Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Fammiten-ounc 
Amtsblatt der freien und hansestadt Lübeck 163. Jahrgang Rachrichten sür das Herzogtum Lauenburg, die 
geiblatt: Gesetz, und Verordnungsblatt 28 w me eheahqhen ka Fürstentümer Ratzeburg, Lübeck und das angren 
ιεισαισασεσασσασασασασασασασσσασεοαεασασοÄ i, ee zende medlenburgische und holfteinische Gebiet. 
Drud und Verlag: Gebrüder Borchers G. m. b. H. m Lübed. — Geschäftsstelle Adu A Gäönigstr. 46). Fernspre cher 89000 u. 9001. — 
Morgen⸗Bblatt Ur. 437. 
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Erstes VBlatt. hierzu 2. Biatt — 
und die Feuilletonbeilage „Der Familienfreund“. 
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Umfana der heutigen Nummer 8 Seiten. 
nichtamtlicher Teil. 
Deutsches Reich. 
Müchterne Erwägungen oder Phantastereien? Ein Artikel 
der Berl. Neuesten Nachr. wirft allen, die nicht für die Auf— 
»ebung des Jesuitengesetzes zu haben sind, „vweitestgehende 
Unkenntnis der wirklichen Lage“ vor und empfiehlt „nüchterne 
Frwägungen“. Was aber nennt er so? Die Behauptung, deß 
iach Aufhebung von 8 1 schwerlich auch nur ein Jesuit mehr 
nach Deutschland hineinkomme, daß den Jesuiten schon ietzt 
alle Wege und Stege offen stehen und daß die Aufhebung 
des Gesetzes ohne jede praktische Bedeutung sei, wohl aber dem 
Zentrum den wirksamsten Agitationsstoff nehmen würde. Wir 
tehen nicht an, diese Argumente, die so ähnlich von sozal— 
demokratischer Seite auch vorgebracht werden, in aller Ruhe 
ür Phantastereien zu erklären. Wären sie es nicht, so spielten 
die bürgerlichen Parteien, die fast einmütig den Zentrumsant'ag 
ablehnten, Komödie. Sie tun es nicht, weil sie wissen, daß der 
Sturmlauf der Jesuiten gegen das noch bestehende Gesetz denn 
doch erheblich mehr bedeutet, als die Befriedigung eĩnes bloßen 
Agitationsbedurfnisses des Zentrums. Mit dem Fall des Ge— 
setzes wäre nämlich mit einem Schlage der Kampf um die 
Schule um eine Nuiance bereichert, die bisher noch n'icht recht 
hervortreten konnte. Die Jesuiten sind in erster Linie ein 
Schulorden; wollte man ihnen von Reichs wegen volle Be— 
vegungsfreiheit garantieren, so wäre die selbstverständliche Kon— 
equenz. daß ihnen damit grundsätzlich auch die Gründung 
»on Schulen und Konvikten zugestanden wäre. Welcher Phan— 
ast hält aber das Zentrum für fähig. daß es dem Drarng 
»er Jesuiten nach praktischer Schultätigkeit Widerstand leisten 
vird? Der Kampf würde dann erst recht entbrennen; statt 
omessionellen Frieden hätten wir den Krieg, von einem Orden 
zeschürt, der als Einrichtung der katholischen Kicche unter dem 
Staatsschutz steht, obschon von seiner Todfeindschaft ggen mo— 
dernen Staat und evangelische Kirche die große Mehrheit des 
deutschen Volkes überzeugt ist. So sieht die Jesuitenfrage 
tüchtern betrachtet aus. 
Die Gloden von St. Jakob. Die sozialdemokra tihche 
Presse hat in ihren Berichten über Bebels Bestattung festge— 
tellt, daß beim Vorübermarsch des Leichenzuges die Glocken 
der Kirche St. Jakob in Zürich geläutet haben und dazu be— 
nerkt: „Auch die Kirche beugt sich vor der Majiestät des 
Todes eines Menschen, dessen Leib nun von den Flammen 
verzehrt merden soltie Selten haft eine GQirche so wiel RPolio'or 
—— 
hetätigt, als die Kirche St. Jakob in dem Glockengeläut an 
iesem Sonntag. da Bebel zur Ruhe fuhr.“ — Die Allgemeine 
zeitung. Chemnitz, hat sich an die zuständige Stelle in Zürich 
ewandt und es teilt der Präsident der Kirchenpflege, Herr 
leberli, mit, daß man in Zürich ein kirchliches und bürger— 
iches Geläute unterscheidet und das Grabgeläute Bebels von 
ozialdemokratischer Seite, wohl im Einverständnis mit dem 
mtierenden Organisationskomitee — bestellt worden sei. — 
da also! 
Weltausstellung von San Francisco 1915. Der Vorstond 
es Bundes der Industriellen hat beschlossen. über die Be— 
iligung der deutschen Industrie an der 1915 in San Fran— 
sco geplanten Weltausstellung auf der Gencralversammlung 
s Bundes der Industriellen am 10. und 11. Sept. in Leipzig 
ne nochmalige Aussprache der beteiligten Industriezweige her— 
eizuführen. In der deutschen Industrie, die keineswegs in 
ilen ihren Geschäftszweigen von vornherein der geplanten 
lusstellung ablehnend gegenübersteht, ist man vielfach dadarch 
berrascht worden. daß kürzlich die Reichsregierung gegenüber 
er offiziellen Einladung der Vereinigten Staaten eine Be— 
itigung an der Weltausstellung von San Francisco gerade 
tzt ablehnte. Allerdings hatte sich bei einer von der Reichs— 
ꝛgierung am 2. Juni veranstalteten Besprechung die über— 
iegende Mehrheit der erschienenen Vertreter der Industrie 
rnächst ablehnend zu der Ausstellung verhalten. Aber es war 
abei wohl allseitig erwartet worden, daß eine endgültige 
utscheidung der Reichsregierung erst nach ecneuter persönl'cher 
ühlungnohme mit den mabgebenden Industriekreisen ersolgen 
ürde und daß ferner abzuwarten sei, wie sich der neue Zoll⸗ 
Wif der Vereinigten Staaten und damit die künftigen deutsch— 
merikanischen Handelsbeziehungen gestalten. Die Entscheidung 
ber das neue amerikanische Zolltarifgesetz ist quch jetzt noch nicht 
efatllen. Schon im Hinblick auf die noch zu erwartenden 
arisentscheidungen hätte die Reichsreglerung unter weiterer Füh— 
ingnahme mit industriellen Kreisen ihre Entscheidung sehr wohl 
is in die letzten Monate dieses Johres sich vorhehalten 
öünnen 
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J nicht nur belehrend wirken, sondern auch den Kolonien selbf 
zum größten Vorteil gereichen. Wichtig ist die koloniale Aufs 
lärung des Volkes auf jeden Fall, nicht nur, weil uns bezüg— 
ich der kolonialen Aufklärung andere Nationen, wie England 
und Frankreich, weit voraus sind, sondern weil der Arbeiter 
vuissen muß, welche Rohprodukte unsere Kolonien liefern können 
ind wie seine Erwerbsmöglichkeiten gaufs engste damit zu— 
ammenhängen. Die koloniale Arbeiterfrage kann hierdurch eben— 
alls einen Schrüt der Lösung nähergebracht werden. Deutsche 
dinosirmen haben sich bisher noch nicht in die Kolonien ge— 
nagt. hauptsächlich wohl, weil sie die hohen Kosten scheuten, 
ind dann hatten sie in den Dramen andere lukrativere, zug— 
äftigere Motive. Aufgaben für den Film in den Kolonien 
ibt es unzählige. Landschaft, koloniales Leben und Treiben 
oall veranschaulicht werden. Man wird einen Einblick erbalten in 
rarmen. Baumwollkulturen. Viehrüchtereien. Golde und 
iamanten-Feldern usw. Afrikanische Jagden werden gefilmt 
nd interessante Landschaftsbilder aufgenommen. Jedenfalls 
zerden die Kinoaufnahmen ein ganz hervorragendes Bild 
on der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung unserer 
tolonien geben und somit wesentlich zur Aufklärung und 
Lerbung für die Kolonien beitragen. Was nützen alle die 
lugschriften, Bücher und Zeitschriften im Veraleich zu einem 
uten Film. Unsummen werden dasür ausgegeben, und doch 
noen sit nicht die genügende Beachtung, dazu geben die 
lUustrationen in Büchern und Zeitschriften, auch wenn sie noch 
daut ausgeführt sind. nur leblose Ausschnitte und leinen 
benswahren Begriff von den Kolonien. Wie anders wirkt 
er Fisim. Das Negativ ist dauernd verwendbar. und auch 
der Positiv-Filn kann mehrere hundermal vorgefäührt wer— 
en. Es ist berechnet worden. daß ein Positiv-Film währenad 
iner Lebensdauer von 13 Millionen Menschen gesehen wird. 
belche Persvektiven eröffnen sich da für die koloniale Auf— 
ärung, zumal wenn der Vertrieb der Films von einer 
zentrale vonstatten geht und von den kolontalen und natfio— 
ralen Vereinen propagiert wird! Der Kinematograph hat 
ier cine hohe Aufgabe. Er kann dem Volke die Augen 
lar⸗ und die Herzen weitmachen. Für die Heimat und für 
die Fremde. · Er wird Vorurteile brechen, indem er versuchen 
wird. freimütig und wahr zu sein. 
. 
fusland. 
Rußland. 
Neues Opfer des rufssisch-finnländischen Gegematzes. Nach 
iner Meldung aus Helsingfors ist in Bioernsborg das stell⸗ 
ertretende Mitglied des Tavasthuser Rathausg:richts. Hof⸗ 
erichtsauskultant Selin. verhaftet worden, der wegen Wider— 
'andes gegen das Gleichberechtigungs esetz von e'nem Petere— 
urger Gecicht zu einer Gefängnisstrafe recurteilt worden ist, 
zelin wurde unter Polizeieskorte zur Verbüßung der Strafe 
ach Petersburg gebracht. 
ö— — — 
triedlichem Einverständnis, ohne Varteihatz und in richtiger 
Frkenntnis der Sach!age, an die Ausarbeitung herangehen. 
tk. 
Cheater, Kunft und Missenschaft. 
Von den Sambrrager Vihnen. In Deutsscchen Schau 
pielhaus gelangten Donnerstag abend Goethes „Clha 
»igo“ und „Die Mitschuldigen“ zur Aufführung. 
Bährend „Clavigo“ von Max Miontor neu inszeniert war, 
satte von lehterem Werk Hofrat Grube die Leitung über— 
iommen. Karl Müller-Rastatt schreibt über die „Clapnigo“- 
Lufführung im Hamburger Korrespondenten: „Was die Auf— 
ührung betrifft, so zeigte sich beim „Clavigo“, den 
zerr Montor inszeniert hatte, wieder einmal, daß es 
richt vortei Ihaft ist, wenn der Regisseur zu— 
rleich eine Hauptrolle piselt. Es ist einmal nicht 
nöglich, zugleich auf dem Regiestuhl zu sitzen und im Ensemble 
u stehen. Von den beiden Aufgaben, vor die der Reaisseur— 
zchauspieler gestellt ist, wird immer eine zu kurz kommen. 
iesmal kam das Zusammenspiel zu kurz. Die Vorstellung 
sirkte unfertig. Der Stil war nicht einheitlich, das Tempo 
eils verschleppt, teils überhastet und das Arrangement des 
etzten Aktes, der eigentlich am meisten Stimmung hat, war so 
enig glücklich, daft keine Stimmung aufkommen konnte. Glän— 
And dagegen war Herrn Montors schauspielerische Leistung 
ls Carlos.“ — Grubes Inszenierungskunst der „Möischur— 
igen“ bewährte sich aufs beste, derselbe ließ das Werk des 
9ijährigen Goetbe modern spielen. Er hatte weniger d'ie 
zrazie des jungen Goethe, als seine Laune, wenißer die Zier— 
ichkeit seiner Verse, als seine Witze herausgearbeitet. So 
dirkte das Stüdk possenhafter, als es eigentlich sollte, erzielte 
ber eben darum auch mehr Heiterkeit im Publikum. 
Das Bremer Stadttheater begann seine dies ährige Spiel— 
eit mit einer Gedächtnisfeier sütr Theodor Körner und brachte 
en „Zriny“ seit langer Zeit wieder einmal heraus. 
RNichard Wagners „Parsefal“ wird im Kgl. Opernhause zu 
dresden noch vor Ostern 1914 zur Aufsührung gelaugen. — 
der Direktor der Brüsseler Oper, Maurice Kusferalh, hat in 
ßemeinschaft mit Frau Judith Gautier den „Varsifai“ in 
tranzösisch überftrooen 
Aus den Schutzgebieten. 
Eine kinematographische Ervedition in die deuntschen 
dolonien. Wie wir hören. wird zurzeit vonm Leutnant 
VBilh. v. Gusmann vom Schlesw.-Holst. Inf.Regt. 163 
nd dem Lübecker Journalisten Heinz Sachers1 
lUrikaenpedition vorbereitet, deren Hauptaufgabe darim 
esteht. BRilder aus den deutschen Kolonien durch den Kinemato— 
raphen festzuhalten. Wenn man bedenkt, welcher Bedeutung 
sich heute das Kino erfreut, wird man verstehen, daß geraude 
urch den Film das Verständnis für unsere Kolonien in die 
jeitesten Kreise getragen werden kann, und da man sich von 
nnseren deutschen überseeischen Besitzungen vielfach noch einen 
anr falschen Begriff macht so kann der Kinemgfoarauh hier 
Ein direktor zum Reichstheatergesetz. 
Zum Reichstheatergesetz ergreist nun im Täglichen Korre— 
pondenten der Leiter des Stadttheaters in Frankfurt a. O., 
Ddirektor H. Röbbeling, der sowohl Mitglied der Genossen— 
chaft deutscher Bühnenangehöriger wie des Bühnenvere'ns ist. 
das Wort: 
Die Verschiedenheit der Kunstleistung dis Schauspielers oder 
Zängers bedingt, daß jeder nach seinem Können bezahlt wird; 
iin „Tarif“ ist ganz undenkbar. Hierzu kommt, daß die Ver— 
»ältnisse der Bühnen grundverichieden sind: die Hofthrater 
ind großen Stadttheater bekommen riesize Zuschüsse und Sub— 
zentionen, andere erhalten weniger, andere zahlen gar Pacht; 
»ie Eintrittspreise und das Interesse des Publikums sind eben— 
falls verschieden. Der Direktor muß nun sein Kapital in das 
»Internehmen stecken, muß für den Kostümfundus, die Bibliothek 
und die Ausstattung sorgen. Durch den heutigen Konkurrenz— 
kampf der Theater unter sich und besonders mit den Kinos, 
durch die Konzert- und Variets-Veranstaltungen entsteht aft 
ein Defizit. All!ährlich gehen in Berlin wie in der Provinz 
eine grohe Anzahl von Direktoren durch den schlechten Geschäfts— 
gang zugrunde und ihr Name wird dann in der ‚Warnungs— 
liste“ der Genossenschaftszeitung gebrandmarkt. Die Bestre— 
bungen der Bühnengenossenschaft sind gewih anzuerkenen; nur 
darf der Oeffentlichkeit nicht durch übertriebene Schilderung 
von Ausnahmefällen ein falsches Bitd gezeigt werden. So soll 
das Kgl. Schaufpielhaus in Berlin weiblichen Angestellten 20 
»is 50 Mumonatlich zahlen, und sie dadurch der Prostitution 
örmlich in die Arme treiben. Nicht gesagt wird, daß es sich 
da um junge Volontärinnen handelt, die ihre Studienzeit 
m diesem vornehmen Institut absolvieren. Gewiß gibts am 
Theater auch Elend wie in jedem Berufe. Es gibt ja keinerlei 
Kontrolle, man braucht kein Examen, keine Lehrzeit, kein Stu— 
»ium und ist von heute auf morgen Schauspieler. Die An— 
angsgagen betragen freilich nur bis zu 100 und 150 M 
nonatlich. Sind diese Gagen nicht für „Lehrlinge“ aus— 
eichend? Für diesen Teil der Angestellten, die Talentlosen und 
zie Anfänger, setzt sich die Genossenschaft mit allen Kräften 
in. Bisher war die Kündigung im 1. Monat noch das einzige 
Mittel. die Tolentlosiokeit qauszufreihen. Nun bleibt der Nichts— 
önner im Engagenient und hat nach dem neuen Gesetzentwurf 
uch noch ein Recht auf Beschäftigung; ob das Publikum 
nzufrieden aus dem Theater fortbleibt, ist gleichgültig: Der 
Kündigungsparagranph“ soll ausgehoben werden. Auch das 
Gastspiel auf Engagement“ soll als unzesetzlich “ten! Der 
Direktor kann sich also die Mitglieder nur an einer anderen 
Zühne ansehen; er soll sonach kreuz und quer reisen, um 
5ngagements abru'schließen. Junge Anfänger muß er über— 
aupt auf gut Glück engagieren. Gänzlich ohne Anfänger gehts 
atürlich nicht; denn wer soll die kleinen Rollen spielen? Die 
reisten Mitglieder weigern sich energisch, kleine Aufgaben 
u übernehmen und die Genossenschaft unterstützt diese Weige— 
ung. Der Direktor kann aber nicht für die kleinen Rollen auch 
roße Gagen auswerfen; das trägt däs Theater nicht. Zudem 
ilden sich die Aufänger an kleineren Rollen heran. 
Ein Hauptpunkt ist ferner die „Kostümfrage“. Den männ— 
chen Mitgliedern wird das historische Kostüm schon immer ge— 
efert; die weiblichen Mitglieder dagegen hatten sich — 
zenigstens in der Provinz — die Kostüme selbst zu stellen! 
dun soll der Direktor alles liesern! Wie er das bei dem 
ändigen Wechsel des Personals und der Verschiedenheit der 
iguren fertig bringen soll, ist mir rätselhaft. Die Genossen— 
haft verlangt sogar, daß auch das moderne Kostüm männ—⸗ 
chen und weiblichen Mitgliedern geliefert werden soll. Das 
ȟrde den sofortigen Zu'ammenbruch vieler Theater zur Folge 
aben. Der Kellner braucht einen Frack, der Gelehrte seine 
zücher, der Schauspieler nur sein Talent! Und wem konminit 
er Kostümparagraph zusta“tten? Wieder den Anfängern; denn 
ltere Mitglieder haben ihre Kostüme und werden sie, schon 
er Sauberkeit und des Sitzes wegen, beibehalten. Schon 
tzt erwähnen die weiblichen Mitglieder bei Engagements— 
esuchen, daß sie die Kostüme auch in Zukunft stellen wollen. 
der Direktor wird aus Selbsterhaltungstrieb gezwungen sein, 
olchen Offerten den Vorzug zu geben. Damit wird das 
zühnenproletariat geradezu gezüchtet! 
Der Direktor wird sicher berechtigte Forderungen, wie das 
Bezahlen der Vorprobentage anerkennen. Gesetze dürfen aber 
riicht ganz einseitig diktiert werden. Ein wirklich gutes Theater⸗ 
jesetz kann meines Erachtens nur dann zustande kommen, wenn 
eide Teile. Genossenschaft wie Direktorenverband gemeinsam in
	        
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