Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Wöchentuch 2mal (Wochentags morgens und 
abends, Sonntags morgens) erscheinend. Bezugs⸗ 
preis für das Vierteljahr 3,830 Mark einschließlich 
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ilungen 1Mk. d. Zeile. Tabellen⸗ u. schwieriger 
Zatz den Anforderungen entsprechend höher. o o 
Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund. 
163. Jahrgang nachrichten jur das tzerzogtum Lauenburg, die 
—p der Jahrgänge der * Fürstentũmer Ratzeburg, Lüũbed und das angren⸗ 
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5. m. b. 5. m Lubed. — Geschäftsstelle Adresjuas (Königitt. 46). Fernspre het 000 u. 0001. 
Amtsblatt der freien und Hansestadt Lũbed 
Beiblatt: Gesetz⸗ und Verordnungsblatt Rtvt 
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rud und Verlag: Gebrader Borchees 
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Fonnabend, den 20. September 1913. 
IAbend⸗Blatt Kr. 477. 
Erstes Blatt. hierzu 2. Blatt. 
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Umfang der heutigen Nummer 6 Seiten. 
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Nichtamtlicher TeelI. 
Offiziere a. D. in handel und 
Industrie. 
Von H. Friedrichs⸗WBotsdam, 
Kommerzienrat, Präsidialmitglied des Bundes der Industriellen. 
In den letzten Wochen hat ein Erlaß des preußischen Kriegs⸗ 
ministers in der Oeffentlichkeit viel Stoff zu Erörterungen ge— 
geben, welcher die Anstellung verabschiedeter Offiziere in indu⸗ 
strleslen und kaufmännischen Betrieben empfahl. Ter Herr Kriegs⸗ 
minister hatte sich mit seinem Rundschreiben in erster Reihe an 
die Handelskammern gewandt. Diese Anregung ist sofort in 
ber Tagespresse besprochen worden, vielfach mehr laut, als tief, 
und auch einzelne Handelskammern haben sich hierzu bereits 
zeäuhert, im allgemeinen ablehnend. 
Dke Verbände der Handlkungsgehilfen haben geradezu Pro—⸗ 
test erhoben, daß die Handelskammern sich dazu hergeben 
könnten, den Wunsch des Kriegsministeriums zu unterstützen, da 
es heute schon schwierig genug sei, für brauchbare „gelernte“ 
Kräfte Unterkommen zu finden. Ter Einspruch von dieser Seite 
ist volllommen begreiflich. Tie Vertreter der Angestellten 
sehen eine neue Konkurrenz in den Offizieren, die den Wett⸗ 
bewerb noch mehr erschwert und die besleren Stellen für lich 
beansprucht. — Schon das Eindringen der weiblichen An⸗ 
gestellten habe die Anstellungsbedingungen verschlechtert und 
die Gehälter herabgedrüdt. 
Ich teile die Bedenken der Angestellten durchaus nicht und 
bestreite auch die Behauptung, daß die Gehälter sich verschlech⸗ 
tert hätten. Sie werden sich auch durch die Offizier⸗Kon— 
kurrenz nicht verschlechtern, denn um „bessere“ Stellungen kann 
es sich bei dem allergrößten Teil der Bewerber überhaupt 
nicht handeln. 
Ich habe ganz allgemein den Eindrud gewonnen, als ob 
die gande Frage bisher nicht überall mit der nötigen Gründ⸗ 
lichkeit behandelt worden sei. Viel zu viel vorgefaßte Mei— 
nmung fand ich in den meisten PresseErörterungen. Je nach 
der politischen Parteizugehörigkett lehnte eine Anzahl Blätter 
schroff und mit Spott ab, andere stimmten bedingungslos zu. 
Däe Frage der Garde-Regimenter, der Offiziers-Qualifikation 
pielte in manchen Erorterungen eine Rolle, während es sich 
doch lediglich um soziale Fürsorge, um Erörterung der Möglich⸗ 
leit zur Abhilfe eines anerkannten Mißstandes handelt. Ich 
hoffe, daß die Handelskammern. die wohl größtenteils erst 
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A 
rach den Sommerferien sich üukern werden, einen freieren 
SZtandpunkt einnehmen und rein sachlich Stellung nehmen 
verden. 
Zunächsi ist z. B. niemand darauf eingegangen, die himmel⸗ 
chreiende Not vieler verabschiedeter Offiziere mit in Erwägung 
um ziehen. Wer da einen Einblich genommen hat, muß zu⸗ 
jeben, daß hier ein Mißstand besteht, der gemildert wer⸗ 
yen mutßz. n eee, 
Und ich kann mich auch nicht auf den von einigen Seiten 
seäußerten Standpunkt stellen, daß dieser Notstand allein den 
„Stand der Offiziere“ anginge. Tas halte ich für ganz ver⸗ 
ehlt. Bei der ineinandergreifenden Verzweigung unseres ganzen 
Virtschaftslebens halte ich es für eng und kurzsichtig, kranke 
krscheinungen des wirtschaftlichen Lebens an einer Stelle als 
ins „nichts angehend“ zu bezeichnen. Wir können nicht mit 
erschränkten Armen zusehen, wie eine nach Tausenden zählende 
Jahl rüstiger, arbeitsfähiger und arbeitswilliger, auf Arbeit 
ingewiesener Männer brach gelegt wird, ohne wenigstens 
u versuchen, dem Uebelstand abzuhelfen. Welch ein Verlust 
in Nationalvermögen, an Konsumkraft, um nur diefen einen 
Hesichtspunkt heroorzuheben. 
Diese und andere allgemeine Gründe, auf die ich am 
zchlusse noch zurückkomme, sprechen also dafür, den Wunsch 
ves Herrn Kriegsministers mit Wohlwollen zu prüfen. Ich 
ürchte aber, troz allem Wohlwollen, daß der Herr Kriegs⸗ 
ninister mit seinem Rundschreiben kaum Erfolg haben wird, 
venigstens nicht in einem Umfange, der geeignet wäre, einer 
röheren Zahl ehemaliger Offiziere Unterkunft zu geben. 
Wenn der Herr Minister sagt: es möchte nicht zweifelhaft 
ein, „daß Offiziere in Stellen, die besonderes Vertrauen, Dispo⸗ 
nierungstalent usw., mehr als daufmännisches Wissen erfordern. 
ermöge ihrer Erziehung im Heer Gutes leisten werden“, lo ist 
»arauf zu erwidern, daß solche Stellungen nur in ganz 
eschränkter Zahl und nur in den allergrößten Betrieben vor⸗ 
randen sind. Zuverläfsigkeit und Vertrauenswürdigkeit sind zu⸗ 
bem selbstverständliche Voraussetzungen bei jedem Angestellten. 
Zie berechtigen allein zu gar keiner Stellung. Tazu gehört 
joch noch etwas anderes, vor allem Kenntnisse, Spezialkenntnisse. 
Allermindestens aber doch eine Vertrautheit mit den elemen⸗ 
taren Begriffen des Kaufmannsstandes. Taran fehlt es aber 
nänzlich, und deshalb wird der Erlaß auch ergebnislos bleiben. 
Wenn hier geholfen werden soll, und ich bin durchaus 
»afür, daß ein zwedmähiger Versuch gemacht wird, dann mukß 
ier eingesetzt werden. Der Herr Minister erkennt in seinem 
krlasse ja auch selbst an, „dah für Stellen, welche eine theore⸗ 
ische Vorbildung erfordern, der Offizier erst dann in Betracht 
ommt, wenn er sich die erforderlichen Kenntnisse angeeiganet 
hat“. 
Das ist aber die grohe Mehrzahl der Stellungen und darum 
st ohne theoretische Vorkenntnisse nichts zu erreichen. Ich 
chlage dem Herrn Minister daher vor, zu veranlassen, daß 
diejenigen früheren Offiziere. die den Wunsch haben, „Kauf—- 
— — 
mann“ zu werden, eine Vorbildung durchmachen, die es ihnen 
erit ch macht, einen laufmaͤnnischen Posten auch aus⸗ 
ufuilen. 
Wir haben eine ganze Reihe geeigneter. kaufmännisches 
Fortbiidungsschulen. die unter der Aufficht der Handelskammern 
tehen. Tie Kursen dauern zwei Jahre. Ein Offizier, der 
zwei Jahre diese Schule besucht hat, kann schon manche Stel⸗ 
sung bekleiden. Taß der Maior oder Hauptmann a. D. mit 
inserem 16-0 bis 18jahrigen Nachwuchs auf einer Bank sitzen muß, 
zdarf für den ehemaligen Offtzier kein Hindernis sein. Uns 
Zaufleute geniert es jedenfalls nicht. Für diejenigen Offiziere, 
ie höhere Posten zu erreichen wünschen, wurde es sich empfeh- 
en. anschließend an die Fortbisdungsschule die Handelshoch⸗ 
chule zu besuchen. Nach Absolvierung dieser Kurse kann ver 
Dffizier weniglstens hoffen, bei Vakanzen Berudfichtigung zu 
inden. 
So angefaßt, kann einem großen Teil der „Notleidenden“ 
geholfen werden, und es bleibt uns allen das entwürdigende 
Schauspiel erspart, einen Herrn Major oder Oberstleutnant a. D. 
zu sehen, der uns ein „atriotisches“ Werk aufschwätzen will., 
oder uns eine neue Champagner⸗Marke anbietet, Leben ver—⸗ 
sichern will ufw. Ich habe immer tiefstes Mitleid, wenn ich 
einen solchen Herrn empfange. 
Mun wird man gegen meinen Vorschlag einwenden können, 
daß zwei bis drei Jahre Ausbildungszeit verloren gehen, und 
war bei Herren, die nicht mehr ganz jung sind. Tas ist ganz 
ichtig. Ich habe aber gefunden, daßz die meisten Offiziere. 
e Tatiokeit irgendwelcher Art suchen, mehr als diese Zeit 
nit fruchtlosen Versuchen verlieren und nach einer Anzahl von 
Fehlschlägen entmutigt sich in irgend einen Winkel verkriechen 
und das Schichsal Aber sich zusammenschlagen lassen. Diese 
wei bis drei Jahre mühten auch den Herren erleichtert werden, 
und das ist Aufgabe der Militärperwaltung. Sie müßte sowohl 
zie Schul- und Kollegiengelder ersetzen, wie den Herren sür die 
Aus bildungszeit einen Zuschuß gewähren. 
Wenn sich der Herr Minister dann mit den Handelskammern 
dahin verständigen will, daß sie den Offizieren Gelegenheit 
geben, die kaufmännische Fortbirdungsschule zu besuchen, dann 
werden sie ihm helfen können. Für diele ausgebildeten Offi⸗ 
iere gibt es Stellungen genug. Nur müssen die künftigen 
Raufleute mit dem Offiziersroch auch alle ihre Prätensionen, 
daß sie etwas Anderes und Befseres wären, ausgezogen haben. 
Sie müssen Kaufleute werden und gaufhören, Offizier zu sein. 
Ich heelte es dann sogar für ein Glüch datz die in abge— 
schlosenen Kreisen lebenden Stände sehen, welch eine großartige 
Welt außerhalb ihres Lebens eine Tatigkeit entfaltet, die 
unserem nationalen Leben erst Inhalt und Bestand gibt. 
Es ist ja geradezu ein Ungluch daß in unserer Nation die 
Kreise des Handels und der Industrie auf der einen Seite und 
der Armee und der Landwirtschaft auf der anderen Seite sich 
vielfach so verständnislos gegenuberstehen. Sie wrechen ver⸗ 
— 
— 
Offizierstöchter. 
Roman von Paul Grabein. 
(33. Fortsetzung.) Machdruck verboten.) 
Da las denn Gerda: 
„Die Ohrfeigenaffäre des semperamentvollen Künstlers, von 
der wie unseren Lesern vor einigen Tagen berichteten, hat 
naun sür diesen doch eine fatale Wendung genommen. Der 
Vorstand des deutscheösterreichischen Bühnenvereins hat sich jetzt 
mit der leidigen Affäre beschäftigt, und durch seinen Beschlußz 
ist Herr Heinz Kehler von jedem Engagement an allen Bühnen 
des Vereins für die Tauer von fünf Jahren ausgeschlofsen 
worden. Man wird diese an fsich ja vielleicht verständliche 
Maßnahme im Interesse der Kunst freilich nur höchst bedauern 
tönnen, und auch das Publikum Berlins wird einen seiner 
bevorzugtesten Lieblinge fortab mur sehr ungern vermissen.“ 
„Aber, mein Gott —!“ und Gerdas Hand, die das Blatt 
bielt, erzitterte. „Was soll denn nun mtit Heinz werden?“ 
.„Ja, das ist's ja gerade, was ich dich fragen wollte. Ich 
hatte ja keine Ahnung, datz du noch so gar nichts wußtest. 
Sei mir nur nicht bös, Gerda.“ 
Und Astrid schmiegte sich an die Schwester. 
Gerda stand und atmete schwer, mit gepreßter Brust. 
Dann strich sie sich über die Stirn. 
„Ja, was min?“ 
Na, will's wenigstens versuchen, es wieder ein bißchen gutzu— 
nachen. Hier, siehst du?“ Und er reichte ihr einen Strauhß 
ostbarer Iris, die er eben, vom Auto aus, gekauft hatte. 
Krieg“ ich nun auch Generalpardon?“ 
Und er beugte sich zu ihr, die noch im Sessel saß herab. 
Aber als ihr der Tuft des schweren Weines aus seinem Munde 
ntgegenschlug, drehte sie das Gesicht zur Seite, daß er nur 
hre Wange berührte. * 
„Aha — also doch noch nicht so ganz gnädig!“ lachte 
ex und wollte sie nach seiner Art einfach an sich ziehen. 
Da entwand sie sich ihm und sagte: 
„Ich danke dir vielmals, Heinz, für deine Blumen. Denk 
much nicht etwa, dahß ich schmolle — wegen deines Zuspäͤt⸗ 
ommens. So kleinlich bin ich nicht, obwohl ich dich lieber 
icht allzu oft dort sähe, wo du herkommst.“ Und ihre dunklen 
lugen blidten ihm mit leisem, traurigem Vorwurf in sein 
in wenig gerötetes Gesicht. „Nein, es ist etwas anderes, 
deinz, was mich ernst stimmt. Und sehr ernst allerdings.“ 
„Hoha! Doas klingt ja wie der reinste Trauermarsch. Was 
in aller Welt ist denn man passiert?“ 
„Heinz — weißt du es denn wirklich noch nicht 7 
Und sie hielt ihm jetzt die Zeitung hin, die Astrid ihr da⸗ 
zelassen hatte. 
Aber er machte mir eine Bewegung der Abwehrr. 
„Kenn' ich schon, das Geschreibsel da. Na. da du also doch 
chon mal darum weißt — leider, ich hätte dir die Aufregung 
zjern erspart —, also, natürlich ist mir der Beschluß eines hoch- 
vohlweisen Bühnenvereins längst bekannt.“ 
„Ja, aber was soll denn nun bloß werden?“ fragte Gerda. 
„Um Gottes willen, Heinz! Damit ist dir ja überhaupt jedes 
ustreten. die ganze Ausubung deines Berufes unmöglich ge— 
macht.“. 
„Oho! Warum? Nur auf den Vereinsbühnen.“ 
„Aber das sind doch, soviel ich weiß, sämtliche Bühnen 
Deutschlands.“ BE 
„Richtig, doch es gibt ja noch ein Ausland.“ 
„Daran denkst du also! Wohl gar Amerika?“ 
Er nickte. 
„Ich stehe bereits mit einer Agentur in Verhandlung 
Wegen einer groten Tournee in ven Vereinigten Staaten.“ 
Gerda verstummte. Ta trat er naher zu ihr. 
„Na — wäre denn das nicht mal ganz amüsant? Solche 
Hankeedoodle⸗Fahrt 7 
Eie schüttelte langsam den Kopf, schwere Sorge im Blid. 
„So herumziehen, in der Fremde — wie die Zigeuner?“ 
Das Wort rief ihr plötzlich jene erste Unterhaltung mit 
thm in Erinnerung, damals auf dem Gartenfest bei Prinzeh 
Jurane. Wo er von sich fselbst gesprochen hatte als einem 
Fahrenden. Tamals hatte sie gelacht. Und heute? 
Seina Kehler lachte auch jetzt. Behaglich lehnte er sich im 
A 
„Wie die Zigeuner! Kind, was für ein Vergleich. Sag 
fleber, wie ein Star, wie so viele andere Bühnen⸗Stars. 
Machen sie's nicht alle so, die Kollegen von der Oper, die 
Heiger und sonstigen Virtuosen? Und wissen, warum. DTenn. 
dies Zigeunern macht sich bezahlt. Eine Goldernte ist's, drüben 
iber'm großen Teich.“ 
Doch Gerda vermochte seine Zuversicht nicht zu teilen. 
„Wenn selbst — solch Vagantenleben, monatelang, vielleicht 
noch ldänger, ohne Heim, ohne Ordnung. ewig unter wild⸗ 
fremden Menschen, jede Nacht in einem anderen Bett —!“ 
„Bébsé, was bist du schwerfällig! Kein Tropfen Künstler⸗ 
blut. Manch andere wäre glücklich bei dem Gedanken, mal so 
in die Welt rausukommen.“ 
„Nein, Heinz —“ und sie sah ihm ernst ins Gesicht — 
„Künstlerblut, das hab' ich freilich nicht. Tas darfit du 
ticht von mir erwarten. Es wäre ein schwerer Irrtum.“ 
Ihr Mann zuckte nur die Achseln. Aber seine gute Laune 
begann zu weichen. Er streckte, die Hände in den Hosentaschen, 
eine Beine weit von sich. So klopfte er taktmäßig mit den 
Absätzen auf dem weichen Perserteppich auf, indem er den Be— 
wegungen seiner Füße anscheinend interessiert folgte. 
Elne Pause entstand so im Gespräch, bis Gerda wieder be⸗ 
zann, aus ihren sorgenvollen Bedenken heraus: —31 
„Selbst, wenn man es täte —“ sie würde ja, wenn es 
einmol sein müßte, auch dies Opfer bringen —, „was wäre 
damit gewonnen? Eine Saison wäre untergebracht — was 
veiter? Du kannst doch nicht die ganzen fünf Jahre in Amerika 
xerumziehen.“ 
„Natürlich nicht — selbstverständlich“ 
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Heinz Keßler kam erst nach Haus, als Astrid schon wieder 
Jegangen war. Ziemlich verspätet, wie jetzt häufiger. Er 
pfiegte früher immer punktlich zu sein. Aber jetzt. wo er 
ohne Tätigleit war, hatte er sich in einer Weinstube an einen 
Stammtisch hingewöhnt, wo Kollegen von ihm verkehrten, 
meist Junggesellen. Dort verstand man ihn, feierte ihn wegen 
jeiner Schneidigkeit. DTaß doch endlich mal einer es so nem 
Kerl von Direltor gestedt hatte! Aber ordentlich! 
Das tat ihm wohl, schmeichelte ihm. Und er hatte eine 
offene Hand. En revanche ließ er manch verstaubte Flasche 
auffahren. Beim blumigen alten Rheinwein wurden dann großze 
Worte gewechselt. So lam's, dahß er sich nanchmal über seine 
Zeit hinaus festsetzte. Und so war's auch heute gewesen. 
Tausendmal Pardon, Frauchen, dak ich dich warten liek
	        
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