Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Ausqabe M. 
Montaq, den 1. September 1913. 
Abend⸗Blatt Ur. 441. 
X 
4. Verbandstag des Vereins für handlungs⸗ 
Kommis. 
Machdr. verb.) 8.&l. Mag deburg, 831. Aug. 
Ter übdr 120 000 Mitglieder umfassende Verein für Hand⸗ 
ungs⸗Kommis von 1858, der die größte kaufmännische Stellen⸗ 
vermittlung der Welt besitzt und Zweigniederlassungen sowie 
Geschäftsstellen in mehr als 700 deutschen, ausländischen und 
überseeischen Plätzen zählt, trat heute hier im Fürstenhof zu 
einem 4. Verbandstage zusammen, nachdem bereits gestern ein 
Begrüßungsabend stattgefunden Fatte. Der Vorsitzende des Aufa 
lichtsrates, Wilhelm Schillang (Hamburg), begrüßte nach 
einem Hoch auf den Kaiser, an den ein Huldigungstelegramm 
gesandt wurde, die zahlreichen Ehrengäste und die über 600 
Teilnehmer, von denen mehr als 400 Vertreter von Bezirks- 
pereinen waren. 
Hierauf erstattete der Vorsitzende der Verwaltung. Dr. 
Köhler (amburg), den sozialpolitischen Bericht. 
Aus ihm ist zu entnehmen, daß der Verein auf allen Ge— 
bieten der laufmännischen Standesposttik lebhaft und erfolgreich 
nitgearbeitet hat. Die Schaffung der sozialen Arbeitsgemein- 
chaft der kaufmännischen Verbände stellt den ersten glücklichen 
Versuch der Zusammenfassung der in dem kaufmännischen Organi⸗ 
sationsleben bestehenden Kräfte doar. Bei der Verfretung der 
Konlurrenzklauselregelung habe der Verein eine weise Mäßigung 
erstrebt, um endlich Verbesserung zu schaffen. Ueber eine ge— 
wisse Mindestgrenze hinaus dürften aber Zugeständnisse der 
aufsmännischen Organisationen nicht verlangt werden. Eine er⸗ 
folgreiche Tätigkeit entfaltete der Verein bezw. die soziale 
Arbeitsgemeinschaft in der Angelegenheit der Erhöhung der 
Pfändungsgrenze, der Mindestruhezeit im Gaste und Schank— 
wirtschaftsgewerbe und bei der Vertretung der Angestellten— 
mteressen bei der Schaffung des Leuchtölmonopolgesetzes. Eine 
charfe Zurückweifung erfuhr das Bestreben der bundesstaatlichen 
Kriegsmimisterien, verabschiedete Offiziere im Handelsstande un— 
terzubringen. Zur Linderung der Not der alternden Angestellten 
werde die Verbandsleitung demmächst geeignete Vorschläge 
machen, soweit diese im 1888er Verein organisiert sind. Eine 
der gröhßten Aufgaben bestehe in der Hebung des fachlichen 
und allgemeinen Bildungsgrades der kaufmännischen Angestellten 
ichaft durch Einrichtung besonderer Fachkurse seitens der Ver⸗ 
bände. Redner schloß mit der Aufforderung, im Interesse einer 
günstigen Standesentwickkung an der Verbesserung erkannter 
Mißstäãnde mitzuarbeiten. (Lebhafter Beifall.) 
An zweiter Stelle sprach Verwaltungsmitalied Henry Scha⸗ 
er (Samburg) über die Bedeutung der Wohnungsfrage 
ür die Angestellten. Er stellte eine Reihe von Leitsätzen 
auf, in denen verlangt wird: 1. Eine umfassende Wohnungs⸗ 
zesetzgebung nach den Vorschlägen der zweiten deutschen Woh— 
ungskouferenz vomn 9. Nov. 1912, und zwar vom Reiche 
unverzügliches Vorgehen auf den unbestrittenen Gebieten seiner 
Zustän digkeit und Gewähr für die gesetzgeberische Tätigkeit der 
Einzelstaaten, von den Einzelstaaten möglichst baldige Inan⸗ 
ariffnahme dieser Tätigkeit. Den preußischen Wohnungsgesetz⸗ 
entwurf erklärt der Vereinstag für einen bescheidenen Anfang 
des Notwendigen, der aber nicht abgeschwäãcht, sondern im Ge— 
genteil ausgebaut und ergänzt werden muß, insbesondere auch 
in der Richtung, die Aufschliezung von Bauland und die Ansied⸗ 
sung im Kleinhaus von der jeßt übernichig bureaukratischen 
Erschwerung und Verteuerung zu befreien. Durch die Gesetz- 
gebung ist namentlich auch die Wohnungsaufsicht für Wohn⸗ 
und Schlafräume der in die häusliche Gemeinschaft des Prinzi⸗ 
pals aufgenommenen Maestellten einzuführen. Sie ist u e 
qunzen durch eine Beaufsichtigung der Geschufts— und Arbeits- 
vume in hygienischer Beziehung. Diese Aufgaben sind später 
weclmäßig besonderen Handelsinspektoren zuzuweisen. 2. Eine 
mergische Boden⸗ und Wohnungspolitik der Gemeinden, namentlich 
wnuch zur Beschaffung billigen Anfiedlungslandes. 3. Die mög- 
ichste Entfaltung der Selbsthilfe der Angestellten auf dem Ge— 
iete des Wohnungswesens und zu diesem Zwech namentlich 
Schaffung von gemeinnützigen AUnternehmungen zur Erbauung 
vohlfeiler Familienwohnungen und von Heimstätten für alte 
Irbeiter. Für diese Zwecke ist, soweit irgend möglich, die 
Interstützung des Staates und der Gemeinden napentlich auch 
urch billigen Kredit zu fordern. Ganz besonders ist es Pflicht 
er Reichsversicherungsanstalt für Angestellte, mit ihren großen 
Nitteln helfend einzugreifen. 4. Angesichts des geringen Ein— 
ommens eines großen Teiles der Angestellten sind Fahrpreis— 
ergünstigungen auf den öffentlichen Verkehrsmitteln, wie sie 
ür die Arbeiter bestehen, zu fordern (Angestelltenkarten). Ta 
ie Wohnungsreform zu ihrer Vorwärtsführung der stetigen 
achdrücklichen Anteilnahme der breitesten Schichten unseres Vol⸗ 
es sowie der eindringenden Bearbeitung durch die hierzu be— 
ufenen Sonderorganisationen bedarf, so fordert endlich der Ver— 
instag die Angestellten-Verbände auf, sich dauernd mit der 
Vohnungsfrage zu beschäftigen und die Wohnungsreformorga⸗ 
usationen und ihre Bestrebungen in jeder Weise zu unterstützen. 
Den letzten Vortrag hielt Dr. Köhler über kauf— 
nännische Organifsationsfragen. Der Redner legte 
einen Ausführungen folgende Leitsätze zugrunde: 1. Die 
vewerlschaft ist als Organisation für Angestellte abzulehnen, 
a ihre Forderungen mit den wirtschaftlich, ozial und kultureli 
mders gelagerten Verhältnissen der Angestellten nicht zu ver— 
inbaren sind. Der von der Gewerkschaft befolgte Leitsatz 
,die Bewegung ist alles, das Ziel ist nichts“ ist geeignet, Begriffs⸗ 
erwirrungen in die Angestelltenkreise zu tragen. Die Ange— 
telltenorganisationen, vor allem die kaufmãnnischen, werden 
iur dann ihren Zweck erfüllen können, wenn sie ihre Ziele auf 
»em Boden der geltenden Wirtschaftsordnung zu erreichen sich be⸗ 
nüũhen. Die Angestelltenschaft kanm dabei den Kapitalismus 
icht als solchen, sondern nur seine schädlichen Auswüchse be— 
ämpfen. 2. Gleichfalls abzulehnen ist das wichtigste gewerk⸗ 
chaftliche Kampfmittel, der Streik. Fur die Angestellten, ins⸗ 
esondere für die kaufmännischen, fehlen hierfür alle notwen— 
iigen Voraussetzungen. 3. Ebenso entschieden, wie wir die Ge— 
verkschaft als Organisation für die kaufmännischen Angestellten 
blehnen. müssen wir auch die paritätische Organisation als 
ungeeignet und veraltet bezeichnen. Die Vertretung der Ange— 
tellteninteressen kann nur durch eine unabhangige Gehilfen⸗ 
»rganisation ausfichtsreich erfolgen. 4. Die Vertretung reiner 
ßehilfeninteressen schließt nicht aus, daneben die Interessen des 
besemthandelsstandes wahrzunehnten, mit dem der Handlungs⸗ 
jehilfenstand eng verbunden ist und von dessen Wohl und Wehe 
nuch sein Gedeihen abhängt. In richtiger Erkenntnis des grund⸗ 
egenden 8 2 unserer Satzungen dürfen wir uns daher wohl mit 
necht als kaufmännischer Berufsverein bezeichnen. Der kauf⸗ 
aännische Berufsverein hat in dem Angestellten zugleich auch 
en Kaufmann zu vertreten. Die sozialpolitischen Ziele des Be— 
ufsvereines haben auf die dauernde Erhaltung des beson⸗ 
eren Berufsstandes, des Angestelltenstandes, hinzustreben. Als 
Mittel zur Erreichung dieser Ziele sind anzuwenden ebenso 
nergische Selbsthilfe wie rückhaltloses Verlangen nach Staats⸗ 
ilfe. — Tie Leitsätze der Referenten wurden nach einer Aus— 
prache angenommen. Zum Schluß stellte der Vorsitzende 
n einer Zusammenfafsung den überaus glücklichen Verlauf der 
Tagung fest und schloß die Sitzung mit einem Hoch auf den 
Bereie 
dportnachrichten. 
DT. Der große Tag in Baden⸗Baden. Baden-Baden, 
31. Aug. Der Tag des „Großen Preises“ litt sehr unter der 
Angunst der Witterung. Heftige Gewitter mit Sturm und 
Blitz überraschten die ersten Besucher des Iffezheimer Renn⸗ 
latzes. Als die ersten Sonderzüge mit den vielen tausend 
Zuschauern eintrafen, stand der Rasen unter Wasser. Glück 
licherweise legte sich das Unwetter und während noch bläuliche 
Blitze über den Schwarzwaldbergen zuckten, begann der heiß 
ersehnte „Große Tag“. Um es gleich vorweg zu nehmen, 
drachte der „Große Preis von Baden“ eine Ueberraschung. 
Die französischen Favoriten kamen nicht als Sieger ein, sondern 
der Russe Mosci Ksiaze gewann das Rennen, dessen Besitzer 
910 den „Großen Preis“ schon einmal gewonnen hatte. Der 
Franzose mußte alle Anstrengungen machen, um den 
weiten Platz zu behaupten. Dem Russen sagte das tiefe Ge— 
äuf besonders zu. Bemerkenswert ist auch das Laufen des 
ßraditzer Cyklon; er zwang den franzöfischen Favoriten ein 
otes Rennen um den zweiten Platz ab. Die übrigen Rennen 
tachen gegen den aufregenden Kampf um den „Goldenen 
Pokal des Großherzogs von Baden“ merklich ab. Im vierten 
dennen gab es nur einen Match zwischen Graditz und Weinberg. 
Dem fünften Rennen bliben die Deutschen sern. Das sechste 
kennen wurde von einem Deutschen gewonnen. Die beiden 
rsten waren lediglich Inländerrennen. Es starteten insgesamt 
22 gegen 34 im Vorjahre. Am Totalisator wurden 547 190 M— 
zjegen 387 990 Muim Voriahre umgesetzt. 
Rennen zu Baden-Baden, 30. Aug. Chamant-Rennen. 
3000 M. Mischief (Archibald) 1. Graphit 2. Ladybird 83. 
cot. 22: 10, Platz 12, 12: 10. — Kurverwaltungs-Preis. 
3500 M. Blumensegen (Slade) 1. Hebron 2. Lodruf 3. 
Tot. 47: 10, Platz 22, 20: 10. — Grobher Preis von Baden. 
0 000 M. Mosci Ksiaze (Gulyas) 1. Cytlon 2f. Balda— 
suin 25. Martial III. 2f. Tot. 58: 10, Piatz 16, Martial 8, 
ßaldaquin 8, Cytlon 9: 10. — Oppenheim-Memorial. 13 500 
Mark. Melba (Archibald) 1. Waldteufel 2. Tot. 21: 10. — 
dreis von Mariahalden. 14000 M. Melody GONeill) 1. 
zolly Hill 2. Manzanita 3. Tot. 23: 10, Platz 14, 14: 10. 
— Fremersberg-⸗Hürden-Handikap. 7500 M. Kentucky 
Printen) 1. Beriot 2. Pane 3. Tot. 28: 10. Platz 14, 31, 
15: 10. 
RNennen zu Baden⸗Baden, 31. Aug. Preis von Tichtental. 
sien ne va plus (Archibald) 1. Tot. 15: 10. — Badener 
Zrince of Wales Stakes. 20000 M. Turlupin (Garner) 1. 
DRrinoco 2. Holly Hill 3. Tot. 36: 10. Platz 18, 23, 40..10. 
- Preis der Stadt Baden. 24100 M. Orchidee I (Archi⸗ 
»ald) 1. Saparanda 2. Tot. 19: 10. Platz 12, 22: 10. 
deidelberger Handikap. 13500 M. Mielleux (Archibald) 1. 
Blood Orange 2. Lord Maior 3. Tot. 47: 10. Platz 15, 
4, 22: 10. — Abschieds-Handikap. Jahkoodah (O'Connor) 1. 
Sideslid (Sumter) 2. Despot 4F. Bulloch) 3. Tot. 43: 10. 
Platz 15, 28, 16: 10. — Große Badener Handikap-⸗Steeple- 
hase. Belisaire II (Powers) 1. Napo 2. Salcyon Days 8. 
Tot. 53: 10. Platz 28, 20, 15: 10. 
Rennen zu Berlin⸗Grunewald, 31. Aug. Ottoland-Jagd⸗ 
Rennen. 10000 M. Was ihr wollt (E. Francke) 1. Courier 2. 
Reform 83. Tot. 171: 10. Platz 52, 20, 56: 10. Preis von 
Triewen. Donners Bruder (GRice) 1. Vilja 2. Querulo 3. 
Pariser Mode. 
Eigenbericht der Lübeckischen Anzeigen.) 
VPa ris, Ende August. 
Nur kleine Bourgeois und Leute qus der Provinz „gehen 
pazieren“, elegante Pariserinnen geben sich dem „Footing“ hin. 
Man meint vielleicht, das wäre dasselbe, oder doch beinahe! 
Welch Irrtum! Personen, die pazieren gehen, weil ihnen das 
Veranũgen macht, und die sich dazu anziehen, was ihnen ge⸗ 
rade in die Hände kommt, treiben kein „Footing“. Footing⸗ 
Leute zeigen sich nur des Morgens im Bois de Boulogne und des 
Nachmittags in ganz bestimmten Straßen. Sie müssen dazu 
pezielle Kostüme tragen, wenn fie nmicht für ganz ungebildet 
und weltfremd gehalten werden wollen. 
Balzac beschreibt in einer Frauenstudie die 2ommo il faut- 
Pariserin aus der Restaurationszeit, die sich dem Footing 
hingibt. in seiner liebenswürdigen, koncpligierten Weise: „Sie 
jehen eine Frau herankommen, und der erste Blich den Sie auf 
sie werfen, ist wie der, den man über das Vorwort einc« 
schönen Buches gleiten läht. Sie trägt keine kreischenden Far⸗ 
ben. Jeine durchbrochenen Strümpfe, keine zu auffallende Gürtel⸗ 
schnalle, keine Beinbleider, deren bestichte Volants um die Knöchel 
herumschwenken. 
An ihren Füßen erblicken Sie pflaumenfarbene Schuhe mit 
reuzweise verschnurten Kothurnen über ganz feinen woslenen 
oder grauen Seidenstrümpfen. Ein hübscher Stoff bringt das 
Kleid zur Geltung. Die Unbekannte hal eine ganz persönliche 
Art. sich in einen Schal oder fieinen Mantel zu hüllen. Mit 
ihm versteht sie es, sich eine Lirr Pamer verschaffen, der 
eine Bourgeoise in eine Schilderote en würde, bei 
ihe aber den schönsten Korperformen zu ein drucvosister Wir⸗ 
iung verhilft. Und beobachten Eie die Art, wie sie den Fuß 
vorsetzt. .... Wenn eine Engländerin den Gang versuchen 
würde, würde sie wie ein Grenadier aussehen, der zum Angriff 
schreitet .... Aber die Pariserin hat das Ganggenie.....“ 
Man köonnte bei dieser Beschreibung laͤcheln, und doch han⸗ 
delte es sich auch schon damals um das einfache, friedliche, 
Footing, das Footing, das die Falten der Drapierungen nicht 
in Unordnung bringt und das die Spitzen der pflaumenfarbenen 
Schuhe nicht abnützt. Beim Footing genũgt es, mit Grazie gehen 
zu können, und da die Variserinnen dies von dem ersten Schritt 
auf dem weichen Teppich der Kinderstube an tun, fällt ihnen 
das leineswegs schwer. Das morgendlche Footing hat die 
Avenue du Bois de Boulogne oder die schattigen Alleen des⸗ 
elben Bois zum scharmanten Rahmen. Tie Damen wählen dazu 
dostüme, die anderswo und zu einer anderen Tagesstunde gonz 
eplaziert erscheinen würden und die etwas von Reise-⸗ und 
-portlostümen haben, aber weder das eine noch das andere 
ind. Kurzer Roch der die Knöschel erraten läßt, Jacett, das 
»ie biegsame Korperlinie markiert, Gürtel, der — nach der 
leuesten Hexbstmode — weit unter den Hüften herumgeschlun— 
Jen wird, Sammete oder Filzhut, der kühn, aber relativ einfach 
st. Und dazu trotten die kleinen, in Lachchuhen steckenden 
Füße schnell, schnell, indem sie kaum eine leise Spur auf der 
feuchten Erde zurücklassen..... 
Eine geschmacvolle Frau wird zum Footing keine auf— 
allenden Schmudsachen, keine pretentiöse Handtasche und zu 
urchbrochene Strümpfe tragen. Fine weiche Tasche aus Tam— 
vildleder, die die Form eines großzen Portefeuilles hat, eine 
chmale, feine Kette, an der die goldene Börsße befestigt hängt, 
in Uhrenarmband um das Hanmdgelenk — nicht um den 
Inöchel! —, ein hübscher Schirm .... und die grazioseste 
r̃ooting⸗Ausstaffierung ist fertig! 
Naturlich verlangt das nachmittägliche Footing eine ganz 
mdere Toilette. Ta lonmret der runde Manonmantel, aus dem 
»as geraffte Kleid schelmisch kurvorguct, zur Geltung, da 
rwedt der blaue Sammethut mit den gelben Straußenfedern 
en „grünsten“ Neid! Tas Verwenden von Straußenfedern als 
zierde war übrigens schon den ältesten Völkern bekannt. Aber 
»ie moderne Industrie, die ihren Gebrauch verallgemeinerte, 
jat sie auch zu parfümieren, erschönern und wundervoll zu 
ärben verstanden, und wenn die Frauencoiffüre an und für 
ich schon immer höher und höher wird, so macht der bunte 
traubßenfederschmud, den man ehr beigibt und der sich bei 
imer Tame wie Gaby Deslys etwa auf 30 000 Frs. pro 
yrisur stellt, den Kopf einer Pariserin zu einem gangz außer⸗ 
rdentlichen Schaustũch 
Um min aber das männliche Geschlecht nicht eifersüchtig zu 
nachen, wenn man immer nur von dem veiblichen spricht, 
pollen wir den Herren der Schöpfung heute auch einmal eine 
jreude bereiten. Datß diese Freude nur von unserem National⸗ 
Indréé dem Dandy aller Dandys, Herrn de Founquieres, kommen 
ann, ist selbstverständlich. Lohengrin kam bei Elsßa auf einem 
Schwan an: Andrs de Fonquidres machte in Deauvifle soeben 
bei der Marquise von Arenberg seine Aufwartung mit einem 
Aervplan, einem kleinen Aeroplan aus Brillanten, den er 
u seine Krawatte gestecht hatte. Man hatte keine Spur von 
— — ———— — 
einem Koffer bei seiner Ankunst wahrgenonimen, und seinen 
Smoking scheint er .... in der Tasche mitgebracht zu haben! 
Und was für einen Smoking! Man bewunderte ihn gleich 
am ersten Abend bei der Marquise de Nogilles, wo der Schöne 
der Schönen den Kottillon anführte! 
Er war grau: der Smoking natürlich! Grau wie eine 
tirchenmauer, grau wie eine blonde Maus, grau wie die Rede 
eines Menschen, den man nicht mag! 
Um 1 Uhr morgens erschien Andrs de Fouquières frischer 
als Heinrich IV. nach einer Schlacht, am Baccarattisch, barhäuptig, 
aber einen Spazierstoch in der Hand. 
Jawohl, einen Spazierstock in der Hand. Warum? Er 
hatte sich am Fuß verletzt: Automobilunfall! 
Und wie die Dandys Anno dazumals alle, zwei lange 
jahre hindurch, den Ellbogen beim Händeschütteln hoben, weit 
er Prinz von Wales eine Furunkel unterm rechten Arm gehabt 
atte, so ging die ganze Kafinogeselischaft eine halbe Stunde 
ach André de Fouquiôres' Eintritt in den Baccaratsaal bar— 
äuptig mit dem Spagzierstoch in der Hand herum, weil unser 
dandy sich den Fuh verstaucht hatte, als er in seine Livousine 
tieg! .... 
Die gelbe Farbe trägt für die Starken dieser Welt den 
zieg davon. Wenigstens in diesem Augenblich. Safran, Orange 
ind Kamillen stehen auf der Tagesordnung. Mit Rot ist man 
efinitiv fertig, Mauve und Blqu haben sich nur schüchtern 
wuuf das Feld ihrer einstigen Triumphe gewagt. Die Langusten 
ind fort!.... Es leben die Kanarienvögel! .... Und, es 
zibt deren in allen Größen, allen Altern und .... allen Ge— 
chlechtern!! 
Beim Tennis war es, wo der Sieg des Gelben entschieden 
vurde. Noch denselben Tag zogen die Raquette-Größen in 
summigelben Trikots mit goldigfarbenen Maillots, die den 
dörper bis unter die Hüften umschlofsen, wo sie wiederum 
auf einen honignuancierten Gürtel stiehen, durch die Straßen. 
Und die Kaufleute brachten in ihren Schaufenstern große, 
veithin sichtbare Plakate mit der Aufschrift an: „Gelber 
Buder!“ Denn farbiger Puder ist das Allerneueste. Je nach 
er Färbung des Hutes werden die Gesichter nämlich violett, 
ot, arüm oder marineblau. Seit kurzem sind sie gelb. Und 
achdem die mondainen Vereinigungen Indianerbällen zum Ver— 
vechseln geglichen haben, erweden fie jeßzt den Eindruck, als 
venn sich mit der Gelbsucht Behaftete ausch noch amuieren 
voslen..... Sübsch und geschmachvoll, nicht wahr?... Und 
Jabei so „pariserisch“. Lulu.
	        
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