Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

zandwerks und wamentlich die Tätigkeit des Zentralauslchusses 
,— un Sodann berichtete Bäder-Obermeister Schwott 
Sennd über die Abänderung der Gewerbeordnung“. Der 
Keferent betonte, daß, wenn auch nicht alle Wunsche erfüllt 
rorden seien, könne das Handwerk mit dem Erreichten doch zu— 
rieden sein. Die bürgerlichen Parteien sollten ihr Wohlwollen 
ür das Handwerk auch durch die Tat beweisen. — Tapezierer- 
neister Feder Gerlin) sprach über den „Ausbau der deutschen 
⸗andwerker-⸗Organisation“. Er hob hervor, daß im allgemeinen 
die deutsche Handwerker-Organisation gut ausgebaut sei und 
daß auch die Sozialdemokratie es mit der Angst bekommen 
zabe, sobald sie bemerkt habe, daß das Handwerk wieder zu 
erstarken begimme; Beweis hierfür sei der Vorwärts-Artilel 
Abgefallene Zünftler“. Der Wert der Zwangsinnungen werde 
nehr und mehr erkannt, die Organisation müsse aber noch 
reiter ausgebaut werden. — Beide Referenten legten gemein— 
am eine Resolution vor, in welcher verlangt wird, daß die 
denhschrift des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages 
owie die in der Juli-Konferenz im Reichsamt des Imern von 
den Handwerksvertretern gemachten Vorschläge bei der bevor—⸗ 
tehenden Aenderung der Reichsgewerbeordnung berüchsichtigt 
werden sollen. — Tischler-Obermeister Kniest (Kasseh) wandte 
iich in seinem Referat über den sogenannten „Geräusch-Paras 
zraphen“ entschieden gegen dessen Anwendung, die eine schwere 
Schädegung zahlreicher Handwerker mit lich bringen würde, 
ind fordert bei gerichtlichen Entscheidungen die Zuziehung 
yon Männern der Praxis. — Tischlermeister Jarotzki Gerlin) 
zehandelte den „Schutz des Gesellentitels“ und legte eine 
nesolution vor, in welcher die Bundesregierungen ersucht werden, 
den Unterschied zwischen handwerksmäßig und innerhalb der 
»orgeschriebenen Lehrzeit ausgebildeten und ausgelernten Hand— 
verkern festzulegen. — Ehren-Obermeister Linsener Gerlin) 
escrierte über das Thema: „Die Ausbildung der Frau im 
zandwerk“, In seiner vorgelegten Resolution verlangte er 
unächst die Festsetzung der Ausbildungszeit für weibliche 
zandwerkslehrlinge einheitlich auf drei Jahre. Ein Dispens 
ziervon zugunsten solcher Personen, die das Handwerk nur zum 
zausgebrauch oder zur Verwendung als Zofe erlernen wollen, 
rachtet die Resolution für ungeeignet, da eine solche Be— 
timmung nur zur Umgehung der Gewerbeordumg sühre. Diese 
Berfügung solle baldmöglichst wieder aufgehoben werden. — 
zn der sich anschließenden, alle fünf Referate umfassenden 
Diskussion wurde von allen Rednern gegen den 8 10009 der 
Hewerbeordnung Stellung genommen, wobei Just Gerlin) be— 
merkte, die Regierung solle, wenn sie bei ihrem Vorschlag be— 
harre, lieber gleich erklären, „sie pfeife aauf das ganze Hand— 
werk“. — Herzog (Danzig) beantragte, eine Tagung des Innungs⸗ 
und Handwerkertages einzuberufen, wenn die Verhältnisse es er— 
ordern. — Belling (Hannover) wandte sich gleichfalls scharf 
zegen den 8 1000. — Die Resolutionen wurden angenommen. — 
Obermeister Rohardt Gerlin) behandelte in ausführlicher Weise 
das Submissionswesen. Er wandte sich zunächst gegen die be— 
annten Artikel der Nordd. Allgem. Zeitung, in weichen ihm 
debertreibung in seinen Aeußerungen auf dem Handwerks— 
ind Gewerbekammertag in Halle bezüglich des Submissions⸗ 
oesens vorgeworfen wurden. Der Redner suchte an zahlreichen 
8eispielen, so aus Saarbrücken, Gleiwitz, Halberstadt, Sommer— 
eld, Sagan, Küstrin, Schleswig, Lütgendortmund, Wanne, 
Zzagen i. W., Bromberg, Soest und Danzig, die Berechtigung 
einer Ausführungen nachzuweisen, wonach die nachgeordneten 
Zrellen sich an den Erlaß des Ministers über das Submissions⸗ 
vesen nicht kehren und dadurch Wasser auf die Mühlen 
»er Sozialdemokratie liefern. Der Redner warf der 
Regierung mimosenhafte Empfindlichkeit und Vogel-Strauß— 
Politik vor und wies darauf hin, daß das Handwerk die Ver— 
antwortung für die Folgen ablehne. Die Handwerker befinden 
ich mit ihrer Forderung „für ehrliche Arbeit ehrlichen Lohn“ 
zuf dem rechten Wege. Der Umstand, daß der Handwerks—⸗ 
ammer Stettin die Errichtung eines Submissionsamtes ver⸗ 
bpoten wurde, läßt die Behauptung gerechtfertigt erscheinen, daß 
nie Regierung gar nicht wisse, wozu die Handwerkskammern 
igentlich da seien. Er wandte sich dann energisch gegen das 
System der Zuschlagerteilung an Mindestforderungen, die nichts 
ιαα 
„Nein, mein gnädiges Fräulein. Es bedarf dessen in der 
Tat nicht mehr.“ 
Er ging. Da atmete sie tief auf. Wie befreit von 
iinem Druck. 
Als Heinz Keßler dann zu ihr trat. blichte er sie ver—⸗ 
vundert an. 
„Wie sehen Sie aus?“ 
„Nun, wie denn?“ 
„Als ob Ihnen eben etwas sehr Angenehmes wider⸗ 
ahren wäre.“ 
Sie mußte lachen. 
„Vielleicht ist es auch so.“ 
Einen Moment blickte er ihr schweigend in die Augen, aus 
zenen ihn die Jugend anlachte, die schönheitsselige, blühende 
zugend. Und von der Linde her lodte ein weicher Walzer. 
„Bitte!“ sagte er da leise und bot ihr den Arm. 
Aber sie zögerte. 
„Ich habe eben erst einem ande en Herrn einen Tanz ab— 
geschlagen.“ 
((Fortsekzung folaf.J 
Theater, Kunst und Wißsnschaft. 
D.G. Zu Wilhelm Ostwalds 60. Geburtstage. Am 
2. September vollendet Wilhelm Ostwald sein 60. Lebensiahr, 
und von neuem bietet sich da Gelegenheit auf das Wirken 
dieses Großen unter den Gelehrten dieser Zeit einen Rückblick zu 
verfen. Wilhelm Ostwald wurde am 2. September 1853 zu 
Riga geboren. Sein Vater war Böttchermeister. Der Sohn 
»esuchte das städtische Realgymnasium und brauchte statt der 
»orgeschriebenen 5 Jahre 7. Der Grund war: schon der 
Schület gab eine kleine handschriftliche Zeitung heraus, was 
hm viel Zeit kostete. Außerdem hatte er Interessen und zwar 
Aiele Interessen, zum Malen, zur Musik, und das vertrug sich 
cheinbar schlecht mit seinen Arbeiten. 1872 bezog Ostwald dann 
vie Universität Dorpat, um nach anfänglichem Schwanken 
Lhemie zu studieren. Schon 1875 waren die Studien beendet, 
uind Ostwald trat eine Stelle als Assistent bei dem Physiker 
». Oettingen an. Und dieser Schritt wurde bedeutungsvoll für 
OIstwalds Arbeitsweise, er führte zu der engeren Verbindung 
von Chemie und Physik. 1877 erschien Oftwalds Magisterdisfer— 
tation, 1878 feine Doktordissertation, die ihm zugleich die 
kademische Lehrtätigkeit eröffnete. Nach kurzer Zeit, schon 
1881 wurde er als Professor der Chemie an das Polytechnikum 
zu Riga berufen, 1887 übernahm er die Leipziger Professur 
für physikalische Chemie. Das war eine Laufbahn von unge— 
vohnter Schnelligkeit, eine Laufbahn, die nur durch ganz 
ußergewöhnliche Leistungen ermöglicht wurde. Um Ostwalds 
deiter bedeute, als die Auspowerung der den Staat und die 
hesellschaft stützenden Bevölkerungskreise und als die Aus⸗ 
jeferung des Handwerks an die Sozialdemokratie. (Sehr wahr.) 
— In der von dem Redner vorgelegten Resolutron wird 
as Vorgehen der Deutschen Handwerks⸗ und Gewerbekammern 
ur Errichtung von Verdingungsämtern lebhaft begrüßt, da in 
iesem ein bedeutsamer Schritt zur Herstellung besserer Ver— 
ältnisse zu erblicken sei. — Der Direktor der Deutschen Mittel- 
lands-Revisions⸗ und Buchführungsgesellschaft, Just Gerlin) 
prach über die Fessstellung des angemessenen Preises. In seiner 
Kesolution wies er auf die Bedeutung einer geordneten Buch— 
ährung für Handwerker hin und empfahl deren aligemeine 
rinfühtung. — Klempnermeister Tschoekl Gerlin) faßte 
eine Ausführungen über „Konkurrenz der kommu⸗ 
alen Regiebetriebe in einer Entschließung zu— 
ammen, in welcher gegen die Praxis mancher städtischer 
zerwaliungen protestiert wird, welche durch kommunale Betriebe 
ür Privatpersonen Arbeiten und Lieferungen aussühren lassen 
nd so das selbständige Handwerk und Gewerbe ausschalten. 
zur Erhaltung eines finanziell kräftigen Mittelstandes sei es 
otwendig, daß die kommunalen Behörden mit den berufenen 
zandwerksvertretern sich uber Mittel und Wege einigen, um 
me zufriedenstellende Weiterentwickelung herbeizuführen. — 
dach einer kurzen Debatte über die drei letzten Referate wurden 
ie vorgelegten Resolutionen angenommen. — Der Vorsitzende 
ofkunstschlossermeister Marcus Gerlin) referierte über „Kredit⸗ 
erkehrsanstalten für Gewerbetreibende“. Er begrüßte die Vor⸗ 
rbeiten für die Errichtung einer den heutigen Verhältnissen 
ngemessenen Kreditorganisation, die ein hervorragendes Mittel 
ur Hebung der Gesamtlage des Handwerks darstelle. — Der 
zchriftführer des Fachverbandes für die wirtschaftlichen Inter⸗ 
sen des Kunstgewerbes Paeth GBerlin) wies in seinem Refe— 
ate über „Die Handwerker und das Einiährig-Freiwilligen— 
besen“ auf die Schäden hin, die dem Handwerk dadurch zuge— 
ügt werden, daß zahlreiche junge Leute aus bürgerlichen 
dreisen die Schule so lange besuchen, bis sie zur Erlernung eines 
zandwerks zu alt seien. Er verlangte eine Erweiterung des 
89, 6 der Deutschen Reichswehrordnung, der die Verleihung 
es Einzährig-Freiwilligen-Zeugnisses an besonders talentierte 
zandwerksgehilfen zuläht, sowie die alljährliche Herausgabe 
iner Statistik des Kriegsministeriums darüber, ein wie großer 
zrozentsatz der Einjährig-Freiwilligen ein Examen auf Grund 
eruflicher Leistungen gemacht und bestanden hat. — Eine 
ahingehende Resolution wurde angenommen. — Das letzte 
deferat, das Verbandssyndikus Dr. Müffelmann Gerlin) er 
tattete, betraf die Sicherung der Bauforderungen. Der Refe 
ent wies auf das Ueberhandnehmen des Treibens der Terrain 
zesellschaften usw. hin und betonte, daß der erste Abschnitt des 
ßesetzes zur Sicherung der Bauforderungen eine Beseitigung des 
lebels nicht gebracht habe, so daß man nur von den durch das 
Ministerium eingeleiteten Ermittelungen über Art und Umfang 
»er Schädigungen eine Besserung erwarten könme. Die von 
»em Referenten vorgelegte Resolution wurde debattelos ange— 
ommen und sodann die Tagung vom Vorsitzenden in der 
blichen Weise geschlossen. 
* * 
Deutsches Reich. 
Der Cumbtriänder Verzicht auf Harmover. Die Norddeutsche 
Allgemeine Zeitung nimmt aus einem ganz besonderen Anlaß 
as Wort zu der Cumberlünder Frage. Sie schreibt nämlich: 
Der Vorwärts veröffemtlicht in seiner Nummer vom 29. August 
ine Zuschrift aus Braunschweig, in der mitgeteilt wurde: Aus 
belfischer Quelle, die gute Beziehungen zum Gmundener Hofe 
interhaͤlt, wissen wir, daß noch kurz vor der Trauung Wil— 
elm II. um dem Bundesrat die Schwenkung leichter zu machen 
en Herzog von Cumberland zum öffentlichen Verzicht auf Han⸗ 
iover zu bewegen versuchte. Als Gegenleistung wurde dem 
cumberländer der Generalsrang und die Uniform der Garde 
ürassiere angeboten. Dennoch lehnte er ab und drohte, mit 
einem Sohn unter Hinterlassung der roten Husarenjacke nach 
munden zurüchzureisen. Es kam zwar nicht zum Bruch, die 
Kaiserin vermittelte: aber die Spannung zwischen Ber— 
zewaltige wissenschaftliche Leistungen zu verstehen, um die 
hröße des Fortschrittes zu ermessen, bedarf es eingehenderer 
hemischer Kemntnisse, wie sie Laien kaum übermittelt werden 
zunen. Aber so viel sei gesagt: Für Ostwalds Arbeitsmethode 
st es im höchsten Grade charakteristisch, daß er chemische Ver⸗ 
ältnisse zu entwickeln sucht durch phmsikalische Eigenschaften, 
zie Dichte, Brechung, Leitfähigkeit. So ist wesentlich durch ihn 
in neuer Zweig der Naturwissenschaft, die physikalische Chemie, 
egründet worden. Und mit Hilfe dieser Methode hat sich Olt— 
zald hauptsächlich den großen Problemen zugewandt, dem 
Iffinitätsproblem, dem er zunächst seine ganze Arbeit gewidmel! 
at, dam der Elektrochemie und aus diesen zwei Hauptunter⸗ 
achungen heraus schuf er sich die Ueberzeugung, daß wir 
inmal lernen werden, in der Physik auf die kinetischen Ent— 
lickelungen, das heißt auf die Anschauung von den Molekülen 
ind in der Chemie auf die Annahme von Atomen zu verzichten. 
zr hält diese Anschauungen für Substrate und lehrt, daß die 
raturwissenschaft schon ihre Aufgabe erfülle, wenn sie nur die 
knergie und ihre Umwandlungen in Betracht ziehe. Damit 
iber hat Ostwald sich über den Standpunkt des Forschers er⸗ 
joben, er ist zum Philosophen geworden. Und hier hat er m 
den letzten Jahren eine Fülle neuer Erkenntnisse gebracht. 
DT. Radiumanläufe durch den Staat. Die preubische 
Regierung hat, wie der Deutsche Telegraph erfährt, veran⸗ 
aßt durch die lebhafte Nachfrage, ein Gramm Radium zum 
dreise von 350 000 Miäangekauft. Dies dürfte für die aller— 
rußersten Bedürfnisse vorläufig genügen. Das Interesse der 
zeutschen Aerztewelt an der Verwendung dieses Heilmittels ist 
edoch sehr groß, und es wird beabsichtigt, eine Nationalspende 
ur Beschaffung weiterer Mengen von Radium ins Leben zu 
ufen. Für diese Idee setzt sich besonders der Geheime Medizi— 
ralrat Prof. Dr. His, der Direktor der medizinischen Universi— 
ätsklinik in Berlin, ein. Als ein Ersatz von Radium kommt 
Jon den radioaktiven Substanzen in erster Linie das Mesothorium 
n Frage, dessen Beschaffung wegen seiner größeren Billigkeit 
ür alle Spitäler und Kliniken vorgesehen ist. Das Radium 
st jedoch dem Mesothorium dadurch überlegen, daß dieses 
ereits nach fünf Jahren 50 00 von seiner Wirksamkeit einge⸗ 
»üßt hat, während eine derartige Kraftverminderung beim 
Kadium erst nach 1500 Jahren eintritt. — Die preußische 
ztaatsregierung kommt der Aerzteschaft in weitestem Make 
ntgegen, und die für den nächsten Etat vorgesehene Summe von 
300 000 Mesoll ausschließlich zur Beschaffung dieser radio— 
iktiven Substanzen Verwendung finden. Die privaten Be— 
nühungen der Aerzteschaft, namentlich soweit es sich um eine 
kadiumnationalspende handelt, gehen neben den Anläufen und 
Heldbewilligungen der Regierung her. 
tin und Gmunden ist seit dieser Zeit noch nicht be o 
Die Norddeutsche erklärt, daß an diesen Angaben kein wahrns 
Wort sei. Es ist bedauerlich, daß das offiziöse Organ sich 
nit einem so kurzen Tementi begnügt. Es ist nämlich nach— 
gerade an der Zeit, daß man die Oeffentlichkeit einmal 
zarüber aufklärt, daß an eine Thronsolge des Schwiegersohnes 
»es Kaisers in Braunschweig nur unter der Bedingung zu denken 
st, daßz er nicht nur ausdrücklich auf alle Ansprüche auf 
Zannover verzichtet, sondern daß auch das gefamte Herzogshaus 
o von der welfischen Agitation abrückt, daß ihr weiteres poli— 
lisches Wirken unmöglich wird. Andernfalls läßt man die Thron⸗ 
olgefrage besser bis zum Ableben des Herzogs von Cumberland 
uhen, wo dann sein Sohn und Erbe ohne jede Verbindung 
nit einer versunkenen Vergangenheit klipp und klar sagen kann, 
iach welcher Seite er sich entscheiden will. Tarüber möchte 
nan im Volke nun endlich Klarheit haben nach den vielen 
zalbheiten, mit denen man an der Frage herumgedoktert hat. 
daß Verstimmungen zwischen Berlin und Gmunden bestehen 
wird wohl nicht mehr bestritten werden können. Tenn andern 
falls wäre der schon offiziös angekündigte Besuch Kaiser Wil 
gesms in Gmunden nicht aufs unbestimmte verschoben worden. 
Prinz und Prinzessin von Braunschweig und Lüneburg wer— 
hen sich Mitte Oktober auf Einladung des Königs Georg nach 
England begeben, um der am 15. Oktober in der königlichen 
apelle des St. James-Palastes stattfindenden Vermäh— 
ung des Prinzen Arthur von Connaught mit 
oer Prinzessin von Fife beizuwohnen. An die Hoffestlichkeiten 
vird sich eine Staatsvisite des Prinzenpaares beim Lordmayor 
und der Londoner Stadtverwaltung, ein Gabelfrühstück in der 
Fuildhall und ein mehrtägiger Besuch bei der Königin-Witwe 
Alexandra anschliehen. Gleichzeitig soll der Prinz zum Ehren— 
oberst eines britischen Kavallerieregiments, voraussichtlich der 
J. Ulanen, ernannt werden. Der Kaiser, der eine Ein— 
adung zu den Vermählungsfeierlichkeiten erhalten hat, wird 
ich durch den Prinzen Heinrich vertreten lassen. Es 
cheint nach derselben Quelle aber nicht ausgeschlossen, daß der 
Ktaiser anfangs November selbst nach England geht, um an 
inem Fasanenschießen zu Windsor teilzunehmen. 
DT. Die Novelle zum Einkommensteuergefetßz. In der 
Presse befindet sich mehrfach die Notiz, daß die in der letzten 
Sitzungsperiode unerledigt gebliebene Novelle zum Einkommen— 
teuer⸗ und zum Ergänzungssteuergesetz dem preußischen Land⸗ 
age bei seinem Wiederzusammentritt wieder vorgelegt werden 
oürde, und daß die Entwürfe im Finanzministerium bereits einer 
teilweisen Neubearbeitung unterzogen worden seien. Wir können 
nitteilen, daß diese Nachrichten nicht zutreffend smd. 
DT. Kongreß für Wohnungspflege und Wohnungsaufsicht. 
Die Zentralstelle für Volkswohlfahrt veranstaltet Anfang De— 
zember in Berlin einen Kongreß für Wohnungsaufsicht und 
Wohnungspflege. Der Kongreß will die einschlägigen Fragen 
iner allseitigen Erörterung unterziehen, zugleich aber ouch den 
ßemeinden Gelegenheit geben, diejenigen Kenntnisse zu er— 
werben, die erforderlich sind, um ihre Aufgaben in der Aus— 
übung der Wohnungsaufsicht wirksam zu erfüllen. 
DT. Abreise des Prinzen von Wales. Der Vrinz von 
Wales hat geltern abend Berlin verlassen und sich mit dem 
ahrplanmäßigen Zuge um 8,25 Uhr zunächst nach Stuttgart 
zegeben, wo er einige Tage als Gast des Königs von Württem— 
berg verweilen wird. Im Programm des Prinzen islt auch ein 
Ausflug nach der Zeppelinwerft in Friedrichshafen vörgesehen. 
zie er bereits im Frühiahr einmal besucht hat. 
Ein schwedischer Gruß. Bei dem Vorsitzenden des Berliner 
domitees für den Besuch der schwedischen Presse— 
»ertreter in Deutschland ist folgendes Telegramm 
ingegangen: 
„Stockholm, 1. 9. Am Jahrestage des Anfangs unserer 
unvergeßlichen Deutschlandfahrt bitten wir Sie 
selbst, die Ausdrücke unseres tiefgefühlten Dankes entgegen— 
zunehmen sowie dieselben an unsere geehrten und lieben 
Kollegen, Freunde und Gastgeber zu überbringen für unser 
Beisammensein und eine Gastfreiheit, welche aiemals aus 
unsctem Herzen und unserem Gedächtnis getilgt werden. Ein 
Lebehoch der Dankbarkeit und der Kameradschaft für die 
deuische Presse! — Sohlmann, Key, Hedlund.“ 
Der Vorsitzende des deutschen Empfangskomitees hat hier⸗ 
ruf folgende Antwort telegraphiert: 
„Harald Sohlmann, Stockholm. Nehmen Sie und alle 
tieben Freunde und Kollegen unseren herzlichsten Dant für 
Ihr liebenswürdiges Gedenken. Auch wir erinnern uns gern 
des unvergeßlichen kameradschaftlichen Beisammenseins. Leve 
Sperige hurra! hurra! hurra! — Georg Schweitzer.“ 
—XE 
Frankreich. 
Delcasses Abgang. Delcasses Tage als Botschafter der 
franzo sischen Republit am Zarenhofe sind gezählt. Darüber 
tönnen alle Ableugnungsversuche nicht hinweghelfen. Er wird 
fogar noch einmal im Oktober aus seinem Urlaube nach der 
Rewa zurüchktehren, um dort mitzuarbeiten an der figanziellen 
Auseincndersetzung zwischen der Pforte und den Balkanstaaten, 
viesem leßten Reste des Kreuzzugs“ der Balkanchristen gegen 
das Osmanenreich. Denn diese sehr knifflige Finanzfrage muß 
erft entwirrt werden, ehe ein neuer Mann yersuchen wird, die 
Zez. ehungen zwischen Frankreich und Rußland, wieder hertlicher 
zu Heftalten, afs sie zurzeit sind. Theophil Delcasse, der „unge 
ptanne Eduaros VII. wandelte zu sehr in der gewohnten Bahn 
der Einftreisungspolitifk“, als daß er nach der offen- 
undigen Preisgabe dieser Politik noch der rechte Mann gam 
dlatze wäre Alles Bemühen, es so darzustellen, als ob der 
Severband unerschüttert und geschlossen das diplomatische 
Zchlachtfeld um den Balkan verlassen habe, sind eben ver—⸗ 
ebens.“ Die einsache Formel: hier Dreiverbaud — 
rer Deufgchlande, mußte an dem Wirrwarr der Orient⸗ 
robleme scheitern Ihr erstes Opfer war Fairfan 
Arlwright, der redselige, Frühstückzgast von Maxienhad. 
er, in dem Marokkokonflikt seinen Gefühlen gegen Deutsch⸗ 
and allzu ofsenherzig freien Lauf gelassen hatte, ihr zweites 
vird Hetr Deicasse wmerden. Die Versuche, Fieser Abbe⸗ 
ufung eine harmlosere Färbung zu gehen, halten wir für 
Hönfaͤnherisch. Gewiß bedeutet dieser Personenmechse noch 
einen Wechfel in der Volitik der, verbündeten Mächte. Vermut— 
ich Hofft man sogar, nach Delcassaͤs Ausscheiden die franko— 
ussischen Bezierungen nur noch, inniger zu gestalten. Aber 
ie deuten duch darauf hin, daß die unselige „Einkreisungs⸗ 
politit“ —Tangfam abgebaui wird, bevor sie zusammenbricht und 
as feingesponnene Netz, des herzlichen Einvernehmens unter 
ihren Trümmern begräbt. 
China 
Die Einrahme Nankings. Infolge der den ganzen gestrigen 
Mirrgen andauernden Beschießung wurden die Rebellen ge— 
wuüngen, KRanftingezu'ränumen. Die Taipings, Irnppen 
des Gentrals Tschangschhun, find in die Stadt eingerückt. Eine 
Anzahl der Rebellen ist durch das Südtor entkommen, aber der 
Rest des Regiments der , Tapferen Krieger“ hält zuf dem 
nnnael aus Der Kampfinden Straßen dauert 
40h an
	        
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