Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Das Befinden des Varifer Militärattachss. 
Paris, 17. Sept. Die Nachrichten vom Krankenlager des 
„eutschen Militärattachés v. Winterfeldt lauten weiter sehr be⸗ 
iruhigend. Die Nacht war sehr schlecht und am Morgen trat 
ochgradiges Fieber ein. Die Schmerzen im Unterleib haben 
ich empfindlich gesteigert. Unter diesen Umständen ist es über⸗ 
haupt sehr zweifelhaft, ob eine Operation vorgenommen werden 
sann. Die Aussichten auf Genefunghaben sich ver— 
chlechtert. Ein Univerfitätsprofessor aus Toulouse ist mit 
Vinlitärärzten um den Kranken bemüht. Die Absicht, den Kranken 
in sein Pariser Heim überzuführen, ist vorbäusig aufgegeben 
vorden. 
W. Grisolles, 17. Sept. Praäsident Po incars ließ 
vergangene Nacht wiederholt Erkundigungen über den Zustand 
des deutschen Militärattachs einziehen. Heute morgen war das 
Befinden des Verunglückten nicht so gut, wie man gehofft hatte. 
Poincars ließ daher den Generalarzt Bechard und den Chi-— 
urgen Roy aus Toulouse berufen, die den Kranken neuerlich 
untersuchten und feststellten, dah er einen Bruch des Bechens 
davongetragen hat. Ter Zustand des Kranken ist, wenn auch 
nicht hosffnungslos, so doch ernst. Frau v. Winterfeldt weilt 
zei ihrent Gatten. Der Besuch des Präsidenten dauerte etwa 
l0 Minuten. Der Präsident war mit dem Krieosminister zu 
Fuß durch den Ort gekommen. Der Unfall des deutschen Mili— 
ärattachs rief sowohl bei der Einwohnerschaft, wie auch unter 
den Truppen das lebhafteste Bedauern hervor. 
— Präsident Poincars besuchte vor seiner Abreise 
wus Grisolles Frau v. Winterfeldt und sprach ihr seine Teil- 
ahme an ihrem Kummer und seine Sympathien für ihren ver⸗ 
etzten Gatten aus. 
— Der deutsche Militärattachs ist operiert 
vorden. Die AMerzte haben festgestellt, daß die Blase un⸗ 
zerletzt ist; es handelt sich um kinen Harnleiterbruch. Die Ope⸗ 
ation ist in der Narkose vorgenommen worden und dauerte 
530 Minuten; sie scheint geglückt zu sein. Der Puls ist gut, 
der Justand bessert sich anscheinend. 
W. LeIsie⸗Jourdain, 17. Sept. Der franzöͤsische Kriegs⸗ 
mintster ließ dem deutschen Militärattachs von 
Winterfeld im Namen des Präsidenten Poincars durch 
Feneral Jofsfre das Offizierskreuz der Ehrenlegion 
üͤberreichen. 
Die albanische Frage. 
Wien, 17. Sept. Die Athener Meldungen Aber die Ab⸗ 
zerufung des österreichischen Konsuls v. Bilinski aus Janina 
ind des itauenischen Konsuls aus der Kommission zur 
Abgrenzung Suüdalbaniens find falsch. Griechenland 
jat zwar gegen die Entsendung der beiden Konsuln in die 
ommission protestiert, doch blieb dies in Rom und Wien 
inbeachtet. Auf die Forderung Griechenlands, auch einen De—⸗ 
egierten in die Kommifsion entsenden zu dürfen, antwortete 
Deutschland, daß es nichts dagegen habe, wenn Oesterreich und 
Jialien einverstanden seien. Italien stellte die Bedingung, daß 
dann auch ein Vertreter Albaniens zugezogen verden und 
daß Griechenlands Truppen verher die strittigen Gebiete räumen 
sollen. In Wien schloß man sich dieser Forderung an, aber 
n Athen erklärte man sie für anannehmbar. 
Valona, 17. Sept. Der ehemalige Abgeordnete von 
Prischtina, Hassan Bei, ist zum Minister für das Bergwerks⸗ 
ind Forlstwesen ernannt worden. Es verlautet, daß er in 
»migen Tagen als Minister des Innern an die Stelle Efsad 
Paschas treten soll. 
W. Belarad, 17. Sept. (Privattelegramm.) Die Neue 
Freie Presse meldet: Die Vertreter der Großmächte überceichten 
dem Minister des Aeußern ein Gesuch der Albanesen, 
im freien Zutritt auf die Märkte von Diakowitza und Dibra. 
die Regierung beantwortete das Gesuch wegen der in Albanien 
ioch herrschenden anormalen Verhältnisse abschlägig. 
MW. Berlin, 17. Sept. Die Norddeutsche Allge- 
neine Zeitunng schreibt zum Tode des Botschafters Wirkl. 
Heh. Rates und Kammerherrn Grafen v. Alvensleben: 
SGraf v. Awensleben war ein Mam von echtem Schrot und Korn. 
Er stammte aus einem Hause, das den preußischen Königen zahl⸗ 
reiche tteue Diener gegeben hatte. Den Ueberlieferun- 
zen getreu, leistete er quf seiner langen und ehrenvollen Lauf« 
bahn auf allen ihm anvertrauten Posten vortreffliche Tienste. 
Sein Andenken wird in Ehren bleiben. 
Jena, 17. Sept. In der Versammlung des sozialdemo⸗ 
ratischen Parteitages gab heute morgen der stellvertcetende 
Vorsitzende, Abg. Boch, den Tod des englischen Sozia— 
listenführers Quelch bekannt. Er erinnerte an defsen 
Anwesenheit auf dem vorigen Parteitag in Chemnitz und in 
Stutigart wo er wegen eines starken Angriffes gegen die eng⸗ 
lische Regierung ausgewiesen worden ist. Er widmet ihm einen 
kurzen Nachruf, den die Versammlung stehend anhört. Der 
Parteitag wird eine Beileidskundgebung an die Sozialisten 
ach London fenden. 
W. Daunzig, 17. Serpt. Tie Kronprinzesfin, welche 
sich gestern abend nach Berlin kbegeben hat, tritt von hier aus 
eine Reise nach Bremerhaven an, um am 18. Sept. eine Fahrt 
auf dem Llyoddampfer „Kronprinzessin Cecilie“ zu unternehmen. 
W. St. Moritz, 17. Sept. Der Reichskanzker verließ 
hei strömendem Regen Sils Maria, um über Davos direkt 
nach Berlin zurückzukehren, wo er morgen eintrifft. 
V'. Kopenhagen, 17. Sept. Der Herzog und die 
Serzogin von Cumberkland fuhren heute vormittag 
1 Uhr mit dem Berliner Expreßzzug ab. Am Bahnhof fanden 
ich zur Verabschiedung die hier anwesenden Mitglieder der könig- 
sichen Familie und der König und die Königin ein. 
W. Saag. 17. Sept. Die Kammer wählte als ersten 
Kandidalen für die Präsidentschaft Borgesius, den Führer 
der Liberalen Vereinigung, als zweiten Kandidaten Troe.stra, 
den Führer der Sozialistenpartei, als dritten den Kathotiken 
und Exkammerpräsßidenten van Nispen tot Sevenaer. 
London, 17. Sept. Die AUsdehnung des Sympa— 
khiestreiks auf Birmingham beunruhigt die Eifenbahn— 
zewerkschaft, die von solchen unvermittelten Arbeitseinstellungen 
uur Unheil erwarket. Pessimisten sprechen bereits vom Anfang eines 
iceuen nationalen Eisenbahnerstreils. In Dublin ist die Not 
zroß, und die Unternehmer rechnen auf eine schnelle Aus⸗ 
hungerung der Streikenden. In London droht ein Streitk, der 
die große Mehtzahl feiner viertausend Auto-Omnibusse lahm— 
segen würde. 
W. Wien. 17. Sept. Der deutsche Kaiser verlieh 
;em Landeshauptmann von Schlefien, Grafen Larisch— 
Moenn'ich den Roten Adlerorden 1. Klafse. 
* — 
Kunstliche Preissteigerung für Mefothorium. 
Müuͤnchen, 17. Sept. Der Magistrat vertagke, nach— 
em er bereits für 22000 MeRadium angekauft und weitere 
200 doo Mifür die Beschaffung von Mesothorium und Radium 
ur Behandlung Krebskranker in den städtischen Krankenhäusern 
bewilliat hat, nach einer gemeinsamen Sitzung plötzlich drese 
Tngelegenheit. Wie es heißt, hat man den Beweis 
a Händen, daß überall die Städtischen Kollegien bei Ankauf 
es Radiums und Mesothoriums übervorteilt worden seien und 
„aß diese Stoffe von den Händlern zurückgehalten werden, um 
ine künstliche Preissteigerung hervorzucufen. Es follen 
uuch Bewe'se dasür vorliegen, daß die Angaben der Liefe— 
anten, die bisher stets dahin lauteten, Radium in größeren 
Mengen sei bereits auf lange Zeit hinaus vergriffen, den Tat⸗ 
achen nicht entsprechen. Die festen Bestellungen durch München 
atten Lich infolge der wiederholten Beschlußänderungen ver— 
ögert, und nun wurde auf einmal Radium und Mesothorium 
u früheren Lieferungsterminen und auch zu ganz anderen 
RKreisen angeboten. Der Magistrat soll den weiteren Ankauf 
rift vornehmen, wenn diese Art von Spekulationen mit Seil— 
nitteln, die der Allgemeinheit zugute kommen, ein Ende nehmen. 
Der Berliner Magistrat hat den Betrag von 200 000 
Mark vorerst nicht zur Verfügung gestellt und sich noch nicht 
ruf bindende Ankäufe festgelegt. 
Mörder und Falschmünzer. 
Newuorl, 17. Sept. Bei einer Haussuchung in der Woh—⸗ 
ung des angeblichen Kapblans Schmidt, des Mörders seiner 
peliebten Aumüller, entdeckte man eine voll ausgerüstete 
ralschmünzerwerkstatt. Man fand alles Material zur 
ʒerstellung der falschen Zehn⸗Dollarnoten. Der Fußboden war 
dick mit Teppichen belegt, damit man das Geräusch 
er Maschinen zur Herstellung der Falschscheine in den anderen 
Ztockwerken nicht hören könne. In dieser Wohnung hatte der 
zerhaftete Zahnarzt Muret sein Heim. Da er dem Schmid! 
ruffalcend Ahnlich sieht, glaubt die Polizei bestimmt, 
es sei ein Bruder Schmidts. In Murets Zimmer wucde 
ine große Anzahl geheimnisvoller chirurgischer Instrumente 
yon seltsamer Form gefunden und beschlagnahmt. Muret sagt 
iber aus, er sei nur photographischer Studien wegen mit 
Schmidt zusammengezogen. Nach den Feststellungen eines 
Vashington«c Detektivs sind Schmidt und Muret währegd dieles 
Sommers drei Monate lang im Lande herumgereist und haben 
jefälschtes Geld in Kurs gebracht. Auf einer Postkarte, die 
Zchmidt an Muret schrieb, war ein Bild Napoleons, und dar⸗ 
inter stand geschrieben: „Nur im Wörterbuch der Unfähigen gibt 
s das Wort Unmöglichkeit.“ Schmidt hat zugegeben, 
Zanknoten gefänch: zu haben. Aber er behauptet, auf „Gottes 
tefehi“ gehandelt zu haben, wie er auch den Mord auf eine 
himmlische Eingebung“ hin begangen haben will. 1911 soll 
Schmidt, als er in Trenton (im Staate New Jersey) amtierte, 
vegen füttlicher Delikte vom Bischof der Diözese aus- 
rewiesßen worden sesi. 
Vermischtes. 
D7T. Auf dem Wege zur Fremdenlegionsent« 
wischt. In Büttlingen, unweit Saarbrücken, war vor 
ingesähr zwei Monaten ein Bergmann namens Johann Leuck 
purlos verschwunden. Er ist nunmehr in französischer Uniform 
zurücgekehrt und erzählte, daß er seinerzeit auf dem Wege 
zur Grube zwei Männern in Bergmannskleidung begegner sei, 
von denen ihm einer eine Zigarette angeboten habe, von 
deren Genuß er betäubt wurde. Als er wieder zu sich 
zekommen sei, befand er sich mit den beiden in einem 
Automobil in einer ihm unbekannten Gegend. Sie hätten 
ihm eine gute Stellung zugesagt, brachten ihn aber kurzerhand 
in eine Kaserne in der Nähe von Marseille. Erst nach drei 
Wochen sei es ihm gelungen, zu entfliehen und nach Deutsch- 
sand zurückzureisen. Auf der Flucht aus der Kaserne will 
er von einem Streifschuß am linken Arm getroffen worden sein. 
DT. Vom Starkstrom getötet. Ein recht eigen⸗ 
artiger militärsscher ÜUnglüdsfall ereignete sich in der Nähe 
des Dorfes Lenzen bei Belgard. Bei einer Nachtühung 
kam ein Sergeant. der 2, Schwadron des Pasewallker Kürgssier⸗ 
regiments mit seiner Lanze einer elektrischen Starkstrom⸗ 
leitung zu nahe Er wurde auf der Stelle getötet. 
das Theater der Moden. 
(Eigenbericht der Lübeckischen Anzeigen.) 
Aus Berlin wird uns geschrieben: 
Tee Veranstaltung, die sich, Theater der Moden“ nennt und 
ie am Sonntag eröffnet worden ist, hat die merkwürdigsten 
Ahnen und Vorgänger, nämlich die Wachspuppen in den Schau— 
enstern, Poiret und die Wiener Werkstätten mit ihren Manne— 
uins, die Operetten, Reinhardt und natürlich der Kientopp, 
ann alle die, welche auf den verschiedenen Theatern — einzig 
ie kleine Marionettenbühne Ivo Puhonnys ausgenommen — 
gierten, blieben stumm und bewegten sich nur tänzelnd im Takte 
er Musit, die fich diesmal auf lauter Weisen des alten Jean 
Jacques Offenbach vom schönen Prinzen von Arkadien bis zur 
Zarcarole kapriziert hatte. 
Das Hubscheste an diefer Ausstellung ist eigentlich ihr histori⸗ 
cher Teil, den die belannte Berliner Theaterdekorationsfirma 
zugs Baruch vorführt. Eine ganze Seite der Ausstellungshalle 
st der Mode von „Anno dazumal“ reserviert, und auf sechs 
zühnen werden hier die Trachten von 18138 bis 1875 vorgeführt. 
ernst Stern, der Maler der Reinhardtbühnen, hat die Ent— 
vurfe geliefert, und sie sind so hübsch geraten, daß man die ge⸗ 
rissenhafte Versicherung des Katalogvermerks, daß alle Trachten 
ach vorhandenem echten Material oder nach Modebildern her⸗ 
estellt seien, sehr bald vergißt und sich ganz dem Reiz dieser 
ntzückenden Bilder hingibt. Mit einem hübschen khleinen Salon 
»es Empire, himmelblau mit silbernen Sternen, gehts an. Die 
damen und Herren — man scheint die ganze Kinobörse geplün⸗ 
ert zu haben —, kommen, ganz wie bei Reinhardt, nicht von 
dwaͤrts, sondern treten von dem Profßzenium aus ein. Die 
damen in lichtem Musseline und Batist, die Herren in blitz 
Aanken Uniformen. Ein Harfenkonzert — die Harfe Ningt frei⸗ 
ich nicht —, soll das Ganze darstellen. Zehn Jahre später wird 
ruf der nächsten Bühne in einem Gartensaal getanzt, die Herren 
n farbigen Fräcken mit gewaltigen Zylindern, die Tamen mit 
inglaublichen Schinkenärmeln à la Gigot, zwischen denen das 
döpfchen mit der hochgetürmten Coiffüre und dem Riesenkamm 
okett hervorschaut. Eine hübsche Szene bildet das nächste Bild: 
ine Reisekutsche um 1840. Die Krinoline ist da, und das 
Monstrum sieht gar nicht einmal so unförmlich aus, zumal, 
benn so niedliche Füßchen unter ihr daher trippeln. Eine veritable 
chte Reisekutsche, gut bekannt aus so und so vielen Films, in 
denen sie mitgespielt hat, tut auch hier mit, und eine Reiterin 
mit einem bauschenden graufeidenen Reitkleid kommt ebenfalls 
vuf dee Bühne gesprengt und erregt eine kleine Eiferfuchtsszene. 
Zo gehts weiter zu einer Eislaufszene — die —A 
ier ous dem Admiralspalast ausgeborgt und das Eis, auf 
em sie laufen, ist echt! — zu einer regelrechten Nachbildung 
xer Kranzlerece, die seit einigen Jahren zu den historischen Bil- 
ern gehört und einem Modesalon um 1875, der Zeit des — 
zott soll mich bewahren — cul de Paris, den unsere Mütter so 
bunderschön fanden. Wahrscheinlich, um ad oculus zu demon⸗ 
trieren. daß die Figuren trotzdem normal waren, endete die 
Reihe mit einer niedlichen Entkleidungsszene. 
Die Vorführungen der modernen Kleider, in denen bekannte 
tzerliner Firmen gegen französische stritten, fielen, was vielleicht 
och an der unzulänglichen Vorbereitung lag, gegen die histori— 
chen Vorführungen ab. Die Mannequins waren hölzern und 
langweilig und deshalb wirkten auch die Kostüme mur mäßig 
ind reizen nicht zu eingehendem Bericht. Eine einzige der Damen, 
die der Berliner mit dem mustisch klingenden Namen „Gelb⸗ 
tern“ nach dem gelben Stern der normalen Blusenfigur bezeich- 
aet, verstand sich zu geben und daher gefielen auch das Kostüm 
und die Pelze und Mäntel, die sie vorführte. 
Originell waren die Vorführungen im Theater der 
Praktischen Berlinerin“. wo das Baden-Badener Marionetten⸗ 
heater gastierte. Hier sang Caruso — d. h. ein Grammophon 
ang — und eine befradte porträtähnliche Marionette klappte 
dazu im Takte den Mund auf und zu und bewegte die Haãnde 
l dem Notenblatt, was das Publikum rasend komisch fand. 
Ein kleiner Schwank von Hans Sachs ging ihm dagegen weniger 
ein. und ein Reklamestüch war einfach dumm. Wanda. 
—5 
W. Hamburg, 17. Sept. Nach dem Genusse unge⸗ 
lochter Milch sind drei Beamte einer hiefigen Schiffs- 
raklerfirma in der letzten Woche gestorben. Außerdem sind 
ier Angestellte einer hiesigen Dampfschiffsgesellschaft, die Milch 
us derselben Quelle, von auswärts, bezogen hatten, erkrankt. 
Seit dem 26. August sind Erkrankungen nicht mehr gemeldet 
vorden. 
Kassel. 17. Sept. Ein schwerer Unfall trug sich heute in 
der Nähe von Witzenhausen zu. Der Oberschwelzer der 
cdolonialschule in Witzenhausen, Gyger, unternahm mit seinen 
zeiden Kindern im Alter von 7 und 11 Jahren eine Fahrt 
iuf der Werra. Das 7iährige Mädchen lehnte sich über den 
zootsrand und stürzte in die Werra. Bei dem Versuch, das 
zind zu erfassen, beugte sich der Vater über den Rand des 
zootes, das Boot kippte um und alle drei Perfonen 
purden von der reißenden Werra fortgerissen und ertran— 
en. Bis jetzt konnte nur die Leiche des 7Tiährigen Mädchens 
reborgen werden. 
. München, 17. Sept. Gestern abend erfolgte der letzte 
Durchschlag der großen Stollenstrecke der Leitzachwerke, die etwa 
7700 Weter lang ist. Tas Werk, welches die größte Wasser- 
raftanlage Deutschlands ist. wird demnächst fertig- 
gestellt. 
Paris, 17. Sept. Aus Toulon, wird, gemeldet: Der 
ungst berhaftete Opiumhaändlexr Blazy leste ein volles 
Fesndnis ab und nannte den Namen feines Lieferanten. 
lsegie auch ein Verzeichnis seiner Kunden vor, unter welchen 
ich defondens Halbwelsdamen und, Marineoffiziere befinden. 
hegen den Liefctanten ist ein Saftbefehl erlassen worden. 
W. Kaiserliche Marine. Eingetrofken: Dres den“ 
im 16. Sept. in Cadiz. Emden“ am 14. Sept. in Schanghai. 
Luchs“ am 16. Sept. in Tientsin. In See gegangen: 
Hyäne“ am 16. Sept. von Kiel München“ am 16. Sept. von 
vijhelmshaven nach Kiel! 
Luftfahrt. 
W. Munchen, 17. Sept. Beute vormittag ist in der Nähe 
zes Flugplatzes Puchheim ein Militärflugzeuß abge— 
fürzt. Die Inhsassen, zwei Offiziere, sind verletzt worden. 
W. Betlin, 17. Sept. Nach einer Mitteilung aus Paris 
eabsichtigen die französischen Flieger George Cor⸗ 
nier aus Paris mit einem Freiballon in der Zeit vom 17. Sept. 
is 2. Ollober nach Deutschlan d und Constant Sche m⸗ 
ael, mit einem Flugzeug System Schemmel, von Senlis 
Departement Oise) uber Luxemburg, St. Goarshausen, Wetz⸗ 
ar, Leipzig, Pleschen und weiter in der Zeit vom 20. September 
zis 5. Oktober zu fliegen. 
Bertlin, 17. Sept. Ueber den geplanten 
Ausbau des Lufthchiff- und Flug— 
bvesens in der deutschen Marine teilt 
ine Korrefpondenz mit: Die Katastrophe des 
L 1“ wird die Pläne des Reichsmarineamts be⸗ 
Aglich des Ausbaues des Marineflugwesens nicht 
ndern. „L 2“ wird nach der Uebernahme sofort 
n Dienst gestellt und für das verloren gegangene 
Fahrzeug ein Ersatzbau bestellt. Im nächsten 
zahre dürften weitere Bestellungen erfolgen, die 
zuäne der Verwaltung gehen dahin, allmährich 
ehn Luftflchiffe zu erwerben, und zwar 
Alen nach vorläufiger Bestimmung alle bei Cu⸗ 
avden stationiert werden. Genaue Vvest— 
etzungen darüber stehen jedoch zurzeit noch nicht 
est. Die Kosten werden von Jahr zu Jahr etats⸗ 
näßig angefordert. Als Lebensdauer eines Luft—⸗ 
chifses nimmt man vier Jahre an. 
Für die Flugzeuge besteht folgender Plan: 
zu schaffen sind eine Mutterstation und sechs 
sußenstationen mit einem Bestande von etwa 
O Flugzeugen, 36 Flugzeuge stehen im Dienst, 
4 bhleiben in Reserdbe. Die Außenstationen wer⸗ 
en im allgemeinen nicht besetzt, sondern nur 
u Uebungen benutzt. Sie erhalten aber Fiug⸗ 
allen und Materialbedarf. Das Versonal wird 
atürlich von Jahr zu Jahr verstärkt werden, 
enach den fortschreitenden Indiensltstellungen 
neuec Flugzeuge. 
— 
uas einzige und Originalprüparat mit 10 90 physiologiseh reiner 
rvensubstanz (Læcithin) nach Professor Dr. Habermanns Patenten. 
AMwuche jeder Art ist stets von einem Mangel und fortschreitendem 
G—-ů;)eẽ Nervensubstanz in den betroffenen Organen begleitet. 
Mrchk Biocitin kann dem Organismus aber wieder neue Nerven- 
bstanz zugeführt werden, und hierin liegt der Grund fũr die 
Amenden Erfolge und fũr die allgemeine arztliche Anerkennung 
ies Biocitin als erstes und vertrauenswertes Krastigungsmittel hei 
Vervoriuut, Blutarmut, wie uberhaupt bei allen mit körperlicher 
der nervöset Schwäche verbundenen Zuständen. 
Biociun ist nur in Originalpackungen in Apotheken und Droge- 
en ernaluich. Wir bitten daher, minderwertige Nachahmungen 
rocααααν. Falla nicht vorratig, erfolgt Versand portofrei 
on der Fabrik. — Geschmacksmuster und Broschüre über 
aonelle Nervenpssoge sendet auf Wunseh kostenlos die Biocitin- 
Fabrik, Berlin S 61,2 
—— — 
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