Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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aAusgabe A. 
Tagesbericht. 
Lüubed, 18. September. 
Der Burgerausfchußn hat in seiner gestrigen Sitzung die 
Senatsvorlagen, betr. Bebauung des Geländes der Firma 
diby & Co. an der Schönböckener Straße, Erhöhung der Kesten 
»es Strafvollzuges (von 0,900 Miauf 1,285 Mufäglich), Erlaß 
ines sechsten Nachtrages zum Beamtengesetz und Aenderungen 
im Besoldungsdienstalter von Zollbeamten, Erlaß eines siebenten 
Nachtrages zur Stempelordnung vom 22. Tez. 1900 sowie Aen- 
derung des 8 3 des Ausführungsgesetzes zum Unterstützungs— 
wohnsitzgesetze der Bürgerschaft zur Mitgenehmigung empfohlen. 
Des weiteren hat der Bürgerausschuhß den Senatsanträgen betr. 
Arealverkauf an die Witwe F. Meyer in Moisling, bauliche 
Aenderungen an der Dienstwohnung des Bezirksschullehrers in 
Dummersdorf, Hersiellung einer Niederdruch Dampfheizung im 
Krematorium, Bewilliaung eines weiteren Staatszuschusses von 
2318,20 Meäan die kaufmännische Fortbildungsschule für das 
Rechnungsjahr 1912 und Erweiterung des Kabelnetzes in Schlutup 
die beantragte Mitgenehmigung erteilt. In die Kommission 
zur Vorpruͤfung der Senatsvorlage betr. Ankauf der Grundstücke 
Neustraße Nr. 8 und Kurgartenstraße Nr. 124 wurden die Herren 
Böbs, Heinfohn, von Schach Wandke und Cuwie, sowie als 
Ersatzmänner die Herren Dahms und Hahn gewählt. Die 
Senatsvorlage betr. Revision des Grundsteuergesetzes vurde bis 
rur nächsten Sitzung zurüchgestellt. Endlich beschloß der Bür— 
gerausschuß, den Senat um eine Prüfung der Frage zu 
ersuchen, ob auch an den Mittelschulen und den höheren Schulen 
eine Staffelung des Schulgeldes nach dem Einkommen des Vaters 
urchfuhrbar ist. 
*Biürgerschaftswahl. Auf Vorschlag des Geschäfts⸗ 
vorstandes beschloß der Bürgerausschuß in seiner gestrigen 
Sitzung. für die bevorstehenden Bürgerschaftswahlen die Wahl⸗ 
zezirke 1 bis 4 in folgende Unterbezirke zu zerlegen: 
1. Wahlbezirk Gakobi-Quartier und Vorstadt St. Gertrud). 
Unterbezirke: 1. Jakobi-Quartier, 2. Vorstadt St. Gertrud. 
2d. Wahlbezirk Marien-Magdalenen-Quartier und die 
nordöstlich der Fadenburger Allee gelegenen Hälfte der Vorstadt 
St. Lorenz). Unterbezirke: 1. Marien⸗Magdalenen-Quartier, 
2. der nördlich von der Mittellinie der Marienstraße, der 
Friedenstraße und der Straße Bei der Lohmühle und Am 
Spargelhof gelegene Teil der nordöstlichen Hälfte der Vorstadt 
St. Lorenz, 3. der fsüdlich dieser Grenze gelegene Teil' der 
nordöstlichen Hälfte der Vorstadt St. Lorenz. 3. Wahl-— 
bezirk (Marien-Quartier und die südwestlich der Facken— 
hurger Allee gelegene Hälfte der Vorstadt St. Lorenz). Unter⸗ 
bezirke: 1. Marien-Quartier, 2. der nördlich von der 
Gabelung der Moislinger und der Lachswehr-Allee, der Mittel⸗ 
linie der Meierstraße und der St. Lorenzbrücke, dem Bahn— 
gelände bis zum Fußweg nach Buntekuh und der Mittellinie 
dieses Fußweges bis zur Vorstadtgrenze gelegene Teil der 
füdwestlichen Hälfte der Vorstadt St. Lorenz, 3. der südlich 
dieser Grenze gelegene Teil der südwestlichen Hälfte der Vor— 
tadt St. Lorenz. 4. Wahlbezirk Gohannis-Quartier und 
Vorstadt St. Jürgen). Unterbezirke: 1. Johannis-Quartier, 
2. Vorstadt St. Jürgen. Außerdem wurden der 9. Wahl-— 
bezirk und der 10. Wahlbezirk derart in je zwei 
Unterbezirke zerlegt. daß 1. die Stadtteile Moisling und Genin 
sowie die Gemeinden Strecknitz. Niendorf, Reecke und Moor— 
jarten, 2. die Gemeinden Wulfsdorf, Vorrade, Blankensee, 
Beidendorf, Krummesse. Kronsforde, Niederbüssau und Ober— 
büssau, 3. die Gemeinden Düchelsdorf, Sierksrade, Hollenbeck, 
Behlendorf. Albsfelde. Giesensdorf und Harmsdorf, sowie 
1. die Gemeinden Nusse, Ritzerau, Poggensee, Groß-Schret⸗ 
taken, Klein-Schretstaken und Tramm je einen Unterbezirk 
bilden. — Für die einzelnen Wahlbezirke wurden Wahl— 
vorsteher ernannt. 
O Schiffer⸗ und Steuermannsprüfung. Am gestrigen Mittk— 
woch, mittags, wurde die zweite diesjährige Prüfung für die 
große Fahrt, an die sich ein Termin für die kleine und Küsten—⸗ 
fahrt angeschlossen hatte, beendet. Es hatten sich für die oberen 
Grade gemeldet: 8 Schiffer großer Fahrt und 11 Steuerleute, 
kür die kleine Fahrt 4, für die Küstenfahrt 10 Anwärter. Von 
den Schiffern großer Fahrt haben bestanden 6, die sich auch den 
Zonderprüfungen in Schiffbau und in der Maschinenkunde unter— 
warfen. Auch darin haben die 6. Zugelassenen bestanden. Die 
Steuerleute haben alle 11 das Prädikat bestanden erhalten, 10 von 
ihnen erhielten auch das Zeugnis über die bestandene Prüfung 
in der Gesundheitspflege. Von den Schiffern kleiner Fahrt 
bestanden 2, einer hatte seine schriftlichen Aufgaben verfehlt, 
ver zweite wies in der mündlichen Prüfung zu großé Lücken auf. 
Die Prüflinge in der Küstenfahrt bestanden sämtlich. Der Herr 
Reichsinspektor war nicht anwesend. Die Namen der bhestandenen 
Steuerkeute sind: Ti. G. F. von Arnim aus Sprengels— 
zöhe bei Regenwalde, W. E. H. K. F. Besendahl aus Plau, 
. C. Blöder aus Lübeck, E. K. J. Bock aus Stolp, H. G. 
D. Freyholz aus Lübech J. H. F. Kietzmann aus Lübeck, W. C. 
M. Lamp aus Friedrichshof, F. K. W. Lauer aus Schoeneck, 
J. H. R. Meyer aus Buchholz, W. E. Schwede aus Oppeln 
ind Kl R. H. Tonagek aus Lübech. Die Namen der bestande— 
nen Schiffer großher Fahrt sind: G. H. P. Blenne— 
nann aus Witten (Ruhr), F. A. O. Boehme aus Dresden, 
G. Flörke aus Lübech, P. R. Knökel aus Oppenau, H. W. F. 
Riedet gaus Stutthof und A. E. Schiffer aus Königsberg. Die 
Namen der bestandenen Schikfer kleiner Fahrt sind: 
S. E. W. Tettmann aus Kiel-Gaarden und B. G. Heinrich 
aus Hamburg. Die Namen der bestandenen Küstenschiffer 
sind: C. P. H. Bade aus Schlutup, P. H. 5S. Fick aus Schlutup, 
F. J. F. Jahncle aus Schlutup, L. H. C. Möller aus Schlutup, 
J. F. J. Steffen aus. Schlutup, H. J. P. Willwater aus 
Zchlutup, G. Gummerlich aus Beidenfleth, J. Hagenah aus 
Flmshorn, C. B. Holst aus Holtenau und P. Di W. Kuhrt 
aus Hamburg. 
X Der Gartenbau⸗Verernn und die Ortsgrurpe Lübeck des 
Berbandes der Hendelsgärtner Deuisbiandz veranstalteten kürz— 
lich einen gemeinsamen Ausflug nach Pinneberg, Relingen und 
Halstenbek. Zweck des Ausfluges war eine Besichtigung der 
dortigen umfangreichen Gärtnereien. In erster Vinie wird dort 
die Anzucht von Forstpflanzen in riesigem Umfange betrieben. 
Alles betreibt die Anzucht dieser Pflanzen, sogar die Privat⸗ 
gärten werden dafür ausgenutzt. Abies, Pinus, Picea, und 
darix, weiter Eichen, Hainbuchen, Heckendorn, Linden und Eschen 
sowie andere Laubhölzer werden dort in Malsen angebaut 
Mes 3m fo⸗ 
donnerstag, den 18. September 1913. Morgen⸗Blatt Nr. 472. 
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uberdem werden Unterlagen fur vBeredelungen angeogen. 
zelbstverständlich findet man auch die übrigen Zweige der Baum— 
hulgärtnerei vertreten und werden hier in Rosen, Koniferen 
ind Obstbäumen auch Spezialkulturen betrieben. Die langen 
deihen der gerade jetzt dort in schönster Blüte stehenden 
iedrigen Rosen boten einen entzückenden Anblick. Die älteste 
er dortigen Firmen ist die Firma Rudolf Müller, hierorts 
ereits bekannt von hiesigen Gartenbau- Ausstellungen her. 
Veiter sind zu nennen die Firmen Heins K Söhne, Pein, 
tlasen, Stock u. a. Ueberall gab es des Interessanten die 
Nenge zu sehen, so daß alle Teilnehmer hochbefriedigt waren, 
»as sich auch bei Gelegenheit des gemeinsamen Mittagsmahles 
nnd Abendessens in den gehaltenen Tischreden ausprägte. Einen 
rrühschoppen kredenzte Herr Clasen ir. in seiner Gärtnerei 
nd den Abendimbiß und Abschiedsschoppen Herr Heins in 
zalstenbek. Die Lübecker ließen es denn auch an Dankes— 
ezeugungen nicht fehlen und sicher werden die bei dieser 
zelegenheit geknüpften freundschaftlichen Beziehungen zwischen 
fiesigen und schleswig-holsteinischen Gärtnern auch segensreiche 
eschäftliche Folgen haben. 
EDLübecker Verein sür Luftfahrt. Aus Anlaß des Un— 
lückes des Marineluftschiffes „L 1“ hatte der Vorstand des 
zereins dem Marineminister Staatssekretär von Tirpitz tele—⸗ 
raphisch sein Beileid ausgesprochen. Der Geschäftsstelle des 
zZereins ist jetzt nachfolgendes Antworttelegramm zugegangen: 
„Dem Lübecker Verein sur Luftfahrt spreche ich im 
Namen unserer Marine für die warmen Beileidsworte zu 
dem schweren Verlust, der uns betroffen hat, meinen ouf—⸗ 
richtigsten Dank aus. 
3 ronounge vee⏑ ee schizses „vansa“ nach 
dübed. Nachdem das Luftschiff „Hansa“ in der Racht zum 
Mittwoch von Potsdam wieder — ist, 
vird dieses Luftschiff für die nächsten Wochen daselbst stationieri 
leiben und führt Passagierfahrten aus. Das Luftschiff wird 
ie proiektierte Fahrt nach Lübedk zur Feier des diährigen Be— 
hens des Lübeder Vereins für Luftfahrt am Sonntag, dem 
8. Sept., aqusführen, wenn die erforderliche Passagierzahl, 
»elche bis auf 8 bereits feststehend ist, rechtzeitig gemeldet wird. 
s werden daher diejenigen Damen und Herren, welche sich an 
iner der 2—2—ündlgen Fahrten noch zu beteiligen gedenken, 
ebeten, ihre Anmeldung umgehend bei Herrn Johs. Fr. J. 
Röller, Isrgelsdorfer Allee 132, zu bewirken. Als, aus⸗ 
eloste Mitglieder oes Lübecker Vereins für Luftfahrt reip. des 
zereins für Zeppelinfahrten werden die nachfolgenden, Per— 
onen teilnehmen: Fräulein Dora Schmidt sowie die Herren 
nichard Dreeben, Heinrich Möller, Franz Boger und Friedr. 
Neyer. Das Luftschiff wird nachmittags 1 Uhr Hamburg ver⸗ 
assen und nadq Burücklegung einer 2—2,—ündigen Fahrt. 
velche sich bis an die Ostseeküste erstreckt, zwischen 3 und 
zuusUhr auf dem Flugplatze an der Ifrgelsdorfer Allee landen. 
dach stattgehabtem Passagierwechsel wird die zweite Fahrt zur 
Ittfee und mit Rügkehr nach Samburg angetreten. — Eine 
Mitfahrt in der „Hansa“ kann nur empfohlen werden, denn 
sie bietet den Mitfahrenden hohe Genäüsse, und jeder Teilnehmer 
verläßt nach Beendigung der Fahrt stets vollbefriedigt und, nur 
nit dem aufrichtigen Bedauern die Kabine, daß die Fahrt schon 
u Ende ist. Man, möchte den ganzen Tag in einem solchen 
icheren Lufischiff im Himmelsäther schwimmen, so war der 
usspruch einiger Fürstlichkeiten, welche erst in der verflossenen 
doche eine Fahrt in den Luftschiffen „Viktoria Luise“ und 
Sachfen“ machten. A. a. beteiligten sich in den letzten Tagen 
naden Fahrten: der Großherzog und die Großherzogin von 
zessen, Prinz und Prinzessin Luise von Battenberg und die 
Brinzen Andreas und Alexander von Griechenland mit Ge— 
olge, ferner auf einer zweiten Fahrt das Herzogpaar Ernst 
»on Sachsen⸗Altenburg mit Tochter Elisabeth. — Es sei he— 
onders darauf hingewiesen, daß die Fahrt nur bei ganz ein— 
vandsfreien Witterungsverhältnissen stattfindet, so daßk den 
Lafssagieren die größtmöglichste Sicherheit geboten wird. 
b. Kinderlesehalle. Leider hält es, trotzdem sich die Kinder— 
esehalle aufs beste bewährt hat, recht schwer, die erforderlichen, 
»erhältnismäßig geringen Mittel für die Fortführung der Kinder 
esehalle zusammenzubringen. In den letzten beiden Jahren ist 
ie Unterhaltung und Einrichtung ermöglicht durch die Anf—- 
ührung. die seinerzeit Frau Direklor Diestel in Gemeinichait 
nit Herrn Direktor Diestel und zahlreichen anderen Helfern 
m Kolosseum veranstaltet hat. Die auf diele Weise zujammen— 
jebrachten Mittel sind inzwischen verbraucht. Daher ist es 
zöchst dankenswert, daß Frau Direktor Diestel aufs neue eine 
Infführung zugunsten der Kinderlesehalle vorbereitet. Wiederu:* 
aben sich zahlteiche Damen, und Herren im Interesse der guten: 
Sache zur Mitwirkung bereit gezeigt. Die Proben sind bereits 
m Gange; ihr bisheriger Verlauf lähßt auf ein vort?effliches 
helingen schließen. Zur Aufführung gelangt die Weihnqchts 
närchenkomödie in 5 Aufzügen Klein Däumling, Rapunzel mit 
»em, langen Hgar und Riquet mit dem Schopf nach dem 
leichnamigen Märchen bearbeitet von Görner. Das Stüd ist 
»or nicht langer Zeir auch im Thaliatheater in Hamburg mit 
zroßem Exfolge aufgeführt, worden. Daher steht zu hoffen, 
daß auch hier die Veranstaltung regem Interesse hegegnet imd 
hren Z3wed erreicht. den Teilnehmern einen künstlerischen Genuß 
u. bereiten, der Kinderlefehalle aber die zu ihrer Fortführung 
rforderlichen Mitlei zu beschaffen. Für die Aufführung isi 
er 25. Okt. in Aussicht genommen; nähere Mitteilungen werden 
»emnächst im Anmzeigenteil unseres Blattes erfolgen. 
b. Kongreß sür Innere Mission. In der kommenden Woche, 
om 22. bis 25. Sept., findet in Hamburg der 37. Kongreß für 
zinnere Mission statt. Zwar haben wir in Lübedk keinen „Vecein 
ür Innere Miision“ wohl, aber haben wir die Sache ielbst, nur 
aßß sie bei uns getan wird unter anderem Namen von den 
inzelnen Vereinen, insonderheit von der Gesellschaft zut Be— 
örderung gemeimütziger Tätigkeit mit ihrer wohlorganisierten,. 
egensreichen Arbeit, bei der alle Berufsstände freudig und 
»pferwillig mithelfen. Darum dürfte in unserer VBaterstadt, die 
iuf so vielen Gebieten werktätiger Nächstenliebe sich in hervor— 
agender, Weise berätigt, auch reges Interesse vorhanden sein 
ür die Verhandlungen des Kongresses für Innere Mission, der 
n diesem Jahre in unserer Nähe, in unserer Schwesterstadt 
damburg, tagt Am Montag abend findet der Eröffnungs- 
ottesdienst in der St. Michaeliskirche statt, bei dem Oberhof— 
rediger D. Dihelius-Dresden die Festpredigt hält. Abends 
“2 Uhr ist Versammlung in Sagebiels Etablissement. Am 
dienstag, 92 Uhr, tagt die erste Hauptversammlung in! Kon— 
entgarten, Fuhlentwiete 29/33, auf der neben einein Ec—⸗ 
ffnungswort von D. Spieker-Berlin und Begrüßungsansprachen 
zrofessor D. Mahling-Berlin einen Vortrag über: „Die Be— 
ankenwelt der Gebiedeten, Probleme und Aufgaben“ halten 
»ird. Abends 8 Uhr wird in einer großen Vofksverfammiung 
as Thema behandelt: „1813 — Christentum und Volkstum — 
913.“ Besonderes Interesse für die Frauenver eine wer—⸗ 
en die Verhandlungen am Mittwoch, 91 Uhr, im Konvent⸗ 
zarten haben, auf der Gräfin Selma von der Goeben-Han⸗ 
over über die Frage fpricht: „Wie können die durch die 
rauenbewegung gewonnenen Kräfte für den Dienst der 
nneren Mission nutzbar gemacht werden?“ Das Korreferat: 
Die Frau und die evangelische Gemeinde“ hat Pfarter Stock⸗ 
zerlin übernommen, Am Donnerstag morgen üm 928 Uhr 
ird — wiederum im Konvent-Garten — auf, Grund eines 
deferates des Pfarrers D. Wurster-Tübingen die Frage be— 
andelt werden: „Reichen die gegenwärtigen Methoden der 
nneren Mission für ihre öffentliche Aufaabe aus?“ Um 8. Uhr 
bends hält Pastor Le Seur-Berlin im Schlußgottezdienst in 
er Michaeliskirche die Predigt. Gleichzeitig finden eine Reihe 
pezialkonferenzen statt: Montag um 10 Uhr im Gemeindehqus 
u Harvestehude: Verband der Berufsarbeiterinnen der J. M. 
Referenten P. Burckhhardt; Berlin, Oberin von Broeder Barlin. 
hräfin Berta von der Schulenburg Berlin). Am Mittwoch 
m 4 Uhr im Gemeindehaus St. Michgelis: Versammtung 
»s Norddeutschen Jüngsinass und Männerbundes P. Le Seur). 
seichzeitig Versammlung des deutsch-evangelischen Frauenbundes 
naula Mueller-Hannover). Außerdem halten besondere 
tzungen ab die freie kirchlich-soziale Konferenz, die evangelischen 
ungfrauen-Vereine Deutschlande u 
von Tirpitz, Staatssekretär.“ 
DT. Der 23. Verbandstag der mittleren Postbeamten in 
zerlin. In der Sitzung des Gruppenausschusses am Dienstag 
ind zur Personalordnung folgende Resolutionen eingebracht 
vorden: 1. der Verbandstag wolle beschleßen, daß der als 
hweres Unrecht empfsundene Zustand bescttigt wede, wonach 
reubische Zivilanwärter bereits nach drei Jahren in die 
sekretärstellungen gelangen, während gleichmähig worgebildete 
zostzivilanwärter erst nach vier Jahren in die Assistenten— 
ellungen aufrücken. 2. Der Verbandstag wolle Mazßregeln 
greifen, die es den Postbeamten ermöglichen, in die Sekrelär— 
ellungen einzurücken. 3. Weiter wolle der Verbandstag dafür 
intreten, daß a) die Ober-Assistenten und Assisten?en der Post— 
erwaltung sowie die Postverwalter aus der allgemeinen Assi— 
lentenklasse dauernd herausgehoben bleiben und ihnen ein der 
zorrangstellung bezeichnender Titel gewährt wird; b) die 
zleichstellung der Post- und Telegraphensekretäre mit denienigen 
er preußischen Provinzialsekretäre möglichst bald herbeigesührt 
Herde, welche das jeßzige Höchstgehalt von 400 Muim cinfachen 
lufstiege erreichen. 
DDer Verein ehem. Kameraden des Gardelorps feierte 
m Sonnabend einen Kommers mit Damen in der Lückschen 
zrauerei. Mit Musik war der Verein vom Klingenberg bei 
rächtigem Mondscheinwetter hinausmarschiert. Der erste Vor— 
tzende begrüßte die Erschkienenen. Er hielt dann äine kurze 
nsprache, in welcher er an die großen Zeiten vor 100 Jahren 
nd von 1870/71 erinnerte. Auch gedachte er der Gegenwart, 
er grohen Kaisermanöver, der Flottenmanöver und der bei 
tzteren verunglückten Kameraden von der Marine, und schloß 
it einem begeistert aufgenommenen Kaiserhoch. Dann wech 
lten gemeinsamer Gesang mit Konzertvorträgen der Brenner⸗ 
hen Kapelle und die von dem unverwüstlichen Kameraden 
zrüggemann gut vorgetragenen Lieder miteinander ab und 
ielten die Besucher einige Stunden in veranügatester Weise 
tsammen. 
DIn der Relrutenfürsorge im Landeskriegerverband Lübed 
ielt am letzten Vortragsabend um Hohenzollern Herr Pastor 
Nüller in seiner bumoristischen Redeweise einen Vorttag üöber 
ienstzeit, Freundschaft, Höflichkeit uspp, sowie über die sitt 
chen Gefahren der jungen Leute, wofür demselben von den 
hlreichen Anwesenden großer Beifall gespendet wurde. 
dam. Graffunder gedachte noch kurz der Kameradschaft. Kam. 
ollmer fuhrte an. Kand der selbstverfertligten Zeichnung der 
lten Festung Minden seine ehemalige, Dienstzeit vor; legteren 
eiden wurde ebensalls lebhafter Beifall zuteits. Am Sonn— 
ig, dem 21 d. M. werden sich die Rekruten, mit dem notigen 
agenschanzzeug vorsehen, nachmittags präzise 3 Uhr an der 
doltkebrücke zum Abmarsch nach dem Biwakplatz versammeln, 
m dort ein Mansver mit Abkochen zu veranstalten. Siecan 
erden ebenfalls die kameradschaftlichen Vereine des Landes- 
riegerverbandes mit ihren Familien teilnehmen. Alles Rähere 
ringen am Sonnabend die Inserate. 
Die Wasserwärme in den städtischen Badeanstalten be— 
rug am 17. Sept.: im Krähenteich 17 Grad Cels., am Folken⸗ 
amm 17140 Grad Cels. 
0 Unfall. Ein die Israelsdorfer Allee herabkommendes 
lutomobil stieß gestern nachmittag unweit der Burgtorbrücke 
nit einem vor ihm fahrenden Radfahrer zusammen. Sowohl 
er Radfahrer als auch das Automobil hatten nach der linken 
eite auszuweichen versucht, wodurch der Zusammenstoß un— 
ermeidlich wurde. Der Radfahrer stürzte vom Rade und 
iußte mit stark blutendem Gesicht in die nahe Polizeiwache ge— 
ragen werden. Das Fahrrad wurde namentlich am Hinter⸗ 
ad ara demoliert und dem Automobil eine Laterne zertrümmert. 
D. Stadtiheater. Aus der Theaterkanzlei schreibt man uns: 
freitag geht als erste Luftspielneuheit „Kammermusik“ von 
Igenstein in Szene. In dem Stuüg, weiches sich bereits viele 
ühnen erobert hat. handelt es sich um einen glüdtich ver— 
eirateten Tenor, der beim Publikum dauernd nur dann Ge— 
allen findet und an ein Hoftheater nur dann engagiert weceden 
ann, wenn er seine Frau verleugnet. Dadurch entstehen num 
ine solche Reihe Irrungen und Wirrungen, die — voch es soll 
ier nicht der Inhalt erzählt werden. Das Stücd küagt in ein 
pottlied auf, falsche und verlogene Theaterbegeisterung aus. 
e. Hauptrollen wielen Frl. Sindlinger und Frau Laudien 
wie die Herren Brunow und Wolffaramm. — Die nächste 
—— ftindet m Sonnabend. dem 20. Sept, 
9 
Luftfahrt. 
DT. Der Kampf umr die Nationalflugspende. Berlin⸗ 
lJohannisthal, 16. Sept. Das günstige Wetter des heuti— 
sen Tages hat eine Reihe von Bewerbern im die grofßen 
Breise der Nationalflusspende auf den Plan gelockt. Außer 
Stiefvater, der, wie berichtet, in Freibung i. Br. aufgestiegen 
ind bereits in Königsberg gelandet ist, ist auch der Chef⸗ 
ilot der Aviatikwerke in Mülhausen, Stoeffler, zu einem 
Nauerflug aufgestiegen, der ihn von Mülhausen i. E. an 
er Südwestgrenze des Deutschen Reiches quer durch Deuts hland 
is ins Innere Russisch-Polens getragen hat. Stoeffler stieg 
eute morgen in Mülhausen auf und landete heute nachmittag 
ereits 30 Kilometer vor Warschau im Gouvernement Plozk. 
ẽr hat mit seinem Fluge eine Strede von ca. 1200 km 
urückgelegt, eine Tagesleistung, die außerordentlich gut ist. 
Iuch Hirth beabsichtigt an einem der nächsten Tage auf seinem 
Ilbatros⸗Eindecker einen Flug rund um Deutschland um den 
Hroßen Preis der Nationalfluaspende zu unternehmen. 
„Cines“s Hansathea ter. Aus dem Direktionsbureau wird 
ns berichtet; Die Ormziere sowie ein Teil der Mannschaft der 
.ssischen Kriegsschifse besuchten Montag die Norstellung und 
elohnten jede einzelne der erstklassigen Varietsnummern mit 
utem Beifall. Bei dem Verlassen des Theaters ließen sich 
ie Offiziere bei der Direktion melden und, äußerten sich 
ithusiastisch über die ganze Aufführung. Besonders yrtginli 
anden sie die nach amerikgnischem Muster geschaffene Einrich- 
ing. die Zwischenpausen, die sonst in allen Varietés durch 
dehamebilder ausgefüllt werden, hier durch erstklassige Kino— 
orfüͤhrnngen zu ersezen. — Seute (Donnerstag) verabschieden 
ich, die Artisten aus dem letzten Programm, da morgen (Frei— 
140) vollständiger Proorammwecßtel anftintet
	        
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