Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

ersammlung wendet sich scharf dagegen, daß nationalgemischte 
khen geschlossen werden. Ein Sokol, welcher trotz alledem eine 
khe mit einer Deutschen eingehen würde, wird aus den Sokol— 
rganisationen ausgeschlossen.“ 
* 
flusland. 
Amerila. 
Sneria will die amerikanischen Bedingumgen amehmen. 
kine Depesche ans Veracruz bestätigt, daß Huerta Lind wissen 
ieß er sei bereit, die Besprechungen wieder aufzu— 
rehmen, und geneigt, die Bedingungen Wilfons an⸗ 
unehmen um den Frieden und die Anerkennung der mexi—⸗ 
anischen Regierung zu erreichen. Indessen wurde am Donners⸗ 
ag spät abends gemeldet, daß Lind noch einige Tage in 
Zeracruz bleiben werde, sofern nicht irgend ein unerwarteter 
zwischenfall oder besonderer Wunsch der mexikanischen Regie— 
ung ihn in die Hauptstadt zurückkehren lasse. Bis ietzt hat 
ßamboa Lind nicht gebeten, zurückzukommen. 
Die Untersuchung des Deutschenmordes. Im Verfolg der 
stachricht von der abermaligen Ermordung eines Deut⸗ 
chen in Mexiko hat die deutsche Gesandtschaft in 
Mexiko, wie der Berl. Lok.Anz. erfährt, auf Weisung des 
luswärtigen Amtes sogleich umfangreiche Nachforschungen 
ingestellt, die bisher ergeben haben, daß in der Tat ein Mann 
iamens Thaden dort ermordet worden ist. Seine Reich s⸗ 
ungehörigkheit konnte jedoch bisher nicht einwand⸗ 
rei festgestellt werden. Die Nachforschungen werden zur⸗ 
zeit weiter betrieben. 
2 
Tagesbericht. 
Zübeck, 30. August. 
Verein Seebad Travemünde. 
Em Anschluß an den Vorbericht in Nr. 434 unseres Blattes 
»erichten wir heute weiter über die Sommerversammlung des 
gereins am 27. d. M. in Travemäünde, Hotel de Rulsie. 
Im, Vordergrunde des Interesses standen wiederum die 
sisenbahnverkehrsfragen.“ Aus der Versammlung 
deraus ward dringend gefordert, die Fahrtdauer Hamburg — 
Travemünde zu verkürzen; dies sei nur durch einen zwei— 
pleisigen Ausbau der Strede Lübed-Trave— 
nünde zu erreichen. Nach diesem zweigleisigen Ausbau wird 
die Fahrzeit Hamburg — Travemuͤnde auf ca. I, Stunde 7 Win. 
u verkürzen gesetzlich möglich sein. Die Entwicklung des See⸗ 
zades hängt wesentlich von dieser Abkürzung der Fahrtdauer 
ub. Niemand will heute länger als nötig mit der Bahn fahren. 
Erst wenn dies erreicht ist, wird der Besuch Travemündes, 
namentlich von Hamburg aus, sich in bedeutenderem Maße heben. 
— Die jetzigen Zustände bei der Personenbeförderung 
in den Sonntagen und besonders an Renn⸗ und Regatta— 
agen bei. Abfertigung der Abendzüge wurden scharf kritisiert, 
ie seien eines Seebades nicht mehr würdig, die Bahnverwaltung 
jei den Ansprüchen des Verkehrs nicht gewächsen. Eine geregelte 
und ordnungsmäßige Beförderung des Publikums wird drin— 
gend gewünscht. — Hinsichtlich der jetzigen Jug verbindun-— 
gen warden mancherlei Wünsche laut, die der Direklion der 
dühed⸗Büchener hendet essn zur Berücksichtigung über— 
wiesen werden sollen. Dies bezieht sich hauptfächlich quf die 
uge der Nachmittagszüge von Hamburg. Lebhaft betlagt 
vurde. daß der Zug 6,10 Uhr nachmittags von Lübed nur bis 
zum 31. Nugust fährt, da es von da ab an einem Anschluß 
in den D-Zug 5,20 Uhr nachm. ab Hamburg nach Trave⸗ 
nünde sehlt. Die Versammlung bedauerte auch, daß die Ein— 
egung dieses Zuges, die erst nach Ausgabe des Sommer— 
ahrplans erfolgte, seitens der Bahndirektion icht in ge⸗ 
ügender Weise bekannt gegeben ist. Ein großer Teil des 
Publilums wisse von der Existenz dieses wichtigen Zuges über— 
sjaupt nichts. Die Versammlung betrachtete es als selbst⸗— 
lerständlich, daß, im nächsten Jahre dieser Anschlußzug gleich 
non vornherein für den Sommerfahrplan vorgesehen wird und 
daß auch in dem D-gug 5,20 Uhr nachm. ab Hamburg durch— 
Jehende Wagen nach Travemünde, eingelegt werden. — Die 
Abendverbindung, Travemünde —Lübech im Winter bedarf, in⸗ 
ofern einer Verbesserung, als zwischen 7,17 und 10,50 Uhr 
ein Zug fährt. Es ist zu wünschen, daß der Zug 8,310 Uhr 
ibends ab Travemünde, der nach dem bisherigen Fahrplan 
iur his zum 13. Okt. fährt, den, ganzen Winter hindurch 
ufrecht erhalten wird. — Nach Niendorf wird ein später 
Abendzug ab Travemünde gewünscht, um den Kurgästen der 
oldenhurgischen Ostseebäder den Besuch der Travemünder Kurper⸗ 
ainstaltungen zu ermöglichen. Bemängelt wurde, daß auf dem 
Strandbahnhos der Bahnhofsperron zu niedrig liegt, so daß 
»as Aussteigen aus dem Coupsé für ältere Personen mit Schwie— 
igleiten und Gefahr verbunden sei. Eine Abänderung wurde 
as notwendig hingestellt und die Forderung erhoben, diesen 
Fehler beim bevorstehenden Neubau des Stadtbahnhofes zu 
perweibden. — Auf Anregung unseres Vereins hat sich die Bahn⸗ 
verwaltung bereit finden lassen, für Werktags und Sonntags 
zesonderte Fahrpläne für die Sirecke Hamburg — Lübed —Trave⸗ 
wünde herguszugeben. Leider sind, diese Fahrpläne erst im 
Juli veröffentlicht worden, und, außerdem, ist die Verteilung 
oer Heinen Fahrpläne an das Publikum eine so unzureichende 
gewesen daß der Zwed dieser Fahrpläne für diesen Sommer 
als versehlt anzusehen ist. Es muß dringlichst gefordert wer⸗ 
den, daß zur nächsten Saison kleine Fahrpläne in, vpraktischer 
Jorm rechtzeitig herausgegeben werden. Gewünscht wurde 
ferner, die Sommerfahrpreisermähigung Hamburg —Trave—⸗ 
münde auch für den Winter gelten zu lassen. 
Besonderes Interesse, macht sich in Travemünde für die in 
Aussicht stehende Straßenbahnverbindung von Lübed 
zach Travemünde bemerkbar. Eine präzise Stellungnghme des 
Vereins zu der Linienführung, der Bahn durch das Städtchen 
Travemünde konnte nicht erfolgen, da, die näheren Pläne., 
Zeichnungen usw. noch nicht vorliegen. Doch wird der Verein 
veiter sein Augenmerk hierauf richten, damit nach Möglichkeit 
das Beite für Travemünde geschaffen wird. Die Klagen über 
die mangelhafte Fährverbindung nach dem Priwall 
erxscheinen immer wieder auf der Bildfläche. Die Besserung 
dieser Fährverbindung wird zurzeit in der Behörde für Trave— 
— beraten und ist zu hoffen, dak alsbald Wandel hier 
intritt. 
Eine lebhafte Aussprache entspann sich über die Frage, wie 
der Besusch Trayemündes nicht nur in der Hochsaison, sondern 
Nauptsächlich in der Vor⸗ und Nachsaison zu heben sei. Beson⸗ 
derz ber, shlechtem Wetier bietet Travemunde zu wenig Anter— 
altung füur die Kurgäste, auch febstees an geschlossenen und ge— 
nuͤtlichen Farmlichteiten wo diese Unterhaltungen stattfenden 
önnten. Durch ein Zurtheaser, Kinematographenheater, Kaba- 
etts und andere Unternehmungen wie sie in den menten 
gößeren Oltseebädern bestehen,mußß dahin gestrebt werden. 
Travemũnde einen guten und gieichmäßig verteilten Vesuch von 
Zurgästen zu sichern. Die Versommlung gab u erkennen daß 
ie Travemünder Bewohner seibst mehr Initiative hierfür er 
zreifen mühten: nicht nur der Staat, sondern auch die Trave- 
nünder müssen Anstrengungen mochen, diesem Ziele näher. 
ukommen. Am, dringendsten erforderlich erscheint der Ver— 
ammlung, die Erbauung, eines Konversationshauses, da es 
den nicht in gröbßeren Hotels wohnenden Badegästen iatfächlich 
mmöglich, iste ‚bei schlechten Wetter irgendwo in größeren 
däumen Unterkunft und Unterhaltung zu finden. 
Der Vorstand, des Vereins Seebad, Travemünde wurde 
eauftragt, mit Nachdruck auf die Erfüllung der geäußerten 
Wünsche hinzuwirken, und bei den maßgebenden Steilen vor— 
tellig zu werden. Im Interesse der Förderung und Sebung 
inseres Sechodes wäre es zu begrüßen, wenn durch eine faf 
räftige. Mitarbeit gller Freunde und, Gönner Travemündes 
e verschiedenen Wünsche zur Verwirklichung gebracht würden. 
58bDie Stellenbesetzunngen in der Marne jür Herbst 1913 
ind erschienen und liegen für unsere Abonnenten und Freunde 
uunserer Expedition EErd geschoß) in den Geschäftsstunden 
on 82v8 Uhr, Sonntags von 11-1 Uhr, zur Einsicht aus. 
X Zum Besten der Kaiser⸗Wilhelm⸗-Stiftung jindet morgen 
Sedanfeier) in sämtlichen Kirchen eine Kollekte statt. 
VD Das „Cines“⸗Hanfatheater öffnete gestern (Freitag) 
bend seine Pforten mit einem abwechselungsreichen Pro— 
ramm. Was ist „Cines““ Man nehme einen Kientopp, 
hlage den „topp“ ab, nehme ein Varieté und hänge „es“ an 
en Kien und schreibe das Ganze französisch, spreche es 
eutsch aus, dann hat man „Cines“. So ist denn auch „Cines“ 
ne bunte Zusammensetzung von Lichtbildern und Speziali⸗ 
iternummern. Nach einem erklecklich rührenden Filmdrama 
IAgt jeweils eine Varietsenummer. Die Kinodramen unter⸗ 
heiden sich nicht wesentlich von den üblichen, bringen gute Aufs 
ahmen und hielten sich im gestrigen Programm fern von 
Ilzu wilden Uebertreibungen. Die Spezialitätendarbietungen 
zaren alle erstklassig, namentlich die Hundedressur, die Futu⸗ 
istentänze und der auf amerikanische Nerven und Lachmuskeln 
ugeschnittene, in Berlin beiubelte Herbert Lloyd schiehen den 
zogel ab. Das Theater, das 19. der „Cines“-Theatergesell⸗ 
haft in Deutschland, ist sehr geschmackvoll in lichten Tönen er⸗ 
euert worden und bietet behaglichen Aufenthalt. Der stän⸗ 
ige Wechsel bei recht hübscher Orchestermusik läßt Augen und 
hren nicht ermüden, so daß die Stunden im Fluge vergehen. 
zie Direktion kann sowohl mit der Zahl der Besucher wie 
nit ihrer Beifallsfreudigkeit, die sich zeitweise zu wahren Klatsch— 
alven steigerte, zufrieden sein. Wünschen wir, daß dem Unter⸗ 
ehmen der Erfolg treu bleibt. 
D Vom Drucdfehlerteufel. Der Drucfehlerteufel hat der 
zubener Zeitung einen recht heiteren Streich gespielt. In 
inem Bericht über die Kaiserta ge in Lübeck behauptet 
as Blatt, im Lübecker Ratskeller sei folgender Spruch zu 
inden: „Das Fräulein ist licht an die Stange gebunden, 
ber es kostet viel, es mit Ehren wieder herunterzuholen.“ 
das Fähnlein des Fräuleins kostet gewöhnlich noch mehr. 
me Jerienstrafkammer. Sitzung vom 29. Aug. Wegen 
Rise bstahls war der Tapeziergehilfe Schu. von hier am 1. Juli 
. J. vom hiesigen Schöffengericht zu einer Gefängnisstrafe von 
Wochen verurteilt worden. Er hatte im Juni d. J. einem 
ienstmädchen, mit dem er einen Ausflug nach Israelsdorf un-— 
ernahm, aus der auf dem Tische liegenden Handtasche das 
Zortemonnaie mit 8,40 MäInhalt weggenommen. Der Ange— 
agte, der bereits mit Gefängnis vorbestraft ist, hatte gegen 
as Urteil Berufung eingelegt, die vom Landgericht verworfen 
ird. — Wegen Arbeitsscheu ist der Arbeiter (früher 
zarbier) Karl Leder von hier am 24. Juni d. J. vom hiesigen 
achöffengericht zu einer Haftstrafe von 4 Wochen verurteilt 
orden. TDer Angeklagte, der wegen Trunlsucht entmündigt 
t, hatte im März d. J. wegen Arbeits- und Obdaächlosig— 
it seine Aufnahme als Pflegling in das hiesige Armenarbeits— 
aus erwirkt unter der Bedingung, daß er mindestens 2 Monate 
ort bleiben werde. Er wurde hier mit Kartoffelschälen be— 
häftigt. Nach 12 Tagen schon verweigerte er morgens die Ar— 
eit. weil er keine Lust mehr habe. Als er trotz Mahnungen und 
zorhalte bei seiner Weigerung beharrte, wurde er zunächst zwei— 
ral mit Arrest von je 48 Stunden bestraft und schließlich ge— 
ichtlich zu obiger Haftstrafe verurteilt. Seine gegen das Ur— 
eil eingelegte Revision wird rerworfen. — Wegen Dieb- 
kahls ist die Waschfrau Mathilde Fi. geb. Le. von hier 
m 1. Juli d. J. vom hiesigen Schöffengericht zu 1 Woche 
zefängnis verurteilt worden. Sie batte einer Miteinwohnerin 
Bettücher gestohlen. Ihre gegen das schöffengerichtliche Ur— 
eil eingelegte Berufsung wird von der Strafkammer verworfen. 
— Wegen Diebstahls ist ebenfalls die Ehefrau We. geb. 
zi. am 3. Juni d. J. vom hiesigen Schöffengericht zu einer Ge— 
ingnisstreafe von 5 Tagen verurteilt worden. Sie hatte im 
spril d. J. in einem Krämerladen für 10 Pfg. Brennholz ge⸗ 
ordert. Als die Ladeninhaberin, die Angeklagte allein lassend, 
ich in den Keller begab, um das Holz zu holen, benutzte 
etztere die Gelegenheit, um aus der Ladenkasse 3 Mizu stehlen. 
luch die von dieser Angeklagten gegen das erstinstanzliche Urteil 
ingelegte Berufung wird vom Landgericht verworfen. — Weiter 
dird wegen Diebstahls verhandelt gegen den vielfach vorbe— 
traften Arbeiter Samuel Kl. in Warnsdorf. Der Angeklagte 
raf am 265. Juni d. J. in Rohlsdorf einen anderen Arbeiter, 
uit dem er zu einem Brothändler ging, bei dem sich beide 
zrot und Kaffee geben ließen. Als der fremde Arbeiter be— 
ahlt und sein Portemonnaie wieder in die Jacdettasche gesteckt 
jsatte, griff der Angeklagte in die Tasche und stahl ihm das 
Zortemonnaie mit 5 M. Da der Bestohlene nicht aufzufinden 
ewesen ist, muß die weitere Verhandlung der Sache ausgesetzt 
— 
deueste Nachrichten und Telegramme 
der „L. A.se und „L. Z.. 
Staatssekretär von Tirpitz amtsmüde? 
DT. Berlin, 30. Aug. Die Berliner Börsen⸗Zeitung, der 
zir die Verantwortung überlassen, will aus zuverlässiger Quelle 
rfahren haben, Staatssekretär von Tirpitz habe zu Ver— 
rauenspersonen geäußert, daß er noch den nächsten Marine⸗ 
tat im Reichstag einbringen, dann aber aus seinem Amte 
heiden werde. Er habe alsdann auch das Pensionsalter von 
5 Jahren erreicht. — Großadmiral von Tirpitz bekleidet sein 
lmt seit 17 Jahren, eine Amtsdauer, die unter dem jetzigen 
zaiser weder ein preußischer Minister noch ein Staatssekretär je 
rreicht hat. 
Zur Lage in der Hamburget Werflindustrie. 
D7T. Hamburg. 30. Aug. Eine Arbeiterversammlung der 
zulkanwerft, die nur von Delegierten und Obmännern der 
Berft und den bereits in Arbeit stehenden besucht war, be— 
aßte sich mit der schlechten Funktion des Arbeitsnachweises, 
n der die Arbeitswilligen selbst schuld haben, da sie sofort 
ereit gewesen seien, nicht nur Nacht- und Sonntagsarbeit, 
»indern auch Ueberstunden zu machen. Greife das Ueberstunden— 
esen so weiter um sich, so würden sich die Werftinhaber das 
anutze machen und viele der früheren, namentlich der älteren 
dollegen überhaupt nicht wieder einstellen. Schließlich gewann 
ie Auffassung Raum, daß die Ueberstunden unter allen Um— 
änden zu vermeiden seien, um den noch nicht in Arbeit 
tehenden Leuten die Situation nicht noch zu verschlechtern. 
Die Rebellion in China. 
DT. London, 30. Aug. Wie dem Daily Telegraph aus 
zchanghai gemeldet wird, haben chinesifche Regierungskreuzer 
wei Torpedoboote der Revolutionäre westlich von Nanking ge— 
apert. Am Montag beschofsen die Revolutionäre das fran⸗ 
osische Kanonenboot, Decidee“ sowie einen englischen Dampfer. 
der von der „Standard Oil Company“ gecharterte deutsche 
ampfer „Baiffalo“ mußte von K.segsschifsen bis Nanking es⸗ 
ortiert werden. Der Güterbahnhof der Linie Schanghai — 
sanking ist unter den Granaten der Revolutionäre in Flarumen 
ufgegangen. — Erst jetzt wird bekannt, daß im Mai Agenten 
er südchinesischen Revolutionäre Juanschikai mit Arsenik zu ver— 
iften versuchten. Dadurch, daß die Südchinesen bei ihrem 
dampfe gegen die Pekinger Regierung zu derartigen Mitteln 
rifsfen, haben sie sich den unversöhnlichen Haß Juanschikais 
ugezogen. Dae gewaltigen Truppenzusanmmenziehungen deuten 
arauf hin, daß jede Versöhnung zwischen Nord und Süd 
rusgeschlossen ist und Juanschikai einen Kampf auf Leben und 
“dod führt, selbst wenn die Bewegung jetzt etwas nachläßt, so 
aird sie doch ficher im kommenden Herbst mit der Unterstützung 
sapans um so gewaltiger wieder auflodern. 
Em Duell zwifchen zwei Knaben nach amerikanischer Art. 
DT. Madrid, 30. Aug. In Suesca duellierten sich ein 
3. und ein 17jähriger Knabe, die beide dasselbe Mädchen 
iebten. Jeder von ihnen verschaffte sich ein Gewehr. Nachdem 
„as Los zu ungunsten des 183iährigen entschieden hatte, schoß 
ich dieser eine Kugel in den Kopf. 
Zufammenstoßß zweier Motorboote. 
DT. Gent, 30. Aug. Auf dem von Segelbooten und 
Motorbooten viel befahrenen Fluysstrom ereignete sich ein 
chweres Unglüld. Ein von Rechtsanwalt Furrison gesteuertes, 
nit mehreren Personen besetztes Motorboot fuhr einem anderen 
Motsorboot in die Seite. Von dessen sechs Insassen sprangen 
rei wenige Augenblicke vor dem Zusammenstoß erschrocken ouf. 
Zie stürzten in den Fluß und ertranken. Die drei übrigen 
onnten gerettet werden. F 
J7. Berlin, 29. Aug. Die hundert Gemeindeschälerr, 
die dem Kronprinzen ihre HSuldigung dafär bringen 
pollen, daß sie zu vierwöchigem Aufenthalt von ihm nach Lanmg⸗ 
uher eingeladen worden sind, haben heute um 9,26 Uhr ihre 
deise angetreten. Drei Lehrer begleiten die Knaben, die volle 
zegeisterung ihrem Reiseziel zustreben. 
DT. Langfuhr, 80. Aug. Gestern abend 6 Uhr sind 
ie 100 Berliner Gemeindeschüler, die der Kronprinz als 
eine Gäste eingeladen hatte, in Langfuhr eingetroffen. 
in Wagen der Leibhusaren lud das Gepäck der Kleinen auf 
ind hierauf marschierte der Besuch der Hundert nach der 
davalleriekaserne, wo sie gespeist wurden. Um 8 Uhr gings 
ur Ruhe, nachdem der Oberstabsarzt des 1. Leibhu'aren-Regi— 
nents die Kinder einer ärztlichen Antersuchung unterzogen hatte 
DT. Rathenow, 30. Aug. Das Herzogspaar von 
zumberland wird mit seiner Tochter, der Prinzessin Olga, 
im Somttag gegen Mittag, von Gmunden kommend, zu mehr— 
tündigem Besuche beim Prinzenpaar Ernst August in 
dathenow eintreffen. Am Nachmittag reisen die hohen 
zerrschaften. die über Leipzig und Magdeburg kommen, nach 
dozenhagen weiter. 
DT. Hamburg. 30. Aug. Die Reichsstagsersatzwahl 
m ersten Hamburger Wahlkreis, den bisher August Bebel 
ertreten hat, ist auf den 17. Oktober angesetzt worden. 
DT. Mühlhaujen i. Thür. 30. Aug. Die Stadtverord⸗ 
ietenversammlung beschloß in ihrer letzten Sitzung, von dem 
krtrag der Kinosteuer eine jährliche Summe von 5000 M 
Us Subvention dem Stadttheater zu überweisen. 
München, 30. Aug. Der Zentrumsphilosoph auf dem 
Sehsel des bayerischen Ministerpräsidenten, Freiherr von 
dertling, begeht morgen ESonntag) die Vollendung seines 
O. Lebensiahres. 
W. Kopenhagen, 30. Aug. Gelegentlich des hier tagenden 
nlernationalen Kriminalistenkongresses ist Pro— 
essor von Liszt in Berlin das Kommandeurkreuz eisten 
ßrades des Danebrogordens verliehen worden. 
DT. Paris, 30. Aug. Die türkische Regierung 
at mehrere kleine Kriegsschiffe auf französischen Werf— 
en in Auftrag gegeben. Die „Isle“ und „Turukaveis“ 
internehmen augenblicklich im Hafenbecken von Lorient Probe— 
ahrten. Zwei weitere türkische Kanonenboote laufen dem— 
ächst vom Stapel. 
W. London, 30. Aug. Wie die Times aus Vombay melden, 
ingen 400 eingeborene Truppen nach Mascatab, 
enen in der nächsten Woche eine ebenso starke Abteilung folgt. 
Bie aus Mascat verlautet, beabsichtigt der Imam unach dem 
zeiramfeste die Feindseligkeiten wieder zu beginnen. 
DT. Athin, 30. Aug. König Konstantin, Königin 
zophie, Kronprinz Georg und Prinz Alexander reisen am 
Zonntag nach Deutschland ab. Der König wird, 
oie ein Privattelegramm der Vossischen Zeitung besagt, an den 
eutschen Manövern teilnehmen, zu denen er vom Kaiser ein— 
jeladen ist. 
* — 
W. Homburg, 30. Aug. Im Sanatorium verstarb hier 
der Elektrophmiker und Großindustrielle Professor Aron 
im Serzschlage. Er gehörte zu den bekanntesten Ber— 
iner Forschern auf dem Gebiete der Elektrotechnik. 
W. Bamberqg, 30. Aug. Der rerstorbene Landgerichts— 
räsident Wolf hinterließ der Stadt über 152 Mil- 
ionen Mark für Wohltätigkeits- und Verschönerungszwecke. 
Kaiserslautern, 20. Aug. Der Hilfslehrer Caspari 
h.oabauf seime frühere Braut, die Tochter des Schneider- 
teisters Kopetzki, die das Liebesverhältnis auf Drängen der 
Rutter gelöst hatte. Die Kugel verfehlte ihr Ziel und verletzte 
ie Mautter des Mädchens am Arm, Unmiitelbar darauf jagte 
ich Caspari eine Kugeli in den Kopf. Er ist gestern seiner Ver— 
etzung erlegen. 
W. Stettin, 30. Aug. Nach einer bei der Hedwigshäkte ein⸗ 
zelaufenen Depesche des Kapitäns ist die Lage des Dampfers 
Pommexrn“ weniger gefährlich, als anzunehmen waf. Der 
dampfer ist allerdings auf Grund gelqufen, man vofft aber, 
hn bei der, nächsten Flut abbringen zu können. Die Besaßung 
it wahrscheinlich noch an Bord. 
DT. Budapest, 30. Aug. Gestern abend wurde der 80 
jahre glte Prokurist der Filiale in Philippopel von der Buda—⸗ 
ester Kommerzialbank, Ludwig Szegfuc, verhaftet. Unter dem 
zorwand, einer Waffenübung zu genügen, war exr, am 9. Juli 
bgereist, aber nicht wieder zurüdgekommen. Eine Revision 
er Bücher exrgab Unterschleife in Höhe oon 200000 
dronen,. Der, Defraudant versuchte bei seiner Vechaftung, 
nd * sich zu legen, wurde von der Polizei jedoch daran ge⸗ 
indert. 
.JT. Baris, 80. Aug. Der Minister des Aeußern. Pichon. 
t mit seiner Gemahlin mit fnapper Nof einem Un⸗— 
all entgangen der recht unangenehme Folgen hätte 
aben können. Auf der Fahrt nach dem Bois de Voulogne 
vurde das Automobil des Ministers in den Champs Elysees 
egen eine von Pferden gezogene Leiter geschleudert. Die 
cheiben, des Wagens gingen in Trümmer. der Wagen wurde 
dwer beschädiat, Trotz der umherfliegenden Holzsplitter 
lieben der Minister mit seiner Gemahlin unverletzt. 
DT. Varis, 30. Aug. Infolge der großen Hite der letzten 
tage sind im Departement Var über 1200 Hettar Waldbe 
land. darunter einige aqlte Eichenwälhder, nie derge— 
rTannt, Das Feuer ist, teilweise aqut Lokomötinfunken. teil— 
veise quf die Unachtsamkeit spielender Kinder zurückniführen. 
Zeit gestern morgen steht der vor Toulon liegende Wald 
»on Faron in Flammen. Bei dem herrschenden, Ostwind ist 
in eine Rettung dieser Waldbestände, die eine hekannte Er— 
wrungsstätte der Touloner Bevöllerung bildet, nicht zu denken,
	        
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