoff zuzuführen. 
Fischer-Hannover verlangte Konsequenz, entweder Durch⸗ 
ührung der Maifeier oder Verlegung auf den Abend. 
ßrosse-Hamburg: Die Schwierigkeit der Maiseier liegt darin, 
aß Unterstützungen für die Opfer der Maifeier-Ausgesperrten 
iötig sind und deshalb ein Maifeierfonds gesammelt werden müsse. 
In Hamburg hatten wir 1911 für diese Zwecke 100 000 M 
Ausgaben. dagegen nur 18 000 Me Einnahmen. — Der Partei⸗ 
sag schien keine Lust zu haben, sich lange mit dieser Ange— 
egenheit zu befassen, machte Schluß und nahm mit großer 
Mehrheit den Antrag des Parteivorstandes an. Gegen den 
schnellen Schluß machte zwar ein Delegierter Opposition, da 
mnan hier, wie in der Steuerfrage das „arbeitende Element“ 
nicht gehört habe. Der Mann hatte recht, aber zum Schluß 
wird mit Schnellzugsgeschwindigkeit gearbeitet. 
Dann etablierte sich der Parteitag als Reichsgericht, es 
vurden alle die Berufungen verhandelt, die gegen die Schieds⸗ 
erichtsurteile der Organisationen eingelegt worden sind. Die 
zahr war nicht klein und die Behandlung nahm geraume 
zeit in Anspruch. Wegen Mitgliedschaft bei dem snyndikalischen 
Lilgemeinen Metallarbeiter-Verband wurden 15 Mitglieder aus— 
zeschlossen. Ein Soester Rauhbein hatte die Varteigrößen „rot⸗ 
nasige Kerls“ genannt und hatte dafür vom Schiedsgericht 
— — 
Iiend seine Augen blitzten sie fast feindselig an. 
Aus Gerdas Wangen war die Farbe gewichen. So stand 
sie vor ihm. Und nun enplich eine Regung: 
„Verzeih', daß ich dir etwas zumutete, das dir so un⸗ 
möglich ist. Es wird nie wieder geschehen. Tu also nur, 
was du für richtig hältsi“ 
Sie sagte es ruhig. Aber ihr Blich glitt an ihm vorbei. 
So ging sie, ihm voraus, ins Eßzimmer hinüber. 
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Seit jener Stunde wurde zwischen Gerda und Heinz nichts 
nehr über seine Zukunftspläne gesprochen. Sie wußte ja nicht, 
velches seiner Projekte er verwirklichen würde, und schloß aus 
ꝛinem Schweigen nur, dachßz wohl noch keines zum Absfchluß 
ekommen war. Es drängte ja auch nicht so. Heinz Kektzler 
vatte einiges Privatvermögen hinter sich, das ihm ein Ab⸗ 
varten schon erlaubte. 
Inzwischen machten sie auch ihre Besuche bei Gerdas alten 
Bekannten. Wenn Heinz freilich auch keine großze Neigung zu 
inem solchen Verkehr empfand, so zwang doch die gesell⸗ 
hbaftliche Form zu diesen Visiten. Gerda machte indessen den 
Veg zu den alten Bekannten und Freunden jetzt nur schweren 
erzens. Nicht allein, daß sie wußte, wie ungern ihr Mann 
ie dabei begleitete, nein, auch das andere kam mun noch hinzu: 
iuch ibre Freunde wußtten ja von Heinzens Affäre, die Stadt⸗ 
zespräch gewesen war. Aber wie würden sie darüber denken? 
Wie Gerda Keßler so diesen Weg ging. da empfand sie 
um erstenmal drückend und schwer: es war nicht mehr wie früher. 
ẽs trennte sie etwas von ihren alten Bekannten, von ihrem 
alten Lebenskreise — sie gehörte im Grunde nicht mehr zu 
diesen Menschen, die sie gewöhnt war, als ihresgleichen anzu⸗ 
ehen, so lange sie denken konnte. 
Gewiß, man nahm sie überall sehr freundlich auf, auch 
hren Mann. Sie wurden allenthalben angenommen, man 
jußerte seine Freude, fie wiederzusehen, nun auch als junge 
Frau. Aber trotz allem! 
So bei Löweckes. Man sprach von diesem und von jenem, 
)abei äußerte der Hauptmann etwas von Heinzens nächstem Auf— 
reten. Gerda stutzte — ja, wußten Löweckes denn wirklich noch 
iichts —? Ihr Mann überhörte absichtlich die Frage, der 
auptmann schien zu verstehen, glitt zu einem anderen Thema 
„inüber, glatt, unauffällig, freundlich und verbindlich — und 
rotzdem fühlte Gerda alsbald den geheimen DTruck, die Un— 
ksXÆfæsÆEÆ 
Momentbilder vom sozialdemokratischen 
Parteitag. 
Machdr. verb.) P. Gr Jena, 20. Sept. 
XI. 
SZchlußsitzung. — Abreisefertig. — Die Maifeier. 
— Wer nicht zahlt, der fliegt. — Die „erklärte“ 
Naifeier. — Das sozialdemokratische Reichs— 
jericht. — Rotnasige Kerls. — Eine polnische Ge— 
chichte. — Die teuren roten Brüder aus Polen. 
— Das Geheimnis des Protokolls. — Schluß. 
Die heutige Schlußsitzung begann eine Stunde früher, da 
nan am Nachmittag die Delegierten nicht mehr zusammenhalten 
kann. Ein Teil ist schon mit Gepäckk erschienen, und wenn die 
Offizierstöchter. 
Roman von Paul Grabein. 
(34. Fortsetzung.) Nachdruck verboten.) 
„Nun ja — da du mich denn fragst. Schließlich dann sich 
de Sache mit Amerika noch zerschlagen, und man tut überhaupt 
jut, immer zwei Eisen im Feuer zu haben ··..... 
Gerda erblaßte. Hörbar entwich ihrer sinkenden Brust 
er Atem. — 
„Also daran denkst du!“ 
See sagte nichts weiter. 
Auch er schwieg eine Weile, wie in Verlegenheit. Ob⸗ 
chon er jetzt so unbefangen tat, auch ihn hatte es ja einen 
Kanipf gelostet. Er, Heinzd Kebler, auf dem Varieté, zwischen 
allerlei Spezialitäten — wer ihm das früher gesagt hätte! 
Aber was blieb ihm weiter? Er mußte eben. Und darum den 
Kopf hoch, doppelt hoch! Er blieb trotzdem, wer er warks Er 
wollte es den Kerls schon zeigen, die da dachten, ihn klein 
uu kriegen, ihn zu Kreuz kriechen zu lassen. Und so warf er 
denn auch jetzt den Kopf zurück. 
„Gerda, sieh mal,“ er rückte nahe heran zu ihr, „du 
nust dir die Sache doey richtig vorstellen. Das wird eben 
vas ganz Besonderes, was ich vorhabe. Ja nicht etwa blok 
o eine Nummer auf dem Programm — nein, eine ganz beson⸗ 
dere Abteilung — das Hauptstück, der Clou des Abends. Und 
die Presse wird es schon ins rechte Licht setzen: ei ne Neu⸗ 
heit, eine Sensation nicht nur des Wintergartens, nein, ein 
Markstein in der Entwicklung des Varietes üüberhaupt zur 
döhe wahrer, vornehmer Kunst — Heinz Keßler auf den 
Brettern des Wintergartens in drei Soloszenen, kleineren Ein— 
iltern von ausgesucht Uterarischem Wert — ein Lederbissen für 
Feinschmeckeer — na, und so weiter. Du weißt ja, wie's ge— 
mnacht wird. Für einen geschickten Manager werd' ich schon 
orgen. — Siehst du, Kind, so schaut die Sache aus. Tas 
st ein ander Bild, darüber läht sich reden, nicht wahr?“ 
Er suchte jetzt ihre Augen, ihrer Zustimmung gewiß. Sie 
olidte noch immer vor sich hin, einen gequälten Ausdruck im 
Hesicht. 
Wie er ihr da eben so alles auseinandersetzte, gewisser⸗ 
naßen für sich selbst die Reklame entwarf — es hatte ihr 
nnerlich einen Spaß gegeben. Gewiß, sie machten es ja wohl 
1Ae so, die vielbewunderten Größen des Tages — die H.e 
ves Ruhmes war heutzutage eben die geschicte Propaganda. Aber 
ennoch —! Von ihm hätte sie das lieber nicht gewußt. 
daß er sie ganz offen hinter die Kulissen seines Berufes 
liclen ließ, es war nicht gut, nicht klug gewesen von ihm. 
zmmer mehr blätterte ab von dem Nimbus, der ihn einmal 
mwoben hatte. Und schwerer hob sich ihr nur noch die Brust. 
Heinz Kebler merkte, daß sie noch immer nicht überzeugt 
var, wenn er freilich auch ihre letzten Gedanken nicht erriet. 
da neigte er sich zu ihr hin, und mit einem überlegenen 
zächeln ergriff er ihre Hände. 23 
„Na, laß gut sein, Kind. Wirst dich schon noch mit der 
zache befreunden, wenn du erst siehst, wie sich die Presse, 
as Publikum dazu stellt. Aber nun komm endlich zu Tisch. 
sch habe nachgerade Hunger.“ 
Er wollte sie so bei den Händen hochziehen, aber da kam 
istzlich ein Wille über sie, in ihre schlaffen Glieder. 
„Heinz!“ Beschwörend sah sie ihm in die Augen. „Gibt 
s denn wirklich keinen anderen Ausweg, als diesen? Was 
u auch sagst, es ist und bleibt ein Herabsteigen — ein DTe⸗ 
lassieren für dich.“ — „Und filr mich,“ setzte sie im Stillen hinzu. 
Gibt es denn also keine andere Möglichkeit? Keine Verstän— 
igung. keinen gütlichen Vergleich mit dem Bühnenverein? 
zieh, Heinz — bitte, laß mich ausreden! — Im Grunde kann 
jan die Leute ja verstehen. Riemer hat dich gewiß schwer ge⸗ 
eiot, aber du — bitte, sei nicht bbs — du hast dich dann 
uch schlimm fortreißen lassen. Wenn du also zum Tirektor 
ingest, dich mit ihm aussprächest und —“ 
„Mich entschuldigte, vor dem ganzen Personal revozierte 
ind deprezierte — nicht wahr? So wär's recht?“ 
Er hatte ihre Hände erregt von sich gestoßen, und seine 
lugen flammten sie an. Sie erwiderte nichts, unterließ selbst 
as leise Neigen des Hauptes. In dem Zustand überschritt er ja 
u leicht die Grenzern 
Er aber brach trotzdem weiter los, bitteren Hohn in der 
ztimme: 
„Ja, das könnt' euch passen! Das haben sie mir ja auch 
ugemutet, die hochmögenden Herren vom Puühnenverein, voran 
er Herr Intendant. Aber ich habe sie meine Antwort wissen 
assen. Und ich sag's hier auch dir noch einmal: lieber wollt' 
h sonst was tun, lieber allabendlich im Kabinett meine 
Mätzchen machen — als das!“
	        
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