Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Go 
Ausqabe 4. 
Tagesbericht 
J e 
Lübeck, 2. September. 
Bezirks⸗Eisenbahnrat Altona. 
Der Bezirls⸗Eisenbahnrat zu Altona hält seine 59. Sitzung 
. 13. Eeyt. ab. Die Tagesordnung umfaßt neun, Puntte. 
Den „Feschäftlichen Mitfeilungen ist. zu entnehmen, daß infolge 
des Ausscheidens des disherigen, Vorsitzenden, Vinisterigidiret⸗ 
kors Franke, aus dem Amte des Eifenbahndirektions-Präfidenten 
rin neuer BVoxrsißen der und gegebenenfalls auch sein Stest- 
pertreter zur Leitung der Verhandlungen in den, Sitzungen für 
den Rest der Wahlzeit 1012 1913 30 wahlen if. Kommerzienroi 
Holle in Kiel ist perstorben. An seiner Sieile hat die Han⸗ 
delskammer ihren Vorfihenden Herrn C. Andersen zum Mitglied 
des Bezirks⸗Eisenbahnrats für den Rest der Wahlzeit 112 - 1914 
gewählt. Aus dem Handelsstande der Prodinz Shhleswig- 
Holstein ist an Stelle des verstorbenen Kommerzienrats Holle 
in Kiel ein neues Mitglied des Landes Eisendahnrates fur 
den Rest der Wabhlzeit 1810 1814 3u wählen. — 
Ueber Anträge, und Bung gus frũheren Sitzungen 
wird folgendes mitgeteitst: Die Herstellung des An— 
lch lufhes von dem Zuge, 1306 an den Zug Ees nach Lubeg 
verursacht nach den nochmals angestelsten Erhebungen weit— 
gehende Aenderungen des Fahrplanes. die am 1. Oftt. d. J. 
nicht. durchführhar sind. Es wird aber weiter geprüft werden, 
ob der gewünschte Anschlußz im Fahrplan vom 1. Mai 1914 
eingerichtet werden fkann. Die in der 56. Sitzung des Bezirks- 
eisenbahnrats zu Altona einstimmig befürwortete Aend rung der 
Anwen dungsbedingungen der Ausnahmefarife 8 5 und 
8 5t Eisen usw.) ist vom Minister der öffentlichen Arbeiten 
in Uebereinstimmung mit dem Gutachten des LandesEisenbahn- 
tats in, der Sitzung am 20. Juni 1913 nach dem den Bezirks- 
isenbahnräten in Altonag, Berlin, Hannover, Magdeburg und 
Köln vorgelegten Entwurfe genehmigt worden. Um die ein— 
tretenden Fahrpreis⸗ und Frachtoerteuerungen 
infolge der Eröffnung der Hochbrücke bei Rendsburg weiter 
abzuschwãchen, werden die Tarifentfernungen im Personen- Ge— 
pãck⸗, Guter⸗ und Tierverkehr staffelfsrmig nicht shon von 25 zu 
25 kin erhöht werden, sondern es werden 2) Rendsburg und die 
übrigen bis 40 kmnördlich gelegenen Stationen einen Zu— 
schlag von nur 1km, b) die in der Zone von 4180 k0n 
lich von Rendsburg, gelegenen Statjonen, einen Jolchen von 
2Em, 6 die ũber 80 kin nordlich von Rendsburg gelegenen Sta⸗ 
lionen bis zur Landesgrenze einen Zuschlag von 3 erhaften 
und erst im Durchgangsverkehr über die dänische Grenze hin— 
gus die wirklichen Mehrentfernungen in dvoller Höhe in die 
Tarife eingerechnet werden. Die Jleiche Staffelung wird auch 
nach Verlegung der Marschbahn der Tarifberechnung zugrunde 
gelegt werden., Ausgangspunkt für die Zoneneinteisung in eñr 
diese Strecke St. Michgelisdonn. 
Fahrplan-Angesegenheiten betreffen die letzten 
drei, Gegenstände der, Tagesordnung.e. Konful Dimprter 
Lübeck beantragt die Einlegung eines nmenen Eilzug— 
paares quf der Strede Zu bed—Lüneburg und begrnndet 
dies wie folgt: Die seit einer langen Reibe von Jahren 
pom Vertreter der Handelskammer zus Lubed mehrfach beige 
brachten Wunsche eines Schneti oder Eihzugsderfehres auf dar 
Strecke Lübed—Süneburs Gannover) sind bisher von der 
Kal. Eisenbahndirektton Allona imnmer wieder zugunsten an—⸗ 
derer, als noch drinolicher bezeichnelet Berkehrswünsche zuruüg— 
pestellt worden. In allen Lubed er Hondels⸗ und Bertehrs 
freisen har man Ziese Stellungnahme lebhaft, bedauern Frusfen. 
Angesichts der Tatsache. daß Lünbeds Eisenbahnfernvetkehr 
beim Gütertransport in der Hauptsache auf dem Handelsaus— 
tausch zwischen den standinavischen Ländern, und dem deutschen 
Westen beruht. ist man in Lübesg der festen Üeberzugung. 
daß diesem, Warenaustaufsch schon heute ein reger Reisend n⸗ 
werkehr entsprechen muß. der aus den der Kal. Eifenb ahn— 
direktion Altongperschiedentlich, dargeiegten Gründen durch 
die frũher gestellten amtlichen statistischen Ermuitelungen diefes 
Verkehrs nicht entfernt erfaht werden kann. Man st ferner 
in den genannten Kreisen der Ansicht. dah eine gesfunde Weite ⸗ 
entwidelung jenes Verkehrs in der Hauptsache nur durch die 
wiederholt dargelegten völlig unzureichenden Verkehrsverhält 
nifse auf jener am meisten benachteiligten Eisenbahnstrecke 
Lübeds, d. h. durch die geringen Fahrgefchwindigkeiten. 
die zahlreichen zeitraubenden Aufenshalte und bdie dadurch be— 
dingte ungünstige Fahrplanlage hintan Gehaiten wird. Die 
wie derholten. auf sorgfältige vergleichende Gegenüberstellungen 
gestützten Darlegungen dieser Uebelstände. die inzwischen aucßh 
in einer vom lübeckischen Senat der Kal. Eisenbahndirektion 
Altong ũbermittelten Dentschrift vom Juli 1012 eine eingehende 
Behandlung erfahren haben, überheben den Unterzeichnetem 
einer nochmaligen Schilderung dieser Verhälim'sse um so wehr, 
als „bereits ii. der Bezitksessenbahnratsfihung von 19. Marz 
13810 jene Wünsche laut Riederschrift über jene Sizung vom 
Bezirseisenbahnrat selbst alsausreichende begründete in 
simmig anerkannt, worden sind ich bie Tatsacher daß vdie 
Lübec· Bũchener Eisenbahn Geselischaft welche die einschlãgigen 
Verhaltnisse am ehesten zu übersehen in de Lage sein dürfte, 
sich bereits mehrfach zur Uebernahme der erforderlichen Mehr⸗ 
gatfwen dungen auf der 404 km sangen Sirede Lübede 
Busch en einverstanden erklärt hat, beweist nag Ansicht der 
Lübeder Handelskreise, daß ein dringendes Bedürfnis zu einer 
durchareifenden Verbesserung der vbestebenden Verbältnisse be— 
eht, der sich guch die preußische Tifenbahnverwaltung fu— 
bie nur 29,8 kmeolange preußische Reststrede Büchen — Lüneburg 
nicht länger iehag sollte. Zur Verbesserung des Verkehrs 
In den Lu bed und Lüneburg waren zu der im November 
4911 abgehaltenen europäischen Fahrplaͤnkonferen; in Teiest 
von der Lübed⸗Buchener Eisenbahn-Gefeliischaft folgende 
Anträãge gestellt worden: 1. die Einlegung eines Eilzuges 
im Anschluß an den Zug 77, Lünebutg ab 36 dan bne, 
10.52- 34. Büchen I1.6-07. Mölln 1127-23. Ratzeburg 
33-39. Nbed an 12.00. 2is Gegensug falls 
D 80 etwas fpater gelegt werden kann, einen Eilszug Lübeck 
vb 7.47. Rotzeburg 8. 3-I1. Mölln 8 21- 22, Buchen 8.41-42. 
Zauenbairg 8. abenbe Deburg an v.u ente VDie 
See dieses Fahrpians ire dinch die Rudficht auf den n 
schluß an den wichtigen Zug D8 von Kopenhagen in Lübed 
und durch die Kreusung“ mt dem Zuge 252 in Blankenese be— 
dingt. qus defsen eine zwei Minufen spätere Lage wegen Ver— 
Giebung, von Du ð versifs Rücksicht genommen ist; b) falls 
Ds icht verlegt eten kann. einen Eilzug zum Anschluß 
. B3 und h 44 Su be tdu d 
Molm 12. 112.12. Bũchen 12. 315-32. Louenburg 12.44 - 45 
Lüneburg an 1.01. Zun gale 2 ) wi deneues gug“n 26 
um einige Minuten früher“ in Büchen anbringen. während er 
Im Falle 2b) unter Verwandlung in cnc auf allen Statio— 
nen haltenden Lokalzug etwas um 11.28 von ung in Büchen 
angebracht werden würde 3. Unler der Voraussetzung des 
Zustandekommens des unter 1. genannten Eilzuges die“ Ver. 
legung des Zuges 246 in folgendem Fahrpian; Lüneburg 
ab IIL.ab, Lauenburg. Büchen 12. 30 -56, Mölln 1.418 - 19 
Ratzehurg 120230 Lübed an 1.56. mit Halt auf allen 
Zwischenstationen, Die Durchführung dieser Anträge zu 1. und 
ZRa würde von der Handelskammer zu Lüßed deswegen be⸗ 
onders begrüßt werden, weit gauf diefe Weise ein brauch⸗ 
hare Morgenverbindung von Sannover nach Luben n 
iner korrespondierenden Abendoerbindung in umgekehrter Rich 
tung unter Gewährung ausreichen der Aufenthaltszeiten in 
Lübed ermöglicht werden würde in Uebercinstimmung mit 
dem über die Erbauung einer Elbbrücke bei Lauenburg im 
Jahre 1876 abgeschlossenen Vertrage, in welchem die drei 
dertragschließen den, Eisenbahnverwaltungen ousdrũcklich den 
vrundsatz aufgestellt hatten daß tunichst unter Wegfall der 
ltalzüge, nur durchgehende Zũge eingerichtet und allseiti— 
die Anschlüsse gewahrt werden Vne den ländlichen Verkehrs 
hest 
Dienstag, den 2. Septem'er 1913. 
Morgen-Blatt Ur. 442. 
anforderungen des Perzogtums Lauenburg entsprechende Rege⸗ 
ung der lokalen würde hierbei unũberwinde 
ichen Schwierigkeiten nicht begegnen. Der Bezirks-Eisenbahnrat 
vird gebeten: für den Sommerfahrplan 1914 eine Verbesserung 
des Verkehrs üu be düne duurge Gannover) durch Ein 
egung eines Eilzugpaares zu befürworten, 
Einem weiteren Antrage des Herrn Konsuls Dimpker- 
In beck guf Errichtung einer Abendschneitzugeoerbin- 
»ung Kielübef—Berlin und zurüdist folgende Be— 
ründirng beigefügt: Von den Verfretern der Handelskammern 
tiel und Flensburg im Bezirkseisenbahnrat gi Altong den 
»erren Konsul Sarkori und Kommerzienrat Kallsen. ist an⸗ 
ißlich der am 21. September 1012 abgebaltenen Sitzung des 
zezirkreisenbahnrates. der in einer gemensamen Eingabe jener 
andelskammern sowie der Landwirtschaftskammer für die Pro⸗ 
inz Schleswig-Holstein und der Handeiskammer zu Lübeck 
ertretene Wunsch zum Antrag erhoben worden, eine neue 
Wendichnellzug vetbindung Kiel —Suu be — Berlin und zurüch: 
diel ab etwa 542, Bexfin an etwa 10.50. Berlinab eiwa 
20. Hiel an etwa 128 unter entsprechender Berüchichtigung 
nes Anschlusses von Flensburg vorzusehen. Diefer Wursh 
t. gnerzeit, vor allem, mit, esnem Hinweis guf, die daduech 
rreichbare Verkürzung des Reiseweges Gum Beispief ab Keei 
im, 56 km. ab Lübedk gegenüber dem Hamburger Wege im 
31.4 kwm). guf die daducch bedingte Ermäß gung der KReise- 
»auer cje bis zu einer Stunde) und der Reisekosten sowie 
ndlich durch den Hinweis quf die hierdurch herbeizuführenden 
orzüglichen Anschlüsse an die Berliner Nachtzuge nach bezw, 
on Dresden, Danzig. Könjasberg. Moskau', St. Vetersburg 
raründet worden. KLediglich die Rücksichtnahme auf die ber 
onderen Leistungen. die der Sonimerfahroica 1818 für die 
Verhesserung der Berbindungen Kie ubed gebrabt hat, 
zaben nach den in der Bezirkseisenbahnratssitung vom 14 Maärʒ 
813 gemachten Mitteihungen die Kol Eifenbaͤhndirekt'on Altonga 
aron abgehalten. guch noch die Koften für jene neunn Äbend 
erbindungen zu übernehmen. Dieser Grund trifft für das 
ieue Fahrplanjahr 1914/15 nicht mehr zu. Die Dringlichket 
ener vonaden genannten amtlichen Interefsenve tr fusngen an 
eregten Wünsche kann nunmehr kaum mehr verneint werden. 
Der Bezirkscisenbahraf wird gebeten: dieEinführung einer gusen 
Abendschnellzugverbindung K ierübed —Berslinund 
gurück. mit entsprechender Berücksichtigung eines Anfchlusses von 
Flensburg. für den Fahrplan 1814/15 zu befürworten. 
Mit der Entgegennahme und Besprechung von Anträgen 
für Fdie Gestaltung des Personenzugfahrpians vom 
pq 1914 wird die Sitzung des Besitkseisenbahnrais 
schließen. 
.2, Lin furchtharer Kampf un zahrreichen Toten und Ge⸗— 
tochenen hat sich Sonntag nachmittag im Ifraefsdorfer Bade 
nd zwar vor allem bei der Forsihalle abgespieit. Maänner, 
Frauen und Kinder beteiligten sich gleichermaßen an der mil 
großer Erbitterung geführten und stundenlang sich hinziehen— 
den blutigen Schlacht, ja manch älterer Krieger — der Landes- 
kriegerverhand war in der Forsthalle zu seiner Sedanfeier 
ersammelt — focht hier wieder mit demseiben, wenn micht noch 
nit groͤberem Muft und der gleichen Tollkühnheit und Todes⸗ 
»erachtung wie in den Feldzügen von 1864, 1866 und 187071, 
umal er jetzt auch noch Frau, Kinder und Enkeltinder Bor dem 
rausamen Feinde zu schüßen hatte. Ueberall, wohin man blichte, 
ah man muskulöse Arme und Fäuste zu wuchtigem Schla ge oder 
bwehr ausholen, auch Frauen und, Kinder sich nach Kräflen der 
Angreifer erwehren und dazwischen schmerzverzertte Gesichter der 
erwundeten Männer und Frauen sowie verzweiflungsvolles und 
erzzerreißendes Wimmern und Weinen der gestochenen Krnder. 
die äutzexlich allerorten zur Schau getragene Frohlichken und 
uch selbst das Konzert der Regimentskapeile vermochten nicht 
ber diese blutigen Szenen hinwegzutäuschen. Die ürheberin 
ieses furhtbaren Streites war Line gewisse Anna Pheles 
lias Ano Pheles oder auch Anopheles genannt, die lich trotz 
ller polizeilichen Maßnahmen schon seit“ etlichen Zahren mit 
hrer Nachlommenichaft im Walde vagabondierend umhertreibt. 
im Sonntag war das Betragen diefer ungeschliffenen, unhen 
ind blutgierigen Sippschaft wieder einmal ein reradezu un— 
erschämt vresstes und, gufdringliches. Ueberall fielen sie ohne 
egliche Veranassung über die Mienschen ohne UAnterschied des 
lUters und Standes her und bissen undstachen sie in der 
nerhörtesten Weise. Was Wunder, daß sich jeder verteid!gte 
ind —, zunächst in der Notwehr — dann aber, als die Belasti— 
zung, tatt nachzulassen, immer gröber und widerlicher wurde, 
nit wohlüberlegter Absicht manchem der Angreifer die Glieder 
erschlug oder gar auf der Slielle tötele. Zahlreiche Tote 
nd Gestochene bedeckten infolgedessen baid die“ Stäste des 
dampfes, der, da man beiderseils mit immet größerer Erhitte— 
ung auf einander los ging, cin immer hitzigerer wurde und 
rst mit dem Eintriti der Dunkelheit sein Eude fand. Die Zahl 
er Toten und Verletzten ist unbekannt — Wie altere Lubedert 
niftenten, sollen in ihrer Jugend solche Senen im Israei— 
dorfer Wald nicht vorgekommen sein. Allerdings waren da— 
nals auch noch viel mehr Vögel alier Art, Fledermäuse, Cipach— 
en, Kröten, Frösche und Spinnen im Walde und die Gräßen 
mit unzähligen Stichlingen belebt, alles Lebewesen, die der 
Anopheles den Garaus gemacht haben, während heutzutage die 
Bogel durch den modernen Forftbetrieb sowie den ebdüften 
Verkehr im Walde immer weniger, Stichlinge und Eidechsen vici 
mehr als früher von der Jugend gefangen und Kröten, Frösche, 
Fledermäuse und Spinnen ihres unschönen Aeubern wegen'beß 
Erwachsenen wie Kindern viel staärker als früher verfolgt und 
nernichtet werden. Die Folge davon ist die — Müdenra ge. 
DRekrutenfürsorge im Landeskriegerverband Lübeck. Am 
Zonnabend wurde ein praktischer Uebungsabend zum ersten 
Nale unter Führung eines aktiven Sergeanten abgehalten. Die 
lebung bestand aus Vorbereitungen zum Marsch. Als Uebungs⸗ 
latz diente der alte Bahndamm. Durchgenommen FTurden Gleich— 
hritt, Schwenkungen und Laufschritt. Nach beendigter Uebung 
durde unter Gesong der Marsch nach der provisorisch eingerich⸗ 
eten Kaserne im Kolosseum angetreten, woselbst eine Putz⸗ und 
zlicstunde angesetzt war; hierbei lernten die Rekruten die Be— 
leidungs⸗ und Ausrüstungsstücke an einem feldmarschmähig aus— 
erüsteten Soldaten kennen. Die ganze Uebung erwedte große 
Zegeifterung, und es wurde seitens der zahlreich Beteiligten der 
Vunsch laut, nochmals eine praktische Uebung zu veranlassen. 
)eshalb soll, außer Programm., am kommenden Sonnabend, 
bends 10 Uhr, eine kriegsmähßige Nachtfelddienstübung event. 
nit Verpflegung am Ziel, abgehalten werden, woran ieder aus— 
jehobene Rektut teilnehmen kamm. Es werden am Freitag 
sierüher die Inserate das Nähere mitteilen. 
In die Stamndesreg'ster des Stand samtsbezirks Lübeck J 
wurden vom 24. bis 30. August 1913 eingetragen: 38 Geburten 
(17 Knaben und 18 Mädchen), 17 Aufgebote, 8 Eheschließungen 
und 26 Sterbefälle, darunter 11 Kinder unter 3 Jahren. 
Besuch der Volkzlüche im Monat August 1913. Ab⸗— 
egeben wurden 7899 große und 4003 kleine Portionen, im 
zanzen 11702 Portionen, An 31 Tagen wurde gekocht, 
ür den Tag 380 Portionen. Ferner wurden für 5572 gro ke 
Tassen Kasfee à 5 Pfg. 278,60 Miuund für Abendessen 710.50 M 
ingenommen. 
Konkurse im August. Nach einer Zusammenstellung der 
Finanzzeitschrift „Die Bank“ sind im August 651 Konkurse 
röffnet worden gegen 879 im Juli 1913. Der Rückgang gegen 
den Vormonat ist sehr erheblich, auch wenn man berücsichtigt, 
»aß eine Befserung gewöhnlich mit den Gerichtsferien ein— 
ritt. Im August 1912 sind 650 Konkurse eröffnet worden. 
Sausbeleuchtung. Da die Häuser im allgemeinen erst 
im 10 Uhr abends geschlossen werden, die Dunkelheit jetzt 
edoch bereits um 8 Uhr, auf Treppen und Fluren sogar noch 
cher eintritt, ist es zurzeit wieder notwendig, für einige Abend— 
tunden Treppen und Flure zu beleuchten. Wem diese Ver— 
»flichtung im Einzelfalle zufällt, wird durch Mietskontrakte 
»der mündliche Vereinbarung zwischen Hauswirt und Mieter 
estgestellt. Der zur Erleuchtung des Treppenhauses Verpflich⸗ 
ete ist jedoch sodann einzig und allein für alle Folgen, die 
ius einer mangelhaften oder gänzlich unterbliebenen Beleuch— 
ung eintreten, haftbar. Und im eigenen Interesse muß jedem 
ringend geraten werden, lieber zu früh als zu spät mit der 
zeleuchtung anzufangen. Die Gerichte pflegen heutzutage eine 
ehr weitgehenbde Haftbarmachung vorzunehmen und schon oft 
at sich die Ersparnis einiger Pfennige durch Ausgaben von 
underten von Mark für Kurkosten usw. gestürzter Personen 
zitter gerächt. 
Die, Wasserwärme in den städtischen Badeanstalten be— 
rug qam 1. Sept. im Krähenteich 21 Grad Cels auf dem 
calkendamm 205,. Grad Cels. 
Stadtteil Travemünde. Ueber das Sonntag hier 
niedergegangene schwere Gewilter sind noch folgende Blitzschäden 
u berichten. In einem Hause der Vorderreihe wurden bei 
inem harten Schlag mehrere Fensterscheiben zertrümmert. In 
Sillmers Landhaus wurden durch einen kaälten Schlag Dach 
ind Fenster beschädigt. Ferner schlug ein Blitz in den Blitz⸗ 
bleiter der Lotsenwachtstube und einer fuhr in der Nähe 
der Seebadeanstalt ins Wasser. Die elektrische Spannung in der 
ruft war so stark, daß ein Bootsvermieter, welcher mit seinen 
dassagieren in der Nähe der Badeanstalt sein Boot vor Anker 
rachte und hierbei den Stahlwanten desselben zu nahe kam, 
inen starlen elektrischen Schlag erhielt, welcher ihm auf einige 
zeit den einen Arm lähmte. — Siegreiche Lübecker 
Facht. Die auf der Jachtwerft von J. Schlichting jir. in 
Travemünde neuerbaute Jolie „Ahasver“, Besitzer Herr Po— 
ente, Travemunde, errang am Sonnabend auf der Wüogel 
ei Berlin einen glatten ersten Vreis 
. Lübecker Sommertheater. Aus der Theaterkanzlei schreibt 
nan uns: Auch am Sonnsfag hatte der neue Operettenkomifer 
in „Filmzauber“, wieder bei volfem HSaufe einen stürmischen 
Erfols, so daß wir auf seine Leiftung am Mittwoch in „Pupp— 
hen“ Zespannt sein dürfen Sonnabend spielte in Wislelchen“ 
zrl. Dora Kaps die Titelrosse und bewies, daß ie ein 
zroßes Talent für das Fach der Raiven besitzt. Sie wurde 
vom Publikum mit nicht endenwolfendem Applaus ausge— 
cichnet. Auf den Vorteilsabend der belsebten Kuniterin Frau 
Ratianne Hendeder sei nochmals aufmertsam zemacht. Die 
Wahl des Stdes , Liebeleis von Arthur Schnitler“t e 
Janz vorzügliche. Zum Schluß wird noch die wertvolie Neuheit 
bon Gerhatt Hauptmann Gabriel Schillings Flucht“ und 
das Luisviel „Eheferien“ von Metterhaufen oorbereitet. 
b. Ein Sonderzug nach Samburg zu ermäßigten Fohr— 
preisen wird am, kommenden Sonntag, dem 7. Sept. Uhr 
20 Min. vormittags, von hier abgelassen werden S. Ins.) 
b Orgellonzer!. Das fünfte Orgelkonzert in St. Marien 
am Mittwoch nachmittac bringt, Orgewerle von Bach, Meckei 
ßuilmant und Fährmann. Einige Soprangesänge non Handn 
ind Zchueri hat Frl. S. Collin vorzutraden freundlichtt zu— 
zesagt. 
b. Das Lübeder Konservatorium der Musik weist im An— 
eigenteil hin auf das am 13. Olt. neu beginnende Binter— 
emester. Neu hinzugekommene Fächer sind: Für Gesangs— 
huͤler und, —Schulerinnen unentgelcher Chorgesang. Für 
Schüler in Klavier, Violine und Eello unentgeitucher Ensemble⸗ 
unterricht. Ferner Unterricht in hygienischem Atmen und 
— Kurse zu 20 Stunden. Neue Dalcroze-Kurse beginnen 
auch im Oltober wieder Schülerfreauenz während des Sommer- 
halbjahrs 150 
Sansestädte. 
W. Hamburg, 2. Sert. 8Bn der Bismardfeier 
in Friedrichsruh. Im Anschluß an die Nachricht über die 
Bismardfeier in unserer Montag⸗Morgenausgabe sei die An— 
prache des Generalfeldmarscholls von der Golß hier noch wieder— 
jegeben. Diese lautete: „Wir sind hier an geweihter Stätte 
ereint. um das Andenken großer Tage zu feiern, da das deutsche 
Bolk vor 100 Jahren die Fesseln einer fremden Gewaltherrschaft 
erbrach und DTeutschlands heiligen Boden von feindlichen Kriegs⸗ 
charen säuberte. Wir hegeben diese Feier in der Nähe der 
Ztätte, da der treue Edehart des deutschen Volkes als erster 
zerater seines erhabenen Kaisers uns das Deutsche Reich ge— 
chaffen hat. Es ist. als seien die Geister aus jcner großen 
Zeit hier gegenwärtig, um zu prũfen, ob das heranwachsende 
Heschlecht ihrer würdig sei. stark und tüchtig genug, zu bewahren. 
vas sie ehedem errangen. Sie haben uns Deutfchland frei. 
zroß und einig hinterlassen, gefürchtet in Waffen umd geachtet 
im Rat der Völker. Das sind die Güter, die zu schützen die 
eutige Jugend berufen ist. Wir Alten freuen uns daß es soweit 
jekommen und gönnen es euch von Herzen. Ihr aber, ihr Jungen 
on heute, sollt dessen auch eingedenk sein und nie vergessen, 
aß ihr mit dem Guten ernste Vflichten auf euch nehnt. Tas 
weutsche Volk steht in hartem Mettbewerb met vielen anderen 
üchtigen Nationen, die ihre Kräfte stählen. Und wenn ihr nicht 
üchtig seid, wem ihr nicht dermaleinst, ein jeder an der Stelle, 
die das Geschid ihm zugewiesen hat. seinen Mann steht, so 
vird unser geliebtes Vaterland semen Platz nicht behaupten, und 
inser herrliches Reich von seiner Höhe herabsinsen. Strebt 
also den Vätern nach. Ihr seid es imstande! Nicht jeder kann 
die Höhen des Lebens erreichen, aher unsere großen Männer 
aben alle klein angefangen: Bismarck, Moltke. Roon! Jeder 
ann im kleinen Kreise es ihnen nachtun in Treue zu Kaiser, 
neich und Vaterland, in gewissenkafter Arbeit an uns selbsi. 
»ie uns an Kärver und Geist tüchtig machen soll für den 
dampf des Lebens, im Frieden und im Kriege.“ Der Feld— 
marschalkl endete mit einen Hoch duf den Kaiser. 
Schleswig⸗ Hosstein. 
Neumünster. 2. Sept. Ein beftiges Gewitter 
fielt Sonntag nachmittag mehrere Stunden an. Durch den 
vortenbruchartigen Regen wurden in allen Stadtteilen zahl⸗ 
eiche Keller von Geschäftshäusern bis zu einem Meter hoch 
iberschwemmt und die darin befindlichen Waren beschãdigt. 
Die Feuerwehr mußte an vielen Stellen das Wasser qus- 
zumpen. Einige kalte Schläge haben nur geringen Schaden 
naerichtet
	        
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