Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Bürgschaften für die zweiten Stellen Aernehmen zu lassen. 
Dadurch würde nur einer wilden Spekulation Vorschub gelelstet 
verden. Die Gemeinden selbst aber würden das Los der Grund— 
zesitzer teilen und ruiniert sein. Die Verstaatlichung des realen 
Tredits ist ebenfalls eine Forderung der Bodenreformer. Mit 
dem Kredit aus öffentlicher Haud jedoch bei den zweiten 
swpotheken gerade anzusangen, erscheint nicht angäng'g. Man 
'ann keiner Gemeinde zumuten, Gelder für zweite Stellen 
jerzugeben, so lange die ersten Stellen kündbar sind, denn das 
önnte unter Umständen zu einer Subhastation und zu 
inem glatten Ausfall der zweiten Hypotheken führen. Aus 
ledem erhellt, daß die Frage der zweiten Hypotheken nur auf 
»er Basis groher Verbände gelöst werden kann, daß, wie 
gesagt, nur die Sanierung der ersten Hypotheken, möglichst auf 
reichsgesetzlichem Wege, auch den zweiten Hypotheken Lebens— 
ähigkeit geben und den Haus- und Grundbesitzerstand, dessen 
Erhaltung einer jeden besonnenen Volkswirtschaftspolitik mit 
Frnst am Herzen liegen muß. vor dem Ruin schützen. 
Deutsches Reich. 
Die Amfunft des Kön'gs von Griechenland in Berlin ist auf 
jeute früh 8 Uhr 2 Min. festgesetzt. Die Königin mit den jun—⸗ 
jeren Prinzen und Prinzessinnen wird in späterer Zeit dem 
zaiserlichen Hof einen Besuch abstatten. Im Gefolge des 
Königs befinden sich Oberstleutnant Levidis und Mafor Ka— 
inski. Der Empfang wird sich im grohen Rahmen abspielen, 
edoch werden auf dem Bahnhof nur der Kaiser, die Prinzen, 
zie Generale und Generalleutnants sowie der Kommandant und 
eine Ehrenkompagnie anwesend sein. Die Weiterreise in das 
Faisermanöver erfolgt am Sonntag mittag. 
Untecstaatssekretär Dr. Alfr. Zimmermann. Aus parla— 
nentarischen Kreisen wird uns geschrieben: Die Nachricht von 
»em bevorstehenden Ausscheiden des Unterstaatssekretärs Dr. 
Alfr. Zimmermann aus dem Auswärtigen Amt kommt nicht 
überraschend. Man wuhte längst, daß dieser beste Kenner der 
»eutsjchen Diplomatie im Ausland nur aus Pilichtgefühl nach 
em unerwarteten Hinscheiden des Staatssekretärs v. Kiderlen— 
Wächter auf seinem Posten ausgehalten und trotz ungünstiger 
ßesundheit seine wertvolle Kraft dem neuen Herrn, Staats⸗ 
sekretär v. Jagow, zur Einarbeitung zur Verfügung gestellt 
zaste. In der Tat hat er denn auch im letzten Winter und 
Frühjahr die Hauptlast des Auswärtigen Amts getragen und 
var nicht nur bei seinen hohen Vorgesetzten, sondern auch 
bei den Reichstagsabgeordneten aller Parteien eine hochge— 
chätzte Autorität. Wenn er nach den letzten Anstrengungen 
etzt endlich den ruhigeren Posten eines ostasiatischen Bot— 
chafters zu übernehmen gewillt ist, so wird dem verdienst⸗ 
»ollen 54jährigen Beamten jedermamn solchen Wechsel gönnen. 
fs wird auch-kaum einer, der ihn bei seiner Berliner Arbeit 
resehen hat. daran zweifeln, daß er sowohl in Veking wie 
n Totio der rechte Mann am rechten Platz sein würde. 
Besorgnis bereitet nur der Gedanke, ob die Lücke, die er im 
Auswärtigen Amt hinterlassen würde, sofort voll ausgefüllt 
rerden kann. Staatssekretär v. Jagow hat jedenfalls 
Dr. Zimmermanns Erfahrung und Arbeitskraft bis zum letzten 
Augenblick in einem Umfang in Anspruch nehmen müssen, daß 
rur ein vollwertiger Ersatz alle Besorgnisse wegen ungenügen⸗ 
der Leistungsfähigkeit des diplomatischen Dienstes in den nächsten 
Monaten beheben könnte. Freiherr v. d. Bussche⸗Haddenhausen, 
der deutsche Gesandte in Buenos Aires, wird mit Bestimmtheit 
us Nachfolger Dr. Zimmermanns bezeichnet. Er war früher 
chon vortragender Rat im Auswärtigen Amt, so daß man 
»offen darf, er sei mit dem diplomatischen Auslandsdienst 
»es deutschen Reiches vertrauter, als es seine jahrelange Tätig⸗ 
eit fern von der Berliner Zentrale zunmächst vermuten läßt. 
Ein Dementi. Gegenüber den Ausführungen, die das 
hochland anlählich des Geburtstagsfestes des bayerischen Mi⸗— 
risterprasidenten Freiherrn v. Hertling bezüglich der Be⸗— 
rufung des gegenwärtigen Ministeriums gemacht 
rat, veröffentlicht die Bayerische Staatszeitung eine 
ochoffiziöse Erklärung, worin zunächst der Wortlaut des Aller⸗ 
höchsten Handschreibens, das Prinzregent Luitpold an den Staats— 
ninister Dr. Grafen v. Podewils am 11. Febr. 1911 bei seinem 
Rücktritt gerichtet hat, mitgeteilt wird. Die Staatszeitung 
schreibt: Ter warme Ton, in dem das Allerhöchste Handschreiben 
nehalten ist, bekundet die dankbare Gesinnung, mit der weiland 
SZeine Königliche Hoheit Prinzregent Luitpold die, wie das 
handschreiben hervorhebt, selbitlose Hingebung und rüchhaltlose 
Treue anerkennt, mit welcher ibhr Dr. Graf v. Vodewils ge— 
dient hat. Im Hinblick darauf erübrige sich eine befondere 
zurückweisung der in dem erwähnten Artikel enthaltenen Be— 
hauptung, wonach der verstorbene Prinzregent über die Täu⸗ 
schung durch seine Ratgeber tief verbittert und verstimmt ge⸗ 
vesen sei. Nicht minder irrig ist die Behauptung, weiland 
Seine Königliche Hoheit Prinzregent Nitvold sei über den Nus- 
inmal diese Komödie mir gegenüber? Pardon für das Wort — 
iber ich kann mir nicht helfen.“ 
In Gerda war ein letzter Kampf. Dann sah sie ihn an, 
munier noch blaß, aber mit großen, ernsten Augen: 
„Nun gut, lassen Sie mich rüchhaltlos sprechen. Gewiß, 
ch bemerkte natürlich Ihr Interesse. Aber — hatte ich irgend 
inen Anhalt für seinen Ernst?“ 
Es war, als wollte er leidenichaftlich losbhrechen. aber dann 
ab er zu: 
„Siee haben recht. Was wissen Sie im Grunde von mir? 
Ja, vielleicht — ich fürchte, ich bin sogar sicher: das, was 
Sie wissen, vom Hörensagen. es war wohl gerade keine 
Empfehlung für mich.“ 
„Der Klatsch gleitet an mir ab.“ 
„Fräulein Gerda!“ Eine impulsive Bewegung, als wollte 
er nach ihrer Hand greifen. Aber dann beherrschte er sich 
»och. Nur aus seinen Augen brach es. „Ich danke Ihnen! 
Und nun lassen Sie mich einmal offen sprechen, ganz offen. 
denn Sie haben ein Recht, zu wissen, wer ich bin. Darf ich?“ 
Ein kaum merkliches Neigen ihres Hauptes. doch es ließ 
bon hoffnungsfroh aufatmen. 
„Ich sagte Ihnen schon damals, gleich bei unserem ersten 
Begegnen — Sie besinnen fich wohl noch? — Ich bin ein 
Fahrender, und mein Leben bisher war unstet — bisweilen 
vild, ich leugne es nicht. Aber ich bekannte Ihnen auch 
veiter: ich war trotzdem ein Suchender, nach dem heiligen 
Ffeuer. War es meine Schuld, daß ich es so lange nicht fand, 
»aß mich manchmal falsches Licht trog?“ 
Sie erwiderte nichts. Aber in ihrem Schweigen war etwas, 
vas ihm den Mut gab, weiter wu sprechen. 
„Und nun fand ich Sie, Gerda. Sie nahmen von mir 
Besitz im ersten Augenblid. Sie wifsen es ja. Freilich — Eie 
ohen, ich bin rückhaltlos offen, mir selber zum Schaden viel— 
eicht; aber Sie sollen mich ktennen lernen. wie ich hin — 
ill der letzten Reichslagswahlen sowie über die Gründe, die 
ur Auflösung des bayerischen Aboenrdnetenhauses und zu den 
urchtbaren Wahlkämpfen geführt hätten, im Unklaren oelassen 
rden. Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß sowohl der 
amalige Vorsitzende im Ministerrat Dr. Graf v. Podewils wie 
er damalige Staatsmimister des Innern Dr. v. Brettreich dem 
degenten wiederholt Vortrag über die erwähnten Vorgänge 
rstattet haben. 
Zugabeunwesen. Durch verschiedene Tageszeitungen ging 
ine Notiz, wonach es bereits sicher sei, daßz ein Gesetz gegen 
as Zugabeunwesen nicht zustande käme. Dem— 
egenüber ist mitzuteilen, daß es unrichtig ist, daß die 
richtuna der beim Handelsminister eingegangenen Antworten 
auf seine Umfrage bei den Handels- und Detaillistenkammern 
vegen ihrer Stellung zum Zugabeunwesen ergeben hat, daß 
ich Jür und Wider in gleicher Stärke Hegenüberstehen. Růchtig 
st vieimehr, daß noch nicht einmal der dritte Teil der be— 
ragten Handels- und Detaillistenkammern bis jetzt auf die 
lImfroge des Handelsministers geantwortet hat. Soweit Ant— 
vorten erfolgt sind, sprechen sich diese in weit überwiegender 
zahl für eine gesetzliche Regelung des Zugabewesens aus. 
„s besteht. deshalb kein Zweifel darüber, daß die erwähnte 
zreßnotiz von einer Seite herrührt, die Interesse daran hat, 
1 wünschen daß eine gesetzliche Regelung des Zugabewesens 
erhindert werde. Herr Reichsgerichtsrat Dr. Lobe hat neuer— 
inas Vorschläge für Ergänzung des U.W.-G. gemacht, die 
är agesetzliche Regelung geeignet erscheinen und die Beseitigung 
»er Zugabenunsitte herbeiführen würde. 
Bund der Industriellen. Die Berliner Politischen Nachrich— 
en verbreiteten am 2. September einen Norrespondenzartikel, 
velcher eine Reihe sachlich ebenso unbegründeter als in der Form 
ehässiger Angriffe auf den Bund der Industriellen enthäit. Vom 
zunde der Industriellen wird uns dazu geschrieben, daß ex es 
blehnt, den Berliner Politischen Nachrichten auf grobe Ent— 
ellungen und Beschimpfungen zu antworten. Der Bund der 
zndusttielien begnügt sich mit der Feststellung, daß er niemals 
eind in keiner Weise die „Demokratie und Sozialdemokratie“ als 
eine „Eideshelfer“ in Anspruch genommen habe, und daß er nie⸗ 
nals als Gegner der Landwirtschaft aufgetreten ist. Sehr wohl 
ber wird vom Bunde der Industriellen in Uebereinstimmung 
nit den weitesten Kreisen der deutschen Industrie ein scharfer 
Interschied gemacht zwischen der Landwirtschaft und dem Bunde 
er Landwirte, dessen industriefeindliche Politik vom Bunde der 
zIndustriellen pflichtgemäß bekämpft wird. 
Die Schreckenstat von Mühlhausen. Der entsetzliche Vor— 
ang. der sich in dem kleinen württembergischen, kaum 800 
inwohner zählenden Pfarrdorfe Mühlhausen abgespielt hat, 
ehört gewin zu den schlimmsten Schredenstaten. die von Gei— 
teskranken je verübt worden sind. Die Untat ist derart un—⸗ 
eheuerlich, dah man vor einem Rätsel steht, und es dürfte 
em findigsten Psychiater schwer fallen, die Fäden aufzudlechen, 
ie die Verheerungen eines plötzlich aller moralischen Hem— 
nungen enthobenen Einzelwillens mit der sozialen Umwelt ver— 
inden, worin sich dieser vorher so unauffällig in der Aus— 
bung eines der verantwortungsrolfften Berufe betãtigt hatte 
Bierzig Jahre ist der Hauptlehrer Wagner alt geworden, ohne 
abß seine Umgebung je in ihm etwas anderes⸗als einen ruhi— 
jen, besonnenen Mann gesehen bätte. Und nun hat ein plõtz⸗ 
ich ausgebrochener Wahnsinn doch diefen selben Menschen fühig 
jemacht, erst seine Frau und seine vier Kinder zu ermorden, 
ann an vier Stellen Feuer anzulegen und schließlich unter den 
rschredt herbeieilenden Dorfbewohnern ein Blutbad anzurichten, 
em zahlreiche Personen zum Opfer fiesen. Mit Grauen steht 
nan vor einem Schauspiel, wie ein allgemein geachteter, hoch⸗ 
ebildeter Bürger plötzlich zu einer wilden Bestie wurde. Einige 
Symptome sprechen freilich dafür, dah der Wahnfinn schon 
ange in diesem Lehrer auf die Gelegenheit, hervorzubrechen, 
elauert hat. Der Brief, den er an den Rektor der Schule, 
n der er tätig war, geschrieben hat, länt darauf schließen, 
»an es sich um einen geschlechtlichen Ausschweifungen ergebenen 
Nenschen handelt, der sich zugleich in Grübeleien über meta— 
hysische Fragen erging. Im übrigen deuteten seine Worte auf 
atanische, sadistische Triebe hin. Ein wirrer Brief an das 
ztuttgartet Neue Tageblatt bestätiot das, in dem es u. a. 
eiht: „An mein Volk: Ich glaube an keinen Gott und 
pünsche mich als Bundesgenofsendes Teufels und 
eden erbärmlichen Bundes. Ich möchte alles, was sich vor 
neiner Pistole findet, martern, aber ich wein, daß es nicht 
mmer geht. Ich wünsche auch, dan ich nach der Tat gemartert 
verde. Ich selbst gehe seit Jahren stets mit DTolch und Messer 
us Bett.“ Merkwürdig ist, daß die beiden Aerzte, die ihn 
intersucht haben, behaupten, er sei nicht unzurechnungsfähig. 
sdach allem. was über den Hergang der Schreckenstat bekannt 
eworden ist, erscheint diese Annahme kaum glaubhaft. Sollte 
ie doch irgendwie begründet sein, so wird über die soziale 
Kedeutung dieses Voraanges noch zu reden vein. sobald der 
üicht gleich empfand ich das sür Sie, was ich ietzt empfinde. 
ẽs war zunächst nur Ihre bezoingende Erscheinung — bitte, 
issen Sie mich das alles sagen. Aber dann, als ich Sie 
»nnen lernte, im Gespräch, da kam es über mich: Sie waren 
in Mensch, wie ich ihn mir ersehnte, wie ich ihn brauche — 
hne Vorurteile, und doch so groß und hoch. Und auch Sie 
rugen das Sehnen, waren einsam hier. So ergriff es mich 
enn. Das Hoffen: war das nicht mein Schichsal und — 
ielleicht auch das Ihre? — Sehen Sie, Gerda, nun wissen 
Szie mie es um mich stand, und jetzt —“ 
FWortletzung folgt.) 
Theater. Kunst und Wissenschaft. 
O. K. Vernard Shaws neuestes Werk. Aus London wird 
zerichtet: Bernard Shaws neues Bühnenwerk „Pygmalion“, 
»as bekanntlich seine Uraufführung in Deutschland erleben wird, 
arf für sich besondere Eigenartigkeit beanspruchen, denn Liebes— 
jeschichten und Liebeskonflikte sind aus der Handlung streug 
erbannt. 
Ur⸗ und Erstanfführumngen. In Nurnberg kam das drei— 
ktige Lustspiel „Das ledige Regiment“ von Bertram 
ind Traut erfolgreich zur Uraufführung. — Im Leipziger 
deuen Operettentheater erzielte Sonnabend die Erstaufsührung 
»er Operette von Karl Weinberger „Der Frechling“ einen 
juten Erfolg, der besonders der graziösen Musik zu danken ist. 
— Bernard Shaws neues Stück „Androklus und der 
Ldöwe“ hatte bei der Uraufführung in St.-James-Theater 
mLondon starken Erosg. — August Strindbergs Bekenntis— 
rama „Die grotße Landstraße“ erlebt seine deutsche 
lraufführung an der Wiener Volksbühne. — Giulio Cottrans 
RPer „Cordelia“ erlebte ihre Uraufführung in Nadug mit 
tarkem Erfolg. 
Eine Festgabe zu Wilhelm Ostwalds 60. Geburtstag. Am 
Sept. feierte, wie schon mitgeteilt, der Vräsident des Deut— 
assenmörder sich selbst über die Motive seiner Handlungen 
seäußert. hat. Vorläufig verweigert er jede Auskunft; er 
ill sich erst ãäußern, wenn er von Mühlhausen fort ist. Mög⸗ 
ich, daß das, was er vorbringen wird, zu bestimmten Schlüssen 
Herechtigt, durch die die Tat mit allgemeinen krankhaften Zugen 
des modernen sozialen Lebens in Zusammenhang gebracht wer⸗ 
den kann. 
Die Bagdadbahn. Nach einer Pariser Meldung herrscht in 
beteiligten Finanzkreisen die Ansicht, daß die Angelegenheit der 
ßzagdadbahn und der syrischen Bahnen wahrscheinlich erst nach der 
Wiederaufnahme der Beratungen der internationalen Finanz⸗ 
ommission der Regelung zugeführt werden wird. Nach einem 
zerichte aus London wird in den Erörterungen, zu welchen die 
uüngsten Meldungen über die Bagdadbahn Anlaß geben, auch 
ie Frage berührt, ob sich nicht bei der Regelung der Ange— 
egenheit eine Einteilung der asiatischen Türkei in sogenannte 
kisenbahnzonen ergeben könnte, die unter Umständen den 
harakter von politischen Interessensphären annehmen 
rürden. Es wird im Sinblid darauf als sehr wünschenswert 
ezeichnet, daß bei den bevorstehenden Abmachungen über die 
ßagdadbahn alles vermieden werden sollte, was den Anschein 
ines Vorspiels zur Zerstückelung der asiatischen Türkei zu wecken 
geeignet wäre 
Ausiand. 
Italien. 
Eine nene Flottenvoclage. Die Turiner Zeitung Stampa 
ersichert, die Regierung, hade auf Anttag des vneuen Marine⸗ 
ninisters eine Floltenvorlage fertiggestellt, deren Kosten sich auf 
00 Millionen Lire belgaufen. Mhjahriich foll Italsen einen 
Dreadnought auf Stapel legen Unnüttelbat nach den Neu⸗ 
wahlen werde die Kammer daͤrüber beraten. 
Hollaud. 
Inter varlamen tarische Konferenz. In der gestrigen Schluß—- 
itzung der Interparlamentarischen Konferenz wurde eine Em— 
chließuas angenommen, die ein Zusammenarbeiten der Inter— 
arlamentarischen Union mit den Vereinigungen befürwortet, die 
ich die Erweiterung des internationalen Regyts und die Förde⸗ 
ung der guten Beziehungen zwischen den einzelnen Nationen 
um Ziele gesetzt haben. Die Konferenz wiederholte den Wunsch 
er früheren Konferenzen, daß endlich die Regierungen ohne 
Lerzug eine dritte Friedenskonferenz vorbereilen 
nöchten. Auf Vorschlag des Präsidenten der Union, Weardale, 
verden die österreichische und die rumänische Gruppe sich den 
Ffiziösen Schritten des Exekutidkommees anschlietzen, um die 
talienische Gtappe wieder zum Eintruͤt in die Union zu be⸗ 
wegen. Dann nahm die Konferenz eine Entschuehung 
oszkows ki⸗Oefterreich, wonach die Regierungen auJeforderi 
verden sollen, auf die Tagesordnung der dritten Friedenskon⸗ 
erenz die Froge zu setzen, wie man am besten Verletzungen des 
ßölkerrechts, wie sie im lehten Krieg vorgekommen sind, vor— 
eugen kemnne, an. Die nachste Konferenz wird n Stockholm 
usommentreten. An Stelle der Milglieder deEstourneues un 
Lord Weardale wurden Houzeau-Delahaie-Belgien und von 
Blener⸗Oesterreich in das Exekutivfomitee gewählt. 
Franfreich. 
Franlteicz und Italien. In bezug auf Aeußerungen de; 
Minsster präsidenten Barthou über das Verhältnis Fragkreichs 
u Italien. die in italienischen Zeitungen erschienen nd, sagt 
denator Senry Berenger in der Action: Italien verfolgt im 
anzen Maittelmeer die Verwirtlichung einer Polittt, die 
en dauernden Interessen der französischen Großmacht entgegen⸗ 
esetzt ist. Die ilalienisch-franzoͤsischen Beziehungen müssen zu— 
ächst und vor allem von unferer Regierung vom Standpuntt 
trankreichs gus betrachtet und geregell werden. Das beste 
Nittel, um Unfrieden zu vermeiden, ist, daß man, demjenigen 
egenüber, der uns keine Freundschaft erweisen will, die Be— 
eiaungen der Freundschaft nicht allzusehr vervielfältigt. 
Sywanien. 
Neue Unxuhen in Barzelpna. Es find neue Unruhen aus— 
jebrochen. Die Polizeibeamten gingen wiederholt mit der 
lanken Maffe gegen Handelsangestellte dor. Zwei Polizei⸗ 
deamte wurden verwundet und 40 Manifestanten durch Säbel— 
hiebe derlekt. Sechs Verhaftungen wurden vorgenommen. 
Drient. 
Die türlisch-bulgarischen Verhandlungen. General Sawow 
zrklärte in einer Unfterredung, Bülgarfen lafsse der Tur 
tei Adripnopel seldbst als Festung, wenn es dafür andere 
ßunkte derselben Gegend erhalte, aber es beanspruche Kirki— 
issse, das die ürkische Note vom 18. Juli nicht erwähnt. — 
ßraf Berchtold ist au die ungarifsche Regierung mit der Bitte 
erangetreten, daß sie ihren Eifluß auf, die unggrischen Banken 
ür eine zasche Aufnahme der bulgarischen Ankeihe gel⸗ 
end mache —, Die Dempbilifierung Serbiens wird 
jeute beendet sein. Am Montag' wird auf allen Vinien der 
ahrplanmatzige Eilenbahnverkehr wieder aufgenommen. Die 
Regierung hat das Ausfubrverhot auf Futter und Göetreide 
1ufogehnhen 
Javan. 
China und Jaran. Das Reutersche Bureau erfährt aus 
Tokio, daß der jaranische Minister des Aeußern begabsichtige, 
icht wegen der Thtung mehrerer Japaner durch Soldalen der 
Regierungstruppen in Nanking sofort einen Schrut zuu unter— 
ehmen, sondern wird erst die ergänzenden Berichie abwarien. 
In iedem Falle wird der erste Schritt aufdiplomartis 
Hem Mende »6— 
ichen Monistenbundes, Wilhelm Ostwald, seinen 60. Ge⸗ 
zurtstag. Aus diesem Anlaß gab der Oesterreichische Monisten⸗ 
und im Anzengruberverlag (Wien, X. Bezirk) eine Festschrift 
eraus. Als Mitarbeiter daran hatten sich österreichische und 
deutsche Monisten zusammengesunden, u. a.: Geh. Rat Dr. 
ẽ. Haeckel, Prof. Fr. Jodl, Geh. Rat Wilhelm Exner, Univer—⸗ 
itätsdozent Paul Kammerer, Rudolf Goldscheid und Prof. Dr. 
. Wegscheider. Eine Abordnung des Oesterreichischen Mo— 
istenbundes überreichte am Geburtstage dem Jubilar die Fest— 
hrift. Ihr Reinertrag fließt dem auch aus Anlaß des 60. Ge— 
urtstages Ostwalds gegründeten Ostwald-Energiefonds zun 
rörderung des Monismus in Oesterreich zu. 
PT. Ansgrahunaen aus der Merowingerzeit. Bei Aus— 
rabungen in AliseSte. Reine ist man auf christliche Grab— 
enkmäler aus der Merowingerzeit gestoßen, die darauf schließen 
assen, daß sich dort eine der ältesten Kirgen Frankreichs, wahr— 
heinlich die in den Schriften des 8. und 9. Jahrhunderts viel 
rwähnte Basilique de Ste. Reine befunden hat. Auͤsse isi 
as von Cäsar erwähnte Alessia. Die Ausgrabungen haben 
rgeben, das drei Siedelungen, eine gallische, eine 75sche 
iund eine aus dem Mittelalter stammende christlich-französische 
ibereinander liegen. 
Die Internationale Buchgewerbeausstellung Leipziag 1914 
at die Bam äte Weidenbach &C Tschammer in Leipzig zu General⸗ 
rchitekten für die Aussteliung bestellt und sie mit der durch— 
neifenden Neugestaltung des Ausstellunasgeländes und der 
krrichtung der Neubauten beguftragt. 
ym. Ein Museum des Buchdrucks in Turin. Antwerpen be⸗ 
itzt in dem Museum Plantin-Moretus seit, Jahrzehnten ein 
inziggrtiges Tenimal der Buchdruderkunst, das die Blutezeit 
er niederläudischen Drucker prächtig zeigt. Jetzt Heabsichtigt die 
Stadt Turin. zum Gedächtnis des 100fährigen Todestages des 
erühniten Druückers Giovanni Vattista Bodoni ebenfalls ein 
Nuseum der Druckkunst im Vorgio Medtoevale nuter dem 
damen Musco de libro zu erösffnen. Das Museum soli alles 
Nalerial aufnehmen, das 1911 in der Mostra tipografica del 
Zuantrocento eusgestellt war, Pressen, Infunabeln und spitere 
choöͤne VBücher, Einbände, Exlibris, graphische Blätter, Bilder 
und alles. was zum Druckwesen irgendwie in Bezjelsung ssekßt
	        
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