Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

mus. Die Zahk der Schiffe hat also zu-, ihre Tragsãhigkeit aben 
wnenommen. Der Verkehr von und nach deutschen. ruflischen 
ind grobbritannischen Safen war schwächer als 1012. in dem 
nit finnischen damtchen und z. T. auch schwedil ben wurden 
vagegen die vorjahrigen giffern abertroffen. Die Zahl der mit 
Seeschiffen angekommenen Pafsagiere belief sich auf 3873 (4089), 
don denen 1201 6252) auf die Strede Kopenhagen-Malmö⸗4 
Gothenburg und 675 (612) auf den Verkehr in der Lübeder Bucht 
nlfielen. — Ten Flußschtffahrtsverkehr auf der Ober- 
ind Untertrave, der Wakenitz und dem Elbe⸗Trave⸗Kanal stellte 
ich für den BSafenplatz Lübech und die übrigen Plätze an der 
Trave im Ein- und Ausgang auf insgesamt 1860 (2052) Schiffe, 
die 137 886 (138 216) To. Güter löschten und 105 874 (88 153) 
mitnahmen. Der Verkehr hat sich also im Ausgang nicht uner- 
heblich gehoben. — Im Schlachthaus wurden 19 938 
17999) Tiere, 1839 mehr als im Vorjahr, geschlachtet, darunter 
3551 (9459) Schweine, 6126 (4148) Küuhe und Starken. 1851 
1605) nüchterne Kälber und 1519 (1444) fette Kälber. Die 
Zahl der geschlachteten Schweine war mithin um 908 geringer, 
agegen die der Kühe und Kälber um 1878 bezw. 421 gröber 
als 1912. Auf den Viehmarkt wurden 10071 (8884) Stück, 
»arunter 5004 (32009) Küuhe und Starken und 8670 275) 
Schweine aufgetrieben; auch hier ist eine Zunahme bei den Kuhen 
und Starken und eine Abnahme bei den Schweinen zu konstan 
tieren. Der Auftrieb in der neuen Nutzviehhalle endlich stellte 
sich im Mai und Juni auf 3408 Stũd Rindvieh. 
Statistische Monatsubersicht über die Stadt Lübed im 
Auguft 1913. Lübedk hatte nach der Fortschreibung des Sta—⸗ 
istischen Amts am 31. Juli 1913 113 421 Ginwohner. Im 
August kamen 81 durch Geburtenüberschuß und 106 durch Wan⸗ 
derung hänzu, so daß unsere Einwohnerzahl sich um 186 ver- 
nehrte und am 31. August 113 607 (09 516) betrug. Die na- 
türliche Bevölkerungsbewegung war im abgelaufenen Monat fol-a 
jende (die eingeklammerten Zahlen beziehen sich auf das Vor— 
jahr); es betrug die Zahl der 
Summe auf 1000 Einwohner 
Ebeschließungen 58 69) 6102 6,61) 
Heburten 211 (248) 21,88 (26,26) 
Sterbefälle 130 (141) 13,48 (14,93). 
die Eheschließungen nahmen also gegen das Vorjahr um 
zu, die Geburten dagegen um 37 und die Sterbefälle um 11 
ab. Die natürliche Bevölkerungsvermehrung belief sich darnach 
auf 81 (107) Köpfe. Unter den Geborenen waren 25 oder 
11,85 00 (23 oder 9,27 0) uUnehehbich und 7 oder 3,32 0/ 
(6G oder 2.42 0) tot. Das Alter der Gestorbenen belief sich 
n 28 (40) Fällen auf unter 1 Jahr und in 26 (27) auf über 
s0 Jahre. Todesursachen waren in je 12 Fällen Krank— 
jeiten der Kreislauforgane, Krebs und Lungenentzündung und 
n 11 Allersschwäche. Ansteckenden Krankheiten er— 
agen 2 Wersonen, davon starben je J am Scharlach und Diphtherie. 
Anzeigepflichtige Krankheiten wurden 90 gemeldet, 
0 mal Scharlach, 30 mal Diphtherie, 16 mal Masern, 3 mal 
Typhus und 1 mal Granulose. Gewaltfamen Todes 
starben 11 Personen, und zwar 3 durch Selbstmord, 1 durch 
Totschlag und 7 durch Verunglüchung. Tie Wanderun 9 54 
hewegung endete mit dem Gewinn von 105 Personen, 1886 
Zuzügen standen 1781 Abzüge gegenüber. 
Der Bau des zweiten Gleifes Kleinen —Bobitz der Strede 
Lübeck —Stettin ist der Firma W. Burmeister, Tiefbaugeschäft 
n Friedland, von der Großh. Friedrich-Franz-Eisenbahn⸗ 
direktion Schwerin übertragen. 
W. Das Schulchiff des Deutschen Schulschiffvereins „Groß⸗ 
herzogin El. abeih“ ist in Ekernförde angekommen; es 
egelt am 2. Okt. nach Bremerhaven zurück. — 
Grundstũdwechsel. Gekauft hat Sans Westohal, 
Ahrensbök, das Restaurant mit Doppelkegelbahn von Karl Mau 
m der Roedfstraße hierselbst für 85000 Mzum 1. Okt. 
DT. Radium und Mesothorium als Spekulationsobielte. 
Zu dem Entschluß der Stadtgemeinde München, den Ankauf 
don Mesothorium und Radium vorläufig zu vertagen, den wir 
bereits in unserer Morgenausgabe Nr. 472 vom Donnerstag 
elegraphisch gemeldet haben. erfährt der Deutsche Telegraph 
ioch folgendes: Die Auffassung, daß irgendwie Aufspei herung 
»on Radium in den Sänden von Sändlern möglich sei, ist 
ibsolut irrig, da verfügbare Quantitäten Radium zurzeit gar 
nicht vorhanden sind. Bei Mesothorium liegen die Ver— 
zältnisse allerdings anders. Hier sind tatsächlich große Lager 
orhanden, die sich in den Händen einzelner Gruppen be— 
sinden, die ein Interesse an einem möglichst hohen Preise des 
Mesothoriums haben. Da Mesothorium jedoch sowieso 
innerhalb fänf Jahren seine Heilwirkung ver— 
liert, ist das Aufspeichern von Mesothorium zu Spekulations— 
weden immerhin mit einem gewissen Risiko verbunden. 
SZuwangs verlãufe. Im Termin vor dem Amtsgericht 
vurden am 9. September folgende Grundstücke aufgeboten: 
. Ahlandstraße Nr. 21. den Erben des Maurermeisters H. Chr. 
Stender. Lubed, gehörig, beschwert mit 28 000 M. Das Meist 
gebot von 23 680 Mewurde abgegeben vom Privatmann Friedr. 
Wortmann, Lübeck. Auf dieses Gebot wurde am 16. Sept. der 
Zuschlag erteilt. 2. Ellerbrook Nr. 10/6. den Eheleuten Produkten⸗ 
xindler Joh. C. H. Vick, Lũbeck gehörig, beschwert mit 1300 M. 
Das Meistgebot von 8500 M wurde abgegeben vom Schmiede- 
meister L. Th. H. Heyd, Lübed. Auf Antrag wurde der Zu⸗ 
schlag sofort erteilt. 3. Ellerbrook Nr. 10/72, ebenfalls den 
Eheleuten Vick gehörig, beschwert mit 3000 M. Das Meistgebot 
von 55 Muwurde gleichfalls abgegeben vom Schmiedemeister 
Heyck. Der Zuschlag wurde auf Antrag sofort erteilt. 4. Breite 
Straße Nr. 31, dem Kaufmann R. M. Ch. A. H. G. L. 
dübde. Lübedt, gehörig, beschwart mit 224 900 M. Das Meist- 
jebot von 202 700 M wurde abgegeben vom Kaufmann Bernh. 
Johs. L. Nöhring, Lübeck. Auf Antrag wurde der Zuschlag 
sofort erteilt. — Am 16. September wurden folgende Grund⸗ 
tũcle aufgeboten: 1. Kleine Petersgrube Nr. 14, den Erben 
des P. F. Ferd. Schumburg, Lübeck gehörig, beschwert mit 
6 000 M Das Meistgebot von 4675 Mwurde abgegeben von 
Frau E. M. Nau. Klein-Betkenthien. Ueber den Zusclag soll 
am I. Okt. entschieden werden. 2. Werderstraße Nr. 10, dem 
Bauunternehmer Wilh. Chr. J. Behrmann, Lubed. gehörig, 
heschwert mit 13000 M. Das Meistgebot von 109 868,20 M 
vurde abgegeben vom Arbeiter K. J. 5H. Bergmann,. Lübeck 
Auf Antrag wurde der Zuschlag sofort erteilt. 3. Hürstraße 
Ar. 79. dem Schlachtermeister C. Chr. M. P. Junge, Lübeck, 
ehörig, beschwert mit 78000 M. Das Meistgebot von 57 210.17 
MNark wurde abgegeben von einem Hypothelengläubiger. Ueber 
den Zuschlag soll am 1. Okt. entschieden werden. — Bezũgq- 
ich des Grundstücks Krähenstraße Nr. 38, den Erben des CEhr. 
C. Friedr. Köhn. Lübech, gehörig, wurde auf Antrag des 
etreibenden Gläubigers das Versahren einstweilen eingeftellt. 
- Zugeschlagen warden am 16. Sept. folgende Grundstüde: 
Beckergrube Nr. 582 der Hamburg-Altonaer Kreditbank zu 
— ma für das am 5. Sept. abgegebene Gebot von 54 000 
Nart. 2. Bogenstraße Nr. da vem Maschinisten Joh. Heinr. 
Vestphal, Lübech, für das am 5. Sept. abgegebene Gebot 
on 4100 M. 
o Einbruchsdiebstahl. In verflossener Nacht gegen 4 Uhr 
rorgens wurde in eineni Hause der Friedrich-Wilhelmitraße ein 
kinbrecher entdeckt. Die Ehefrau des Wohnungsinhahers im 
Etod hatle um diese Zeit ihr Schlafzinimer verlassen, weil 
e ein verdägtiges Geräusch hörte. Als sie zurücklehrte, sah 
e einen freinden Mann auf dem Fußboden liegen. Sie machté 
ãrm, wodurch ihr Ehemann erwachte, wobei der Mann zum 
enster heraussprang. Bei diesem Sprunge gerxiet er auf eine 
lasveranda und verietzte sich den linken Fuß, entkam aber 
orläufig doch. Den Beamten der sofort alarmierten St. 
Argenwache gelang es, einen Menschen festzunehmen. der 
ringend verdaͤchtig ist, mit dem Einbrecher identisch zu ein. 
r bestreitet troß seiner frischen. Schnittwunde am Fuß, der Täten 
u sein, obgaleich Blutspuren, die zweifellos von ihm herrühren, 
en Weg vom Talorte nach dem Punkte, wo er ergriffen wurde, 
inführein. Er legitimierte sich durch Anmeldeschein des Ein— 
ohnermeideamtes in Altona als ein Schneider aus Insterburg. 
n seinem Besitze wurde eine elektrische Taschenlampe gefunden, 
ie aus emem, ebenfalls in verflossener Nacht in einem Sause 
er Lefsingstratße ausgeführten Einbruchsdiebstahl herrührt. Er 
urde in Haft genommen. 
-0- Fahrtaddiebftähle. Am 17. d. M. gegen Uhxr, vor⸗ 
nittags, wurde vom Flur des Hauses Breite Strabße 103 ein 
ahrtad mit schmarzem Gestell, ebensolchen Felgen, nach oben 
ebogener Lenkltange, Freilauf, Rücktrittbremse und der vom 
osizeiamt gelieferletn, Frkemmungsnummer 3274 gestohlen. Das 
attelfissen war mit schwarzem Tuch Aberzogen. Die Gummi⸗ 
edale sind neu. — In der Nacht zum 17., d. M. ist inSelus⸗ 
orf ein Fahrrad. Marke, Vandalia“, mit schwarzem Gestell eben⸗ 
schen Felgen, gerader Lenkstange mit kleiner doppeltöniger Glocke, 
otpedofreilauf und Rüdtritthremse Woneaglemnn und 
ndch gestohlen worden. Das Rad dürfte nach hier ge— 
ommen sein. 
Nachrichten und Telegramme 
der „l- A. und 2.. 
Vom Balkan. 
Die Gremnzfrage ist geregelt. 
W. Konstantinopel, 18. Sept. Laut einer nach der heutigen 
zitzung der türkischen und bulgarischen Delegierten veröffent— 
ichten amtlichen Mitteilung ist die Grenzfrage nun⸗— 
rehr endgültig geregelt. Die Grenze beginnt an der 
Nündung der Maritza und endigt an der Resnaymündung 
ördlich von Iniada. Dimotika, Adrianopel und Kirkkilisse 
erbleiben der Türkei, Malko-Tirnowo, Mustapha-Pascha und 
Irtakoej fallen Bulgarien zu. 
Serbiens Zugang zur Aegãis. 
PC. Wien, 18. Sept. Blättermeldungen aus Sofia zu⸗ 
oͤlge, verlautet in mazedonischen Kreisen, daß die serbischen 
ruppen und Behörden Monastir und Ochrida verlassen haben. 
lls Erklärung dafür wird angegeben, daß die Serben diese 
biete im Einverständnis mit den Friechen für Kawalla und 
)rama eintauschen wollen, um so ans Meer zu gelangen. Eine 
mtliche Beßätigung dieser Meldung fehlt. 
Eine italienische Konzession in Klein-Mien. 
Rom, 18. Sept. Nach einer Konstantinopeler Depesche hat 
dommendatore Nogarra als Vertreter einer italienischen Finanz⸗ 
ruppe einen Kontrakt zur Vorbereitung eines Bahnbaues in 
lInatolien abgeschlossen. Die Bahn solle von Adalia aus⸗ 
ehen, das an der Südküste Anatoliens zwischen Rhodos und 
zypern gelegen ist. Der Messaggero begrüßt das Unternehmen 
ls einen Bemeis für die wiederhergestellte italienisch-türkische 
treundschaft und billigt es, daß Italien dem Beispiele Deutsch— 
ands und anderer Mächte folgend, seinen Platz m Klein— 
lfien einnehme, wo es bisher gefehlt habe. Adalia werde 
ünftig für Itauen ein kleines Bagdad sein. 
Unabhängigkeitsgelüste Essad Rascheas. 
PC. Rom. 18. Sept. Essad Pascha, der Verteidiger von 
zkutari, scheint seine ehrgeizigen Pläne wohl aufgeschoben, aber 
icht aufgegeben zu haben. Zwischen ihm und der albanischen 
degierung sind Differenzen ausgebrochen, und er hat bereits 
ngekündigt, daß er sein Mandat als Minister des Innern 
ie derlegen wird und sich auf seine Güter im Innern des Landes 
urückziehen werde. Hiesige Zeitungen veröffentlichen ein Tele— 
ramm aus Brindisi, nach dem Essad Pascha eifrig rüste und 
eabfichtige, sich zum Herrscher des Bezirks von Durazzo aus⸗ 
ufen zu lassen. 
zetichlunmerung in dem Vefinden des Maiors von Winterfeldt. 
PO. Patis, 18. Sept. Der Zustand des verunglückten 
Najors von Winterfeldt hat sich nach einer dem Vertreter der 
Ireß⸗Zentrale agus der Umgebung des Kranken zugegangenen 
dachricht im Laufe des Abends sehr verschlimmert. Man be—⸗— 
ürchtet den Eintritt von Komplikationen noch im Laufe der 
nacht. 
Verhandlumgen zwischen Frankreich, Deutschland und der 
Türkei über Vahnkonzessionen in Asien. 
PO. Genf. 18. Sept. Zu den französisch⸗türkischen Anleihe⸗ 
erhandlungen und den deutsch-französischen Unterhandlungen 
ber die Bagdadbahn veröffentlicht die Genfer Zeitung Infor—⸗ 
aationen, die aus gut unterrichteter französischer Quelle stammen. 
darnach besteht zwischen den gegenwärtigen Verhandlungen 
in direkter Zusammenhang. Die französische Regierung be— 
bsichtigt nicht, offiziell einen Akkord mit der Türkei abzu—⸗ 
hließen, bevor nicht mit Deutschland ne Einigung über die 
zagdadbahn erzielt ist. Die französiso Regierung wünscht, be— 
or sie der Türkei gegenüber irgend welche Verpflichtungen 
bernimmt, darüber vollkommene Gewißheit zu haben, daß 
begen der Konzessionen, die die Psorte an Frankreich ge— 
vährt, keinerlei internationale Verwickelungen entstehen. Die 
eutsch⸗französischen Verhandlungen beziehen sich nicht allein auf 
en Verzicht Frankreichs auf die Bagdadbahn, sondern auf eine 
Ugemeine Verständigung zwischen beiden Ländern über die 
zahnlinien in Kleinasien. Außerdem sollen die Bahnlinien fest— 
elegt werden. die Frankreich Anschlußß an die Bagdadbahn 
eben können. Es verlautet, dah die Verhandlungen auf dem 
esten Wege sind, und daß ein definitiver Abschluh der deutsch⸗ 
canzosischen sowie der turkisch-französischen Verhandlungen in 
ürzester Zeit bevorsteht. 
Ein Zwischenfall bei den französischen Manövern. 
PCO. Marseille, 18. Sept. Ein peinlicher Zwischenfall, der 
ezeichnend ist für die Auffassung des französischen Soldaten 
on Disziplin, hat sich gestern beim Schluß der Mandoer im 
zargebiet ereignet. Eine Kompagnie des 24. Jägerregiments 
nachte einen Sturmangriff auf eine vom 111. Linienregiment 
esetzte Anhöhe. Die Spitze der Jägerkompagnie befand sich 
denige Meter vom Fahnenträger des 111. Regiments ent— 
ernt, als das „GFanze Halt“ geblasen wurde. Der Kommandeur 
er Jäger, Hauptmann Lagrange, wollte die Vorwärtsbewegung 
einer Leute zum Stillstand bringen. Die Jäger hörten jedoch 
uf kein Kommando, sondern stürzten sich auf den Fahnen- 
cãger des Infanterieregiments und versuchten, ihm die Fahne 
u entreihen. Seine Regimentskameraden kamen ihm zu Hilfe 
imd es kam zwischen den Zägern und Infanteristen zu einer 
lutigen Schlägerei, in die selbst die Offiziere nit verwickelt 
purden. Die Soldaten gingen mit Kolben und blank gezogenem 
zeitengewehr aufeinander los, und es gab auf beiden Seiten 
gehrere Verwundete. Erst dem energischen Eingreifen des 
)bersten des 111. Regiments, der mit neuen Mannschaften 
inzukam. gelang es, die Wütenden auseinander zu bringen. 
der Zwischenfall rief im ganzen Lager die gröfte Aufregung 
jervor. Der Korpskommandeur ließ sofort ein Ehrengericht 
usammentreten, das dahin entschied, daß das 24. Jägertegiment 
m Parademarsch vor der Fahne des 111. Infanterieregiments 
orbeidefilieren solle, während der Oberst der Jäger sich vor 
»en Infanteristen persönlich bei deren Oberst für den allzu weit⸗ 
gehenden Kampfesenthusiasmus seiner Leute entschuldigen sollte. 
Bryan belommt seine sehlenden Dollars. 
W. Newyork, 18. Sept. Da Staatssekretär Bryan be— 
anntlich erklärte, daß er ein Jahreseinkommen von 20000 
Dollars haben müsse, als Staatssekretär aber nur 12000 
Dollars bezieht, so bot der Verlag der Newyorker World 
Bryan an, ihm solange erStaatssekretär ist, jährlich Z000Dollars 
ruszuzahlen, wofernerseine ganze Zeit seinem Amte 
widmen und von Vorlelungen oder Reisen ab— 
tehen wolle. 
DT. Berlin, 18. Sept. Ter Hausmarschall des 
Raisers, Freiherr Max von Lyncker, wird, wie die Tägliche 
hundschau aus unterrichteten Kreisen hört, von seinem Posten 
urücktrelen und surch den Generalmajor Max von Gontard, 
iensttruendem General à la suite des Kaisers, ersetzt werden. 
ßeneralmajor Max von Gontard wurde am 28. Januar 1861 
n Wesel geboren und trat 1870 als Leutnant ins Königin— 
Iugusta⸗Garde⸗Grenadierregiment ein. 1896 wurde er Militär⸗ 
ouverneur der Prinzen Eitel Friedrich und Adalbert, um fünf 
jzahre später dieselbe Stellung bei den Prinzen Oskar und 
zoachim zu bekleiden. Im Oktober 1910 wurde er Oberst und 
ienstruender Flügeladjutant des Kaisers. Er ist unverheiratet. 
W. Berlin. 18. Sept. Die Fußtruppen des Gardekorps 
ehren in der Nacht vom 20. zum 21. Sept. aus dem Manöver 
urück. Am 22. September werden die Mannschaften des 
iülteren Jahrganges der Gardeinfanterie, Gardeschützen 
ind Gardepioniere zur Reserve entlassen. Die Mangschaften 
zer berittenen Truppen werden zwei Tage nach der Räckkehr aus 
dem Manöver entlafsen. Die Mannschaften des Gardetrains, 
zie Militärkrankenwärter und die Oekonomiehandwerker werden 
Am 30. Sept. entlassen, die Mannschaften der Telegraphie-, Luf— 
chiffer⸗, Flieger⸗ und Kraftfahrtruppen am 26. und 27. Sept. 
W. Btemen, 18. Sept. Kronprinzessin Cecilte ist 
heute bereits um 4,08 Uhr früh auf dem hiesigen Hauptbahnhofe 
ingetroffen. 
DT. Brauuschweig, 18. Sept. Die mexikanische Re— 
pierung hat, wie die Braunschweigische Landeszeitung erfährt, 
ämtliche Sühneforde rungen Deutschlands für die 
letzten zwei Deutschenmorde in Mexiko angenommen. 
DT. Köln, 18. Sept. Die Köln. Ztg. schreibt aus Berlin: 
Die falsche Meldung des Reuterbureaus über deutsche Lehr— 
Affiziere, die für Chäina bestimmt sind, wird in unserer 
Presse noch besprochen. Das Reuterbureau kann sich nicht wun⸗ 
»ern, wenn von ihm gewünscht wird, es möge Aufklärung 
zjeben, wie es dazu gekommen sei, eine derartige Meldung, die 
ein Körnchen Wäahrheit enthält, zu verbreiten. Tie Angriffe, 
»ie bei dieser Gelegenheit gegen die englische Berichterstattung 
im allgemeinen gerichtet werden, erscheinen im vorliegenden 
Falle verfehlt, denn es besteht guter Grund zur Annahme, 
»aß Reuter den Anstoß zu seiner falschen Meldung aus nicht— 
englischer Quelle erhalten hat. 
DT. Friedrichshafen, 18. Sept. DTie Abnahmekom⸗ 
nission des eben fertiggestellte Marineluftschiffes 
L 2* hat nach genauer Pruͤfung des Schiffes noch eine Anzahl 
benderungen gewünscht. Tiese Verbesserungen werden jert 
orgenommen so daß der „L 2“ die erste Probefahrt. die nach 
zohannisthal gehen soll, erst in einiger Zeit, vorausfichtlich 
iber noch im Laufe dieses Monats, vornehmen kann. 
PC. Lüttich, 18. Sept. Eine deutsche Studienkom— 
nissfion, die sich aus Stadtverordneten, Großindustriellen 
ind Gesehrten zusammensetzt, ist gestern hier eingetroffen. 
die Kommission, die sich insbesondere mit dem Studium 
remdländischer Städteeinrichtungen befaßt, hat am 4. Sept. unter 
rührung des Professors Tr. Albrecht Altenrath Berlin verlassen. 
sdach eknem Besuch des Haag wandte fich die Kommission 
mach Belgien. wo Antwerpen, Gent und Brüssel und gestern 
Lüttich befucht wurden. Von hier aus erfolgt die Rüdreise 
iber Köln. Frankfurt, Mannheim, Stuttgart, Ulm und München. 
Die Kommiffion wurde gestern früh um 10 Uhr vom Ober— 
zürgermeister der Stadt Lüttich auf dem Rathause empfangen. 
W. Paris, 18. Sept. Die Frage der Entlassung der 
ahrestlasse 19 10 wird imr nächsten Monat von einem 
nter, dem Vorsitz des Präsidenten. Poincars stattfindenden 
Ministerrat erörtett werden. Offiziös verlautet, die Maänn— 
chaften die vor Ende des Monais entlassen werden sollten, 
vürden erst zwischen dem 1. und 15. Roveniber heimgeschifi. 
7. Madrid, 18. Sept. Der geheimnisvolte.Tod 
ves Abgeordneten von Seviltta, des Marquis dei 
Zalle de la Rebia erregt in politischen Kreisen großes Auffehen. 
Der Marquis war gestern in zahlreicher Gefelischaft von seiner 
Besizung zur Jagd rren Beim Halali wurde er ver⸗ 
nißt. und als der Wald gbgesucht wurde, sand man den 
Narquis mit 3wei Kugeln im Kopfe iot am Boden hiegen. 
da die persönlichen Verhältnisse de la Rebias einen Seibsi— 
nord ausgeschlofsen erscheinen lassen nimmt man an, daß ein 
Berbrechen vorliegt. Tie Polizei siellt eifrige Nachforschungen 
iach dem Täter an. 
PC. Petersburg, 18. Sept. Nach einem Bericht der Nowoie 
Wremia beabsichtigt die russische Regierung, provisorisch die 
Tusfubhr von Naphtha zu verhüten, im die ganze 
Produltion für Rußland zu reservieren, da infolge des un— 
aufhörlichen Streiks sich ein empfindlichet Mangel an diesem 
Brennstoff bemerkbar macht. 
aoͤ 
Achtung vor falschen Goldmünzen. 
DT. Berlin, 18. Sept. Geschicktt verfälschte Zwanzigmark⸗ 
sttüde wurden hier in der letzten Zeit mehrfach angehalten. 
Die Falschstücke sind in der Weise hergestellt, daß echte Münen 
suer durchsägt wurden. Dann ist ein Teil des Goldes heraus— 
senommen und durch dümes Kupferblech ersetzt worden. Die 
Brägeseiten sind also echt, und nur am Rande und am Klang 
ind die Falschstücke zu erkennen. Außerdem haben sie auch 
ꝛin beträchtlich leichteres Gewicht als die Doppelkronen. 
Schweres Bahnunglũd. 
W. Nizza, 18. Sept. Drei Wagen der von Cagnes nach 
Frasse führenden elektrischen Bahn entgleiften und stürzten in 
ine 15 Meter tiefe Schlucht. Es sollen 12 Personen gelötet 
md 30 verletzt worden sein. Die Rettungsarbeiten sind wegen 
es in der Schlucht angesammelten Schlammes sehr schwierig. 
Inter den Toten befinden sich drei Unteroffiziere und ein 
Korporal. Die Balm befsrderte gestern zahlreiche Soldaten 
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