Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Tagesbericht. 3 
Lübecd, 21. September. 
Der Semat hat, wie wir hören, durch seinen staͤndigen 
Kommissar dem Wortführer der Bürgerschaft die Mitteilung 
zugehen lassen, daß er beschlossen habe, in diesem Gedãchtnisjahr 
der Befreiung Lübedss von der Franzosenherrschaft die vor dieser 
in Gebrauch gewesene Amtstracht, deren Wiedereinführung 
aͤm vorigen Jahrhundert und auch seit 1900 wiederholt zur 
Beratung gestellt ist, wieder einzuführen. Die Anlegung der 
Amistracht wird nur bei feierlichen Veranlassungen. zunãchst vor⸗ 
aussichtlich bei der anläßlich der 100jährigen Wiederlehr des 
Tages der Völkerschlacht bei Leipzig zu veranstaltenden Er⸗ 
ãnnerungsfeier, stattfinden. 
Bevöllerungsbewegung im Lũbedischen Staate wäthrend 
des Monats Auguist 1913. Die Zahl der Eheschließungen betrug 
61 (1912: 55), die der Lebendgeburten 219 (268) und die der 
Sterbefälle 128 (143). Der Geburtenüberschuß belief sich 
Ddemnach auf 91 (125). Uneheliche Geburten kamen 27 (24) mal 
vor. Totgeburten wurden 7 (7) mal registriert. 
Der Grundbeßtzwechsel im lübedischen Staate vom 
1. April 1912 bis 31. März 1913. Abgesehen vom Erbgang sowie 
von Auseinandersetzungen und Abtrennungen von Grundstücs- 
deilen haben 714 (642 i. V.) Grundstüde mit einem Flächen⸗ 
inhalt von 88593 220 (4538 140) qm zum Vreise von 
15 181652 M (13351814 M) den Eigentumer gewechselt, der 
Amsatz auf dem Grundstücksmarkt war also erheblich lebhafter 
und bedeutender als im Verwaltungsjahr 1911. 557 (606) 
dieser Grundstücke mit einem Flächeninhalt von 8130805 
A 479 644) ꝗm gingen freihändig in andere Hände über 
suind ihre früheren Eigentümer erhielten 11976822 M 
(10 304 600 M) fur sie ausgekehrt. während 157 (136). die 
453 325 (8 496) am umfaßten, zur Zwangsversteige⸗- 
rung hlamen und für 3204830 M G 047 208 My zugeschlagen 
wurden. 526 (486) der Grundstücke waren bebaut und 188 
56) unbebaut, daxrunter 124 (119) Bauplätze. 542 (492) 
lagen in der Stadt, darunter 367 (337) in den Vorstädten, 
und 172 (100) im Landgebiet früheren Umfangs. Von den 
557 606) freihändig veräußerten Grundstücken waren 389 
4353) bebaut und 168 (153) nicht bebaut. Unter den Ver⸗ 
tkäufern in der Stadt fanden sich 70 (49) Rentner, 50 (48) 
Arbeiter. 43 (54) Bauhandwerker und 40 (41) andere Hand— 
werker und Kleingewerbetreibende., 22 (20) Detaillisten und 
21 011) Gast- und Schankwirte. Von den Käufern gehörten 
81 (65) dem Arbeiterstande an, während 52 (54) Bauhand⸗ 
werler, 49 (33) andere Handwerker und nur 27 64) Rent⸗ 
ner waren. Von den 318 bebauten Grundstücken. die in der 
Stadt verkauft wurden, enthielten 196 gewõhnliche Wohn⸗ 
häuser. 26 Villen, 47 Läden aller Art, 23 Wirsschaften usw 
Ihr gesamter Kaufpreis betrug 7 780 364 M. 40 kosteten bis 
5000 M, 53 5000- 10 000 M, 55 20000-30 000 Mund 
9 über 100000 M. Zwangsversteigert wurden 137 
(133) bebaute und 20 (3) unbebaute Grundstücke. 84 (04) 
waren mit gewöhnlichen Wohnhäusern. 22 (2) mit Villen. 15 
17) mit Wirtschaften und 10 (13) mit Läden aller Art bestanden. 
Das Eigentum gehörte in 71 660) Fällen Bauhandwerkern, 
in 12 (12) Gast- und Schankwirten usw. Unter den Er⸗ 
stehern waren 31 65) Rentner, aber nur 31 (16) Bau—⸗ 
handwerker und 11 (11) Gastwirte. Die Beschwerungssumme 
belief fich z. Z3t. der Beschlagnahme auf 4566572 M 
( 175 501 M) und zwar waren 16 (19) Grundstücke mit mehr 
als 50 000 Meubeschwert. Höchstgebote wurden im Gesamt⸗ 
betrage von 3194 931 M ( 047 2080 M abgegeben und stehen 
blieben 2714075 M (2695 999 M). Infolgedessen mußten 
1852 497 M (1479 502 M) auf Grund des Zuschlages von 
Amts wegen gelöscht werden. 
S Zur Verforgung Lübecks mit Radium bezw. Meso⸗ 
chotium gehen uns von unterrichteter Seite folgende Mit— 
teilungen zu: Im Anschluß an die Ausführungen einiqer 
Redner in der letzten Bürgerfchaftssitzung ist vielleicht der Hin⸗ 
weis von Interesse, daß hier in Lübeck schon seit geraumer Zeit 
auch private Bestrebungen im Gange sind, Lübeds Be— 
völkerung die Wohltaten einer Radium⸗ resp. Mesothorium⸗ 
bebhondlung zuteil werden zu lassen, und daß iedenfalls schon 
im April nächsten Jahres eine genügend große Menge zu Kur— 
zwechen hier vorhanden sein wird. HSerr Dr. Uter hat sich 
100 mar Radium zu dem angegebenen Termin gesichert, und die 
Frauenklinik, Pferdemarkt 8, wird die erste Anftalt in Lübed 
lein, Radium be Krebs und anderen Krankheitszuständen ver— 
wenden zu fönnen. Das vorhandene Radium loll natürlich 
der Gesamtbevölkerung zugute kommen und somit auch den 
übrigen Aerzten zur Verfügung stehen, soweit es in der Anstalt 
selbst nicht benutzt wird. Man muß zu erreichen suchen, die 
an sich so kostbare Substanz ständig in Gebrauch zu haben, meil 
die Strahlung selbstverständlich immer vor sich geht, puch wenn 
das Präparat unbenutzt ist. Es sollte ferner das Bestreben 
aller beteiligten Kreise sein, eine unparteiische Zentralstelle zu 
schaffen zur Erwerbung und wirtschaftlichen Verwertung einer 
genügenden Menge Radium refp. Mesothorium, z. B. 200 mer, 
die dann den Nerzten auf Wunsch leihweise überlassen werden 
könnte. Es mühlen dazu Bedingungen geschaffen werden, um 
die Präparate vor Verlust und Beschädigung zu sichern und 
durch Festsetzung einer Leihgebühr eine angemessene Amortisation 
der hergegebenen Kapitalien zu gewährleisten. Es läßt sich wohl 
denlen, daß auf diese Weise nach einem gewissen Zeitraum die 
Leihgebühr zum Wohle der Gesamtheit bedeutend er můßigt 
werden könnte. Dieses Ziel könnte durch Ueberweisung von 
Vermächtnissen und Stiftungen an eine solche Zentrale noch 
eher erreicht werden. Auch ist der Gedanke nicht von der 
Hand zu weisen, doß zur Schonung der Finanzen unseres 
Staatswesens nicht auf einmal so große Kapitalien zur Be— 
schaffung von Radium resp. Mesothorium hergegeben zu werden 
brauchen, sondern daß auch die staatlichen Anstalten zunächst 
von dieser Zentialitelle in vorkommenden Fällen die nötige 
Menge Radium resp. Mesothorium leihweise übernehmen und 
* für diesen Zweck eine bestimmte Summe in den Etat der An—⸗ 
jtalten eingestellt wird. Dieser Gedanke erscheint auch aus 
dem Grunde zweckentsprechend, weil die Grundlagen für eine 
erfolgreiche Krebsbehandlung durchaus noch nicht so feststehend 
find und erst noch weitere Versuche und systematische Forschungen 
an den Aniverlitäten und Studienanstalten abgewartet werden 
mũssen. Zedensalls ist eine Ueberstürzung der Angelegenheit zu 
vermeiden; eine Förderung dagegen müßte sich ein jeder an— 
gelegen sein lassen, der ein Herz hat für die leidende Menschheit. 
RKeine Ermaßigung des elektrischen Kraftstrompreises für 
das Kleingewerhe. Wie schon vor einigen Tagen furz mit— 
jeteilt hat der Senat das Ersuchen der Bürgerschaft, in Er— 
vägung zu ziehen, den kleineren gewerblichen Stromabnehmern 
ven Kraftstrom mit 18 Pfg. pro Kilowattstunde zu liefern, ab⸗ 
chlägig beschieden. Die Gründe dafür sind in einem Bericht 
des SHSerrn Direktors Hase an die Verwaltungsbehörde für 
tädtische Gemeindeanstalten enthalten, aus dem wir nachstehendes 
eirtnehmen: Die Frage, ob es ratsam erscheint, den keineren 
ewerblichen Stromabnehmern den Krasftstrom mit 18 Pfg. pro 
dilowattstunde zu liefern, ist im Laufe der langwierigen Tarif— 
derhandlungen wiederholt geprüft, immer aber in ablehnendem 
Zinne behandelt worden. Eine Preisermäßigung von 20 auf 
8 Pfg. für 1 Kilowattstunde entspricht einem Rabatt von 
O q0. Abgesehen davon, daß eine Vergünstigung in Form 
ines Rabattes nach allgemein gültigen wirtschaftlichen Grund⸗ 
ätzen nur Großabnehmern und nicht Kleinabnehmern eingeräumt 
verden kann, ist die für den Einzelnen zu erreichende Erspar⸗ 
nis eine ganz geringfügige. während der Staat natürlich einen 
nicht unerheblichen Ausfall zu erleiden hate Zur gleichen Sache 
iußert sich die Kommission der Bürgerschaft zur Vorprüfung 
»er Senatsvorlage, betreffend Bedingungen für die Lieferung 
jon Gas und Elektrizität durch die städtischen Gemeindean⸗ 
ralten. in ihrem am 26. Sept. 1912 erstatteten Bericht wie 
olgt: „Einem zu dem bestehenden und von der Kommnssion 
jeiter befürworteten Preise von 20 Pfg. für Kraftstrom vor⸗ 
ebrachten Wunsche, den kleineren Gewerbetreibenden eine etwas 
illigere Preisbemessung durch Gewährung von Rabatten zu⸗ 
sommen zu lassen. vermochte die Mehrheit der Kommission 
u ihrem Bedauern nicht zu entsprechen. Denn da eine solche 
ẽkrmäßigung jedenfalls nur gering hätte ausfallen dürfen, 
vürde sie den betreffenden einzelnen Abnehmern keinen fühl— 
zaren Vorteil gewährt haben, wiederum aber die Einheitlich- 
eit und Uebersichtlichkeit des Tarifs durchbrechen und dann 
em Staat einen. im ganzen genommen, doch nicht unerheb⸗ 
ichen weiteren Einnahmeausfall bringen. Von allen Kraftstrom⸗ 
bnehmern (6624) haben nämlich nur der fünfte Teil (106) 
inen Bedarf von mehr als 200 M, und zwar: 
51 Konsumenten einen solchen von über 200500 M, 
45 Konfumenten einen solchen von über 500 2000 mD 
8 Konmsumenten einen solchen von über 20005000 mMD. 
2. Konsumenten einen solchen von üͤber 5000 MmM. 
Taraus ergibt sich, daß selbst eine schon bei 200 M be⸗ 
zinnende Rabattstala der weitaus überwiegenden Mehrzahtk der 
Abnehmer nicht zugute kommen wuürde“ Würde der Preis 
ür Kraftstrom und Strom für technische Zwede einheitlich auf 
8 Pfg. für eine Kilowattstunde ermäßigt, wäre auf der 
Basis des Voranschlages 1913 mit einem Ausfall von 633 000 
dilowattstunden mal 2 Pfg. — 12660 Muzu rechnen. An dem 
Stromverbrauch von etwa zwanzig kleineren Gewerbetreiben⸗ 
den wird sodann gezeigt. daß ein zehnprozentiger Rabatt für 
den Einzelnen nur ganz außerordentlich mäßige Beträge 
86 Pfg. bis 8,90 Mäim Jahre) ausmachen würde, und im 
Anschluß daran ausgeführt, daß das Wohl und Wehe der 
leineren Gewerbetreibenden nicht von so geringen Ecrsparnissen 
wWhängig sein kann. In unserer näheren Umgebung ist fast 
rusnahmslos der Kraftstrompreis höher wie 20 Pfg. pro 
dilowattstunde; insbesondere ist bei Anschlüssen an die 
Ueberlandzentrale nirgends mit einem Preise unter 20 Pfg. 
u rechnen. Nicht zu unterschätzen ist schließlich daß Lübed 
chon seit langem den Vorzug gehabt hat, einen besonders 
illigen Kraftstrompreis zu haben. Aus dem Bericht vom 
4. Jan. 1910 geht hervor. daß der Grundpteis für Kraft 
iach dem damaligen Stande (Mittel aus 212 Fällen) 253 Pfo. 
ür eine Kilowattstunde betrug. 
Der Heldentenor Otto Fanger, der in der Winterspiel⸗ 
zeit 1907/08 unter Direktor Piorkowsky dem Enfemble des 
Stadttheater-Mroviforiums in Lübef ange— 
hörte und hier schon wegen seiner schönen Stimmittel als Lohen⸗ 
zrin die Beachtung der Theaterfreunde erregte, im vorigen 
Winter 1912,13 als Mitglied dem Königsberger Stadttheater 
angehörte und im Sommer 1913 in der Sachse-Oper in Berlin 
Aufsehen erregte, hat kürzlich mit außerordentlichem Erfola am 
Frankfurter Opernhaus als Siegfried und Elcazar gastiert und 
sst unter glänzenden Bedingungen als Nachfolger unferes ehe⸗ 
naligen Heldentenors GEinar Forchhammer (1895 /96 VNal⸗ 
zglied der Lübecker Oper unter Direktor Erdmann-Jesnitzer) an 
das Frankfurter Opernhaus verpflichtet. — Forchhammer ist be— 
anntlich jetzt Seldentenor des Wiesbadener Hoftheaters. 
8Vom Theater. Am Rigaer Deutschen Stadt— 
heater wirken zurzeit wieder eine Reihe Künstler, die früher 
»der in den letzten Jahren dem Ensembie des Lübeder Stadt— 
heaters angehört haben. In Gounods „Faust“ sang vor 
inigen Tagen der Seldentenor Herr Strätz, der unter 
Direktor Erdmann- Jesnitzer in der Winterspielzeit 1897,98 als 
Tenorbuffo am alten Lübecker Stadttheater verpflichtet war, 
md als Mime ganz besonderen Erfolg hatte, und später am 
zamburger Stadttheater, am Chemnitzer Stadttheater und an 
er Kölner Oper als lyrischer, zuletzt als Heldentenor wirkte, 
en Faust, Serr Fablan, der zwei Winter 
1911/12 und 1812/13) am neuen Lübecker Stadt—⸗ 
heater als 1. Bassist tätig war, die Partie des 
Hephisto, und Frl. Fina Wid halm idgli,iez, Nniglied der 
übecder Oper, die Partie der Margarethe. — Die Rigaische 
dumndschau schreibt über diese drei Kunstler wie folgt: „Das 
ßrognostikon, das dem Heldentenor Herrn Strätz nach seinem 
debüut gestellt worden war, läßt sich leider nicht ganz aufrecht 
rhalten. Die Stimme des Sängers scheint wenig Spannkraft 
zu haben: so glanz- und kraftvoll, so wohllautend sie sich im 
)ramatischen ersten Akt bewährte, so matt und unsicher zeigte sie 
ich gegenüber der Lyrik des dritten Aufzuges. Die schlecht⸗ 
itzenden Kopftöne, die unreine Höhe im piano mußten den 
kindrud beträchtlich schwächen. Hoffertlich tritt ein derartiger 
timmlicher „Wettersturz“ nicht zu oft auf. Das Spiel des 
Sängers überschritt nicht das übliche Darstellungsschema. Da— 
jegen hat Herr Fabian die breite Strahe des Opernhaften 
erlassen und sich dem verschlungenen Pfad des Schauspiele— 
rischen zugewandt. Hämisch und böhnisch aber mit Maß. ohne 
in Scharlatanerie zu verfallen, nicht Kriechernatur, sondern 
mmer im Bewußtsein seiner Fürstenwürde, so stellt Fabiam 
den Mephisto dar. Und dies mit vortrefflicher Maske, reicher 
Mimik und lebhaften Gesten. Am stärksten fesselte sein Spiel 
m zweiten Akt. Es ist erkreulich zu berichten, daß auch eine 
iberraschende Tonkraft die gesangliche Leistung hob und speziell 
m virtuos vorgetragenen Trinklied zutage trat. Viel weniger 
dagegen in der Kirchenszene, wo die Stimme nicht durchgzu— 
dringen vermochte. Reicher Beifall lohnte die interessante Dar⸗ 
zietung. Vortrefflich bei Stimme und in darstellerischer Stimaæ 
nung war Frl. Widhalm die übrigens nächstens einen 
RKigager Kaufmann, Edgar Miettschke, heiratet). Das 
Spinnlied und die Schmuckarie kamen durch den blühenden, dort 
weichen, hier breit ausladenden Ton zur Geltung. Die Kolo⸗ 
ratur hätte flüssiger sein können.“ 
Ertinnerung an das fruhere Lübediifche Kontingent: 
Am 18. September, dem Tage der Rüdkehr des 
dũübecdifchen Bataillons aus dem Mainfeldzuge im 
Jahre 1866, hatten sich etwa 40 Veteranen im Restaurant 
„Hohenzollern“ zusammengefunden, um Jemeinsam eine Er— 
nnerungsfeier zu begehen. Die Zahl der wackeren Krieger wird 
eider von Jahr zu Jahr kleiner, doch hatten sich alle alten 
dampfgenossen, die zu der Erinnerungsfeier vereint woren, 
den frohen Jugendmut bewahrt und manche Vorkommnisse 
aus alter Zeit wurden in Fröhlichkeit wieder aufgefeischt. 
A. Von den russischen Torpedobootszerstörern. Die unter 
dem Kommando des Herrn Kapt. z. S. Viatkin am Freitag 
iachmittag im hiesigen Hafen eingetroffenen russischen Torpedo—⸗ 
erstörer „Dobrovolez“, „Moskvitianin“ und „Emir Bucharskii“ 
ommen von Kopenhagen und haben auf der Reise nach 
dübedd in Kiöge Kohlen eingenommen. Dem Vernehmen nach 
perläßt die Flottille am Montag wieder den hiesigen Hafen, 
um nach Libau in See zu gehen. 
Unfere 162er kehrten am gestrigen Abend aus dem 
Mansvergelände zurũck. Anstrengende Tage liegen hinter 
hnen und groß ist daher die Freude der Soldaten, daß 
nach all den Beschwerden der Mansvertage wieder einige 
Zeit der Erholung winkt. Zudem wird über die Hälfte der 
Mannschaften zur Entlassung kommen und wieder ins Zivil⸗ 
eben zurücktreten. Alle, die ein oder zwei Jahte in Treue 
em Vaterlande gedient, verabschieden sich von ihren Kame— 
aden und kehren wieder in die Heimat zurück, freudig von 
hren Angehörigen empfangen. Gibt es doch auch so vieles 
u erzählen und manche Erinnerung aus der schweren, aber 
ruch schönen Dienstzeit bleibt unvergeklich im Herzen haften. 
Wie sehr auch die Bevölkerung Lübecks erfreut war, ihre Sol⸗ 
aten wieder daheim zu wissen, das ließen die vielen Hunderte 
rkenmen. die gestern abdend auf dem Bahnhof der Ankunft 
»er Truppen harrten. Namentlich waren die kleinen lieben 
Mädchen in großer Anzahl erschienen und spähten sehnsüchtigen 
Bzlides nach ihrem heimkehrenden Herzallerliebsten aus. Kurz 
sach 11 Uhr traf das 1. und 2. Bataillon am Bahnhof ein. 
die Soldaten, trotz aller hinter ihnen liegenden Strapazen noch 
röhlich und guter Dinge, fanden kaum für die Aufstellung 
aum, so zahlreich wierden sie von Freunden und Schaulustigent 
ewillkommt. Dann stellte sich die Regimentskapelle an die 
Zpitze des Zuges und hinaus gings in flottem Tempo mit klin— 
sendem Spiel in die Kasernen. Und immer in gleichem Schritt 
ind Tritt marschierte das liebe Publikum mit. Eine unüber— 
ehbare Menschenmenge hielt den Zug umringt und in den 
?tratzen und von den Fenstern der Wohnungen wurden die 
Zkoldaten eifrig begrüßt. Das 3. Bataillon traf dann etwa 
ine halbe Stunde später am Bahnhof ein. Das Mansver 
st zu Ende, den vielen Seimkehrenden winkte die schöne Pa— 
roie: „Reserve hat Ruh!“ 
Die Einfstellung der Rekruten im Bereich des 9. Armee⸗ 
korps erfolgt für die Kavallerie und Train am 2. Okt., 
rür alle übrigen am 15. Okt. 
Das Zenpnpelinluftschiff Hansa“ machte gestern (Sonn⸗ 
ibend) nachmittag von Hamburg aus eine Fahrt über Lübed 
nach Travemünde. Die Rückfahrt ging westlich an Lübed vor—⸗ 
bei. Um 514 Uhr fuhr die „Hanfa“ über Lübed nach Trave⸗ 
nünde zu, infolge des Gegenwindes sich nur ziemlich langsam 
orwärts bewegend. Um 524 Uhr wurde die „Hansa“ über 
Waldhusen⸗Küdnitz gesichtet, der Ostsee zusteuernd. Um 
Uhr4 Min. Aberflog das Zeppelinfchiff auf der Rücferhrt noch 
hamburg abermals Waldhusen, den Blicken der Erden— 
bewohner schnell entichwindend. 
DT. Stenograph nverbaud Stolze⸗Schrey. Die diesjährige 
Zusammenkunft der Verbandsrvertreter wird vom 4. bis 6. Ott. 
n Breslau in einem Saale der Jahrhundert-Ausstellung 
rfolgen. Es ist ein öffentlicher Vortragsabend geplant, an 
»em der Verbandsvorsitz nde Max Bäcler-Berlin uie voraus—⸗ 
ichtlich auch der zweite Vorsitzende des Verbandes, Professor 
Wetekamp und Kreisschulrat Professor Ischher (Mannheim) 
Ansprachen halten werden. 
. Steinkohlene nfuhr aus Engaland. Für die Firma Bern— 
öft K Wilde wird hier voraussichtlich heute der britische 
Ddampfer „J. Y. Short“ mit einer etwa 2900 f6 großen Stein⸗ 
ohlenladung von England eintreffen und an deren Kohlenlager 
»eim Einsiedel entlöscht werden. Eine gleiche Ladung soll hier 
n nächster Zeit mit dem Dampfer „Albert Clement“ für die 
firma Heinrich Diestel von England ankommen und am 
diestelschen Kohlenlager oberhalb der Drehbrücke im inneren 
Hafen entlöscht werden. 
A „Was mußß der Handelsangeftellte unbedingt von der 
efetzlichen Neuregelung der Kranlenversicherung wissen ?“ Ueber 
ieses Thema sprach Freitag Herr Walther Kroppenberg ous 
zamburg in einer Versammlung, die der Bezirk Lübeck des 
zereins für Handlungskommis von 1853 (Kauf—⸗ 
aännischer Verein), Hamburg, einberufen hatte. Vom 3. Jan. 
914 ab wird die Versicherungspflicht ausgedehnt auf alle 
Angestellten bis zu 2800 MJahresarbeitsverdienst. Auch alle 
Ldehrlinge werden versicherungspflichtig ohne Rücksicht darauf, ob 
ie ein Entgelt beziehen oder nicht. Das Nähere hierüber er— 
zibt fich aus einem Merkblatt, das der 58er Verein lostenlos 
ibgibt. Träger der Versicherung ist für Kaufleute zumeist die 
allgemeine Ortskrankenkasse. In den allgemeinen Ortskraaken« 
'assen wird der Kaufmannsstand mit gefahrvolleren Berunem 
zexeint. Dariu werden auch weibliche Arbeiter aufgznommen
	        
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