Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

in den groben Erinnerungen der Zeit vor hundert Jahren habe, 
denn der Bürgerschaft Breslaus sei es vorbehalten gewesen, in 
zie Herzen des unter dem Druck der Zeit schwer leidenden Königs 
ind der Königin den ersten Sonnenstrahl hineinzuführen. Dieser 
Somenstrahl habe das Feuer angefacht, das dann durch das 
ganze Land gegangen sei, nämlich die Erhebung gegen die 
Fremdherrschaft. Er hoffe, daß es auch ferner gelingen werde 
unter dem Schutze des mächtigen deutschen Heeres, 
as eines der Sauptpfeiler des europäischen 
Friedens ist, diesen Frieden dauernd aufrecht zu erhalten, 
uind so auch diese Stadt unter den Segnungen des Friedens 
ind friedlicher Arbeit teilnehmen zu lassen. 
Inzwischen überreichte Fräulein Eva Schmidt, die von drei 
tleinen weißgekleideten Mädchen umgeben war, der Kaiferin 
einen Blumenstrauß, für den die Kaiserin dankte. Sie ließ sich 
edes der drei kleinen Mädchen in den Wagen reichen und küßte 
sie. Die Vrinzessinnen reichten ihnen die Hand. 
Oberbürgermeister Matting brachte ein dreifaches HSoch auf 
as Kaiserpaar aus, das brausenden Widerhall fand. Die Ka— 
elle des in der Nähe stehenden zweiten schlesischen Jäger— 
»ataillons Nr. 6 spielte die Nationalhymne. Dann setzte sich 
zer Zug nach dem Schloß in Bewegung. Die Glocken der Stadt 
äuleten. Vor dem Schlosse stand eine Ehrenkompagnie vom 
Grenadierreciment Nr. 11. Das Kaiserpaar nahm im König— 
lichen Schsloß Wohnung, wo sogleich der große Zivilempfang 
tattfand. 
W. Breslat, 28. Aug. Die Provinz Schlefien be— 
eitete dem Kaiserpaar abends im Landeshause ein glänzendes 
Fest. 
Der Auffahrt der Fürfstlichkeiten wohnte eine ungeheure 
Menschenmenge bei. Die Herrschaften wurden empfangen vom 
herzog von Ratibor als Vorsitzenden des Provinziallandtages 
und vom Landeshauptmann Freiherrn v. Richthofen und dem 
tellvertretenden Vorsitzenden des Provinzialausschusses Dr. 
Bender. Sie wurden in den zum Empfangsraum eingerichteten 
dichthof geleitet. Dieser war mit Girlanden in allen Schat⸗ 
tierungen von Rot behängt. Teppiche zierten die Brüstungen 
der beiden Galerien. Vorher hatten sich eingefunden u. a. der 
Kronprinz und die Kronprinzessin, Prinz Eitel Friedrich, Prinz 
ind Vrinzessin August Wilhelm, die Prinzen Oskar und 
Joachim, ferner Prinz Friedrich Wilhelm, Erbprinz und Erb— 
zrinzessin von Sachsen-Meiningen sowie die in der Provinz 
anfässigen Fürsten und Fürstinnen und die Inhaber von 
Aemtern der Provinz mit ihren Gemahlinnen. Sobald das 
Kaiserpgar den Lichthof betrat, ertönte der Festihymnus: „Mit 
Hott für Kaiser und Reich“ von Werding für Männerchor 
und Orchester, vorgetragen von der Männergesang- und Or— 
hester-Vereinigung Breslau (ehemalige Militärmusiker) und dem 
Hesangverein der Provinzialverwaltung Schlesien. Das Kaiser—⸗ 
»aar begrühte die Versammlung. Dem Kaiser wurde eine 
Anzahl Radierungen von Ulbrich überreicht. Als zur Tafel 
zeschritten wurde, führte der Herzog Ernst Günther die Kai— 
erin; der Kaiser führte die Herzogin von Ratibor. In den an 
»en Kaisersaal angrenzenden Räumen wurde an einzelnen 
Tischen gespeist. Im Kaisersaal waren die Tische für den Kaiser 
ind die Kaiserin auf der Empore gedeckt. Die Schmückung des 
Tisches des Kaisers hatten das Herzogpaar von Ratibor und 
Fürst zu Hohenlohe-Oehringen übernommen, die des Tisches 
»er Kaiserin das Herzogpaar Ernst Günther; beide Tische 
raren mit rosa Nelken geschmückt. Die im Hauptraum aufge— 
tellten weiteren zehn Tische waren von je einer in Schlesien 
ansäsffigen Adelsfamilie mit Blumen in verschiedener Art und 
Farbe geschmückt. Die Adelsfamilien hatten das gesamte Tisch— 
ilber, Porzellan, Tafelaufsätze und Armleuchter herbeigeschafft. 
Lakaien und Jäger in reichen, verschiedenartigen Livreen der 
Fürstenhäuser bedienten an diesen Tischen. Den Saal selbst 
ierten Girlanden in Gelb und Violett. Am ersten Tische präsi— 
dierten Fürst und Fürstin zu Solms. Hier nahm die Kron— 
prinzessin Platz. Au dem Tische des Fürsten und der Fürstin zu 
hatzfeldt saß der Kronprinz. Die Tafelmusik stellte das Regi— 
nent der Leibkürassiere. Nach der Tafel hielt das Kaiserpaar 
ängere Zeit Cercle. Das Herzogpaar von Ratibor und Frei— 
herr v. Mirbach stellten hierbei vor. Breslau ist glänzend 
Wuminiert 
W. Breslau, 28. Aug. Der Kaiser verlieh der Erbprin— 
essin von Sachsen-Meiningen den Wilhelmsorden, ferner dem 
zerzog von Ratibor das Kreuz des Großkomturs des Haus— 
rdens von Hohenzollern, dem Fürsten zu Pleß den Roten 
Adlerorden erster Klasse und dem Oberpräsidenten v. Günther 
»en Stern zum Roten Adlerorden zweiter Klasse mit Eichen— 
aub. 
— 7 
A⏑ — 
LTheater. Kunit und Wissenschaft. 
Lübed, 29. Aug. 
Stadthallen⸗Theater. 
„Standhafte Liebe.“ 
Verslustspiel in 3 Akten von 5. Kruse. 
In der Tat! Sie ist wahrhaft standhaft und wirklich rũh⸗ 
end, die große, heiße Liebe, die in diesem Verslustspiel, das 
ereits unter Intendanzrat Kurtscholz zur Aufführung gelangte, 
zeschelder wird. Vor einem malerischen, stimmungsvollien Hinter— 
zuunde, in der Umgebung einer französischen Abtei und in den 
äumen des Klosters selbst, baut'sich die Handlung auf, die den 
Heldenmut der Liebe, die allen Hindernissen siegreich X 
erherrlicht. Zum erstenmal in seinem Leben hat der Gold— 
chmied Tourangeaud der wahren Liebe Macht empfunden und 
»egehrt nun die Angebetete zum Weib. Ein schlichtes Hirten— 
mädchen ist sie, zwar schön — sehr schön —, aber ebenso 
arm und überdies samt ihren Eltern dem Kloster St. Germain 
leibeigen. Wie nun der Goldschmied bei dem Abt des Klosters, 
erst bittend, dann drohend um die Freigabe des armen Hirten— 
mädchens wirbt, wie er sich schließlich — nach langem Wider⸗ 
itreben — dem bestehenden Gesetze beugt und sich als freier 
Mann der Hörigkeit des Klosters unterwirft, um die Geliebte 
zu crringen, wie solche standhafte Liebe dann schließlich doch 
Bcelohnung findet — das ist in der heiteren, freundlichen Dich— 
tung in zwar wenig tiefen, aber doch wohlklingenden Versen 
dargestellt. Natürlich können die meisten Figuren des Stödes 
durch die Unwahrscheinlichleit ihres Handelns auf Lebenswahr— 
heit keinen Anspruch machen. Das Ganze mutet eher wie ein 
belanntes Märchen an, in dem der Prinz ein armes, schönes 
Mädchen findel, nach langem Kampf für sich erringt und dann 
zu seinem kleinen, goldigen Prinzeßchen macht. In diesem 
Sinne aufgefaßt, sind die Figuren hübsch gezeichnet, und ohne 
biderstreben kann der Zuhörer dem Geschick der Liebenden mit 
snteilnahme felgen. Namentlich eine köstlich gezeichnete Ge— 
talt verklärt das Stüch, der Abt von St. Germain, ein lebens— 
luger, rüstiger Greis, der sich trotz seiner 93 Jahre ein iunges 
Herz bewahrte, verwandelt sich doch auch sein anfänalicher 
Erosffnung des Haager griedenspalastes. 
Haag, 28. Aug. Bes prachtvollem Wetter bietet die Stadt, 
ie anläßlich des hundertiährigen Gedenktages der Erringung 
er nationalen Unabhängigkeit re'ch geschmückt ist, einen heiteren 
nblid. Eine dichte Menge drängt sich in den Straßen um den 
friedenspalast, wo die Königin, die Königin-Mutter und der 
Frinzgemahl um 24 Uhr anlangten. Nachdem die Königin sich 
Indrew Carnegie und Gemahlin hatte vorstellen lassen, betrat 
ie den großen Saal des Palastes, wo fich 400 Gäste ver— 
ammelt hatten, die Minister, die fremden Gesandten und die 
0 Mitglieder des Internationalen Schiedsgerichts, unter ihnen 
brof. Tr. v. Martitz für das Deutsche Reich. Nachdem der Chor 
ie alte Nationalhymne gesungen hatte, würdigte van Karnebech 
er Präsident der Carnegie-Stiftung, in ausführlicher Rede die 
ßbedeutung des ständigen Schiedsgerichts. Er 
prach sich gegen die Einrichtung eines obligatori— 
chen sowie eines ständig tagenden Schiedsge4- 
ichts aus, gedachte dann Carnegies, des hochherzigen Stif— 
ers, der anderthalb Millionen Dollars für den würdigen Rah— 
ien dieser Institution gegeben, und richtete in englischer 
prache Worte des Dankes und der Anerkennung an diesen. Nach 
maehender Beschreibung des Palastes überreichte er dem Präsi— 
enten des Verwaltungsrates ein Eiui mit dem Schlüssel, den 
ie deutsche Regierung für die große Eintrittspforte an— 
ertigen ließ. Der Redner schloh mit den Worten des Dankes 
en die niederländische Regierung, die die Ausführung des Baues 
rleichtert habe. 
Nach abermaligem Chorgesang drückte der Minister des 
leubern v. Marees van Swinderen, der Präsident des ständigen 
-chiedsgerichtshofes, im Namen des Verwaltungsrates des 
?chiedsgerichtshofes seine Genugtuung darüber aus, daß die 
kröffnung des Palastes einer Mternationalen Justiz Tatsache ge— 
borden sei. Er dankte der Königin, der Königin-Mutter und 
em Prinzen der Niederlande für ihr Erscheinen und zollte den 
Nitgliedern der Direktion der Carnegie-Stiftung. insbesondere 
em Präsidenten van Karnebeck, sebhafte Anerkennung. Der 
dedner sprach dann englisch weiter, um Carnegie selbst Dank 
nd Huldigung für seine Arbeit im Dienst der Menschlichkeit 
arzubringen. Zwar werde auch in diesem Gebäude nicht der 
wige Friede geschaffen werden, wohl aber darin fruchtbare 
srbeit geleistet werden können. Hochgemut und hoffnungsfreudig 
znne die Diplomatie die Einweihung dieses Tempels be— 
.rüßen. Als Karnebech Carnegies Schenkung erwähnte, ertönte 
ebhafter Beifall. Im Vestibül des Friedenspalastes wurde darauf 
ine Büste Randal Cremers, der der eifrigste englische Friedens— 
arlamentarier war, enthüllt, wobei Carnegie die schon ge— 
neldete Rede mit dem Appell an den deutschen Kaiser hielt. 
Die Feier schloß mit einem Chocgefang; sie wirkte in ihrer 
tinfachheit sehr eindrudsvoll. Unter den Anwesenden befand sich 
uch der Erbauer des Palastes, Cordonnier, aus Lille. Carnegie 
vurde in den Straßen vielfach lebhaft begrüßt. 
* — 
Deutsches Reich. 
A.B. Die Wirlungen der Zündholzsteuer. Vo unterrich— 
eter Seite wird uns geschrieben: Die jüngsten Mitteilungen 
»er amtlichen Statistik über das Ergebnis der Zündholzsteuer 
assen keinen Zweifel daran, daß diesẽ Steuer noch nicht den 
zeharrungszustand erreicht hat, den die Reichsregierung bei der 
durchsührung der Finanzreform von 1009 erhoffte. Seit der 
m 1. Oktober 1909 erfolgten Einführung dieser Steuer hat sie 
isher insgesamt 68 Mill. Mueingebracht. Im ersten Jahr 
»lieb der Ertrag, der auf 25 Mill. geschätzt war, mit 14,4 
Mill. Meweit hinter den Erwartungen zurüch; doch war dies 
ediglich eine Folge davon, daß elle Händler und Konsumenten 
ich im voraus auf hängere Zeit mib Zündhölzern versehen hatten. 
dicht weniger als 66 Toppelwaggons mit Zündhölzern wurden 
amals vom Ausland eingeführt. Im Jahre 1910 stieg der 
ertrag auf 19,5 Mill. und im folgenden Jahr auf 22,3 
Mill. Für das laufende Etatsjahr ist sie mit 20,1 Mill. M 
eranschlagt. Nun ist es eine auffällige Erscheinung, 
»aß die Zündholzsteuer auch jetzt noch vorübergehend weit 
einter den Erwartungen zurüchleibt. Das erste 
Bierteliahr 1913 schloß zwar bei einem Ertirag von 4697 000 
N mit einem Mehr von 8343 000 Megegenüber der gleichen 
zeit des Vorjahres ab. Der Monat Juni 1913, der im Vor⸗ 
ahr 1577 000 Miueinbrachte, hat jetzt nach der soeben ver⸗ 
ffentlichten Statistik nur 1452 544 M, also 125 236 M 
veniger eingebracht. Auch mehrere frühere Monate, hatten 
hon geringere Erträgnisse gegenüber dem Vorjahr geliefert. 
Lie Vertreter der dieutschen Zündholzindustrie sind natürlich 
nit der Steuer im höchsten Maße unzufrieden. Ihr Gesamt— 
ontingent beträgt jährlich 255900 Kisten. Sie haben bis jetzt auf 
2arrsinn, mit dem er dem Glück der Liebenden entgegenn, 
chließlich in lauter Güte und Liebe. Er wurde von Ernst 
Llbert der auch das Stück in Szene setzte, bei präctiger 
RNaske lebensvoll, mit der dem ehrwürdigen Greise eigenen 
zchalkhaftigkeit verkörpert. Den erst so schüchternen, dann 
o ftürmisch-wilden Liebhaber Tourangeaud stellte Hans 
Vallis — zuweilen etwas sall ungsvoll — im ganzen aber 
nsprechend dar. Anmutig und liebreizend gab iich Maada 
derichardt sowohl als armes, dürftig gekleidetes Hirten— 
nädchen wie auch später als die freie und reiche Goldschmieds— 
zattin. Von den übrigen Darstellern seien noch Fr. Ambronn 
is Kammerherr und Otto Bösgel als Prior erwähnt. Das 
zublikum nahm das Lustspiel freundlich auf und zeigte sich 
leichfalls „standhaft“, indem es nach iedem Akte und am 
zchlusse lebhaft Beifall spendete. 
DT. Amszeichmung. Dem Bildhauer Prof. Max Unger zu 
Zerlin-Steglitz ist der Rote Adlerorden zweiter Klasse mit 
nit Eichenlaub und der Kgl. Krone verliehen worden. 
Ein Besuch bei Carnso. Einen großen Teil der siolzen 
zummen, die Caruso alljährlich durch seine Stimme verdient, 
egt der Sänger im Ankauf von Landvillen und Gütern an. 
in Toskanag besitzt er bereits eine ganze Reihe von schönen und 
rattlichen Liegenschaften, hier sammelt er in sommerlicher Ruhe 
eue Kraft zu seiner Winterarbeit, beschäftigt sich mit dem 
lusbau seiner Landhäuser, läßt renovieren, vervollkommnet 
ie Imneneinrichtung und führt das ruhige Leben eines ge— 
nächlich auf dem Lande verweilenden Grandseigneurs. Ein 
MNitarbeiter der Tribuna, ein Duzfreund Carusos, hat den 
zänger dieser Tage in einer jenet prächtigen neuerworbenen 
'andvillen besucht: in Bellosguardo bei Signa, oberhalb 
'astta. Es ist ein fürstliches Besitztum, prachtvolle Alleen 
00 Jahre alter Bäume führen durch den Pacrk, mächlige 
Zerrassenbauten und Balustraden durchbrechen das Grün der 
Anlagen, fast jeder Schritt bringt neue Ueberraschungen, 
zpringbrunnen, kleine Teiche und Statuen. In der Nähe der 
Zilla, die eigentlich ein Schloß ist, liegen auch die Arbeits 
Srund des Steuergesetzes 462 000 Kisten produziert. Bei n 
raler Produktion wie vor Einführung der Steuer haͤtte⸗ 
ie 892 500 Kisten liefern können; das macht ein Weniger vo 
40 000 Kisten aus. Tas Wort von der „halbierten gee 
ndustrie“ trifft demnach zu. Nach Meinung der Fabrikante 
nüßte die Zündholzsteuer bei 1ller Produktion der —— 
etzt jährlich 384 Mill. Mebringen. Daß dem nicht so ist, schrei 
——— Nicht besteuerung 
er künstlächen Feuerzeuge zu, die als eine Nebenwirkung 
er Zündholzsteuer den Fabrikanten der alten Zündhölzchen daß 
veschäft mnoch mehr verderben. Es ist daher begreiflich, 3 
»ie Zündholzfabrikanten immer wieder den Ruf nach einer Be⸗ 
teuerung der Feuerzeuge erheben. Sie befürchten, daß die Zünd— 
olzindustrie infolge der mangelnden Besteuerung der Ersatz⸗ 
uiittel zugrunde geht, und appellieren an die Reichsregierung, 
ie Taschenfeuerzeuge wie die Zündhölzchen zu besteuern. —* 
ie Regierung sich dazu nicht entsch''ehen kann, so empfehlen 
ie Zündholzindustriellen jeigt erneut den wiederholt 
emachten Vorschlag, die Fabriken durch Ablösung zu ent 
chädigen und ein Reichsmonopol auf Zündhslzew 
inzuführen. In Frankreich besteht seit 1911 neben dem Zünd, 
olzmonopol eine Steuer auf Feuerzeuge; in Spanien sind d'ese 
ollständig verboten. Zündholzmonopole gibt es ferner in 
dortugal Griechenland, Serbien und Rumänien, und es kann 
nicht geleugnet werden, daß der finanzielle Ertrag bei einem 
zündholzmonopol bedeutend höher ist als bei einer Steuer, 
esonders, wenn sie, wie in Deutschland, die Feuerzeuge un— 
esteuert läßt. — Wie wir bierzu von zuständiger Seite im 
Reichsschatzamt hören, dürften die Wünsche der Interessenten 
in absehbarer Zeit nicht auf fruchtbaren Boden fallen. Es ist 
weder eine Besteuerung der Feuerzeuge, noch die Einführung 
ꝛines Reichsmonopols auf Zündhölzer in Aussicht genomnien. 
1 Z 
* 
Ausland. 
Frankreich. 
Die ersten zwanzigjährigen Rekruten. Die Aushebung der 
»xiten zwanzigiährigen Rekruten hat gestern begonnen. Die 
Piilitärbehörden verfahren dabei mit großer Strenge und nur 
n den dringendsten Fällen tritt gänzliche Befreiung vom Mili— 
ärbienst, ein. So sind beispielsweise im ersten Pariser Arron— 
isement von 295 Gestellungspflichtigen sechs wegen schweren 
örnperlichen Gebrechens ganz befreit worden, uUnd nur 29 wurden 
vegen ungenügender körperlicher Entwicklung bis auf wveiteres 
utückgestellt. — Die Krawalle bei dem Zapfenstreich vom 
ergangenen Sonnabend haben bereits ihre Sühne vor Ge— 
icht gefunden. Vier Antimilitaristen, die sich Tätlichkeiten gegen 
die Polizen haben zuschulden kommen lafsenn, wurden zu acht 
e vier Monaten Gefänanis verurteilt, einer murde frei— 
weDorochen 
England. 
.Asquith umd die Frauenstimmrechtlerinnen. Als Premier- 
ninister Asquith in Lossiemouth Golf spielte, griffen iha zwei 
ßkorkämpferinnen des Frauenstimmrechis an und hiel— 
en ihn fest schlebpten ihn umher und s‚schlugen 
h,ein seinen Hut herunter, Seine Tochter eilte ihm zu 
Zilfe. Zweri Detektive brachten die Frauen auf die Polizeiwache. 
das Publikum pfiff sie aus und rief. man solle sie in die See 
werfon 
Afrika. 
Erfolg Bothas. Die Kundgebung in Rustenburg endete mit 
inem großen Erfolge für Botha. Das Vertrauensvotum ergab 
500, Stimmen für ihn, gegen 750 für Hertzog. Botha wurde 
on seinen Anhängern auf den Schultern durch das Dorf, ge⸗ 
ragen. Seine Vopularität ist vollständig gesichert. Eine Ver—⸗ 
ammlung von Anhängern Hertzogs nahm einen Beschluß an, 
der Bothas Rücktritt als Bedingung der Versöhnung und 
Miedererftatkung der Nationalpartei bezeichnet. 
Amerila. 
Mexikanischer Wirrwarr. In dem Hia und Her von 
Meldungen die den amerikanischemexikanischen Beziehungen ge— 
bidmet, sind, kennt, man sich bald überhaupt nicht mehr aus 
daß die gamerikanische Regierung entschlossen jst, ihren diplo— 
natischen Forderungen den nötigen Rachdruck zu verleihen, 
as beweisen die Truppenverschiebungen nach der Grenze hin. 
)b. es aher wirklich zu einem bewaffneten Eingreifen den 
lnion in Mexiko kommen wird, das steht noch dahin. Das 
ängt in der Hauptsache davon ab, ob Präsident Huerta geht 
»der „bleibt.. Die Staatsmänner in Washington fordern be— 
anntlich, daß möglichst rasch eine endgültige Präsidentenmahl 
rgenommen werde — Huerta ist ja nur provisorischer Prä— 
ident — und daß Huerta bei dieser Wahl vollkommen aus— 
zeschaltet würde. Der mexikanische Minister Gaboa soll diese 
Zumutung nach einem Rücktritt Huertas als unmöglich be— 
eichnet haben und soll feierlich Mexikos verletzte Würde he— 
ont haben. Inzwischen scheinen aber die Machthaber in 
Mexiko doch etwas kleinlauter geworden zu sein. Der 
amerikanische Sondergesandte Lind, der sich vorsichtigerweise 
noch, in Verakruz aufhält, um für alle Fälle rasch zue Hand 
ꝛu sein, soll wiederum um seine guten Dienste angegangen 
verden. und die Staatsgelehrten finden guf einmal heraus. 
aß die Sorgen der Diplomaten der großen Nachbarrepublik 
m Huertas Präsidentschaft eigentlich recht unbegründet sind. 
Denn Huerta könne gar nicht zum Präsidenten gewählt werden, 
da die Verfassung die Kandidatur eines Interimspräsidenten 
— 1 
·Aume, in denen die Ernte der umliegenden Pachtgüter ver— 
irbeitet wird; diese Werkstätten werden demnächst mit dem 
zerrenhaus verbunden und zwar durch einen prachtvollen großen 
Zäulengang, dessen Entwurf Caruso emsig beschäftigt, denn 
sach der Vollendung soll hier eine Reihe von Kunstwerken 
Jufstellnug finden. Aber selbst in dieses Sommeridyll tönt das 
icho geschäftlicher Fragen, ijeden Morgen bringt der Brief— 
räger einen leider nur alliu stattlichen Sack von Vostsachen 
ind seuszend, seine Berühmtheit verwünschend, macht sich dann 
taruso an die Arbeit, diesen täglichen Einlauf, der einem 
zroßen Geschäftsunternehmen Ehre machen könnte, durchzusehen. 
die geschäftlichen Briefe, die Anfragen und Verhandlungen sind 
»as Wenigste, das Schlimmste sind die unzähligen Betteibriefe, 
die Tag um Tag auf den berühmten Tenor einstürmen. Es ist 
'ast, als gäbe es kaum noch Erfinder oder Bedürftige, die sich 
icht an Caruso wendeten, dazu kommen die Vereine und 
restkomitees, die alle möglichen Wünsche vortragen und schließ— 
ich auch d'e Heiratsangehot‘, die weniastens für Sumor sorgen. 
Das ist noch gar nichts“, erzählte Caruso lachend seinem Gaite, 
er eines Morgens kopfschürtelnd den Haufen eingelaufener 
zriefsachen betrachtete, „Du müßtest erst alle die Erpresser- und 
drohbriefe lesen, die auf mich niedergehen, wenn ich in 
Tmerika bin.“ „Nun, die berühmte Geschichte mit dem Affen 
jenügt ja“, meinte der Gast, worauf Caruso lächelte und 
en Kopf schüttelte. „Nein, ich will nicht ungerccht sein, die 
zeschichte war für mich ein Glücksfall. Als ich nach der Affäre 
um ersten Male wieder vor dem Newyorker Vublikum sang, 
jährte der Beifall eine Viertelstunde: und ich machte mir das 
»fort zunutze, um mir die Gage erhöhen zu lassen. Vor der 
Iffengeschichte bekam ich 7000 Lire für den Abend, heute 
2500. Und weißt du, was ich jährlich durch die Grammophon— 
latten verdiene?“ „60 000 Lire schätze ich.“ „Die Zahl hast 
u geraten, 60 000, aber — monatlich.“ Und als der Gast 
mgläubig den Kopf schüttelte, holta Tarrwo eine Mappe mit 
Ubrechnungen und bewies mit Zahlen, daß er nicht übertrieben 
Atte RO¶.
	        
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