Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund. 
Amtsblatt der freien und hansestadt Lübed 163. Jahrgang Nachrichten für das Herzogtum Lauenburg, die 
beiblatt: Gesetz· und Verordnungsblatt tt rr e hürstentümer Ratzeburg, Lübed und das angren 
σασασασσσσασσσασασασασαιασασαιαεασαοο — ———— zende mecklenburgische und holsteinische Gehbiet. 
Oruck und Verlag: Gebruder Borchers G. m. b. 8. in Lübeck. — Geschäftsstelle Adresbaus GKdnigstt. 46). Fernspre cher 0000 u. 001. J 
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donnerstag, den 18. September 1913. 
Abend⸗Blatt Ur. 473. 
Erftes Blatt. hierzu 2. Blaft. 
Umfang der heutigen Nummer 6 Seiten. 
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Nichtamtlicher Teil. 
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Ddas „Jena“ des Massenstreiks. 
J Dr. K. Lübeck, 18. Sept. 
Da streiten sich die Leut' herum, 
Wohl um den Wert des Glückz, I 
Der eine heißt den andern dumm, 2 
Am End' weiß keiner nix“, 
o summt der biedere Tischlermeister und läßt seinen Hobel 
ofeifen, daß die Späne fliegen, so knurrte vielleicht auch un—⸗ 
willig sein toter Kollege Bebel und drehte sich im Grabe um, 
sofern er nicht verbrannt worden wäre. Die eine der Haupt— 
fragen, die der rote Parteitag in Jena zu erledigen hat, ist er⸗ 
ledigt. — Gelsst? Das ist ein ander Ding. Mafßsenstreik 
und Parlamentstaktik sind die beiden Themen, die in 
Jena im Vordergrunde des Interesses stehen. Sie sind genau 
genommen ja nur Variationen der tiefer liegenden Frage, ob 
die großsprecherischste aller Parteien dauernd eine radikale. 
unsruchtbare Oppositionsportei bleiben will, oder ob lie die 
Kraft hat und zu einer wirklichen Nutzen bringenden, dem Ge⸗ 
neinwohle dienenden Reformpartei anwachsen will. Das würde 
bedeuien, nach innen wachsen, in der Qualität, nicht so sehr in 
der Quantität. Für den Nichtsozialdemokraten war vor Beginn 
»er Tagung und während ihres bisherigen Verlaufes die 
Feststellung von Wert, ob nun der revisionistische Flügel der 
Partei soweit erstarkt ist, daß er vom widerwillig geduldeten 
„Jungen“ der Partei zum gleichberechtigten, nach Bebel „natur⸗ 
gemäßen“, Bruder des Radikalinski herangewachsen ist. Es 
könnte so scheinen, wenn man allein die Mehrheiten in Be—⸗ 
tracht zieht, die die Abstimmung über den Massenstreik gezeitigt 
hat. Die tadikalen Anhänger des Massenstreiks sind mit 142 
gegen 333 Stimmen unterlegen. Falsch wäre es ja aun, daraus 
rgendwelche Schlüfsse in der Richtung zu ziehen, oaß nun die 
Sozialdemokratie die große Schwenkung zur Fruchtbarkeit unter⸗ 
nommen hat. Davon ist sie — wenn es nicht ihrem ganzen 
Lharakter nach überhaupt und für immer ausgeschlossen ist — 
veit entfernt. Totsache ist nur, daß die Einsichtigeren über 
das Prinziv des Schädeleinschlagens gesiegt haben, denn es 
zibt leider Gewehre, die schießen, und Säbel, die hauen, ergo 
st Vorsicht der bessere Teil der Tapferkeit. Das ist ja nun 
ür die „trrerolutionäre“ und dabei die größte Stimmenzahl 
efitzende Partei eine recht peinliche Blamage, eingestehen 
uu müssen, daß sie, ausgerechnet sie, nicht die 
Macht hat. Da ist aber noch ein anderes, und 
* scheint uns für die Erkenntnis des Lebens der Varteien 
mo der Politit von größerer Bedeutung zu sein: Der Faktor 
er Gewerkschaften. Ihnen hat die politische Sozial⸗ 
emokratie erst durch die Kraft des tönenden Wortes und 
er Aufkitzelung der Massen zu einer Macht verholfen, die der 
apitalistischen verzweifelt ähnlich sieht. Die Gewerkschaften 
nd im Grunde genommen zu Kapitalmächten geworden und 
er Kammp verschiebt sich aus dem politischen Gebiet hinaus 
uuf das wirtschaftliche. Hier werden die großen Entscheidungen 
er Zukunft fallen im wirtschaftlichen Interessenkampfe zwischen 
en großen Verbänden der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer 
die Romantik der wilden Rosa, der schöne Diskant der Clara 
ie reizen die kühlen Rechenköpfe der Führer der Gewerkschaften 
jerzlich wenig. Den Gewerlkschaftlern sind all die politischen 
Imbitionen der Radikalen so ziemlich wurstig. Was hat 
ins denn das Reichstagswahlrecht nur für besondere Erfolge 
ebracht, daß sie, um es auch in Preußen einzuführen, einen 
dampf um die Existenz aufnehmen sollen? Das klang da 
hr kühl zwischen den Radamontaden. Mit der ruhigen 
zeststellung Bauers, des Nachfolgers Legiens in der Führer- 
haft der Gewerkschaften, daß sie mit der Frage des Massen 
reiks nichts zu tun haben, war eigentlich die Angelegenheit 
itschieden. Was nun? „Neue Mittel“ werden verlangt 
er Massenstreik schien so eins, orakelt wird auch weiter — 
im End weiß keiner nix! Der Typus dieser Ratlosigkeit 
t der revisionistisch-radikale oder radikal-revisionistische Dr 
rank. Er ist der Vater dieser sozialdemokratischen Blamage 
urch einen graziösen Eiertanz bemühte er sich zwar, die 
erquickung von preußischer Wahlrechtsreform mit dem Massen 
reik zu retten, ohne jedoch das Prinzip der weiblichen Rache 
eister zu dem seinen zu machen. Daß er dabei das wert— 
olle, schön bemalte Massenstreikei zertrat, ist traurig, aber 
hön. Das andere Sorgenkind ist die parlamenta— 
'sche Taktitk. Den Standpunkt der Radikalen hat 
ier bei Gelegenheit der Begrüßungsreden der Holländer 
rölstra recht scharf umrissen. Es ist eine schroffe Absage 
e er, der einen Ministerposten ausschlug, dieser Taktik erteilt 
ntweder sozialdemokratischer Vollbesitz der Regierungsgewal! 
nan male sich das aus, aber nicht auf nüchternem Magen!) oder 
ußerparlamentarische Taktik. also Gewaltmahßregeln, also Massen 
reil. — Ja! Nun ist aber die peinliche Lage die, daß man 
as ja nicht will mit 333 gegen 142 Stimmen. Also: Die 
arlamentarische Taktik ist nichts! Die außerparlamentarische 
eht nicht! Ergo wird fortgewurstelt. Schöne Reden über 
ie völkerbeglückende revolutionäre Kraft der Sozialdemokratie 
nüssen der Romantik der Masse Genüge tun, „neue Mittel“ 
verden angekündigt bis zur Groteske des Gebärstreiks, im 
brigen wird negiert! Selah! Ob aber nmicht endlich einmal 
n den Massen die Erkenntnis aufdämmern wird, daß die 
Morgenröte sozialdemokratischer Freiheit nichts war als ein 
rübes, irreführendes Kartoffelfeuer? 
— — —— 
Momentbilder vom sozialdemokratischen 
Parteitag. 
Machdr. verb.) P. Gr. Jena, 17. Sept. 
Der Sieg Scheidemanns über die Radikalen. * 
Parlamentarischer Bericht. —Derausgebrochen«e 
Giftzahn. 
Zu Beginn der heutigen Sitzung wurde das inzwilchen 
restgestellte Abstimmungsergebnis über die radikale Massenstreik 
Kesolution miigeteilt. Danach haben für die Resolution 
Delegierte gestimmt, dagegen 333. Das bedeutet eine 
länzenden Sieg Scheidemanns über den radikalen Klüngel, 
Dann wurde die vom Parteivorstand eingebrachte Risnned 
mit allen gegen 2 Stimmen angenommen. 
Auf der Tagesordnung stand sodann der parlamen« 
arische Bericht. Der Vorsitzende Bock-Gotha schlug vor, 
denjenigen Teil, der die Steuerbewilligung im Reichstage be— 
rifft, herauszunehmen und zusammen mit der Steuerfrage 
u behandeln. Dadurch sind diesem Punkte die Giftzähne 
usgebrochen und an den Schluß des Parteitages verwiesen. 
Wenn dann eine gewisse Abreiseunruhe herrscht, geht die Er⸗ 
edigung viel schneller. Gleichzeitig gelangen eine Reihe von 
Anträgen zur Verhandlung. Breslau verlangt, daß die 
keichstagsfraktion die Regierung veranlassen solle, unverzüg⸗ 
ich Maßnahmen gegen die klapitalistischen Manipulationen zu 
rgreifen. die Heilmittel (wie neuerdings Mesothorium) für 
doltskrankheiten erheblich zu verteuern suchen. Hamburg, 
Sondershausen, Rudolstadt rügen die Reichstags- 
bgeordneten, die bei der Abstimmung über den sozialdemo⸗ 
ratischen Antrag betreffs Einführung des Proportionalwahl⸗ 
rechts gefehlt haben. Hamburg 1 verlangt sogar, dah 
er Parteitag die fehlenden Abgeordneten zur Rechenschaft ziehen 
oll, weir sie das parlamentarische Ansehen der Partei ge— 
chädigt hätten. Essen a. d. Ruhr verlangt, die * 
raktion solle einen Antrag auf Aufhebung der Zwangsimpfun 
m Reichstage einbringen. München 1 und I verlangen 
ruf diesem Wege, daß die Erwerbstätigkeit der Kinder unter 
4 Jahren, ganz gleich, ob eigene oder fremde, verboten werde. 
zamburg III beantragt, die Fraktion solle im Reichstag einen 
intrag auf Einführung der direkten Gesetzgebung durch das 
VLolk vermittels des Vorschlags- und Verwerfungsrechts ein⸗ 
zringen, gleichzeitig solle im ganzen Reiche eine lebhafte und 
ntennve Propaganda für diese Programmforderung eingeleitet 
verden. Berlin IV verlangt die Neueinteilung der Wahl—⸗ 
ereise nach den Ergebnissen der letzten Volkszählung. 
Der Referent Schulz-Berlin suchte das Fehlen der 
Abgeordneten bei der Abstimmung über das Proportional⸗ 
vahlrecht zu erklären. Ein Rechtsanwalt könne einen wichtigenl 
Prozeß haben, ein Gewerkschaftsführer in Gewerkschaftsangelegen⸗ 
heiten abwesend sein. Parteibeamte hätten Parteigeschäfte wahr⸗ 
zunehmen uswp. Im übrigen war der einstündige Bericht so 
Offizierstöchter. 
Noman von Paul 6—4a6en. 
(31. Fortsetzung.) Machdrud verboten.) 
Unwillkürlich blicte sie, während er weiter sprach, auf 
Schwester und Schwager. Ob die wohl auch das gleiche Empfin⸗ 
den hatten wie sie selber? Klaus saß ja zwar mit seiner 
nutmütigen, ruhigen Miene da und hörte aufmerksam zu, aber 
Astrid — stand nicht in deren Augen ein leises Befremden? 
Da fühlte es Gerda plötzlich heiß in sich aufsteigen. Sie 
chamte sich in diesem Augenblide fast ihres Mannes vor den 
Verwandten. Und diese Nervosität in ihr steigerte sich bis 
um Anerträglichen, als Heinz nun in seiner Schilderung fort⸗ 
uhr, wie dann der Tärektor wutbebend auf die Bühne gestürzt 
väre und sich nun alles weitere abwicelte. 
Immer drastischer ward ja seine Tarstellung, er berauschte 
ich offenbar an sich selbst, an der grohen Szene, die er da 
porhin vor seinen Kollegen gehabt — einmal in Wirklichkeit 
quasi als tragischer Held! — und so lebhaft ward er unbewußt, 
dan ein Kellner, der einige Tische weiter mit Abräumen beschäftigt 
war, plötzlich aufsah und zuhörte — mit einem leifen Lächeln in 
dem glattrafierten Geficht. FB 
Ta ertrug es Gerda nicht änger. 
„Bitte, Heinz — nicht so Jaut!“ 
Unauffällig vaunte sie es ihm zu. Kehler, noch immer 
schwer gereizt, empfand dießes Korrigieren als eine Verletzung 
und brauste auf: 
„Herrgott! Ich weiß doch allein, was sich gehört!“ 
.Tem Kellner drüben glitt es übers Gesicht. Diskret wandte 
er sich ab und beugte fich über seinen Tisch. Aber Gerda 
erblaßte. Da war es geschehen, wovon sie am Sonntag, halb 
im Scherz noch, gesprochen hatte. Geschehen schon nach zwei 
urzen Tagen: er hatte fie angefahren, rauh und rückichtslos, 
imn öffentlichen Lokall. 
„.Ihr war, als sanke er, zu dem fsie aufgeblidt, plötzlich 
neder von feiner Höhe. Tief, tief in den Staub. Nun war 
zas, was so schön gewesen war, auch erfaßt vom Alltag. 
sichts, nichts war von Dauer. Und sie ward fehr still. 
Aber auch die anderen blieben nicht unberührt davon. 
Astrid und Petersen wechselten einen stummberedten Blid. Die 
Schwester Gerdas spielte dann verlegen an ihrem Glas, wäh— 
tend ver Schwager mit erzwungener Unbefangenheit dem Schluhß 
pon Keßlers Erzählung zuhörte. 
Heinz führte seinen Bericht zu Ende, in bewußtem Trotz 
nit unverändertem Ton. Aber pabei empfand er nur zu wohl, 
aß er sich da eben eine häßliche Blöße gegeben hatte. Die 
irkenntnis seiner Schuld reizte ihn aber nur noch mehr. Gegen 
zerda. die die Veranlafsung dazu gewesen, wie gegen sich 
Ibst. 
So war die Stimmung plötzlich sehr ungemütlich geworden, 
ind alle empfanden es daher als eine Erlösung, als min 
Uaus seine Uhr zog, anfcheinend überrascht: 
„Wie? Schon drei? Da muß ich mich ja sofort fertig— 
iachen für meine Konferenz. Ihr müht schon entschuldigen, 
Herda und Heinz, aber es geht halt nicht anders.“ 
So stand man denn auf. Petersens, die im Hotel wohnten, 
eleiteten ihre Gäste noch bis ans Portal, die deiden Tamen 
singen vorauf. Ta wandte sich Klaus halblaut an den 
5chwager: 
„Du — übrigens, wenn die Affäre noch ein Nachspiel 
jaben sollte — du verstehst mich — ich bin selbstverständlich 
janz zu deiner Verfügung.“ Der Reserveoffizier in ihm regte 
ch. die gefelsschaftliche Korrektheit auch in solchen Dingen. 
och fügte er noch hinzu: „Natürlich würde ich vorher eine 
riedliche Beilegung versuchen. Das ist man ja als verheirateter 
Mann seiner Frau schuldig — selbstverständlich.“ 
Toch Kehßler lachte nur sarkastisch: 
„Besten Tank, lieber Klaus. Aber ich werde deiner Dienste 
iicht bedürsen. Bei uns auf dem Theater knallt die Pistole nur 
uf der Bühne — Herr Riemer ist ein vorsichtiger Mann.“ 
Petersens Miene ward da unwillskürlich einen Schein reser⸗ 
ierter. Na ja — eben Theater! Und es war ihm, als ob das 
uch auf Keßler abfärbte. 
Im Portal drückte Astrid mit ungewohnter Wärme der 
Schwester zum Abschied die Hand. Dann stiegen Keßlers ins 
luto und fuhren heim. 
Vetersens gingen in ihr Hotehzimmer. Als fie oben waren, 
Ffüff Klaus leise durch die Zähne und sah Astrid an: 
„Du — das eben gibt mu denken.“ 
Astrid nickte. 
„Ja, die arme Gerda! Ich merkte es ihr ja schon heuté 
vormittag an, daß da nicht alles stimmte.“ 
Klaus Petersen blichte nachdenklich vor fich hin. 
Seine kluge Frau verstand, was ihm durch den Kopl 
zing: Gerdas eigene Schuld! Hätte sie früher richtiger ge« 
vählt, so wäre ihr das einmal erfpart geblieben. Und leise 
rat sie zu ihm und legte das blonde Köpfchen an seine 
zchulter. * 
„Du — da fsind wir doch besser dran miteinander. Gelt, 
lauslein? . 
TDer junge, glückliche Gatte gab ihr die Antwort sehr aus- 
iebig auf den roten Mund. — 
Schweigend waren Gerda und Seinz heimgefahren, wortlos 
die Treppen zu ihrer Wohnung hinaufgestiegen, suumm ins 
zimmer getreten, jeder in das seine. 
Nun saß Gerda ann Fenster und ihre Blide gingen in 
bitterem, aufwühlendem Schmerz den ziehenden Wolken droben 
nach. 
Lange saß sie so und ward sich dessen bewuht mit grau- 
amer Klarheit: da war ihr heute etwas zerstort worden, das 
zing nie wieder aufzurichten. Sehend war sie geworden. Aber 
ich und Heinz zum Unheil. Unbarmherzig klar stand jetzt vor 
hr, was an ihm störend und minderwertig war. DTer Nimbus, 
der für sie leine Persönlichkeit umflossen, der sie geblende 
und fasziniert hatte — er war traurig zunichte geworden 
Wie war das Leben doch grausam!“ 
Und tief sank ihr der Kopf herab. 
Tann ging die Tür. Sie richtete sich auf — ihr Mann 
kam. Zögernd erst noch, dann aber enlischlosen. Und nun 
fühlte sie seine Hand auf ihrer Schulter. 
„Gerda — ich kann nicht um Verzeihung betteln wie ein 
Schulbube. Aber ich weißß — ich tat dir weh vorhin. Und 
zu hattest wohl recht. Ich war etwas laut. Aber halt's 
neiner Erregung zugute. Ich hab' doch nun mal dies bled- 
inn:ge Temperament. Also, komm — lah uns wieder vernünftig 
ein. Wir sind doch keine Kinder mehr und wissen: das ist 
‚alt mal nicht anders. Man kriegt sich auch mal zu paden 
in der Ehe. Menschliches — Allzumenschliches! Die Hauptsache 
st nur: so was nicht lange einfressen lassen. Tu »vin ich 
auch bei dir. Also komm — sei wieder lieb, Bevov.
	        
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