Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

y6. 
usgabe 4 
rinnervungoe 
an 1813. 
74 
Schlacht von Dennewiß 
16. September.) 
Die Schlacht bei Dennewitz ist nicht nur einer der ent⸗ 
scheidendsten Kämpfe, sondern die glänzendste Waffentat der 
Preußen im ganzen Befreiungskriege. Unter den drei Schlach- 
ten, die überhaupt nur in dem großen Ringen rein durch preu⸗ 
hische Kraft gewonnen wurden, ist sie die glorreichste; die Tage 
von Groß-Beeren und Wartenburg müssen dagegen verblassen. 
Ja, es war seit Napoleons Auftreten das erstemal, daß ein in 
der Uebermacht befindliches und unter günstigen Umständen 
kämpfendes französisches Heer in normaler Feldschlacht einem 
Feinde unterlag. Getrübt wird freilich die stolze Erinnerung 
durch den Umstand, daß bei Dennewitz Deutsche gegen Deutsche 
m erbittertsten Kampf fochten und die Württemberger damals von 
den Preußen fast aufgerieben wurden. — Ney, der am 3. Sept. 
in Wittenberg den Oberbefehl über die bis dahin von Oudinot 
kommandierte Armee übernommen hatte, führte seinem Auf—⸗ 
rage gemäh seine Truppen „dem Kaiser entgegen“, ohne daß 
er durch ein unbegreifliches Versehen überhaupt davon benach⸗ 
richtigt war, daß der Kaiser den Zug gegen Berlin aufgegeben 
jatte und nach Dresden zurückgekehrt war. Nachdem er bei 
Zahna mit großer Uebermacht den General Tauentzien zurück⸗ 
redrängt hatte, stieß am 6. Sept. das Korps Bertram von 
neuem auf Tauentzien, und es entspann sich ein Kampf mit der 
wackeren Landwehr, die dem furchtbaren Ansturm der Franzosen 
wie eine eherne Mauer standhielt. Schließlich aber mußte sie 
doch, an dem glühend heißen Tag, in eine dichte Wolke von 
Sand, Staub und Pulverdampf gehüllt, zurückweichen, und nun 
hrachte ein glänzender Reiterangriff die Schlacht wieder zum 
Stehen, bis im Augenblick der höchsten Not Bülow mit seinen 
frischen Truppen eintraf. Es rar um 1214 Uhr, als die Divi— 
tion Thümen in größter Eile heranrückte. Heftig wehrte sich der 
Feind, und die Reihen der Preußen gerieten in Unordnung. 
In diesem gefahrvollen Augenblick brachte Thümen durch sein 
entschlossenes Eingreifen die Seinigen zum neuen Vorstürmen. 
„Ein Hundsfott,“ rief er aus, voransprengend, „der mir nicht 
folgt und nur noch einen Schritt zurüdweicht.“ Zwei Pferde 
wurden ihm unterm Leibe erschossen, aber es ging wieder 
vorwärts. Bülow selbst beteiligte sich nun am Angriff; er wäre 
heinahe von herumschwärmenden polnischen Ulanen gefangen 
genommen, wenn es nicht seinem Gefolge gelungen wuͤre, die 
Reiter zu zerstreuen. — Am härtesten wurde um das Dorf 
Gölsdorf gefochten. „Bei Gölsdorf aber weiter, da ging es 
schlimm und schwer, — da wankte und da schwankte der Sieg 
lang hin und her,“ so singt das Volkslied, „bis unser tapfrer 
Borstell sie aus dem Dorfe trieb, — daß sie das Stehn ver—⸗ 
gahen, und uns der Sieg verblieb.“ Durch den außerordent⸗ 
lichen Staub, der von den trockenen Stoppelfeldern aufstieg und 
vom heftigen Wind den Preußen ins Gesicht geweht wurde, 
war eine Orientierung außerordentlich erschwert, und so hätte 
beinahe der junge feurige Führer einer heraneilenden Batterie, 
Wilhelm von Mühlenfels, die Freunde in Grund und Voden ge— 
schossen. Nach dem fünften Schuß sprengte ein Adiutant, der 
päter zum General befördert wurde, mit größter eigener 
Gefahr unter die vermeintlichen Feinde und klärte so den ver— 
derblichen Irrtum auf. Es war in dieier von einer unbarm— 
herzigen Sonne beschienenen Schlacht überhaupt ein furchtbarer 
Hegner aufgestanden, der Freund und Feind in gleicher Weise 
wuälte und zur Verzweiflung trieb: der Durst. So entstand 
iin merkmürdiges Ringen um den Brunnen von Gölsdorf. 
— 
Welt und Wißen. 
Die Ratte im Kampf gegen die schlagenden Wetter. 
In einer Newyorker Fachzeitschrift für Bergbau und Hütten⸗ 
kunde macht ein phantasiereicher Amerikaner einen eigenartigen 
Vorschlag zur Verwendung der Ratte im Kampf gegen die 
chlagenden Wetter. Dieser Vierfühler ist, wie so mancher 
mdere, gegen giftige Gase sehr empfindlich und kann als ein 
icherer Verkünder des Auftretens dieser gefährlichen Erschei— 
rungen gelten. Daran knüpft die neue Idee an. Es wird eine 
räftige Ratte ausgesucht und in einen Drahtkäfig gesetzt, der 
eine sich drehende Fläche enthält. Diese Fläche setzt durch einen 
Riemen einen kleinen Elektrizitätserzeuger in Tätigkeit, der 
wieder eine keine elektrische Lampe speist. Die Ratte aber dreht 
oie Fläche, indem sie sich vergeblich bemüht, ein Stück stark⸗ 
riechenden Käse zu erreichen, das in deutlicher Geruchs⸗ und 
Sehweite, aber sür das Tier nicht erreichbar angebracht ist. Der 
Apparat funktioniert also derartig, daß die Ratte den Käse 
riecht, ihn erlangen will und durch ihre Anstrengungen das 
Ldeuchten der Lampe hervorbringt. Füllt sich die Luft des Berg⸗ 
verls mit giftigen Gasen, dann verliert die Ratte ihre Kräfte 
ind die Lampe erlischt. Der Beobachter des Apparates 
erkennt daraus die nahe Gefahr und schlägt Alarm. Die Ratte 
— 
ind Ruhestunden; sie darf aber nicht zu viel zu essen be— 
lommen, damit sie mager bleibt und ihr Verlangen nach dem 
Käse sowie ihre eifrige Bewegung nicht nachlassen. K. O. 
— 4 
Ein neues Zwergvolk auf Neu⸗Guinea. 
Die im Auftrage der Britischen Ornithobogischen Gesellschaft 
»ur Erforschung der Tierwelt von Neu-⸗-Guinea ausgesandte Expe⸗ 
dition veröffentlicht jetzt einen zusamrmenfafsenden vorläufigen 
Bericht über die Ergebnisse der dreijährigen Arbejt. Besondere 
Aufmerhsamkeit beansprucht dabei die Entdeckung eines bisher 
unbekannten Zwergvolkes im Inneren Neu-Guineas. Nach mehr— 
nalgen vergeblichen Versuchen gelang es den Expeditions⸗ 
eilnehmern schließlich, die schwierigen Berge zu bezwingen, 
die das Vordringen in das Innere der Insel zu schwer machen. 
Während die Expedition in ihrem Vormarsche dem Laufe des 
Kaparek folgte, stiehh man auf zwei Eingeborene von auffällig 
neringer Körperaröhe Es gelang die heiden fnnnen unmd 
— 29* 
2 — 
ezgess ZM)— 
FBRAX —33 * L 
— 
* —* 
—43 
5D 
I 63 * 
Annabend, den 6. Septemer 1913. 
Abend⸗Blatt Ur. 451. 
Hitze, Staub und Anstrengung hatten die Gier nach einem 
Trunk Wasser aufs Aeußerste gesteigert und ließen viele um der 
Zefriedigung dieses Bedürfnisses willen dem Tode trotzen. 
„Der Brumen lag im wirksamsten Bereich der Kartätschen⸗ 
hüsse“, berichtet ein Mitkämpfer, „aber dies verhinderte nicht, 
»aß er von vielen Hunderten von beiden Teilen, die hier für 
inen Augenblick die Feindschaft vergaßen, umlagert wurde. 
zataillone lösten sich hier teilweise auf, und weder Güte noch 
hewalt vermochte dem zu steuern. Von beiden Seiten wurden 
iele das Opfer des brennenden Verlangens, ihren Durst zu 
zschen.“ — Unterdessen war um 2 Uhr das französische Korps 
demmier auf dem Schlachtfelde eingetroffen, und eroberte das 
ereits genommene Gölsdorf zurück. Der Kampf wogte unter 
er Führung Boyens wieder hin und her, und es schien fast, 
ls sei für die Preußen alles verloren, wenn der mit frischen 
räften eingetroffene Oudinot ebenfalls hier zum entscheidenden 
toß ansetzte. Da entschied ein einziger Fehler Neys das 
chicksal des Tages zugunsten der Preußen. Der französische 
berbefehlshaber, der sich beim Korps Bertram befand und 
ur dessen üble Lage im Auge hatte, befahl seinem Vorgänger 
nd nunmehrigen Untergebenen Oudinot, zur Unterstützung dieses 
rorps abzumarschieren. Der in seinem Stolz lief verletzte 
udinot führte den verhängnisvollen Befehl auch wirklich aus 
ad ließ Reynier im Stich, dem nun nichts anderes übrig 
lieb als der Rücdtzug, während Oudinot viel zu spät kam, um 
och die Niederlage Bertrams aufzuhalten. Das Eingreifen der 
ywedisch-russischen Armee vollendete dann den preuhischen Sieg. 
ewaltig war der moralische Eindruck dieses Tages, der prächt'g 
der Schlußstrophe des bekannten Volksliedes auf die Schlacht 
ei Dennewitz zum Ausdrud kommt: „Vorwärts! Wir woll'n 
icht ruhen, bis wir sie allesamt — erschlagen und verjiaget 
us unserm Preußenland. — Frisch auf und immer weiter, der 
zimmel hilft uns schon, — zum Teufel mit Franzosen und mit 
dapoleon!“ Während sich die preußischen Generale als über— 
»gene Strategen. erwiesen, hatte Ney durch seinen Leichtsinn 
ind seine Unüberlegtheit die schwere Niederlage verschuldet. 
leberall erklang das Rückertsche Spottlied auf ihn: „Ey, ey! 
— Ney, Ney! — Ey, Ney, was hast du verloren? — Die 
rute Schlacht bei Dennewitz — Durch unseren und Gottes 
Blitz — Der mit uns mar verschworen. — Hast du, hast du 
derloren!“ O. K. 
Aus den Nachbargebieten. 
—⸗ 
diamantenen Sochzen. Herr Wiartens in 82, seine Gattin 
80 Jahre alt — Todes prungvom Wafserturme Ein 
or wenigen Tagen aus Braunschweig zugereister Gärtner fand 
Beschäftigung in den Anlagen beim Wasseruem in Rotensurg;z- 
ort. GEeltern rüh erstieg er den Turm und sprang, in seibst- 
nwörder'scher Ablicht in die Tiefe. Die vollständig zerschmetterte 
deiche wurde in die Leichenhalle beim Hafenkrankenhaus gebracht. 
Güterberaubung. Vier Anagestellte einer größeren 
Reederei haben in den letzsen neun Monaten im Laderaum eines 
Schisfes Kisten erbrochen und nach und nach für 3000 M. Klei— 
ungsstücke, Stiefel und andere Sachen gesiohlen, die fie in 
zamburg und, auswärtigen Häfen an SHändler veräußerten. 
Zwei der Güterräuber wurden in Antwerpen und zwei in 
hamburg verhaftet. 
Großherzo gtum Oldenbnrg und Fürstentum Lbed. 
QEutin, 6. Sept. Der Gemeinderat beschloß in 
weiter Lesung den Ankauf des dem Fabrikanten C. Friedrichsen 
gehörigen Hausgrundstücks für 24 000 Muund des dem Pen— 
ionsbesitzer Schhnoegaß gehörigen Pensionshauses „Carl Maria 
»on Weber“ für 26 000 M. Ueber die Beträge sollen Anleihen 
ufgenummen werden. Der Landesverband hatte angefragt, ohb 
zie Stadt im nächsten Jahre Elektrizität vom Landesverband be— 
iehen wolle. Der Gemeinderat will zu dem Antrage keine 
Ztellung nehmen, bevor nicht die Stadt über den Strompreis 
ind die näheren Bedingungen für die Stromabgabe, namentlich 
Behandlung Eutins als Großabnehmerin genau unterrichtet ist 
Für die Stelle eines bei der neu errichteten Realschule Cnzu 
tellenden wissenschaftlichen Hilfslehrers wurden Kellermann 
dlausthal, Zimmer-Dresden, Vahlbusch-Buxtehude und für du 
ztelle eirer Oberlehrerin Frl. Schomann-Hamburg und Fri 
dinhardt-Maunheim vorgeschlagen. In nächster Sitzung wird 
darüber Beschlutz gefatzt werden, wer von diesen angeste! 
verden soll. 
— Schhwartau, 6. Sept. Im Stadtrat wurde r 
Voranschlag der Fortbildungsschule für 1913/14, der einen In 
chuß von 1120 Meseitens der Stadt erfordert, angenommen. 
yür die Auswahl von Schöffen und Geschworenen wurde 
rabrikant Röhr und Schlachtermeister König zu Necrtroue::“— 
nännern gewählt. — Der Bebauungsplan für den Riesebusch. 
eit 1907 zurückgestellt, wurde, weil inzwischen aeue Juteressen 
zutage getreten sind, erneut beraten. Die Bebauungsvorichriitfe 
vurden genehmigt. — Das neue Ortsstatut über das Feuern 
ösch⸗ und Rettungswesen der Stadt, dessen Bestimmungen 
den Bürgertteisen lebhaften Widerspruch hervorgerufen hahen 
vurde in 2. Lesung abgelehnt. — Die Herstellung einer neuc 
z„chotterdede für die Nikolaus- und Waldstraße wurde o 
sehmigt, meitergehende Anträge auf Bordsteinerneuerung usr 
ourden abgelehnt. — Der Entwurf zur Straßenordnung, * 
»em Bürgeryerein und Grundbesitzerverein eine Reihe Roände 
ungsanträge gestellt haben, denen zum größten Teil itatt- 
gegeben wurde, wurde in 1. Lesung angenommen. — 
K. Ahrensbök,,sb. Sept. Die hiesige, Orts- 
zruppe des Deutschen Wehrvereins Zählt bereits 
114 Mitalieber. — 
L. Gnisffoau, 6. Sept. Das Ehrenkreuz l. Klasle 
hat der Großherzog dem hiesigen Gemeindevorsteher Hardt nach 
25iäbr. Armlts föfigkeit nerliehen. 
Großherzogtümer Medlenbutg. 
Schwerin, 6Sept. Das Großherzogspaar in 
Mandover. Am 15. und 16. Sept. wohnen, der Großherzog 
ind die Großherzogin den Manövern der 17. Division und 
im 18. 19. und 20. Sept. den Manövern des 9. Armeekorps 
»ei. Als Ordonnanzoffiziere sind zum Großherzog Oberleut— 
iant Hende vom Füsilierregiment 90, zu der Großherzogin 
Leutnant v. Dertzen (Defwig) vom Dragonerregiment 18 kom— 
nandiert. 
Neukloster, 6 Sept. Verschüttet. Zwei Arbeite: 
hjatten beim Draivpieren auf dem Ader des Erbpächters Ising 
in Grob-Tessin alle Vorsicht außer acht gelassen, s) daß an 
einer tiefen Stelle plötzlich Erdmassen auf die Arbeiter herab— 
türzten. Während der eine auf seine Hilferufe hin befreit 
verden kennte, fand der andere, der Tagelöhner Hase aus 
Warnkenhagen, den Tod durch Ersticken. 
Woldegk, E Sept. Ertrunken. Als der beim Gast—⸗ 
wirt Ludke in Wolfshagen bedienstete Knecht Häseler zum Teich 
ruhr, um Wasser zu holen, geriet er mit dem Fuhrweck in eine 
iisf⸗ Stokle und ertran“ Die Pferde wurden gerettet. 
— — 
550 Milfl. M. Im Jahre 1908, als die amerikanischen In⸗ 
genieure nach vierjähriger Arbeit bereits einen genaueren Ueber—⸗ 
zlich gewinnen konnten, stellie eine neue Kommisfion die Summe 
ruf 660 Mill. fest. Der miedriaste Anschlag wird also nach der 
ßzollendung um fast eine Milliarde überschritten sein. Die 
Zilanz vom 30. Juni gibt auch bereits wichtige Mitteilungen 
ber die Verteilung der Koshen. Danach haben die eigentlichen 
danalarbeiten bisher 750 Mill. Muverschlungen. Die Sanierung 
»es Panamagebietes, die außerordentliche Opfer erforderte, 
iber nun aus dem von den schlimmsten Seuchen durchwũüteten Lande 
inen gesunden Aufenthaltsort gemacht hat, erforderte einen 
Aufwand von 60 Mill. Meund die Anlegung der Eisenbahn 
jat weitere 40 Mill. Meerfordert. Die Ingenieure lonnten 
»ei ihren Anschlägen auch nicht mit dem unerwarteten Empor⸗ 
chnellen der Löhne rechnen. Diefe sind so bedoeutend gestiegen, 
»aln die Mechaniker, die die Baggermaschinen bedienen, und 
ie ursprünglich mit 500 Muden Monat engagiert wurden, jetzt 
340 Mepro Monat erhabten. Dee Ingenieure, die als Maxi— 
num ein Gehalt von 1200 Mmonatlich erreichen sollten, 
rhalten 2000 M. Außerdem haben die Veränderungen, die die 
unächst zur Ausführung bestimmten Pläne erfuhren, sehr bedeu⸗ 
tende Mehrkosten verursacht. So bedingte z. B. die Verbreite— 
rung des Kanals beim Culebra⸗Turchstich von 200 auf 300 Fuß 
»in Anwachsen der Kossen um 40 Milss. M KXG. 
* 
ar 
Der Wert der drahtlosen Telegraphie in der Polarforschung 
sat bei der auftralischen antarktischen Expedition des Dr, Maw— 
on m der Praxuis seine Feuerprobe glänzend beitanden. Wäh- 
end des unfreiwilligen zweiten Winteraufenthaltes in den Eis⸗ 
vüsten der Suüdpolarregion steht der Forscher im ungehinderten 
elegraphischen Verkehr mit dem Heimatlande; erst kürzlich 
chickte ihm die Geographische Gesellschaft von Viktoria ein 
rahtloses Begrüßungstelegramm, auf das am solgenden Tage 
ie Antrort eintraf. Der Meteorologe der Expedition Mr. 
Llinsworth ãuherte sich geradezu begeistert über die Hilfe, die 
ie drahtlose Telegraphie ihm leistet. Er überwintert bekanntlich 
nit seinen Gefährten auf der Macquarie-Insel, die nahezu 
1300 Km. von dem Winterquartier Dr. Mawsons auf Adeliland 
intfernt ist, steht aber stäͤndig mit Dr. Mawson in Verbindung. 
Auf diese Weise ist es der Gruppe Ainsworth nröglich, dem 
deiter der ganzen Expedition täglich Berichte zu übermitteln 
und seine Anweisungen und Minlelungen 2 fann— 
Hansestãdte. 
SHamburg 6. Sept. Verkauf der Kaisergalerie 
n den hamburgischen Staat. Es verlautet, daß die 
rinanzdepuse tion vorbehältlich der Genehmigung der Bürger— 
chaft das Geschäftshaus, Kaisergalerie“, Grohe Bleichen 28327 
ekauft hat. Edmund ZA. Siemers der kürzlich das Grund— 
rück in Verteidigung seiner Hypothek im Zwangsverkauf er— 
vorben hatte, soil es der Finanzdeputation zum Selbstkosten⸗ 
reise überlassen hoaben. Mit Rückständen und Kosten dürfte das 
rundstück auf ca. 3 300 000 Mzu stehen kommen. Nach den 
zedingungen des Zwangsversteigerungsgerichts blieb nur die 
ste Hypothek von 500 000 Miubestehen, es waren zum Erwerbe 
s Grundstüchs durch einen dritten also bar rund 2 8060 000 
ark notwendig. Dieser horrende Barbedarf Hhat natürlich 
den dritten Reflektanten vom Kaufen ausschließen müsfen. 
a das GCrundstück über 3300 qm groß ist, fast doppelt so groß 
die das Esplanade-Hotel, außer der Straßen- noch eine Flet— 
ront besitzt und bei voller Vermietung über 300 900 Musähr- 
ich an Viete einbringt, so ist der Ankauf, falls sich das Gerücht 
on dem Aufquf durch die Finanzdeputation bewahrheiten 
ollte, für den Siaat als außerordentlich günstig zu bezeichnen, 
amentlich wenn man ihn vergleicht mit dem vor einigen 
zjahren erfolaten Ankauf des AÄrtushofes. Erinnert sei noch 
aran, daß im Versteigerungstermin nicht weniger als 640 000 
Nark Hypotheken, die hinter der Siemersschen Hypothek standen, 
erloren gegangen sind. 
(Kleine, Nachrichten) Diamantene Hochzeit. 
Der frühcte Lotse H. El. Martens und seine Gattin Katha— 
ring Eissabe:h. geb. Külpver, feiern heute das seltene Fest der 
da man sie sehr sorgfältig behandelte, gewann man ihr Ver— 
rauen. Mit Hilfe der beiden Festgehaltenen trat man in 
zerkehr mit deren Stammesgenossen und konnte auf diese 
Veise wertvolle Beobachtungen über dieses noch unerforschte 
zwergvolk machen. Es sind die Tapiros, ein Negritovolk, das 
s bisher verstanden hatte, der Aufmerksamkeit aller früheren 
uropäischen Expeditionen zu entgehen. Ter Stamm, mit dem 
ie Forscher in Berührung traten, zählte gegen 60 Männer, deren 
urchschnittsgröhe man durch Messungen festzustellen vermochte. 
ese Negritos von Neu-Guinea sind 1,412 m groß, übertreffen 
lsso kaum die Negritos vom Kengo. Die Bemühungen der 
deisenden, die Frauen und Kinder, die sich in das Innere des 
srwaldes geflüchtet hatten. zu Gesicht zu bekommen, blieben 
esultatlos. Die Tapiros leben in Höhengegenden, 600 —800 m 
ber dem Meeresspiegel. sie sind in ihren Körperformen wohl— 
ebaut, kräftig und muskulös, ihre Hautfarbe läln sich mit 
nem dunklen Schokoladenbraun vergleichen, in den Haaren 
aAllen rötliche Reflexe auf. Fast aile erwachsenen Männer weifen 
nen ziemlich starken Bartwuchs auf; die Greise särben ihren 
zart brennend rot. Gewänder sind unbekannt, den Lenden⸗ 
hurz ersetzt ein länglicher Kuüurbis, der an einem um die Hüften 
eschlungenen Bande getragen wird. Dagegen schmücken sich die 
apiros mit Arm⸗ und Halsbändern, die aus Kernfrüchten, 
inochenteilen und Tierzähnen gefertigt sind. Dah im Inneren 
deu-⸗Guineas Zwergvölker leben, hatten bereits frühere flüch— 
ige Beobachtungen erwiesen; jeßt ist es zum erstenmal ge— 
ungen, genauere Angaben über die Eigentümlichkeit dieser selt⸗ 
amen Rasse zu sammeln. X.O. 
* 
Die Kosten des Panamakanals. 
Ein vor. kurzem veröffentlichter Bericht der amerikanischen 
egierung stellt fest, dah die für die Erbauung des Panama— 
anals gemachten Aufwendungen am 30. Juni d. J. die Summe 
on 1200000 000 Mubereits überschritten und dah die Ge— 
amtkosten 192 Milliarde Mark wahrscheinlich erreichen dürften. 
?s ist interessant, mit diesem Endergebnis die Kostenanschläge 
u vergleichen, die vorher gemacht worden sind. Als die 
zereinigten Staaten das riesige Unternehmen zu vollenden 
ich entschlossen, im Jahre 1901, berechnete ein Ausschuß von 
dachverständigen und Ingenieuren die ungefähren Kosten auf 
00 Mill. M. Fünf Jahre später setzte eine neue Kommission 
esse Eumm —ee vnd sBbesxffe—— e Gelfiten w4
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.