Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Ausgabe A. 
Tagesbericht. 
Lübeck, 9. September. 
76 Ersolgreiche Lübecher Jacht. Wie auf den ersten vier 
Regatten der Berliner Herbst-Segelwoche, setzt auch üuf den 
plgenden Wettfahrten die nationale Jolle „Phas ver“ des 
Herrn Kunstmalers E. Potente, Stadtteil Travemüunde, 
ihren Siegeslauf fort. Am Freitag, dem 5. Sept., gewann 
„Ahasver“ auf der Regatta aus der Havel (Wannsee) gegen 
„Stipper IX(2. Preis) einen ersten Vreis, welch letztere 
Jolle eine Sekunde später als die Siegerin durchs Ziel 
ging. — Auf der 6. Wettfahrt am Sonnabend, 6. Sept., er⸗ 
egelte sich „Jhas ver“ unter 10 Konfurrenten, unter denen 
ich mit „Ahasver“ fünf auf der Bootswerft von Schlichting in 
Travemünde erbaute Jollen befinden, einen zweiten Preis. 
Auf der 7. Wettfahrt am Sonntag, 7. Sept., wurde dieser 
Lübecker Jolle wieder ein erster Preis unter diesmal 12 Kon— 
kurrenten zuteil. — „Ahasver“ hat also auf allen bisherigen 
Regatten der Berliner Herbst-Segelwoche jedesmal einen Preis, 
darunter vier erste, erhalten, gewiß ebenso ehrenvoll für der 
Herrensegler wie für die Schlichtingsche Bootswerft in Trave⸗ 
münde. 
In die Standesregifter des Standes amtsbezirls Lübeck 1 
wurden vom 31. Aug. bis 6. Sept. 1913 eingetragen: 33 Ge⸗ 
burten (15 Knaben und 18 Mädchen), 24 Aufgebote, 6 Ehe⸗— 
schließungen und 24 Sterbefälle, darunter 6 Kinder unter 
ß8 Jahren. 
SEine falsche Marmierung der Feuerwehr erfolate gestern 
nachmittag von der Friedenstraße aus. Leider ist es bisher nicht 
gelungen, den Verüber dieses großen Unfugs zu ermitteln. 
Ferienstrafkammer. Sitzung vom 6. Sept. Wegen 
Betruges im Rücdkfalle hat sich der Reifende Ernst Go. 
aus Camenz zu verantworten. Wegen Betruges ist Go. mit 
b Wochen und mit 3 Wochen Gesängnis vorbestraft. Die letzte 
Strafe verbühte er bis zum 23. Juli d. J. Am 28. Juli er⸗ 
schien der Angeklagte bei dem Fahrradhändler Störzner, stellte 
sich als Oberwärter einer Anstalt bei Hamburg vor und bat 
um leihweise Ueberlassung eines Fahrrades; er wolle in Grönau 
Verwandte besuchen und werde das Rad am Abend zurück— 
bringen. Störzner lieh ihm ein Rad im Werte von 60 M. 
Der Angeklagte verkaufte das Rad für 20 Meund verbrachte 
das Geld mn hiesigen Wirtschaften. Am 209. Juli erschien der 
Angeklagte im Eisenwarengeschäft des Kaufmanns Koosmann 
und forderte im angeblichen Auftrage und für Rechnung des 
Friseurs Ri. einen Wäschekorb, eine Hackmaschine und eine Wäsche— 
leine im Gesamtwerte von 12 M. Er erhielt die Sachen auf 
Kredit ausgeliefert und verkaufte sie im eigenen Nutzen. Unter 
ähnlichen Angaben wie bei Störzner erschwindelte der Angeklagte 
sich am 30. Juli im Geschäft des Fahrradhändlers Jönsson ein 
Fahrrad im Werte von 100 Muund am solgenden Tage im 
Beschäft des Fahrradhändlers Bönning ebenfalls ein Fahrrad. 
Ersteres verkaufte er, letzteres wurde noch bei ihm gefunden, 
als er verhaftet wurde. Am 1. August erschien der Ange— 
clagte bei dem Fahrradhändler Fedder, stellte sich als Reifender 
einer Hamburger Firma vor und wünschte ein Rad zu kaufen. 
Es kam zwischen ihm und Fedder ein Vertrag dahin zustande, 
datß letzterer am Vormittage des 3. August ein Rad zum 
Preise von 115 Miliefern sollte. Weil ihm angeblich von dem 
vielen Gehen seine Beine schmerzten, lieh er sich von Fedder 
bis zur Lieserung des gekauften Rades ein Rad im Werte von 
12 M. Dieses Rad verkauste er sofort für 8 M. In allen 
Fällen ist es dem Angeklagten von vornherein nur darum zu 
tun gewesen, fich Sachen zu verschaffen und diese im eigenen 
Nutzen zu verkaufen. Das Urteil lautet dem Antrage des 
Staatsanwalts entsprechend auf 1 Jahr Gefängris. — Wegen 
Konkursvergehens ist der Kaufmann Fritz Jü. von 
hier angeklagt. Seit dem 1. Sept. 1906 betrieb der Ange— 
lagte hier ein Manufalturwarengeschüft. Seine Firma war 
in das Handelsregister eingetragen. Der Angeklagte war ge— 
lernter Kaufmann und verpflichtet, Bücher zu führen. Am 
21. April d. J. wurde über seim Vermögen das Konkursverfahren 
eröffnet. Es stellte sich danm heraus, daß der Angeklagte es 
unterlassen hatte. vorschriftsmäig Rilanzen aufzustellen, denn 
für die Jahre 1908, 1911 und 1912 waren solche überhaupt 
nicht aufgestellt. Tas Urteil lautet auf 30 MuGeldstrafe. 
— Wegen Untreue ist angeklagt die Geschäftsleiterin Else 
He. von hier. Seit Dez. 1912 war die Angeklagte Geschäfts— 
leiterin einer in Lübed befindlichen Filiale des Schuhwarenhauses 
Haas & Co. in Köln. Die Angeklagte gibt zu, im Geschäft ver⸗ 
einnahmte Gelder im Gesamtbetrage von etwa 150 Mifür sich 
verbraucht zu haben. Sie wird aber noch ferner beschuldigt, 
der Firma gehörige Stiefel in größeren Mengen für sich ver⸗ 
kauft und den Erlös für sich verbraucht zu haben. Die Firma 
solt dadurch um insgesamt 1312,60 Mugeschädigt sein. Trotz 
ihres Leugnens wird die Angeklagte schuldig befunden, sich 
der Unterschlagung — nicht der Untreue — schuldig gemacht 
zu haben. Das Urteil lautet auf eine Gefängnisstrafe von 
ß Monaten. — Wegen Sachbeschädigung hat sich der 
Arbeiter Georg Höhn aus Lübeck zu verontworten. Neben vielen 
anderen Strafen hat der Angeflagte wegen Sachbeschädiqgung 
nicht weniger als siebenmal teils lande Gefängnisstrafen erlitten. 
Im Laufe des 5. August kam der Angeklagte in den Laden des 
Koufmanns Kruse in der Hüxstrahe und in den Laden des Kauf— 
manns Wieschendorff daselbst. In beiden Läden bat der Ange— 
lagte um ein Darlehen und wurde abgewiesen. Aus Merger 
darüber warf er in der folgenden Nacht erst die Fensterscheibe 
im Laden des Kaufmanns Kruse und bald darauf die Fenster⸗ 
scheibe im Laden des Kaufmanns Wieschendorff mit einem 
Stein ein. Die beiden Scheiben haben einen Wert Don zil⸗ 
sammen 500 M. Dem Antrage des Staatsanwalts entsprechend, 
wird der Angeklagte zu einer Gefängnisstrafe von 3 Jahren 
verurteilt. 
Die Wafsferwärme in den städtischen Badeanstalten be— 
trug am 8. Sept. im Krähenteich 18 Grad Cels., auf dem 
Falkendamm 20 Grad Cels. 
Stadtteil Traveminde. Das herrliche Wetter brachte 
Sonmntag wieder einen überaus regen Somtagsverkehr. Be— 
fonders stark war wieder der Priwall besucht. Ein großer Teil 
des Publikums bemutzte die Dampfer oder die Bahn zur 
Weiterfahrt nach Niendorf. Sowohl Dampfer als auch Bahn 
waren voll besetzt. Viele Spaziergänger strebten dem Brod- 
tener Ufer zu, um von dort den herrlichen Blick auf die See zu 
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genteßen welche, belebt durch die Regatta des Lübecker Yacht⸗ 
Tlubs, ein besonders reizvolles Bild bot. — Gut abgelaufen ist 
ein unsreimilliges Bad, welches Sonntag abend ein kleines Mädel 
n der Trave nahm. Mehrere Kinder hatten am Wasser ge— 
pielt und die Kleine war kopfüber in tiefes Wasser gestürzt. 
luf das Geschrei der übrigen Kinder eilten Passanten herbei, 
on denen ein Herr das Kind ohne große Mühe erwischte, wie es 
gerade auftauchte. 
00) Stadtteil Schlutup. Die Rekrutenfürsorge des 
dandeskriegerverbandes machte am Sonnabend eine 
nteressante Nachttour nach hier. Um 10 Uhr abends traten 
ingefähr 100 junge Mämer, angehende Rekruten, unter Füh— 
ung älterer Kameraden vom Burgfeld aus den Marsch an. 
ßedacht war, daß von Mecklenburg aus ein Feind im Anzuge 
ei, der sich Schlutups und seines Bahnhofes bemächtigen wolle, 
im hier eine Truppenlandung zu verhindern. Mit Sicherung 
ückte die Kolonne von Lübeck her vor, am Bretling stieß sie 
uuf die ersten Vorposten, die vom hies. Krieger⸗ und Turnverein 
Jestellt waren, drängte diese zurück und nahm die Hauptstel- 
ung mit Sturm. Um 12 Uhr rüchtten sämtliche Teilnehmer 
bei Herrn H. Vetter ein, woselbst der Vorstand des hies. Krieger⸗ 
pereins für ein einfaches Abendessen, bestehend aus Pellkar— 
offeln und Rollmops, gesorgt hatte. Die jungen Leute ent— 
widelten einen gesunden Appetit und eine Dose Nollmops nach 
»er andern wurde geleert. Nach beendetem Mahle blieben die 
Teilnehmer noch eine Zeitlang in recht fröhlicher Stimmung bei⸗ 
ammen. Reden wurden geschwungen, patriotische Lieder ge— 
meinsant gefungen und allerlei humoristische Vorträge gehalten; 
uu letzteren steuerten besonders die jungen Kameraden bei. Um 
2 Uhr wurde der Rüchkmarsch angetreten. 
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worden, und so wurde ore Aermesde unter den Wagen gerissen. 
Als sie befreit wurde, lag sie in einer großen Blutlache. Wie 
der hinzugerufene Arzt konstatierte, ist der Tod sofort einge— 
reten. An dem ganzen Körper der Unglücklichen war kein 
eiler Fleck. Die Schädeldecke war zertrümmert. der Fuß des 
inken Beines lag an der HSüfte. Wie die vorläufige Unter— 
suchung ergeben hat, soll den Fahrer keine Schuld treffen. 
Er ist langsam gefahren, hat mit der Hupe Signal gegeben und 
ist zuletzt noch scharf nach dem Fufsteig abgebogen, um die Frau 
borbeizulassen. Eine große Menschenmenge hatte sich auf dem 
Schauplatz des Unglücks versammelt, und Schimpfworte wurden 
gegen die Insassen geschleudert, welche zitternd und schweigend 
illes anhörten. 
Pellworm, 9. Sept. Uwglüdsfallmit tödlichem 
Ausgang. Dem Dienstjungen Fr. Hansen, der beim Hof⸗ 
hesitzer Nicolay Andresen beschäftigt war, gingen beim Hafer⸗ 
einfahren die Pferde durch und der junge Mann kam so unglück⸗ 
lich zu Fall, daß sofort der Tod eintrat. Eins der Pferde, 
das in einen Graben stürzte, verunglückte ebenfalls tödlich. 
St. Margarethen, 9. Sept. Walfischfang in der 
EIbe. Im Außendeich wurden zwei Walfische gefangen, die 
»on der Ebbe überrascht wurden. Ter Schlepper, Jonny“ brachte 
zie Tiere, die eine Länge von 4 und 812 Meter haben, nach 
zamburg. 
Hohenwestedt, 9. Sept. Tödlicher Unglüds— 
all. Der Parzellist Clausen in Dörpstedt fuhr nach dem 
MNoor, um Streu zu holen, wobei er seinen 10jähr. Sohn 
nitnahm. Nachdem der Wagen beladen, bestiegen Clau'en m't 
Frau und Sohn den Wagen zur Heim'ahrt. Auf bisher uner 
lärliche Weise kippte der Wagen um, und während Cl. m't 
dem Schrecken davon kam, waren Mutter und Sohn unter die 
Streu geraten. Den vereinten Bemühungen von Clausen und 
es in der Nähe weilenden Arbeiters J. Dau gelang es, Fran 
Tlausen mit kleinen Verletzungen hervorzuziehen, aber der Sohn 
var leider erstickt. 
Eckernförde, 9. Sept. Die Erneuerung der 
Nikolaikirche ist bis auf kleine Ergänzungen jetzt durch— 
seführt. Der farbenfreudige Sinn des Mittelalters ist neu er⸗ 
tanden. Eine kostbare Ueberraschurg barg die Farbschicht, die 
»ck und unschön die Türen zu den Grabkammern der Buchwaldt 
ind Vogwisch bedeckte. Nach ihrer Entfernung kamen zwei 
ßemälde hervor, die in grau-weiß ein allegorisches Motiv 
arstellen: ein blühendes Kind auf einem Totenkopf ruhend mit 
iner Sanduhr vor sich. An der Nordwand befindet sich die 
iltere Ruhestätte derer von Buchwaldt. Ein schwerer wuchtiger 
srabstein verschlieft den Eingang. Die bisher unleserliche 
Inschrift ist mit schwarzer Farbe hervorgehoben, die der Nach- 
velt „bei der schweren Strafe und Rache Gottes“ das Oeffnen 
der Grabstätte verbietet. Die augenfälligste Veränderung, die 
diese Ausgrabung alter Schönheiten der Kirche gebracht hat, ist 
»em Chor zuteil geworden. Die größte Nische enthält auf 
zellem Grunde in schwarzer Malerei einen Vers des 42. Psalms 
n plattdeutscher Sprache: „Wat bedrouestu di mine seele unde 
bist so unronwich in mi harre up godt den ick werde eine noch 
danken, dat he mi helpet mit sinem angesichte.“ Zu dem köst— 
ichen Meisterwerk Hans Gudewerths, dem Altar, gesellt sich 
die mittelalterliche Deckenmalerei. Vier Gemälde liegen unter 
er Decke: Das jüngste Gericht, Jesu Himmelfahrt, Die Ber— 
lärung Christi und Christus als Besieger der Süunde. — Dapfk 
der feinsinnigen Arbeit des Malers Boht-Lübeck, sowi: 
des künstlerischen Entwurfes des Architekten Voigt-Kiel, der 
mermũdlichen Leitung des Altertumsforschers W. Jessen er— 
cheint die Kirche im neuen Gewande. Die Kosten der Wieder— 
herstellung werden aus einem Fonds genommen bezw. durch 
eine Anleihe gedeckt. 
Sonderburg, 9. Sept. Tödlicher Unglädsfall 
hei einer Feuerwehrübung. Bei einer von der frei— 
willigen Feuerwehr an der Schloßkaserne abgehaltenen Ret 
fungsversuchübung stürzte der aus dem 2. Stock im Rettungs⸗ 
ack herunterzulassende 14jährige Sohn des Kasernenwärters 
Hacke so unglücklich herab, daß er auf der Stelle tot war. 
Großherzogtutn Oldenburg und Fürstentum Lübed. 
—Schwertau, 9. Sept. Der Kriegervereinfeierte 
Sonntag das Sedanfest in gewohnter Weise. Vormittagss 
4 Uhr wurde beim Vereinslokal mit der Fahne zum gemein— 
amen Kirchgang angetreten. Nachmittags wurde éein Preis— 
chießen abgehalten, sowie verschiedene Unterhaltungs'piele für 
die Damen. Im Vereinslokal hielt abends der krühere Land— 
agsabgeordnete Franke eine patriotische Ansprache, worin er auf 
»ie Bedeutung des Erinnerungstages hinwies. Mit einem 
Tanzkränzchen schloß die Feier. — „Geertz Hotel“ ist durch— 
meisenden baulichen Veränderungen unterzogen worden. Die 
heiden zugehörigen Logierhäuser umfassen 34 gediegen einge— 
fichtete Zimmer mil 60 Betten, was im Interesse unseres Kur— 
ortes sehr zu begrüßenist. Auch die Riesebuschhalle bleibt dem 
dotel angegliedert. Nachdem das Hotel nun von einem hekann— 
ten Fachmann, dem bisherigen Pächter des Kolosseums in Lubeck, 
Dtto Lühnsdorf, übernommen ist, steht zu erwarten, daß das 
Etablissement hald wieder seine frühere Höhe erreichen wird. 
o. Lieder zur Laute. Seit ungefähr einem Jahrzehnt ist der 
dedergelang zur Laute und Gitarre wieder in Aufnahme ge⸗ 
ommen und har durch die Konzertveranstaltungen der ersten 
autenänger und VLautensängerinnen wie Kothe, Scholander, 
örnfen, Jreifrau von Wolzogen, Marianne Geyer auch hier 
iele Frennde gefunden und sich Eingang in die weitesten 
zreise verschkaffi. Daß man der Laute und Gitarre auch in 
Musikerlressen genügend Beachtung schentt, beweist, daß viele 
donservatorien sie bin ihren Lehrplan aufgenommen haben. 
Inser einheimischer Lehrer für Laute, Herr Bruno Meinel, ver— 
instaltet heute im grünen Saal des Stadttheaters einen Lieder 
ibend zur Lante, worauf wir an dieser Stelle nochmals beson⸗ 
ers hinweisen möchten. Eintrittskarten im Vorverkauf bei Erust 
stobert, Breite Strahe 545. 
b. „Cines“⸗Hansa thea ter, Lübed. Sonntag nachmittag fand, 
vie uns aus dem Direktionsbureau mitgeteilt wird, eine Jugend⸗ 
dorstellung trotz der schönen Witterung vor überfülltem Hause 
tatt. Es ist zweifellss ein guter Gedanke, der die Dicektion 
eranlazte, nicht nur den Groben, sondern auch den Kleimen 
as dieswöchentliche tneffliche Programm vorzuführen, denn die 
Art und Weise, wie dieses aufgenommen wurde, ist infach nicht 
u beschreiben. Fast jede der von uns bereits besprochegen 
summern wurde zur Wiederholung begehrt, vesoiders die 
umoristischen Tarbietungen waren nach dem Geschmag der 
ieben Jugend. Kurz, es darf wohl gesagl werden, daß eine 
*ülle von Begeisterung im Hansatheater festzustellen iwar. Nach 
»iesem durchichlagenden Erfolg fühlt sich die Direktion ver— 
nlaßt, auch die felgenden Sonntage, 4 Uhr nachm., Jugend- 
„orstellungen mit dem Einheitspreis von 60 Pfg. für Erwachtene 
ind 20 Pfg. für Kinder zu veranstalten, um so eine Eincichtung 
u schaffen, die im Lübecker Publikum zweifellos volle Befriedt 
ung hervorrufer wird. Das gegenwärtige Programm kann 
uur noch bis Donnerstag, 11. d. M., auf dem Spielplan bleihben. 
ẽs sollte niemand einen Besuch versäumen. 
ed Drgeltonzert. Das am Mittwoch nachmittag stattirndende 
echste Orgellonzert, in St, Marxien wird, sich der Mitwirkung 
der „Verciniaung, für kirchl. Chorgesang“ erfreuen, wesche die 
„eiden bei, der Kaiserfeier vorgetragenen Chöre zur Aufführung 
ringen mird. Ferner wird sich in diesem Konzert Herr Konert⸗ 
änger G. Kuptze (Tenor) gus Dresden dem hiesigen Publitum 
nit Sologesäugen von Bach, Beethoven und Mendelssohn vor— 
tellen, Orgelkomposijtionen von Bach und Fuilmante werden 
das Programm einrahmen 
b. Meillerprüfung. Der Porsitzende sämtlicher Meisterprü— 
ungskommissioner für das lühedische Stgatsgebiet macht be— 
gunnt. daß Antrüge guf Zulassung zur Meisterprüfung, zum 
Nichgelissermin bis spätestens zum 15. Sept. d. J. in der 
danzlei der Gewerbekammer, Breite Straße 27 1, einzureichen 
ind. Bei dieser Gesegenheit weist er darauf hin, daß nach den 
Meisterprüsunodordnungen regelmähige Prüfungennur um 
OIstern und Michgelis stattfinden. Prüfungen außerhalb diefer 
dermine werden nur, wenn wichtige Gründe vorliegen, angesfetzt 
b. Wichrig für alle kaufmännischen Kreise sind die Be— 
timmungen der neuen Krankenversicherung, die am I., Jan. 
1914 in Kraft kreisen. Sowohl hinsichtlich der Meldepflicht ais 
auch der Beiträge und Leistungen sind grundlegende Verände— 
ungen eingesühri. Wer deshalb unnötige Ausgaben für unaus— 
leibliche Strafgesder der Zwangskassen sparen will. der unter⸗ 
ichte sich gechtzeitig, So sind vom 1. Jan. 1914 b alle 
aufmännischen Lehrlinge versicherungspflichlig und darum bei 
der Ortslasse anzumelden. Ebenso sind alle Angestellten bis zu 
2800 MGebolt unter allen Ümständen bei der Zwangsfasfe 
anzumelden und vieles mehr. Die Angestellten ihrerseits 
jahen durch das Gesetz eine Reihe weiterer Vergünstigungen er— 
halten, die sie nur ausnütßen können, wenn fie ihnen bekannt 
ind. Um der allgemeinen Unsicherheit zu begegnen. veranstaltet 
die hiesige Orte aruppe des Deutschnativnalen HZandlumgsgehilfen- 
Verbandes am lommenden Milswoch im Bürgerverein eine 
ffentliche Versawmlung, In welcher Herr Kari Kraboe. Ham— 
urg, über die Frage. ,Was verlangt die neue Sozialbe-siche 
ung von Ihnen“ sprechen wird. Der Redner wird sich beson⸗ 
ders mit den Vorzüoen der Berufskrankenkassen den Ortskran fen⸗ 
kassen gegenüber beschäftigen Wegen der großen Wichtigkeit 
dieser Versammlung sei der Besuch im eigenen Interesse der in 
Frage kommenden Kreise dringend empfohlen. 
Lauenburg. 
2Mölln, 9. Sept. Turnerisches. Der Gau Ham⸗ 
zurg veranstaltete Sonntag eine Turnfahrt nach hier. Die ein— 
elnen Vereine rückten in verschiedenen Etappen während der 
Nacht auf Sonntag von Hamburg aus und erreichten auf 
Fußmärschen unsere Gegend. Am Nachmittag um 4 Uhr trafen 
ich sämtliche Vereine in Altmölln, wo sie von dem Männer— 
Turnverein Mölln empfangen wurden. Im geschlossenen Zuge 
narschierte die frohe Turnerschar, etwa 400 an der Zahl, in 
Dölln ein. Um 7 Uhr begann im Kolosseum ein Kommers, 
»er die fröhliche Schar bis um 9 Uhr zu feuchter Tafelrunde 
zereinigte. Stadtrat Johannsen begrüßte die Turner namens 
des Magistrats. Nach Schluß des Kommerses gings in geschlos— 
senem Zuge zum Bahnhof, von wo die Heimfahrt von der so 
schön verlaufenen Gauturnfahrt angetreten wurde. 
Salem, 9. Sept. Gestohlen wurden hier drei Rollen 
Einfriedigungsdraht. Da alle Nachforschungen erfolg⸗ 
los blieben, wurde ein Polizeihmmd aus Mölln geholt, der 
auch einen Arbeiter im Dorfe verbellte; der Draht wurde jedoch 
nicht bei ihm gefunden. 
SchleswigHosstein. 
Kiel, 9. Sept. Prinz Christian von Schles— 
vwig-Holstein, in Mindsor wohnhaft, ist dem „Verein zur 
bfleye der Natur⸗ und Landeskunde in Schleswig-Holstein, 
vamburg, Lüheck und dem Fürstentum Lübeck“ als Mitalied 
beigetreten, ein neuer Beweis dafür, wie der Prinz allen Vor— 
zängen in der alten Heimat das lebhafteste Interesse entgegen⸗ 
zringt. 
Bargteheide, 9. Sept. Vom Automobil ge— 
ötet wurde in der Lübecher Strahße die Hebamme Spidowsky. 
Die Frau überschritt die Straße, wo sie einem Wagen ausweichen 
nußte, und überhörte dabei die Hupentöne eines Autos, das 
yinter ihr herkam. Der Führer des Autos bog scharf nach links 
nuf den Fußsteig ab, so daß man glaubte, der Chauffeur habe 
die Gewalt über sein Gefährt verloren. Plötzlich ein furcht— 
zarer Ruck, ein Schrei, und Die Frau lag unter dem Wagen. 
der Rock der Frau war von dem einen Vorderrad gefaßt
	        
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