Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Nun beginnt gegen 126 Uhr der gemeinsame Angriff der 
Division Lyon quer über die Lüneburger Straße gegen den 
Süd- und einer Brigade der Division Arentsschildt gegen den 
Südwesthang des Steinker Huzels. Während die fünf franzo⸗ 
iischen Karrees sich verzweifelt gegen den Ansiurm de sieben 
Bataillone des Angreifers wehren, gelingt es der anderen 
Brigade der Division Arentsschildt, die beiden Sicherungs- 
kompagnien Pécheux' aus dem westlich gelegenen Oldendorf zu 
werfen und vier Geschütze der russisch- deutschen Legion bei dem 
fast im Rücken Pöcheux' liegenden Eichdorf in Stellung zu 
bringen. Jetzt bleibt den Franzosen nur ein gewaltsamer DTurch⸗ 
bruch nach räckwärts Aber Eichdorf übrig. Verderbensprühend 
prasseln von dorther die Kartätschladungen in die zurüdflutenden 
Kolonnen, so daß Vöcheux nach dem nordöstlich gelegenen Breese 
ausbiegen muß. Gleichzeitig braust von der anderen Seite her 
Oberstleutnant von der Goltz mit den britisch-deutschen Husaren 
in die Knäuel der hintersten Bataillone hinein, wobei ein 
großer Teil niedergesäbelt und etwa 500 Mann gefangen ge— 
nommen werden. Nur etwa 2000 Franzosen gelang es, unter 
dem Schutze der inzwischen eingebrochenen Dunkelheit mit 
ihrem Führer nach Lüuneburg zu euntkommen. 
Außer einem Adler, sechs Geschützen und vielen Fahrzeugen 
büßte die Abteilung Pécheux etwa 18500 Mann ein, während 
Wallmoden einen Verlust von etwa 550 Mann und 300 Pfer— 
den zu beklagen hatte. Größer aber noch als das Ergebnis des 
Treffens selbst war der moralische Eindruch, den der schöne 
Erfolg auf die Bevölkerung des gesamten Norddeutschlands 
rusübte. Or —n. 
Feier in der Göhrde. 
Die Erinnerungsfeier an die Schlacht an der Göhrde fand 
anter außerordentlich großer Beteiligung weiter Kreise statt; 
wohl 10000 bis 12000 Menschen hatten sich auf dem Festplatz 
nahe dem herrlich gelegenen Gehölz eingefunden. Als Vertreter 
des Kaisers war der kommandierende General v. Emmich er—⸗ 
schienen. Etwa 341 Uhr bestieg Pastor Wittrock aus Celle die 
Kanzel des Festplatzes und der Gottesdienst begann. Mit 
dieser Feier war zugleich ein Bezirkskriegerfest verbunden. Das 
Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes des Landskrieger⸗ 
verbandes, Geheimer Regierungsrat Westphal, hielt die Fest— 
rede. Auf einer Freilichtbühne wurde dann ein Festspiel: „Das 
ßefecht bei der Göhrde“ aufgeführt. Abends fand ein Zapfen⸗ 
sttreich hei Neseuchtung der Höhen stat 
Taaesbericht. 
Lübeck 16. September. 
V Kühlhaus Lübed, Altiengesellschaft in Lübeck. Dem in 
der heutigen Generalversammlung vorgelegten Jahresbericht 
entnehmen wir folgendes: Das erste Geschäftsjahr erstreckt sich 
über 924 Monate, d. h. vom Grundungstage der Gesellschaft, 
dem 14. Juni 1912 bis zum 31. März d. J. Es war lediglich 
dem Bau der Kühlhausanlage gewidmet. Begünstigt durkb die 
gute Witterung des vergangenen Winters, sowie durch Frist⸗ 
einhaltungen der liefernden Firmen konnte das Kühlhaus bereits 
am 1. Juni d. J. in Betrieb genommen werden. Es sind 
»isher trotz intensivster Inanspruchnahme der maschinellen An— 
agen während der ersten Monate Betriebskörungen nicht er— 
folgt. Während des Baues ergab sich, daß eine Aenderung der 
Anlage gegen das ursprüngliche Projekt in manchen Fällen 
nötig war. Obwohl diese Aenderungen und die hierdurch be— 
dingten Vergröherungen der maschinellen Anlagen, sowie die 
Kosten für unerwartete Baufälle usw. eine erhebliche Mehr— 
ausgabe erforderten, verblieb doch ein Betriebskapital von etwa 
75 000 Miu zur Verfüqung. Während die Vermietungen des 
Kühlhauses für Handelszwecke erfreulicherweise die Erwartungen 
ibertroffen haben, ist die Benutzung der Fleischkühlräume einst— 
weilen nicht in dem vorausgesetzten Umfange erfolgt. Der 
überaus kalte Sommer hat der Eisfabrik bis jetzt nicht den 
gewünschten Absatz gebracht, doch sind auch hier die Aussichten 
ür eine normale Entwickelung günstig. Die Jahresrechnung 
über das Bauijahr schließt mit einem Verlust von 63 113,17 M 
ab, von welchem 44 359,11 Meauf Grundungskosten kommen, 
was einem Prozentsatz von 3,7 00 vom gesamten Kapital 
entspricht. Die Bilanz vom 31. März d. J. weist auf der 
Aktivseit, folgende Posten auf: Gebäude 329 450 M, Maschinen 
171394 M, Giro-Konto bei der Commerzbank 65 542 M, Giro— 
tonto bei der Dresdener Bank 27299 M, Kasse 281 M, 
Debitoren 5271 M, Mobiliar 1024 M, Inneneinrichtung 10 767 
Mark, Ablösung der Lübecker Eisgenossenschaft 20 000 M, unter 
Passiven sind verzeichnet: das Altienkapital mit 500 000 M, 
Darlehen des lübedischen Staates 1858 000 Mäund Kreditoren 
3141 M. Die Gewinn⸗ und Verlustrechnung vom 31. März 
d. J. verzeichnet unter Debet an Organisationskosten 44 359 M, 
ßandlungsunkosten 13452 M, Zinsen 2798 Mund Miete 
2505 M, sowie auf der Kreditseite den Verlust von 63113 M, 
— Zu diesem Jahresbericht bemerkte der Vorsitzende des Auf⸗ 
ichtsrates, Konsul Bertling, daß die Benutzung der Ge— 
schäftsabteilung für Schlachtereien sich mit der sortschreitenden 
Erweiterung des Schlachthofes bedeutend heben wird. .— Inge— 
nieur Semmler⸗-Wiesbaden erklärte, da er jseinerzeit formell 
gegen das gesamte Gesellschaftsstatut Protest erhoben habe, 
den er auch jetzt noch aufrecht erhalte, müsse er formell auch 
gegen alle Beschlüsse der heutigen Generalversammlurg Protest 
erheben. Er behalte sich aber vor, nach Rüchssprache mit seinem 
Mandanten, Dr. Francke, feinen Widerspruch zurückzuziehen. — 
Sierauf wurden die Regularien debattelos durch Zuruf geneh⸗ 
niat und der Aufsichtsrat in seiner bisherigen Zusammensetzung 
zleichfalls durch Zuruf einstimmig wiedergewählt. Genehmigt 
vurde sodann noch die Gewährung einer Vergütung an den 
Aufsichtsrat. — An die Generalversammlung schloß sich eine 
Besichtigung des Kühlhauses. 
Ah. Die Sarsbesitzer und der Wehrbeitrag. Im Reichs— 
chatzamt ist, wie wir hören, in Aussicht genommen, den Haus— 
vesitzern bei der Veranlagung zum Wehrbeitrag entgegen⸗ 
zukomnmen. Belanntlich läßt das Wehrbeitragsgefetz die Frage 
ffen, ob die Hausbesitzer sich nach dem gemeinen Wert oder 
nach dem Ertragswert ihres Grundbesitzes einschätzen wollen 
Auf Antrag aus Interessentenkreisen wäre die zuständige Stelle 
der Reichsregierung bereit, schon in der ersten Aufforderung zur 
Vermögenserklärung darauf hinzuweisen, daß entsprechend der 
ursprünglichen Fassung des Gesetzes im Regierungsen!wurf für 
den städtischen Hausbesitz die Veranlagung nach dem gemeinen 
Wert voraussichtlich den Vorzug vor der Berechnung nach den 
25fachen Wert des Reinertrages verdiene. 
Der erstbe Bilderijchmud in den Eisenbahnabteilen ist auf 
Veranlassung des preußischen Eisenbahnministers nunmehr zu— 
mächst in durchgehenden Zügen, die vom Anhalter Bahnhof in 
Berlin abgehen, angebracht worden. Eine weltrre Anbringung 
der Bilder in den Abteilen aller derartigen Züge, die von 
BHerlin abgehen, ist vorgesehen. Da die Maßznahmen zunächst 
als Verfuch zur Durchführuna gelangen soln, wird es pon 
dessen Ausfall abhängen, ob man später weiter gehen und auch 
indere als D-Züge in den Abtkeilen mit derartigen Bildern 
chmüũcken wird. Die zunächst angebrachten Bilder sind Entwärfe 
der ersten Serie, von denen im ganzen 40 vorhanden sind, die 
150mal reproduziert wurden, so daß im ganzen jetzt zunächst 
6000 Bilder verwendet sind bezw. werden 
Von Wettier. Während der vergangenen acht Tage nahm 
die Wetterlage in Mitteleuropa unverkennbar herbitli hen 
Charakter an, wenngleich die Witterung, von einer vorüber— 
zehenden Regenperiode abgesehen, im allgemeinen recht freund— 
ich war. Die Temperaturen sanken jedoch nach und nach ziem⸗ 
ich tief hinab. Da ein neues Tief vom Nordmeere rasch ost⸗ 
värts vordringt, so wird nach vorübergehender stärkerer Er— 
värmung schon zu Beginn der Woche die Witterung stellenweise 
vieder regnerisch und veränderlich werden; immerhin sind für 
»ie Ausbildung beständigen warmen Herbstwetters die Aus— 
ichten nicht überall getrübt. 
B Beandstiftungsversuche sind wiederum in der Nacht zum 
Sonntag begangen worden und zwar in der Vorstadt St. 
Lorenz. Abends gegen 11 Uhr am Sonnabend gewahrte ein 
Bahnbeamter in einem als Wagenraum dienenden Schuppen 
im Kreuzweg, daß ein offensichtlich zusammengetragener Haufen 
Späne und Stroh angezündet worden war. Die schleunigst 
ilarmierte Feuerwehr löschte die Flammen, bevor sie Schaden 
inrichteten. Während die Feuerwehr hier noch tätig war, 
hatte der Braudstister die Frechheit, in der Nachbarschaft eben— 
falls Feuer anzulegen, ohne indefsen auch hier seinen Zwed— 
in erreichen. Einige Stunden äter wurde zum dritten Male 
Feuer angelegt unð zwar in einem Treppenhaus eines Neubaues 
in der Schwartiauer Allee. Aber auch hier war die Feu rwehr 
io schnell zur Stelle. daß ein Schaden nicht entstand. 
o- Eenbruchsdiebstahl. In der Nacht zum 16. d. M. 
ind aus einem, an der Goethestrasse belegenen Hause mittels 
kinbruchs gestohren: Ein neues rotbraunes Lederportemonna?e 
nit 170 Meinn Gold und einem neuen 8-MStück ron 1913, 
ind ein dunkelgrauer, eiwas wolliger Herren Sommeronetot. 
Der Name des Lieferanten Thöl in Kief befindet sich im Auf— 
dängfel. Der Dieb ist durch ein anscheinend nicht festoechisene— 
Fenster eingestiegen. 
ꝓp. Saytraddiebstahl. Am Sonnabend, dem 13. d. M. 
im 7,50 Uhr abends ist ein auf kurze Zeit vor der Hauptpost 
ohne Aufsicht hingestellt gewesenes Fahrrad mit den Pollei— 
nummern 16018 abhandengekommen und vermutlich geslohien 
vorden. Das Faurrad haf schwarzes Gesteln, nach ohen ge⸗ 
zogene Lenkstange. Der Sattel war ohne Sattelstübe. 
. Verhaftet wurden ein Matrose eines im Fielign Hafen 
iegenden Dampfers wegen Vergehens gegen die Seem inus 
rdnung, und ein Dienstmädchen aus Buchels dorf, das seitens der 
ßroßh. Amtsanwoltschaft in Laage wegen Bedrohung sted⸗ 
zrieflich verfolgt wird. 
0., Verhaftung eines Hehlers. Festgenommen wurde ein 
»bdachloser Arbeier, bei dem Sachen desunden wur den, die aus 
inent auf, dem Dompfer „Nire“ ausgeführten diebstahl her— 
hren. Der Festgenommene hat die Gegenftände von dem 
igentlichen Diebe seines Vorteils wegen angenommen und sich 
adurch der Hehleret schuldig geinacht. Der dieb hält sich noch 
berborgen Letzlerer dürfte quf den Ramen des Bestohlenen, 
Alphons Pegel, dessen Raviere er gestohlen hai. reifeun 
Hansestãdte. 
Hamburg, 16. Sept. Für den Turnerfackelzug 
am 18. Oftober, an dem sich s000 Turmerpᷣe 
teiligen werden, haben die Bürgermeister Tr. Vredöhl und 
Dr. Schröder das Proiektorat übernommen. Beim Bismarck 
den mal fFindet ein Festatt. verbunden mit eijner Ansyrache, 
tatt, und ein Festkommers in der Turnhalle des St.⸗Pauli⸗ 
Turnvereins, zu dem Bürgermeister Dr. Predöhl sein Erscheinen 
ugesagt hat. wird die Teilnehmer des Festgiges uind andere 
Mitglieder der Hamburger Turnvereine des 4. enfes Norden 
der deutschen Turnerschaft vereinen. 
Zum Raubmord,in Mogrfleth. Die noch fehlende 
Summe in Höhe von 1212 M die Albers in einer Blechdose 
zerstecht hatte. wurde gestern gefunden und voriäufig bei vder 
Polizeihehörde riedergefect 
Neuente Nachrichten und Telegramme 
— der vl⸗ A.⸗ und — —2 
Veränderumgen in der ẽsterreduisch⸗angartschen Armẽeleitung. 
P.C. Prag, 16. Sept. Es gilt jetzt als feststehend, daß der 
Seneral⸗Truppeninspekteur, General der Infanterie und ge— 
vesener Kriegsminister von Auffenberg, nach Beendigung der 
etzigen Manöver in den Ruhestand tritt. Er hat sich vor den 
Manövern wiederholt seiner Umgebung gegenüber in diesem 
Sinne geäußert. Wie die Zeit meldet, wird auch Ar den 
ßenerolstabschef Conrad von Sötzendorff ein Nachso'ger in der 
Berson des Generalmaitors Csicserios, der geagenwärtig Versono 
zratissima ist, gefunden sein. 
Irankrech und die griechischtn Sweffsbestellungen in Deutschland. 
PC. Paris, 16. Sept. Die Information des nach Athen 
mntsandten Spezialberichterstatters der, Preß⸗Centrale“, nach der 
»ie griechische Regierung beabsichtigt, nach der Aufnahme einer 
Inleihe in Frankreich größere Schiffsbestellungen in Deutschland 
u machen, wird heute früh in der französischen Presse ver— 
ffentlicht und eifrig kommentiert. Tie Mehrzahl der Zeitungen 
treift die griechische Regierung an und der Matin erklärt rund 
»eraus, daß es unter diesen Umständen unwahrscheinlich sei, 
dah die Anleihe in Frankreich zustande kommen könne. Er 
chreibt: „Es gibt in Frankreich nicht nur gutes Geld, sondern 
auch gute Schiffe und gute Kanonen. Diese drei Dinge gehören 
zusammen. Nimmt man das Geld in Frankreich, so muß man 
auch die Schiffe und Kanonen aus Frankreich nehmen. Zieht 
man es aber vor, sich nach Stettin um Schiffe zu wenden, 
'o ist es angebracht, sich dort ebenfalls das Geld zu holen.“ 
Fin enaliicher Militärschriftsteller über den Tunnel durde den 
Aermellanal. 
„PC. London, 16. Sept. Der militärische Mitarbeiter der 
Times bezeichnei heute in einem längeren Artikel über den 
Tunnel durch den Aermelkanal den Bau dieses Kanols in mil 
ärischer Hinsicht als eine Tollheit für England. Alle Vorteile 
han delswirt scha sicher Beziehung duürflen michts bedentendegen 
die Nachteile, die England dadurch in strategischer Hinsicht er— 
vachsen. England wurde dadurch den Charakler der Jusel. durch 
den es zum großen Teil Weltmacht geworden ift, verseren. Bei 
dem grobßen Ansehen, das der genannte mlitarische Mitarbefter 
genießt, werden die Ausführungen zweifelsohne auf die inter⸗ 
efsierten Kresse nachhaltigen Eindrud machen. 
Die turkisch⸗ bulgarschen Verhaudlungen. 
W. Konftantinopel. 16. Sept. Gestern fand zwischen den 
ȟrkischen und bulgarischen Delegierten eine private Sib ung 
statt, die zwei Stunden dauerte. Ein Communiqué be— 
sagt, da die Delegierten über die hauptfächlichsten Punkte der 
Grenze einig geworden sind, erfolgt die endgültige Lö— 
sung in der nächsten Sitzung am 17. September. 
Drohende Nafsenlämpfe in Südafr'ka. 
P.C. Jahannesburg, 16. Sept. Eũdafrika, das erst kurzlich 
umter dem Streik der Bergarbeiter sehr gelitten hat, steht vor 
icier neuen schweren inneren Krise Die Inder die l 
Händler zu grobem wirtschastlichen Ciaflaß nament ich im Aohan 
iesburg⸗ und im Diamantendistritt gelangten, focdern von der 
egierung die politische Gleichberechtigung mit der weißen Be— 
ölkerung und Aufhebung der Kopfsteuer. Die Regierung 
»efindet sich diesen Forderungen gegenüber in einer sehr schwie⸗ 
rigen Situation, da die weiße Bevölkerung der Emanzioation 
der Inder den schärfsten Widerstand entgegensetzen würde, auf 
der anderen Seite besitzen die Inder einen großen Einfluß 
inter der schwarzen Bevölkerung Südaftikas, so daß eine Nicht— 
erfüllung ihrer Forderungen eine starke Erregung unter den 
Schwarzen zur Folge haben könnte. Bei enmer Nichtbewilli⸗ 
zung ihrer Forderungen drohen die Inder mit Steueroerwei⸗ 
zerung und passiver Resistenz gegenüber den Regierungsvorschrif⸗ 
en, wodurch der Kleinhandel, der ganz in ihren Händen liegt, 
»öllig lahmgelegt werden dürfte. An der Spitze der Bewegung 
sleht ein indischer Advokat namens Gandhi, der an der Spitze 
der Gesellschaft zur Gleichberechtigung der Inder stebt 
W. Langfuhr, 16. Sept. Die Berliner Gemeinde— 
schüler, die Gäste des Kronprinzen, sind gestern abend 
von der Kronprinzessin im Parke der kronprinzlichen Villa zum 
Abschied empfangen worden. 
DT. Frankfurt, 16. Sept. Wie die Frankfurter Zeitung 
zu melden weiß, ist der Termin für das Inkrafttreten des 
neuen amerikanischen Zuckerzolltarifs für den 
1. März offiziell festgesetzt. 
PC. Paris, 16. Sept. Eine wüste Straß enfzene, 
die bezeichnend ist für die antimilitaristische Ge— 
finnung eines Teils der Pariser Bevölkerung, ereignete sich 
gestern abend gegen 10 Uhr auf dem Boulevard Sebustooo!. Ein 
Soldat des 8. IniRegts. ging an einem Unteroffizier der 
Sarde republicaine vorũüber, ohne daß er es für nötig belr, 
seinen Vorgesetzten zu grühen. Als der Unteroffizier den Sol— 
daten stellen worme, ergriff diefer die Flucht, verfolgt von dem 
Unteroffizier und zwei Soldaten der Garde republicaia?ꝛ. Mit 
Hilfe eines Autos gelang es ihnen, den Flüchtling festzunehmen. 
Der Vorfall war inzwischen von Passanten bemerkt worden und 
eine große Menschenmenge umringte die drei Gardisten und 
ihren Gefangenen und machte Miene, den Soldaten zu be— 
reien. Der Unteroffizier und seine Leute flüchteten sich in 
ein Café, das sosort von der Menge mit Steinen bombardiert 
und gestürmt wurde, so daß dem Unteroffizier nichts anderes 
übrig blieb, als den Soldaten freizulassen, der sofort das Weite 
suchte. Die Tatsache wurde von der nach vielen Hunderten an— 
gewachsenen Menge mit Bravorufen und lautem Händelatscheir 
begrüßt. Die Polizer hatte große Mühe, den Unteroffizier und 
seine beiden Leute vor tätlichen Angriffen zu schützen.. 
W., London, 16. Sept. In Dublin feiern infolge 
des Streiks und der Aussperrungen zehntausend Mann. 
da Mangel an Lebensmitteln drohi. sind die Aussichten ernst 
Zwei englische Eisenbahn⸗-Gesellschaften find in den irischen Streit 
ineingezogen worden; die London North-Western-Eisenbahn ent⸗ 
ietz gestern in Liverpool drei Arbeitet, welche sich weigerten, 
Hüter von Dublin zu befördern; daraufhin traten fast tausend 
Mann in den Ausstand Gestern abend dehnte sich die Be— 
vegung auf die Lancashire- und Vorkshire-Eisenbahn aus, von 
»er 700 Angestellte streiken, weil von ihnen verlangt wurde, 
rische Güter zu befördern. Der Ausstand bei der London 
Northwestern Eisenbahn droht sich auszudehnen. 
W. Nikolajew, 16. Sept. Die Hafenarbeiter haben 
die Arbeit eingestellt. Sie fordern die Aufhebung der 
Sonntagsverladung und die Einhaltung der Arbeitslohntaxe 
eitens der Exporteure. In der Arbeitslohnfrage ist eine Einig— 
leit erzielt worden, über die Sonntagsverladung noch nicht. 
Eine große Anzahl Getreidewaggons konnte nicht ausgeladen 
werden 
—. * 
Unwetiternadchten. 
W. Berlin,. 16. Sept. Ein heftiges Gewitter ging 
jestern abend über Berlin nieder. Der Blitz schlug an mehreren 
Stellen ein, ohne zu zünden. Nach ungefähr anderthalbstündigem 
Hewitter setzte ein feiner Landregen ein, der den durch das Ge— 
witter verursuchten plöklichen Niederaang der Temnera'ur auf— 
recht hielt. 
W. Köln, 16. Sept. Durch ein gestern über dem Ober— 
rhein herniedergehendes Unwetter wurde in den Obstgärten 
und Weinbergen großer Schaden angerichtet. Zahlreiche Vögel 
wurden durch Hagelschlag getötet. In Köln erlitt ein 
am Telephon beschäftigter Polizeibeamter, als der Blitstrahl 
in die Leitung fuhr, einen Nervenschod. 
W. Bern, 16. Sept. Dem Lokalanzeiger wird gemeldet: 
Ueber einen Teil des Kantons Bern ging gestern ein heftiges 
ßagelunwetter nieder. Es herrschte ein furchtbarer Sturm. 
Die ungeernteten Feldfrüchte wurden vernichtet. Von den 
Ha gelgeschossen, die so groß wie Hühnereier waren, 
murden Fische im Wasser erschlagen. 
Tragödie zweier Schwestern. 
DT. Betlin. 16. Sept. In ihrer Wohnung in Wilmers⸗ 
dorf wurden gestern abend die Krankenschwestern Em'lie und 
duise Daun, tot aufgefunden. Die Untersuchung ergas fol— 
jendes: Die ältere 70jährige, der beiden Schwestern, Emilie 
Ddaun, hatte in der letzten Zeit mehrfach Selbstmordgedanten 
geäußert, da sie behauptete, ihre Einnahmen seien zurück 
zegangen und sie mülse mit ihrer Schwester Nahrungssocgen en:⸗ 
jegenfehen. Als nun die 89jährige Luise Daun gestern abend 
»on einer Pflege zurückkehrte, fand sie im Schlafzimmer ihre 
Schwester erhänge auf. Wiederbelebungsversuche vlieben er— 
'olglos, und so beschloß, die jüngere, ebenfalls aus dem Leben 
u scheiden. Sie bahrte die Tote auf, schmückte heide Betten 
nit Blumen und nahm dann eine gröhere Menge Morphtum. 
Als abends auf wiederholtes Klingeln die Wohnung nicht ge— 
oͤffnet wurde. holte man die Polizei. Die Beamten fanden 
beide Schwestern tos“ vor. Bei der Durchsuchung der Woh— 
nung fand man in einem Schrank Wertpapiere mm Betraa? 
pon 300 000 M. 
Ein Zeppelsmluftschiff im Gewitter. 
W. Posen, 16. Sept. In der Nacht, um 392 Uhr, wurde 
lüber der Stadt während eines heftigen Gewitters 
ein Zeppelinluftschiff beobachtet, das vergeblich cine 
Notlandung versuchte. Das Luftschiff wurde schließlich in der 
Richtung Breslau abgetrieben. Es handelt sich wahrschiril'ch 
um das Luftichiff „Z3 1“, das von Lleanis kam 
DT. Elberfesd, 16. Sept. Einen unangenehmen Aus— 
zang für einen Reisenden hatte eine Automobil— 
partie, die er mit mehreren Mädchen etwas zweifelhaften 
Rufes und deren Begleitern von Köln nach Elberfeld unter— 
nahm. Nachdem sie den ganzen Tag gezecht und dabei größten⸗ 
ieils die Börse des Reisenden in Anspruch genommen hatten, 
jielen die Männer über den Mam her, mißhandelten ihn, 
taubten ihm seine ganze Barschaft sowie seine Wertsachen und 
sießben ihn dann im Walde liegen. Waldarbeiter fanden ihn 
dort am anderen Tage in bewuftlosem Zustande auf. Von 
den Räuhern fehlt noch iede Spuue
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.