Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Wöchentlich 13mal (Wochentags morgens und 
abends, Sonndags morgens) erscheinend. Bezugs⸗ 
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Beilagen: Vaterstẽ dtische Blätter. — Der Familienfreund 
Amtsblatt der freien und hansestadt Lübed 163. Jahrgang Nechrichten für das Herzogtum Lauenburg, die 
beiblatt: Gesetz und Verordnungsblatt t daee Fũrftemũmer Ratzeburg, Lübed und das angren⸗ 
SSSOSSOSSOQSSGSSSSCSOSSœSSSSOSSSSSOBSSSGCOAOORK5SSMAñSo —E 3 —E — zende meclenburgische und holsteinische Gehiet. 
Hruck und Verlag: Gebrüder Borchers G. m. b. H. in Lübeck. — Geschaftsstelle Adreßyaus (Königitr. 46). Fernsprecher 9000 u. 9001. 
Sonnabend. den 153. September 1913. 
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Erstes Blatt. hierzu 2. Blatt. 
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Umfang der heutigen Nummer 6 Seiten. 
— 
Nichtamtlicher Teil. 
* 
Der lückenlose Zolltarif. 
Von Dr. R. Schneider, 
Syndikus des Bundes der Industriellen. 
Der Zolltariß von 1902 und die Handelsverträge von 
1906 haben der deutschen Landwirtschaft ihre weitgehenden 
Wünsche erfüllt, haben ihr sehr erhöhte Zollsätze und ver⸗ 
mehrten Schutz gebracht und haben es dadurch seit 1906 er⸗ 
möglicht, daß die deutsche Landwirtschaft für ihre hauptsäch— 
lichen Erzeugnisse viel höhere Preise erzielt. Niemand in 
Deutschland kann mehr in Abrede stellen, daß die Landwirt—⸗ 
schaft seit einer Reihe von Jahren im Deutschen Reiche einen 
außerordentlichen Aufschwung erlebt hat. Ueberall 
auf dem Lande kann man sehen, dah mit Getreidebau und 
Viehzucht reichlich Geld verdient worden ist; überall ist gebau 
und verbessert worden, die Güterpreise ebenso wie die Kaufkraflt 
der Landwirtschaft sind gestiegen. Besonders die kleinen Land— 
wirte haben den vermehrten Schutz ausgenutzt und durch ge 
steigerte Viehzucht den wachsenden Bedarf zu deden gesucht 
wenn auch leider gerade der große Grundbesitz hier nicht die 
erwartete Leistungsfähigkeit gezeigt hat. Aber im ganzen 
genommen hat die VSandwirtschaft eine günstige Entwickelung 
genommen. Diese Wirkungen der Zollpolitik seit 1902 dürfen 
uns nun, so schreibt der obengenannte Verfasser im Panther, 
teineswegs den Blick für die Opfer verschließen, welche 
zugunsten der Landwirtschaft anderen Erwerbsständen, beson— 
ders der städtischen gewerbetreibenden Bevölkerung durch die 
erhöhten Agrarzölle quferlegt worden sind. Der Druck der 
Teuerung, die seit einer Reihe von Jahren in Deutschland 
mehr als in den meisten angrenzenden Ländern herrscht, hat es 
auch vielen Freunden der Schutzzollpolitik sehr schwer gemacht, 
die Zollsätze von 1902 und 1908 gegenüber den Anklagen not⸗ 
leidender Massen zu verteidigen. 
Gerade wer ein Freund der Landwirtschaft ist und die Er—⸗ 
haltung und den Schutz der 17 Millionen landwirtschaftlicher 
Bevölkerung als eine Notwendigkeit für das deutsche Reich 
ansieht, wird sich dieser Einsicht und diesen Sorgen nicht ver⸗ 
schliehen. Man konnte jedoch bisher den Schutz der Landwirt—⸗ 
schaft vielen Angriffen gegenüber damit verteidigen, daß der 
erhöhte Zollschutz auch gute Früchte getragen hat, da,ß ver—⸗ 
mehrter Wohlstand in der Landwirtschaft die früheren Klagen 
hat verstummen lassen. Mit einem bitteren Gefühl muk es 
uns aber nun erfüllen, wenn das Agitationsbedürfnis der 
agrarischen Vorfämpfer schan sekt daeu führf. mit unsing 
J 
Abhend⸗Blatt Kr. 464. 
gesteigerten Forderungen auf weitere Zollerhöhungen 
an die Vorbereitung der künftigen Handelsverträge heran⸗ 
zutreten. — 
Zum Schlagwort für diese Agitation hat man das Wort 
om „lückenkosen Zolltarif“ gewählt. Mit Mühe und 
kifer ist von den Agitatoren des Bundes der Landwirte im 
‚eutschen Zolltarif herumgesucht worden, wo man „Lũcken“ 
n der Zollmauer finden könnte. Die Ausbeute ist wahrhaftig 
icht sehr umfangreich geworden, denn in dem, was 1902 
iach schweren Kämpfen Gesetz geworden ist, sind wirklich nicht 
nehr viel Lücken offen gelassen. Aber die Zusammenstellung 
essen, was man nun doch noch gefunden hat an „Lücden“, 
ie Wünsche, die man nun doch noch hat ausfindig machen 
önnen, das ist eine Liste der Maßlosigkeit und der 
dücdsichtskosigkeit gegen die nichtagrarischen Volkskreise 
eworden, deren energische Ablehnung und Bekämpfung 
ins gerade im Sinne einer ruhigen Fortführung unserer bis— 
zerigen Handelspolitik und eines wohlverstandenen Schutzes der 
dondwirtschaft geboten erscheint. 
Roggenzoll und Weizenzoll, Zölle auf Futtermittel, Zölle 
ruf Molkereierzeugnisse, Viehzoll, Fleischzoll und Grenzsperren 
zaben uns bisher schon teure Preise und schwere Zeiten gebracht. 
O, das soll noch lange nicht genug sein! 
Nun wird ein Milchzoll gefordert, denn der Preis 
von 20 und 22 Pfg. für 1 Ltr. Milch, den die Städter bezahlen 
mrüssen, ist noch lange nicht hoch genug, die Milchverteuerung 
oll noch mehr auf die kinderreichen Familien drüchken, der Ge⸗ 
urtenrüdgang und die Säuglingssterblichkeit bedürfen noch 
er Förderung!“ Nun muß auch ein Kartoffelzollge— 
ordert werden, für Frühkartoffeln und für die Zeit jächrlich 
om 15. Febr. bis 1. Aug. statt bisher 1Mfür 100 kg 
ünftig 6MZoll für 100 kg Kartoffeln. Also auf ein 
illiges und allgemeines Nahrungsmittel wie Kartoffeln einen 
zjoll von über 100 bis 150 0 hwom Werte. Und im Anschluß 
»aran veröffentlicht die Teutsche Tageszeitung, das Organ des 
zundes der Landwirte, über eine ganze Spalte hinweg die 
aiste von Zollwünschen für Gemüse, Gärtnereierzeugnisse und Obst. 
kEs gibt sehr viele Leute in Teutschland, welche in diesen Jahren 
der Fleischteuerung so etwas wie Vegetarier geworden sind, 
pahrhaftig nicht aus theoretischen Gründen, sondern aus Grün⸗ 
»en des Geldbeutels, und die anstatt an teurem Fleisch so oft 
vie möglich sich an Gemüse, Kartoffeln und dergleichen sattessen 
nußten. Auch für diese Volkskreise soll gesorgt werden, aus⸗ 
niebig sogar. Für Kohl, Möhren, Bohnen, Zwiebeln, Pilze und 
indere Küchengewächse, die bisher meist zollfrei oder zu nie— 
rigen Zollsätzen von 2,50 bis 4 Mefür 100x8 eingingen, 
tehen Zölle von 20 Mefür 100k8 auf der Wunschliste der 
LIgrarier. 20 M Verteuerung für die Bezüge des Großhandels 
us Holland und Italien, das macht mit allen Spesen für den 
Zleinhandel mindestens 15 Pfg. Verteuerung für 1 Pfund. 
lso eine sebr erwünschte Schöpfung für den lüchenlosen 
2nIIiqritt 
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And keineswegs verschließen jich die Männer des lückenlosen 
Zolltorifs dem Gedanken, daß die verschiedenen produzierenden 
Stände einer für den anderen einstehen müssen, indem daß 
herr Dr. Dietrich Hahn vom Bunde der Landwirte in einem 
Wahlkreise kandidierte, in welchem zahlreiche Seefischer wohnen. 
Derart lam der wertvolle Gedanke eines Zolles auffrischè 
heringe zur Welt. Diejenigen Leute, die der Fleischnot durch 
»ermehrten Gemüse- und Kartoffelgenuß auszuweichen suchten, 
waren ja bereits berüchsichtigt. Nun mußte auch derer gedacht 
werden, die etwa statt des teuren Fleisches die bisher zollfrei 
ingehenden Heringe zu verzehren trachteten. Auch diese Lücke 
nuß zugestopft werden, denn man strebt einem neuen 
Ideal nach, der Iüdenlosen Fleischnot, der lu den— 
osen Teuerung. Die Zollerhöhung und die Verteuerung 
für frische Heringe wird auch nicht nur für die Schaten der 
Verbraucher empfindlich, sondern sie versetzt gleichzeitig der 
Fischindustrie, den Packereibetrieben und Fischkonservenfabriken 
inen derben Schlag. Und alles wird der Oeffentlichkeit mit 
ruhiger Stirn geboten, in einer Zeit, da nach jahrelanger 
Teuerung wiederum ein neues Steigen der Viehpreise einsetzt, 
da der Geschäftsgang und der Beschäftigungsgrad der Industrie 
Alenthalben zurückgeht, da in den großen Städten vor den 
Arbeitsnachweisen erneut sich die Massen Unbeschäftigter drän⸗ 
jen, da noch in frischer Erinnerung die Zeiten von 1911 sind, 
wo einige Monate der Dürre genägten, um schon bei den jetzigen 
Zollsätzen für viele Lebensmittel, für Kartoffeln und Gemüse 
uncht nur eine Zeit der Teuerung, sondern eine Zeit des un— 
nittelbaren Mangels heraufzuführen. 
Es sei gefragt: Wie stellen sich die agrarischen Agitatoren 
ind Urheber jener Forderungen denn die Verteidigung und 
durchsetzung ihrer jetzigen neuen Forderungen vor? SHinter 
den Zollwünschen, die 1902 in schweren Kämpfen durchgesetzt 
wurden und für welche auch die nationalliberale Partei ge— 
chlojssen eingetreten ist, hinter jenem großen Programm des 
Schutzzolles stand die jahrelange Not der Landwirtschaft von den 
zoer und Wer Jahren her. Jetzt aber wird jeder ruhige und 
»ernünftige Landwirt zugeben, daß die JZeiten andere, die 
Preise für ihn günstiger geworden sind. Hinter diesem neuen 
Brogramm des lückenlosen Zolltarifs aber, hinter diesen Wün—⸗ 
schen nach teuren Gemüsezöllen, nach Milchzoll, Heringszoll, Kar— 
toffelzoll, da steckt nichts als das Agitationsbedürfnis gewisser 
rücsichtsloser Agrardemagogen. 
Schon die Zollsätze von 1902 haben es für das Teutsche 
Reich sehr schwer gemacht, noch einigermaßen erträgliche Han⸗ 
Relsverträge abzuschließen. Wenn wieder wie damals die 
agrarische Politik Oberwasser gewinnt und sich auch in ihrer 
etzigen verschärften Form durchfetzen sollte, dann haben wir die 
zehäuften Schwierigkeiten nach allen Seiten. Gegenüber Italien 
und den Niederlanden, mit denen wir jetzt schon vergeblich 
verhandeln, stehen dann die Zölle auf Gemüs:⸗ und Gärtnerei⸗— 
erzeugnisse als neue Schwierigkeit bereit, gegenäüber den standi— 
navischen Ländern wins man wif Jöslen auf Frische Milch und 
— T 
„Jawohl, kaltherzige Sirene du!“ 
Unvermutet hatte er ihre schlanke Gestalt umfaßt, hob 
sie wie ein Kind empor und vpreßte sie an sih. 
Im ersten Moment schloß Gerda die Augen. Die Ausbrüche 
seiner Zärtlichkeit hatten ja noch immer für sie etwas, das 
sie wie willenlos machte, etwas Atemberaubendes. Aber wie 
sie in dieses Empfinden versinken wolite, flog sie ganz plötzlich 
ein Erinnern an. An jene Erzählung, von Tante Albertine, 
der Stiftsdame. Hatte so nicht einst auch der Vater seine junge 
Frau auf Händen getragen? Und doch nachher all der 
Unfriede! 
Da war das andere bei Gerda verflogen. 
„Du — Heinz! Ob du mich wohl auch einmal anfahren 
wirst ? J — 
Er war so verblüfft, daß seine Arme, die sie noch immer 
rugen. unwillkürlich nachließen. Rasch benutzte sie es und 
ntschlipfte ihm. Ta faßte er sich wieder. 
„Tich anfahren? Das fragst du mich — und aͤn solchem 
Augenblid? Das ist doch wirklich —! Na also, hab' ich 
denn nicht wirklich recht: Schön, aber auch kalt wie Marmor ?“ 
„Heinzelmann,“ schmeichelnd hängte sie sich jetzt in seinen 
Arm, „wir müssen doch allmählich wirklich ein bissel vernünftig 
werden — gelt? Aber nun komm! Ins Herrenzimmer, dein 
altes Garcçonquarkier. Da sitzt sich's doch so wundervoll in 
den Klubsesseln, die — wenn sie mur könnten — gewiß so 
diel zu erzählen hätten von meinem wilden Heinz und seiner 
wohl noch wilderen Vergangenhert.“ 
„Du Närrchen!“ Er sachte, schnell wieder bezwungen von 
hrem Scharme, und folate ihrem führenden Arm. während sie 
weiter plauderte: 
„Da kuscheln wir uns dann recht gemuͤtlich hinein bei einer 
Zigarette, bis Jean, dein vielgetreuer Leporello, uns das 
Essen anmeldet. Mir ist nämlich von all dem vielen Schwatzen 
heute, offen gestanden, etwas flau geworden.“ 
Sie sahen dann, wie fie es gewünscht hatte. * 
„Ja — es war freilich ein bißchen viel auf einmal. So'n 
ganzer Schub von Besuchen,“ gab er zu. „Aber du mußt 
doch selbst sagen: es find doch eigentlich alles recht nette 
Leute.“ 5 —* 
D — jio und Gerdo hbhliee den Rauch sanosam pon tié 
Offizierstöchter. 
Roman von Paul Grabein. 
(27. Fortsetzung.) Machdrucd verboten.) 
Ein Schweigen, dann suchte Keßlers Blid mit einem scharfen 
Durchdringen das Antlitz der Verlobten. — 
„Du — vwer ist dieser Kyllburg?“ J 
Gerdas klares Auge lag offen vor ihm. J 
„Ich sagte es dir ja schon: ein lieber Freund, auch von mir. 
Einer, der es gut meint, ehrlich qut — mit uns beiden.“ 
Einen Moment noch blickte Keßler ihr ins Gesicht. Dann 
lagte er: 
„So soll er auch mein Freund sein. Komm!“ 
Das Wort, das schlicht klang und doch groß, gewann ihm 
mnerile Hochachtung bei Gerda. 
¶ * ¶e 
„Na, da hätten wir ja die großke Tournee alückich 
hinter uns.“ 
Heinz Keßler sagte es zu seiner jungen Frau, als sie nun 
heimkehrten von ihrer Visitenfahrt. Sie hatten all den Freun— 
den und Bekannten, wo Keßler als Unverheirateter bisher ver— 
kehrt, ihren Besuch gemacht. 
„Die haben aber nicht schlecht gestaunt, als sie mein 
kleines Frauchen zu Gesicht kriegten — gelt, Bebed“— 
Sie lächelte ein wenig zerstreut. Ihr Blidh streifte zu der 
Flurgarderobe neben ihr hin. Lag da nicht auf der Silberschale 
eine Postkarte? 
Sein Auge aber hing gefesselt an Gerdas Gestalt im eleganten 
Straßenkleid, auf dem entzückenden Gesicht unter dem breit— 
randigen Federhut. 
„Süßes du!“ 
Eine stürmische Bewegung, daß fie zusammenschredte. Und 
er wollte durch den Schleier hindurch ihre weichen Lippen be— 
rühren. Aber Gerda wehrte ihn lachend ab. * 
„Halt doch nur einmal Ruh', du schredlicher Mensch! Hier, 
mach' dich lieber nützlich, zieh' mir die Handschuhe aus.“ 
Sie reichte ihm die Rechte, und während er sich nun mit 
dem Aufknöpfen beschäftigte, griff ihre Linke nach der Postkarte. 
Von Astrid daheim — und sie las. 
Mährenddessen hatte Seinz Keßler aus dem Handchuß den 
schlanken Arm, die weiße, warme Hand herausgeschält und be— 
dechte nun jede Fingerspitze, jeden der zierlichen, rosenrot po— 
ierten Nägel mit einem andachtsvollen Kuß. 
Gerda lächelte unter der Berührung, aber nur mechanisch. 
Ihr Interesse war bei dem Inbalt der Postkarte, und plötzlich 
agte fie: 
„Du, denk“ dir — Astrid und Klaus kommen her. Sie 
agen lich für übermorgen, Tienstag, an.“ 4 
Er hob den Kopf von ihrer Hand. 
„Na, das hätt' auch nicht solche Eile gehabt.“ 
„Pfui. schäm' dich, Heinz!“ 
Sie fuhr ihm mit der entblößten Hand leicht über die 
Wange, mehr ein Schmeicheln als ein Verweisen. Da lachte er: 
„Na ja — ist doch wahr! Kaum, daß man sich ein paar 
Wochen richtig hat, und gleich schneit einem Besuch ins Haus.“ 
„Sei ohne Sorge. Sie wohnen ja nicht bei uns. Hier — 
Astrid schreibt's ausdrüchlich: „Natürlich gehen wir ins Hotel. 
Wir wollen uns doch gegenseitig nicht genieren. Und außerdem 
— ich möchte doch gar zu gern mal bei Adson gewohnt haben. 
Kinder — es kann ja einfach himmlisch werden!““ 
„DTas find' ich nun weniger. Himmlisch ist's bloß, wenn 
ich mit meiner Bebe allein bin. Ganz allein!“ 
And abermals umfing er sie. 
Gerda duldete es einen Augenblich doch dann entwand 
ie fich ihm. W FB 
„Meine schöne, neue Toilette!“ Sie strich sich die lostbaren 
Brüsseler Spitzen glatt. „Wilsit du denn nie vernüunftig 
werden ?“ 
„Nein — nie! Schlimm genug, daß du es so bald ge⸗ 
worden bist. Sei überhaupt froh, daß ich dich nicht ver—⸗ 
lage — wegen Vorspiegelung sfalscher Tatsachen!“ — J 
„Mich?“ Und sie lachte heil. „Wieso denn?“ 
„Nun ja! Wenn man dich so fieht, dann denkt man 
Wunder, wie — und nachher eckt da hinter der lockenden 
Carmenmaske ein ganz fühlloses, kleines Frauenzimmer.“ 
„Ach du!“ 
Und sie schnippte ihm nedend mit dem Seidentüchelchen 
das fie gerade aus dem Spitzenärntel gezogen, ins Geficht 
Aber der zarte, warme Hauch. der dem Tuch noch anhaftete 
wechte in ihm Frinnerungen
	        
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