Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Ausgabe 4. 
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Tagesbericht. — 
VLübed, 11. September. 
WBurgerschaftswahl. Der Burgerausschuh bestimmte in 
ieiner gestrigen Sitzung, daß die in diesem Jahre in den Wahl⸗ 
Hezirken der Wählerabteilungen J und II, im 6., 7., 8., 9. und 
10. Wahlbezirk der Wählerabteilung. III und im 9.10. Wahl- 
vezirk der Wählerabteilung IV vorzunehmenden Wahlen zur 
FFrgänzung der Bürgerschaft am Freitag, dem 14. November, 
für das Eingemeindungsgebiet und die Landbezirke und am 
Dienstag, dem 18. November, für die innere Stadt und deren 
Vorstädter“ stattzufinden haben. Ferner richtete der Bürger— 
ausschuß das Ersuchen an den Senat, zur Wahrung des Steuer⸗ 
geheimnisses gesetzliche Mahnahmen zu erwägen, die die Aus— 
übung des Wahlrechts für alle Wähler eines Bezirkes in 
gemeinsamen Wahllokalen ermöglichen. 
Der Bürgerausfaaßz hat in seiner gestrigen Sitzung der 
Bürgerschaft die Senatsvorlage betr. Verkauf eines 780 4m 
großen Bauplatzes an der Ecke der Schwartauer Allee und der 
Matthaeistrahe für 25 000 Mäan den Viehlommissionär N. 
Kjieldsen zur Mitgenehmigung empfohlen. 
Militãrversonalien. Oberst von Stolzmann, Chef des 
Generalstabes des 9. Armeekorps, zum Kommandeur des Inf. 
Regiments 32 ernannt. Lan seine Stelle tritt Oberstleutnant 
Sydow, seither im Feldartillerieregiment Nr. 76. Oberstleut⸗ 
nant von Heynitz, seither Bataillonskommandeur im In— 
fanterieregiment Nr. 162, tritt zum Stabe des Regiments über. 
Hauptmann Velhagen wird Majior beim Stabe des Re— 
giments. In das Infanterieregiment Nr. 162 werden versetzt: 
Als Bataillonskommandeure die Majore Freiherr von 
Forstner, vom Grenadierregiment Nr. 10, und Schlick— 
mann vom S5. Jägerbataillon; serner die Hauptleute Frei⸗— 
herr von Hammerstein vom Infanteriereg'ment Nr. 31, 
de Rainville vom Infanterieregiment Nr. 75, Schaum-⸗ 
burg vom Infanterieregiment Nr. 163 von Schudmann 
vom Infanterieregiment Nr. 84, von Waldow vom Infan— 
terieregiment Nt. 91; Hauptmann Zaehle ist zum Kom— 
pagniechef ernannt. Oberleutnant Freiherr von Cramm 
zum Hauptmann beim Stabe, Oberleutnant von Harbou als 
Hauptmann in das Inf.-Regt. Nr. 162 versetzt, des g!leichen 
Oberleutnant Goesch als Hauptmann in das Inf.-Regt. 164. 
Oberleutnant Rohde wird Haurtmann und Adiutaut der 
7. Infanterie-Brigade, sowie Major Ritter zur Disposiltion ge— 
stellt und zum Bezirksoffizier beim Bezirkskkommando Ham— 
zurg 1 ernannt. 
»Der Verkehr Lübecks auf dem Elbe⸗Trave⸗Kanal 1913. 
1912 1913 
rraaf. Ladung Tragf. Ladung. 
Im Monat Januar 24 566 10 793 18 483 20898 
Februar 10203 4936 43 860 19 943 
Mãärz 113 134 66049 90 150 50562 
Ipril 108 702 57024 118800 63838. 
* Mai 134 451 67981 161229 77 362 
X 172713 770013 186210 83131 
Zuii 151401 71565 201 635 108 475 
* August 147621 71149 191823 81276 
gusammen b. Ende Auaust 865 881 416570 1045 194 5083 485 
mithin mehr im Jabre 1913 179 313 88915 
Betriebs⸗Einnahmen der Eutin⸗Lübecker Eisenbahn für 
den Monat August 1913. Die Einnahmen betrugen: 
aus dem aus dem * 
Versonen · Guer· Sonstige in Summe 
Vereht Vertehr Einnahmen 
M M M M 
1913 72010 28 245 3020 103 275 
1912 67 534 27 780 2945 98 259 
Unterschied gegen denselben Monat 
des Vorjahres 4AM 5018 
Einnahme vom 1. Januar bis Ende August 1913 685 739 
— — — 1912, 677 729 
Unterschied gegen das Vorjahr 4A. 8010 
Die nachltehenden Zahlen sind geschätzt.) 
C. Gedenkfeier am 18. Oktober. Am 18. Oktober werden 
die Einwohner Lübeds ganz besonderen Grund haben, das An—⸗ 
denken der Schlacht bei Leipzig festlich zu begehen. Ta über 
die Ausgestaltung der Feier ein besonderer Plan noch nicht 
gefaßt zu sein scheint, möge folgendes zur Berüchsichtigung 
gegeben werden. Wir haben ja schon eine fast unendliche 
Zahl von Erinnerungsfeiern im ganzen Lande abhalten sehen. 
Ein Schema für die Jahrhundertfeier hat sich herausgebildet. 
In wesentlich gleichen oder ähnlichen Fotmen hat man an den 
meisten Orten seiner Freude Ausdruck gegeben. Die Lübecker 
aber werden eine Feier veranstalten wollen, die aus der Reihe 
der Feste sich originell und charakteristisch heraushebt. Wir 
haben uns dagegen gewehrt, das typische, an vielen Orten 
aufzufindende Kaiser⸗Wilhelm-Denkmal zu erhalten; wir haben 
einen ganz besonderen Kaiferempfang veranstaltet, werden ein 
303 besonderes Mufennm erhalten. Wir betonen in mancherlei 
Einrichtung und Betätigung unsere besondere, gewordene Art 
und Sitte — und dementsprechend wird unsere Oktober-Fest⸗ 
lichkeit keine Durchschnittsfeier sein. In der schönen Befreiungs— 
feier im März herrschte farbige Pracht und hohe Festfreude vor. 
Jetzt wird es sich darum handeln, zn einem schlichten, seierlichen 
Akt der Berölkerung Lübecks einen pacenden Eindruck von der 
ganzen Größe und Bedeutung jener Jeit und speziell jenes 
londreten Ereignisses zu vermitteln. Es wäre gut, wenn man 
einmal in vielen Menschen jenes Gefühl innerer Atemlosigkeit 
und gewaltiger Bewunderung erwecken könnte, durch welches 
zugleich das Bewußtsein von den Pflichten, die errungene Güter 
berlangen, mächtig emporgetrieben wird. An diesem Grund— 
zwech hätte sich der Plan der Feier zu orientieren, die in 
stizzenhaftem Umriß etwa folgendermaßen sich darstellen könnte: 
Am 18. Oltober, mittags 12 Uhr, versammeln sich Senat. Vür—⸗ 
gerschaft, Geistlichkeit usp. benn Rathaus. Unter dem Weläut 
aller Gloken zieht man in der Art eines alademischen Auf— 
zuges ohne Musik an den Ort der Feier (Markt, Burgfeld 
vder Marienkirche). Fanfarenklang. Orgelspiel oder andere 
erlesene Musik leitet die Feier ein; der Senior hält die Fest— 
rede, allgemeiner Gesang mit roauschender Musik und Posaunen⸗ 
klang von allen Türmen bildet den Beschluh. Doch wie auch 
mmer m einzelnen man den Festakt gestaltet. eins möde 
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Donnerstag, den II. September 1913. 
Morgen⸗Blatt Nr. 459. 
runszigiäührige Poun cuwonla, ein truntfällige Person, tot inr 
Bett aufgefunden, wodurch das Gerücht entstand, es liege Mord 
»or. Es wurde festgestellt, dah die Verstorbene einem Vorsall 
um Opfer gefallen ist, der stark an Totschlag grenzt. Am Frei— 
ag der letzten Woche hat die Verstorbene mit ihren Trunkge—⸗ 
offinnen H. und K. und einem von Fehmarn zurückgekehrten 
ñelegenheitsarbeiter in einer Bodenkammer des Hauses ein wüstes 
Zechgelage abgehalten. Es lam zu Tätlichkeiten. Der Ge—⸗ 
egenheitsarbeiter warf die C. zu Boden und versetzte ihr einen 
Fußtritt auf den Kehlkopf. Die C. blieb zwei Tage in der 
Zammter liegen und schleyppte sich am Sonntag nacht nach ihrer 
n demselben Hause befindlichen Wohnung. Es wurde festge⸗ 
tellt, daß der Kehlkopf eingetreten war und die C. an Er— 
ticung gestorben ist. Der Gelegenheitsarbeiter ist noch nicht 
ermittelt. 
Heide, 11. Sept. Uebersfahrenundgetötet wurde 
n Jützbüttel der fünfiährige Sohn des Landmannes Suhr vor 
inem Wagen aus Schafstedt. 
Lensahn, 11. Sept. Prinzeß Eitel-Friedrid 
raf hier zum Besuche auf Haus Lensahn ein. 
Elmshorn, 11. Sept. Es war nicht Sternickel 
Fs ist jetzt auch durch die beteiligten Personen sestgeltellt, daß 
zternickels Frau nicht in Langenhals wohnt. Am Sonntag be— 
ab sich die Tochter des Eisenbahnunterbeamten Heesch-Herz-— 
sorn mit ihrem Vater nach Hamburg, um die Wachsfigur des 
daubmörders, der angeblich ihr bald nach der Hochneit verschwun 
»ener Ehemann namens Schmitz sein fsollte, zu sehen. Sie be— 
nerkten aber sosort den Unterschied zwischen den heiden Per—⸗ 
onen. Der Ehemann der Heesch hatte dunkles, sast schwarzes 
zdaupt- und Barthaar mit etwas grau, der Raubmörder dagegen 
zelles Haar und hellen Schnurrbart. Auch war Schmitz größer 
und breiter als Sternickel. 
A4J) verornt ufst“— auls LVerechtiglt. A.. Moat ⏑⏑⏑—t 
jefaht werden: Nicht ein bebäbfges Fest mit flingendem Getändel 
ut uns not, sondern eine Feier von aufrüttelndem, ergreifendem 
charakter. Es muß versucht werden, eine Begeisterung zu 
ntfachen, die nicht in rüchschäuender Freude, sondern in kräf— 
igem, patriotischem Handeln ihre Befriedigung findet. Vielleicht 
dringt dann ein Hauch von Begeisterung für die große Zeit 
auch in diejenigen Kreise unferer Mitbürger ein, denen man das 
Verständnis für die Taten der Vorväter so ganz zu rauben 
rachtet 
Eilbotenlauf nach Leipzig. (Võölkerschlachtdenkmal und 
)eutsche Turnerichaft. Mit größter Begeisterung ist überall 
on den Vexeinen der Deutschen Turnerschaft der Gedanke auf— 
enommen, Eilbotenläufe zum Völkerschlachtdenkmal geegentlich 
er 100. Wiederkehr des Tages der Schlacht bei Veipzig zu 
eranstalten. Aus allen, Gegenden und aus fast allen Städten, 
amentlich auch von allen geschichtlich denkwürdigen Stätten 
nseres Vaterlandes werden Urkunden durch die Hände der 
curner im eiligen Lauf nach Leipzig gebracht. Wie nunmehr 
ndgültig festsieht, kommen, 9 Hauptläufe und 21 Nebenläufe, 
Anschlußläufe, zur Durchführung. Einzelne Laufstreckken weisen 
ume ganz bedeutende Länge auf, so z. B. der Hauptlauf 4, 
»on Memel über Königsberg, Bromberg, Berlin nach Leipzig, 
106,2 km, ryosfür 5542 Läufer vorgesehen sind. Am Mittwoch, 
dem 15. Oltober, abends 6,10 Uhr, beginnt der erste seinen 
dauf in Memel Drei Nächte und zwei Tage hindurch wechseln 
ach je 38 Selunden etwa die Läufer. Am Sonnabend, dem 
8. Okt. vormittags gegen 8 Uhr, überbringt der 5542. Läufer 
en Köcher mit der Urkunde heim Denkmal in Leipzig. Der 
dauptlauf 2, vom Knivsberg über Apenrade, Flensburg, Schles 
dig, Edernförde. Kiel, Neumünster, Bramstedt, Altona. Ham— 
urg, Magdeburg, Leipzig mißt 633,6 km; 3120 Turner sind 
in diesem Lauf beteiligt. Zwei Nebenläufe münden bei Ham— 
urg und bei Dömitz in diesen Hauptlauf; eivwer von 
datekau wo Blücher 1806 kapitulierte, über 
übeck, und der andere von der Todesstätte Körners, Rosen⸗ 
urg bei Gadebusch, über Schwerin und Wöbbelin. Die Lauf— 
recke des Travegaues (Obmamn; Gauturnwart Zimmermann) 
ührt von der Blüchereiche über Schwartau, Lübeck, Hansfelde, 
dalkgtaben bei Reinfeld, Oldesloe, Bargteheide, Ahrensburg, 
Neiendorf an die Hamburg-Lauenburger Chaussee, wozu etwa 
270 Läufer nötig sein werden. Von einem dritten Nebenlauf, 
düppeler Schanzen-—Flensburg ist aus bestimmten Grumden 
Ibstand genommen worden. Wie groß und gewaltig das von 
»er Deutschen Turnerschaft geplante Werk ist, können auch 
olgende Zahlen dartun: »Alle Laufstrecken aneinandergereiht 
Aürden die Länge von 7315,9 km ergeben und 366 Stunden 
der reichlich 15 Tage und Nächte Laufzeit erfordern. Bei durch— 
chnittlich 200 m raufstrecke des einzelnen werden 37635 
Turner anireten. Nicht gerechnet sind hier die Stredenleiter, 
Ibmänmner, ärztlichen Begleiter, Bahnordner und Reseroeläufer. 
Die deuischen Turner im Auslande wetteifern mit der Seimat. 
luch sie wollen bei der Erinnerungsfeier des roßen Tages 
on Leipzig nicht fehlen. So werden von den Deutsch-Oester— 
eichern von Kulm bis Berggießhübel, von Dallwitz bis Idhann— 
zeorgenstadt, von den Belgiern vom Löwen von Waterloo bis 
zupen Cilboischaften gesandt, die von den Turnern des Stamm— 
andes von dex Grenze aus nach Leipzig gebracht werden. Auch 
enseits des Ozeons, aus Amerika, werden vom Kasitol in 
Vashington über Phisadelphia nach Newyork von den Deursch- 
merikanern Freudenbotschaften im Laufe überbracht, die douf 
em Dampfer der Hamburg-Amerika Linie bis Cuxhaoen und 
ön den deutschen Turnern nach Leipzig vermittelt werden. 
us dem Innern Brasiliens, wo die Eutfernungen wesentlich 
rößere und die Läufer nicht so zahlreich sind, wird aus Santa 
Narig da Bocca über Cachveira, Santa Cruz, Estrella, Sao 
zebastias. S. Jaodo, Montenegro, Neu-Hamburg, Sao Leo— 
ldo, Canogs, Vorto Alegre teils zu Pferde. teils im Lauf 
ine Botschaft übermittelt. So rüstet sich die Deutsche Tucner— 
chaft, ihrerseits den hohen vaterländischen Gedenktag echt 
urnerisch und würdig zu begehen. 
Deutscher Söngertag in Koburg. Die fünf Norddeut⸗ 
chen Sängerbünde: Niedersächsischer Sängerbund, Lübech Ver— 
inigte Männergesongvereine in Hamburg-Altona, Schleswig⸗ 
holsteinischer Sangerbund, Altong, Vereinigte Norddeutsche Lie— 
ertafeln, Nienburg a. d. Weser, Verband Niedersächsischer 
Nännergesangverein? von 1902, Hannover, hatten ihre Vor— 
itzenden am letzten Sonnabend zu einer Sißung nach Hamburg 
nisandt, um gemeinsam zu den schon erwähnten Anträgen des 
zesamtausschusses für den Deutschen Sängertag in Koburg 
im 20. Sept. Stellung zu nehmen. Die in fast, sstündiger 
Sitzung erfolgte gründliche Beratung ließ ein vosles Einver— 
tändnis darüber zutage treten, daß die vom Gesamtausschuß 
eantragte Erweiterung, seiner Rechte, sowohl in ven Verwelb 
ungs⸗, wie hesonders in den Sängerfestfragen zu großen Be— 
»enken Anlatz gebe und abgelehnt werden müsse. Es wurde he— 
ont, daß keine Feltstadt fich dazu hergehen könne, nur Pfrichten, 
ber keine Rechte zu hoben und daß es für die ganze Bedeutung 
er Deutschen Sängerbundesfeste, bei denen doch, je nachdem sie 
m Süden oder im Norden abgehalten werden. der Charakrer 
es betr. Reichsteiles in der Pflege des deutschen Liedes vor— 
igsweise zum Ausdruck kommen soll, eine Gefahr bedeuzen 
ürde, wollte man die musikalische Gestaltung in ein festes 
schema binden und nur der Anordnung des Gesamtausschusses 
uterstellen. Man hofft, daß für das Bestreben, diese Gefaͤhren 
bzuwenden, eine Mehrheit bei den Abgeordneten des Deut— 
hen Sängertages zu finden sein wird. Zu einer gemeinsamen 
Jussprache sollen seitens der vorgenannten Bünde al.? Ab— 
ordneten, zu einer, Vorversammlung am Freitag, 39. Sept., 
bends, T. Uhr eingeladen werden und wird dadurch eine wesent 
iche Abkürzung der umfangreichen Tagesordnung erwariet. 
Die Wasserwärme in den städtischen Badeansta'ten betrug 
am 10. Sept. im Krähenteich 18 Grad Cels. auf dem 
Falfendamm 171 Grad Cels. 
Lauenburg. 
MRatze burg, 11 Sept. Konfistorialrat, Ge 
eimer Kirchenrat Valentiner ist in einer Kimik in 
hannover, wö er Heilung von einem inneren Leiden luchte, nlẽtz⸗ 
ich verschieden. Valentiner wurde am 28. Jan. 1854 in eSru— 
alem als Sohn des dortigen Pastors geboren. Vom 11 Lebens⸗ 
ahre an wurde er in Deutschland erzogen. Er studierte in 
Leipzig, Etlangen und Kiel. Seit dem 3. Dez. 1911 war er 
zuperintendent des Kreises Lauenburg. — Ueber den Riht— 
chmaus heißt es in einem Rundschreiben der schleswig-holsteini— 
chen Baugenossenschaften, daß er möglichst abgeschafft werden 
nüßte. Es wäre sehr schön, wenn man es ähnlich machen könnte. 
vie es die Baugenossienschaft des Leipziger Mietevereins aus An— 
aß des Aufrichtens ihrer Wohnhäuser in Leipzig-Lindengu getan 
at, indem sie der Vereinigung zur Fürsorge für kranke AÄrbeiter 
u Leipzig 300 Mezuwendete — aber es läßt sich ja auch etwas 
inderes tun. Nur das Trinken alkoholischer Getränke soilte bei 
oschen Gelegenheiten strengstens unmöglich gemacht werden. 
Wenn die Baugenossenschaften so handeln, so geben sie ein 
obenswertes Veispiei. 
Großherrogtümer Medlenhaͤra. 
Netena 11. Sept. Männerturnverein. Das 
Zommerfest erbrachte einen Ueberschuß von etwa 200 M. Be— 
chlossen wurde, daß an dem am 14. Sept. d, J. in Lübeck 
tattftindenden Gauspieltag der Turnwart und dessen Anmann 
eilnehmen sollen, ferner am 28. Sept. eine Turnfahct noch 
dosenberg zum Körnerdenkmal zu unternehmen und abends nack 
der Rückkehr einen Familienabend mit Gesang und Vorträgen 
m Vereinslokal abhzuhalten 
Hor Solctmard einer Ttadt. 
Eine erschütternde Traghdie deren Opfer eine ganze pPlühende 
Stadt war, hat sich in diesen Tagen in Mazedonien abgespielt. 
die Bewohner von Melnik haben, um nicht Bulgaren zu werden 
vie es der Vertrag von Bukarest ihnen auferlegte, ihren 
Poknsitßz in Brand gesteckt und ihn dann verlassen, um in 
hri chenland, ihrem bisherigen Vaterland, Zuflucht zu suchen. 
er Korrespondent der Illustration Jean Leune teilt nähere 
zinzelheiten mit über diesen herrlichen Fleck Erde, der num 
urch einen Akt heroischer Selbstverwüstung zu einem öden 
Trümmerhaufen geworden ist. Die alte, schöne und reiche 
zriechenstadt, deren Gründung bis in die Tage von Byzanz 
urücktreicht hatte durch die fruchthare Spende ihres Bodens 
inen besonderen Segen erhalten. Ein berühmter Wein gedieh 
rier und machte das Leben den Bewohnern der Stadt leicht 
ind angenehm. Es gab keine Armen in Melnik. Die Legend 
xzählt, daß. bevor die Stadt entstand. hier eine entzücend« 
Zrinzessin lebte, von Barbaren gefangen gehalten. Sie starb 
rus Kummer, und die Erde, die die reizende Tote bedegte, 
rhielt dadurch geheime Kräfte, die lebendig wurden in dem 
üken Teuer und dem schweren Duft der emnorwachsenden 
deben. An dem steilen Gestade. durch das ein reißender 
Strom sich Bahn bricht. entstand dann in byzantinischer Zei 
ine jener zahlreichen Festungen. die die Kaiser von Byzanz 
rrichteten. um das Land gegen die Einfälle der hulgaorischen 
dorden zu schützen. 
Die Rutinen ragten als ein Wahrzeichen über die Stadt. 
ie sich zu Füßen der Felsen immer blühender und glüclicher 
utfaltete Melnik wurde damals ein Verbannungsort für die 
vrotzwürdenträger, die sich den Unwillen der byzantinischen 
derrscher zugezogen hatten. Jeder von ihnen haute sich ein 
nächtiges Haus und für seinen persönlichen Gebrauch eine 
Zapelle. 48 dieser alten Gotteshäuser standen noch, und die 
3000 bis 4000 Einwohner waren stolz auf diese Denkmäler 
iner großen Vergangenheit. bewahrten mit frommer Andacht 
ahireichee sehr wertvolle Kirchenschätze; goldene Krusifize,. 
ilberne Weihbeden und herrlich gestidte Kirchengewänder. Im 
ßestein liegen viele von Reben übersponnene Höhlen; Galerien 
ührten über diese Grotten, und all das gab der Stadt 
inen malerischen. unvergeßlichen Zauber, eine Stimmung, ge— 
voben aus dem Glanz altbyzantinischer Herrlichkeit und frucht⸗ 
arer, Lebensfülle der Gegenwart. 
Und dies liebliche Juwel ist nun vernichtet. Wo die 
achende alte Stadt lag. da gibht es nur noch Asche und ge— 
chwärzte Ruinen. So sehr die Einwohner 20n Melnik an 
em, alücklichen Fleck Erde hingen, in dem ihre Väter und 
ßroßväter den ewigen Schlaf schlafen, sie fühlten sich doch 
or allem als Griechen und wollten keine Bulgaren werden. 
Zo, opferten sie denn ihrer Vaterlandsliebe alles, was ihnen 
onst noch heilig und teuer war. In gemeinsamem Entichluß 
amen sie zu der Ueberzeugung, ihre Stadt verlassen zu müssen. 
dachdem sie das Beste ihrer Habe zusammengepackt hatten, 
ührsen die Männer ihre weinenden Frauen und Kinder aus 
den Häusern. Mit zitternden Händen zerschlugen sie die großen 
Fässer. aus denen das Rebenblut in Strömen floß und die 
Erde wieder trank. der es entsprossen; sie gaben io gleichsam 
em Lande die Seele wieder, die sie so lange erfreut und be— 
Jüdt. Dann zerstörten sie die Weinberge, rissen die einzelnen 
Ztöde heraus und verwüsteten die Felder. Und danach segten 
ie selbst den Brand an die Stadt, die fie geboren und die 
hre Toten barg. Sie schürten die Flammen, und blickten 
von den Höhen. quf die sie sich vereiniat aus dem Flammen— 
neer gerettet, mit zerrissenem Herzen hernieder in das lohende 
Feuer, das ihr teures Melnit in seinem blühenden Grabe 
vegrub. Dann zogen sie fort mit dem Wenigen, was ihnen 
eblieben. arm und stolz einer ungewissen Zukunft, aber zu— 
Aleich auch dem geliebten Voterlande eitgegen — 
o. „Cines“⸗Hanatheater. Vom Direktionsbureau werden 
vir erfucht, darauf aufmerksam zu machen, daß das mit durch⸗ 
chlagendem Erfolg gegebene zweite Wochenprogramim nur mehr 
eute abend gegeben werden kgain. — Stand dieses Programm 
chon zum größten Teil im Zeichen des Humors, id hat die 
direktion dafür gesorat, daßz bei dem morgen, Freilag, staltf 
indenden Programmwechsel durchmegs hochlom'ische Varietöntite 
ur Vorführung gelangen. Es sind besonders hervo uheben: 
Aloms und Vage, Melangeakt), OBriens Bros (Humnfty⸗ 
Zumpsty. Humozistische Turn fünstler), Emerson und Baidwin 
ameril. Variets-Komsdianten). Als ganz besondere Aftraflion 
nachen wir auf, die The Australian Me. Leauns Wirdeltanzer) 
aufmerlsam welche Nummer Ueberraschungen bietet, wie sie auf 
dem Kontinent noch nicht gesehen wurden. 
b. Deffentliche Trinkerfürsorgestelle Lübel Pacade 1). 
Nächste Sprechstunde am Freitag, 12. d. M. abends 627 Ußtr. 
Schleswig⸗Holst ein. 
Kiel, 12. Sepr. Tödlicher Unglädsfall. Der 
Formerlehrling Christian Hansen ist auf der Germaniawerft töd— 
ich verunglückt. Ein Gußeisenblock von 2000 Kilogramm Gewicht 
olstte ron mehreren Arbeitern zerschlagen werden. Aus einem 
Umstand. der noch qufmiktaren ik, fies der schwere Block um und 
tschlug den jungen Sansen. — Tot aufgefunden. In einem 
vinterhause der Kebdenstraße wurde Tienstag mittag die etu
	        
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