Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

minis bhängig gemacht, auf ein Jahr heschränkt und 
donen eri e werden solle. Weiter beschaäftigte 
ich der Bund mil dem Reichsgesetz a ber die Versiche⸗ 
nge berAngestelilen und trat dem Verlangen einer 
ngeflellten⸗Sganisotion entgegen, die, den Arbeitgebern die 
ieerage auferlegen wöllte. Verschiedentlich hat der 
i Gegenheit gehabte entstellenden Angriffen auf, die Haus 
Rdusterie eisgegenzutreten. In den nächsten Wochen X 
ich der Bundesraut mit der Errichtung von Fachausschühen in 
er Hausindustrie beschäftigen. Der Bund wird dieser Ange⸗ 
enheit weiter deine Aufmerksamkeit zuwenden. Aus Anlak 
ternationasen Konferens für Arbecterz 
FußF, dic ain 18. September in Bern zusammentritt, erhob sich 
d Bunde die Forderung, daß diese Konferenz zunächst ein⸗ 
nal die Tinführung des Ärbeiterschutzes nach deutschem Muster 
in den Koͤnferenstaaten verlangen solste. GSehr richtigt 
üt die Rorhbere unge der ßandelzvertrage bat 
der Bund einen Ausschuß gebildet, der sich mit der Erneuerung 
es amerikanschen Fotarifs, mit der Erschwerung des deutschen 
ibsatzes nach Frankreich, mit der drohenden Zollerhöhung in 
en Kiederlanden und mit der Frage der Einführung hvon Göld⸗ 
düen in Porsuggi beschäftigte. Die wichtigste Frage des letzuen 
Zerichts jahres ser die Stenergeseßgebuns gewesen. Der 
Kedner bezog sich guf die Erklärungen, die der Bund seinerzeit 
ur Wehrvrorlage gbaegeben habe und, betonte. daß die deutsche 
Indusirie opferwistig die geforderten Lasten auf sich genommen 
jabe. Nur dagegen habe man Einspruch erhoben, daß der Wehr⸗ 
zeitrag von der Kommission weit über die von der Wgerudg 
orgeschlagenen Sabe erhöht worden sei. Der Bund habe sich 
beiler mi der Frage der Ühgrenzung von Fabrrund 
zandwert, der Heranziehung, der Fabriken zu den Kolten 
ber Lehrlingsaushildung und mit den Resultaten der Boum- 
wolltonferenz beschäftigt. Er werde quch in Zukunft bemüht 
ein, die Inleressen der verarbeitenden Industrie in der Oe fent⸗ 
ichkeit wahrzunehmen. (Lebhafter Beifall.) J 
Es folgien die Wahlen zum Vorstande, wobei u. g. Dr. 
Stredemann Leipzig) Fabrikant, Sirth. Etuttgart), 
Sẽchultze, GBerfin), Fabrikbefitzer Bö hie Offenbach, Diret⸗ 
or Fischer (enas. Kommerzienrat S,o ffn ann Mann⸗ 
heim und Dr. Wendlandeit Gerlin) wiedergewählt wurden. 
ierauf, nohm die Versammslung Stellung zu dem wich— 
igsten Vunkte der Tagesordnung: 
Annaͤherung des Zentraiverbandes deutscher Industrieller. des 
Bundes der Landwirte und des Reichsdeutschen Mittenstands⸗ 
verbandes. 
Der Vorfitzenoe, Kommerzienrat Friedrichs (Potsdam), 
wprach dazu in dem Sinne des von uns heute wiedergegebenen 
eitartikels. 
Tagarauf begründete Syndikus Dr. Stresemann Ceipzia) 
olgende Entschließung in der Frage der 
Beteiligung Deutschlands an der Weltausstellung 
in San Franzislo: 
„Der Bund der Industriellen ist auf Antrag aus seinen 
Nitgliederkreifen in eine erneute Prufung der Frage einer 
Beteiligung der deutschen Industrie an der Weltqusstellung, in 
San Franzisko eingetreten nachdem die von ihm in den 
Vorstand der ständigen Ausstellungslommission abgesandten 
Ditglieder an der von der Kommisston im Juni einbe— 
rufenen Besprechung mitgewirkt haben die nach eingehender 
achlicher Prüfung ergab, daß der überwiegende Teil, der 
Miiglieder der Kommission einer Beteiligung an der Ausstellung 
bgeneigt war, während andere Industriezweige, die einer Be⸗ 
eiljgung geneigt waren, erst die Entscheidung über den Zoll⸗ 
arif und die damals besonders lebhaft beklagten Zollschikanen 
hwarten wollten, ehe sie über ihre Beteiligung einen Be— 
chluß faßten. Auch erneute Verhandlungen haben eine ein⸗ 
einliche Äuffassung nicht erkennen lassen, Viele Firmen, die 
in der Ausfuhr nach den Vereinigten Stagaten beteiligt sind, 
zlauben nicht. daß den mit einer een verbundenen 
roßen Aufwendungen entsprechende Vorteile gegenübersteher 
verden. Andererseits wird betont, da aus allgemeinen um 
uturellen Grunden das Fernbleiben Deutschlands von de 
Weltausstellung bedauerlich wäre, und eine Anzahl vol 
Industriezweigen und dirmen haben aus diesem Grunde be 
eiis auch ihre Bereitwilligkeit zur Beteiligung an der Aus—- 
lellung zu erkennen gegeben. Angesichts dieser Tatsache häl. 
der Bund den Versuch einer pripaten Organisation der aus- 
seilungsbereiten Firmen, namentlich wenn die führenden und 
velibetanmen deutschen Schiffahrisgeselsschaften sich grundsätzlich 
aran beleiligen. der Unterstüßung wert. Vorausgesetzt ist. 
daß es gelingt, eine der ,e Industrie und ihrer Be— 
heutung enfsorechende würdige Vertretung der an der Aus— 
uhr nach den Bereinigten, Staaten beteiligten deutschen In⸗ 
duftriezweige zu bewertstelligen. Der Bund der Industriellen 
hoffl daß über diese Frage eine Verständigung erzielt und 
zine hierfür maßgehende —S— geschaffen wird, und 
5 seinerseits dahin zu wirken suchen, eine solche herbei⸗ 
ühren.“ 
Hierauf begründete Direktor Huldermann von 
der ßambuürgeAmerika Kinie deren Standpunkt. 
An zweiter Stelle sprach Sticke, 
er Deutschlands Beteiligung an der Weltausstellung schon gus 
rirtschaftiischen Gründen für notwendig hält. — Der Syndilkus 
des württembergischen Verbandes der Industriellen, Dr. Bgywer 
—— gab feinem Erstaunen Ausdrud. daß die Regie⸗ 
ung die Äkten über die Ausstellung geschlossen habe. 
Die —— wurde darguf einstimmig angenommen 
ind Jodann die Tagung vom Vorsitzenden geschlossen. 
Im Anschiuß an die Mitgliederversammlung trat der 
Handelspolitische Ausschuß 
»es Bundes der Industriellen zu einer Sitzung zusammen. 
Zur Beratung standen eine Reihe von Fragen der deutschen 
handelspoltit, un a. die gegenwärtige Erschwerung des deut⸗ 
—EVEä——eaebo]eée æ———— ——— 
Da nickte er nur leise. 
Und Walter Kyllburg hielt sein Wort. Beim nächsten Besuch 
Keßlers war auch er im Henningschen Hause anwesend. 
Gerda hatte den Verlobten draußen auf der Diele empfangen 
ind begrüht. Nun sagte sie hmüö 
„Du wirst heut einen alten Bekannten unseres Haufes kennen 
ernen, Herrn Kyllburg, Papas Adjutanten. Er kennt Astrid und 
nich schon von klein auf. Ein lieber, treuer Mensch — du mußt 
ꝛecht nett zu ihm sein. Ja, Liebster?“ 
Heinz Keßler, der den Arm um Gerda gelegt. langsam 
mit ihr durch die Diele schritt, büeb stehen. 
„Ach — wohl der Herr, mit dem ich euch damals bei Ras— 
mussen sah ? 
„Ganz recht.“ 
(Fortsetzung folgt.) 
Theater, Kunst und Wissenschaft. 
Lüubech 12. Sept. 
stadthallen⸗Theater. 
Das Damenpensionat“. 
Lustspiel in 6 Aufzügen von Roderich Benedix. 
Eine sonderlich hochstehende dichterische Kraft ist der gute, 
ilte Benedix niemals gewesen, wenngleich sich das Publikum 
seiner Zeit an seinen zahlreichen Werken förmlich begeisterte. 
In unsere heutige Zeit will Benedie nicht mehr recht passen, 
wit leisem und oft swöttisch-überlegenem Lächeln solgt der 
Zuschauer der harmloßfen, meist nichtigen, für naive Gemüter 
verechneten Handlung, die immer wieder von denselben, in 
jedem Stüche wiederlehrenden Lustspieltypen getragen ist. Die 
herzigen Paare, die sittenstrengen Jungfern, die Pantoffelhelden, 
die alten oder jungen Gecken — man begegnet ihnen überall. 
kinige derblomische Situationen, meist farblose Charakterzeich- 
nung, leicht und seicht erfundene Späße, ein gutes Quantum 
Rührseligkeit und zum Schlutz ein großes Ausruhen all der 
fieben Mädchen an der obligaten Männerbrust — und die 
Kunst Benedix“ ist in großen Strichen gezeichnet. Fabelhaft 
chen Absatzes in Frankreich, ferner der neue ameribkanische 
zollkarif. Den Hauptgegenstand der Beratungen bildete die 
allkgemeine handelspolitische Lage, und die Vor— 
ereitung der künftigen Handelsvperträge!“. Das Referat 
ierũüber erstattete Handelskammer-Syndikus Dr. Dietrich 
Plauem. Redner warf einen Blick auf die gegenwärtige wirt— 
haftliche Lage, die im wesentlichen unter dem Einfluß der ver—⸗ 
euerten Lebenshalkung und des erschwerten Exports stehe. 
zür die weitere Entwicklung der deutschen Volkskwwirtschaft sei 
ber die zukünftige Gestaltung unserer Exportverhältnisse von 
rößter Bedeutung, Was die Vorbereitung unserer zukünftigen 
zoll- und Handelspolitik anlange, so sei, es nicht von uns 
bhängig. ob wir die Abschließzung des inländischen Marktes 
egen fremde Erzeugnisse und gleichzeitig die Förderung des 
ports fortsetzen koͤnnten, das hänge vielmehr auch von de. 
altung der großen Vertragsstaaten ab. Für die Vorbereitun 
er Zoll⸗ und Handelspolitik in Deutschland sei zweierlei 3 
nterscheiden. Einmal die formelle — die. dure 
ie Reichsregierung und durch die wirtschaftlichen Körperschaften 
eschehen könne. aher das Ziel haben müsse, die inländischen 
nd ausländischen Wirtschafts- und Exportverhältnisse für die 
inzelnen Produktionsgruppen klarzustellen. In materieller Be— 
ehung seien die Vorkehrungen einmal dahin zu esder daß 
nan sich über I grundlegende Fragen, wie die Aufrecht⸗ 
rhaltung der Meist me und die Frage der Erstellung 
on Minimal- und Maximalfäßen, klar werde, und daß man 
rner in Erörterungen über die zukünftige Gestaltung der 
Alsätze eintrete. In erster Linie werde es hierbei daraus 
bommen, ob und in welcher Richtung eine Repision unseres 
zolltarifs stattfindet. Ferner sei zu beobachten, inwieweit die 
andwirtschaft erhöhte Zölle für ihre Produkte erstrebe, ins⸗ 
esondere auch, obh sie etwa eine Erhöhung der L 
ür, Getreide durchsetzen wolle, und es sei die Rückwirkung der—⸗ 
rtiger Bestrehungen auf den Abschluß von Handelsverträgen 
‚endu klarzustellen. Für die industriellen Zollsätze sei es 
zesentlich, daß sich die einzelnen Industriegruppen über die 
»öhe der Zoͤlle auf Halbsabrikate und Fabrilate einigten. 
hre Aufgabe sei nicht leicht, müsse aber in nachdrücklicher 
inio sorgfaͤltiger Arbeit geleistet werden. Redner glaubt, daß 
ieienigen dem Weltfrieden mehr dienten, die in einem Waren 
rustausch mit anderen Völkern eine gesunde Grundlage wirt—⸗ 
chaftlicher Entwicklung sehen, als die, die vom einseitigen 
Imneressenstandpunkt unter —— unserer wirtschaftlichen 
VKerknüpfung mit dem internationalen Markte be⸗ 
trebt seien Preiserhöhungen für ihre Produkte im Inlands⸗ 
narkte auf, Kosten anderer Prodüktionsstände durchzusetzen. 
WLebhaster Beifall.) 
* 
Deutsches Reich. 
—ADV 
Die Braunschweigische Landeszeitung meldet aus Berlin: „Das 
Militärkabinett hat im Auftrage des Kaisers die Akten über 
ieijenigen Verurteilten des Erfurter Aufruhrprozesses einge— 
ordert, die sich mit dem ersten Urteil des Kriegsgerichts be— 
uhigt hatten. Wie verlautet, sind von den Familien aller 
Zerurteilten Gnadengesuche an den Kaiser eingereicht worden. 
Eine neue Landesverrats⸗Affüre in der Marine wird soeben 
zekannt. Wie der Korrespondent der Vossischen Zeitung er—⸗ 
ährt, sind seit dem 7. Sept. die beiden Matrosen Hermann 
Ztammwedel und Bruno Wehner, beide aus Wilhelmshaven 
jebürtig, flüchtig. Sie stehen beide in dringendem Verdacht, 
inen Zünder und andere Geschützteile gestohlen zu haben. 
vinter den Flüchtlingen ist bereits ein Stedbrief erlassen 
vorden. 
Die enteigneten Polen haben bekanntlich alle behördlichen 
ufforderungen zur Räumung ihrer Wohnungen unbegchtet 
zelassen. Daraufhin sind die Behörden nunmehr zur Exmission 
eschritten. In Abwesenheit des Herrn von Irztinski und ohne 
?xmissionsklage wurde die Wohnungseinrichtung aus der ge⸗ 
baltsam geöffneten Wohnung entfernt und in einem Schuppen 
mitergebracht. Auch bei Herrn von Zablozki ist die Wohnungs⸗ 
inrichtung kurz vor dem Gerichtstermin gewaltsam vom Gute 
ntfernt worden. 
Deutscher Anwaltstag. Der Deutsche Anwaltstag ist, wie 
elegraphisch gemeldet wird, gestern vormittag mit einer Ver— 
ammung der Vertreter des Deutschen Anwaltsvereins in Breslau 
röffnet worden. Daneben finden Versammlungen der Mitglieder 
er Ruhegehalts⸗, Witwen- und Waisenkafse für deutsche Rechts- 
mwälte und des Vereins für Erholungsstätten statt. Anwesend 
paren u. a. die Ehrengäste Geh. Oberjustizrat und Vortragender 
dat im Justizministerrum Burghardt. Geh. Regierungsrat und 
hortragender Rat im Reichsjustizamte Dr. Lucas-Berlin und 
Heh. Justizrat Dr. Carl Mannsfeld vom Justizministerium in 
dresden. Aus Anlaß der Tagung des Deutschen Anwaltsvereins 
and eine von den einzelnen Wlalen Anwaltsverbänden ge— 
dählte Vertreterversammlung statt, die das bebannte Vorgehen 
er Vereinigung Rheinisch-Westfälischer Rechtsanwälte über den 
rumerus clausus eingehend besprach. Nach mehrstündiger 
Debatte wurde schließlich von etwa 80 anwesenden Vertretern 
nit allen gegen 10 Stimmen eine vom Vereinsvorstande einge— 
arachte Entschliebkuung anoönommen, die lautet: „Der von dee 
u mes, wie ündlich einfach der LTachter den selbstgesc, ungenen 
Versicherungsknoten entwirrt und alles wie am Schnürchen, 
jerade wie es der jeweilige kritische Augenblich erfordert, zu 
inem schließlich glüchlichen Ende führt. Toch bei der Armut 
er deutschen Lustspielproduktion findet das Publikum auch hin 
nd wieder noch an einem Benedix⸗Abend Gefallen. So auch 
estern, da es sich an der karikaturistischen Schilderung des 
ebens und Treibens in einem Tamenpensionat ergötzte und sich 
raurig von dem Geschich eines armen, viellieben Mädchens 
immen ließ, das in dem Pensionat das Aschenbrödel ist, 
is es ein reicher, vieledler Graf erlöst und zu seinem ange⸗ 
eteten Weibe macht. Das sechsattige Lustspiel war von Ernst 
JIbert mit gutem Erfolge in Szene gesetzt. Er selbst gab 
ien Vorsteher der Pensionsanstalt mit der ihm eigenen natür⸗ 
ichen Liebenswürdigkeit und seiner gewandten Bühnenroutine 
Zeine eifersüchtige Gattin Urfula, die so große Stücke auf den 
—E 
eichnet verlörpert. Sonst stand im Vordergrunde des In— 
eresses die Elfriede Magda Reichardts, von der die 
Zackfische erzählten, daß fie „einfach süß“ gewesen sei. Sie 
pußte ihren Gefühlen und romantischen Stimmungen treffend 
lusdrud zu verleihen und sprach und spielte mit Schlichtheit 
ind Wärme. Ein ganz passabler Liebhaber in der äußeren 
erscheinung war Fritz Göbel; leider mußte er bei jedem 
inzelnen Satze die Hilfe des Souffleurs in Anspruch nehmen, 
2 daß er ein freies, temperamentvpolles Spiel ũüberhaupi nicht 
ntfalten konnte. Zudem versprach er sich derartig oft, daß es 
Tmahlich schon lächerlich wirkte. Charakteristisch in Spiel und 
Maske gab Hans Wallis den von allen verulkten Magister 
Stichling. Friedrich Ambronn, Otto Bögel und Fe— 
icia Pestel sind mit Lob zu nennen. Die Pensionärinnen 
varen alles liebe, muntere Mädels, die es an der erforder—⸗ 
ichen Kechheit und lauten Fröhlichkeit nicht fehlen llehen. Von 
hnen seien Rita Heims Walkis als die „wohlerzogenste“ 
ind Johanna Riccardo als die „ungezogenste“ hervor— 
zehoben. Die Stadthalle war wieder einmal ausverkauft und 
»as Publikum zeigte sich größtenteils beifallsfreudig. J. 
Vereinigung Rheinisch-Westfälischer Anwälte erlassene A cuf hat 
eine Meinungseinholung nur über die Notwendigkeit pon „Zu— 
assungsbeschränkungen, die weder unsere Unabhängigkeit noch 
rreizügigkeit antasten und keine Herabsetzung aus politischen 
uind konfessionellen Beweggründen zulafsen“, herbeigeführt, nicht 
iber über einen bestimmten einheitlichen Abhilfevorschlag. Au— 
esichts dieser Tatsache und angesichts der Beschlußfassung und 
ingehenden Verhandlungen auf dem Würzburger Anwaltstage 
erscheint es zurzeit, nicht geboten, einen außerordentlichen An— 
valtstag, der nach den Satzungen allein als oberstes Organ 
uständig ist, einzuberufen, um so weniger, als auch aus der 
Mitte der Vereinigung ein Antrag auf Ergänzung der Tages- 
»rdnung des diesjährigen Anwaltstages oder auf Einberufung 
ines außerordentlichen Anwaltstages nicht gestellt worden isu 
Briefträgerwünsche. Die größte aller bestehenden Unter— 
beamtenorganisationen, der über 100 000 Mitglieder zählende 
Verband der unteren Post- und Telegraphenbeamten, hat auf 
einem 5. Verbandstag in Berlin die Hauptwünsche formuliert. 
die das Heer der unteren Beamten der Reichspostverwaltung 
rzeit bewegt. Sie sind teils ideeller, teils materieller Art. 
kine allgemeine Hebung des Standes wird in den Bemühungen 
angestrebt, für die Befähigten, die heute schon vielfach ihre 
unmittelbaren Vorgesetzten zu rertreten haben, ein Aufsteigen 
in die Schicht der mittleren Beamten zu erreichen. Die Reichs— 
vostverwaltung hat zwar schon ein auch in ihrem Interesse 
iegendes Entgegenkommen dadurch gezeigt, daß sie die Stellung 
ver „gehobenen Unterbeamten“ geschaffen hat. Allein diese 
rinrichtung hat mancherlei Unzuträglichkeiten und Klagen der 
Nichtgehobenen nur schärfer hervortreten lassen und vor allem 
nicht die Standeshebung im Gefolge gehabt, die von allen, 
ruch den „gehobenen“ Kollegen, gewünscht wird. Die Verwal— 
ung zieht sich hier hinter die Unmöglichkeit zurüch, das ge— 
amte preußisch⸗deutsche Beamtensystem zu durchbrechen. Auf die 
fleiche Unmöglichkeit eines Systembruchs beruft sie sich auch 
egenüber den dringlichen Forderungen auf Besoldungserhöhung. 
die erst 1909 geschaffene neue Besoldungsordnung dürfe nicht 
ugunsten einer Unterbeamtenkategorie durchbrochen werden. Da— 
zei hat sie durch ein Ausnahmegesetz zugunsten der Postassistenten 
und der nichtgehobenen Postschaffner eben erst die Möglich-— 
leit einer stellenweisen Abänderung der Besoldungsordnung 
ugestanden! Es ist anzunehmen, daß die jetzt auf dem Berliner 
Verbandstag geäußerten Wünsche demnächst im Reichstag noch 
ausführliche Besprechung finden werden. 
Deutch⸗ Oesterr eich sch Ungarisches Worischastkomit·e. Die 
Aktion zur Bildung des Deutsch-Oesterreichisch-⸗Un— 
dJarischen Wirtschafts-Verbandes hat in den indu— 
triellen und Handelskreisen der beiden Reiche das lebhafteste 
Interesse gefunden. Wie wir hören, sind sowohl aus Deutsch- 
and wie auch aus Oesterreich zahlreiche Anmeldungen zur 
Teilnahme an der für heute, 12. Sept. im Kleinen 
tongreßsaal der Internationalen Baufachausstellung in Leipzig 
jeplanten Tagung deutscher und österreichischer Industrieller 
eingelaufen. Deutscherseits werden auf dieser Tagung der Vize— 
präsident des Reichstages, Geheimrat Paasche, und Dr. Strese⸗ 
mann, Präsidialmitglied des Bundes der Industrie lJen, Bericht 
erstatten. 
* * 
fusland. 
Daãnemark. 
Die Alarmierungeunpung für die letzten zwei Sahrgänge 
des Heeres in den Landesteilen östlich des Großen Belt ist nach 
»en vorliegenden Meldungen bisher außerordentlich zufcieden— 
tellend perlaufen, sowohl hinsichtlich des schnellen Eintreffens 
ils der Anzahl der sich Meldenden. Am Freitag werden die 
Nannschaften entiassen. Die Mobilmachung ruft z3wanzig 
eeresklafsen einer, Waffengattung, zusanimen. 
die Mannschaften hatten sich sofort nach dem Alarm in den 
Kafernen versammelf. Nach den langen Vorbereitungen diappte 
die Probemobilmachung auch in allen Teilen vorzüglich. Es 
auerte laum acht Stunden, bis die Konzentrierung der Mann⸗ 
chaften beendet war und diese mit Uniform und Waffen qus— 
zerüstet ihre Bezirke einnahmen, denen sie zugeteilt waren. Der 
Mohilmachung liegt der Plan zugrunde, daß Kopenhagen von 
Land⸗ und Seeseite vom Feinde bedroht wird. 
Das Mißretständnis. Die Agence d'Athenes wiegeit ab. 
dönig Konstantins Rede ist in Frankreich gründlich mißver⸗ 
tanden. Es hat ihm ganz fern gelegen, die französische Miliär— 
nifsion mit Herrn Enydoux zu schneiden. Daran haben wir jg 
einen Augenblick gezweifelt. Nur die Franzofen, die sich einst 
ruf ihr angeborenes Taktgefühl so viel zugute taten, konnten 
ergessen, daß man in Berlin natürlich unhöflich erscheinen 
vürde, wenn man Komplimente an die französische Adresse 
orechselte. Die Sache bedürfte keiner weiteren Erwähnung, 
ände die athenisch-offizizßse Note nicht eine Ergänzung durch 
die Agence Havas, welche sich auf den griechischen Auslands- 
minister Panas beruft. Da heißt es im Schlußsatze: „Eine 
gegen Franlkreich gerichtete Absicht würde von der griechischen 
Nation nicht vebilligt werden.“ Das sieht doch so aus, wie 
reine Zurecht weisung desKönigs durch den Mi; 
aister, — falls wirklich der Minister für den genauen Text 
der Havas-Note verantwortlich sein sollte, So unmzglich wie 
zei uns, wäre nun freilich in dem demokratifch angekränkelten 
deu⸗Hellas eine solche Insubordination nicht. Auch wissen 
vir ja nur zu gul, wie schwach gerade Konstantins Stellung in 
einem Lande ist, das ihn als Kronprinzen einmal zwangspen⸗ 
oniert datte. Indessen ist doch ausg noch sehr die Fraae, ob 
zie Serren Venizelos und Panas ihre Nation so est hinter 
ich haben, um in deren Namen sprechen zu dürfen. Der jüngste 
Frieg hat doch auch manches geändert, auf alle Fälle die 
Ztellung, des seit den Revolutionen von 1863 und, 1919 zur 
!! herabgedrückten Königtums wieder erklelich ver 
efsert 
Amerika 
Bür germeister Eannor 7. Bürgermeister Ggynor, won 
Newyork ist an Bord des White⸗Star-Dampfers „Baltic“ auf 
hoher See an einem Herzschlage gestorben. Das unecwartete 
Zzinscheiden des Bürgermeisters Gaynor hat in Newyock große 
lufregung hervorgerufen. Gayor war im Nopember 1999 
auf vier Jahre zum Bürgermeister von Groß-Newypyrk ge— 
wählt worden. — Er ist im Jahre 1851 geboren, erreichte olso 
ein Alter pon 62 Jahren. Er betätigte sich zunächst jourzialistisch 
in seiner Geburtsstadt Whitestown im Staate Newyork, studierte 
aber, daneben Jurg und wurde im Jahre 1875 Anwalt. Eir 
iedelte nach Broollin über, wo er fich bald eine gewisje Be— 
hmtheit verschaftfte, als er, trotzdem er selbst strammer demo⸗ 
kratischer Parteigänger war, den politischen Banden, diͤe 
zrookliyn brandschatzfen, ein jähes Ende bereitete. Es gelang 
hng, einen der berüchtigsten Bandenführer, John D. Kane, ins 
Hefängnis zu bringen. Seildem spieite Gaynor eine gewisse 
Olitische Rolle. Er wurde Richter und schließlich Mitglied des 
bersten Gerichkshofs des Staates Newyotk. Im Jah'e 1904 
ollte er den Gouverneurposten des Staates Newyork für die 
‚emokratische Varte; erobern. Er lehnte jedoch eine Kan— 
idatur ab. Nach seiner Wahl zum Bürgermeister, in der er 
um allgemeinen Erstaunen als Kandidat der von ihm sonst 
ufs Theftigste bekämpften Tamany-Gruppe auftrat, führte eʒ 
ine Anzahl Reformen, durch. Im September des Jahces 1990 
ourde auf ihn ein Revolverattentat verübt. Schon, einmal 
vurde er auf einer, Ozeanreise schwer krank. Er erzählte selpst 
muten Freunden. daß ihm einstmals in seiner Jugend geweissagt 
vorden sei, er wz de auf dem Ozean sterben, er sei iedoch noch⸗ 
nals mit einem blauen Auge davongekommen. Jetzt hat ihn 
er Tod kroßdes nuf dem Ozean ereilt.
	        
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