Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

ichen Ereignissen bekunden, eine Schädigung des Reichswohles 
und des preußischen Staatsinteresses. Er spricht die Ueberzeugung 
aus, daß die Thronbesteigung des Prinzen Ernst August in 
Braunschweig nur dann zugelassen werden darf, wenn der 
Herzog von Cumberland und Prinz Ernst August der Welfen⸗ 
partei eine öffentliche, unzweideutige Absage erteilen, und 
wenn des weiteren der Prinz und seine Schwestern für sich 
und alle Nachkommen ausdrücklich auf alle Ansprüche auf 
Hannover verzichten. Der Gefamtvorstand glaubt, daß die 
Frfahrungen, die jetzt in der Frage der braunschweigischen 
Thronfolge gemacht wurden, die Notwendigkeit dartun, alle 
Fragen der Erbfolge auf den Thron eines deutschen Bundes⸗ 
staates im Falle des Aussterbens der regierenden Familie 
dem Privatfürstenrechte zu entziehen und sie statt dessen reichs— 
gesetzlich zu regeln.“ 
An letzter Stelle sprach Dr. Ritker (Mainz) über die 
Fremdenlegion. Er befürwortete folgende Ent— 
schließung: „Der Gesamtvorstand des Alldeutschen Ver— 
zandes erblickt nach wie vor in dem Bestehen der franzö— 
ischen Fremdenlegion eine Einrichtung, die allen Gesetzen der 
Sittlichkeit und Kultur widerspricht und sieht einen Unerträg⸗ 
lichen Zustand darin, daß Frankreich überwiegend mit deutschem 
Blute seinen Kolonialbesitz sichert und vermehrt. Er ist der 
Ansicht datz als Mittel, das verhältnismähig am erfolg— 
reichsten Deutsche vom Eintritt in die Fremdenlegion abhalten 
würde, die Bildung einer eigenen, ständigen Reichskolonialtruppe 
in Betracht kommt; um deswillen bittet er die Regierung, 
eine solche Truppe zu schaffen.“ — Die Resolution wurde ein⸗ 
rimmig angenommen. 
In den Gesamtvorstand wurden neugewählt: General der 
Kavallerie z. D. Freiherr v. Gebsattel (Bamberg), Regierungs⸗ 
baumeister a. D. Reißmüller (Breslau), Pastor Reuß (Ham⸗ 
burgh und Alfred Roth (Hamburg), Vorstandsmitglied des 
deutschnationalen Sandlungsgehilfenverbandes. — Damit hatte 
die Sitzung ihr Ende erreicht. 
⸗ 
2. Reichskonferenz der liberalen Arbeiter und 
Angeftellten. 
Machdr. verb.) 8.&H. Halle a. S., 7. Sept. 
In Anwesenheit von Delegierten aus ganz Deutschland trat 
hzier der Reichsverein der liberalen Arbeiter und Angästellten in 
ver Bergschenke zu seiner 2. Reichskonferenz zusammen, die 
mit einer Vertretersitzung eingeleitet wurde. Der Vorsitzende, 
Lithograph Tischendörfer Gerlin), hieß die Erschienenen will— 
kommen. Abg. Dr. Wiemer überbrachte die Grühe und Wünsche 
des Zentralvorstandes der fortschrittlichen Volkspartei. Aus 
dem Geschäftsbericht, den der Schriftführer, Ingenieur Wilhelm 
WBerlin), eistattet, geht hervor, daß der Verein 64 Ortsgruppen 
mit 3382 eingeschriebenen Mitgliedern umfaßt. — Die Ver—⸗ 
sammlung ging dann zur Beratung von Anträgen über. An— 
genommen wurden Entschließungen, in denen eine möglichst starke 
Beteiligung en den Wohlen zur Arbeiterversicherung sowie ein 
ausgiebiger Schutz des Koalitionsrechts verlangt werden. Weiter 
heschäftigte sich die Tagung mit der Frage der Besserstellung 
der Acheiter in Staatsbetrieben, vor allem der älteren Ar— 
beiter, die nicht mehr als Unterbeamte angestellt werden können. 
Bei den Wahlen wurde der Vorsitzende Tischendörfer sowie der 
übrige Vorstand wiedergewählt. — In der heutigen Reichskon— 
ferenz lam als erster Redner zu Wort der württembergische Land— 
lagsabgeordnere Arbeitersekretär Fischer (Heilbronn), der das 
Thema behandelte „Politische und kulturelle Aufgaben des 
Liberalismus“. — Er verlangte, daß der Liberalismus das Be—⸗ 
wußtfein der nanonelen Verantwortlichkeit in alle Schichten des 
Volkes hineintrage. Der Staat müsse aus einer Angelegenheit 
der Fürsten zu einer Volkssache werden. Innerpolitisch müsse das 
Ziel des Liberalismus bleiben, unter Berücksichtigung des ge⸗ 
schichtlich Gewordenen dem deutschen Volke einen maßkgebenden 
Einfluß auf die Gestaltung seiner Geschicke zu verschaffen. Außer⸗ 
politisch sei es Pflicht und Recht der deutschen Nation, den Platz 
zu behaupten, der ihr auf Grund ihrer Entwicklung zukomme. 
Das soille erstrebt werden in erster Linie mit den Mitteln der 
Kultur nicht der rohen Gewalt. Um das zu erreichen, ist 18 not⸗ 
wendig, daß der Staat das Programm der Forfschrittlichen 
Volksparte! rüchhaltlos durchführt. Hierzu gehört die Be— 
rätigung auf allen Gebieten der Volksbildung, Kunlt und 
Wissenschaft. Zwech aller dieser Arbeit ist die Steigerung der 
Wohlfahrt des gesamten Volkes wie des einzelnen. Eine Dis— 
ussion über den Vortrag fand nicht statt. — Privatdozent Dr. 
Franz Oppenheimer Gerlin) sprach über „Großgrundbesitz und 
ounklen Schuldbewußtsein sah sie ihm nach, bis er hinter 
der Portiere vorn am Ausgang verschwunden war. 
Da atmete sie noch einmal tief. Dann trat sie zu ihrem 
Vater über die Schwelle. 
Der Oberstleutnant stedte gerade eine neue Zigarre in 
Brand. 
„Na“ — die dunmkle Felix⸗Brasil noch zwischen den Zähnen, 
nichte er Gerda gutgelaunt zu —, „was bringst du Gut's, 
Maãdel 
„Ich — ich hab' dir etwas mitzuteilen.“ 
„Das kommt ja so gedruckst heraus!“ lachte er gemütlich. 
„Was hast du denn ausgefressen — hm?“ 
(Fortsetzung folgt.) 
Theater, Kunst und Wissenschaft. 
Lübecd, 8. Sept. 
Stadthallen⸗Theater. 
„Gabriel Schillings Flucht“. 
Drama in 5 Allten von Gerhart Hauptmann. 
Es war vielleicht die dankenswerteste literarische Tat der 
Sommertheater⸗Saison, daß die TDirektion dem innerlichen 
Menschlingswerke Gerhart Hauptmanns auch in Lübed zur plasti⸗ 
schen Gestaltung verhalf. Mochte das Unternehmen des letzten 
Sonnabends manchem Freunde edler Kunst vorher etwas kühn 
erscheinen, die Güde und Harmonie der Wiedergabe bedeutete 
einen schönen Erfolg, auf den Schauspieler wie Regie stolz sein 
können. Mit Genugtuung sei das konstatiert und das andere 
daß dieser literarischen Hochleistung eine Aufführung entsprach, 
die mir als die geschlossenste und ausgearbeitetste erschien von 
Men, die ich zu sehen Gelegenheit hatte. 
„Keine Angelegenheit des grodsen Publikums“ nannte Gerhart 
Hauptmann diefes Werk, das er sunf Jahre lang zögerte, „auf 
den Hasardtisch einer Premiere zu legen“, dem der „reinen 
Pasüvität und Innerlichkeit eines kleinen Kreises“ war es ge⸗ 
pidmet. Hauptmann selbst war der Meinung, daß den Werke die 
Fähigkeiten abgehen, im üblichen Betriebe des Theaters zu wirken. 
Die Ereignisse und Geschehnisse sind die einer Welt, die hinter 
»er sichtbarlichen verborgen liegt, manchmal „bis zum An⸗ 
lopfen nahe“ jener anderen Welt, die man, wie Gabriel 
Schilling sagt, „durch dunile NRinge um beide Augen viel genauer 
soziale Frage“. Der Redner führte aus, daß der Begriff„libe— 
raler Arbeiter“ lange Zeit seine Selbstverneinung war. Träger 
des liberalen Gedankens wurden in das Lager der Soziacdemo— 
ratie getrieben. Jetzt ist die liberale Arbeiterbewegung wieder 
in Fluß gelommen. Man ist jetzt zu der Anficht gelommen, 
daß nicht nur das Kapital, sondern durch das Monopol der 
Bodensperrung die Gesellschaft bedroht wird. Redner ver—⸗ 
angte eine energische Initiative zur Belebung der Bestrebungen, 
zie auf Förderung der inneren Kolonisation hinzielen. Die 
Initiative der liberalen Partei muß durch Genossenschaften und 
ßewerkschaften unterstützt werden, vielleicht auch durch wisien— 
chaftliche Versuche, wie sie bis jetzt noch nicht praktisch gemacht 
vorden sind, durch Schaffung von Landarbeiter-Pro duktiv⸗ 
ßenossenschaften. Der Gedanke ist leicht und bequem, und 
venn er élückt, ist dies die beste Methode auf dem Wege zur 
Aufteilung. 
An die beiden Referate schloß sich eine lebhafte Distussion. 
— Es wurde cine Resolution angenommen, in welcher völlige 
Koalitionsfreiheit der Landarbeiter gefordert wurde. — Der 
Borsitzende schloß darauf die Tagung mit Dankesworten an die 
Teilnehmer. 
4* 
Deutsches Reich. 
Der Wehrbeitrag der Fürsten. Die Norddeutsche All— 
femeine Zeitung schreibt: „Die Durchführung der neuen 
Zteuergesetze zur Deckung der Heeresvermehrung wird im Reichs— 
chatzamt mit allen Kräften vorbereitet. Die Ausführungs— 
»estimmungen werden zur rechten Zeit der Oeffentlichkeit bekannt 
zegeben werden.“ Im Zusammenhang damit führt das Blatt 
veiter aus: „Immer wieder wird auch in der Presse die Frage 
rörtert, in welcher Weise die deutschen Bundesfürsten ihr 
Jersprechen einlösen werden, durch Beisteuerung eines frei⸗ 
billigen Wehrbeitrages ein Beispiel vaterländischen Opfer⸗ 
inns zu geben. Man fordert von ihnen eine bindende Erklä⸗— 
ung darüber, in welcher Höhe sie die einmalige Abgabe 
eisten wollen. Es ist nicht recht verständlich, in welcher Weise 
das geschehen soll. Soll jeder der deutschen Bundessürsten ekwa 
n seinem bundesstaatlichen Regierungsblatt eine entsprechende 
krklärung veröffentlichen oder seiner Regierung gegenüber ein 
eierliches Versprechen abgeben, damit es diese öffentlich ver⸗ 
ündet? Was in dieser Frage geschehen konnte, hat die Reichs— 
egierung schon vor langer Zeit getan. Der Reichsschatz⸗ 
ekretär hat bei der Beratung des Wehrbeitragsgesetzes der 
dommission für den Reichshaushaltsetat mitgeteilt, daß die Fürsten 
ius eigenem Antriebe sich bereit erklärt hätten, nach Maßgabe 
ind in Anlehnung an die Vorschriften des Gesetzes einen 
inmaligen Beitrag von ihrem Vermögen an das Reich zu 
Atrichten. Er betonte dabei ausdrücklich, daß bei der Fest⸗ 
etzung dieses Beitrages nicht kleinlich gerechnet wer— 
»e, und daß, wernn eine Abrundung erfolge, diese jedenfalls 
nicht nach unten erfolgen werde.“ Nach dieser Erklärung kann 
ein Zweifel darüber bestehen, daß die deutschen Bundesfürsten 
obald der Wehrbeitrag zur Erhebung gelangt, ihren Beitrag 
o entrichten werden, als wenn sie den Bstimmunçgen des Wehr— 
zeitragsgesetzes unterworfen wären. 
Die verlorene Haudschrift von Kelheim. Wie jüngst mit⸗ 
geteilt wutrde. hatte die sozialdemokratische Münchener Nost, 
durch Angriffe der Bayerischen Staatszeitung gereizt, die Er⸗ 
zählung zum besten gegeben, daß der erste Entwurf der 
Rede des Prinzregenten in der Befreiungshalle schon Wochen 
porher auf einer Reise von Passau nach München verioren ge— 
jangen sei und daß das Ministerium des Aeußern in seiner 
Angst, das Manuskript könnte der Münchener Post auf den 
Redaktions ich flattern, diese himmelhoch gebeten habe, von 
einer Veröffentlichung abzusehen. Die ultramontane Donau— 
eitung, das Organ des Dompropsftes und Abgeordneten Dr. 
bichler, hat nun daraus einen Diebstahl, der offenbar von einem 
henossen begangen worden sei, konstruiert und das sozialdemy⸗ 
ratische Otgan der Behlerei beschuldigt. Wenn irgend 
emandem, so ist damit der Münchener Post ein Gefallen ge— 
chehen. Sie kündigt damit eine Beleidigungsklage gegen die 
donauzeitung an und wird so inm der Lage sein, die tragikomische 
heschichte vor der Oessentlichkeit breitzutreten, vobei sie das 
Ministerium des Aeußern ganz gewiß nicht schonen wird. Wie 
zange mag es allmählich Herrn von Hertling vor deinen becen 
Freunden werden? 
W. Zur Weltausstellungsfrage. Die Hamburg⸗ 
Amerika Linie hatte an mehrere wirtschaftliche Vereini⸗ 
gungen, darunter auch an die Stäündige Ausstellungs— 
und gründlicher sehen kam“. Schon die Uraufführung 
m äalten Theater Goethes in Laustedt bei Halle zeigte, daß 
ser Dichter über dir Wirkung dieser Innerlichkeit sich ge⸗ 
äuscht hatte. Sie war da und lie ist da und ergreift mit klammern⸗ 
en Händen das Herz des sich in die Schönheit, Gewalt und 
Tiefe des Werkes Versenkenden, um es sobald nicht freizu— 
jeben. daß es noch lange nachzuckt in dem Gefühl, der Er—⸗ 
üllung eines Menschenschichsals zugeschaut zu haben, das nichts 
Schlechtes gewollt“ und flüchten mußte hinaus aus dem Leben, 
das es zerbrach. Wenn auch dem großen Haufen umverständlich 
— einen weisen Jüngling hörte ich nach der Aufführung sagen, 
eines Erachtens wäre der Titel des Stückes nicht richtig ge— 
oählt!! —, der doch nicht ganz kleinen Schar der Gebildeten 
vird stets, gerade vielleicht nach besinnlicher Lektüre des Werkes, 
iie Aufführung tiefe und starke Stunden bereiten. In tiefer 
znnerlichleit gegründet, ist es hineingewachsen in die Begebnisse, 
ie äußerlich das Innere stützen in wahrer Tramatik, die um 
so lapidarer wirkt, je tiefer die Welt hinter ihr erfaßt 
und erfühlt wird. 
Der Inhalt ist schon früher in diesen Blättern angedeutet 
vorden. Gabriel Schilling will sich und sein krankes Herz frei 
nachen von zwei Bedrängnissen, die es ketten, die ihn lähmen 
and zerbrechen, von der Schrankenlosigkeit der Geliebten, von 
der Beschränktheit der Frau. Ihre Kleinlichkeit greift ermattend, 
ermürbend an sein Küunstlertum, der anderen vampyrhaft kräfte⸗ 
augende überhitzte Domänie zerretißt sein Menschliches und saugt 
hm die Kraft aus den Adern, Mensch zu sein, so daß auch sie, 
die wähnt, ihm Muse zu fein, zum lähmenden Alp wird. Auf 
der kleinen Ostseeinsel, auf der die unbekümmerte Kraftnatur, 
ein Freund Mäurer mit seinem Lieb, dem „Schusterchen“, haust, 
indet er Erholung. Die erwachenden Kräfte, der neue 
Mut zum Leben lassen schon eine Fahrt ins sonnige Griechenland 
um Vorsatz werden, da kommt Sunna, die Geliebte; wieder ist 
r in die zermürbende Unruhe der Gefühle gestellt, die ihn 
von dem Vampyr forttreiben, von dem sich loszumachen ihm 
»och nicht die Kraft fehlt. Alles ist wieder aufgewühlt in 
hm, eine schwere Nervenkrise schiägt ihn zu Boden. Alts Berlin 
ird der allbefreundete Arzt herantelegraphiert, ahnungslos 
ringt er Schillings Frau Eveline mit: sie stehen einander 
zegenüber. In spannender Erwartung harrte man dieses 
Zzusammentresfens, ein Kleinerer ars Hauptmann hätte hier dem 
Moloch Theaterpublikum noch einen gröheren Fraß hingeworfen. 
kommisfion für die deutsche Industrie in Berlin, das 
Ersuchen gerichtet, sich gemeinsam mit der Hamburg⸗Amerika 
dinie um eine Vertretung der deutschen Industrie auf der 
Weltausstellung in San Franzisko, auch ohne Unterstützung 
der Reichsregierung, zu bemühen. Ihr Ersuchen war u. a. be— 
zründet worden mit einem Hinweis auf die außerordentlich 
rrobe Bedeutung dieser Ausstellung für die Entwicklung des 
»eutschen Exports nach der gesamten amerikanischen Westküste. 
Darauf hat die Ständige Ausstellungskommission geantwortet, 
daß sie der Anregung nicht Folge leisten könne, die amtliche 
Ablehnung der Einladung sei zm Einwernehmen mit der Stän— 
»igen Ausstellungskommission und noch deren Befragung erfolgt, 
vobei sich ergeben habe, daß sich die Vorstandsmitglieder 
n überwiegender Mehrheit gegen eine Beteiligung aussprachen, 
s sei unmöglich, dah die Kommifsfion sich hiermit durch 
ragendwelche Mitwirkung an einer privaten Beteiligung in Wi— 
»erspruch setze. Diese Antwort hat die Hamburg-Amerika Linie 
xeranlaßt, das nachstehende Schreiben an die Ständige Aus— 
tellungs kommission zu richten: 
Wir empfingen Ihr Schreiben vom 23. v. M. und bemerken 
dazu, daß wir uns mit Ihrer Auffassung nicht einwerstanden 
erklären können. Nach unserer Ansicht hatte die Ausstellungs— 
kommission gar nicht das Recht, sich mit der amtlichen Ablehnung 
ber Beteiligung an der Ausstellung in San Franzisko einver⸗ 
tanden zu erklären. Taͤe in der Ausstellungskommisfion 
bertretenen deutschen Interefsen, die für eine solche Betei— 
igung sprechen, sind derartig groß, daß, wenn die Aus— 
tellungskommission sie für unbeachtlich gehalten hat, das 
tur einem bedauerlichen Mangel an Sachkenntnis zuzuschreiben 
ein könnte. Aber auch wenn die Kommission die Interessen 
nicht für groß genug hielt, um sich daraufhin für eine Be— 
eiligung der Regierung gegenüber auszusprechen, war sie un—⸗ 
eres Erachtens nicht berechtigt, das Gegenteil zu tun und 
»amit die Interessen eines Teiles ihrer Mitglieder zu schä— 
zigen. Es wird der Kommisston nicht unbekannt geblieben 
ein, daß Vorbereitungen für eine private Beteiligung an der 
Ausstellung im Flusse sind. Wir dürfen von der Aus— 
tellungskommission erwarten, dab sie ihrer Aufgabe enta« 
prechend dieser Bewegung wohlwollende Förderung nicht ver⸗ 
iagt. Im vorzüglicher Hachachtung 
Hamburg-⸗Amerika Linie 
gez.: Ballin. 
* 
x 
Ausland. 
Norwegen. 
Der Fischerdampfer von Geestemünde. In der Anugelegen⸗ 
zeit des deutschen Fischerdampfers aus Geestemünde erklärte der 
orwegische Ministerpräsident Gunar Knudsen, daß. saus der 
dampfer eincn norwegischen Hafen anlaufen würde, das Schiff 
eschlagnaäahmt und der Kapitän sowie die Mannschaft verhasftet 
verden. Der Minister erklärte, das Auftreten der Deutschen 
ei skandalss und das Benehmen des Kapitäns verbrecherisch 
gewesen. Es scheint, als ob das Schiff entkommen sei, aber er 
hätte die feste Ueberzeugung, daß die deutähen Behzrden den 
dapitän exempigrisch bestrafen. Seine Regierung, so sagte der 
Fner wörtlich, hätte kein Interesse daran, Verbrechen zu be 
schützen 
Italten 
DT. Annexivnz gesüste auf die Infel Rhodos. Pariser Blättet 
berzeichnen ein aus London kommendes Gerücht, wonach die 
italienische Regierung die feste Absicht haben soll, die Insel 
Khodos zu armcktieren. Giolitti, geleitet von den Erwägungen 
iner politischen Natur, unterstützt diese Bewegung ener zisch. In 
zürze soll eine Konferenz zwischen Giolitti, San di Giuliano und 
Tittoni stattfinden, murrelcher ein definitiver Entschluß gefokt 
verden soll. Es sollen bereits im Geheimen Manifestationen 
)rganisiert werden, durch welche im geeigneten NAugenblick die 
Voiksstimmung zugunsten der Aktion entfacht werden soll 
Frankreich. 
. Konflikt zmischen deutschen und fran ösisch-talienischen 
Arbeilern. Der Temps gibt folgende tendenzisse Darstellung 
eines Konfliktes, der zwischen deusschen Arbeitern einerseits und 
französischen und nalienischen Arbeitern andererseits in der Bau— 
werkstatt von Floöret Rodez in Nancy ausgebrochen ist. Die 
Firma beschäftigt 160 Arbeiter, darunter 70 Deutsche. Diese 
etzteren sollen nun seit einiger Zeit sich den Arbeitern der 
anderen Nationaiitäten gegenüber in äußerst arronganter Weile 
hetragen haben; sie sollen aufreizende Lieder gesungen und 
Schmähinschristen gegen Frankreich und Italien an die Mauer 
der Fabrik geschrieben haben. Nach einem äußerst hefgen Wort 
wechsel erksärten die Italiener und Franzosen Freitsag abend, 
odaß sie die Werlstätten verließen, wenn die Deutschen nich! 
enütessen würden. Da man Zusammenstsße befürchtete, mußte 
VBoltzei in aller Eile geholt werden. Die deutschen Arbeiter 
ollen nunmehr, wie es heißt, auf eine weitere Arbeit in der 
gabrik verzichlset und sich auf gütlichem Wege mit der Direluor 
feeinigt haben. 20 von ihnen sind bereits von Nancy abgexreist 
Ir bleibt in den Grenzen, die er selbst den Gestalten gegeben. 
Das Gewitter bricht aus, aber nicht reinigend, denn der aus der 
Wolke brechende Blitz trifft Gabriel Schilling. Er flüchtet hin 
wus zum Meer, flüchtet weiter. „Sagen Sie, ich wäre baden 
gegangen.“ — — Und dam lkeine großen Worte — kein Ge— 
chrei — sie bringen ihn. Mäurer und Schusterchen halten sich 
tilk umfangen — eine milde verhallende Stimmung, hinten 
aunt das Meer — das war Gabriel Schillings Flucht. 
Die Darstellung war, wie gesagt, ganz vortrefflich. Nicht 
zulchzt set dies auf die schöne Regie bezogen, die mit kleinen 
Mitteln nachhaltige Wirkungen, tiefe Bilder und Werte gab 
Das Ineinandergreifen der Menschen war geschlossen. wie das 
Zetriebe eines Zahnrades; man hatte das schöne Gefühl. 
oaß die Darsteller, bewußt der hohen Aufgabe, ihre Kunst 
in würdigem Stoffe zu zeigen, nun auch ihr Bestes und Stärkstes 
jaben. Namentlich gilt dies von der erstaunlichen Leistung 
ßans Wallis' als Gabriel. Er hütete sich vor der Ge⸗ 
ahr. nur die Skizze eines Nervenkranken zu geben, sondern 
chürfte in die Tiefe. Er gab dieser schwankenden Pendelseele 
alle Feinheiten der seelischen Erschütterung, aber auch alles 
kErwachen des Besseren, alle resignierende Tragik, alle Angst 
und die Größe in der Schwäche. Manche Bewegung prägte 
ich dem Auge dauernd derart bildhaft ein, daß sie schlechter⸗ 
inas jeder Worstellung der Gestalt Gabriel Schillings zu— 
runde liegen muß. So schafft auch der Schauspieler bleibende 
Werte, die hinauswirken über das Augenblidhafte der Dar⸗ 
leliung. Eine prächtig sieghafte Figur schuf Fritz Göbel 
n Professor Mäurer; er war natürlich und stark, gesund in 
Tatur und Kunst, fleißig in der Arbeit, sinnesfreudig und 
leibend. Nur der alte Fehler, sich allzu oft zu versprechen, 
törte zuweilen. Dora Kaps war ihm ein frisches, gesund⸗ 
rohes liebendes Weib; die beiden bleiben zusammen, das 
euchtete aus beider Spiel und brachte so über die Flucht 
zes Unglücklichen hinagus, Lösung und Befriedigung im Ganzen. 
Ddie beiden widerstreitenden Frauen, die um den Besitz 
vabriels ringen, bis sie ihn zerbrechen, wurden von 
Kita Heims Wallis (ama Elias) und Magda 
Keichardt (Eveline) verkörpert. Die ernste Kunst Wagda 
keichardts habe ich schon oft würdigen können, sie gab auch 
hvier wieder ein Kabinettstück, ein Skück Kleinlichkeit, Beschränkt— 
hei. und Kümmerlichkeit ohne Uebertreibung, aber um so lläg— 
licher, verständlicher in ihrer Mirkung auf den Künstler Schilling.
	        
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