Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Tagesbericht. 
Lübeck 11. September. 
*Militärpersonalien. Hauptmann v. Drigalski, an 
zer Hauptkadettenanstalt, ist unter Beförderung zum Major zum 
Stabe des Inf.“Regts. Lübeck, und Leutnant Heerlein vom 
hiesigen Regiment in das Luftschifferbataillon Nr. 4 versetzt. 
— Eine vollständige Liste der außerordentlich zahlreichen Er⸗ 
nennungen, Beförderungen und Versetzungen kann in unserer 
Expedition eingesehen werden. 
Vom Manöver des 9. Armeelorps. Der Generalinspek⸗ 
teur der 3. Armeeinspektion, Generaloberst von Bülow, traf 
am Mittwoch abenpd in Begleitung des Generalstabsoffiziers, 
Maijor Graf Schach von Wittenau, und des Adjutanten, Ober⸗ 
seutnants von Ernest, in Grevesmühlen ein, um am heutigen 
Donnerstag den Manövern der verstärkten 35. Infanteriebrigade 
heizuwohnen. Am Freitag und Sonnabend wird der General— 
inspekteur an den Manövern der 18. Division teilnehmen. Er 
fährt dann nach Bevensen, um dem Korpsmanöver des 10. Armee- 
korps beizuwohnen. Am 17. abends trifft der Generalinspekteur 
in Schwerin ein und nimmt dort vom 18. bis 20. an den Ma— 
növern des 9. Armeekorps teil. 
O Wetterkarten. Im Schaufenster der Lübeckischen An⸗ 
zeigen ist neben der täglichen Wettervoraussage auch eine Wetter⸗ 
tarte ausgehängt, die ebenfalls täglich erneuert vird und eine 
wertvolle Ergänzung und ausführliche Vervollständigung des 
jeweiligen Wetterberichtes darstellt. Die Wetterkarte läßt vor 
allem den Zusammenhang zwischen unserm örtlichen Wetter und 
der allgemeinen europäischen Wetterlage erkennen, sie liefert 
uns die Erklärung für den seit dem letzten Morgen beobachteten 
Witterungsverlaus und gewährt ferner die Möglichkeit, das 
künftige Wetter im voraus zu beurteilen. Nachdem das Ergebnis 
der Beobachtung um 8 Uhr morgens seitens der in einer 
größeren Anzahl von Städten Europas befindlichen Wetter— 
beobachtungsstationer der Deutschen Seewarte in Hamburg 
depeschiert und von dieser den einzelnen Wetterdienststellen zu— 
gesandt ist, wird dort der Inhalt der Meldungen mit einfachen 
Zeichen in die Karten eingetragen, deren Bedeutung auf den 
Zarten selbst erklärt ist. Die Windrichtung ist durch den langen 
Strich des Windrfeiles angegeben, während durch die lleinen 
Striche, die Vesiederung, die Windstärke angedeutet wird. Die 
Höhe des Varometerstandes der einzelnen Stationen ist nicht in 
Zahlen eingetragen, sondern durch besondere Linien, die so—⸗— 
genanmten Isobaren, dargestellt, die die Orte mit gleichem, 
auf dem Meeresspiegel unigerechneten Barometerstande ver— 
binden. Die neben den Orten stehenden Zahlen geben die 
Lufttemperatur an. Durch die Zeichnung der Isoharen wird 
die Verteilung des Luftdrucks übersichtlich und es sind die Tief- 
druch⸗ und Hochdruckgebiete mit ihren Ausläufern, von deren Aus—⸗ 
bildung die meisten Witterungselemente abhängig sind, erkenn⸗ 
bar. Bei täglicher Reachtung der Wetterkarten ist es keineswegs 
schwer, fich in dem Gebrauche der Karten sowie des beigegebenen 
Wetterberichts hinreichende Fertigkeit anzueignen und sich so über 
die allgemeine Wetterlage selber eine Orientierung zu ermög—⸗ 
sichen. Vom 16. d. Meab werden auch wieder die Ahendwetter— 
darten des Oeffenklichen Wetterdienstes erscheinen. Die Welter⸗ 
larten gelangen täglich um 8 Uhr 45 Min. abends zur Ausgabe 
und bereits mit den unn 9 Uhr abends von Hamburg-Haupt- 
bahnhof abgehenden Zugen zum Versand; fie sind gleich der 
Morgenwetterkarte zum Preise von 50 Pfg. monatlich bei Post- 
abhebung und 64 Pfg. bet Zustellung durch den Briefträger 
durch jede Postanstalt zu bezlehen. Die Wendwetterkarte dürfte 
auch an abgelegeneren Orten bereits am nächsten Morgen zur 
Bestellung gelangen und deshalb besonders an solchen Orten zu 
empfehlen sein, die von der Morgenwetterkarte nicht mehr am 
Ausgabetage erreicht werden. Auch von der Oeffentlichen Wetter⸗ 
diensistelle Berlin soll, in diesem Herbst beginnend, eine Abend- 
vetterkarte ausgegeben werden. 
DDer Lübeder Fechtllub hielt am Dienstag eine außer⸗ 
Irdentliche Mitgliederversammlung ab. Bexichlossen wurde, zur 
Eröffnung des neuen Fechtsaales in dem früheren Gerichts— 
hauße, Mengstraße 28, ein Klubturnier in den sportlichen Waffen 
Florett und leichten Säbel zu veranstalten. Ferner stand das 
im Frühjahr n. J. hier stattfindende Bundesturnier des Nord— 
deutschen Fechterbundes zur Beratung. Das Weitfechten soll 
in der Hauptturnhalle stattfinden. Dem Fechten wird sich ein 
Festessen im Turnerschaftshaus anschließen. Es steht zu er— 
warten, daß die geplanten fechterischen Veranstaltungen für das 
fechtsportliche Leben Lübecks von Einfluß sein werden. 
Veim Prũfungsausschut; des Stenographenbundes für 
Lũbed und WMedlenburg (Stolze⸗Schrey) sind im Monat August 
14 Arbeiten eingegangen, und zwar aus Schwerin (02) 5, 
Parchim 3, Rostod 2, Wismar 1, Waren 1, Lubed (58) 1. 
Neustrelitz 1. Es wurden folgende Auszeichnungen verliehen: 
die silberne Nadel an F. Schoknecht⸗Schwerin 92, und ein 
„weiter Preis an Otto Mad-Lübeck 58. Lobende Anerkennungen 
erhielten Herinann Will-Wismar, Amny Curdt-Schwerin 92 
und Gertrud Megemundt-Parchim. 
DDer Verband schleswig⸗holsteinischer Arbeitsnachweise. 
Am 12. Dez. 1909 wurde in einer in Kiel abgehassenen Zu— 
ammenkunft, mehrfach geäußerten Wünschen entsprechend, der 
Verband nordelbischer Arbeitsnachweise ins Leben gerufen. Der 
Vorstand wurde aus den Herren Landesversicherungsrat Hansen- 
Kiel, Oberlandesgerichtsrat Dr. Naumann-Hamburg und Rat 
Dr. Link-Lübeck gebildet und ersterem der Vorsitz übertragen. 
Dem Verbande nordelbischer Arbeitsnachweise, der seinerseits 
dem Verbande deutscher Arbeitsnachweise in Berlin angehörte, 
schlossen sich sämtliche in Schleswig-Holstein bestehenden öffent. 
lichen und gemeinnützigen Arbeitsnachweise, ferner die in Ham— 
burg befindlichen Arbeitsnachweise dieser Art und die mit 
einer Vermittelung für Hausangestellte verbundene öffentlicht 
Rechtsauskunftstelle in Luübed am Später ist auch die unter 
wesentlicher Mitwirkung des Verbandes entstandene Arbeits⸗ 
nachweisstelle in Eutin diesem beigetreten. Der Verband hat 
n seinen drei Jahresversammsungen zu Kiel, Flensburg und 
Schleswig eine Anzahl wichtiger Fragen auf dem Gebiele der 
Arbeitsvermittlung behandelt und auch sonsi manche wertvolle 
Anregung für die Förderung der von ihm vertretenen Be— 
strebungen gegeben. Es ist aber nun wiederholt die Ansicht 
laut geworden, dah die dringend wünschenswerte nahe Verbin— 
dung der landwirtschaftlichen Bevölkerungskreise mit den öffent⸗ 
lichen Arbeitsnachweisstellen mehr noch wie bisher gesichert 
werden dürfte durch den Zusammenschluß der letzteren zu einem 
ichleswig-holsteinischen Arbeitsnachweisverbande. Der Vorstand 
des Verbandes nordelbischer Arbeitsnachweise hat nach eingehen⸗ 
der Erwägung das Gewicht der dafür geltend gemachten Gründe 
nicht verkannt und deshalb in einer auf den 27. v. M. nach 
Schleswig einberufenen außerordentlichen Verbandsversammung 
den Antrag auf Auflösung des Verbandes gestellt, um für den 
ijeu zu begründenden Verband schleswig-holsteinischer Arbeits 
nachweise Raum zu schaffen. Die Verbandspersammlung ist 
iach längerer Aussprache dem Antragè einmütig beigetreten. 
Im Anschluß daran fand an diesem Tage im Sitzungssaale 
»es Regierungsgebäudes zu Schleswig eine Versammlung von 
Bertretern einzelner Magistrate, Kreisausschüsse und sämtlicher 
isher dem nordelbischen Verbande angehörenden schleswig-hol 
teinischen Arbeitsnachweise statt. Oberpräsidialrat v. Bülow ent⸗ 
vickelte die Gesichtspunkte, die für die Bildung eines Nach- 
oeisverbandes auf der neuen Grundlage in Betracht kämen und 
„ie vor allem eine Zusammenfassung aller maßgebenden Er—⸗ 
verbsinteressen bezweckten. Im übrigen handle es sich darum, 
zie sehr verdienstliche Arbeit, welche der bisherige Verband 
zeleistet hat, im gleichen Sinne und mit gleicher Hingabe fort— 
usetzen. Es sei sehr zu bedauern, daß auf solche Weise die 
uherst wertvolle Mitwirkung der usgeschiedenen Vorstandsmit— 
zlieder der Herren Oberlandesgerichtsrat Dr. Naumann und Raf 
Dr. Link entbehrt werden müsse, doch erscheine die Hoff— 
iung berechtigt, daß es früher oder später gelingen werde, 
wieder ein Zusammenarbeiten mit den beiden benachbarten 
zansestädten sicher zu stellen. Darauf wurde der „Verband 
chleswig⸗holsteinischer Arbeitsnachweise“ gegründet 
V Zugzusammenstoßz auf dem Moislinger Rangierbahnhof. 
Festern abend gegen 11 Uhr ist ein von Ratzeburg domnmender 
Füterzug bei der Eisenbahnbrücke im Zuge der Moislinger Auree, 
ilso der Ginfahrt zum Rangierbahnhof, auf einen dort haltenden 
Leerzug ausgesahren. Vier Wagen dieses Zuges wucden zer— 
rüummert, mehrere entgleisten, eine größere Anzahl Wagen 
vurden mehr oder weniger beschädigt. Personen wurden nich! 
erletzt. Der Materxialschaden ist ziemlich bedeutend. Vie Auf— 
umungsarbeiten nohmen mehrere Stunden in Anspruch. Meh— 
ere Güterzüge mußsen stundenlang auf die Einfahrt in den 
Bahnhosf warten. 
- Verhafiet wurden ein Melker aus Passee, welcher pon 
decs Stantsanwaltschaft in Güstrow wegen Urkundenfälschung, 
und ein Schmiedegeselle aus Lüdicken, welcher von der Staats— 
anwoltschaft in Insterburg zwecks Strafvollstreckung steckvrieflich 
zerfolgt wurden. 
- Fener. In verflossener Nacht um 11854 Uhr dam in 
dem Hause Köniestroße Nr. 108 ein Schadenfeuer zum Aus— 
»ruch, welches durch die herbeigerufene Feuerwehr alsbard ge— 
öscht wurde. Das Feuer wurde durch eine brennende Tisch 
ampe, welche durch irgendeinen Umstand umstürzte, verursacht. 
Großherzogtum Oldenburg und Fürstentum Lübed. 
2 Süsel, 11. Set. In der landwirtschaftlichen 
Bersammlung hielt der Vorsitzende einen Vortrag über 
Zeutschlands Weizenbau. Referent wies darauf hin, daß infolge 
zer verminderten Einfuhr von Weizen, der Auswinterung und 
»er Viehzucht, die eine Zunahme von Dauerweiden bedinge, also 
»as Areal für den Weizenbau vermindere, an die deutsche 
andwirtschaft die Forderung herantrete, dafür zu sorgen, daß 
ein Mangel an Brotkorn eintrete und Vorbereitungen getroffen 
verden müßten für einen etwaigen Kriegsfall, der um so ver—⸗ 
ngnisvoller werde, je weniger Brotkorn in den Magazinen 
»orhanden sei. Aus der Mitte der Versammlung wurde berichtet, 
»ain nach Angabe der hiesigen Bäckereien der Verkauf von 
vroggenbrot nur noch zwei Drittel des früheren Bedarfs be—⸗— 
rage, dagegen der Handel mit Weizenbrot sich um ein Daittel 
zesteigert habe. Wenn diese Erscheinung in Norddeutschland 
vo das Roggenbrot bisher den Tisch gedeckt habe, so auffällig 
intrete, dann könne man sich einen Begriff machen von dem er⸗ 
/öhten Weizenbedarf in der Vollksernährung. Für die Ausstel 
ung von Garten⸗ und Felderzeugn'ssen wurden wertvolle Ehren⸗ 
rreise gezeichnet. Von der Landwirtschaftskammer wurde auf 
NMufforderung der Landwirtschaftslammer für Schleswig-Holstein 
wecks Ausfertigung einer Statistik der Meiereien eine Benennung 
der im Vereinsbezirk befindlichen Meiereien eingefordert. Mit— 
jeteist wurde, dah auf der „Rebhühnersuche“ zu Lensahn der 
deutsche Vorstehhund des Hofbefitzers Pitz Fdelsdorf einen ersten 
Preis und zwei Ehrenpreise erhalten habe. Der Hund sei ge— 
führt worden von seinem Dresseur Förster RaschOevelgönne. 
Großherzogtümer Medlenburg. 
Waren, 11. Sept. Angefallen poneinemstarken 
Keiler. der in einem angrenzenden Revier angeschossen war 
ind eine deutliche Schweißspur hinterließ, wurde ein auf der 
Feldmark Damerow mit Feldarbeiten beschäftigter Knecht. Das 
wütende Tier brach aus einem Dickicht hervor, stürzte sich auf 
»en Ahnungslosen und brachte ihm mit seinen Fangzähnen 
ine klaffende Wunde am Oberschenkel bei. Nur dem Unstande, 
daß die den Keiler verfolgenden Jagdhunde auf der Bildfläche 
erschienen, vor denen der Schwarzkittel Reißaus nahm, ist es 
zu danken. daß der überfallene Knecht verhältnismäßig 
zlimpflich davonkam. 
Friedland, 11. Sept. Grauenhafter Tod. Im 
bencchbarten Torfe Spantelow wurde einem beim Schmiede— 
meister Hokkert beschäftigten Schmiedegesellen von einer Stroh— 
»resse der Kopf, sowie der ganze Körper vollständig zerquetscht 
Neueste Nachrichten und Telegramme 
der „l. A.“ und l. Z., 
Schweres Fliegerunglück. 
C.T.C. Büchenbeuren, 11. Sept. (Privattelegramm 
der Lubedischen Anzeigen.) Beim Aufftieg eines Militärflirgers 
im Manöwergelände des 16. Armeekorps stürzte heute srüh 
ein Flugzeug in die Menschenmenge. Vier Per— 
sonen wurden sofort getötet, darunter der Gendarmerie⸗ 
vachtmeister Schmidt aus Barkenrath. Mehrere Personen 
vurden verletzt. Das Flugzeug hatte sich nur wenige Metet 
»on der Erde erhohen als der Motor verfagte, das Flugzeug 
imlippte und in die umstehende Zuschauermenge fiel. 
DT. Bern, 11. Sept. Der Flieger Bider, der vor kurzem 
tolttühne Flüge über die Alpen ausgeführt und sich dadurch 
inen Namen gemacht hatte, ist schwer verunglückt. Im Tienste 
der schweizerischen Manöverleitung sollte er einen Erkundungs— 
lug ausführen, verirrte sich jedoch in dichtem Nebel. Als er 
iederging, um zu landen, da ihm das Benzin ausgegangen 
var, bemerkte er, daß er sich mitten über der Stadt Bern 
efand. To es bereits stark dämmerte, war es ihm nicht 
nöglich, einen zur Landung geeigneten Platz zu finden. Tas 
Flugzeug stieß vielmehr gegen eine Telegraphenstange und 
türzte zu Boden. Bider erlitt eine Gehirnerschütterung und 
chwere nnere Verletzungen, über deren Natur sich die Aerzte noch 
ticht ganz klar sind. Auch der Passagier, der mit Bider im 
Flugzeug saß, wurde schwer verletzt. 
Mechfel in der Leitung des 1. Armeekorps. 
NT. Betlin 11. Sept. Die Sonderausgabe des Militär— 
Wochenblatts von gestern abend enthält in ihrem Militär-Ver—⸗ 
Tdnungsblatt unter anderem folgende Versonalveränderung: 
Der Kommandierende General des 1. Armeekorps, General der 
Infanterie von Kluck, ist zum Generalinfspektor der 8. Armee⸗ 
nspettion errarnt worden. Mit der Führung des 1. Armee— 
orps — das bisher dem Kommando von Klucs unterstand — 
jt der Gencta.euinant von Francois beauftragt worden“ 
Eine offizielle Auslegung von Körnig Konistenteus Bde 
DT. Paris, 11. Sept. Die französische Presse kommenthecrt 
mmer noch die Berliner Rede König Konstantins und spricht 
zereits von einem „französisch-griechischen Zwischenfall“. Die 
LIaence Havas veröffentlicht eine Erklärung, die der griechische 
Minister des Aeußeren, Panas, ihrem Athener Korrespondenten 
jegeben hat. Panas sagte: „Ich begreife die Empfindungen, 
don denen augenblicklich ein Teil der französischen Presse durch 
dieses Mißverständnis beseelt ist, das uns untröstlich macht. 
Wir würden mit Erleichterung erfahren, daß der Irrtum sich 
rufklärt. Der König hat vor Generälen gesprochen, in einer 
zanz besonderen Atmosphäre. Es war eine militärische Rede 
ohne jede Beziehung zur Politik. Jede Spitze gegen Frank⸗ 
eich würde das griechische Volk mißbilligen, das der fran—⸗ 
ösischen Großmacht für die Dienste dankbar ist, die Griechen— 
and besonders in letzter Zeit von ihr erfahren hat.“ Der 
Korrespondent fügt hinzu, der Minister sei sehr bewegt gewesen, 
als er diese Erklärung abgab. 
W. Athen, 11. Sept. Die Agence d'Athenes verbreitet 
solgende Erklärung: Die Presse und die öffentliche Meinung 
ind lebhaft erregt von dem Mißverständnis, das die Antwort 
des Königs auf die Rede des Kaisers hervorgerufen hat. 
Friechensand wird niemals die großen Dienste, das Wohl— 
vollen und die kostbare Mitarbeit vergessen, die Frankreich 
ederzeit Griechenland geleistet hat, ebensowenig die 
Dienste des Generals Eydaux und der französischen 
Militärmission. Die Presse weist nachdrücklich darauf 
hin. daß man den Worten des Königs nicht die Ve— 
deutung beilegen dürfe, die man ihnen in Frankreich beilege. 
Der König habe nur von dem Werte der griechischen Armee Ze— 
sprochen, und zwar zum Generalstab, der seine militärische Er— 
ziehung in Deutschland leitete. Die öffentliche Meinung wuünscht 
brennend, den schlechten Eindruck zu verwischen, der durch dieses 
unglückliche Mißrerständnis hervorgerufen wurde, das sich keines— 
wegs gegen Franlreich richte. 
Das Perlenhalsband. 
W. London, 11. Sept. Fünf Männer, die des Dieb— 
sttahls des bekannten Perlenhalsbandes angeklagt 
ind, erzählten vor dem Polizeigericht in der Bowstreet folgende 
omantische Geschichte über die Umstände, die zu ihrer 
Verhastung führten. Gutwirth, ein Angeklagter, traf in Ant— 
verpen einen Verwandten fseiner Frau, namens Brandsjtetter, 
und fragte ihn, ob er nicht einen Abnehmer für ein Perlen— 
halsband nachkweisen könne. Brandstetter, der von der Beloh— 
nung von 19000 Pfund für die Entdeckung des Halsbandes 
vußte, ratschlagte mit seinem Vetter. Die beiden verhandelten 
zrieflich mit Cutwirth, der nach London zurückgekehrt war. 
Dittlerwe verständigte sich Brandstetter mit den Versiche— 
rungsgesellschafsten. Auf ihre Veranlassung wurde eine dritte 
Person als Abnehmer eingeführt, eini Mann namens Spanier 
aus Paris, dem es gelang, zwei der Perlen zu daufen und 
jierbei in einem Londoner Hotel das ganze Halsband zu sehen. 
kin zwelles Ausammentreffen zweds Ankaufes des ganzen Hars— 
handes wurde veranstaltet, hierbei verhaftete die Polizei drei 
Ungeklagte; aber das Halsband wurde nicht in ihrem Besitz 
Jefunden. Das Verhör wurde vertagt. 
Einigrng zwischen Bulgaren und Türken. 
DT. Konstantinovel, I1. Sept. Die bulgarischen und 
tüäürkischen Delegierten sind gestern über alle 
Frageneiniggeworden. Manerwartetfür heute 
den definitiven Friedensschluß. 
Die Spannung zwischen Japan und Ch'na. 
DT. Toktio, 11. Sept. Die japanische Presse behält ihre 
aggressive Haltung gegen China bei. Allenthalben finden De— 
nonstrationen statt. Heute liegen Meldungen vor, wonach 
apanische Militärärzte in Mukden angegriffen seien. Die Neu— 
ralität der japanischen Eisenbahnzonen in der Mandschurei soll 
oon den chinesischen Truppen verletzt. worden sein. 
v. 
* 
W. Berlin, 11. Sept. In der gestrigen Versammlung der 
Fleischerinnung teilte der Obermeister mit, daß die Stadt Berlin 
»oraussichtlich Ende Oktober oder im November wieder mit der 
finführung russischen Fleisches beginnen werde, der 
Vertrieb aber wohl den Ladenfileischern überlassen werden dürfte. 
DT. London, 11. Sept. In der Stellung des en glitschen 
Marineattochés am Berliner Hofe findet demnächst 
in Wechsel statt. Der bisherige Attachs Watson verläßt seinen 
Posten. Zu seinem Nachfolger ist Kapitän Wilfred Henderson 
ꝛrnannt worden. 
DT. Tanger, 11. Sept. Abermals haben die spanischen 
Truppen einen heftigen Kampfmit den Aufständischen 
jehabt und haben unter großen Verlusten die Condesa-Berge 
hesetzt. Täe Gegenpartei solk auch den Mut der Westkabylen oufs 
jöchste gesteigert haben. Ihre Angriffe zeugen von unerbittlicher 
Todesverachtung.“ 
* * * 
W. Hamburg. 11. Sept. Nach voraufgegangenen Ehezwistig⸗ 
keiten versuchte heute morgen der Ewerführer Ludolf Körner 
eine von ihm getrennt lebende Ehefrau durch einen Schug 
in die Brust zu töten. Bei der polizeilichen Festnahme 
erschoß sich Körner auf der Straße. Das Befinden der Frau 
st hoffnungslos. 
W. Hamburg, 11. Sept. Die Mörder der Frau 
Eggers in Moorfleth sind soeben in der Person 
des Schlachters Albers und seiner Mutter ver— 
daftet worden. Polizeihunde haben die Spur aufgefunden. 
Tos Alberssche Grundstück lsiegt unmittelbar neben dem der Frau 
Eggers. Sie werden nach Hamburg überführt. 
Dresden, 10. Sept. Oberleutnant a. Th Schmidt und seine 
Frau wurden in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Das in den 
zOer Jahren stehende Ehepaar hat sich mit Leuchtgas vergiftet. 
Tas Motiv des Doppelselbstmordes ist noch nicht 
testgesteltt. 
W. Kolberg, 11. Sept. In dem Ostseebad Großmöllen 
unternahmen drei angeheiterte Herren eine Vergnügungs— 
fahrt. Einer, der Bademeister Heise, nahm auf hoher Se«c 
ein Bad und ertrank. 
W. Jena, 11. Sept. Der 28jährige Oberlehrer und Schrift- 
teller Dr. Wichkeln-Koburg stürzte sich in einem Anfall 
von Schwermutaus dem Fenster seiner Wohnung, nach⸗ 
dem er sich die Pulsadern beider Hände durchschnitten hatte. Er 
war sofort tot. 
W. Straßburg (Ehaß), 11. Sept. Das seit zwei Tagen 
verm'bt gewesene fünfjährige Töchterchen der Eheleute 
StoJest in Tudweiler in einem mit Wasser gefüllten Brunnen«- 
chacht aufgesunden worden. Es war an ihm ein Sittlichldeits- 
erkrechen verübt worden. 
DT. Paris, 11. Sept. In der Nähe von Firminy wurden 
gestern bei Ausschachtungsarbeiten drei Arbeiter ver— 
schüttet. Einer von ihnen wurde als Leiche hervorgezogen. 
Von den beiden anderen Verschütteten hat man noch Lebens— 
‚eichen erhalten und man hofft, sie im Laufe des heutigen Tages 
iebend bergen zu können
	        
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