Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

9 — 
5 9 J 
— 4 —— * —4 
— — 
P * — 9 O J— — e — 
4 F ꝛ J 
* — — 8 —— F 5 h3J F 
— 8435 —— * * —M—— * 
— ———— — 4 * 
Wöchentlich 13mal (Wochentags morgens unl 
abends, Sonntags morgens) erscheinend. Bezugs⸗ 
preis für das Vierteljahr 3,80 Mark einschließlich 
Bringgeld in Lübeck. Durch die Post bezogen ohn⸗ 
Bestellgeld 330 Mart. Einzelnummern 10 Pfg. 
Anzeigenpreis (Ausgabe 4A und 8B) für die 
Zeile 20 Pfg. Kleine Anzeigen (Arbeltsmarkt usw.) 
is Pfg. fũr Auswärtige 80 Pfg. s. Geschasftl. Mu⸗ 
teilungen 1Mt. d. Zeile. Tabellen⸗ u. schwieriger 
Satz den Anforderungen entsprechend böher. o o 
Amtsblatt der freien und hansestadt Lübeck 
Beiblatt: Gesetz und Verordnungsblatt B 
—ööööIEEIELLEXEEEECL 
Druch und Verlaga: Gebrüder Borchers 
Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund 
163. Jahrgang Nachrichten für das herzogtum Lauenburg, die 
J — rer Fürstentümer Ratzeburg, Lübed und das angren 
Rcee ꝛende mecdlenburgische und holfteinische Gebiet. 
G. m. b. 5. in Lüubed. — Geschäftsstelle Adreß“uus (Köniustr. 46). Fernspre cher 9000 u. 9001. 
—(çAWW8 
Ause 
Erstes Blatt. Hierzu 2. Blatt. 
Umfang der hentigen Nummer Seiten. 
Nichtamtlicher Teil. 
Dienstag, den 9. September 1913. 
Morgen⸗Blatt UAr. 455. 
vilfe dürften schließlich nicht minder empfehlenswert sein für die 
Angehörigen des Baugewerbes zur Bekämpfung des 
Bauschwindels. Handwerks- und Handelskammer sind in 
ileichen Maße an der Bekämpfung des Bauschwindels inter— 
ffiert, weshalb doch nichts näher liegt, als daß sie sich gegen— 
eitig ergänzen. Sie sind am besten in der Lage, die Tatsachen, 
die zur Entziehung des Gewerbebetriebes berechtigen, zu er⸗ 
orschen und die zuständige Behörde zur Eröffnung des Ver— 
'ahrens aufzufordern, weil sie unparteiisch sind und sich nicht 
non Wettbewerbsrücksichten leiten lassen. 
Wäre das zunächst schon eine wichtige Aufgabe des betref— 
enden Schutzverbandes, so könnte er noch darüber hinausgehen 
ind eine Auskunftsstelle einrichten, die die Bauhand— 
verker und die Baulieferanten berät, bevor sie an unbekannte 
Internehmer Arbeit oder Materialien liefern. Die Auskunfts- 
telle müßte berücksichtigen die hypothekarische Betastung des zu 
ebauenden Grundstücks sowie die persönlichen und finanziellen 
Berhältnisse des Bauenden. So könnte das Baugewerbe, 
dandel und Industrie vor mauchem Schaden bewahrt bleiben. 
Iso liegen onch hier zweifellos bemerkenswerte gleichartige 
Interessen der Handels- und der Handwerkskammer vor, die 
1. E. in einer gemeinsamen Arbeit der beiden zum Ausdruck 
ommen sollten. In dieser Hinsicht haben sich bereits die Hand— 
berkskammer Düsseldorf und die Handelskammer? in Essen 
usammengefunden unter deren Mitwirkung und sinanzieller 
Interstützung in Essen ein Schutzverband der Baugewerbe— 
reibenden und Baulieferanten zustande gekommen ist, der be— 
onders die Bekämpfung des Bauschwindels betreibt 
Schließlich dürfte noch die Nahrungsmittelkon— 
rolle manchen Anlaß zu einem gemeinsamen Vorgehen der 
zandels⸗ und der Handwerkskammer bieten, da heide an einer 
wmeckmähigen Handhabung der Nahrungsmiitelkontrolle beteiligt 
ind. Diese gibt nämlich den Gewerbetreibenden zu ernsten 
kinmendungen Anlaß, da die mit der Kontrolle betrauten 
hemiker es vielfach fehlen lassen an einer ausreichenden Berüd— 
ichtigung der tatsächlichen Verhältnisse in Handel, Industrie 
ind Gewerbe. Zwar haben die zuständigen Ministerien in 
diederholten Erlassen schon darauf hingewiesen, dah die Nah— 
ungsmittelkontrolle mit unbedingter Schonung des redlichen 
zandels ausgeübt werden soll, daß Anklagen nicht äuf die 
Zrobegutachten der Chemiker allein erhoben werden sollen, 
aß rechtzeitlg und in genügendem Maße gewerbliche Sachver⸗ 
tändige zu hören sind und schließlich, daß die Handels- und 
dandwerkskammern die geeigneten Stellen sind, die Polizei— 
zehörde und die Ger'chte bei der Nahrungsmittelkontrolle zu be— 
aten und zu unterstützen; aber dennoch wollen die Klagen der 
Beteiligten über das manchmal rücksichtslose Vorgehen der 
chemiker nicht verstummen. Darum haben nach dem Vorbild 
»er Handelslammer in Elberfeld zahlreiche andere Handels— 
ammern, und zwar Mannheim, Düsseldorf, Bochum, Krefeld, 
M.Gladbach, Köln, Aachen, Trier, Leipzig, Hamburg, Oppeln, 
Braunschmeia hesondere Ausscknise eingesetzt die die Aufaabe 
—— 
haben, mit den Behörden in Verbindung zu treten, wenn Anm⸗ 
lagen wegen Uebertretung der Nahrungsmittelgefetze erhoben 
erden. Die Gerichtsbehörden sind auch durchweg bereit, mib 
iesen Ausschüssen erst in Verbindung zu treten, ehe sie die 
ffentliche Anklage erheben. Dieselben Interessen wie die 
zandelskammern haben die Handwerkskammern bezüglich der 
dahrungsmittelgewerbe; es dürfte deshalb rätlich sein, in die 
lusschüsse auch Vertreter der Handwerkskammern hineinzu— 
erufen. Diese Ausschüsse werden vielfach den Erfolg haben, 
ffentliche Anklagen zu verhüten, die Staatskasse vor großen 
innötigen Ausgaben und die Gewerbetreibenden selbst vor 
lerger und Zeitverlust zu bewahren. 
Wichtige gemeinsame Interessen des Handwerks und der 
Industrie stehen ferner auf dem Spiele bei der Lösung der 
trage „SFandwerk und Industrie“. Wenngleich hierbei 
ie Interessen der Handels- und der Handwerkskammern nicht 
tleichbebeutend sind, meistens sogar einander widerstreben, so 
ürfte doch der Versuch, miteinander in Verbindung zu kom— 
nen, durchaus angebracht sein. Viel wäre jedenfalls schon 
sewonnen, wenn die Handels- und die Handwerkskammern vor— 
er versuchten, die einfacheren Streitfälle friedlich und schiedlich 
u schlichten; denn es braucht nicht notwendig immer darauf 
inauszukommen, einen Betrieb erst auf Grund einer behör d⸗ 
ichen Entscheidung der Handels- oder der Handwerks— 
'ammer zuzusprechen. In vielen Fällen wird nach nur vorheriger 
züchsprache der beteiligten Interessenvertretungen ein Betrieb 
hne behördliche Entscheidung zur Handels- oder zur Hand- 
verkskammer beitreten oder je nachdem, wenn es sich um 
emischte Betriebe handelt, beiden zugleich“ nach einem be— 
timmten Maßstabe für die Verteilung des Gesamtbeitrages. 
S50 werden zweifellos die Streitfälle, die jetzt unser ganzes 
Jewerbliches Leben vergisften, Handwerk und Industrie ausein—⸗ 
inderreißen, an Zahl nachlassen oder in ihrem Ausgang an 
Schärfe verlieren, wenn nur die Handelskammer und die 
bandwerkskammer sich vorher zu verständigen suchen. 
Man sieht also an diesen wenigen Beispielen, es gibt eine 
janze Fülle gemeinsamer Arbeiten. namentlich, wenn man 
roch, um das Bild zu vervollständigen, die Verteilung der 
ßewerbesteuern, die Vertretung der Interessen von Bandel, 
Industrie und Handwerk in den gewerblichen Fortbildunzsschulen 
rwähnt. Gehen auch in manchen Fragen die Interessen not⸗ 
vendigerweise auseinander, so liegt doch kein Grund vor. das 
nuf das ganze Arbeitsfeld zu übertragen. Handel und Ge— 
verbe, an deren Blühen Die Handels- und die Handwerkskam⸗ 
nern in gleichem Makhe interessiert sind, werden jedenfalls ihre 
Interessen am besten gewahrt sehen, wenn ihre Vertretungen 
n den gemeinsamen Fragen gemeinsame Sache machen. Je 
nehr das geschieht, desto mehr Berührungsflächen werden sich 
eigen, desto eher werden auch schließlich die Fragen in einer für 
beide Teile annehmbaren Weise sich lösen lassen, die eine grund- 
ätzliche Verschiedenheit der Ausichten voraussetzen. 
handelskammer und handwerkskammer. 
In den Volkswirtschaftlichen Blättern, dem Organ des 
Deutschen Vollkswirtschaftlichen Verbandes in Berlin, regt Dr. 
Wilden, der Syndikus der Handwerkskammer Düsseldorf, 
der in den Kreisen des Handwerks schon seit Jahren für 
eine bessere Verständigung mit der Industrie wirkt, eine engere 
Bemeinsamkeit zwischen den Handels- und den Hand— 
werkskammern für gemeinsame Aufgaben an. Er sührt 
u. a. folgendes aus: 
Die beiden amtlichen Vertretungen des Handels und des 
Handwerks verhalten sich hänfig, wenn nicht gar feindlich, 
io doch gleichgültig zueinander. Das hat mancherlei begreif— 
liche Gründe, die wir aber im einzelnen hier nicht näher er— 
örtern wollen. Der Zweck dieser Zeilen soll vielmehr eine 
Anregung sein, die beiden Vertretungen mehr miteinander in 
Verbindung zu bringen und an einigen wenigen Beispielen zu 
zeigen, wie nützlich eine gemeinsame Arbeit dieser Körper— 
schaften für die Gruppen von Interessenten ist, die sie ver— 
treten. Zunächst kommen wirs auf die Bekämpfung des 
unlauteren Wettbewerbs, an der der Handel viel— 
leicht mehr als das Handwerk, dieses aber keinesfalls in geringem 
Maße, beteiligt ist. Das Gesetz bietet trotz seiner Unvollkommen— 
jeit manchen Anhalt, dem unlauteren Wetibewerb in Handel 
ind Gewerbe ersolgreich beizukommen. Den wirksamsten Weg 
yierfür weist das Gesetz selbst. Weil ersahrungsgemäß die ein— 
‚elnen geschädigten Gewerbetreibenden nicht gern vorgehen, um 
ich nicht dem Verdacht auszusetzen, als handelten sie aus Ge⸗ 
chäftsneid, läßt das Gesetz die Möglichkeit zu, daß sich die 
Interessenten zusammentun, um gemeinsam Fällen von un— 
auterem Wettbewerb nachzugehen und gegebenenfalls eine Ver— 
olgung zu beantragen. Und zwar können die Handel- und 
ßewerbetreibenden eigens zu diesem Zwed Vereinigungen ins 
Leben rufen oder ihre vorhandenen dazu benutzen. Deshalb 
dürste es ratsam sein, wenn mit Hilfe der Autorität der Han— 
dels- und der Handwerkskammer 'lich die Beteiligten zu einem 
Schutzverbande zusammenschlichen, der sich die Bekämpfung 
des unlauteren Wettbewerbes und überhaupt des Unwesens in 
Handel und Gewerbe zum Ziel setzt. In diesem Sinne haben 
hereits die Handels- und die Handwerkskammer in Düsseldorf 
den ersten Schritt getan; sie haben in einer gemeinsamen 
Sitzung grundlätzlich beschlossen, einen solchen Vorband ins Leben 
zu rufen, ihn nicht nur mit Autorität und Erfahrung, sondern 
auch mit Geldmitteln zu unterstützen. 
Schutzverbände ähnlicher Art, und zwar wiederum unter 
der Autorität der genaunten Körpverschaften und mit deren 
* ——— 
Ein Sonntag in Lübeck. 1 
Plauderei. 
Es aist Sonntag — hell bricht die Sonne durch die Vor— 
ininge, und erfüllte mein Zimmer“ mit goldenem Licht. Es ist 
noch, früh — wie von einem lichten Schein unflutet, iiegt das 
Häusermeer — ganz feierlich und still. Es ist, Sonntaq. der 
Tag. an dem das brausende Räderwerk der Arbeit slodt. an 
dem der Mensch sich selbst gehört — sich nur allein. Wie schön 
das ist — ich blice hinaus in den hellen sonnigen Morgen, 
ich freue mich, daß er so herrlich auferstanden, der Menschheit 
nach, der Woche Müh' und Arbeit so froh und freundlich ins 
Antlitz blickt: Ein Spätsommertag — schon von den ersten 
Aklorden der Wehmut durchklungen. Noch leuchtet draußen 
der Bäume blühende Pracht, auf deren Blättern der Soune 
Strahlen funkeln. Wie dange noch — und der brausende Herbit⸗ 
wind hat die Schönheit gemäht! Wohl jeder empfindet und 
fühlt es unwillkürlich daß das große Sterben der Natur sich 
naht. Und darum treibt es ihn hinaus — in das lacheude 
Freie — noch einmal zu schauen und zu genietzen, ehe es zu spät. 
Sonntag morgen in Lübech.... Wie lieblich der Gürtel der 
Wallanlagen die Stadt umkränzt, wie schön, wie wohltuend 
des Stadtparks friedliche Stilse ist. Du schreitest auf den 
tillen Wegen und schaust die rings, dich grühende Pracht, du 
örft das Locken und Werben der Vogei und almest die reine. 
töstliche Luft. Wie zauberisch der Sonne Strahlen auf deni 
Spiegel der Wakenitz, auf den Fluten des Eibe-Trave-Kangls 
und der, Trave, auif, all den kleinen Seen des Stadiparts 
Jitzernd Fpielen“ Hell lachend erstrahlt des, Himmeis rejnes 
Blau und im Schauen all' der Schöͤnheit erfülit ein wunder 
mes Klingen und, Singen dein Herz. Auf einer Bank am 
Wasser sitzend — feierliche Stille um dich her — Vverfliegt. 
sinnend und träumend — die Zeit. Drüben am anderen User 
vard ein Silberfischlein eines Anglers Raub — von weitem 
nahen sich die schlanken Boote der Ruderklubs — ein Kom— 
mandoruf wird laut — mit, kraftvollen Armen teilen die In— 
sassen die Flut — im Frohgefühl des freien Tags — und 
pfeilschnell durchschieht das Fahrzeug die silberne Bahn. 
Hlodenlang durchbricht die träumerische Einsamteit — fenr⸗ 
ich und majestätisch siehst du die hochstrebenden Türme' der 
Lirchen ragen, von denen jeßt die Gloden ehern länmen. Zur 
Andacht da drinnen rufen sie, zur Andacht auch da draußen, 
in dem göttlichen Wundergarten der Natur. Und stärker und 
sieghafter wird allmählich der Sonne, Macht — wie mit einem 
weichen. warmen silhernen Mantel hält sie die Erde umfangen. 
Spaziergänger — Radfahrer werden hier und dort schon sicht 
zar, lebhgfter wird es rings umher — des Tages rauscheudes 
Getriebe ist erwacht. Du schreitest weiter — eine Truppe Wan— 
deryhgel — Knahben und Maädchen — Jiehen in schnelsemn Schritt 
porüber — die Laute klingt — das Auge der jugendlichen Ge— 
talten ruht auf der Umgebung . Pracht J, und frohe, muntere 
Lieder tönen noch von fern. AÄuch die Badeanstalten sind mit 
ahlreichen Besuchern angefüllt ist doch guch nichts schöner 
ind erfrischender als ein Bad in der kühlen Flut. Weiße 
egelebhihen sich im frischen Morgenwinde — die Infaffen 
ind Mitglieder eines Segiervereins die heute ihren ichönen und 
esunden Syort hier treiben Nuch anf dem grünen, Rasen der 
pielrlaätze herrscht reges Leben. Eifrig nutzen die Turner den 
eien Morgen aus, um ihre Kräfte zu nählen und an fFröhlichen 
‚picden sich zu erfreuen. Wieder andere, huidsgen dem dier- 
ichen und anmutigen Tennisfpiel. Ueberall zeigt es sich, daß 
jente Sonntag ist, ein Feiertage der dir Erholung und Abe 
pechssung pon dem grauen Einerler des Alltags oringi Auch 
n den Strabßen der Stadt ist es lebhafter ais sonst. Festüch 
zekleidete, Menschen promenieren hin und her, noch dominieren 
herall. harmonisch dem Wetter angepaßt, die weißen. duftigen 
mmertoiletten. Und im Glanz der Sonne bieten auch bie 
Sztraßen — it ihren Wagen, Autos, Strahenbahnen, mit ihrer 
pogenden Menschheit — ein freundches und anziehendes Bild. 
s ist Mittagszeit, die Sftunde da in der Breiten Straße der 
Lerkehr am stärhsten flutet. Laut ertoönen die jschmetternden 
länge der Regimentsmufit — 6ist Markttonzert. Der altehr⸗ 
pürdige Marfthlatz ist mit Menschen dicht gefünt — die Jugend 
Abeds gibt sich hier ein Stelldichein Wohlgeordnet in langen 
zeihen promenieren und tfrippeln sie auf und ab —die 
Sroßen, und die Kleinen, die Schwarzen und die, Blonden. 
die Keden und die Schuchternen, die, die schon flüirten fönnen 
ind „ie, die es erst lernen wollen. Ein, Rarsch ertlingi 
in Walzer jetzt — leichter, grazioͤser hebt sich der Fuß und 
nun. ein Lied — . Ob du mich liebst· verfuh⸗ 
erisch, leuhten die Augen auf — fragen und forschen“— 
rheischen Antwort.. Gar manche finden sich — schönet pro— 
nenier! es sich zu i und allzu rasch vergeht die schöne 
Stunde, in der es sich so one plaudern und flirten ließ. 
Ind während, sie Alle heimwärts schreiten, die, deren Herzens 
usch heut in Erfüllung ging, ind die, die hoffnungsfroh 
ich auf ein andermal vertrösten, klingi wohl im Herzen mancher 
Blonden. mancher Schwarzen, steigt wohl in manchem Schüch⸗ 
sernen und manchem Kechen aufs neue ganz heimlich die Frage 
ruf: „Ob du mich liebst?“ 
Mittagsruhe weit und breit, — die Geschäfte werden ge 
lossen — Aun winkt des Sonntags goldene Freiheit allen. 
Mohzin an diesem herrlichen Nachmutag Ein, großes, großes 
Landern beginnt — aus der Enge der Häuser hinaus ns 
zreie — allüberall, dorthin, wo hell die Sonne lacht. alf 
berall, wo Gottes Natur dich grüht. Lübeds Umgehung ist 
o reich an Schönheit —, so reich daß sie allen“ Menschen 
zibht. wongch sie Sehnsucht tragen. Die Zuge nach Travemunde 
ino mit Menschen überfüllt — sie alie ioat das Meer das 
icheimnisvolle, rauschende Meer. Sie träumen an seinen Ufern 
XX 
und sie lquschen der Melodie, die das Meer in ewig gleicher. 
unv raänglicher Schönheit singt. Schwartau mit seinen herr⸗ 
ichen Woldungen, deren hohe Buchen schattenspendend dich 
mrauschen. ist das Ziel vieler Tausende. Und ungaufzählbar 
ind die vielen. an landschaftlicher Schoͤnheit 8ö Orte in 
er näberen und weiteren Umgebung Lübeds, nach denen sich 
an, Ausflug reichlich lohnt. Auch die Palinger Heide steht 
n blühender Pracht und Unzählige pilgern hinaus — zu dem 
hmuchen Heidetlind, der schlichten. schimmernden Erika. Vor 
illen Toren, sind die schoöͤnen Waldungen. die abwechslungs- 
eichen idyllischen Wege mit Spaziergängern dicht belebt, und 
iernnach lenkt man seine Schritte zu den zahlreichen Garten— 
estaurants. um dort,. den Klängen einer Musitkapelle lauschend, 
m Freien ein paar Stunden unter fröhlichen Menschen fröhlich 
u sein. In manchen dieser Gartenrestaurants ist während der 
dachmittags⸗ und Abendstunden Tanz. Es ist gedrängt. voll. 
Ztaub und Zigarettenqualm erfüllt den Saal.“ Eine, lustige 
heselischaft ist beisammen, leidenschaftliche Tänzer sind sie alse, 
rotz der Hitze und des herrlichen Wetters. das drauhßen lacht, 
ersäumen sie keinen Tanz. Ja, das haben die Mädchen so 
erne. zWo blieb die Zeit. da man schwebend im gött— 
ichen Waltzertakte sich im Kreise drehte? Der Schiebetanz, 
er Wagfeeltanz beherrscht die Stunde. Zuweilen sieht man 
hn mit Grazie und Anmut ausgeführt. — boch meistens wendet 
ich der Gast mit Grausen. Ein auder Bild.. om Waldes 
and ein junges Paar. Sie schreiten, fern von dem lauten 
reiben. Hond in Hand den Weg. Sie sind sich selbst 
senusg — sie suchen nicht rauschende Freuden. noch jaute 
dust. Sie tragen es still und selig im Herzen — die heiße 
riebe, die Jugend. das Glück..,Ein altes, pereinzeit 
kehen des Bauernhaus taucht guf dem Wege guf. In dem 
leinen Vorgarten die Alten, — das Alter und auch 
vohl harte Arbeit hat sie gebeugt. Zwei Enkelkinder um— 
pielen sie. Der Alte agaucht seine Pfeife, Großmülfterlein strickt 
ein, heiseres Grammophon im Zimmer singteine verstimmte 
Melodie dazu. Es ist des Alten B —— — und leise 
ächelt er in fich hinein — — Auch ein Sonntag... 
Echon kehren hier und dort die Eltern mit ihren Kindern 
weim — es ist September und die Tage dunkeln früh. Dort 
»rüben grützt eine Laubenkolonie, sieh nur, wie ailerliebst 
och diese kleinen Häuschen mit den hübisch gepflegten, zierlichen 
Härten sind. Im frohen Kreife sitzt wum plaudernd die Familie 
eisammen, nachdent man am Tage die Erde begrbeitet. Blumen 
ind Früchte gepflanzt oder geerntet hat. Die Kinder entzünden 
ie por den Lauben, hängenden Lampions, — bald hört man 
ie fröhlichen, bald schrieizenden Weisen einer Handharmonika. 
Wie genrütlich sie doch ist, diese sreupe Stätte, an der 
zach dem Hasten des Alltags tille, beschanliche Ruhe winkt. 
Die Dämmerung kommt — und auf allen Wegen und Straßen 
ommen die Ausflügler hein Durch die mehr abgelegesien
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.