Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Der Kampf um Envber Bei. 
Wien, 8. Sept. Ueber die Ursache der blutigen Vorfälle im 
urkischen Hauptquartier in Adrianopel wird aus Sofid ge— 
neldet: Am ersten Beiramfeste befanden sich der Kriegsminister, 
er Generallissimus Izzet Pascha, die Generale Abuk Pascha, 
zurschit Pascha und andere höhere Offiziere in einem Saale 
»es Konaks, um die Beiram-Wünsche des Offizierkorps 
ntgegenzunehmen. Auch Enver Bei erschien und gratulierte 
illen mit Ausnahme von Abuk Pascha. Hurschit Pascha 
zersuchte, die beiden Gegner unter Hinweis auf die religiösen 
Borschriften des Beiramfestes zu versöhnen und wollte Enver 
Zei zu Abuk Pascha führen. Enver Bei sträubte sich, worauf 
Ibuk Pascha ausrief: „Laß den Purscht! Von einem Ver— 
recher brauche ich keinen Glückwunsch!“ Enver Bei antwortete 
nähnlichem Tone mit dem Schimpfworte: „Pesaveng!“ Dar— 
uuf sprang Abuk Pascha auf, zog seinen Revolver und feuerte 
hn auf Enver Bei ab, der am Arm verwundet wurde. Ver 
ßorfall wurde sofort nach Konstantinopel telegraphiert, worauf 
zie Regierueng befahl, Abuk Pascha den Säbel abzufordern 
ind ihn zu verhaften. Als die Offiziere der Komiteepartei zur 
Ausführung dieses Befehls bei Abuk Vascha erschienen. wider— 
etzten sich die Offiziere seines Regiments der Verhaftung. Es 
itspann sich ein wütender Kampf mit Säbeln und Revolvern, 
n dessen Verlaufe 5 Offiziere getötet und 20 ver— 
vundet wurden. General Abuk Pascha zählte zu den 
ifrigsten Anhängern des früheren Kriegsministers Nasim 
Pascha, bei dessen Ermordung Enver Bei eine hervorragende 
Rolle spielte. 
* 2 
Deutsches Reich. 
DT. Streik⸗Ende auf den Anterweserwerften. Nachdem 
gestern früh auch die bis zuletzt zögernden Kupferschmiede die 
Arbeit wieder aufgenommen haben, ist der Werftarbeiterstreik in 
den Unterwejerwerften als beendet anzusehen. Es haben sich 
nunmehr sämtliche Arheiterkategorien bei den Arbeitsnachweisen 
gemeldet. 
DT. Die Osimarkenzulage. Wie die Braunschweigische Lan⸗ 
deszeitung erfährt, liegt ein Beschluß der Reichsregierung über 
oie Ostmarkenzulagen, die im Reichsetat für 1914 vorgesehen 
sind, noch nicht vor, da der Reichsetat das Reichsschötzamt über— 
haupt noch nicht verlassen hat. Dagegen hat das Rachspostamt 
in seinem dem Reichsschatzamt zugestellten Ressortetat die Ost⸗ 
markenzulagen wieder, wie in den Voriahren, eingeltellt. 
DT. Stifliung für den Reichsverband der deutschen Presse. 
Die städtischen Behörden von Kolberg beschlossen gestern mit 
zroßer Mehrheit, dem Reichsverband der deutschen Presse einen 
Bauplatz für ein Erhonmngsheim kostenlos zur Verfügung zu 
tellen. 
ausand. 
Norwegen. 
ODT. Ein Mißariff. Wie der Kapitän des gestern in Gegste— 
nünde eingetrofsenen Dampfers „Karoline Köhne“ dem Ver— 
reter des Deuischen Telearanhen mitfeilt hat der Dampier sechs 
Seemeilen von der Küste entfernt gefischt, also in ernem Ge— 
ziete, in dem er sich nicht gegen das Fischereigesetz hatte ver⸗ 
zehen können. Die norwegischen Beamten seien widerrechtlich 
in Bord des Dampfers gekommen. Die recht starke Sprache des 
rorwegischen Ministers erscheint um so unangebrachter. 
Amerila. 
Der Stagatslekretör im Varieté. Die Vereinigten Stgaten 
tehen laut Drabtberichten vollständig unter dem Eindeud der 
bsicht des Sltaatssekretärs der auswärtigen — 
zryan, zur Erhöhung seiner Einnahmen an zwölf Abenden in 
inem Variets als, Redner aufzutreten. Ernsthafte pontische 
reise der Union sollen, wie berichtet wird, den Entschluß Bryans 
rufs schärffte, verurseilen. Wenn in der nordamerikanischen 
demokatie ein“ derartiges Urteil gefällt wird, und weng die 
Abficht Bryans allgemeine Sensation erregt, dann exieidet da⸗ 
»urch die Sozialdemokratie mit ihrer Neigung, jede Arbeit für 
gleichwertig zu erklären, eine empfindliche Niederlage. Will 
oer Staatssekresär Bryan wirklich durch Auftreten ijm Varieté 
nur zu feinem eigenen Vorteil Geld machen? Sollte er nicht 
am Ende von dem Gedanken geleitet sein, die verhältaismäßig 
ehr geringe Bezahlung der hüchsten Beamten der Vetetnigten 
Staaten ad absurdum zu führen?, Die Wahrscheinlichkeit spricht 
ür letzteres. Doch wie dem auch sei: die Eigenschaft dee Demo⸗ 
fratie, sich mitiels wirklicher oder scheinbarer Wohlfeilheit ihrer 
Verwaltung volksbeliebht zu machen, erfährt durch Beyans, Vor—⸗ 
haben eine charakfleristische Beleuchtund bD t 
2*24 
Taaesben. 
Läbeck, 9. September. 
F Aus dem Mansvergelände. Der kommandierende Gene— 
al des 9. Armeekorps Generalleutnant v. Quast und der 
Chef des Stabes, Oberst v. Stolzmann, wohnten am 
Montag dem Manöver der 81. Inf.Brig. (Regimenter 
dübeck und Neumümster) bei, die in der Umgegend von Zurow 
tattfanden. Die Führung hatten Oberstleutnant Willich vom 
Inf.“Regt. 163 in Neumünster und Oberstleutnant v. d. Schulen⸗ 
zurg, Drag.Regt. 183. Am Montag und Dienstag nächster 
Woche wird der kommandierende General des 9. Armeekorps 
»em Manöver der 17. Division beiwohnen, das in der Gegend 
»on Granzin und Friedrichsruhe i. M. abgehalten wird. 
SVom Regiment Lübed. Durch Regimentsbefehl wurde 
bekanntgegeben, daß den Einjährig-Freiwillig-Gefreiten Böshm⸗ 
ker, Hannemann und Leisau sowie den Gefreiten 
Kähler, Ketelhohn, Lähr, Scheel und Thomsen, 
die anläbßlich des Besuches des Kaisers in Lübeck am 10. Aug. 
d. J. Ehrenposten standen, vom Kaiser die Kronenorden-Me— 
daille verliehen worden ist. — Zu dem am 1. Okt. d. J. 
zei der Militärturnanstalt in Berlin beginnenden Lehrkursus ist 
1. a. Leutnant von Oertzen vom Reaiment Lübeck 
Vmmandiert. 
Ein Autoomnibusverlehr Lübedc —Nufse soll. wie schon 
nitgeteilt, vom 1. Okt. d. J. ab probeweise eingerichtet werden. 
ks sind dafür einige der im Harz verkehrenden Kraftwagen ge⸗— 
nietet worden. Zur Durchführung des Versuches ist eine Sicher⸗ 
zjeitsleistung von 7200 Meäerforderlich, zu der bereits eine Reihe 
an dem Zustandekommen der Verlehrslinie interefssierter Ge— 
meinden sowie Privatpersonen namhafte Beiträge gezeichnet 
haben. Zugleich soll auch von Mölln aus versuchswe:se ein 
Autoomnibus über Nusse nach Sandesneben verkehren, welch 
letzteren Ort auch die Wagen von Lübedck berühren werden. Wie 
vir hören, findet am Donnerstag in Sandesneben eine Ver— 
ammlung der Vertreter aller an diesen Verkehrsverbindungen 
interessierten Gemeinden statt. um über die Durchführund 
der Projelte zu beschließen. 
Sandelssakwerständiger in Newnork. Nach einer der 
zandelskammer zugegangenen amtlichen Mitteilung ist der zurzeit 
n Worcester, Mass. wohnhafte Kausmann Ferdinand A. Geds 
nit Wirkung vom 1. Sept. 1913 dem Kaiserlichen Generalkonsu— 
at in Newyork als zweiter Handelssadwerständiger zugeteilt 
vorden. 
Vom Arbeitsna biwes des Arbeitgeber⸗Verbandes fũr das 
zaugewerbe zu Lübeck konnte im Monat August d. J. 168 
zersonen Arbeit nachgewiesen werden. Die in Arbeit gestellten 
zersonen setzten sich aus folgenden Altersklassen zusammen: 
zou unter 21 Jahren waren es 15 Personen, von 21-30 
zahren 47 Personen, von 31-40 Jahren 41 Personen, von 
1-50 Jahren 33 Versonen, von 51-60 Jahren 28 Personen 
und von 61-270 Jahren waren es 4 Personen. Sierunter 
zzaren 24 Fremde, alle übrigen Eingestellten wohnten schon 
ingere Zeit in Lübeck oder in dessen nächster Umgegend. Ge— 
neldet hatten sich 341 Personen, Maurer, Zimmerer und Bau⸗ 
rheiter. Außerdem sprachen noch 276 Vassanten beim Ar—⸗ 
eitsnachweis vor. 
o- Diebstähle. In der Nacht zum 7. d. M. sind in Genin 
ius einer Knechtekammer folgende Sachen gestohlen worden: 
gebrauchte Manchesterhosen, 3 gebrauchte dunkelbraune Ar⸗ 
eitsshosen. 1 biauer Feuerwehrrock, 1 braungestreifte Weste, 
dunkelbraunes Jackett, 1 Paar fast neue halblange Schaft- 
iefel und 1 Paar gebrauchte Schnürschuhe. —. In der Zeit 
wischen dem 31. v. M. und dem 5. d. M. sind aus einer 
jabrik in Siems 90 mschwarzgestrichener, 5 min itarker Kupfer⸗ 
raht gestohlen worden. 
o0- Einbruchsdiebstahl. Aus einem Hause der ansgetraßze 
nd in der Zeit vom 4. zum 5. d. M. mittels Einbruchs ge—⸗ 
tohlen worden: 1 goldene Damen-Remontoiruhr (das Gias 
at einen Riß), 1 lange, Golddublee-Halskette, 1 goldenes 
Nedaillon, 1goldene Kinderhalskette, 1 goldene Broccche, 
Jubiläumsbrosche (2-Markstück), 1 mattgoldenes Armband. 
asldene Halslette mit Herz als Anhängsel, 1 goldener Siegel⸗— 
ing mit grünem Stein, 1Paar goldene Ohrringe mit Wachs— 
zerlen. 1 Kleiderbürste ufnsh ä Kiste Ziogrren 
neueste Nachrichten und Telegramme 
der „L. Ass und „L. Z. 
Eine Spieltölle in Allona aufgehoben. 
W. Altona, 9. Sept. Gestern abend 10 Uhr wurde 
ier eine Spielhölle großen Stils durch die Po— 
izei ausgenommen. Es handelt sich um ein bekanntes 
lutomatenrestaurant in der Großen Bergstraße, das bereits 
eit acht Tagen von der Polizei beobachtet wurde. Insgesamt 
»urden 28 Personen verhaftet. Die drei Bankhalter, ein 
neisender, der der Polizei bereits als Buchmacher bekannt ist, 
ind awei Kellner wurden in Haft behalten. 
Luftfahrt. 
M. Johannisthal, 9. Sept. Ter Fokkerpilot Ringer, 
er heute morgen 6 Uhr 29 Min. aufgestiegen war, um sich 
m die Prämie der Nationalflugspende zu bewerben, stür zte 
mis Uhr 38 Min. in der Gegend von Rudow am Teltowkanal 
ius zweihundert Meier Höhe ab. Ringer ist tot. Ter Appa— 
at ist vollständig zertrümmert. 
W. Wanne, 9. Sept. Der Flieger Semge von den 
lristoplanwerken in Wanne, der gestern, von Wanne kommend, 
zei Gelsenkirchen-Bismarck eine Notlandung vornahm, flog um 
Uhr 20 Min. von Bismarch nach Verden ab. Bei Greven— 
rnich stürzte er aus unbekannter Ursache ab und war sofort tot. 
Verzweiflungstat. 
Lemberg, . Sept. Aus dent Dorfe Woroclau wird ge— 
reldet, daß die Lehrerin Elsa Misiak ihren sjährigen Knaben, 
hre 2jährige Tochter und dann sech selbst erhängte. Ihr Mann 
atte sich wegen Spionageverdacht aus Russisch-Volen nach Ga— 
izien geflüchtet und in Lemberg eine Anstellung als Schaffner 
ei der Straßenbahn gefunden. Aus Verzwoiflung darüber, 
aß er vor einigen Tagen wieder entlassen wurde, beging die 
debrerin die entsetzliche Tot 
Ein Mädchenhändlerkongreß. 
Petersbutg, 9. Sept. Im russischen Westgebiet findet in 
er Nähe don Warschau bei den Bahnstationen Rokizina und 
zaby eine Art Kongreß amerikanischer Mädchenhändler statt, die 
h diese kleinen Bahnstationen aus dem Grunde ousgesucht 
aben, weil sie sich dort den Augen der Polizei besser entziehen 
znnen. Es sind alles Engroshändler, die über Hanburg 
ach Rußland gekommen sind und auch wieder über Hamburg 
ach Brasilien zurückkehren. Bisher haben diese Händler 26 
Nädchen im Alter von 14 bis 20 Jahren aufgekauft und nach 
dokizina gebracht. Es werden nur hübsche, kräftige Mädchen ge— 
auft, für die mon ie nach Haarfarbe und Wuchs 50 bis 1000 
»ubel zahlt. Einer der Agenten der Mädchenhändler, der 
indig in Lodz lebt, hat seine junge Schwägerin für 1950 
ubel verlauft. Die erste Vartie dieser unglüdlichen Geschönfe 
at Rußland bereits verlassen und ist nach Hamburg gebracht 
»orden, wo sie das Eintreffen ihres Patrons erwäerten, der 
och weitere fünfzig Opfer aufkaufen will, die für Konstan— 
nopel beste mint sind. Unter den Opfern dieser Mädchenhändler 
iegt das weniq gebildete Element der kleinen Pußmachetinnen, 
ienstmädchen, Bauernmädchen vor, doch sind guch einzeine 
zonnen und Lehretinnen unter den nach Hamburg abgee 
angenen 26 Opfern. Ihr Transyport über die russische Grenze 
at den Mädchenkändlern eine große Summe gekostet, ein trau⸗ 
iger Veweis “ür die Bestechlichkeit mancher russischen Poliziiten. 
lle Angaben über den Mädchenhandel stammen nach dem B. T. 
on zwei verha teten Agenten,. von denen der eine, ein gewisser 
elber, gegen eine Kaution, von 8000 Rubeln freigciaffen wocden 
t. während, man den anderen wohl zur gerichtlichen Verank— 
»ortung ziehen wird. do man kei m eu viols holastendes 
saterial vorsand. 
Köniag Konftantins Rede und die Pariser Vresse. 
DT. Paris. 9 Sept. Die Ansprachen, die Kaiser Wilhelm 
ind König Konstantin bei Ueberreichung des Marschalsstabes ge— 
echselt haben, werden von der hiesigen Morgenpresse lebhäft 
ind natürlich recht böse kommenliert. König Konstantin hat 
en unverzeihlichen Fehler hegangen, als er, von, den Erforgen 
einer Armee sprach, nicht der unvergleichlichen“ framösishen 
ehrer zu gedenken Diesen Mißgriff wird man ihm hier nie- 
nals verzeiben. Am mildeften ist diesmal der Marm, 
er sagt? „Die Frage ist sehr interessant, ob der König von 
zriechenland bei seinen Unterhaltungen mit dem Vrisidenten 
»er Republik wiederholen wird, daß die griechische Armee ihren 
dieg der vreußischen Taktik verdanke und daß die arie— 
zjifchen Truppen dank dem Deutschen Kaiser v aglan— 
ende Exfolge davongetragen haben, diefelben griechischen 
ruppen, hei denen Frankreich seit Jahren eine Milarmission 
ehen, hat.“ Bedeutend, schärfer, äußert, sich die Ackign. ESie 
rklärt die Art und Wejse, wie in den Reden beider Serrscher 
ie Wabrheit perschieiert wird, als eine Schamlosigteit, 
ie fogat auf deutscher Erde überraschen müusse. 
önig. Konstantin wird des schärfsten Undanks gegenüber der 
ranzösischen Rerublit beschuldigt. Aehnlich äukern tich auch 
zaulois und, Figero, 
DT. Paris. 9. Sept. Der König von Griechenland hat 
em französischen Ministerium des Aeußern mitgeteilt, daß er 
m 21. Sent. nach Paris kommen werde. um dem Präf'dnten 
zoincaré esnen Besuch abzustatten. Voincarés hat erwidert, 
aß er glücklich wäre, den König empfangen zu öznnen. Der 
Zesuch des Hellenenkönigs wird in bo gniso sigttfinden. 
gesuch des Sellenkßngs wird inkognito stattfinden. 
Die revolutivnãäre Vewegung in Portugal. 
DT. Madrid, 9. Sept. Alle Bemuhungen der portugiesischen 
egierung, das Wiederaufleben der Revolution kotzuschweigen 
der fort zu dementieren, helfen nicht mehr. Develschen aus 
zadafoz müssen heute zugeben, daß die Polizei ein neues 
oyalistisches Komplott aufgedeckt hat. Man hat wieder Bom— 
en gefunden und zahlreiche Verschwsrer verhaftet. Zu alle— 
em sind zwischen der portugiesischen Regieruna. der demschen 
und der englischen Gesandtschaft in Lissabon dipiomatische 
zchwierigkeiten entstanden. Angeblich haben die Gesandtschaften 
zeschenke zur Hochzeit des Königs Manuelh nachh Sigmaringen an— 
jeboten und andererseits Geschenke Dom Manuels angenommen 
Der Durchstich bei Culebra. 
DT. Newnork, 9. Sept. Der Durchstich des Panoma— 
anals bei Culebra ist beendet. Die letzten Aus 
rabungen werden soeben vorgenommen. Am Dienstag 
vird mit der Wassereinlassung begonnen. 
DT. Newyort, 9. Sept. Tie Eröffnung des Panamakanals 
vird eine neue Verzögerung erleiden. Beim Sprengen des 
etzten Dammes gegenüber dem Stillen Ozean hat sich ergeben, 
aß der Schleusendurchlaß von Miraflores undicht ist. Die 
steporaturarbeiten werden mehrere Wochen in Anspruch nehmen. 
Vom Ballan. 
M. Paris, 9. Sept. Wie der bulgarische Bevollmächtigte 
n Konstantinopel dem Korrespondenten des Echo de VParis er— 
lärte, sollen die Verhandlangen in Konstantinopel 
ich auf zwei Punkte beschränken, die Absteckung der 
ürkisch-bulgarischen Grenze und den Austcusch der Kriegsgefan 
enen. Man werde sich streng an dieses Programm halten und 
ede Erörterung anderer Fragen ablehnen. Die Frage der Ueber⸗ 
mahme oder Nichtübernahme eines Teiles der türkischen Staats 
huld durch Bulgarien gehöre lediglich zu dem Programm der 
ächstens wieder zusammentretenden internationalen Finanzkon— 
erenz. Ueber die Frage eines türkisch-bulgarischen Handels— 
ertrages werde nach der vollständigen Herstellung des Frie— 
„ens von den bulgarischen Gesandten bei der Pforte mit dem 
Minister des Aeußern der Türkei verhandelt werden. 
* rn 
M. Berlin, 9. Sept. In der gestrigen Sitzung der 
zchöneberger Stadtverordnetenversammsung wurde ein sozial— 
emokratischer Antrag angenommen, in welchern der Magistraf 
rsucht wird, die zur GEin dämmung, der Arbeitslosig— 
eit bereits beschlossenen, aber noch nicht zur Ausführung 
elangten Arbeiten jetzt beginnen zu lassen. Gleichzeitig wurde 
in ebenfalls sozialdemokratischer Zusatzantrag angenommen, den 
Ragistrat zu ersuchen, guf der Konferenz der Groß-Berliner 
zemeinden am nächsten, Sonnabend für eine Obligatorische 
rbeitslosenversicherung für, das Reich, sowie 
ur die Schaffung einheitlicher Arbeitsnachweise für Groß-Berlin 
inzutreten. 
DT. Berlin, 9. Sept. Sonntag abend ist der Geh. Bau— 
at Dr.-Ing. h. c. Heino Schmieden, Mitgalied der Aka— 
demie der Künste, gestorben. 
DT. Dresden, 9. Sept. Die Gerüchte über eine ernste 
ßerstimmung zwischen dem König und dem Gene— 
aldirektor der Dresdener Hoftheater, Gra— 
en Seebach, wollen nicht verstummen. In weltesten Krei— 
en erzählt man sich, daß der König den Grafen Seebach und den 
Iberbürgermeister Dr. Beutler und die übrigen betei— 
igten Personen am Sonnabend vormittag mit der unangenehmer 
Latsache überraschte, daß er nicht, wie vorher festgesetzt, zu 
Besichtigung des Neuen Königlichen Schauspielhauses erschiene 
ind stalt dessen einen Ministerrat einberief. So fand denn 
ine Besichtigung ohne Se. Majiestät statt. Ja, der König soll 
n ärgerlicher Stimmung versichert haben, daß er nicht zu 
er am 16. September festgesetzten Eröffnungsvoctste'lTung de—s 
seuen Königlichen Schauspielhauses erscheinen will. Nur auf 
ehr dringendes Bitten habe er iich dazu verstanden, wenigstens 
och um 9 Uhr zu der Vorstellung zu kommen. Das bedeutet 
iatürlich einen Affront gegenüber dem Grafen Seebach und 
»en übrigen Beteiligten. Der Grund für diese Verstimmung 
»es Königs ist nicht bekannt, doch nimmt man als sicher an, 
»aß sie gegen den Grafen Seebach gerichtet ist, ja, man be— 
ürchtet sogar, daß der Nüdttritt des Grafen Seebach in aller— 
nächster Zeit bevorsteht. 
. W, Peking. 9. Sept, (Meldung des Reuterschen Bureaus.) 
die chinesische Regierung ist sehr beunruhigt wegen der 
ßewegung, die in Japan anläßlich der Ermordung von 
rei, Japanern während der Kämpfe in Nanking einsetzte. Die 
regierung wies, von dem Wunsche geleitet, jeden entstandenen 
cchgden wieder gut zu machen, den chinesischen Geschäftsträget 
n Tokio an, dem japanischen Auswärtigen Amt das Bedauern 
uszudrücken. Ebenso erhielt der jüngst ernannte chinesische 
hetandte in Tokio Befehl, nach Nanking zu gehen, um die 
Intersuchung zu leiten. Während so alle Anstrengungen ge— 
nacht werden, um Japan zu versöhnen, neigt man in Peking 
n den Kreisen der Fremden zu der Ansicht, daß die japanische 
zewegung, etwas maßlos ist. In Tokio dauerten die gegen 
ie Chinesen gerichteten Ausschreitungen auch vormittags an, 
hne aber zu ernsten Folgen zu führen. Drei Mitglieder des 
nilitärischen Rats sind zur Unterredung mit dem Kaiser nach 
dikko berufen worden. Einer Abordnung der Politiker teilte 
er Ministerpräsident mit. daß die Regierung nicht beabsichtige, zu 
nobirisieren, daß sie aber die chinesischen Fragen mit Festig⸗— 
eit behandeln werde. 
* — 
W. Berliu, 9. Sept. Der erfolgreichste deutsche 
Drainer dieses Jahres Hnland. ist gestern an einem 
herzichlag gestorben. 
W Ratheuow, 9. Sept. Im Kreise Westhavelland nimmt 
sie Tollwutepidem,ite, unter den Hunden einen bedeuten— 
en Umfang an. Bis jetzt sind zehn von der Tollwut befallene 
Zunde getötet worden. Gebissen worden ist disher nur ein 
Besitzet, der zur Behandlung nach Berlin gebracht wurde. 
DT. Petersburg, 9. Seyt. Das russische Ostsee— 
neschwader, das, wie bekannt, englische und französische 
häfen aufsuchen soll, tritt, wie die Blätter melden, unter 
»em Oberbefehl des Admirals von Essen bereits heute die Aus— 
eise an. An der Fahrt nehmen im ganzen drei große Kreuzer, 
ier geschützte Kreuzer, vier Torpedoboote und ein Transvort- 
chiff teil. 
Paris, 9. Sept. Der Flieger Hermann Reichelt, der 
S„onntag mittag 1,26 Uhr in Johamnisthal aufgestiegen war, 
st gestern nachmittag gegen 1 Ahr über Paris gesich— 
et worden und hat seinen Flug in südwestlicher Rich— 
ung fortgesetzt. Anscheinend will Reichelt nach Biar-— 
ritz weiterfliegen, ohne in Paris zu landen. 
DT. Livervool,9. Sept. Derenglische Küstenschiff— 
ahrtsdienst hat eine beträchtlich Konsolidierung 
urch die Verschmelzung der drei alten Liverpooler Reedereien, 
»er John Bacon, der Hough⸗Line und der Fowell-Line 
rfahren. Die vereinigten Reedereien werden einen ausge— 
»ehnten Dampferdienst sowohl sjür Passagier- wie für Fracht— 
erkehr von Liverpool nach den Sfen der Süde und Woiffüsto 
nterhalten. 
WSonguyon, 9. Sept. (Meldung der Agence Hapvas.) 
Ils gestern abend in Homécourt ein Gendarm einen Mann 
estnehmen wollte. der ihn angegriffen hatte, wurde er von 
Maãnmmnern umringt, die ihn schlugen und den Gefange⸗ 
ren zu befreien suchten. Der Gendarm zog seinen Re— 
wert und verwundete einen der Angreifer, den Deut⸗ 
chen Mohr, ernstlich an der Kehle. Ein Gendarmerie— 
oachtmeister karn dem bedrängten Beamten zu Hilfe und ver— 
aftete einen Angreifer. ebenfalls einen Douischen. 
V. Newyort. 9. Sept. In den letzten, Tagen wurden 
Leile einer Frauenleiche aus dem Hudsonriver ge— 
ischt. Da, der Kopf und die Beine noch nicht gefunden sind, 
jt die Feststellung der Persönlichkeit noch nicht möglich. Es 
eht aber bereits fest, daß an der Ermordeten, die vermut⸗ 
ich den besten Ständen angehörte, ein verbotener Einagariff 
HOragenommen wurde
	        
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