Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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4 
Ausgabe 
Aus den Nachbargebieten. 
Hamsestãdte. J 
Samburg, 30. Aug. Todes?all. Der früuhere lang⸗ 
ãhrige Vorsitzende des Reichstagswahlvereins von 1884, Herr 
Fduard Isaakson, ist im Alter vun 72 Jahren gestern morgen 
Jestorben. Ter Verstorbene war fruher Seniorchef der bekannten 
Firma M. Isaakson & Co., Holz⸗ und Fournierhandlung, die im 
daufe der Jahre unter seiner Mitarbeit und später under seiner 
alleinigen Leitung zu einer der bedeutendsten dieser Art ge⸗ 
worden ist. 
B.D. Hamburg, 30. Aug. Zum Feuer Auf dem „Im— 
perator wird aus Newyork weiter berichtet: Der durch den 
Brand verursachte Sachschaden beläuft sich, wie jetzt festgestellt 
st, auf etwa 200 000 M. Es Ad etwa 2 Millionen Gallonen 
Wasser aus dem Schiffsrumpf gesesöpft word.. Der Tod des 
weiten Offiziers Gobrecht erdent hier allgemeine Teilnahme. Er 
tarb den Heldentod. Er hielt als einziger im brennenden Kom- 
artement aus, mit dem Löschapparat die Flammen bekämpfend. 
Auf dreimalige Aufforderung, sich zurüchzuziehen, erwiderte er: 
Alles in Ordnung“. Als auf den vierten Anruf durch Signale 
eine Antwort mehr erfolgte, wurden sofort unter Führung 
ves Kapitäns Rettungsversuche ingeleitet. Man fand Gobrechts 
deiche im Luftzufuhrschlauch verstrickt. Der Bedauernswerte war 
»ffenbar durch die Ammoniakgase erstickt. Tie Brandursache ist 
noch nicht einwandfrei festgestellt. Gegenüber Meldungen einiger 
Newyorker Blätter, die, um den Heldenmut der amerikanischen 
Feuerwehr herauszustreichen, die Mannschaft des Hamburger 
Schiffes der Feigheit zieh, erlätßzt Kommodore Ruser eine Kund- 
gebung, in der er die Bravour und die musterhafte Tiszivlin 
der Mannschaft mit großem Nachdruck hervorhebt. 
Hamburg, 30. Aug. Der Abbruch des Alster⸗ 
pavillons erfolgt am 1. Okt. Der Neubau. dessen Aus— 
ührung der Architekten-Firma Rambatz & Jolasse übertragen 
ist, soll so gefördert werden, daß bereits April 1914 der 
Betrieb im neuen Hause eröffnet werden kann. 
Bremen, 30. Aug. Eine große Diebesbande 
»erhaftet. Einen guten Fang machte die hiesige Kriminal⸗ 
polizei mit der Festnahme eines Schlossers und Agenten, seines 
Bruders, eines 17jährigen Arbeiters aus Witzenhausen, eines 
Arbeiters aus Zülz, eines Arbeiters aus Fürstenau und einer 
Arbeiterin. Die Gesellschaft hat viele Einbruchsdiebstähle quf 
dem Gewissen. Es wurden bei ihnen Sachen aus Einbruchs- 
diebstählen in der Nordstraße, der Konterescarpe und am 
ESteffensweg gefunden. Die Erzählungen, die Sachen von dem 
„großen Unbekannten“ erworben zu haben, wurden ihnen selbst⸗ 
derständlich von der Kriminalpolizei nicht geglaubt 
Schleswig⸗ Holstein. J— 
Bunrga. F., 30. Aug. Seinen90. Geburtstag feierte 
Donnerstag der frühere Oberpolizist unserer Stadt, HB. Peter⸗ 
ren, eine auf der ganzen Insel bekannte und geachtete Persön⸗ 
ichkeit. Petersen nahm als dänischer Artillerie⸗Offizier am Feld⸗ 
zuge 1848,51 teil und wurde bei der Belagerung von Friedrich⸗ 
tadt mit dem Tannebrog-⸗Orden ausgezeichnet. Bald nach Been⸗ 
digung des Krieges kam er als Gendarmerie⸗Wachtmeister nach 
Burg und trat 1855 als Polizist in den städtischen Dienst, 
in dem er auch verblieb, nachdem Fehmarn preußisch geworden 
war. Im Jahre 1893 nahm er seinen Abschied. 
Großherzogtum Oldenburg und Fürstentum Lübed. 
Q Niendorf, 30. Aug. Das Sedanfest wird 
morgen (Sonntag) vom Kriegerverein in Johannsens Hotel 
begangen und durch gemeinfamen Kirchgang eingeleitet. — 
Das schöne Wetter der letzten Woche hat uns viele neue 
Sommerfrischler zugeführt. 
Lauenburg. 
F 2Moölln, 30. Aug. Der Landwirtschaftliche 
Kreisverein hielt Freitag auf der Waldlust eine Delegierten⸗ 
versammlung ab, an welcher 26 Telegierte aller lauenburgischen 
Zweigvereine teilnahmen. Außer dem Landrat Tr. Mathis war 
auch ein Mitglied der Lübeckischen Landwirtschafts⸗ 
kammer anwesend. Nach einigen gesfaftlichen Miiteilungen 
Welt und Wissen. — 
Der Zwed des Blinddarmes. 
Nach der herrschenden wissenschaftlichen Ansicht gehört der 
Blinddarm mit seinem Anhängsel, dem Wurmfortsatz zu den 
zwecklosen Organen des menschlichen Körpers. Die Entfernung 
bei Erkrankungen läßt daher keinerlei Schädigungen für den 
Patienten erwarten. Demgegenüber stellt ein Ingenieur, Herr 
Karl Dörr, in der Aerztlichen Rundschau eine Theorie auf, 
welche die Existenz des Blinddarms mechanisch begründet. Die 
dechnische Anlage des Darmes iist nach dem genannten Autor 
eine auherordentlich gelungene. Die Röhranlage erreicht ihren 
tiefsten Punkt am Ende des Blinddarmes, um dann wieder 
nach oben zu steigen. Dieses Steigrohr ist unbedingt erforder⸗ 
lich, um den im Dünndarm gestauten Speisebrei einzudidcken 
pud aus?utrochnen. Die gefährlichste Stelle des Röhrensystems 
liegt an der Ecke, von der das Anhängsel des Wurmfortsatzes 
X Hier kann es leicht zu Stauungen kommen, wem 
nicht eine pumpende Kraft den Transport des Speisebreis 
ergänzt. Auf diese Weise arbeitet nach der Ansicha Dörrs der 
ganze Diddarm mit seinem Anhängsel, dem Blinddarm. Der 
Wurmfortsatz seinerseits wirkt wie ein Gummiband, um den 
auf- und niedersteigenden Darm schneller herabzuziehen. in. 
„Die Aufnahme des Efte durch den Organismus. 
Gewisse Krankheiten beruhen oder offenbaren sich in einem 
mangelhaften Gehalt der Orgaue an Salzen. So ist es der 
Kalk, dessen Fehlen das Knochenrachstum beeinträchtigt, und 
das Eisen, das in Beziehengen zur Bleichsucht steht. Von 
alters her fucht man bekamnntlich letzteren Mangel durch die Zu⸗ 
führung von eisenhaltigen Tropfen, Pillen, Wässem u. dal. 
mehr zu heben. Diese Behandlung wurde aber vor nicht allzu 
langer Zeit von zahlreichen Forschern für nutzlos erklärt, da 
die natürlichen anorganischen Eisenpräparate nicht vom Orga⸗ 
ismus vetaut werden sollten, mithin gar nichts zum Ersatze 
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Fonnabend, den 30. August 1913. 
eitens des Borsttzenden Wentorp über Ohrenschutz für Groß⸗ 
ind Kleinvieh und über die vor kurzem stattgefundene Ziegen- 
ockkörung kamen die bevorstehenden Jungviehschauen zur Be— 
rechung, fur welche je 100 Mebereitgestellt wurden. Tann hielt 
banderlehrer Georges, Kiel, einen Vortrag über Schweinezucht 
und empfahl die Bildung von Schweinezuchtvereinen. Ein dies⸗ 
ezuglicher Antrag gelangte zur Annahme. Den Schluß der 
zorträge bildete ein Referat des ehemaligen Landwirts Hart⸗ 
amn auf Neu⸗Bockhorst im Hosstein, jetzt wohnhaft in Lu b ed: 
Tie rationelle Behandlung und Verwertung des in der eigenen 
dirlischaft gewonnenen Stalldungers sowie Unkrautvertilgung und 
utterzuteilunge. Daeser von gründlicher Sachkenntnis zeugende 
zortrag fand allseitige Beachtung, und vom Vorstand wurde 
em Wunsch Ausdruch gegeben, demselben in landwirtschaftlichen 
reisen die weitgehendste Verbreitung zu geben. U. a. führte 
er Redner aus⸗ Da die Stichstofferzeugung für den Ader— 
au besonders wertvoll ist, so ist das Vorgehen der großen 
tädte, die menschlichen Fäkalien in die Gewässer 
leiten, aufs schärfste zu verurteilen, da dadurch 
coße Werte an Nationalvermögen verloren gehen. Diesen Ver— 
ist berechnet Redner für Qübech auf jährlich eine halbe Mil- 
on Mark.“ Auch über die Unkrautvertilgung gibt Redner be— 
erzigenswerte Winke und betont, daß sich die Hauptarten des 
inkrauts nachgewiesenermaßen durch Besprengen mit einer 20 0 
isenvitriollssung vertilgen lassen, wozu ein Flüssigkeitsverteiler 
ötig ist, der gleichzeitig für die Jaucheverteilung zu verwerten 
t. Auch für die Futterzuteilung (Kraftfutter, Rüben). empfiehlt 
eeinen Futterzuteiler. Die von dem Redner geforderten Neu⸗ 
nrichtungen der Viehställe und DTungstätten kosten natürlich 
zeld. Die für diesen Zwech ausgegebenen Summen sind aber 
⸗ntabel angelegt, da der Viehstapel vergrößert und somit eine 
öhere Einnahme erzielt werden kann. Duͤe von ihm und anderen 
emachten Erfahrungen lasfen hoffen, daß aus diesen Einrichtungen 
in großer Nutzen für die Allgemeinheit erwachsen werde. 
B. Mölln, 30. Aug. Die Stadtkollegien bewil— 
igten als Stammanteil der Kraftwagengesellschaft m. b. 8. 
Nölln —Schwarzenbek —Bergedorf statt der geforderten 10 000 
sar knur 5000 Mumit der Begründung, daß zunächst die 
zeschaffung von zwei Autoomnibussen genüge. Vorgesehen 
zar die Beschaffung von drei Wagen. Das Stammkapital 
oAAlte 59 000 Mubetragen. Der Probebetrieb hat sich bei 
5 Pfg. Unkosten (einschl. Verzinsung und Amortisation) und 
9 Pfg. Einnahmen für das Kilometer gut rentiert. — Eine 
roße Kreuzotter fanden unterhalb der Waldhalle am 
schmalsee zwei Kieler Schüler, die nach Mölln einen Ausflug 
nternommen hatten. Bei der Ablieferung auf dem Rathause 
rachte die Kreuzotter 11 Junge zur Welt. Die beiden 
huler bekamen nun anstatt der erhofften 26 Pfg. als Beloh⸗ 
ung 3 Miausbezahlt. ee enge J 
R. Ratzeburg, 30. Aug. Rebhuhnjagd. Bei 
er Donnerstag auf der hiesigen Feldmark abgehaltenen ersten 
iesiährigen Rebhuhnijagd wurden von acht Schützen 23 Reb— 
ühner erlegt. 
Großherzogtümer Medlenbura. 
5 Schwerin, 30. Aug. Gestorben ist Oberpost—⸗ 
irektor Geh. Oberpostrat Hoffmann, Chef der Oberpostdirek⸗ 
ion in Kassel, der 1849 in Lengede bei Peine geboren und 
rüher bis 1. Sept. 1900 die Oberpostdirektion in Schwerin 
erwaltete. 
— — 
ßroßherzog von Baden jeweiis dazu gestiftete Ehrenpreis besteht 
rus einem Goldpokal. In dieser größten und populärsten Ent—⸗ 
cheidung der Baden⸗Badener Rennwoche treffen sich die beiten 
dlassen aus verschiedenen Ländern. Die französische Beteiligung 
st immer stark gewesen. Auch morgen werden drei Abgesandte 
inserer Nachbarn jenseits der Vogesen anwesend sein. Es 
aufen ferner zwei deutsche und ein russisches Pferd. Das 
nennen verspricht einen sportlich hochinteressanten Verlauf zu 
cehmen. Der Goldene Pokal dürfte aller Voraussicht nach über 
„ie Vogesen wandern. 
Hermischtes. 
O.K. Der Doppelgãänger. Admiral Lord Charles Beres⸗ 
ord, der erste Seelord der hritischen Flotte, hat einen Doppel⸗ 
änger, der ihm unfreiwillig nicht wenig Kummer bereitet. 
zor einigen Tagen sitzen eine Anzahl höherer Marineoffiziere 
uf der Terrasse des „Welcome Club“ beim fröhlichen Frühstück, 
ls im Hinterarund ein eleganter Herr auftaucht. Sie erkennen 
fort Lord Charles Beresford. „Hallo, Charlie, schon aus 
owes zurück? Komm her!“ Und man ruht nicht, bis der 
efeierte Gast inmitten der Kameraden am Tisch sitzt, hinter 
inem Sektglas. Man fragt ihn nach den Svportereignissen in 
'owes, aber er weiß nicht, er hat vor Beginn der Regatta 
ereits Cowes verlassen, um in seine Londoner Stellung zurück⸗ 
ikehren. „Stellung?“ „Ja, meine Stellung im Grand-Hotel, 
ieine Saifonstellung in Cowes gab ich auf, der dortige Hotelier 
lieb mir mein Gehalt schuldig.“ A'lgemeines Erstaunen: Und 
z stellt sich heraus, daß der vermeintliche Admiral der neue 
zausmeister des Welcome-Club, Mr. Charles Johnson, war. 
sIm nächsten Tag aber erhielt der unschuldige Mr. Johnson eines 
zrief vom echten Lord Charles Beresford. „Mein lieber 
Soppelgänger“, begann der Brief, dem ein Sched beilag. 
ind verzweifelt beschwor der Schreiber den Empfänger, sich 
och Bartkoteletten stehen zu lassen, denn so „geht es nicht 
reiter, einer von uns muk nachgeben.“ 
Nleine Tagesereignisse. Aus Paris wird teleg-aphiert: 
die Koloniglwarenhändler Gebrüder Maurice und, Georges 
daux in Nantes sind Donnerstag, ver haftet, worden. 
ie werden beschuldigt, an großen Zo11hinterziehunge.n 
eilgenommen zu haben, die der Zollkontrolleur Hamon in 
. Nazaire organisierte. Die Hinterziehbungen. an denen sich 
uch der Detailhändler Mancegqu in Sti. Nazaire beteiligte, 
urden in der Weise begangen, daß Kolonialwaren, die zollfrei 
m Entfrepot eingelagert waren. vermittels gefälschter Quittungen 
n den Inlandverkehr gelangten, ohne daß die Zollgebühren 
Atrichtet wurden. Hamon und Manzeau wurden bereits vor 
migen Tagen verhaftet. — Eine mongolische Gesellschaft stelite, 
bie qus Urga gnoolei) gemeldet wird, im Kudartale 
sorschungen nach Gold an und entdedcte eine Goldgrube mit 
wei Goldadern, vondenen eine außerordentlich gold⸗ 
altig ist. — Um eine allgemeine Sammlung für wohl— 
ätigen g zu erzielen, hal der Schatzmeister des Wies— 
adener Vereins für Sommerpflege grmer Kinder ene Sammel— 
„üchse konstruiert, die in einer Auflage von 130 Stüd inner⸗ 
alb drei Monaten über 21000 Geldstücke im Betrage von 
twa 670 Mueinbrachte. 
——— 
DT. Blutiger Kampf mit Zigeunern. Gegen eine 
zigeunerbande von 130 Mann, die seit einiger Zeit die Gegend 
on Lunel in Südfrankreich beunruhigte, wurde, wie uns aus 
Baris gemeldet wird, ein großes Gendarmerieaufgebot geschickt, 
m sie gewaltsam über die spanische Grenze, von wo sie ge— 
ommen waren, zurückzutreiben. Die Zigeuner leisteten Wider- 
tand und es entwicelte sich eine regelrechte Schlacht, in deren 
Verlauf zwei Gendarmen getötet und mehrere schwer verwundet 
rurden. Gendarmerieabteilungen versuchen die Bande von neuem 
uu stellen, um mit Hilfe einer inzwischen entsandten Abteilung 
Zoldaten die Schuldigen festzunehmen und die übrigen auszu— 
veisen. 
DTDier Simplicissimus beschkagnahmt. Die neueste 
stummer des Simplicissimus, die auf ihrer ersten Seite eine 
rarikatur Kaiser Wilhelms und des Prinzregenten brungt, ist 
»on der Münchener Polizeidirektion und auswärtigen Polizei- 
irektionen beschlagnahmt. Seit Donnerstag morgen ist 
nfolge dieser Maßnahme der Simplicifimus aus München ver⸗ 
Grunden 
— 
zportnachrichten. 
DT. Der große Tag von Baden-⸗-Baden. Baden⸗Baden, 
9. Aug. Das internationale Meeting erreicht am morgigen 
'ag, an dem der Große Preis von Baden-Baden ausgefochten 
ird, seinen Höhepunkt. Dieser Preis besteht seit Gründung 
er internationalen Rennen im Jahre 18568 und wird morgen 
um 55. Male bestritten. 1870 sind die Rennen ausgefallen. 
Irsprünglich mit nur 14000 Meausgestattet, ist er allmählich 
ufgebessert worden. 1876 erreichte er die Höhe von 20000 
Mark, 1889 stand er bereits auf 50 000 Muund ist nun schon 
eit einer Reihe von Jahren mit 80000 Mdotiert. Der now 
eitragen konnten. Es wurden dauer in die Therapie jene zahl⸗ 
osen organischen Eisenpräparate eingesührt, die das Eisen an 
inem Eiweißstoff gebunden enthielten, also gewissermatßen den 
zubstanzen glichen, mit denen im Blute das Eisen zu Hämo— 
lobin sich verbmdet. Nun hat sich aber in neuester Zeit ein 
Imschwung in den Anschauungen über die Art der Aufnahme 
nd Anpassung der Nahrung im lebenden Organismus voll⸗ 
ogen. Man weiß jetzt, daß die Eiweißförper einen verwicdelten 
mbildungsprozeß durchmachen mülsen, ehe sie die verloren 
»gangenen Bausteine des Körpers zu ersetzen imstande sind. 
ie Eiweißsubstanzen werden bis zu fast anorganischen Säuren, 
en Aminosäuren, abgebaut, um erst dann wieder zu einem 
oͤrpereigenen Eiweiß auf synthetischem Wege wieder zurückver⸗ 
andelt zu werden. Der Entdecker dieser fundamentalen Tat— 
ache, der Hallenser Physiologe Prof. Abderhalden, dehnte 
euerdings seine Untersuchungen auch auf das Schicksal der in 
er Nahrung enthaltenen, zunächst organisch sestgebundenen 
zisen und Kalisalze aus. Er siellte künstliche Verdauungs⸗ 
ersuche an, d. h. er unterwarf Fleisch dem Einflusse des Ver⸗ 
auungssaftes Pankreatin und konnte nach einiger Zeit in 
iesem freies Eisen vermittelst chemischer Realtionen nachweisen. 
Rer Organismus übernimmt das Eisen also nicht in organisch 
ebundener, sondern in indifferenter Form als Element. Ebenso 
erhält es sich mit dem Kalk. Daß diese Vorstellung die rich 
ige ist, geht auch daraus hervor, daß es gelingt, Tiere mit 
zlutsalzen oder Knochenasche als einzige Quellen anorganischer 
dahrung zum Wachsen zu bringen. Man kam daher nicht 
iehr annehmen, daß die alten Eisenpräparate wirkungsloser 
nd als die modernen chemischen. Aber weit über diesen 
cinzelfall hinaus weitet sich das Problem. Weder sind die in 
er natürlichen Nahrung enthaltenen emorganischen Stoffe 
urch chemische Stoffe unersetzbar, noch ist dies bei den orga⸗ 
sischen Eiweihen, Fetten und Kohlehydraten der Fall. Das 
edeutet aber nichts anderes, als daß es über kurz oder 
mg möglich sein wird, eine hemifche Nahrung, die konzen⸗ 
rierter ist als die natürliche, herzustellen. Die Arbeiten Abder⸗ 
haldens gelten seit langem dejec Geage, und fast scheint es, 
als sollten wir von deren Lösung heute nicht mehr allzu weit 
entfernt sein. K. O. 
2 ⸗ 
wt 
Island als Weitermacher Mitteleuropas. 
Auf Grund mehrjähriger Beobachtungen der Wetterkarte, die 
ich hauptsächlich auf die beiden Stationen der Insel Island, 
Reyljavik und Seydisfijord richteten, teilt Rudolf Fischer in der 
Umschau“ einige Erfahrungen mit, die mit einer gewissen 
Pahrscheinsichkeit eine Prognose für unser Wetter aus der 
Vitterungslage auf dieser Infel folgern lassen. Wenn im 
zommer die Temperatur auf Island nuorgens um 8 Uhr mehrere 
age lang auf etwa 14 Grad C. und noch höher steigt, dann 
ritt für Mitteleuropa eine Hitzeperiode ein. Tas hat sich be— 
onders charakteristisch im Sommer 1911 gezeigt, in dem wir 
mgroße Hitzeperioden erlebt baben. Dieses warme Wetter 
flegt beständig zu sein, wenn fsich die Morgentemperaturen 
uf Island längere Zeit zwisch'n 8 und 10 Grad und noch höher 
ewegen. Fällt dagegen die Temperatur wieder rasch und 
Jeibt nur halb so hoch, also um 4 Grad, so ist die Hitze 
ur von kurzer DTauer. In derselben Weise machen sich auch 
ie Kälteperioden bei uns zuerit auf dieser nördlichen Insel 
emerkbar. Wenn die Temperatur auf Island tagelang auf 
—b6 Grad und noch tiefer sinkt, dann fritt einige Tage später 
u Mitteleuropa eine Kältepertode ein; sie hält sich nur länger, 
denn die Temperatur auf der Insel in die Höhe geht und 
wischen 6 und 8 Grad oder noch höher bleibt. Hält sich die 
emperatur auf Island um O Grad, dann dauert die Kälte 
ei uns nur kurze Zeit. Der Winter ist stets gelinde, wenn die 
emperatur auf Island wochendang zwischen 2 Grad Kälte und 
Grad Warme schwankt. Im Frühjahr und Herbst sind anhal⸗ 
ende schöne Perioden durch höhere Temperaturen auf Island, 
bis 8 Grad und mehr um 8 Uhr morgens, und kühle, verregnete 
frühiahre und Herbste durch niedrige Tempetaturen um O Grad 
ekennzeichnet. XCOC.
	        
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