Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Ausgahe 4. 
Tagesbericht. — 
Der Siegeszug des Automobils. 
Lübed, 31. August. 
Wem wir heute über unseren altehrwürdigen Marktplatz 
chreiten, wird unser Auge unwillkürlich auf eine Einrichtung, 
die erst der Neuzeit angehört, auf die große Zahl der dort 
am Tage und auch zu nächtlicher Stunde harrenden Automobile 
gzelenkt. In dichter Reihe stehen sie hintereinander — Wigen 
erster und zweiter Klasse — zur Verfügung aller derer, die 
sich den Luxus eines Privatautos noch nicht leisten und doch 
auf dieses moderne Verkehrsmittel nicht Verzicht leisten können. 
Ein Telephonanruf — selbst des Nachts — genügt und surrend 
und ratternd setzt sich der Kraftwagen in Bewegung — um in 
wenigen Minuten an dem gewünschten Ziel zu sein. Wie in 
anderen Großstädten, in denen das Auto unter allen Ver— 
fehrsmitteln unbestritten den ersten Rang einnimmt, hat sich 
nuch in Lübeck der Automobilverkehr im Laufe der Jahre außer⸗ 
»rdentlich rege entwickelt. 102 Automobile sind augenblidlich 
n die Listen unseres Polizeianites eingetragen, von denen 26 
den öffentlichen Personenverlehr vermittesn. Ja, die Zeiten, 
n denen der Beruf eines Droschlenkutschers noch lohnend war, 
die Tage, wo vor unserer Straßenbahn ein Gaul in gemütlichem 
Schritt einhertrabte, sind längst vorüber. Die Errungenschaften 
der modernen Technik haben unser Verkehrswesen umgestaltet 
und allmählich in neue Bahnen gelenkt. Das Schienennetz der 
seit langem elektrisch betriebenen Straßenbahn ist in 
der ganzen Stadt verzweigt, die Droschken verschwinden 
nehr und mehr und das Auto dehnt seinen Siegeszug immer 
veiter aus. Es ist noch gar nicht einmal so sehr lange her,Feitdem 
in solches modernes Vehilel zum ersten Male sich in Lübeck 
zeigte. Geradezu eine staunenerregende Sehenswürdigkeit stellte 
oamals ein solcher Kraftwagen dar. Wo er nur sichtbar wurde, 
bliddte man ihm verwundert nach und wo er gar einmal stehen 
blieb, versammelte sich bald groß und klein und beim Betrachten 
all der Einzelheiten dieser seltenen Erscheinung war des Staunens 
schier kein Ende. Doch allmählich çcewöhnte man sich an den 
Anblich dieser Wunderwagen, die schneller als je ein Gespann 
nit feurigsten Pferden an uns vorüberiagten, bis schließlich ihre 
Geschwindigkeit seitens der Polizei auf eine angemessene Grenze 
urückgeführt werden mußte. Und heute, wie selbstverständlich 
erscheinen uns doch diese Kraftfahrzeuge! Wir erblicken sie 
überall, begegnen ihnen auf Schritt und Tritt, sie find uns 
iiebe, vertraute Bekannte geworden, die man nicht missen möchte 
ind könnte. Auf der ganzen Line der modernen Verkehrs— 
nittel haben die Autos jedenfalls — infolge ihrer Bequemlich— 
eit und Schnesligkeite— unbestritten den Sieg errungen! Aber 
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Sonntag, den 31. August 1913. 
Morgen⸗Blatt Ur. 439. 
schon hat Menschengein auch dieses Wunder der Technik über⸗ 
ügelt! Schon zogen stolz die ersten Luftschiffe über unsere 
Stadt, schon landeten sie mehrfach auf dem Flugplatz bei Karls— 
wf. Unsere Zeit lebt schnell und die Entwickelung der Technik 
chreitet rasch. Wer weiß, wie lange es noch dauern wird, bis 
as Luftschiff seinen vollen Siegeslauf beginnt und das Auto, 
essen Blütezeit die Gegenwart, langsam wieder mehr und mehr 
erdrängt, bis es am Telephon statt „Autotaxa“ dann stolzer 
ind imposanter heißen wird: „Fräulein, erbitte Luftschiffs 
tation!“ ... 
Autostationen sind außer auf dem Marktplatz auch am 
zauptbahnhof und auf dem Klingenberg. *0 
Vertretung. Während der Abwesenheit des Herrn 
zenators Dr. Neumann hat Herr Senator Dr. Lienau 
ie Geschäfte des Polizeiherrn und den Vorsitz im Stadt- und 
andamt übernommen. 
ELübecder Hochofenwerl A.«G. Der in der Aufsichtsrats— 
tzung am Freitag mitzeteilte Abschluß des am 30. Juni d. J. 
eendeten achten Geschäfts ahres dürfte allgemein freudig über— 
ascht haben. Ende Tezember vt J. wurde das Werk bekanntlich 
on einem schweren Unfall betroffen, indem ein orkanartiger 
turm einen der großen Lösch- und Ladekräne umwarf und zer— 
rümmerte. Infolgedessen wurde der Bürgerschaft in einem 
luszug aus dem Protokoll des Finanzdepartements über eine 
itzung desselben im Januar d. J. in welcher der Voranschlag 
er Einnahmen und Ausgaben der freien Hansestadt Lübeck im 
zechnungsjahr 1918 beraten worden war, mitgeteilt, daß die 
n Budgetentwurf eingestellte Einnahme von 5 00 Dividende 
on den im Staatsbesitz befindlichen 1300 000 MeAktien des 
ochofenwerks vorsichtshaklber auf 400 zu ermäßhßigen,“ also 
on 65 000 Meauf 52000 Meherabzusetzen sei, da das Werk 
urch den Einsturz der Brücke inẽt Krananlage erhebliche, durch 
zersicherung nicht gededie Sciden ertitten habe. Diese wurden 
erzeit auf über 100000 Mäangegeben. Da nun doch 5 00 
ividende ausgekehrt werden lönnen, beweist dies, daß der 
jeschäftssgang im zweiten Semester des Geschäftsjahres 1912/13 
urecht guter und gewinnbringender gewesen ist und, wenn 
er Sturmschaden nicht eingetreten wäre, sogar 660 Divi— 
ende hätten gezahlt werden köonnen. Der Ge⸗ 
häftsgewinn des abgelaufenen Betriebsiahres ge⸗ 
attet zugleich aber auch die Tilqung der vor fünf Jahren 
usgegebenen Genußscheme und dam't auch deren Verzinsung, 
rner Abschreibungen in der doppelten Höhe des Vorjahres 
lOS4 OOO M: 5328 000 Mo, cin: um 29 000 Mihöhere Ueber—⸗ 
beisung als im voraufgegangenon Gefchäftsjahre an den Reserve— 
onds. der damit auf 100 0020 Mäanwächst. und endlich einen 
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um mehr als das Zehnfache größeren Vortrag auf neue Rech- 
ung wie im Geschäftsjahre 1911,12, alles gewiß recht befrie— 
igende Zeichen einer gesunden wirtschaftlichen Lage des Anter⸗ 
ehmens, deren man sich im Interesse des lübeckischen Staates 
die auch der Aktionäre nur freuen kann. Auch darf man wohl 
unmehr amehmen, daß die gemeiniglich alle Neugründungen 
roben Stils begleitenden Schwierigkeiten, nicht zum wenigsten 
ieienigen der Konkurrenz, sowie auch solche, die sich aus den 
Reiten ungünstiger Konjunktur ergeben haben, als überwunden 
ngesehen werden dürfen. Vermissen läßt der Bericht über die 
sufsichtsratsfitzung allerdings eine Mitteilung des Vorstandes 
ber die gegenwärtige Geschäftslage und die Aussichten sür das 
aufende Geschäftsjahr, wie sie in früheren Jahren immer ge— 
jeben worden ist. Erstattet wurde ein solcher Bericht wur über 
inen Nebenbetrieb, nämlich der Zementfabrikation. So er—⸗ 
reulich dieser auch lautet, so wäre doch immerhin eine gleiche 
leuherung über den Gesamtbetrieb sehr erwünscht gewesen. Es 
nag ja sein, daß eine solche Mitteilung zu geben bei der gegen⸗ 
värtig vielleicht noch nicht voll geklärten allgemeinen wirischaft⸗ 
ichen Lage und den Verhältnissen auf dem Weltmarkt nicht se 
infach ist, damit nicht Hoffnungen oder Befürchtungen erweckt 
zerden, die fich hernach als unbegründet erweisen. Aber trotz 
ller Anzeichen einer etwas abschwächenden Konjunktur dürfte die 
zermutung doch nicht ganz unbegründet sein, daß das Lübecker 
zochofenwerk auch für das laufende Geschäftsjahr einen befrie— 
igenden Abschluß erhoffen läht, da es den größten Teil seines 
rzbedarfs langiährig zu günstigen Preisen eingededt hat. An 
ie Stelle der Verzinsung und Rüdzahlung der Genußscheine tritt 
llerdings von jetzt an durch Auslosung die Tilgung der 
000 000 Meubtragenden Hmwypothekenanleihe von 1911, welche 
u 103 0/0 zu erfolgen hat. 
5*8 Die Seide blüht. Da das Heidekraut, von dem be— 
ühmten Naturforscher Linné Erika genannt, jetzt auf der Pa— 
inger Heide seit längerer Zeit in voller Blüte steht, lo lohnt 
ich wohl ein Ausflug in die Heide bei diesem schönen Wetter. 
eider gemahnt uns das Blühen der Erika an das Ende des 
Sommers, wenn es ja kalendermäßig allerdings erst am 
3. Sept. stattfindet. darum ist es wohl an der Zeit, daß 
eder Naturfreund die wenigen uns noch beschiedenen schönen 
zommertage dazu verwendet, sich im Freien zu ergehen und 
ei längeren Wanderungen sich der Natur zu erfreuen. 
— In die Palinger Heide gelangt man am besten mit der 
Araßenbahn Linie 3 oder 1. Der morgige Sonntag wird 
offentlich. vom Wetter begünstigt, eine große Zahl von 
Nenschen auf die Palinger Heide hinauslocken. Erwähnen 
röchten wir noch bei dieser Gelegenheit. daß das Heidekraut 
ie Lieblinasblume unseres Bismard gewesen ist. Die Briefe, 
rie er an seine Braut und Gattin gerichtet hat. sind reich 
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