Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Tagesbericht. 
sssedanfeier in den Schnlen. 
VWLäübeck 2. September. 
Aus Anlaß des heutigen 43. Jahrestages der Uebergabe 
er französischen Festung Sedan an die verbündeten deutschen 
rürsten und die Gefangennahme des französischen Kaisers mit 
iner Armee von 80000 Mann haben hierselbst das Rat— 
jaus, die öffentlichen Gebäude des Staates, die Schulen, die 
seichsbank, das Postamt, das Tesegraphenamt, das Regiments— 
haus, die Kasernen, zahlreiche Privathäuser sowie Schiffe in den 
häfen Flaggenschmuck angelegt. In den Schulen wurde der Ge— 
enktag durch Veranstaltungen mancherlei Art gefeiert. 
Vom Katharineum machten die ein elnen Klalsen Aus— 
lüge in die nähere und weitere Umgebung Lüheds. — Am 
zohanneum fand nach dem Brauch, wie er seit mehreren 
Fahren an dieser Anstalt geübt wird, schon am Nachmittag 
»es 1. September eine Vorfeier zum Sedantage statt. Die 
S„chüler aller Klassen, von Sexta bis Oberprima, zogen um 
Uhr mit Musik und Fahnen nach dem Burgfelde zu Wett—⸗ 
pielen und Wettkämpfen, die bei dem dazu besonders gut 
Jeeigneten Wetter einen schönen Verlauf nahmen. Um 6 Uhr 
Rückmarsch zur Preisverteilung, die durch den Direktor in der 
tark gefüllten Aula in Gegenwart auch zahlreich erschienener 
Fltern und früherer Schüler vollzogen wurde. In der 
igentlichen Sedanfeier am heutigen Morgen trugen der Schüler⸗ 
hör den Choral „Sieh herab vom Himmel“ und den Chor—⸗ 
jsesang „Wir Deutsche fürchten Gott“, Schüler Dichtungen von 
xelie Dahn und Ernst von Wildenbruch vor, Herr Ober— 
ehrer Tretow entwarf in der Festrede in knapper Form ein 
lares Bild. von der Gestaltung des Verhältnisses zwischen 
deutschland und Frankreich seit 1871. Der gemein— 
ame Gesang: „Deutschland, Deutschland über alles“ 
ind ein Hoch auf Deutschland schlossen die Feier. — 
Die Realschule zum Dom veranstaltete zur Feier des 
zedanfestes Klassenausflüge. — Die von Großheimsche 
Realschule, die sonstiahrs das Sedanfest zusammen mit ihrem 
Schulfest am Timmendorfer Strand feierte, sah heute wegen 
»es ungünstigen Wetters von diesem Ausflug ab und feierte den 
Zedantag durch Festakte in der Schule. — TDüe Ernestinen— 
chule feierte den Sedantag teils durch Klassenausflüge in 
die nähere und weitere Umgebung, teils durch einen Festakt in 
der Aula, wobei Schulerinnen der zweiten Klasse durch Gesang, 
Kede und Vorträge erfrenten. — In den Vonks- und 
Mittelschulen fanden, soweit sie nicht an denr vom Lübeceer 
dehrer⸗Turnverein veranstalteten Sedanturnen teitnahmen, Fest⸗ 
ikte in den einzelnen Klassen statt oder es wurden Aus— 
lüge unternommen. — In der kaufmännischen Fort— 
pildungsschule wurde bereits gestern in den Klassen der 
Bedeutung des Sedantages gedacht; heute fällt der Unterricht 
rus. * e 
Sedanturnen der Lübecker Volksschulen. 
0 Nachdem zur Feier des Sedantag:s die hiesigen Turn— 
ereine und die höheren Lehranstalten bereits am Sonntag ein 
zroßes Sedanspielfest veranstaltet hatten, fand gestern und heute 
norgen das Sedanturnen der Lübecker Volksschulen auf der 
Falkenwiese statt. Gestern wurde der Dreikampf der Schulen aus— 
efochten. Jede Schule hatte 10 Schüler gestellt, die im 
dochsprung, Schleuderball und 1007m-Lauf miteinander wett— 
riferten. Die 3 Schulen, die die höchsten Punktzahlen erreichten, 
zalten als Sieger. Außerdem erbnelten die Schüler, die in 
den 3 Uebungen mindestens 40 Punkte erzielten, einen Eichen— 
ranz. Heute morgen wurden die Wettkämpfe fortgesetzt. Es 
vohnten ihnen zahlreiche Zuschauer bei, unter denen wir Direktoren 
und Lehrer der Schulen sowie ais Vertreter der Oberschulbe— 
zörde Herrn Schulrat Prof. Dr. Wychgram bemerkten. Nach— 
dem die zahlreich erschienenen Schüler Aufstellung genommen 
und gemeinsam die erste Strophe des Liedes „O Deutschland 
joch in Ehren“ gesungen hatten, nahm Herr Lehrer Holst zu 
olgender zündenden Ansprache an d'e versammelte Jugend das 
Wort: 
Zum 8. Male führt uns diese Veranstaltung hier zu— 
ammen. Zum 43. Male jährt sich heute der Tag. desfen 
vedenken wir auch heute in unserein Kreise pflegen wollen. 
ks ist der Sedantag, der die deutsche Einheitstat brachte, an 
em unser einheimischer Dichter die Worte sang: Run laßi 
ꝛie Glodden von Turm, zu Turm — Durchs Land frohloden 
m Jubelsturm“. Noch heute trägt dieser Tag in unserem 
Volle den Namen jener Festung, vor deren Toren der ge— 
valtige Sieg Meee wurde. Und wenn heute vaterlands⸗ 
iebende, Maͤnner, Jünglinge oder deutsche Knaben sich zu⸗ 
ammenfinden in einem gemeinsamen Feste, das Vaterland 
u feiern. so trägt auch diese Veranftaltung meistens den Namen 
ener Festung. Wie kommt das Warum benennen wir eine 
aterlaͤndische Feier mit, dem Namen Liner, franzoishen Stadt 
Könnte man sicht gerade denken. daß dieses auche die Wunden 
pieder aufreißt. die nicht mur dem fremden Voike, welche, 
iegreich — wurde. geschlagen sind, sondern gauch 
im eigenen Volfe tief schmerzten und bluteten? Ich erinnere 
uch an das Wort eines Augenzeugen jener Schlacht, der aus⸗ 
uft: „O Krieg, wie schmerzlich, wie tränentesch sind deine 
Folgen!“ — Und wir stehen mit frohen, freudägen Mienen! 
Zas kann es also nicht sein, das uns und unsere deutschen 
Brüder, schon 43 Jahte zum treuen Gedenken und Feiern 
diesem Tage zusammenführt. Was ist es dem?“ Ich 
vill versuchen, es euch kurz anzudeuten: Das Ersi e, es ist 
ein vaterländischer Gedenktag, an dem alle, besonders die 
deutsch· Jugend, sich die große Tat ihrer Väter vergegen 
wärtigen und sich dankbar ihrer Tat erinnern follen“ Und 
o haben wir heute in erster Linse jener zu gedenken, die 
die siegreichen Tage mit erkämpft haben. Den doch unter 
ins Lebenden pon diefen Kämpfern mögen wir, und ihr 
onnt es auch schon. unfsere Dankbarkeit durch unsere Liebe 
ezeugen. Denn auch für unfere Heimat hier haben sie 
Wunden Muhsal und Beschwerben ertengen miffenSwen 
sie gber im Kampfe dahingerafft sind, in fremder Erde ge— 
hettet egen ihnen ein ene Gedenten für das Höchste, das 
sie im Kampfe fürs Vaterland dahingegeben habenEsollea 
ins die Worte von Th.Korner aus seinem Aufrufe nicht eine 
ergebliche Mahnung sein; 
onr du dann, mein Volk, bekränzt vom Glücke 
IN iner Vorzeit heil'gem, Siegerglanz — 
Pergißz die leuren Tolen nicht ed snde 
Auch unsere Ürne mit dem Eichenkranz!“ 
Den Zzweiten deutschen Gedanken“ n diesem Tage könnte ich 
sammenfassen utt den Wortene amertt heißes 
Zehnen. — Deutschlands Eindeit“it erstcinen.⸗ Nach laͤngen 
Zahren des Bruderzwistes finden“ wir zur Zeit des ersten 
Zedantages Alldeutschland im einigen Handeln. Die Staͤmme 
»on Norddeutschland wo die Tuͤrme bon Lüheck weit über das 
Zand grüßen, und, die Stämme aus dem Sußn unseres Vater⸗ 
andes wo die Alpenberge üͤher Deutschlands Grcee g 
ind einig. Und vor, den Toren der Stadt wird nun die 
angenthehrte Einjgkeit stahlhart und dauerhaft geschmiedet. Das 
alp inat der Zabel der Deusschen feit jener Zeit so mandng 
weil dieser Tag uns die deufsche Einheit und Nut ihr unfer 
zeeintes deutsches Vaterland brachte. Und was seit jener 
Zeit Großes für uns alle, auch für euch iht Knaben. er— 
tanden, ist, das hat nicht' zum geringsten Teil erst seinen 
ten Grund im geeinten Beutschlande gefunden. Deutsche 
Zchulen, deutsche Kunst. deuische Ärbeit. deutscher Handel, deutsche 
Macht und deutsches, Anfehen“ haben seit jenen Tage die 
roße Entwicklung und das Ansehen gewonnen, von der inr 
äglich hört, die ihr äglich seher seht Wenn' so das große, 
as geeinte deutsche Bateriand geboren wurde und wir hæeute 
seinem Besitz sind, so gilt aber nun auch das , Wort für 
ns: „Enkel mögen kraftvoll walten, — Schwer Errung'nes 
1erhalten.“ Die Enkel seid ihr! Das heißt: Ihr als 
eutsche Jugend habt an solchem Tage den Vorsatz zu fassen 
rauchbare Glieder dieses großen, geeinigten Vaterlandes zu 
»erden. Ihr sollt es lernen und fühlen, was wir schoön 
nisen. daß unser Vaterland, um frei, einig und glüclich 
4 sein, stets rechter Männer bedarf. Darum führen wir 
uch zu allem Großen und Schönen, zu allem Wahren und 
»ohen, daß ihr eure jugendlichen Kräfte daran stärkt, um 
ie später im Dienste eures Volkes betätigen zu können. Auch 
eute zeigen wir euch wieder ein Mittel dazu: das Turnen. 
as, Spielen auf grünem Rasen, das Wandern durch unsere 
döne Heimat, Ihr sollt das alles nicht betreiben, um ein 
iese oder Nur⸗Kämpfer, zu werden, um euren Körper nur 
u stärken, sondern ihr sollt es betreiben, damit ihr Kräfte 
Immelt die ihr später im Leben allüberall verwerten 
zerwerten dann im rechten Streben für euch, für eure it⸗ 
genschen, für eure Heimat, für euer deulsches Balerland. Mit 
inem Wort; Ihr Jollt Maͤnner werden, die hre SHeimat, ihr 
zaterland lieben und ihm alle Kraft und alle Liebe weihen. 
as ist unser Wunsch heute; das sei euer Vorsatßz! Diese 
»rei Gedanken soll der heutige Tag euch wachrufen? 
Gedenken den Gefallenen und Dankbarkeit den Vollbringern 
»er deutschen Einheit; 6 
ein Freuen über die Vollendung der deutschen Einheit 
und den Vorsatz: dereinst beizutragen. ein Erhalier der 
eutschen Einheit und des Vaterlandes zu werden! 
in diesem Sinne wollen wir uns zu der zweiten Strophe 
mnseres Liedes vereinigen, in der es heißt · Zum Herrm 
rhebt die Hände, er schirm“ es immerdat, das deuische Vand, 
or jedem Feind; hoch steige deutscher Aarsee Zuvor aber 
asset uns alle in den Ruf einstimmen: Unser deuisches Volt 
ind Vaterland, es lebe hoch! 
Brausend erklang aus dem Munde vieler Hunderte von 
znaben das Hoch, und weithin vernehmbar sangen dann die 
ugendfrischen Stimmen den Vers „Zum Herrn erhebt die Hände“. 
zie nun folgenden allgemeinen Freiübungen boten einen sehr 
übschen Anblick dar und wurden von den Knaben mit groder 
Zicherheit ausgeführt. Viel Interesse fand auch hier der 1000 m- 
cilbotenlauf, an dem 10 Schüler jeder Schule teilnahmen. 
cs fanden dann noch die Schlußwetispiele um die 
»este Leistung im Schlagball sowie die allgemeinen Wett— 
viele der Schulen statt. Mit der Verkündigung der Sieger 
nd dem Gesang „Deutschland, Deuischland über alles“ fand 
ie schöne Veranstaltung ihren Abschluß. Das Resultat der Wett⸗ 
impfe ist folgendes: Im Dreikampf siegten 19 Schüler; 
je erhielten als Siegespreis einen Eichenkranz. In der Ge— 
amtleistung des Treikampfes, in dem die drei Schulen mit der 
öchsten Gesamtpunktzahl ausgezeichnet wurden, siegte die Ma⸗ 
ienschule mit 404 Punkten. Zweite wurde die III. St. 
orenzschule mit 8903 Punkten und dritte die II. St. Lorenz- 
chule mit 383 Punkten. — In der I000-m-Stafette, 
u der jede Schule 10 Läufer sterlte, wurde die II. St. Lorenz 
chule in 2:34 Sek. erste. Sie erhielt den Wanderpreis 
er Oberschulbehörde. — Im Schlußspiel um die beste 
eistung im Schlagaballspiel siegte die Domschule mit 
3: 35 Punkten gegen die Marienschule. — Im Faustball 
ewannen II. St. Lorensschule gegen III. St. Lorenzschule mit 
3: 16 Punkten und III. St. Lorenzschule gegen J. St. Lorenz— 
hule mit 35: 15 Punkten. Eine Siederperkündiqung beschloß 
riie Feier 
iĩ 
Die Gewexrbegesellschaft, die ihren Mitgliedern schon 
ehr oft den Besuch industrieller und gewerblicher Unter— 
ehmungen ermsglicht hat, hatte am gestrigen Tage ihre Mit— 
lieder zu einer Besichtigung der Zementfabrik des Hochofen— 
erls und decs Oxhydricwerks in Herrenwyyk eingeladen. Zirka 
50 Teilnehmer fanden sich gegen 2 Uhr mittags beim Traben— 
avillon ein, von wo aus sie nach einer zirka einstündigen 
ahrt, auf der der Hafen mit seinem bunten Getriebe den 
stiteliedern mancherlei Stoff zu anregender Unterhactung bot, 
ach Herrenxy? gelangten, nachdem zuvor noch mehrere Gäste 
1 Schwartau aufgenemmen worden waren. Unter der liebens⸗ 
ürdigen Führung der Leiter der beiden Betriebe wurde hier⸗ 
uf ein Rundgang durch die Räumlichkeiten der beiden Werke 
ngetreten. Das Oxhnydricwerk, das mit dem gegenüberliegenden 
ochofenwerk in keinerlei Verbindung steht, dient zur Erzeugung 
on flüssigem Wasserstoff und flüfsigem Sauerstoff. Den Mit— 
liedern wurde Gelegenheit gegeben, die Räume, in denen die 
»erstellung des Wasserstoffs vor sich geht, sowie die im Innern 
icht mit Schaswolle umwickelten Apparate, in denen die Herstellung 
es flüssigen Sauerstoffs erfolgt, in Augenschein zu nehmen. 
dem flüssigen Sauerstoff, der im Freien wie heißes Wasser 
erdampft, ist ein solcher Kältegrad eigen, daß z. B. eine in 
ie Flüssigkeit getauchte Blume wie zu Eis erstarrt. Weiter 
urden auch die Räume, in denen die Füllung der großen 
isernen Flaschen entweder mit dem flüssigen Wasserstoff oder 
nit Sauerstoff erfolgt sowie die Verladung derselben in die 
ereitstehenden Waggons mit großem Interesse besichtigt. Der 
üssige Wasserstoff und der flüssige Sauerstoff findet zum Zer— 
hneiden oder zum Zusammenschweißen von Eisen, namenllich 
n Werftbeiriebe, vielfach Verwendung. Das Zerschneioen einer 
icken Eisenplatte wurde den Mitgliedern gleichfalls bereitwilligst 
oreführt. Nachdem der in zwei verschiedenen Flaschen be⸗ 
indliche Wasserstoff und Sauerstoff durch Rohre vereinigt und 
ach seinem Austritt aus denselben entzündet wurde, bildete 
ich eine Flamme von ca. 3000 Grad Wärme, die in wenigen 
Rinuten Eisenplatten (Gußeisen ausgeschlossen) bis zu 2 m 
ztärke durchschneiden kann. Das glatte Durchschneiden einer 
twas dünneren Eisenplatte gelang bei der Vorführung vor—⸗ 
refflich und mit herzlichem Danke verabschiedeten sich die Teil⸗ 
ehmer von dem Leiter des Werkes, um sich nach der gegen⸗ 
berliegenden, dem Hochofenwerk angegliederten Zementfabrik zu 
egeben, die eine Länge von etwa 150 m aufweist und aus 
ẽchlacensteinen des Hochofenwerkes erbaut worden ist. Zur 
verstellung des Zementes, der dem bekannten Portlandzement 
leichwertig ist, wird Hochofenschlalde verwendet. Nachdem die 
lühende Hochofenschlacke in fließendes Wasser geleitet und 
adurch in feinkörnigen Sond verwandelt ist, wird diefe Masse 
meinem Ofen getrodnet, in einer Mischanlage mit getrocknetem 
daltstein vetmengt und zu feinem Mehl zermahlen. In einem 
ementdrehofen wird diese Masse alsdann solange erwärmt, 
is sie am unteren Ende denselben in glühendem Zustande ver— 
ißt. Diese zu größeren und kleineren Stüden zusammenge⸗ 
rannte Zementmasse passiert alsdann eine Kühlvorrichtung 
nd wird unter Zusatz von 30 00 Hochofenschlade zu feinem 
ztaub gemahlen und sofort als gebrauchsfertiges Zement in 
zäcke verradt. Die großen Drehofen und die mannigfachen, 
ur Erzeugung des Zementes notwendigen Einrichtungen in der 
n gesundheitlicher Beziehung auf das beste eingerichteten Fabrik 
durden lebhaft bewundert, und auch hier schied man mit herz⸗ 
ichem Dank für die Erlaubnis der Besichtigung eines so hoch— 
natercssanten Werkes. Nachdem die Mitglieder auf dem Rüd— 
vege zum Dampfer von einem feinen Sprühregen „erfriucht“ 
porden waren, wurde die Rückfahrt mit demselben bis Schwartau 
maetreten, wo sich die Teilnehmer an der anregenden und lehr— 
eichen Besichtiaung noch zu einem gemütlichen Beisammensei- 
ereinigaten 
5* Gewitter allüberall. Wie im Stadtteit Trave— 
nünde, so sind verschiedene Gewitter auch in den obhen— 
rurgischen Ostseebädern, namentlich in Niendorf und 
in der ganzen medlenburgischen Ostseeküste, am Sonntag 
achmittag niedergegangen. Während sich in Rostock und Um— 
jegend nur Ferngewitter mit heftigem Regen bemerkbar machten, 
rat das Unwetter in der Doberaner Gegend bedeutend stärker 
ruf. Dort regnete es nach kurzen Unterbrechungen in aus— 
iebigftem Maße von 3 Uhr nachmittags bis 9 Uhr abends. 
zin Blitz hatte die Leitung der Ueberlandzentrale beschädigt, so 
aß die Badeorte Brunshaupten und Arendsee ohne eieklrische 
seleuchtung waren. In Kröpelin war ein Blitz in der 
daähe der Bahn in einen Baum gefahren. Weiter wird aus 
Vismar gemeldet, daß der Blitz in ein Wirtschaftsgebäude auf 
em Hofe See dorf, Landmann Mertens gehörig, einschuug 
ind dieses einäscherte. In Goritz wurde infolge Bliktschlages 
in altes Viehhaus in Asche gelegt. Dabei sind erhebliche 
Nengen Korn und Futtervorräte mitverbrannt. In Gr.⸗ 
didsenow wurde in einer Koppel ein Esel erschlagen. In 
dauge suhr ein Blitzstrahl in das Haus des Tischlers Hoppen—⸗ 
ath in der Wilhelmsstraße, richtete mancherlei Zerstörungen an 
ind gelangte durch die offenstehende Haustür wieder ins Freie. 
Ddie schon brennende Treppe konnte von rasch hinzueilenden 
zausbewohnern gelöscht werden. 
0- Wer ist der Tote? Gestern nachmittag wurde beim 
7chuppen 7 eine männliche unbekannte Leiche aus der Trave 
eborgen. Der Verstorbene gehörte anscheinend dem Seemanns⸗ 
ande an. Die Leiche dürfte bereits eine längere Zeit im 
zasser gelegen haben. Bekleidet war die Leiche wie solgt: 
laue Kammgarnhose und gleiche Weste (an der Weste be— 
inden sich Perlmutterknöpfe), blaues Halstuch, schwarze 
trümpfe, schwarze Schnürstiefel, blaukariertes Hemd und graue 
osenträger. Der Verstorbene dürfte ca. 17520 vahre olt 
ein und 12ug blondes Haar. Eine Photographie desselben leegt 
m Rurenu der Kriminolvolizei aus 
Neueste Nachrichten und Telegramme 
der vↄl. A.« und vl Z.cc. 
Topreller Rindesmord. 
Mannheim, 2. Sept. Eine entsetzliche Bluttat verübte 
‚estern nachmitta; die Frau des Aebe'ters Ludwig Freiler, der 
ei der Firma Heinrich Lanz beschäftigt ist. Die Frau schnitt 
achmittags ihrem zweieinhabjährigen Sohn die 
dehle durch, schnitt dann ihrer dreijährigen Tochter beide 
rme am Oberarm ab und ktete schließlich sich 
elbst, indem sie sich die Kehle durchschnitt. Des schwerverletzte 
Mädchen ist um 652 Uhr gestorben. Als Ursache der Tat 
bird, anggeben, daß die Frau mit ihren Schwiegereltern Streit 
jehabt haben soll. In einem Briefe an eine Schwöester soll 
ie ihre Absicht mitgeteilt haben. Ihr Mann wurde auf der 
Irbeitsstelle von der Tat seiner Frau benachrichtigt. Als der 
horgang bekannt wurde, versammelte sich eine große Menschen⸗ 
nenge vor dem Pause. das von der Polizei geschlossen werden 
muhdfe 
Vom Balkan. 
W. Sofia, 2. Sept. Der Ministerrat bestimmte den General 
Sowow, den früheren Belgrader Gesandten Toschew und den 
»isherigen Unterhändler Natschewitsch zu Delegierten jür die 
direktten Verbandlungen mit der Türkei. Sowow 
ind Toschew durften heute abend nach Konstantinopel abreisen 
„ 1 
Wien, 2. Sept. Der Vorstand der õsterreichischen 
Sozialdemokratie beruft dem österreichischen Parteitag 
ür Freitag, den 31. Oktober, nach Wien ein. Auf der Tages—⸗ 
rdnung sollen außer den ordnungsmähigen Berichten und Wah 
en Reserate über auswärtige Politik und Handelspolitik, über 
ie sozialpolitische Gesetzgebung und über die Reaktion in der 
fustizpraxis und Justizgesetzgebung stehen. 
DT. Mailand, 2. Sept. Der Athener Berichterstatter des 
Zecolo will wissen, daß zwischen König Konstantin 
ind dem Ministerpräsidenten Venizelos tiefe 
Meinungsverschiedenheiten bestehen, die den baldigen 
kücktritt des letzteren zur Folge haben werden. Sie haben ihren 
Arsprung in der starren Haltung des Königs in der Frage von 
Jawalla. Die Veröffentlichung des Telegrammwechsels über diese 
bngelegenheit hat den Gegnern des Ministerpräsidenten Veran⸗ 
assung zu harten Angriffen auf diesen gegeben. Da König 
Konstentin außerdem sein eigener Minister sein will, erwartet 
nan den Rückritt Venizelos“. Er selbst soll jüngst einem 
Athener Stadtrate erklärt haben, daß er die Last und die Ver— 
antwortung der Regierunasgeschäfte jüngeren Schultern überlafsen 
vili. 
DT. Zürich, 2. Sept. Der Reichskanzsler Dr. von 
ßzethmann-Hollweg wird seinen Ferienaufenthalt im En— 
jadin nehmen. Er hat sich für einige Zeit im „Waldhause“ 
n Sils Maria angemeldet. 
DT. Agram, 2. Sept. Bei dem wegen Teilnahme an dem 
lttentat gegen den Banus von Kroatien verhafteten Stu— 
enten Alinowitsch wurden bei einer neuerlichen Haussuchung 
ompromittierende Schriften gefunden, aus denen hervorgeht, 
aß sich Alinowitsch nach Sarajewo begeben wollte, um dort 
ei der Anwesenheit des Thronfolgers Erzherzogs Franz 
Ferdinand ein Attentat auf ihn zu verüben. 
W. Barcelona, 2. Sept. Der Ausstand ist fast be— 
ndet. Tie Arbeit ist in 235 Betrieben mit 19803 Arbeitern 
vieder aufgenommen worden. 43 Fabriken sind noch geschlossen. 
die Wiederaufnahme der Arbeit steht unmittelbar bevor. 
DT. Paris, 2. Sept. Das Echo de Paris behauptet, 
aßl imLaufe der letzten zwölf Monate deutsche Händler 
n Frankreich 130 000 Pferde gekauft haben, die 
rößtenteils für die deutsche Armee bestimmt waren. Durck 
chweizerische, italienische und spanische Zwischenhändler soll 
deutschland weitere 40 -50 000 Pferde erworben haben. Aus 
»em Gebiete von Caen wurden im Monat Mai allein 5000 
Pferde nach Deutschland ausgeführt. 
DT. Paris, 2. Sept. Wie der Petit Parisien aus Oran 
neldet, ist der in die Fremdenlegion eingetretene srühere Bürger⸗ 
neister von Usedom, Trömel, noch nicht in Freiheit 
sesetzt. Trömel befindet sich unter dem Namen Tunke noch 
mmer in Oran in ärztlicher Behandlung. Die ärztliche Unter—⸗ 
uchung hat ergeben, daß er zwar swer nervenleidend, aber 
iicht geistig unzurechnngsfähig ist. 
DT. Paris, 2. Sept. Duerch die deutsche Agita— 
ion gegen die Französische Fremdenlegion ist, 
rie der Matin berichtet, das Interesse aller abenteuer—⸗ 
ustigen Kreise an dieser Truppe sehr gehoben worden. 
z0 sind seit Beginn der deutschen Vewegung gegen die Legion 
ie Anmeldungen um 40 Prozent gestiegen. Unter den 
7 Mamn, die sich im Laufe des letzten Monats allein auf einem 
Werbebureau an der elsaß-lothringischin Grenze tstellten, be— 
anden sich sechzehn Deutsche. — (Wenns der Matin saat 
nuß es ia waohr sein!! Die Red der QM
	        
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