Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

ar nicht zulasse. „Man sieht, auch im lateinischen Amerika, 
96 sonst mit der Verfassung von den jeweiligen Machthabern 
ücht viel. Federlesens gemacht wird, ist uñter Umständen 
jne Verfassung doch etwas wert. Ob freilich diese Nachgiebig— 
it dorherrsend bleibt oder in den nächsten Tagen, wieder 
su Umschwung in der Stimmung in Mexiko eintritt. das 
ermag heute kein Mensch zu sagen. J 
In Ausführung der von Wilson erklärten Politik telegra⸗ 
hierte das Schatzamt auf Ersuchen Bryans an die Zoll— 
amten in den Unionstagten, auf alle Ladungen mit 
— 0— Rück⸗ 
scht darauf, für wen sie bestinmmt sind, Ein großer Transport. 
er gegenüher, von Juarez liegt wird festgehalten, obgleich 
ereits ein Teil die mexikanische Grenze passiert hat 
Tagesbericht. 
Lübed, 29. August. 
Die Fehmarnlinie. 
Das dänische Blatt „Ködby Avis“ bringt in einer seiner 
etzten Nummern einen interessanten Rückblick auf die seit Jahr⸗ 
junderten bestehende Handelsverbindung über Rödby — Fehmarn 
ind über die neuerlichen Bestrebungen, dieselbe zu einer Weli— 
randelsverbindung auszugestalten. Es schreibt: 
Gegenwärtig sind es 50 Jahre her, seitdem die Idee 
iner Route zwischen Dänemark und Deutsch'and entstand Die 
Verbindung mit Deutschland über Rödby kann bis zur Mitte 
»es 15. Jahrhunderts zurück verfolgt werden und war durch 
ange Zeiten hindurch von nicht geringer Bedeutung, nament—⸗ 
lich mit Rücksicht darauf, daß der Fährverkehr zwischen den 
beiden Ländern damals nicht sehr entwickelt war. Auch die 
Heschichte weiß davon zu erzählen, daß Danemarks wichtigste 
Berbindung über Rödby-Fehmarn ging. Es war das der Weg, 
muf welchem die dänischen Könige reisten, wenn sie sich süd— 
värts im Auslande aufhalten wollten und das sogenannte 
Zönigslied im Rödbybezirk erinnert noch hieran. 
Zwischen Rödby und Fehmarn cdiese Insel war bekanntlich 
his 1864 dänisch) bestand, so weit Aufzeichnungen hierüber 
urückreichen, ein lebhafter Handelsverkehr mit Anschluß an das 
eutsche Festland. Einige Menschenalter zurück stand dieser 
Verkehr in seiner höchsten Blüte. Der Kornbau spielte in 
ener Zeit eine bedeutende Rolle auf Laaland und ein großer 
Teil der Ernte wurde über Fehmarn nach Deutschland ausge— 
ührt. Damals hatte Rödby bekanntlich direkte Jühlung mit 
»em Meer. Der Rödbyfiord, der in Verbindung mit der 
Zee stand, war groß und tief, er hatte eine ausgezeichnete 
Fahrrinne und die Schiffe konnten nscht nur bis nach Naesbaek 
in die westliche Seite der Stadt herankommen, sondern das 
Fahrwesser ging auch nördlich um die Stadt bis an die östliche 
Seite herum, wo sich ebenfalls Lagerplätze befanden. Wenn 
das Korn nach der Ernte verladen wurde, befand sich hier oft 
eine recht bedeutende Anzahl von Seglern, welche teils im 
Außenhafen, teils direkt an der Stadt lagen. Aber auch 
vährend des übrigen Teils des Jahres bestand hier ein 
Handelsverkehr zwischen den beiden Inseln, von Deutschland 
wurden verschiedene Industrie- und Bauartikel eingeführt. 
Die Hasenverhältnisse wurden inzwischen recht mangelhaft, 
die beständige Versandung des Außenhafens erschwerte die 
Segelschiffahrt. Es mangelte an Mitteln, einen einigermaßen 
juten Hafen zu bauen und als der Fiord an ein englisches 
Konsortium zur Trodenlegung verkauft war, war für Rödbys 
Verbindung mit dem Meer ein Riegel vorgeschoben. 
Im Jahre 1863 entstand die Idee, einen Hafen bei 
Syltholm (außen vor dem jetzigen Strandholm) anzulegen 
und eine Hauptverb'neug zwischen Dänemark und Deutsch— 
and herzustellen. Das Projiekt Surde schnell in beiden Ländern 
zekannt und weckte ein nicht gerines Aufsehen; es war ein 
ühner Gedanke, aber er fand seine Anhänger und Vorkämpfer. 
Der bekannte Ingenieur Kröhnke wurde der erste bedeutende 
Verfechter der Sache und arbeitete das Projiekt in seinen 
Enzelheiiten aus. Er überzeugte die maßgebenden Stellen im 
In- und Auslande von der großen Bedeutung, welche das 
Protekt für den Verkehr zwischen Dänemark und Deu schland, 
ind speziell Kopenhagen —,Hamburg haben würde. „Eine di— 
rekte und kurze Linie zwischen diesen beiden Großstädten“ 
— diese Worte waren der Kernpunkt der Agitation vor 
50 Jahren und sind es noch heute. 
Schon 1866 schien es, als ob sich das Projekt seiner 
Verwirklichung nähere, indem Ingenieur Kröhnke die Konzession 
zum Bau einer Eisenbahn von Kopenhagen nach Syltholm und 
Anlage eines Hafens daselbst erhielt. In das Projekt einge— 
schlossen war gleichzeitig ein Fährhafen und eine Eisenbahn 
auf Fehmarn, eine Brücke über den Fehmarnsund und eine 
Babnverbindung über Oldenburg, Neustadt. Segeberg nach 
damhburg. 
Die Geldknappheit damaliger Zeiten verh'nderte dann die 
Durchführung des Projektes. 
Erst 1870 trat die Angelegenheit wieder in den Vorder—⸗ 
grund, und nun erhielt sie eine so bedeutende Unterstützung, 
daß es eine Zeitlang aussah, als wenn ihre Lösung nahe 
bevorstehe. Der große Kaufmann C. F. Tietgen wurde nämlich 
nunmehr ihr Verfechter. In einer der großen Versammlungen, 
welche in Angelegenheiten Rödbys abgehalten wurde, ver— 
richerte Tietgen unter anderem, daß diese Route kommen werde, 
tie sei der einzige richtige und natürliche Weg zwischen Däne— 
nark und Deutschland. Und diese Angelegenheit war mit einem 
Male ein nationaler und internationaler Gedanke, national, 
weil sie Dänemark ein mächtiges Hinterland zufühten — und 
enternational, weil sie Nordeuropa mit Mitteleuropa verbinden, 
ja sich noch weiter erstrecken würde: nach dem Süden. Tietgen 
prach hier im Namen der ganzen dänischen Geschäftswelt 
und sein Wort fand starken Beifall und Widerhall sowohl 
im In⸗ wie im Auslande. 
Als Beweis dafür, wie stark Laalands eirflußreiche Männer 
sich für dieses Verkehrsprojekt interessierten, mag angeführt 
werden. daß der damalige Eigentümer auf Sösholt sich ver— 
vflichtete. die für den Fährhafen auf Syltholm erforderlichen 
Eichenstämme aus seinen Waldungen gratis zu liefern. Auch 
im dänischen Reichstag hatte die Sache ihre warmen Für— 
precher, wie Reichstagsmitglied Pastor Lund von Arninge, und 
in Südlaaland erinnern wir an Namen wie Kaufmann Suhr. 
Meindcke auf Lineslyst u. a. m. 
Doch abermals schlief die Sache ein, um wieder aufzu— 
tauchen in den 80er Jghren, wo die Frage auf der grohen 
standinavischen Versammlung in Kopenhagen erdrtert wurde, 
Während der nächsten zehn Jahre ruhte die Frage ganz; dann 
bildete sich 1899 ein Agitations-Ausschuß und seit drei Jahren 
besteht das dänisch-deutsche Komitee, dessen Arbeiten von außer— 
388 aroßer Bedeutung für die Reallsation des NMrojektes 
sind. 
Es ist entschieden einzig dastehend in der Geschichte des 
Verkehrs. daß durch ein halbes Jahrhundert hindurch für 
eine Route gekämpft worden ist, welche natürlich und selbst— 
verständlich ist. Diese viele Jahre lange Arbeit, dieser uner— 
ichütterliche Glaube gan die Sache, ist ein Beweis dafür. daß 
ich die Rodby-Fehmarn-Noufke nicht abweisen lassen, sondern 
aß sie sich früher oder später durchsetzen wird, getragen von 
er zwingenden Forderung, welche einstimmigen Beifall in 
änemark und großen Teilen Deutschlands sindet, und steigende 
-ympathie in unseren nördlichen Nachbarländern. Jeder Tag 
rringt das Projekt seinem Ziele näher, weil, wie kürzlich die 
rübeckischen Anzeigen sich ausdrückten, diese Route notwendig ist. 
— —— — 
Die Segeberger Höhlen. 
Für den Norddeutschen, der keine Reise ins Gebirge unter⸗ 
ehmen kann, ist es sehr schwer, sich eine richtige Vorstellung 
on Bergen mit anstehendem Gestein zu machen. Und da Bilder 
och nur immer ein notdürst'sger Ersatz sind, so ist wohl hieraus 
T. der starke Besuch des einzigen gewachsenen Felssens unserer 
zegend, des Segeberger Kalkbergs, zu erklären. Nun kam vor 
inigen Monaten die Kunde von dort, daß man unter dem 
zerge umfangreiche Höhlen entdeckt habe, von denen in diesen 
'agen ein Teil dem Publikum zug'nglich gemacht ist. Nicht 
ur der Geologe vom Fach wird bei einem Besuch dieser Höhlen 
uf seine Rechnung kommen, jondern jeder, der Sinn für das 
Birken der Naturkräfte hat, wird des Interessanten dort unten 
enug finden. Denn man kann sich kein anschaulicheres Bild vom 
Lirken des unterirdisch fließenden Wassers machen, als wenn 
an in den Höhlengängen verfolgt, wie da und dort das weiche 
zestein aufgelöst oder fortgespult wurde, das harte in Säulen 
der Felszacken stehen geblieben ist und oft wunderliche Formen 
ildet. Man sieht, wie die Wassermassen bald durch enge 
Jüfte — durch die auch der Besucher sich kriechend hindurch— 
vängen muß — sich stürzten, wie sie an anderen Stellen weite 
täume ausgehöhlf haben, die oft eine bedeutende Höhe besitzen. 
zand und Tone wurden mitgeführt und kamen zur Ablagerung, 
»urden ausgelaugt und es bildete sich eine Kristallschicht auf 
men. Immer tiefer fraß sich das Wasser und zahllose Spalten 
id Risse weisen nach unten, wo vielleicht in wenia Meter Tiefe 
ch ein zweites Stockwerk solcher Labyrinthgänge befindet. 
eute liegen diese Schichten rochen und nur die Feuchtigkeit 
er oberirdischen Niederschläge dringt durch zahlreiche Spalten 
Rdie Gänge und Hallen und hat, wie in Tropfsteinhöhlen, 
je Risse z. T. verklebt oder mit schönen Dekorationen versehen, 
ie sich kreuz und quer über die Decken hinziehen. Jeder Be— 
sccher wird die unberührte Schönheit der Natur auf sich wirken 
ssen können, insbesondere, da die Aufräumungsarbeiten, wie 
eseitigung der herabgestürzten Felsstücke und Abfperrung ge— 
hrlicher Teile, sehr schoöonend und geschickt ausgeführt sind. 
ielleicht ist man sogar zu shonend vorgegangen: wie lange 
erden wohl die zahlreichen schönen Felsenzacken an den Wänden 
nd die gützernden Kristalle ioch den Stöchen und Händen un- 
erständiger Besucher standhalten? Mit einiger Sorge 
zrten wir, daß zum 2. Sept. sich zahlreiche Schulen angemeldet 
aben; könnte man nicht bis dahin noch einen Schutz 
ür die gefährdetsten Stellen anbringen? Eins 
ber haben wir bedauert beim Besuch der Höhlen: die mangel— 
afte Beleuchtung. Wie viel prächtiger würde z. B. die Gipfel— 
alle, die Säulenhalle oder die Barbarossa-Höhle sich bei stän— 
iger elektrischer Beleuchtung machen. Ta der Besuch 
er Höhlen schon jetzt ein sehr reger ist, so besteht kaum ein 
zweifel, daß sich das hierzu nötige Kapital reichlich verzinsen 
pürde. 
—— —— 
52 Zwangsverkäufe. Im amisgerichtlichen Termin am 
6. Angust 1913 wurden folgende Grundstücke aufgeboten: 
. Sürterdamm Nr. 24, dem Ingenieur Fr. E. Scheufler zu 
übeck gehsrig, beschwert mit 40 000 M. Das Meistgebot von 
9600 Muwurde von einem Gläubiger abgegeben. Auf Antrag 
urde der Zuschlag sofort erteilt. — 2. Uhlandstcaße Nr. 32, 
en Erben des verstorbenen Maurermeisters H. Thr. Stender 
u Lübeck gehörig, beschwert mit 31000 M. Das Meistgebot 
on 27650 Muwurde abgegeben von dem Privatmann I. F. 
Ihr. Heick zu Lübeck. Auf Antrag wurde der Zuschlag sofort 
rteut. — 3. Pferdemarkt Nr. 7, den Erben des Bäckermeisters 
. F. Hannemann zu Lübed gehörig, beschwert mit 34 500 M. 
das Meistgebot von 25 020 Muwurde abgegeben von den Ge— 
rüdera Hellmuth und C. Wasserstradt zu Lübeck. Auf Antrag 
vurde der Zuschlag sofort erteilt. — 4. Große Petersgrube 
Nr. 12, dem Kaufmann P. F, F. Schumburg zu Lübeck ge— 
Hrig, beschwert, mit 32 500 M. Meeistbietender war der 
chemiker Dr. phil. G. G. E. Geffcken zu Köln-Niehl mit einem 
ßebot von 18205 M. Ueber den Zuschlag soll am 9. Sept. 
913 entschieden werden. — Zugeschlagen wurden folgende 
zrundstücke: 1J. Lachswehr-Allee Nr. 4 dem Fabrikanten J. 
Niesner zu Lübeck für das am 19. August von der Witwe 
3. Karser geb. Bormann abgegebene, nachträglich an Miesner 
bgetrelene Gebot von 15 140 Meund 143 Miäjährliche Ab— 
abe. — 2. Engelsgrube Nr. 56 dem Roßschlachter G. R. 
ose zu Lübeck für das am 12. August abgegebene Gebot von 
25000 M. — 3. Hintern Höfen Nr. 6 zu Schlutup der 
schlutuper Bank in Liquid. zu Schlutup für das am 19. Auaust 
bgegebene Gebot von 100 M. 
Kinder hoben ihren Engel. In der Nähe des Fünfhausen 
am heute morgen gegen 10 Uhr ein etwa biähriges Mädchen 
nter einen Straßenhahnwagen und wurde eine Strecke mit 
otgeschleift und nach dem Halten des Wagens fast unver—⸗ 
hriͤ mit leichten Hautabschürfungen unter dem Magen hecvor—⸗ 
Polt. 
·me Fetienstraflammer. Sitzung vom 28. Aug. Wegen 
Riebsthls im Rüädfalle wird, verhandelt gegen den aus 
em Untersuchungsgefängnisse vorgeführten Bauarbeiter Otto 
i. aus Pommerenzdorf. Der, Angeklagte ist vielfach, darunter 
mal wegen Diebstahls vorbestraft. Trotzdem gelang es ihm, 
ich Stellung bei der hiesigen Wach- und Schließgesellchaft zu 
erschaffen. Als solchet hatte er die Räume des abgebrannten 
taustadtschen Warenhguses zu revidieren. Bei dieser Gelegen⸗ 
eit eigneie er sich 3 Stoffreste und 2 Regenschirme im Gesamt— 
erte ven 4 Man. Der Angeklagte will diese Sachen für 
errenlos gehalten haben. Er wird zu 6 Monaten Gefängnis 
erurteilt. — Ebenfalls des Diebstahls im Rüucfalle 
ind weiter wegen Bettelns angeklagt ist der aus der Unter⸗ 
uchungshaft vorgeführte Schleifer Gustav Be. aus Berlin. 
der Angellagte, der mehrfach vorbestraft ist, stahl am 23. Juli 
. J. von dem Hausflur, der hiesigen Rechtsauskunftstelle ein 
ahrrad, mit dem er, alsbald, gefaßt wurde. Weiter hat der 
lageklagte Bettelbriefe an hiesige Einwohner geschrieben und 
iese daim, zur Erbettelung von Almosen persönlich aufgesucht. 
das Gericht erkennt wegen des Diebstahls auf 9 Monate Ge— 
ingnis, wegen Bettelns auf 2 Wochen Haft. — Wegen Ver— 
rechens gegen die Sittlichkeüt wird aus der Unter⸗ 
ichungshaft vorgeführt der Hausdiener Willy Lo. aus Altona⸗ 
tiersent, Er wird zu 7 Monaten Gefängnis perurteilt. Von 
er Strafe gelten 2 Wochen als durch die Untersuchunqgshaft 
erbützt. — Wegen Unterschlagung, Urkunden, 
älschung und B.etruges hat sich zu perantworten die 
rar ennzätterin Marie Vo. geb. Ka. von hier. Die Angeklagte, 
ie als Reinmachefrau, in Stellung war, erhielt im April d. J. 
on ihrer Arbeitgeherin 1,.30 M, um damit beim Bäder ge⸗ 
eferte Semmel zu bezahlen. Sie behielt iedoch den Betrag für 
ch und stellte noch obendrein eine mit dem Namen des betr. 
äckers unterschriebene Quittung aus und persetzte mit dieser ihre 
Irbeitgeberin in den Glauben, daß sie die 130 Metatsächlich 
—B 
nit einem, Betrag, von 1.70 M. Alcch diesen eignete sie sich 
in und beging in derselben Weise wieder eine Urkunden⸗ 
älschung. Einen Betrug sollte die Angeklagte nun weiter 
och dadurch hegangen, haben, daß sie sich angeblich auf den 
damen, ihrer Arbeitgeberin Kuchen im Werte von 2,30 M 
eben ließ und für sich verbraucte Mmzshrend möngen des Mo- 
ruges Freisprechung erfolgte, wird vom Gericht für die Unter⸗ 
hlagungen und Urkundenfälschungen auf eine SFefängnisstrafe 
on 2 Wionaten erkannt. 
WLeichenfund. Heute vormittag wurde unterhalb der 
zegergzrube die Leiche eines Mannes aus der Traoe gesischt 
nd als diejenige des Arbeiters bezw. Händlers Schr. erlannt. 
Schr. war am 23. d. M. aus dem Marstall entlassen worden, 
vo er eine Strafe wegen Nichtbeschaffung eines Gewerbescheines. 
erhüßt hatte. Da Schr—- fast erblindet war, ist es nicht gqus- 
eschlossen, daß er in die Trave hinein gelaufen ist; anderecseits 
it aber auch Selbstmord nicht von der Hand zu weisen 
Neueste Nachrichten und Telegramme 
der „L Ar und „L. Z.. 
Eine Schuljungenichlacht. 
W. Berlin, 29. Aug. Am RKüstrinerplatz kam es gestern 
ibend zu einer regelrechten Schlacht zwischen fünf- bis sechs⸗ 
sundert Schuljungen. Vor einigen Tagen war zwischen zwei 
5chülern ein Streit entstanden, der zu Tätlichkeiten ausartete. 
die beiden Feinde wandten sich an gleichgesinnte Kameraden 
hres Stadtviertels. Zwei Parteien bildeten sich schnell und 
s kam zunächst zu kleinen Reibereien. Gestern trafen sich 
ie feindlichen Parteien zu einer Entscheidungsschlacht. Ein 
Zteinhagel, der den Verkehr erheblich störte und die Passanten 
n Gefahr brachte, eröffnete den Kampf. Bald waren die 
dämpfer in einem Handgemenge. Es war ein wüstes Durch— 
inander verbunden mit einem ohrenbetäubenden Lärm. Ein ge 
zchutzleute nahmen die Anführer fest und sührten sie ab. 
Eine bestialische Tat. 
DT. Grasdorf a. d. Innerste, 29. Aug. In der Nähe 
es Ortes wurde eine furchtbare Tat verübt. Ein Dienstmädchen 
amens Klingebeil, das die Anträge zudringlicher Knechte 
urückwies, wurde von den Burschen durch Messerstiche schwer 
erletzt. Die Rohlinge schleppten darauf das vedauernswerte 
zeschöpf an die Innerste und warfen sie in den Bach, wo die 
urch den Blutverlust Erschöpfte ertrank. Gestern gelang die 
zerhaftung der Mörder. 
Inglisch belgijchr Gebieis zustenus zum Schaden Deutschsendyß? 
DT. Brüssel, 29. Aug. Eenator Wiener verlangt in 
iner Anfrage an den Minister des Aeußern Aufklärung dar— 
ber, ob es wahr ist, daß die belgische Regierung augenblidlich 
nit England über einen Gebietsaustausch verhandelt, der es 
ßroßbritannien gestatten würde, zwischen Deutsch-Ostafrika und 
»em Kongostaat auf einem schmalen Streifen eigenen Gebietes 
ie transafrikanische Bahn vom Kap nach Kairo durchzuführen. 
Eine Note Mexikos an die Union. 
O7T. Newyork, 29. Aug. Der mexikanische Minister des 
leuhern, Gambog, hat dem Walhingtoner Stagtsdepartement 
nemer Note mitgeteilt, daß General Huerta ein cuf, gesetz⸗ 
näßigem Wege gewählter provisorischer Präsident ist, nicht aber 
in ständiger Präsident, der sich, gestützt auf seine eigene 
acht, dazu ernannt hat. Bei den Wahlen am 26. Oktober 
ind General, Hnerta nicht kandidieren. Er tut, dies aus 
schtung vor der Verfassung, keinesfalls aber, weil Präsident 
Bilson es verlangt. Weiterhin weist Mexiko mit Entrüstung 
as Anerbieten der Vereinigten Stagten zurück, für den Fall, 
aß es die Vorschläge der Washingtoner Regierung annimmt, 
ym eine größere Anleihe zu gewähren. Die Verlesung dieser 
dote im Kongreß hat großes Aufsehen erregt. Stagatsiekretär 
zrnan betrachtet die Lage optimistisch. Präsident Wilson hat 
einem Sendergesandten John Lind telegraphisch Anweisung 
egeben, von Vergcruz nach der Stadt Mexiko zurüczusehrcn. 
die, Haliung des Präsidenten Huerta wird in der Stadt Mexito 
nicht nur von den Inländern, sondern auch von den ausländischen 
Kosonien darunter der amerikanischen, gebilliat. 
* 
* 
.A. Hannover. 29. Aug. Dee städt'shen Koltegien be— 
zilligten in ihrer gestrigen Sitzung für die Anlage eines In-— 
ustriehafens am Kanal in unmittelbarer Nähe der 
ztadt und für den Erwerb von Hafengelände jüns Millionen 
Nark. 
DT. Paris, 29. Aug. Eine große Landesver— 
atsaffäre, beschäftigt die Militärbehörde von Vexsailles. 
Bie der Petit Parisien erfährt, ist am Mittwoch nachmittag 
er Wachtmeister G. Dieux der 8. Batterie des 11. Artillexie- 
degiments verhgftet worden. Dem Hauptschuldigen, e'nem Ax⸗ 
lleristen derselben Batterie, gelang es, zu entfliehen. ebenso 
iner als Zuträgerin dienenden Frau, die seit etwa 8 Tagen 
1 Weinem Versailler Hotel wohnte. Dem Wachtmeister wirft 
zan nicht direkten Landesverrat, sondern Begünstigung des 
brtilleristen vor. Er soll zu diesem eine eigenartige Freunde 
haft gehabt und ihm infolgedessen große Freiheifen gelassen 
aben: Der Soldat durfte jederzeit nach Paris fahren. außer— 
alb der Kaserne schlafen, auch durfte er den photegraphi— 
chen Apparat des Wachtmeisters benutzen. wann er wollte. Mit 
iesem Apparat hat der Artillerist, Aufnahmen von Geschütz- 
eilen, Festunoswerken und allen sonst zugänglichen nüli?ärischen 
Dingen gemacht. Als sein Treiben auffiel, ließ man ihn bhe— 
bachten. Der Soldat erfuhr davon und flüchtete, konnte aber 
iicht mehr die belastenden Photographien und eine chiffrierte 
Forrespondenz beseitigen, die sein Syhionagetreiben bewiesen. 
Aus der Korrespondenz geht hervor. daß die Photographien 
inem österreichischen Agenten ausgeliefert wurden. Ueber die 
ils Vermittlerin dienende Fraus hat man bisher in Ver— 
nriiles noch nichts näheres feststellen können, doch behauptet 
/er Petit Paxrisien, daß sie eine gus einem großen Spionage— 
rrozeß her bekannte Persönlichkeit sei. Es soll sich um eine 
ielgenannte schöne Frau namens Linon handeln. 
DT. Paris, 29. Aug. Aus der Garnison Foix sind 50 
ßendarmen und 200 Soldaten des 59. Infanterie-Regiments 
iach der im Bau befindlichen neuen Pyrenäenbahn abgegangen, 
im den spanischen Unternehmer Pellerien mit seiner aus 
300 Mann bestehenden Arbeitskolonne gewaltsam 
ruszuweisen. Die Ausweisung erfolgte auf Veranlassune 
»es Ministers der öffentlichen Arbeiten. da Vellerien kontrakt. 
rüchig geworden ist. 
DT. Paris, 29. Aug. Die Morgenblätter berichten einen 
wischenfallaus Chalons sur Saone, wo ein deut⸗ 
her Schiffer einen französischen Feldwebel be— 
himpft und beleidigt haben soll. Nach der Taärstellunç 
es Journal führte der deutsche Schiffer Sander jein Booi 
Helena“ die Saone aufwärts, um nach Nancy zu gelangen. 
Ils er an der Militärschwimmanstalt des 56. Infanterie-Regi— 
nents ankam, riß das Tau, welches vom Schiff zu dem am 
Ifer stehenden Pferde führte, die Abgrenzungsboje der An— 
alt fort. Der aufsichtsführende Jesdwebel Briffault stellte den 
zchiffer deswegen zur Rede. Dieser gab jedoch grobe Ant⸗ 
yorten und trieb sein Gespann weiter an. Darauf rief der 
eldwebel zwei Soldaten herbei und Feß die das Schiff ziehen⸗ 
en Pferde anhalten. DTadurch wurde der Schiffer in noch 
rößere Wut versetzt. Er beschimpfte den Feldwebel und be— 
rohte ihn. Die herbeigerusene Gendarmerie nahm an Ort 
nd Stelle ein Protokoll auf, worauf die „Helena“ ihre Fahrt 
ortsetzen durfte. Die Staatsanwaltschaft in Chalons ist jedoch 
er Ansicht, daß die Belseidigungen schwer sind, zumal er als 
eutscher Staatsangehöriger einen französischen Soldaten bei 
lusübung seiner Pflicht beschinpft hat. Es murde ein Haft— 
efehl gegen Sander erlassen, worauf dieser gestern abend bei 
z5t. Jean de Losne verhaftet und dem Gefängnis in Chalons sur 
zaone zugeführt wurde. Sander ist 29 Jahre alt und stammt 
uus Trier. Er wird sich vor dem Polzeigericht zu verant⸗— 
norten haben
	        
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