Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Tagesbericht. 
Lübeck, 8. September. 
V Polizeiwachtmeifter a. D. August Dobberstein ist in 
zer Nacht zum Sonntag infolge einer Blinddarmoperatton im 
Alter von 72 Jahren gestorben. 25 Jahre hat der Entschlafene 
im lübeckischen Polizeidienst gestanden ünd sich sowohl als Be— 
amter als auch als Vorgesetzter eines ausgezeichneten Ansehens 
erfreut. Herr Dobberstein stammte aus Westpreußen. Im 
Herbst 1861 trat er in das Inf.Regt. Nr. 76 ein, dem er 
zis April 1875 als Vizefeldwebel angehörte. Er nahm teil an 
her Schlacht bet Königgrätz 1866 und in dem deutsch-französischen 
Feldzuge 1870,71 an den Belagerungen von Metz, Toul und 
Paris, an den dreiägigen Schlachten bei Orleans und Le Mans 
sowie verschiedenen kleineren Gefechten. Geschmückt mit dem 
Eisernen Kreuz II. Kasse kehrte er heim; später wurden ihm 
verliehen die Dienstauszeichnung II. Klasse und die Kriegs⸗ 
denkmünze ven 1866 und 1870/71. Im April 1875 wurde 
Zerr Dobberstein hierselbst zum Polizeidiener ernannt, 1839 bei 
der Neuorgansisation der Polizei in die Schutzmannschaft über— 
nommen und Anfang 1890 zum Polizeiwachtmeister ernannt. 
Dieses Amt bekleidete er bis zu seiner am 1. Mai 1900 erfolaten 
Pensionierung. Nun ist auch er, der sein ganzes Leben lang 
dem Vaterlande mit der Waffe gedient und oft unerschrockenen 
Mutes dem Tod ins Auge geschaut hat, nach einem schönen, 
xuhigen Lebensabend zur großen Armee abberufen worden. 
V Der erste Lübecker Aviattker ist Herr Weiß, Sohn des 
Tischlermeistesrs Weiß, Schwartauer Allee, hierselbst. Herr 
Weiß jun. hat vor kurzem in Burg bei Magdeburg seine Flug— 
zeugführerprüfung und vor einigen Tagen auch seine Feld— 
pilotenprüfung mit einem 1 Std. 10 Min. dauernden Ueberland— 
flug glänzend bestanden. Auf diesem Fluge, bei dem Leut— 
nant Theurich von der Militärfliegerschule in Halberstadt als 
Kommissar zugegen war, erreichte Herr Weiß eine Höhe von 
1300 m und in tadellosem Kurvengleitflug mit abgestelltem 
Motor aus etwa 300 m Höhe landete er glatt auf dem Flug— 
platz. Herr Weiß, der Schulze-Eindecer steuert, wird voraus⸗ 
fichtlich am Sonntag, 21. d. M., auf dem Flugplatz des hiesigen 
Vereins für Luftfahrt Schauflüge veranstalten. 
n Seeden an der finnischen Küste erlitt der große 
Lübecker Dampfer Hornsee“. Das Schiff traf am Sonn— 
abend vor Holtenau ein und wurde von Tauchern untersucht. 
Kleine am Schiffsboden befindliche Schäden wurden abgedichtet 
uind dem Dampfer dam ein Seegttest gusgestellt. Abendsging 
Hornsee“, der Rutzhölzer für Holland geladen hat. dura, den 
Kanal nach der Nordsee weiter. 
Das Martuyr'um eines Kindes. Wegen gefähr— 
richer Körperverletzung stand am Sonnabend die Ehe— 
frau Elise Kr. von hier vor der Ferienstrafkammer unter An— 
klage. Am 15. Dez. 1911 gebar eine nicht verheiratete Schwester 
der Angeklagten ein Kind weiblichen Geschlechts und gab das 
Kind der Angeklagten in Pflege. Das Kind, das nach Angabe 
der Angeklagten von Anfang an schwächlich war und keine Milch 
zu sich nehmen wollte, wurde von der Angeklagten vorwiegend 
mit Hafermehl ernährt. Als das Kind nicht gedeihen wollte, son 
dern von Tag zu Tag schwächer wurde, wandte sich die An— 
geklagte an die freiwillige Fürsorge. Das Kind wurde darauf 
im März 1912 dem Kinderhospital zugeführt. Hier wurde 
festgestellt, daß das Kind bei seiner Einlieferung sich in einem 
Zustande äußerster Entkräftung befand — es wog nur 2370 gr 
Bei sorgsamer Pflege im Hospital erholte sich das Kind wieder, 
so daß es am 13. Juli 1912 zwar als ein 
zartes, aber gesundes Kind bei einem Gewicht von 
1430 8 entlassen werden konnte. Das Kind kam 
wieder zu der Angeklagten in Pflege. Zwei Tage später, am 
15. Juli, starb das Kind plötzlich, ohne daß vorher ein Arzt zu 
Rate gezogen war. Die Sektion der Leiche ergab als Todes— 
ursache Ersticumg des Kindes. Es wurde ferner festgestellt, 
daß das Gewicht des Kindes nur 3840 gr. betrug, daß der 
Verdauungskanal, Magen, Tünndarm und Dickdarm bis auf 
geringe Reste von jeglichem Speisebrei leer waren und daß sich 
an den beiden Gesäßhälften und an den Oberschenkeln des 
Kindes übermähziges Wundsein zeigte. Nach dem ärztlichen Gut— 
achten ist das völlige Leersein der Därme und des Magens 
von Speisebrei nur dadurch erktärlich, dah das Kind seit der 
Entlassung aus dem Kinderhospital keine oder doch nur ganz 
geringfügige Nahrung erhalten babe. Dies werde noch bestätigt 
durch die Gewichtsabnahnte von 590 gr., die das Kind in zwei 
Tagen bei der Angeklagten erfahren habe. Daß das Kind 
völlig vernachlässigt sei, gehe aus dem starken Wundsein hervor, 
da nämsich feststebe daß das Kend bei seiner Entlassung nicht 
n 
Hamna wirlte ihr gegenüber sast sympathisch und diese Auffa'fung 
der Figur will mir nicht ganz einleuchten. Die stärkere jo, aber 
die stär lere im Bösen. Ihr fehlte das bestienhaft Schleichende, das 
Vampyrhafte, sie wurde mir zu sehr Heldin, siegendes Weib. 
Sie siegt durch Könste, nicht durch Liebe. Sie will ihn 
weiter besitzen, halten, angeklammert sein an ihn und dabei 
zerbricht sie auch ihn, nicht imponierend, nein, wie eine er—⸗ 
schreckende Schlange. Rita Heims Wallis gab ihrer 
Auffassung ganz trefflichen Ausdruck, das Spiel war fein ab— 
gewogen, wirlungsvoll gesteigert und hatte Kraft und ge— 
jättigte Farben. Mit sehr viel Reiz, Schlichtheit und Natür— 
lichkeit gab Johanna Riccardo die kleine Maäjakün. 
Friedrich Ambronn schuf in Doktor Rasmussen eine 
glaubhafte, prächtige Figur, zumal da er diesmal um einige 
Grade wärmer und beweglicher spielte. Die übrigen Rollen 
wurden sehr ansprechend verkörpert, so daß Bilder von feinem 
Zauber, tiesem Stimmungsgehalte die ganze Aufführuug durch 
zogen, die, wie gesagt, die beste der Saison war. Das 
Publikum blieb zu Begim ruhig, wurde dann aber doch, wenicç⸗ 
tens in Teilen, ergriffen und störte diesmal wenigstens nicht, wo 
es nicht verstand. Zum Schluß war der Beifall sehr waem und 
tarf Dr. R 
— — 
Vom Deutschen Sängerbunde. Der über die ganze Erde 
verbreitete Deutiche Sängerbund umfaht gegemwärtig 77 Bünde 
mit 5431 Vereinen und rund 191 000 Sängern. Am staͤrk ten isi 
das Königreich Sachsen vertreten (17 Einzelbünde, 902 Ver—⸗ 
eine, 32 000 Sänger). An Auslandsvereinen gehören dem 
Bunde zurzeit 36 an. Für 1812 betrugen Vermögensbestand 
uind Einnahmen 176 012 M, denen als Ausgaben 87870 M 
(darunter 45 000 M Zuschuhß suür das Nürnberger Sängerfest 
und 15000 M Zuschuß für die Festschrift) gegenüberstehen. 
Das Vermögen der Deutschen Sängerbundesstiftung, aus der 
z. B. 1912 an Komponisten und deren Hinterbliebene 8300 M 
Unterstützungen ausgezahlt wurden, betrug Ende 1912 237 031 
Mark. Das nächste Bundesfest findet 1917 in Hannover statt. 
Auf dem außerordentlichen Sängertag in Koburg am 20. Sept. 
soll u. a. die wichtige Frage des Beitritts von Lehrer— 
Gesangvereinen zum Deutschen Sängerbunde erörtert werden. 
Bekanntlich haben sich viele Lehrer-Gesanavereine zu einem 
eigenen Bunde zufommenoeskinsier 
vund gewesen sei, sei die Tatsache des Wundseins norwendiger⸗ 
veise darauf zurückzuführen, daß das Kind nicht genügend trocken 
jelegt sei. Die Angeklagte behauptet, das Kind sowohl vor 
»er Einlieferung in das Hospital, als auch später ordnungsmäßie 
erpflegt und behandelt zu haben. Dos Kind habe aber die 
ahrung immer gleich wieder von sich gegeben. Der Staats— 
inwalt stützt sich bei der Beurteilung der Sache auf die ärzt 
ichen Gutachten und führt aus, daß das Wundsein zweifellos 
uf Vernachlässigung bei der Behandürng zurüchzuführen sei. 
Benn es richtig sei, daß dem Kinde Nahrung gereicht sei und 
as Kind die Nahrung immer gleich wieder von sich gegeben 
abe, dann wäre es Pflicht der Angeklagten gewesen, einen 
Irzt hinzuzuziehen, denn sie hätte fich sagen müssen, daß das 
dind dabei zugrunde gehen wmüsse. Tas habe die Angeklagte 
icht getan. Aus der Behandlung, die die Angeklagte dem 
zinde nach der Entlassung aus dem Hospital habe zuteil werden 
assen, müsse man Schlüfse ziehen auf die Behandlung vor der 
inlieferung in das Hospital. Tas Kind sei auch derzeit zweifel 
os nicht ordnungsmäßig verpflegt worden, denn es sei zum 
zkelett abgemagert gewesen. Bei ordnungsmähiger Pflege im 
zospital habe es sich erholt. Die Angeklagte habe sich demnach 
weier Körperverletzungen schuldig gemacht und beantrage er ihre 
Zerurteilung zu 7 Monaten Gesängnis. Das Gericht erkennt 
vegen der unter Anklage gesteilten Körperverletzung während 
er Zeit vom Januar bis März 1912 auf Freisprechung und 
verutteilt die Angeklagte für die Tat während der Zeit vom 
3. bis 15. Juli 1912 zu 4 Monaten Gefängnis. 
o- Fahrtaddiebstͤhle. Am Sonnabend nachmittag 224 Uhr 
— D 
ummer 1180. gestohlen worden. Das Fahrrad ist wit einem 
ßestell zur Paketaufnahme und einer Drahtbremse versehen, hat 
chwarze Felgen und Schutzbleche und das Hinterrad einen neuen 
MNantel, aud, der Satte ist fast neu. — Ferner ist am Sonz- 
bend nachmiftag ein vor dem Hause Johanmnisstraße Nr. 21 
iuf kurze Zeit ohne Aufsicht hingestellt gewesenes Fahrrad, 
Marke „Störzner“, Abhandengekommen und vermutlich gesto hlen 
vorden. Das nock fast neue Fahrrad trägt die Fabrifnummer 
56 319. An deniselben befinden sich die Polizeinummecrn 15 068 
Ddas Fahrrad hat gelbe Felgen mit roten Laufmänteln, nach 
ben gebogene Lenktstange. Auf, der Fobrradalode hefindet 
ich als Verzierung ein Mädchenkon* 
Neyet⸗ 
Nachrichten und Telegramme 
der ul- A. es und —— —e 
Ddie Kaisermanöver. 
W. Breslau, 8. Sept. Prinz Rupprecht von Bayern ist 
gesterr abend 9 Uhr 30 Min. bier eingetroffen und hat beim 
Fürstbischff Koöpp WMWohnung genommen. Im Schloß Sibyllen— 
yrt treffen heute abend 11 Uhr 13 Min. der König ron Sachsen 
nit Generalmajor ron Tettenborn und weiteren Herren des 
vefolges, sowie Generoa—l der ITnfanterie von Loewenfeld als 
khrendienst ein. 
W. Freiburg Echlesien), 8. Sent. Freiburg legte zur 
Unkunftder Manöverleitung und zahlreicher Manöver—⸗ 
äste reichen Flaggenschmuch an. Prinz Waldemar als Chef 
xs freiwilligen Automobilkorps ist eingetroffen, ebenso die 
heneralstabschefs Conrad ron SHoetzendorff und Pollio. Gestern 
ibend traf Graf Zeppelin, von der Bürgerschaft und den Schul—⸗ 
indern begeistert empfangen, ein. Conrad von Hoetzendorff und 
Bollio besuchten nachmittags die Schlachtfelder bei Hohenfried⸗ 
erg und Leuthen, wo Vorträge über die Schlachten gehalten wur— 
zen. Die Manöverleitung betont, daß auch bei den diesjährigen 
Kaisermanövern, wie stets, der Prefie in weitestem Maße ent⸗ 
redendekommen wmerden soll. 
Die Kriegslage. 
W. Freiburg (Schlesien, 8. Sept. Die allgemeine 
Lriegaslage üist folgende: Die rote Armee, etwa sechs 
Armeekorps, dringt aus Oberschlesien über die Oder in Schlesien 
wor. Die Masse erreichte am 6. Sept. abends, die Linie der 
ßegend südöstlich Breslau, Strehlen-Patschkau. Vor ihrer Fron 
elangte die rote Kavallerie am 7. Sept. bis Koberwitz-Schweid 
itz- Friedland, nachdem im Laufe des Tages bei Schweidnitz im 
ßebirge blaue Gremschutztruppen zurücgeworfen wurden, die 
us Oberschlesisen vor dem Anmarsch der voten Armee zurück 
eichen. Die blauen Grenzschutztruppen gingen am 7. Sept 
Af die Linie Landeshut-Hohenfriedberg, hinter das Striegauer 
Wasser, im Anschluß an die armierte blaue Festung 
ZBreslau bis Kanth zurück. Hinter ihnen ist die 
blaue Armee zwischer dem Riesengebirge und 
»er Oder in Stärke von etwa sünf Armeekorps in der Ver— 
ammlung begriffen. Ihre Flügel wurden bei Löwenberg— 
Lueben festgestellt. Ihre Masse hatte am 6. Sept. ihren Vor— 
marsch noch nicht angetreten. Das fünfte Armeekorps kämpflt 
im Verbande der blauen, das sechste Armeekorps im Verbande 
der roten Armee. Beide Armesekorps sind die Korps der Mitt—⸗ 
hrer Armeen. Rechts und links von ihnen sind die anzu— 
ehmenden Anschlußtruppen durch Volltruppen anderer Armee 
»rps, am 8. und 9. September auch durch Flaggen dargestellt 
ie Manöverleitung teilt eine Reihe von Gesichtspunkten 
ür die Beobachtung des Manövers mit, woraus 
olgendes hervorgehoben sei. Es handelt sich um den Kampf 
weier auf beiden Seiten angelehnter Armeekorps gegen ein— 
inder. Daher werden die beiden kommandierenden Generale 
urch Armeebefehle der Leitung vor begrenzte Aufgaben ge 
tellt. Zum Ausdruck lkommen wird die Kunst des Führers, 
n engbegrenztem Raume seine Truppen in rüschssichtslosester 
Afensive restlos an den Feind zu bringen und in frontalem 
dampf den Sieg zu erzwingen. Oberster Schiedsrichter 
ist der Kaiser, Oberschiedsribter Frhr. v. v. Goltz. Es 
st zu erwarten, daß Rot den Vormarsch fortsetzt und Blau 
den Vormarsch antritt und das Aufsuchen des Gegners 
durch die rote Kavallerie erneut auf den Wibder— 
tand der blauen Grenzschutztruppen stößst. Die Anlage des 
Manövers läßt erkennen, daß es sich nicht an rriegsgeschicht 
iche Vorgänge anlehnt, wenn es sich auch auf dem Boden glor— 
eicher Taten der preußischen Waffen abspielt. Einzelheiten 
ber die Lage des Gegners werden bei dem 5. bezw. 6. Korp⸗ 
rst morgen abend bekannt gegeben. Die Infanteriebataillon 
ind durch Reservisten auf den erhöhten Stand gebracht worden 
ie Bataillone der Anschlußtruppen haben Friedensstärke. Be 
der Kavallerie werden Radfahr-Abteilungen auftreten. Ge 
echtsbagagen, Fernsprechgerät und Brückentrains werden ver 
vendet. Ausgedehnte Versuche auf den Gebieten der Ver— 
flegung. des Munitionsersatzes und der Bekämpfung der Luft— 
ahrzeuge stehen bBevor. Blau erhält „3 1“, Rot „Z 4“. Beide« 
Korps erhalten Flugzeuge in erheblicher Zahl. Auch Ge— 
neralstabsoffiziete werden als Beobachter in den Flugzeugen 
Verwendung finden. Die feindlichen Luftfahrzeuge werden sich 
ei Begegnungen kriegsmähig benehmen. Der Abwurf von Bom— 
en kann zur Darstellung gelangen. Dem Manöver wohnt auch 
der Chef, des bayerischen Generalstabes General Kraffi von 
Da mensingen bei. 
W. Bad Falzornun 8. Sept. Der Kaiser begab sich 
eute srüh 7 Ubr das Manõvergelände 
Rügdfichts lose Automobilisten. 
W. Berlin 8. Sept. Ein unbelannter Ausflügler ist gestern 
guf Wiarientorser Gebiet guf der Lichtenrader Chaussee von cinem 
sehr schnell sahrenden Automobil überfahren worden. 
Die Automobilisten hielten sofort an und schleppten den Be— 
sinnungsblosen in das benachbarte Feld, um zu ver⸗ 
hindern, daß er von PVassanten unmittelbat dagauf auf⸗ 
gefunden untd se die Verfolgung schnell aufgenommen 
verden konnte. Vorübergehende wurden durch zas Röchelun 
des Schwerverletzten aufmerksam und fsorgten für ärzt⸗ 
liche Hilfe. Die Automobilisten, die von Berlin kamen, konnten 
sich der Feststellung entziehen. 
W. Schwiebus, 8. Sept. Bei der Bahnstation Wutschdorf 
wurde ein Mann von einem ohne Licht fahrenden Automobil 
überfahren und, getötet. Die Insassen legten, den 
Toten in einen Graben und fuhren davon. In Stern— 
berg wurden sie ermittelt. Es handelt sich um einen Herru 
und eine Dame aus Berlin. 
Von einem Bären angefallen. 
W. Gent, 8. Sept. In der Menagerie der Weltausstellung 
wurde ein Dompteur bei einer Vorstellung von einem 
Bärenangegriffen und durch Bisse schwer verwun— 
det. Auch ein junges Mädchen wurde leicht verletzt. Unter 
den Zuschauern brach eine Vanik aus. Mehrere Personen wur— 
den vperlett. 
Esenbahruiem alück in Irland. 
DT. London, 8. Sept. Ein schweres Eisenbahnunglück hat 
sich gestern abend in Irland zwischen Londonderry und Tunna— 
nanagh ereignet. Ein mit Sonntagsausflüglern voll besctzter 
Zug entgleiste plößlich und mehrere Wagen stürzten um. 
kinem Eisenbahnbeamten wurde der Brustkasten eingedrückt. 
Der Mann war auf der Stelle hot. Im ganzen sind bei dem 
Unfall 30 Personen mehr oder weniger schwer verletzt 
worden. Manche dürften kaum mit dem Leben davon kommen. 
Monarchifterputschhe un Pertugal. 
DT. Madrid, 8. Sept. Trotz der aus Lissabon einlaufenden 
Dementis über Royalistenunruhen wird hier mit größter Be— 
stimmtheit behauptet, daß schwere Zusammenstöße zwischen 
Polizisten und Anhängern der Königspartei vorgekommen sind. 
Eine ganze Anzahl von Bomben soll wieder in Lissabon abge— 
feuert worden sein. Die Royalisten sind über das Verhalten 
der portugiesischen Regierung anlählich der Hochzeit König Ma— 
nuels emrört, besond rs, da die Regierung sämtliche Glückwunsch— 
telegramme an König Manuel nach Siamaringen zurückgehacten 
haben soll 
Vom Ballan. J 
W. Konstantinovpel, 8. Sept. Gegenüber den Erklärungen 
der bulgarischen Delegierten Sawow und Natschewitsch betonen 
hie offiziösen Blätter, ein Feilschen sei unnötig. Die Pforte 
webharre auf ihren Vorschlägen, nach welchen Dimotika, 
Ortakeej, und Kirkkilisse der Türkei verbleiben. Die Presse 
nimmt di Erklärung von einer zukünftigen türlisch-bulgarischen 
Entente kühl guf. In unterrichteten Kreisen glaubt man allge— 
mein, die Pforte beharre auf dem Besitz der Eisenbahn nach 
Adrianopel mit den Punkten, welche deren Verteidigung sichern, 
und werde Bulgarien eine dreieckige Zone nördlich und östlich 
von Kirklilisse zugestehen, welche Malkotirnovo umfakt und 
am Schwarzen Meer bis Iniada reicht. 
W. Sofia, 8. Sept. (Meldung des Wiener K. K. Telegr. 
KorrzBuregus.) An maßgebender Stelle sind Nachrichten ein— 
gelaufen, wonach es in Adrianopel zwischen Jung-— 
khürten und Alttürken zu schweren Zusammenstößen ge— 
bommen sein soll, bei denen mehrere Offiziere getötet und 
Enver Bey an der Hand verwundet worden sei. — Der 
heutige Ministerrat beschloß, von den bei den Fahnen befind 
lichn vier Jahrgängen die beiden älteren zu ent— 
a ʒ . dadurch wird der normaole Friedensstand wieder 
*r790&öt— 
W. Bremen 8. Sept. Auf seiner Rückkehr von der hundert— 
jährigen Feier der Schlacht bei Dennewitz, wo er am Sonn— 
abend die gestern wiedergegebene Rede gehalten hatte, weilte 
Fürst Bülow mit,seiner Gemahlin gestern in 
ßremen. Der ehemalige Reichskanzler war in aller Frühe im 
Sonderwagen gekommen. Vormittags besuchten der Fücit nund 
die Fürstin die Sehenswürdigkeiten der Stadt und 
machten sodann eine Fahrt in den Bürgerpark. Im Anschlug 
daran folaten fsie einer Einladung des Chefredakteurs der Weser— 
eitung, Fitger, zum Frühstück, an dem vom Senat die Herren 
Zürgermeister VRarlhausen, Bürgermeister Stadtländer und 
Zenator Biermanmnn, vom Norddeutschen Lloyd die Herrem 
bBräsident Achilles Direktor Heinecken und einige andere Herren 
eilnahmen. Kurz nach 2 Uhr setzte Fürst Bülow und Gemahl 
die Weiterreise ßber Oldenburg nach Wilhelmshaven fort. 
N. Immenstadt (Bayern) 8. Sept. Der, Zementwaren⸗ 
tabrikant Schafroth wurde auf seinem Fabrikhof von dem ent— 
cassenen Arbeiter Weber mit einem eisernen Hebe— 
erschlagen. 
W. London, 8. Sept. Daily Graphic sagt: Wir werden 
nicht im Unrecht sein, wenn wir in den Besuche des Königs 
von Griechenland in Deutschland ein ferneres Zeug— 
ris der Geschiclichkeit erblicken, mit der die deutsche 
Ddiplomatie bei der Krisis im nahen Osten ihre Pflicht 
erfüsst hat. Ter Besuch ist die Anerkennung der den Griechen 
zeleisteten wertvollen Dienste. Er wird zusammen mit den nahen 
Beziehungen der beiden Herrscher urzweifelhaft den deutschen 
Einfluß in Athen und im östlichen Mittelmeer stärken. 
W. Monte VPorzio, 8. Sept. Der erkrankte Kardinal 
Videsytuto ist gestern abend, nachdem sich sein Zustand pilök— 
rich verschlimmert hatte, gestorben. 
DT. Newyork. 8. Sept. Eine gut informierte Persönlich— 
keit teilte dem Newyorker Herald mit, daß der Grund zu 
xem bevorstehenden Rücktritz, Huertars zum Teil in 
inem schweren Augenleiden zu suchen ist. Huerla wurde be— 
ceits vor einem Jahre von dem jetzigen Minister des In— 
gern Urrutig, am Star operiert, der als Augenarzt einen guten 
Nqamen besaß. Die Operation scheint, jedoch nicht von nach 
jaltigem Erfolg gekrönt gewesen zu sein. 
T. Newuort, 8. Sept. Ein Zwischenfall, der ge— 
eignet ist, die, zwischen Mexiko und den Vereinigten 
Staatenn bestehende Spannung noch zu verstärken, hat sich 
an der Grenze ereignet. Wie aus El, Paso gemeldet wird, 
ist ein Offizier der mexikanischen Bundestruppen in 
namens Acosta, von zwei amerikanischen Zollbeamten getöte 
worden. Der Leutnant hatte die Grenzbrücke überschritten und 
mehrexe Schüsse auf die Amerikaner abgegeben. Etwa tau— 
send Mexikaner versuchten, die Brücke stürmen und ihren 
Landsmann zu retten, wurden aber von der amerikanischen Ka⸗ 
ballerne zurückoetreben 
n * 
W. Müncheberg (Mark), 8. Sept. Nach einem ehelichen 
Streit erschoß hier der 26jährige Schmied Georg Schulz— 
seine Frau und verlekte sich selbst durch zwei Schüsse lebhensge- 
fährlich. 
W. Wanne, 8. Sept. Der Fläeger Reichelt mit seinem 
Neffen Hähnel als Passagier 'st heute morgen 7 Uhr zum 
Weiterflug nach Paris aufgestiegen. 
W. München, 8. Sept. Der seit drei Tagen vermißt ge⸗ 
vesene 63jährige Chemiker Kaim aus Gruenwald, der Erfinder 
der Keimschen Farben, ist im Englischen Garten erschossem 
aAufgefunden worden. Zweifellos liegt Selbstmörd in⸗ 
folge Nervenzerrüttung vor. 
W. Reval, 8. Sept. Während einer Schießäbung auf 
dem Torpedoboote „Prytlyrus“ platzte ein 7,5-Zentimeter⸗ 
geschüt. Zwei Mann wurden getötet, drei wurden 
ichwer verletzt. 9 
W. Mazamet, 8. Sept. Ein Zug mit Winzern stiet mit 
einem Militärzug zusammen. Drei Personen wurden ge— 
45343 moehbrere vorfektt
	        
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